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Kommunikation in der Arzt- Patienten-Beziehung Was ist

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Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Kommunikation in der ArztPatienten-Beziehung
Dr. Karin Tritt/
Dr. Katja Götz
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Was ist Medizinische
Soziologie?
wird nach Siegrist (1995) wie folgt definiert:
• Medizinische Soziologie (manche verwenden den allgemeineren Begriff
Gesundheitssoziologie) ist demgegenüber jene Wissenschaftsdisziplin,
welche Begriffe, Methoden, Beobachtungswissen und Theorien der
allgemeinen Soziologie bei der Analyse von Phänomen der Gesundheit &
Krankheit anwendet. Zu ihrem Gegenstandsbereich gehören nicht nur
Erkenntnisse zur Entstehung, Verhütung & zum Verlauf von Krankheiten
sowie zur Förderung von Gesundheit, sondern auch Erkenntnisse zur
Auseinandersetzung mit Gesundheit und Krankheit durch gesellschaftliche
Gruppen und Institutionen.
•
(Abgrenzung zur Medizinischen Psychologie & Psychotherapie)
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Was macht einen guten Arzt aus?
Jeder von uns hat auch schon Erfahrungen als Kranker/Patienten
gemacht. Überlegen Sie – unter Einbeziehung Ihrer eigenen
Erfahrungen – was einen guten Arzt / eine gute Ärztin ausmacht und
stellen Sie eine Liste der wichtigsten Eigenschaften zusammen.
• Zuerst alleine,
• Besprechen und diskutieren Sie Ihre Vorstellungen zusammen in der
Kleingruppe (4 Gruppen) &
• Vorstellung & Diskussion der Gruppenergebnisse im Plenum.
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Die Arztrolle
(Brähler et al., 2003; Buser & Kaul-Hecker, 2003)
T. Parsons hatte folgende Eigenschaften für die Arztrolle bestimmt:
• Uneingeschränkte Bereitschaft zur Hilfeleistung (Universalismus) –
unabhängig von Rasse, sozialer Schicht....
• eine dem aktuellen medizinischen Wissensstand entsprechende fachliche
Kompetenz (Funktionale Spezifität) – nur medizinische Kompetenz (nicht
aus anderen Feldern (z.B. Beichte abnehmen, Rechtsberatung) wird erwartet.
• Sachlich rationales Handeln, Kontrolle negativer Emotionen & positive
Zuwendung zum Kranken (affektive Neutralität) Æ Gleichbehandlung aller
Patienten.
• Hintanstellung eigener (ökonomischer) Interessen
(Kollektivitätsörientierung)
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Der Rollenbegriff
(Siegrist, 1995; Buser & Kaul-Hecker, 2003)
Definition: Eine soziale Rolle stellt eine Bündelung von Normen
dar, die sich auf eine bestimmte soziale Position beziehen.
Wenn Sie z.B. selbst zum Arzt gehen und dieser Sie nach einem Film oder
Ihre parteipolitischen Präferenzen fragen würde, würden Sie dies als unpassend = Rollenbruch empfinden. Eine Rolle bezieht sich nicht ganzheitlich
auf das Individuum, sondern nur auf Einzelaspekte dieser Person. Selbstverständlich können Rollenkonflikte zwischen den Bedürfnissen des Individuums und seiner Rolle entstehen, z.B. als Arzt hat man zu behandeln – auch
nach 48 Std. Dienst ohne Pause (Intrarollenkonflikte) oder zwischen Rollen,
wenn Sie z.B. Hochzeitstag haben und ein Notfall wird eingeliefert
(Interrollenkonflikte) .
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Soziale Normen
(Buser & Kaul-Hecker, 2003)
Beinhalten drei Wesensbestandteile. Sie
• Erzeugen eine gewisse Gleichförmigkeit und Regelmäßigkeit des
Verhaltens,
• Enthalten eine Bewertung des Verhaltens und
• Enthalten verbindliche Erwartungen oder Forderungen an das Verhalten.
Definition: Normen regeln das Zusammenleben und müssen von allen aufeinander bezogenen und voneinander abhängigen Personen befolgt werden.
Verbunden ist damit, u.a. die Überschaubarkeit des gegenseitigen Verhaltens.
• Werden diese Regeln nicht erfüllt, sind positive oder negative Sanktionen
zur Erreichung des angestrebten Verhaltens vorgesehen.
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Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Was ist eine Handlung – als
Analyseeinheit?
Handeln – als Prozess:
Basiert auf einen Entwurf (die fertige Handlung wird
fantasierend in die Zukunft projektiert).
Ist zielgerichtet, intentional & sinnhaft (1. Sinnebene =
Entwurf)
Verständnis erfordert die Rekonstruktion des subjektiven
Sinns
Ist mehr oder minder erprobt Æ bis zur Bewusstlosigkeit
erprobte Automatismen
Handlung vs. Verhalten
©2005
Handlung
– als Resultat
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Das soziale Handeln
wird nach Max Weber (1980) wie folgt definiert:
• Soziales Handeln aber soll ein solches Handeln heißen, welches seinem von
dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer
bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist.
Beispiele:
• Wenn eine Menschenmasse bei plötzlichem Regenbeginn alle gleichzeitige
die Regenschirme aufspannen, dann stellt dies kein soziales Handeln dar.
