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1 Johannes 4,19-26 19.5.2013 Echte Anbetung Was ist eigentlich

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Johannes 4,19-26
19.5.2013
Echte Anbetung
Was ist eigentlich die richtige Form der Anbetung? Beim Thema Anbetung geht es zentral um Gott,
da geht es um Gott wie sonst kaum in der Praxis unsers Glaubens. Anbeten heißt wörtlich sich niederwerfen, auf die Knie fallen, sich Gott unterwerfen, ihn verehren. Da geht es also nur um Gott.
Aber gerade bei diesem Thema können Meinungen hart aufeinander treffen. Und ich habe den Eindruck, dass es dann doch nicht nur um Gott geht. Die einen sagen: „Man kann Gott nur mit den guten
alten Chorälen würdig anbeten.“ Die anderen widersprechen: „Gott kann man nur richtig mit zeitgemäßer Musik und aktuellen Texten anbeten.“ Die einen wollen ruhige getragene Musik, um zur
Ruhe zu kommen, sozusagen mit Harfen, wie es in Psalm 150 angedeutet wird. Die anderen wollen
ihre Begeisterung über Gott laut und am besten noch mit Schlagzeug ausdrücken, auch im Sinne von
Psalm 150. Dort wird ein ganzes Percussion-Set erwähnt. Man diskutiert darüber, ob man nun beim
Beten aufstehen und die Hände heben muss oder ob man sitzen bleiben und die Hände falten soll.
Würden wir uns nach dem Apostel Paulus richten, müssten zumindest die Männer mit erhobenen
Händen beten. „Ich will dass die Männer beten an allen Orten und aufheben heilige Hände. Die einen
singen: „Ehre sei dem Vater“, die anderen: „Was bist du für ein cooler Papa.“ Die einen wollen meditative Texte, während die anderen fahnenschwenkend einem Ausdruckstanz zusehen möchten. Was
ist nun die richtige Form der Anbetung? Und um wen geht es da eigentlich? Geht es nicht doch um
mich, um meine musikalischen und sonstigen Vorlieben und Vorstellungen?
Es gibt eine Geschichte im NT, in der Jesus nebenbei wesentliche Dinge zum Thema Anbetung sagt.
Interessanterweise geht es dabei auch um einen Streit um die richtige Form der Anbetung. Zunächst
geht es in diesem Gespräch um den Durst nach Leben. Da ist eine Frau, die hat einen enormen Lebensdurst. Sie versuchte diesen Durst durch Beziehungen zu stillen. Inzwischen hatte sie den sechsten Mann. Jesus sprach sie darauf an und nun nahm das Gespräch eine interessante Wendung. Sie
fühlte sich von Jesus durchschaut und lenkte das Gespräch nun in eine ganz andere Richtung:
19 Herr«, sagte die Frau, »ich sehe, dass du ein Prophet bist.
20 Sage mir doch, warum ihr Juden darauf besteht, dass Jerusalem der einzige Ort ist, um Gott
anzubeten. Wir Samariter dagegen behaupten, dass es dieser Berg hier ist, wo unsere Vorfahren
gebetet haben.«
21 Jesus erwiderte: »Glaube mir, es kommt die Zeit, in der es keine Rolle mehr spielt, ob ihr den
Vater hier oder in Jerusalem anbetet.
22 Ihr Samariter wisst wenig über den, den ihr anbetet – wir Juden dagegen kennen ihn, denn die
Erlösung kommt durch die Juden.
23 Aber die Zeit kommt, ja sie ist schon da, in der die wahren Anbeter den Vater im Geist und in
der Wahrheit anbeten. Der Vater sucht Menschen, die ihn so anbeten.
