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Gehörlosenseelsorge quo vadis? SVEHK-Tagung in Fiesch Was

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Schweiz. Verband für Gehörlosenund Hörgeschädigten-Organisationen
Association Suisse pour organisations
de sourds et malentendants
Associazione Svizzera per organizzazioni
a favore delle persone audiolese
4 Gehörlosenseelsorge quo vadis?
Jubiläumsbericht zum 100-jährigen Bestehen
von sonos
8 SVEHK-Tagung in Fiesch
Spannende Erfahrungsberichte
14 Was wäre ohne Eugen Sutermeister?
Heinrich Beglinger im kofo Zürich
18 Kinder und Jugendliche mit
Behinderungen
Schnittstelle Sozialversicherung-Sonderpädagogik
104. Jahrgang
Nr. 12 Dezember 2010
35 Gehörlosenweihnachtsfeier
Stimmungsvolles Zusammensein in Trogen
Seite des
Präsidenten
Liebe Leserinnen und Leser
Zufällig bin ich auf einen Liedtext des
bekannten Sängers und Interpreten Herbert Grönemeyer gestossen: „Musik nur,
wenn sie laut ist“. Darin hat er sich auf
eindrückliche Art der Problematik hochgradiger Schwerhörigkeit angenommen:
Die Zeile „Sie weiss nicht, dass der Schnee
lautlos auf die Erde fällt“, hat mich besonders beeindruckt: Stille, ohne Bewegung,
ohne Geräusch, die Abwesenheit jeglichen
Lärms. Aber auch „stillen“ gehört in diesen
Kontext, da der Säugling beim Trinken
ruhig wird.
Zahlreiche Dichter und Schriftsteller haben
diese Thematik aufgegriffen und sich auf
eindrückliche Weise dazu geäussert.
Nehmen wir uns doch wieder einmal Zeit
für Goethes „Bergesstille“, Eichendorffs
„Meeresstille“, Hebbels „Winterstille“,
Storms „Mittagsstille“ und viele mehr.
Völlige Stille kann auch als unangenehm
oder gar beängstigend empfunden werden.
Dann wird uns bewusst, dass akustische
Reize eine bessere Raumorientierung
erlauben, Denkanstösse geben, Reflexionen erlauben, für unsere Entwicklung
und Leistungsfähigkeit eine grosse Bedeutung haben.
Für die kommenden Feiertage wünsche ich
allen Lesern stille und entspannende
Momente.
Eine stille Umgebung kann jedoch unsere
Konzentration verbessern, entspannend
wirken, Besinnung und Beschaulichkeit
ermöglichen.
„Sie sitzt den ganzen Tag auf ihrer Fensterbank
Lässt ihre Beine baumeln zur Musik
Der Lärm aus ihrem Zimmer macht alle Nachbarn krank
Sie ist beseelt, lächelt vergnügt
Sie weiss nicht, dass der Schnee lautlos auf die Erde fällt
Merkt nichts vom Klopfen an der Wand
Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist
Das ist alles, was sie hört
Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist
Wenn sie ihr in den Magen fährt
Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist
Wenn der Boden unter den Füssen bebt
Dann vergisst sie, dass sie taub ist
Euer Bruno Schlegel
Präsident sonos
Der Mann ihrer Träume muss ein Bassmann sein
Das Kitzeln im Bauch macht sie verrückt
Ihr Mund scheint vor lauter Glück still zu schrein
Ihr Blick ist der Welt entrückt
Ihre Hände wissen nicht, mit wem sie reden solln
Es ist niemand da, der mit ihr spricht
Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist
Das ist alles, was sie hört
Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist
Wenn sie ihr in den Magen fährt
Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist
Wenn der Boden unter den Füssen bebt
Dann vergisst sie, dass sie taub ist. “
Impressum
Zeitschrift sonos
Erscheint monatlich
Editorial
Liebe Leserinnen und liebe Leser
Die Adventszeit hat begonnen. Überall
werden Lichterketten und glitzernder Weihnachtsschmuck aufgehängt. Das prächtige
Farbenmeer lässt uns da und dort vergessen, dass es draussen schon lange
dunkel und winterlich kalt ist. Aber auch
drinnen zu Hause werden ganz der Tradition
entsprechend Adventskränze und liebevoll
gestalteter Weihnachtsschmuck aufgestellt. Überall ist die Vorfreude auf das kommende Weihnachtsfest zu spüren.
Im Dezember ist aber auch die Zeit um
zurückzublicken und Bilanz in Bezug auf
das zu Ende gehende Jahr zu ziehen.