• Wenn die OP-Schwester hingegen während eines OP‘s ein chirurgisches
Instrument an den Chirurgen unaufgefordert reicht, ist das soziales Handeln.
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Wie geht‘s einem als Patienten?
– die Patientenperspektive
Wir alle haben auch Erfahrungen als Patienten. Auch haben alle schon
Schreckensgeschichten von ärztlichen Behandlungen selbst erlebt bzw.
von Angehörigen & Freunden mitbekommen. Überlegen Sie sich eine
dieser Erfahrungen und stellen Sie eine Liste der wichtigsten Eigenschaften zusammen, wie man sich als Patient (ambulant & stationär)
fühlt.
•Zuerst alleine,
•Stellen Sie die Erfahrung vor und diskutieren Sie Ihre Liste zusammen
in der Kleingruppe (4 Gruppen) &
•Vorstellung & Diskussion der Gruppenergebnisse im Plenum.
Æ Recepient-Design
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Streßreaktionen
• Kognitive Ebene: eingeengte Wahrnehmung
(nur Reize, die als zur „Stresssituation“ gehörig
betrachtet werden); gedankliche Bewertungen („das geht schief“);
Leere im Kopf; Konzentrationsmangel; Denkblockaden; Gedankenkreiseln
• Emotionale Reaktionen: die unterschiedlichsten von Angriff/Aggression, über Flucht/Angst und Hilflosigkeit
• Vegetativ-hormonelle Ebene: Sympathikus-Aktivierung: erhöhte Ausschüttung von Adrenalin, Noradrenalin, Testoteron & Cortisol...
• Muskuläre Reaktionen: Skelettmuskulatur ist „vorgespannt“, d.h. auf
Angriff bzw. Flucht vorbereitet: z.B. Stottern, Zittern, Faustballen,
Zähneknirschen, starre Mimik, Fuß wippen...
Aufschaukelungsprozesse!!!
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Kommunikation & Interaktion
(Buser & Kaul-Hecker, 2003)
•
•
•
Definition: Kommunikation ist ein Prozess, in dem Informationen bewusst oder unbewusst ausgetauscht wird.
Der Begriff stammt aus dem Lateinischen & bedeutet „Verbindung“ – also ein
Prozess in dem Informationen ausgetauscht und gedeutet werden. Der Austausch
erfolgt nie direkt, sondern bedarf immer Medien, mit deren Hilfe die Information
vermittelt werden kann Æ Sprache, alle Sinne (Sehen, Riechen, Schmecken, Hören
& Tasten)...
Die Deutung erfolgt auf dem persönlichen (Meinungen, Einstellungen...) & mehr
oder minder gesellschaftlich geteilten Wissenshintergrund Æ Diese Vorgänge sind
relativ störungsanfällig.
Kommunikation besitzt zentrale Funktionen für das Handeln und für jeden zwischenmenschlichen Umgang: Orientierung, Information & Kooperation, z.B. Aufnahme im
Krankenhaus Æ Wo muss ich hin, muss ich eine Nummer ziehen, was muss ich
mitbringen....
Definition: Interaktion ist ein Begriff, der Gruppenaktivitäten kennzeichnet.
Wechselwirkung ist seine Wortbedeutung. Interaktion liegt vor, wenn zwei oder
mehrere Personen gezielt miteinander Kontakt aufnehmen & dabei grundsätzlich
gegenseitiges Einwirken & Reagieren möglich ist (bzw. erzwingen).
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Kühner, als das Unbekannte zu erforschen,
kann es sein, das Bekannte zu bezweifeln.
Kaspar, zit.n. Watzlawick et. al. 1969
©2005
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Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Sender-Empfänger Modell
(-vernachlässigt persönliche & soziale Faktoren)
Botschaft
verstehen
übersetzen
übersetzen
senden
empfangen
Störungen
Was passiert in den „black boxes“?
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Wie erklären Sie diese Wirkung?
Æ Selektivität der Wahrnehmung
©2005
MC Escher
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Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Und diese Wirkung?
MC Escher
©2005
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Und diese Wirkung?
MC Escher
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Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Ist Sprache eindeutig?
Sind die Perlen echt? (Watzlawick et al.,1969)
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sinngebungsprozesse
Manchmal verbalisieren wir nur 10 - 20 % einer Botschaft - trotzdem
entsteht automatisch (d.h. ohne bewusste Aufmerksamkeitszuwendungen) Sinn.
Beispiel:
Sie sitzen zu viert in einem Speiselokal und plaudern, während Sie auf
das Essen warten. Da kommt der Ober: „Schwein!“ Einer Ihrer
Freunde antwortet: „Das bin ich.“ Der Ober fährt fort:“ Pizza!“ Der
nächste antwortet: „Für mich“...
©2005
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Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Abhängigkeit der Sinngebung
vom Wissen
Hört sich wie die Bronchien an. Ich muss Sie
abhorchen - Machen Sie
sich bitte frei.
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Relevante Faktoren für Sinngebung I
unmittelbar gegebene Faktoren
• Nonverbale Faktoren: Mimik, Gestik,
Körperhaltung (stehen/sitzen), räumliche
Distanz...
• Paralinguistische Faktoren:
Sprecher-Wechsel, Lautstärke, Geschwindigkeit,
Betonungen, Pausen...
