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Es bewegt sich was … - Umweltinitiative Pfaffenwinkel

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Umweltinitiative Pfaffenwinkel e.V.
Seite 6
28. Jahrgang / Nr. 327 / Februar 2009
Es bewegt sich was …
Das Wieser Zukunftsforum macht Mut
Das legendäre Wieser Zukunftsforum von 2007 hat eine würdige Fortsetzung gefunden. Damals
wurde in der Landvolkshochschule Wies die „Wieser Resolution“ beschlossen, die die vollständige
Versorgung des Landkreises mit erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2035 zum Ziel hat. Das
Wieser Zukunftsforum 2009 hat nun gezeigt, dass dieses Ziel inzwischen Eingang in das Denken
und Handeln im Landkreis gefunden hat.
Rainer Remmele, der Leiter der Katholischen Landvolkshochschule Wies,
begrüßte am 17. Januar 2009 etwa 40
Teilnehmer zum „Wieser Zukunftsforum
2009“, das er auch kenntnisreich moderierte. Auf eine Einführung von Landrat Dr. Friedrich Zeller folgten vier Vorträge.
Landrat Dr.
Friedrich Zeller:
„Klimaschutzaufgaben im
Landkreis“
Der Landrat will den Pfaffenwinkel zum
„Sonnenwinkel“ machen. Dabei soll das
Kleine zum Großen wachsen, das heißt, eine
dezentrale Vorgehensweise schwebt ihm vor,
um den Landkreis fit für die Zukunft zu machen: Jeder soll bei sich anfangen.
Eine Reihe von konkreten Maßnahmen
hat das Landratsamt bereits veranlasst:
• Als Dienstwagen fährt der Landrat jetzt
statt einem Mercedes einen BMW 320
Diesel (128 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer). Innerhalb Weilheims
nutzt er ein Fahrrad. Für alle Radler unter den Angestellten des Landratsamtes
wurde eine Dusche eingebaut.
• Ein mit 3000 Euro dotierter Umweltpreis
wurde ausgeschrieben und vergeben.
• Die Agro-Gentechnik-freie Zone Weilheim-Schongau wurde ausgerufen.
• Der „Klimarat“ wurde zum „Klimabeirat“ erweitert, dem nun neben acht
Fachleuten auch Vertreter aller Parteien
im Kreistag angehören (mehr darüber im
Vortrag von Prof. Emeis).
• Eine Energieeffizienz-Studie für Krankenhäuser wurde in Auftrag gegeben.
• Ein Energiegutachten und eine Potentialanalyse für den Landkreis wird durchgeführt werden (siehe weiter unten den
Vortrag von Dr. Werner Zittel).
Darüber hinaus sind im Landkreis folgende Maßnahmen geplant:
• Renaturierung von Mooren und die Mahd
von Streuwiesen
• Aufbau eines Nahwärmenetzes für die
Amtsgebäude in Weilheim (in Schongau
•
•
•
•
•
•
•
sind bereits alle Amtsgebäude an das
Fernwärmenetz angeschlossen.)
Nutzung geeigneter Dächer von landkreiseigenen Liegenschaften für Photovoltaik
Energiegewinnung durch kleine Wasserkraftwerke an der Ammer
Biogas-Anlage in Wielenbach
Intelligente Nutzung von vorhandenen
Gebäuden (zum Beispiel durch Job-Sharing) statt Neubauten
Radweg Weilheim – Huglfing
Einstellung eines vom bayerischen Wirtschaftsministerium geförderten Regionalmanagers
Umsetzung eines „Energiebauplans“ für
raum- und energiesparendes Bauen
Auch eine Wunschliste legte Landrat
Zeller vor, auf der steht zum Beispiel der
Radweg von Peißenberg nach Oberhausen,
eine Beschleunigung der PfaffenwinkelBahn durch den Einbau von mehr Schranken,
die Erneuerung des Bahnhofs Tutzing und
der Umbau des Bahnhofs Weilheims zur
Verkehrsdrehscheibe, die Gründung einer
Kreisgruppe des Allgemeinen Deutschen
Fahrradclubs (ADFC) und die Koordinierung des öffentlichen Personennahverkehrs
(ÖPNV) durch „Mobilitätsmanagement“.
„Wertschöpfung durch Wertschätzung“
ist eine Devise Zellers, der die Frage in den
Raum warf, warum das viele Geld, das in
der Finanzkrise plötzlich zur Verfügung
steht, nicht zur Überwindung der Armut und
zum Klimaschutz verwendet wird.
Dr. Werner
Zittel:
„Energiegutachten
und Potenzialanalyse für den
Landkreis“
Sobald der Zuschussantrag genehmigt ist,
wird der Landkreis die Ludwig-BölkowSystemtechnik GmbH beauftragen, ein
Energiegutachten für den Landkreis zu erstellen und das Potenzial für den Einsatz
erneuerbarer Energien zu analysieren.
Dr. Zittel, der dieses Projekt leiten wird,
konnte in seinem Vortrag eindrucksvoll be-
legen, warum ein kompletter Umbau der
Energieversorgung notwendig ist:
• Erstens geht der Klimawandel schneller,
als die Klimazonen wandern können.
Nur eine Verringerung des TreibhausgasAusstoßes könnte diese Entwicklung abbremsen: 2050 darf höchstens noch halb
so viel Kohlendioxid ausgestoßen werden wie 1990.
• Zweitens sinkt die Menge des geförderten Erdöls: Da fast überall das Ölfördermaximum überschritten wurde, sinkt
nun mit jedem geförderten Barrel Öl der
Druck, mit dem das Öl aus dem Boden
sprudelt, und damit die Ausbeute. Das
hat zur Folge, dass die Kosten für Erdöl
steigen. Beim Erdgas ist es ähnlich, auch
da ist das Maximum überschritten. Es
wird vermutet, dass es deshalb in Russland im Winter immer wieder zu Lieferengpässen kommt.
Die Summe der verfügbaren Energie wird
langsamer wachsen als der weltweite Bedarf. Wenn das keine Motivation zum Handeln ist!
Der Landkreis Weilheim-Schongau hat
nach der Wieser Resolution (siehe oben)
begonnen zu handeln:
Am 23. Juli 2007 beschloss der Kreistag
eine Senkung des landkreisweiten CO2Ausstoßes bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 und im Oktober 2008 wurde ein
Klimagutachten in Auftrag gegeben.
In diesem Gutachten werden der gegenwärtige Energieverbrauch und die Emissionen sowie die Potenziale zur Einsparung
und zur Nutzung von erneuerbaren Energien analysiert und Vorschläge für erste
Maßnahmen unterbreitet. Der Klimabeirat
wird die Arbeit begleiten.
In der Diskussion ging es unter anderem um die Frage, ob erneuerbare Energien in der Lage sein werden, die sogenannte Grundlast zu decken, also die Netzbelastung, die während eines Tages in einem
Stromnetz nicht unterschritten wird. Die
Antwort lautete: „Wir müssen es schaffen.
Es gibt keine Alternative.“ Es genügt, wenn
künftig der Ausbau der Erneuerbaren weiterhin so voranschreitet wie in den letzten
vier Jahren. Vorbild könnte die energieautarke Gemeinde Güssing im österreichischen Burgenland sein.
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