Konnten die angestrebten Ziele alle erreicht
werden? Oder fällt - nüchtern betrachtet die Bilanz eher durchzogen oder sogar
mager aus?
Ist man im Behindertenwesen tätig, wird
man wohl oder übel zu einer negativen
Bilanz kommen. Viele Behindertenorganisationen machen sich ernsthaft Sorgen. Der
Grund dafür ist, wie könnte es anders sein,
das Geld.
Zwar scheint es so, dass sich die Schweizer
Wirtschaft tatsächlich nach der Finanz- und
Wirtschaftskrise nachhaltig erholt hat. Trotz
des tiefen Dollar- und Euro-Kurses können
auf sehr hohem Niveau Güter und Dienstleistungen exportiert werden. Aber auch der
Binnenmarkt gestaltet sich, und hier allen
voran die Baubrache mit allen Zulieferleistungen, nach wie vor sehr erfreulich. Also
wo ist dann das Problem?
Zwei Gegebenheiten laufen diametral auseinander. Von der guten wirtschaftlichen
Stabilität der Schweiz können nicht alle
Bevölkerungsschichten profitieren. Menschen, die bisher auf ergänzende staatliche
Unterstützung angewiesen waren, stellen
fest, dass an allen Ecken und Enden knallhart gespart wird. Diese Sparmassnahmen
spüren auch die Behindertenorganisationen schonungslos. Gewisse Dienstleistungen für die Betroffenen können wegen
fehlender finanzieller Mitteln nicht mehr
oder allenfalls nur noch in reduzierter Form
angeboten werden. Dies ist umso bedenklicher, da gerade Beratungsleistungen einen
eminent wichtigen Stellenwert haben, da
sie meiner Meinung nach als die günstigste
Form von Integrationsbemühungen anzusehen sind. Mit einer professionellen Beratung zum richtigen Zeitpunkt kann beispielsweise unter Umständen eine langandauernde Arbeitslosigkeit oder im
schlimmsten Fall eine Aussteuerung mit
der damit drohenden Sozialhilfeabhängigkeit verhindert werden.
Auch die Gehörlosenberatungsstellen
stellen fest, dass in ihren Budgets finanzielle Löcher entstehen. Für die Verantwortlichen stellt sich die Frage, verzichten wir
künftig auf Leistungen, die nicht über vertragliche Vereinbarungen abgesichert sind?
Es wäre aber fatal, wenn Hilfesuchende
abgewiesen werden müssten. Ein Teufelskreis.
Ungewiss ist auch, ob mit organisatorischen und betrieblichen Massnahmen die
Effizienz und Effektivität der Organisation
gesteigert werden kann. Sicher ist nur
eines, dass der Spardruck nun auch bei den
Behindertenorganisationen definitiv angekommen ist. Was jetzt unter allen
Umständen verhindert werden muss, ist
Resignation. Im Sinne der Betroffenen
braucht es derzeit hohe Motivation, Kreativität, Mut und Begeisterung.
Ich wünsche Ihnen liebe Leserinnen und
Leser eine friedvolle und besinnliche
Adventszeit.
Herausgeber
sonos
Schweizerischer Verband für Gehörlosenund Hörgeschädigten-Organisationen
Feldeggstrasse 69
Postfach 1332
8032 Zürich
Telefon 044 421 40 10
Fax
044 421 40 12
E-Mail info@sonos-info.ch
www.sonos-info.ch
Redaktion
Redaktion sonos
Feldeggstrasse 69
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Druck und Spedition
Bartel Druck AG
Bahnhofstrasse 15
8750 Glarus
sonos verwendet bei Personen zur
Vereinfachung abwechslungsweise die
weibliche oder männliche Form,
angesprochen sind beide Geschlechter.
Nachdruck nur mit Genehmigung der
Redaktion, unter Hinweis auf die Quelle
und mit Zustellung eines Belegexemplars.
Die veröffentlichten Artikel von Gastautoren
geben nicht in jedem Fall die Auffassung des
Herausgebers wieder.
Die nächste Ausgabe erscheint
am 1. Januar 2011
Redaktionsschluss:
15. Dezember 2010
Roger Ruggli
Master of Arts (M.A.)
Titelbild: Adventsstimmung 2010
Redaktor
3
100
1911 - 2011
Illustrationen
Jahre
... im Einsatz für Gehörlose und
Schwerhörige!
"Es wird vor
dem letzten
Gehörlosen keine Seelsorgerinnen und Seelsorger mehr geben"
COSM.SOGS.CESDU
Die SOGS (Schweizerische Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Gehörlosen- und Schwerhörigenseelsorge)
ist ein Verein. Zur Arbeitsgemeinschaft
gehört eine französischsprachige
Arbeitsgruppe. Die SOGS ist die ökumenische Weiterführung der evangelischen (PEGS) und katholischen (AKGS).
