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Blasmusik am Ammersee. Was für ein Empfang! Da - Feuerborn

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Blasmusik am Ammersee.
Was für ein Empfang! Da kommen wir am Sonntagnachmittag nach einer anstrengenden Fahrt auf
dem Rad in Herrsching am Ammersee an und dann dieses. Wie für uns bestellt spielt auf einer Bühne
vor unserem Hotel am See die Blasmusik zünftig auf: Polka und Walzer, junge Musiker in Lederhosen
mit einer Maß vor sich als Notenhalter. So stellt sich der Ostwestfale einen Sonntag in Bayern vor
und so war es dann ja auch. Doch der Reihe nach erzählt.
Begonnen hatte alles mit der Vorplanung: Schon seit über 10 Jahren verabreden sich acht nicht mehr
ganz so junge Männer einmal im Jahr zu einer Radtour, Alois Sielhorst, Bernd Terletzki, Bernhard
Hillen, Bruno Schröder, Ullrich Körkemeier, Heinrich Mattenklotz, Wolfgang Feuerborn und
Wolfgang Hasheider.
In diesem Jahr sollte es der Isarradweg sein, von Mittenwald nach München mit einem Abstecher
zum Ammersee. Die Tour wurde uns vom Planer Wolfgang H. so schmackhaft gemacht, dass die
Bedenken zur langen An- und Rückreise (2 volle Tage) in den Hintergrund traten.
Dann also los. Leider musste Bernhard H. kurzfristig absagen und so machten sich nur fünf Verler am
frühen Freitagmorgen mit bepackten Rädern auf den Weg zum Bahnhof in Gütersloh. Hier stieß
Ullrich zu uns. Mit Wolfgang H. aus Osnabrück war die Radlertruppe dann ab Hannover vollständig,
aber geradelt wurde noch lange nicht. Noch lagen mehrere 100 Kilometer Bahnfahrt vor uns. Erst
nach 16 Uhr erreichten wir Mittenwald, nur ein kurzer Trip bis zum Hotel „Zur Post“. Jetzt fühlten wir
uns endlich in Bayern angekommen: Von Hotelbalkon der Bild auf das Karwendel Gebirge – der
Gipfel leider in den Wolken, die prachtvoll bemalten Häuser und natürlich die Gastronomie:
Schweinebraten und Knödel und dazu ein kleines Bier, also ein halber Liter (eine Maß ist für einen
Ostwestfalen einfach zu groß. Das muss man als „Ausländer“ erst noch lernen.
Einmal in Mittenwald darf natürlich auch der „Fettlöser“ im „Kartoffelsack“ nicht fehlen.
Am nächsten Morgen geht es dann endlich los. Unser Tagesziel liegt in Bad Tölz, wie sich bei der
Ankunft herausstellt in 62,5km Entfernung. Auf dem Weg dahin folgen wir immer dem Lauf der Isar,
die hier den Charakter eines Bergflusses hat. Nicht immer sind wir auf Flusshöhe, denn der Radweg
entspricht einer Berg- und Talfahrt. Das erwartet man so nicht, wenn man einem Flusslauf folgt.
Die Landschaft ist beeindruckend. Der Weg führt durch Naturschutzgebiete. Man weiß gar nicht
wohin man zuerst schauen soll.
Bergab ist Wolfgang H. Spitze: subjektiv gemessene 55km/h sind der Rekord, aber wen interessiert
das schon. Bergauf fährt Bernd an der Spitze. Die meisten plagen sich. Das Wetter kann schöner nicht
sein.
Eine Pause in Winkel, wir bestellen Weißwürste, niemand zuzelt seine Wurst, aber auch so ist
Weißwurstessen eine Kunst für sich. Nach einer weiteren Pause in Lengries erreichen wir Bad Tölz.
Hier werden wir im Hotel „Kolbergarten“ auf besondere Weise von der Wirtin empfangen. Sie
kredenzt uns jedem einen „Haselnussbrand“ als Spezialität des Hauses und erzählt uns, dass ein
Kranker vor einigen Tagen hier in Bad Tölz gewesen sei und diese Begrüßung extra für die Verler
Radler bestellt habe. Kann man das glauben, wir rufen Bernhard H. an und bedanken uns.
Von der Sonne verwöhnt genießen wir noch eine kleine Pause auf dem Hotelbalkon und stürzen uns
dann in das Getümmel des „Isarfestes“, Musik in den Flussauen. Abendessen gibt es in der Stadt im
Gasthaus „Alter Postillon“.
Am nächsten Tag liegt die Verantwortung in den Händen des Tagestourdirektors Bernd. Er hat die
Aufgabe uns von Bad Tölz nach Herrsching am Ammersee zu führen. Bei hochsommerlichen
Temperaturen erreichen wir das Ziel am Nachmittag, wo die Musi (für uns) spielt. Doch vor das Ziel
hatten die Götter die Berge gestellt. Man kann nicht mehr zählen, wie oft man bergauf fahren
musste. An einigen Stellen war der Anstieg zu stark, dass der eine oder andere es vorzog sein Rad zu
schieben, die Ehrgeizigen folgten dem Tagesdirektor zu fuhren ohne abzusteigen. Wir fahren durch
Dörfer, die man problemlos für eine Imagekampagne für Bayern nehmen könnte, Landschaften wie
für Postkartenmotive oder Puzzlebilder geschaffen.
In Seeshaupt haben wir einen ersten Blick auf den Starnberger See, aber wir müssen noch weiter.
Magnestsried, auch so ein typischer kleiner bayrischer Ort. Neben der Kirche erwartet man das
Gasthaus, in dem die Männer nach der Sonntagsmesse die Zeit verbringen bis die Frauen zum
Mittagessen rufen.