• Situationsfaktoren: Temperatur,
Einrichtung, Licht, emotionale Atmosphäre...
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Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Relevante Faktoren für Sinngebung II
• Intraindividuelle Faktoren:Motive &
Ziele, persönliche Eigenheiten & Erfahrungen,
Stimmung, eigene Wissenshintergrund.....
• Interindividuelle Faktoren:angenommene
Motive & Ziele, persönliche Eigenheiten & Erfahrungen, Stimmung, Geschichte der Beziehung(en)...
• Gesellschaftliche Faktoren:
Rollen, Normen, Werte...
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Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Kommunikation in der ArztPatienten-Beziehung I
(Buser & Kaul-Hecker, 2003)
•
•
•
•
•
Auch in der Arzt-Patienten-Beziehung erfolgt die Kommunikation nicht nur
verbal, sondern ständig auch non-verbal. Hierbei werden im Rahmen der
Sinngebung vielfältige Arten von Zeichen Æ Kommunikationskanäle
„zusammengefasst“ & gedeutet:
Visuell: Ist der Arzt schlampig gekleidet, hat er saubere Fingernägel...?
Akustisch: Hat er eine angenehme Stimme?
Taktil: z.B. Wie fest ist der Händedruck eines Arztes?
Thermal: z.B. wie warm/kalt sind die Hände des Arztes bei der
Untersuchung?
Olfaktisch: Reicht der Arzt während der Untersuchung angenehm, riecht er
nach kaltem Zigarettenrauch...?
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Kommunikation in der ArztPatienten-Beziehung II
(Buser & Kaul-Hecker, 2003)
• (Un-)mittelbarkeit der Kommunikation: geschieht die
Kommunikation im persönlichen Kontakt, telefonisch/
mündlich oder gar schriftlich. Die letzteren 2 Formen
sind deutlich störungsanfälliger, da sie zusätzliche Fehlermöglichkeiten
beinhalten Æ Schriftliche Aufklärung.
• Die Zuordnung von Zeichen & Bezeichnetem ist nicht eindeutig, z.B. man
kann vor Freude und aus Trauer weinen.
• Auch die räumliche Anordnung von Arzt & Patient hat Einfluss auf die
Kommunikation: Hält der Arzt große räumliche Distanz zum Patienten, Sind
die Stühle so angeordnet, dass Blickkontakt erleichtert wird....
• Wird z.B. bei der Visite in Anwesenheit des Patienten über ihn geredet, ohne
ihn einzubeziehen Æ indirekte Kommunikation (Annahme: Patient ist unfähig zu verstehen) oder wird der Patient am Gespräch beteiligt Æ direkte
Kommunikation?
Im Krankenhaus hat der Patient keine Stellung, sondern bestenfalls eine Lage.
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Schemata
Wir alle handeln auf der Grundlage unserer „inneren Bilder“,
Einstellungen, Hoffnungen, Werte, Familienmottos,...
Was sind die Vor- & Nachteile dieser Bilder?
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Semiotik: Die Objektivierung des
(subjektiven) Wissens durch Zeichen
(Schütz & Luckmann, 1984)
Zur Überschreitung der Grenzen seiner Erfahrung bedient sich der Mensch
gewisser Mittel, die auf appräsentative Paarungen (Assoziationen) gründen:
A Æ B; Aufbauend auf dieser Beziehung geschieht eine verschmolzene
Synthese von „Präsentem“ und „Nichtpräsentem“. Diese vermitteln Nachrichten über die Grenzen der unmittelbaren Erfahrungen hinweg, indem sie
alles, was für die jeweils gegenwärtige Erfahrung thematisch, interpretativ
und motivationsmäßig relevant ist, jedoch den Kern der Erfahrung in irgendeiner Weise überschreitet, in der Erfahrung mit vergegenwärtigen. Zeichen, obwohl sie wesentlich „Nachrichtenüberbringen“, helfen – in der
wechselseitigen Verständigung mit anderen Menschen – auch im
Überschreiten der Grenzen zu ihnen; Typen von Zeichen:
•Anzeichen: „unmittelbar Gegebenem“ Æ „Nicht-unmittelbar Gegebenem“
(z.B. Gefühlszuschreibungen, Rauch am Himmel verweist auf Feuer).
• Merkzeichen: Überwindung von zeitlichen Grenzen.
• Zeichen: Intersubjektiv geteilte Appräsentationen.
In der Medizin: eine Bündelung von Symptomen (Zeichen) verweisen auf ein Syndrom Æ Fieber verweist auf eine Infektion.
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Gegen den Strichrechnen
Anleitung: Im folgenden einfachen Rechentest multiplizieren Sie so
schnell wie möglich beim Pluszeichen (+), addieren beim Divisionszeichen (/),
dividieren beim Minuszeichen(-) und subtrahieren beim Malzeichen (x).