Die SOGS unterstützt und fördert interkonfessionelle Projekte, Veröffentlichungen und Medien im Bereich der
Hörbehindertenseelsorge. Es gab ein
Buch und eine DVD mit religiösen
Gebärden. Die französischsprachigen
Kolleginnen und Kollegen engagierten
sich für die Übersetzung des Lukasevangeliums in die Gebärdensprache zusammen mit anderen frankophonen
Ländern. Eine Gruppe von Gehörlosen
schreibt im Auftrag der SOGS im visuell
plus eine Kolumne: „Glaube Gott Gehörlose“.
Die SOGS bietet Gelegenheit für den
Gedankenaustausch der Mitglieder. Sie
organisiert regionale und gesamtschweizerische ökumenische Anlässe
für Hörbehinderte.
Seit 2000 wird alle drei Jahre ein
gesamtschweizerisches Pfingsttreffen
Felix Urech, Prädikant bei „Glaube Gott Gehörlose“
angeboten. Das Nächste findet im
Jahr 2012 in der Stadt Bern statt.
Mitglied bei der SOGS können hörbehinderte und hörende Personen mit
offiziellem Auftrag im kirchlichen
Dienst (Verkündigung, Gemeinschaft,
Katechetik und Seelsorge) werden.
Da die Kirchen in der Schweiz von
Kanton zu Kanton, oder von Bistum
zu Bistum anders aufgebaut sind, ist
die Seelsorge bei Gehörlosen von
Gemeinde zu Gemeinde anders organisatorisch und finanziell abgesichert. Da auch bei der Kirche gespart
werden muss, wird oft bei speziellen
Diensten gespart, welche nicht auf
den ersten Blick sichtbar sind. Wie im
Beispiel von Heinrich Beglinger aufgezeigt, wurde eine Stelle von 100%
auf 50% gekürzt. Es ist kein einziges
Mitglied der SOGS mehr als 80% tätig
für Gehörlose und bei neuen Stellenbesetzungen wird in den meisten
Fällen das Gebiet vergrössert und die
Stellenprozente reduziert.
Peter Schmitz-Hübsch, Präsident der SOGS
Andreas Fankhauser
Vorstandsmitglied SOGS
Diakon
Hörbehindertengemeinde Bern
Doris De Giorgi, gehörlose Mitarbeiterin in der Hörbehindertengemeinde Bern
Lormen,
auch ein Kommunikationsmittel
Mitwirkende beim Pfingsttreffen 2009.
Organisatoren Achim Menges, Dorothee Buschor Brunner, Peter
Schmitz-Hübsch und Anita Kohler (v.l.n.r.)
Aus dem Gottesdienst beim Pfingsttreffen
2009 auf dem Bodensee
Eindrücke vom Gottesdienst
beim Pfingstreffen 2009
5
Geschichte der Gehörlosenseelsorge
Stellvertretend am Beispiel
der Gehörlosenseelsorge im
Kanton Solothurn
Die Gehörlosenseelsorge im Kanton Solothurn war von Anfang an und ist bis heute
eng verbunden mit dem Gehörlosen-Fürsorgeverein im Kanton Solothurn.
Im Mai 1911 wurde in Olten der „Schweizerische Fürsorgeverein für Taubstumme“
gegründet (heute unter dem Namen
„sonos“, er feiert nächstes Jahr Jubiläum).
Gleich darauf bildeten sich in einzelnen
Kantonen Subkomitees, so 1913 auch im
Kanton Solothurn, unter dem Namen „Solothurner Fürsorgeverein für Taubstumme“.
Dem Vorstand gehörten teils hochrangige
Persönlichkeiten an, vor allem Ärzte. Erster
Präsident war der Arzt Dr. Schubiger.
Zweck dieses Vereins war am Anfang neben
der Zählung der Gehörlosen im Kanton vor
allem die soziale Hilfe an notleidende
gehörlose Personen sowie die Sorge, dass
gehörlose Kinder in die Gehörlosenschule
überwiesen werden. Daneben organisierte
der Fürsorgeverein Anlässe weiterbildender oder geselliger Art für die gehörlosen Menschen, um diese aus der Isolation herauszuholen und zu einer Gemeinschaft zu führen.
Spezielle Seelsorge für Gehörlose gab es
am Anfang im Kanton Solothurn noch nicht.
Katholische Gehörlose wurden von Pfarrern
aus andern Kantonen oder von der Caritas
regelmässig zu Exerzitien eingeladen, an
denen auch Fürsorgerinnen teilnahmen.