Es ist Sonntag, aber das Gotteshaus ist verwaist. Es gibt schon lange keinen Pfarrer mehr in
Magnetsried und auch keinen Pfarrer, der eine Messe in diesem kleinen Ort liest. Auch den
traditionellen Sonntagsfrühschoppen macht schon lange keiner mehr. Die Zeiten ändern sich.
Das alles erzählte uns die Wirtin, bei der wir zum typisch bayrischen Mittagessen einkehrten.
Noch sind wir nicht am Ziel. Es geht weiter bergauf und bergab. Das wird in Erinnerung bleiben, und
die schöne Landschaft. Dann erreichen wir den Ammersee am südlichen Zipfel, hier blüht der
Tourismus. Die Sonntagsausflügler bevölkern das Ufer. Über einen verwegenen Weg und die
Uferpromenade in Herrsching erreichen wir unser Tagesziel. Auch heute zeigt der Tacho 62,5
gefahrene Kilometer. Die vielen Bergwertungen haben an der Kondition gezerrt. Jetzt ist jeder
geschafft. Das Abendessen wird direkt am See serviert. Und dazu die Blasmusik. Schöner kann ein
Sonntag in Bayern nicht sein. Im Laufe des Abends wechseln die Musiker das Genre: die Blasmusik
wird mit den Noten bei Seite gelegt. Jetzt wird gejazzt. Die jungen Musiker ziehen alle Register und
jazzen den ganzen Abend: herrlich. So einen Sonnenuntergang findet man normalerweise nur auf
Postkarten: „Wenn die rote Sonne im See versinkt…“
Für Montag hatte Bernhard H. einen Ausflug nach Kloster Andechs und eine kombinierte RadSchiffstour um den südlichen Ammersee geplant. Ohne Bernhard verzichten wir auf die Radtour und
begeben uns auf den Pilgerweg zum Kloster. Pilgern kann so anstrengend sein, fast 4 km bergauf,
zum „Heiligen Berg“. Wir entscheiden uns für den kürzeren (aber steileren) Weg. Oben angekommen
folgte die Besichtigung der Kirche und der gesamten klösterlichen Anlage. Das ist schon
beeindruckend. Dann lockt die Gastronomie. Riesige Gästeterrassen laden zum Essen und Trinken
ein. Andechser Bier ( 7 verschiedene Sorten) dazu Haxen, Leberkäse oder Krustenbraten. Ruhig klingt
der Tag aus.
Am nächsten Tag feiern wir Geburtstag. Für Wolfgang F. haben wir den Tisch festlich gedeckt und
begrüßen ihn mit einem Ständchen. Das Hotel serviert ein Glas Sekt zum Anstoßen. Eigentlich
dürften wir so früh noch keinen Alkohol trinken, bei dem anstrengenden Tagesprogramm, aber zum
Geburtstag.
Das Geburtstagskind hat heute die Aufgabe, die Gruppe nach München zu führen. Wir entscheiden
uns für eine Strecke mit Überfahrt über den Starnberger See. Das bedeutet, dass uns heute wieder
viele Anstiege bevorstehen. Der erste sofort am Ortsausgang von von Herrsching: Wir müssen nach
Andechs und das bedeutet etwa 4 Kilometer nur bergauf, heute schaffen wir es alle ohne
abzusteigen. Unser erster Tagesabschnitt führt uns nach Possenhofen, den Geburtsort der Kaiserin
Sissi. Hier müssen wir übersetzen nach Leoni. Nur mit viel Überredungskunst erreichen wir, dass der
Kapitän uns mit unseren Fahrrädern mitnimmt. Glück gehabt., das wäre ein großer Umweg gewesen.
Von Leoni geht es nach Berg. Wir machen einen Stopp an der Votivkapelle für Ludwig II., der an
dieser Stelle im Starnberger See zu Tode kam.
In Iking stoßen wir dann wieder auf die Isar, der wir bis München folgen wollen. Die bayrischen Berge
verfolgen uns auch hier. Flachland gibt es hier vermutlich gar nicht. Nicht einmal eine schneidige
Abfahrt kann man richtig genießen, weil man schon wieder an den nächsten Anstieg denkt. Im
Außenbezirk von München ist der Isarradweg irritierend beschildert. Nach einiger Mühe finden wir
uns zurecht. Wir folgen der Isar bis zum Englischen Garten und machen Rast am Chinesischen Turm.
Heute war wirklich der anstrengendste Teil unserer diesjährigen Radtour, 72km, und dann noch
ständig hoch und runter.
Jetzt müssen wir nur noch das Hotel finden. Aber auch das geht problemlos.
Den Abend verbringen wir in der Innenstadt. Am Markt ist für uns ein Tisch reserviert.
Mit dem ersten Bier beginnt bereits die Rückschau auf die diesjährige Radtour.
Am nächsten Tag trennen sich die Wege. Wolfgang F. fährt von München aus weiter in den Urlaub.
Vor den anderen liegt noch die lange Zugfahrt bis nach Ostwestfalen oder Osnabrück, das dann am
Nachmittag erreicht wird.
Die Tour klingt aus mit einem Abschiedsbier in einer Verler Gaststätte.
Bild I Start in
Mittenwald
Bild II Entlang der Isar
Bild III Freundlicher Empfang in Bad Tölz
Bild IV Pause auf bayrisch
Bild V Pilgerweg nach Kloster Andechs
Bild VI Happy Birthday To You
Bild VII Bayrische Landschaften
Bild VIII Am Ziel: Im Englischen Garten in München
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