8 + 2 = ___
9 / 11 = ___
4 x 3 = ___
6 / 2 = ___
9 - 3 = ___
7 x 4 = ___
4 + 4 = ___
8 - 4 = ___
12x 2= ___
20-10= ___
©2005
9 - 1 = ___
5 + 6 = ___
2 x 1 = ___
10- 5 = ___
12+2 = ___
6 / 6 = ___
8 + 5 = ___
6 + 6 = ___
17x 2= ___
14/ 7= ___
14 -7 = ___
6 x 5 = ___
8 + 3 = ___
7 x 2 = ___
9 + 2 = ___
8 - 4 = ___
9 + 6 = ___
1 / 1 = ___
8 x 7 = ___
13-1 = ___
16- 4 = ___
8 x 2 = ___
9 / 9 = ___
6 x 2 = ___
8 +40 = ___
10- 2 = ___
4 – 1 = ___
18- 3 = ___
8 + 2 = ___
15x 3 = ___
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Problem der sozialen Wahrnehmung
Mag
Mag Sie
Sie mich?Soll
mich?Soll ich’s
ich’s
versuchen???
versuchen???
Ich glaub’ ich bin
verknallt - Ob er’s
merkt?
Langsam! Vielleicht
denkt Sie, dass ich
denke, dass.....
Hat er Angst? Mag er
mein Aussehen nicht
??? Vielleicht denkt er,
dass ich denke, dass er
denkt....
Ob ich ihre Hand
nehmen darf?
Oh!!! Er
versucht’s !!!
©2005
Endlich....
Endlich....
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Der Halo-Effekt
(Buser & Kaul-Hecker, 2003)
Definition: Der Halo-Effekt (Ausstrahlungseffekt) beinhaltet die Beurteilung eines Sachverhalts durch subjektive Assoziationen. Wenige Merkmale
& Informationen mit vielerlei nicht bekannten aber vermuteten Informationen werden verknüpft.
• Typische Beispiele: Die Beurteilung eines Menschen nach wenigen Augenblicken (Ersteindruck), wo ich anhand weniger Augenblicke auf andere
Merkmale (z.B. Schichtzugehörigkeit, Bildung...) schließe. Manche Ärzte
behaupten sofort sehen/ riechen zu können, was eine Person hat.
• Mit dem Halo-Effekt können positive & negative Aspekte verbunden werden: So kann ein Arzt bei einem bewusstlosen Patienten schnell eine Arbeitsdiagnose stellen. Anderseits sollte man bei Neuinformationen stets überprüfen, ob diese Erstdiagnose zutreffend ist - häufig erhalten Personen keine
Gelegenheit diesen Ersteindruck zu korrigieren.
• Der Halo-Effekt kann nie ganz ausgeschaltet werden, sollte jedoch möglichst
bewusst kontrolliert werden.
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Das ärztliche Gespräch als
Prozess: Die Phasen
Verbundenheit
Begrüßung
Differenzierung
Diagnose & Therapie
Ablösung
Abschied
3 Minuten im Schnitt
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Fünf Axiome der Kommunikation Watzlawick et al., 1969
• Man kann nicht nicht kommunizieren!
• Thematische & Beziehungsaspekte der
Kommunikation
• Interpunktion der Interaktionssequenzen
• Analoge & digitale Kommunikation
• Symmetrische & komplementäre Interaktion
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Man kann nicht nicht
kommunizieren!
Im Krankenhaus gibt es häufig Situationen, in denen Ärzte & Schwestern überlegen, ob sie einen Patienten darüber informieren sollen, wie es
„wirklich“ um ihn steht. Auf Fragen des Patienten geben in dieser
Situation z.B. Schwestern häufig zur Antwort, dass sie aufgrund ihrer
Stellung keine Auskunft geben dürften. In der Regel weiß der Patient
dann dennoch Bescheid. Er deutet diese Botschaft dahingehend, dass es
sehr schlecht um ihn stehen muss, wenn keiner sich traut, offen mit ihm
zu reden. Denn keine Information ist auch eine Information!“
Immer wenn wir mit anderen Menschen zusammen sind, wird
kommuniziert – auch wenn wir nichts sagenÆ Man kann nicht
nicht kommunizieren (Watzlawick, 1969).
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Aspekte der Kommunikation:
Watzlawick et al., 1969
Kommunikation findet gleichzeitig über mehreren Übertragungskanälen
statt, die sich gegenseitig beeinflussen (Sprach, Mimik, Gestik....)
• Thematische Aspekte: jeder kommunikative Prozess beinhaltet
Informationen zu dem Thema,
das gerade behandelt wird – wird
am besten sprachlich vermittelt.
©2005
• Beziehungsaspekte: jeder kommunikative Prozess definiert auch die
Beziehung(en) zwischen den Teilnehmern (Dominanz, Respekt…)dies überlagert die thematischen
Aspekte – wird am besten durch
Emotionsausdruck vermittelt.
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Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Das Problem der Interpunktion
Watzlawick et al., 1969
Was passierte zuerst?
Der Mann
trinkt
trinkt
trinkt
trinkt
Die Frau
nörgelt
©2005
nörgelt
nörgelt
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Das Problem der Interpunktion
Courtship patterns
(Watzlawick et al., 1969, S.20)
Unter den während des Krieges in England stationierten amerikanischen Soldaten
war die Ansicht weit verbreitet, die englischen Mädchen seien sexuell überaus
leicht zugänglich. Merkwürdigerweise behaupteten die Mädchen ihrerseits, die
amerikanischen Soldaten seien übertrieben stürmisch. Eine Untersuchung (...)