1958 werden von reformierter Seite Pfarrer
Henzi in Solothurn und Pfarrer Jäggi in Dulliken, von katholischer Seite Stadtpfarrer
Rudolf Walz von Solothurn und Pfarrer
Kaufmann in Olten erwähnt, die nebenamtlich gelegentlich Gottesdienste für Gehörlose anboten.
1966 übernahm Dr. med. Hans Cadotsch,
Ohrenarzt in Grenchen, das Präsidium des
Fürsorgevereins. Die Aktivitäten des Vereins wurden erweitert durch Einführung
von Ablese- und Fortbildungskursen. Ein
Kindergarten für gehörlose Kinder wurde
eingerichtet. Im gleichen Jahr 1966 wurde
in Basel der erste vollamtliche reformierte
Gehörlosenpfarrer Werner Sutter ins Amt
eingesetzt. Sein Tätigkeitsgebiet umfasste
vorerst die Kantone Basel-Stadt und Baselland. Unterdessen hatten die reformierten
Gehörlosen im Kanton Bern mit Pfarrer Willi
Pfister ebenfalls einen vollamtlichen
Gehörlosenpfarrer bekommen, der sich
auch um die Personen im oberen Kantonsteil, der zur Berner Kirche gehörte, kümmerte. Gottesdienste gab es jedoch nur in
Biel.
1970 wurde das Augenmerk des Fürsorgevereins vermehrt auf die geistliche Begleitung der gehörlosen Menschen im Kanton
gerichtet. Ziel war, die Gehörlosen des
oberen und unteren Kantonsteils zu einer
Gemeinde zusammen zu bringen. Pfarrer
Sutter, der den Fürsorgeverein schon
vorher unterstützt hatte, übernahm nach
einer Vereinbarung zwischen den Kirchen
Basel und Solothurn fortan zusätzlich die
reformierte Gehörlosenseelsorge im
ganzen Kanton. Im Herbst 1971 bekamen
auch die katholischen Gehörlosen mit dem
jungen schwerhörigen Pfarrer Rudolf Kuhn
einen eigenen Seelsorger. Kuhn übernahm
die Gehörlosenseelsorge in den Kantonen
Basel, Baselland, Solothurn und Bern.
Die Zusammenarbeit zwischen dem Fürsorgeverein und den Pfarrern funktionierte
hervorragend. Es wurden gemeinsam feste
Gottesdienstorte im Kanton eingerichtet:
Seit Herbst 1971 gab es regelmässig Gottesdienste: In Olten im Gemeindesaal der
reformierte Pauluskirche, in Grenchen im
Gemeindesaal der reformierte Zwinglikirche und in Solothurn in einem Raum des
katholischen Pfarreiheims an der Nictumgasse, der später für mehrere Jahre zur
Klubstube der Gehörlosen wurde. Die Gottesdienste wurden von Anfang an ökumenisch gestaltet: Die Gemeinden blieben
mit wenigen Ausnahmen stets dieselben,
die Pfarrer wechselten bei den Gottesdiensten ab. Im Anschluss an die Gottesdienste
blieben die Teilnehmenden bei Kaffee und
Kuchen noch gemütlich ein wenig
zusammen zum Gedanken- und Informationsaustausch und zu froher Gemeinschaft.
Neben den Gottesdiensten organisierten
die Pfarrer aber noch weitere Anlässe für
Gehörlose, so einen alljährlichen Ferienkurs, mehrere Auslandreisen, an denen
auch Solothurner Gehörlose teilnahmen,
auf katholischer Seite wurden Exerzitien
und Wallfahrten angeboten. Sie nahmen
am Jahresausflug des Fürsorgevereins teil
und hielten bei der jährlichen Adventsfeier
den Gottesdienst. Und dies ist bis heute so
geblieben.
1977 trat Pfarrer Kuhn aus dem Dienst an
den Solothurner Gehörlosen aus, behielt
aber Bern und Basel weiterhin und übernahm noch die hörende Gemeinde Nenzlingen. Die katholische Gehörlosenseelsorge Solothurn wurde an den pensionierten
Pfarrer Emil Brunner, der in Burg im Leimental wohnte, übergeben. Er übte das
Amt bis Ende 1979 aus. Nach einer kurzen
Vakanz übernahm 1980 Diakon Willi Zuber
von Gossliwil diese Aufgabe. Auch Pfarrer
Sutter, dem das Verdienst zukommt, den
Aufbau der Gemeinden und der Gottesdienste massgeblich vorangebracht zu
haben, wollte sich zurückziehen.