24 Denn Gott ist Geist; deshalb müssen die, die ihn anbeten wollen, ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.«
25 Die Frau sagte: »Ich weiß, dass der Messias kommen wird - der, den man den Christus nennt.
Wenn er kommt, wird er uns alle diese Dinge erklären.«
26 Da sagte Jesus zu ihr: »Ich bin es, der mit dir spricht!«
Geschickt weicht die Frau aus. „Ah, du bist ein Prophet, dann kannst du mir doch einmal sagen, was
ich schon immer wissen wollte. Wie ist das eigentlich mit der Anbetung?...“ Ich frage mich, wie ernst
ist es der Frau tatsächlich mit der Anbetung? Ist es für sie wirklich eine zentrale Frage ihres Lebens?
Möchte sie wirklich Gott von ganzem Herzen anbeten? Ist es ihr wirklich ein Anliegen, den richtigen
Ort zur Anbetung zu kennen? Ich möchte die Frage an uns weitergeben? Wie ernst meinen wir es
wirklich mit der Anbetung? Was ist unser Motiv, wenn wir über Formen der Anbetung reden, über
Musik, über die äußere und innere Haltung? Um was geht es uns dabei? Nehmen wir uns doch einen
Augenblick Zeit, um darüber nachzudenken?
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Mich wundert bei diesem Gespräch, dass die Frau auf das Thema Anbetung ausweicht. Eigentlich
möchte sie nur von ihrem Problem ablenken. Da könnte sie nun auf alle möglichen theologischen
Fragen kommen. „Du bist ein Prophet. Dann kannst Du mir doch sicher sagen, wann der Messias
kommt.“ Aber das interessierte sie nicht. Ich glaube es ist kein Zufall, dass die Frau spontan auf das
Thema Anbetung kommt. Ich glaube, es hat etwas mit ihrer Sehnsucht zu tun. Sie hatte Sehnsucht
nach Leben, nach mehr. Und sie meinte, diese Sehnsucht in Beziehungen stillen zu können. Letztlich
auch mit Sex. Aber dass sie nun schon in der sechsten Beziehung stand, zeigt, dass ihre Sehnsüchte
letztlich dadurch nicht gestillt wurden. Seit der sexuellen Revolution in Deutschland sind nun schon
über 40 Jahre vergangen. Die Sehnsüchte der Menschen sind aber durch freizügigen Sex nicht gestillt
worden. Jetzt suchen die Menschen in der Esoterik. Man möchte spirituelle Erfahrungen. Unsere
tiefen inneren Sehnsüchte lassen in den übersinnlichen in den geistlichen Dingen suchen. Auch in
den Gemeinden wird zunehmend deutlich, dass der Glaube nicht nur etwas für den Kopf ist. Wir sehnen uns nach mehr, nach geistlichen Erfahrungen, nach einer tiefen Beziehung zu Gott, die über die
Verstandesebene hinausgeht. Und die Anbetung soll uns in diese Beziehung hineinführen. In der
Anbetung wollen wir Gott erfahren. Und wieder stellt sich mir die Frage, um was geht es uns bei der
Anbetung? Geht es um unsere Erfahrungen? Machen wir Anbetungszeiten im Gottesdienst, damit
wir geistliche Erfahrungen erleben? Ich glaube, auch wenn egoistische Motive dahinter stecken, ist
doch das Bedürfnis nicht verkehrt. Wir brauchen die Begegnung mit Gott. Unsere Herzen sehnen sich
nach dem Göttlichen, weil wir es verloren haben.
Jesus zeigt uns nun, wo und wie wir es finden können. Zunächst sagt er, es kommt nicht darauf an,
wo angebetet wird. Zwischen den Juden und den Samaritern gab es einen uralten Streit, wo der richtige Ort zur Anbetung ist. Diese Hintergründe müssen uns nicht weiter beschäftigen. Jesus sagt, in
der neuen Zeit, die mit ihm angebrochen ist, da spielt es keine Rolle, wo man anbetet. Mit dem Zeitalter des Heiligen Geistes, ist Anbetung nicht mehr an bestimmte Heiligtümer gebunden. Wir feiern
heute Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes. Die alte Verheißung aus dem Propheten Joel hat sich
an Pfingsten erfüllt, wo es heißt: ich werde meinen Geist über alle Menschen ausgießen. Joel 3,1.