führte zu einer interessanten Lösung dieses Widerspruchs. Es stellte sich heraus,
dass das Paarungsverhalten (courtship pattern) vom Kennenlernen der Partner bis
zum Geschlechtsverkehr in England wie in Amerika ungefähr 30 verschiedene
Verhaltensformen durchläuft, dass aber die Reihenfolge dieser Verhaltensformen
in den beiden Kulturbereichen verschiedenen ist. Während z.B. das Küssen in
Amerika relativ früh kommt, etwa auf Stufe 5, tritt es im typischen Paarungsverhalten der Engländer relativ spät (ca. Stufe 25) auf. Praktisch bedeutet dies,
dass eine Engländerin, die von ihrem Soldaten geküsst wurde, sich nicht nur um
einen Großteil des für sie intuitiv „richtigen“ Paarungsverhaltens (Stufe 5-24)
betrogen fühlte, sondern zu entscheiden hatte, ob sie die Beziehung an diesem
Punkt abbrechen oder sich dem Partner sexuell hingeben sollte. Entschied sich
sich für die letztere Alternative, so fand sich der Amerikaner einem Verhalten
gegenüber, das für ihn durchaus nicht in dieses Frühstadium einer Beziehung
passte und nur als schamlos zu bezeichnen war....
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Analoge / Digitale Kommunikation
Watzlawick et al., 1969
Analoge verwendet Bilder,
Beispiele, aber keine Negation, Entweder-oder...
Vs.
e
Blum
Analogien können leicht missverstanden werden – Beispiel: Ich habe
rasende Kopfschmerzen!
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Kommunikationsprobleme
(Buser & Kaul-Hecker, 2003)
•
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•
•
Auch direkte kommunikative Missverständnisse & Probleme können
die Kommunikation & Kooperation zwischen Arzt & Patient stören:
Viele Ärzte fürchten sich vor Fragen, die sie nicht beantworten können, wie: “Herr
Doktor, wann werde ich sterben?” – was oft bei Krebs Patienten vorkommt. Nun
kann der Arzt diese Frage als eine “Sachfrage” nach der verbleibenden Lebenszeit
auffassen, als eine “Selbstkundgabe”, dass der Patient Angst hat, als ein Aufforderung zur Hilfe (Appell) und zugleich wird die Beziehung zwischen beiden definiert.
Der Patient kann die Antwort des Arztes wiederum auch mehrdeutig auffassen….
Störungen kommen zustande, wenn die Interaktionspartner sich jeweils auf unterschiedliche Aspekte der Kommunikation beziehen.
Schulz von Thun unterscheidet zw. 4 Bedeutungsebenen in der Kommunikation:
Sachinhalt (Worüber ich informiere) Æ Thematischer Kanal
Selbstkundgabe (Was ich von mir selbst kundgebe) Æ Ausdruckskanal
Appell (Wozu ich dich veranlassen möchte) Æ Lenkungskanal
Beziehung (Was ich vom gegenüber halte) Æ Kontaktkanal
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Aspekte der Kommunikation
Schulz v. Thun, 1977
Sachinhalte
(Thematischer Kanal)
Selbstkundgabe
(Ausdruckskanal)
Appell
(Lenkungskanal)
Beziehung
(Kontaktkanal)
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Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Kontakt
Thematisch
Botschaft
Ausdruck
Jede Botschaft besteht aus bis
zu 4 Kanälen...
Lenkung
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Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
...aber welches Ohr hört gerade
auf welchen Kanal zu?
A
A
Kontakt
Thematisch
Botschaft
Ausdruck
T
Lenkung
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Kommunikation - theoretisch
•Thematischer Kanal
•Ausdruckskanal
•Lenkungskanal
•Kontaktkanal
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Sommersemester 2005
L
K
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Kommunikation “gewöhnlich”
Thematischer Kanal
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Formen der Kooperation bei
Kranken (Buser & Kaul-Hecker, 2003)
•
•
Die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient kann sich – je nach Persönlichkeiten
& Ziel des Gesprächs unterschiedlich gestalten:
Da es sich hier überwiegend um eine asymmetrische Beziehung handelt (Arzt als
Experte), nimmt der Patient eher eine passive Rolle ein, in dem er die Informationen
und die Entscheidungen (Diagnose & Therapie) überwiegend dem Arzt überlässt.
Während diese Haltung für Info-Gespräche funktional ist, bedarf es der aktiven
Mitarbeit des Patienten bei der Diagnosefindung, Therapieplanung & -durchführung
Æ gezielter Einsatz des non-direktiven Gesprächsformen.
Die Art der Arzt-Patient-Beziehung lässt sich auch mit dem Begriffspaar „autonom
vs. heteronom“ beschreiben. Derjenige, der in der Beziehung initiativ wird, wird als
autonom bezeichnet. Die Beziehung wird als heteronom gesehen, wenn bei beiden
Seiten das gemeinsame Vorgehen betrieben wird. In unserer Gesellschaft muss der
Patient im Rahmen der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen autonom
handeln.
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Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Störungen der Kommunikation
& Kooperation
(Buser & Kaul-Hecker, 2003)
Auch die gesellschaftlichen Strukturen haben einen Einfluss
auf die Kommunikation & Kooperation zwischen Arzt & Patient:
• Vorrangige Arzthonorierung für Krankheitsleistungen & nicht für
Prävention: Der Arzt sucht nach Krankheit, während der Patient Gesundheit
wünscht
• Differenzierung in Privat- und Kassenpatienten: unterschiedliche
Honorierung für gleiche Leistung, unterschiedliche Vertragsgrundlagen
(Kostenerstattung bei PKV), Spiegelung gesellschaftlicher Ungleichheiten.
• Fehlende Kontinuität der Patientenbetreuung durch institutioneller
Trennung zwischen ambulanter & stationärer Behandlungen: stört ArztPatient-Beziehung, fehlender Arztwahlmöglichkeiten im stationären
Bereich.
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Der schwierige Patient
(Buser & Kaul-Hecker, 2003)
Sogenannte schwierige Patienten stellen eine Quelle von Kommunikationsproblemen dar – dabei sind hier eine Reihe verschiedener Patienten zusammengefasst: solche, die fordernd sind, nicht kooperieren, undankbar, einfach
unsympathisch sind oder solche, die nicht auf die Behandlung ansprechen
Æ Rückzug, Passivität und fehlende Kooperation, Manipulation & Verteidigungsbereitschaft in provozierender Form, Konfrontation & Aggression.
• Solche Formen des Patientenverhaltens lösen beim Arzt häufig Reaktanz
aus, d.h. einen inneren Widerstand auf das als ungerechtfertigt erlebte
Verhalten der Patienten, welches eine Form der Selbstverteidigung darstellt
Æ professionelle Gesprächsführung.
• Bei aggressiven Patienten bewährt sich häufig: ruhiges Zuhören, ruhiges
Grenzensetzen, Versuch, die hinter der Agression liegenden Ursachen zu
erkennen, das eigentliche Anliegen des Patienten zu erkennen…
• Bei ängstlichen Patienten sind oft angebracht: einfühlendes Verstehen,
aktives Zuhören, vertrauensvolle Beziehungsgestaltung, entspannte
Atmosphäre, geduldige Aufklärung…
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Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Doppelbindungsstörungen
(Buser & Kaul-Hecker, 2003)
• Doppelbindungkommunikation (Dopple-bind) führt zu
Kommunkationsstörungen und wird häufig bei psychischen
Störungen beobachetet: Hier ist ein Individuum in eine ihm
lebenswichtige Beziehung (z.B. Mutter-Kind-Bindung)
eingebunden und empfängt paradoxe (z.B. widersprechende
Sachinformationen oder eine Inkongruenz zwischen den
Kommunikationskanälen) Informationen: z.B. “Du musst es
freiwillig tun,” “Sei spontan,” die hysterische Aussage: “Ich
bin überhaupt nicht wütend” oder einem Patienten mit
Schmerzen zu sagen, “das tut doch überhaupt nicht weh”...
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Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Der Traum & sein Sinn
Ein orientalischer König hatte einen beängstigenden Traum. Er träumte, dass
ihm alle Zähne, einer nach dem anderen, ausfielen. Beunruhigt rief er seinen
Traumdeuter herbei. Dieser hörte sich den Traum sorgenvoll an & eröffnete
dem König: “Ich muss dir eine traurige Mitteilung machen. Du wirst genau
wie die Zähne alle Angehörigen, einen nach dem anderen, verlieren.” Die Deutung erregteden Zorn des Königs. Er liess den Traumdeuter in den Kerker
werfen. Dann liess er einen anderen Traumdeuter kommen. Der hörte sich den
Traum an & sagte: “Ich bin überglücklich, dir eine freudige Mitteilung machen zu können: Du wirst älter werden als alle deine Angehörigen, du wirst
alle überleben.” Der König war erfreut & belohnte ihn reich. Die Höflinge
wunderten sich sehr darüber: “Du hast doch eigentlich nichts anderes gesagt
als dein armer Vorgänger. Aber wieso traf ihn die Strafe, während du belohnt
wurdest?” fragten sie. Der Traumdeuter antwortete: “Wir haben beide den
Traum gleich gedeutet. Aber es kommt nicht nur darauf an, was man sagt,
sondern wie man es sagt.”
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Gesprächsführung
(Rogers, 1969; Buser & Kaul-Hecker, 2003)
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Wichtiges ZielÆ Etablierung des Arbeitsbündnisses zwischen Arzt & Patient.
Im Rahmen der Beziehung kann es zeitweise notwendig sein zwischen verschiedene Beziehungsformen zu wechseln: symmetrische (Zuhören, gemeinsam Planen) vs. asymmetrische Beziehungen (Informieren, Patienten führen).
Faktoren der professionellen Gesprächsführung:
Direktivität: Einflussnahme/ Führung des Patienten (institutionelle Erfordernisse….) Æ arztorientierter Gesprächsstil vs. non-direktiver Gesprächsstil (offene Fragen, Raum für die Vorstellungen & Wünsche des Patienten lassen) Æ
patientenorientierter Gesprächsstil, der eine gewisse Gleichrangigkeit, sachlich
oder fachliche Orientiertheit des Patienten voraussetzt.
Echtheit/Authentizität – Erhalten Sie ihre Überzeugungskraft. Seien Sie
möglichst offen & direkt – Erzählen Sie keine Halb- bzw. Unwahrheiten...
Bedingungslose, positive Wertschätzung - respektieren Sie den Partner &
seine Ansichten – auch wenn Sie anderer Meinung sind...
Empathie - versuchen Sie die Gefühle, Motive.... Ihres Partner zu verstehen
Transparenz & Verständlichkeit: Benützten Sie eine Sprache, die der Patient
versteht – prüfen Sie das Verständnis, Prüfen Sie Gegen- & Übertragung.