Gott ist Geist, sagt Jesus, deshalb müssen die, die ihn anbeten wollen, ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Anbetung findet damit in einer völlig anderen Dimension statt. Es braucht keine besonderen Orte, wo wir Gott begegnen. Anbetung findet im Geist, in der Wirklichkeit Gottes statt, sie
ist nicht an materielle Dinge gebunden.
Wenn das so ist, dann betrifft das nicht nur die Frage nach dem richtigen Ort. Dann sind alle materiellen Dinge zweitranig. Körperhaltung, Musik, Lieder, Instrumente, das sind alles materielle Dinge. Es
gibt keine von Natur aus heilige Musik, keine heiligen Instrumente und keine besonders heiligen
Formen. In einem Artikel von Helge Stadelmann, über Worshipmusik, fand ich eine interessante Aussage: „Das Heilige hat kein eigenes Milieu.“1 Gott allein ist von Natur aus heilig. Das Heilige an sich ist
in einer ganz anderen Liga. Alles was hier in dieser sichtbaren Welt ist und abspielt ist zunächst unheilig. Gott kann aber Menschen heiligen. Im Alten Testament wurden Werkzeuge und Gefäße geheiligt, weil sie ausschließlich für den Tempel hergestellt wurden. Martin Luther und andere haben weltliche Melodien geheiligt, indem sie geistliche Lieder dazu schrieben. In allen Epochen und Kulturen
wurden weltliche Stile geheiligt. Denn es gab ja keine grundsätzlichen heiligen Stilrichtungen. So
nimmt jede Kultur und jede Generation Musikstile und Instrumente für ihre Anbetung. Musik ist also
nicht von Natur aus heilig, sie wird geheiligt, wenn sie für Gott, wenn sie der Anbetung gewidmet
wird. So kann barocke Orgelmusik und Techno-Musik der Anbetung dienen.
Jesus kommt auf den zentralen Punkt der Anbetung zurück, nämlich, um wen es bei der Anbetung
geht. Und da stellt er der Frau ein schlechtes Zeugnis aus. „Ihr wisst wenig über den, den ihr anbetet.“ Ich glaube, das ist eine wesentliche Aussage über Anbetung. Wir müssen uns nicht so sehr Ge1
Stadelmann, Praise & Worship, in Freie Gottesdienste zwischen Liturgie und Event. Studien und Theologie und
Bibel, 27.
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danken darüber machen, wie wir anbeten, welche Form, welche Lieder, welche Musik angemessen
ist. Wir müssen uns mehr Gedanken darüber machen, wen wir da eigentlich anbeten. Unsere Anbetung braucht eine solide theologische Grundlage. Darauf kommt es an. Wenn die stimmt, dann sind
die Formen zweitrangig. Und bei dieser theologischen Grundlage geht es nicht nur um die richtige
Lehre. Jesus spricht vom Kennen. „Wir Juden kennen ihn, ihr Samariter kennt ihn nicht.“ Die Samariter kannten auch Gott. Sie hatten die Fünf Bücher Mose, die Propheten standen aber nicht in ihrer
Bibel. Bei Kennen geht es um mehr. Kennen steht in der Bibel nicht für intellektuelles Wissen, sondern für Beziehung. Es geht neben dem Wissen, wer Gott ist noch um die wesentliche Frage, ob wir
mit Gott in einer lebendigen Beziehung stehen. Dieser zentrale Aspekt – Beziehung – wird deutlich,
wenn Jesus und die ganze Bibel von Gott als Vater spricht. Gott ist der Vater. Deutlicher und schöner
kann man diese Dimension der Beziehung zu Gott nicht ausdrücken.
Im Gespräch mit der Frau taucht eine feine Unterscheidung auf. Die Frau spricht von Gott anbeten.
Jesus dagegen spricht vom Vater anbeten. Das ist ein grundsätzlicher Unterschied. Hieraus könnte
man jetzt ein eigenes Thema aufmachen. Nämlich die Frage, ob Juden, Christen, Muslime zu dem
gleichen Gott beten. Man könnte die Frage noch weiter fassen, ob nicht alle Religionen im Grunde
den gleichen Gott anbeten. Wir aufgeklärten Europäer gehen da mit unserer eigenen Brille dran. Ich
hörte vor einiger Zeit den Vortrag eines koptischen Christen über die Scharia – das islamische Recht.
Aus Sicht dieses Christen, dessen Geschwister in Ägypten bedroht sind, kam der Islam schlecht weg.
Er sah den Islam und die Scharia aus den Augen eines betroffenen. Dann wurde er gefragt, ob denn
nicht Christen und Muslime den gleichen Gott anbeten. Völlig verständnislos wie man so etwas fragen kann, sagte er aus voller Überzeugung: „Der Vater meines Herrn, Jesus Christus, kann unmöglich
der Gott der Muslime sein!“ Es ist ein elementarer Unterschied, ob jemand zu Gott betet oder ob
jemand zum Vater betet. Spricht jemand von Gott oder betet jemand zu Gott, so ist das Bild sehr
diffus. Reden wir vom Vater, so wie ihn uns Jesus Christus vor Augen gemalt hat, dann ist das Bild
sehr klar. Wenn wir zum Vater beten, dann meinen wir nur einen. Und fragen sie einmal einen Muslime, ob er zu Allah Vater sagen kann.
Wir hatten letztens im Hauskreis darüber gesprochen, woran deutlich wird, ob jemand Christ ist. Für
mich ist ein wesentlicher Aspekt, ob jemand zu Gott Vater sagt. Ich bete zu Gott, meinem Vater. Das
kann ich, weil ich durch den Glauben an Jesus sein Kind geworden bin. Johannes betont im Vorwort
seines Evangeliums, da wo es um den ewigen Gott und um seinen Sohn, Jesus Christus geht: „All denen aber, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu
werden. Joh 1,12. Christen sind Gottes Kinder, sie beten zu ihrem Vater. Für mich ist das ein wesentliches Kriterium, ob jemand Christ ist. Und für Jesus auch, denn echte Anbetung richtet sich an den
Vater. Die wahren Anbeter, sagt er, beten den Vater im Geist und in der Wahrheit an.
Dieses Bild vom Vater sagt sehr viel über Anbetung aus. Eigentlich ist es kein Bild, sondern die Aussage über Gott. Die Tatsache, dass wir den Vater anbeten, wirkt sich auf unsere Anbetung aus. Ich
glaube Gott hat sich mit Vater bezeichnet, weil er damit in uns ganz tiefe Empfindungen trifft. Mit
Vater verbinden wir, wenn wir einen guten Vater hatten, sehr positive Erfahrungen. Urvertrauen,
Geborgenheit, Liebe, Wärme, Zuhause … Natürlich gibt es auch das perverse Zerrbild vom Vater.
Vielen ist durch schreckliche Erfahrungen in ihrer Kindheit der Zugang zum himmlischen Vater versperrt. Eine Hilfe ist, wenn man sich nicht vom irdischen Vaterbild leiten lässt, sondern von dem, wie
Jesus seinen Vater im Himmel beschreibt. Aber ich glaube, uns allen tut es gut, wenn wir uns gründlich mit den Aussagen der Bibel über unseren himmlischen Vater beschäftigen. Sie werden sich auf
unsere Anbetung auswirken. Mehr noch, unsere Vorstellung vom himmlischen Vater wirken sich auf
unser Glaubensleben aus. Nehmen sie alleine diese kleine Aussage: Der Vater sucht Menschen, die
ihn so anbeten. Ich verstehe das nicht so, dass der Vater Anbeter braucht. Er hat im Himmel Millionen Engel, die ihn anbeten. Aber er sucht Menschen, die ihn anbeten. Er sucht Menschen, die bei
ihm sind. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel. Jesus malt uns einen Vater vor
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Augen, der Sehnsucht hat, nach seinen verlorenen Söhnen. Ein Vater, der nichts sehnlicher wünscht,
als mit seinen Söhnen zu feiern.