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Strategische Kommunikation (Stiebel, 2002)
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Viele Kommunikationstheorien gehen von der Grundannahme aus, dass
kommunikative Missverständnisse die Basis aller Konflikte seien.
In der Strategischen Kommunikation wird erst eine Einschätzung der
Interessenslagen aller Beteiligen vorgenommen (Æ Handlungstheorie).
Dann wird entschieden, ob ein Missverständnis vorliegt oder ein echter
Interessenskonflikt.
Bei Missverständnissen ist das Reden über das Problem der beste
Lösungsansatz.
Bei Interessenskonflikten kann das Reden sogar schädlich sein und zu einer
Zuspitzung der Problematik führen. Hier sollte man nach strategischen
Lösungen suchen. Dabei kann die brachiale Durchsetzung der
Eigeninteressen im Vordergrund stehen oder der Versuch die verschiedenen
Interessenslagen unter einen Hut zu bringen (ethische Implikationen).
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Der gesellschaftliche Umgang mit
aktiver Sterbehilfe
Kleingruppendiskussionen auf der Grundlage
des Handouts über den “Fall – Komapatientin
Terry Schiavo” 2005.
©2005
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Impression
Management
• Relevanz des ersten Eindrucks
• Abhängig von der eigenen Persönlichkeit,
Sequenz & Kontext der spezifischen Interaktion sowie vom jeweiligen Partner
• intentional & nicht intentional gesetzte Marker
• Wir alle spielen Theater: Ist Offenheit &
Ehrlickeit - immer angebracht (ir- & rationelle
Gründe für impression management)?
©2005
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Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Kommunikationstypen
Satir, 1972
• Besänftiger (der Ja-Sager, der stets zustimmt;
Körper: unterwürfig; Gefühle: Hilf- & Wertlosigkeit)
• Richter (der Besserwisser-Typ, der tadelt;
Körper: angreifend; Gefühle: Einsamkeit &
Erfolglosigkeit)
• Vernünftige (Verbal: ultravernünftig;
Körper: ruhig & gelassen; Gefühle: leicht verletzlich)
• Ablenker (Verbal: irrelevant/ohne Sinn;
Körper: in eine andere Richtung weisend; Gefühle:
Niemand kümmert sich um mich)
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Rollenspiele: Kommunikationstypen nach Satir I
Anleitung: Arzt = Vernünftige; Patient = Ablenker; Pflege = Richter; Angehöriger
= Besänftiger;
Aufklärungsgespräch: Patient hat Raucherbein – die Amputation steht vor.
Anleitung: Arzt = Besänftiger; Patient = Vernünftige; Pflege = Richter; Angehöriger = Ablenker;
Therapiegespräch: Patient hat Lungenkrebs und kommt zum Facharzt für eine
Chemotherapie, die er nicht will, aber die Angehörige besteht darauf.
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Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Rollenspiele: Kommunikationstypen nach Satir II
Anleitung: Arzt = Ablenker; Patient = Richter; Pflege = Besänftiger; Angehörige =
Vernünftiger;
Sozialmedizinisches Gespräch: Der Patient will sich Berenten lassen, während der
Arzt nicht von der Notwendigkeit überzeugt ist.
Anleitung: Arzt = Richter; Patient = Besänftiger; Pflege = Ablenker; Angehöriger
= Vernünftige;
Ärztliches Absicherungsgespräch: Nach einem Suizidversuch will der Arzt sich
vergewissern, ob weitere Gefahr besteht.
©2005
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Feedback
Vergewissern Sie sich, ob der Patient das Verstanden hat, was Sie sagen
wollten, z.B. Sie empfehlen den Patienten eine Therapie & er schweigt –
bedeutet dies Zustimmung, mangelndes Verständnis, Angst….
Reden ohne Feedback ist wie wenn einer, der
blind & taub ist, ein Monolog hält!
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Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Die 10 Gebote
des aktiven Zuhörens
• Reden Sie nicht selbst - Sie können nicht zuhören, wenn Sie reden
• Beruhigen Sie Ihren Partner - Zeigen Sie, dass er offen reden kann
• Zeigen Sie, dass Sie zuhören wollen - lesen Sie nicht, schauen Sie
keine Briefe an...
• Schalten Sie Quellen der Ablenkung aus -Türen schließen, Radio aus...
• Passen Sie sich Ihrem Partner an - versuchen Sie in seine Schuhe zu
schlüpfen...
• Seien Sie geduldig - unterbrechen Sie nicht
• Kontrollieren Sie sich -Sie könnten missverstehen, wenn Sie sich
ärgern
• Geraten Sie nicht aus der Balance durch Kritik & Schuldzuweisungen
• Stellen Sie Fragen - zeigen Sie, dass Sie Interesse haben
• Reden Sie nicht selbst - alles andere hängt von dem ersten & letzten
Gebot ab. Dass wir zwei Ohren & nur 1 Zunge haben, könnte man als
Hinweis dafür auffassen, dass man mehr zuhören als sprechen sollte!