In Römer 8,15 schreibt Paulus etwas Grundsätzliches über unser Verständnis vom Vater, überhaupt
über unsere Vorstellung von Glauben. Ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr
euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den
wir rufen: Abba, lieber Vater! Zunächst einmal bekommen wir hier den Hinweis, wie im Geist angebetet wird. Durch den Heiligen Geist können wir Gott als Vater anbeten. Ohne den Heiligen Geist ist
es nicht möglich. Ohne Pfingsten könnten wir Gott nicht anbeten. Das ist ein Grund mehr, Pfingsten
zu feiern. Gott ist Geist. Damit beschreibt Jesus die Wirklichkeit Gottes. Es ist eine Wirklichkeit, zu der
wir als Menschen normalerweise keinen Zugang haben. Gott ist Geist, bedeutet auch, dass Gott für
uns nicht verfügbar ist. Auch nicht als Vater. Gott ist Geist und er ist in einer Wirklichkeit, die wir uns
kaum vorstellen können und in uns als Menschen versperrt ist. Aber es gibt einen Zugang, sagt Jesus.
Im Geist und in der Wahrheit.
Manche Ausleger beziehen Geist und Wahrheit auf menschliche Eigenschaften. Wir müssten also mit
unserem Geist, sprich mit unserem Inneren anbeten. Und wir müssten wahrhaftig sein, wenn wir
anbeten. Das ist grundsätzlich nicht verkehrt, greift aber zu kurz. Denn es wiederspricht den übrigen
Aussagen des Neuen Testamentes. Wir können nicht von uns aus, mit unseren eigenen Mitteln zu
Gott. Unser Inneres und unsere Aufrichtigkeit bringt uns nicht zum Vater. Jesus sagt: Ich bin der Weg
und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich. Joh 14,6. Jesus ist
der einzige Zugang zum Vater. Mit eigener Frömmigkeit kommen wir nicht zu ihm. Hier finden wir
auch die Antwort, was mit Anbetung in Wahrheit gemeint ist. Jesus ist die Wahrheit. Anbeten in
Wahrheit bedeutet dann, anbeten durch und über Jesus. Durch Jesus haben wir Zugang zum Vater.
Das heißt dann auch, dass ich mich der Wahrheit stelle, mit der mich Jesus konfrontiert. Nämlich,
dass ich Sünder bin, dass ich Vergebung brauche. Vor der Anbetung steht also die Reinigung. Anbetung in Wahrheit bedeutet dann, dass wir die Wahrheit über uns erkennen und anerkennen. Guido
Baltes hat in seinem kleinen Büchlein, „Anbetung konkret“ (als PDF erhältlich) verschiedene Ebenen
der Anbetung aus der Bibel entfaltet. Eine Ebene heißt: Gott recht geben. Das heißt, anerkennen und
bekennen, dass wir schuldig sind und Vergebung brauchen. Ich habe den Eindruck, dass wir oft so
wie wir sind, schmutzig und voller Sünde in das Vaterhaus hineintrampeln. Anbetung in Wahrheit
heißt, dass wir uns reinigen lassen von Jesus. Das Eingangsgebet im Gottesdienst ist der Ort, wo das
stattfinden sollte. Ich möchte Euch, Gottesdienstleiter bitten, das in eure Eingangsgebete aufzunehmen. In alten Liturgien gibt es das „Kyrie“, „Herr, erbarme dich.“ Das hat eine tiefe Bedeutung. Die
Gottesdienstgemeinde bekennt damit ihre Schuld und bittet um Vergebung. Mit der Abschaffung der
Liturgie haben wir auch dieses Element verloren. In Wahrheit anbeten heißt, sich reinigen lassen und
gereinigt zum Vater kommen.
Im Geist anbeten erklärt uns der Apostel Paulus. Ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen,
durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Durch den Heiligen Geist beten wir den Vater an. Als wir
Gottes Kinder geworden sind, hat der Vater seinen Geist in uns ausgegossen. Dadurch können wir
jetzt in die Wirklichkeit Gottes treten und mit dem Vater kommunizieren. Paulus will aber mit dieser
Aussage noch viel mehr beschreiben. Mir ist das kürzlich in einem Seminar deutlich geworden. Ich
sah diese Stelle auf einmal mit ganz anderen Augen und seither versuche ich meine Glaubenspraxis
auch mit diesen Augen zu sehen. Anfangs sagte ich ja schon, unser Verständnis vom Vater wirkt sich
aus auf die Art, wie wir den Vater anbeten. Ist ihnen aufgefallen, dass Paulus hier einen wesentlichen
Unterschied aufzeigt. Er sagt, es gibt einen knechtischen Geist und einen kindlichen Geist. Der knechtische Geist, man könnte auch übersetzen, der sklavische Geist, ist geprägt von Angst. Der kindliche
Geist dagegen ist geprägt von Liebe und Vertrauen. Abba, lieber Vater, Abba steht für Papa, Papa,
lieber Vater. Paulus nennt hier ein Kriterium zur Unterscheidung der Geister. Demnach gibt es zwei
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Geister, die uns bestimmen. Den Geist der Furcht, der Knechtschaft und den Geist der Kindschaft und
des Vertrauens.
Damit stellt sich mir die Frage, welcher Geist bestimmt mich? Welcher Geist bestimmt unsere Gemeinde? Welcher Geist bestimmt unsern Umgang in der Gemeinde? Und welcher Geist bestimmt
unsere Anbetung? Der Geist der Angst und der Knechtschaft? Habe ich Angst, wenn ich zum Vater
gehe? Habe ich das Gefühl, als fauler Knecht zu kommen, als Knecht, der zu wenig getan hat. Habe
ich Angst, weil ich wieder versagt habe? Habe ich einen Geist der Knechtschaft, der mich und anderen an gewisse Formen bindet? Habe ich einen Geist der Angst, dass ich mich vor dem Vater und
auch vor den Geschwistern in der Gemeinde verstecken muss? Und so könnte man weiter alle Bereiche unseres Glaubenslebens untersuchen. Wie ist das z.B. mit unseren Entscheidungen? Habe ich
Angst, falsche Entscheidungen zu treffen, weil mich der Vater dann straft? Was ist das für eine Vorstellung vom Vater? Oder habe ich beim Beten Angst, der Vater könnte mir etwas nicht geben? Muss
ich krampfhaft und lange beten? Suche ich nach Methoden, um dem Vater etwas aus den Rippen zu
leiern? Was für eine Vorstellung vom Vater steht dahinter? Und welcher Geist steckt dahinter? Ist
das der Geist der Kindschaft?
Wir haben den Geist der Kindschaft empfangen. In diesem Geist rufen, schreien wir zum Vater, Papa,
lieber Vater. In diesem Geist sind wir bei ihm und freuen uns an seiner Gegenwart. Dann wird Anbetung geprägt von Liebe, von Vertrauen und von Hingabe. Anbetung ist Begegnung mit dem Vater. Sie
ist nicht in erster Linie Kommunikation, sondern Begegnung. Deswegen geht es nicht nur um geistliche Inhalte. Wir müssen nicht immer zu beten und singen. Wir können auch schweigen, mit und ohne Musik. Wir können beim Vater aussprechen, was uns bewegt, ihn anbeten und sagen, wie lieb wir
ihn haben uns an ihm freuen. Wir können anbetend seine Worte meditieren oder einfach nur
schweigend bei ihm sein.
Das waren einige Aspekte zum Thema Anbetung. Natürlich ist Anbetung mehr und größer, als in dieser einen Predigt angesprochen werden konnte. Mir ist die Aussage aus Römer 8,15 wesentlich geworden für mein Verhältnis zum Vater und für meine Anbetung. Amen.
Reinhard Reitenspieß
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