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Metakommunikation über das Gespräch reden
• Wird meist verwendet, wenn das Gespräch in schiefe
Bahnen gerät (Themen werden vermieden, Unruhe tritt auf,
das Gespräch dreht sich in Kreise):
• Versuchen Sie eine Zusammenfassung & den roten Faden
zu finden, wenn dies nicht hilft
• machen Sie Metakommunikationspausen - d.h. reden Sie
über das Gespräch
• Beispiel: Arzt ist ärgerlich, der der Patient Medikamente
nicht einnimmt Æ Tragen Sie Ihren Ärger & Gründe vor
und fragen Sie nach den Gründen…
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Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Kommunikationsnormen
(Buser & Kaul-Hecker, 2003)
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•
•
Diese bestimmen, welche Regeln bei der Kommunikation gelten, z.B. wer
darf wen ansprechen, wer darf was sagen... Klare Absprachen reduzieren
Verständigungsprobleme. Solche Kommunikationsnormen regeln den
Dienstweg:
Wer ist zuständig für pflegerische, medizinische & verwaltungstechnische
Maßnahmen?
Was kann in der Visite angesprochen werden – was nicht?
Wer ist generell ansprechbar – wer nicht?
Kenntnisse über die zuständige Kontaktperson, deren dienstliche Positionierung, der erklärten Bereitschaft, im Rahmen der Möglichkeiten, sich der
berechtigten Interessen der Patienten anzunehmen, sind Voraussetzungen
für eine effektiveren Kommunikation. Ärzte müssen eine Bereitschaft für
intensivere Kommunikation haben Æ Bereitschaft sich mit den Bedürfnissen der Patienten auseinander zu setzten. Aus Überforderung wird jedoch
häufig eine eingeschränkte Kommunikation praktiziert.
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Organisatorisch-institutionelle
Rahmenbedingungen der Kommunikation (Buser & Kaul-Hecker, 2003)
•
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Der Verlauf eines Gesprächs wird von vielen Faktoren beeinflusst:
Zeitpunkt des Gesprächs: Ist der Patient in einer Krankheitsbearbeitungsphase
in der eine Aufklärung/Gespräch vorteilhaft ist? Ist der Patient, z.B. nach
Diagnosemitteilung aufnahmefähig?
Zeitraum: Ist angemessen Zeit vorhanden?
Räumliche Verhältnisse: Erfolgt die Aufklärung zwischen Tür & Angel – im
Gang.... Welche Atmosphäre hat das Zimmer...
Alter & Geschlecht: können hemmend oder fördernd wirken. Manches lässt
sich unter Frauen besser erzählen. Probleme vertraut man meist lieber älteren
als jüngeren Menschen an (potent. Rollenkonflikt zw. Arzt- & Altersrollen).
Sympathie & Antipathie: sind prägend für das Gespräch. In Problemfällen die
Prinzipien der professionellen Gesprächsführung anwenden.
Allein oder zusammen mit Angehörigen: Entscheidung sollte in Abhängigkeit
vom Patienten & sein Umfeld getroffen werden.
Ambulanter vs. Stationärer Versorgung: Trennung kann etablierte
Beziehungen stören.
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Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Sommersemester 2005
Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Soziokultureller Rahmen der
Kommunikation (Buser & Kaul-Hecker, 2003)
•
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•
Auch innerhalb eines soziokulturellen Systems existieren – trotz
gemeinsamer Bezugssysteme und Sprache – Subgruppen mit
Besonderheiten der Sprache, Einstellungen…. :
Subkulturen spezifische “Teilsprachen”: Für die meisten Patienten ist die medizinische Fachsprache, die intern für hohe Klarheit und Verständigung zwischen Ärzte &
Pflegern sorgt, Fachchinesisch!
Verständigungsbarrieren durch unterschiedliche Sprachcodes können auch auf objektivierende Bedingungen beruhen Æ unterschiedliche Schichtzugehörigkeit, Bildung…. Während für Angehörige der Unterschicht der restringierte Code typisch ist,
bedienen sich Angehörige der Mittel- & Oberschicht der elaborierten Code.
Die meisten Ihrer Patienten kommen aus einer anderen Sozialschicht mit anders
gearteten Lebens-, Denk- & Sprechweisen.
Sozialpsychologische Untersuchungen zeigen, dass die Erreichbarkeit des Patienten
durch den Arzt umso grösser ist, je eher der Patient aus einer höheren Sozialschicht
kommt, je eher er eine höhere Bildung aufweist, je ungünstiger seine Prognose ist, je
besser ihn der Arzt kennt & je weniger der Arzt gestresst ist.
©2005
Dr. Karin Tritt, Grafinger Ring 36, 85293 Reichertshausen; Tel.: 08441-78 42 62; Fax: 08441-78 42 61; karin@tritt.de
Einfluß institutioneller & soziokultureller Rahmenbedingungen
auf die Arbeit
Kleingruppendiskussionen:
Berücksichtigen Sie Ihr Pflegepraktikum– Welche
• Mikro (face-to-face-Kommunikation)
• Meso (Organisatorisch)
• Makro (Sozialpolitisch)
Faktoren haben einen Einfluß auf die Arbeit eines
Arztes
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Dr. Karin Tritt/ Dr. Katja Götz
Medizinische Soziologie
Welchen Einfluß wird die elektronische Gesundheitskarte auf die
Arzt-Patienten-Beziehung haben?
Kleingruppendiskussionen auf der Grundlage
des Handouts mit den wichtigsten
Informationen zur HPC.
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