Nach Rücksprache mit den Kirchen der
andern Kantone wählte der reformierte
Basler Kirchenrat 1980 den gehörlosen Prediger Heinrich Beglinger zum Nachfolger
von Pfarrer Sutter. Er wurde am 1. Mai 1981
ins Amt eingesetzt, konnte eine gut funktionierende Gemeindestruktur übernehmen und hat diese in den meisten
Bereichen jahrelang mit geringen Änderungen weitergeführt. Die Ökumene im
Kanton Solothurn blieb erhalten. Drei Jahre
später musste auf katholischer Seite Willi
Zuber aus gesundheitlichen Gründen das
Amt als Gehörlosenseelsorger abgeben
und die Stelle war wieder vakant.
Auf Vorschlag von Seiten der katholischen
Gehörlosenseelsorge
Basel
wurde
schliesslich Ordens-Schwester Martina
Lorenz von Kriens, die selbst drei gehörlose
Brüder hat, vom bischöflichen Ordinariat
der Diözese Basel zur neuen Gehörlosenseelsorgerin für den Kanton Solothurn
gewählt und am 1. April 1984 im Gottesdienst in Olten feierlich ins Amt eingesetzt.
Damit begann für die Gehörlosenseelsorge
im Kanton Solothurn eine mehr als 20jährige Blütezeit. Die beiden Seelsorgepersonen verstanden sich bestens und
konnten hervorragend zusammenarbeiten,
was sich wiederum auf die Gemeinden der
Gehörlosen im Kanton Solothurn positiv
auswirkte.
Im Mai 1990 trat Dr. med. Cadotsch nach 25
Jahren als Präsident aus dem Fürsorgeverein, der sich inzwischen „Solothurner
Verein für Gehörlosenhilfe“ nannte, zurück.
Im Juni 1990 übernahm mit Fritz Sieber, Prokurist und Bauführer in Olten, zum ersten
Mal in der Vereinsgeschichte kein Arzt das
Präsidium. Er übte das Amt bis Mai 2003
aus. Dann stellte sich die Frage nach der
Weiterführung des Vereins. Schliesslich
erklärte sich der gehörlose Urs Buri von
Grenchen bereit, das Präsidium zu übernehmen. Ein neuer Vorstand wurde
gewählt, dem auch die beiden Seelsorger
bis heute angehören. Der Verein änderte
auf Wunsch der Gehörlosen den Namen
nochmals leicht in „Verein für Gehörlosenhilfe im Kanton Solothurn“.
Während in Grenchen und Olten die Gottesdienste noch heute an den von Pfarrer
Sutter und dem Fürsorgeverein eingerichteten Räumen stattfinden, gab es in Solothurn gelegentlich Probleme damit. Bis
März 1990 standen hierfür zuerst die
Peterskapelle und später das Pfarreiheim
an der Nictumgasse zur Verfügung. Da
erstere im Winter nicht geheizt und letzteres häufig von andern Benutzern in
unreinlichem Zustand zurückgelassen
wurde, konnten wir für die Zusammenkünfte zunächst den Saal und dann
den Raum der Bibliothek im Pfarrhaus an
der Propsteigasse benützen. 2001 erfolgte
ein Wechsel am örtlichen Pfarramt. Der
neue Pfarrer wollte diese Räume vermehrt
für seine eigenen Tätigkeiten benutzen,
wodurch wir kaum mehr einen Termin für
einen Gottesdienst mit Gehörlosen
erhielten. Das zwang uns dazu, nach einem
Zugangsmonitor barrierefreier Zugang zu
Kulturanlässen für alle
andern Raum zu suchen. Diesen fanden wir
im März 2001 in der reformierten Stadtkirche Solothurn, wo wir für die nächsten
vier Jahre wieder Gottesdienst feiern
konnten.
2002 wurde die Stelle von Heinrich Beglinger von der reformierten Basler Kirche
auf 50% reduziert, begründet durch den
Wegfall des Religionsunterrichts an der
Gehörlosenschule Riehen, wo die letzte
Gehörlosenklasse aufgelöst wurde. Dennoch wurde versucht, die Gottesdienste in
den drei Kantonen weiterhin regelmässig
aufrecht zu erhalten. Mit der Zeit fühlten
sich die Gehörlosen in den uns zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten der Stadtkirche aber zunehmend unwohl. Während
in Olten und Grenchen die Sigristen jeweils
für uns den Raum und den Kaffee bereit
machten, mussten wir in der Stadtkirche
Solothurn nahezu alles selber organisieren, was oft recht umständlich war. Die
Zahl der Gottesdienstbesucher nahm ab,
sodass Schwester Martina und ich uns
schliesslich dazu entschieden, die Gottesdienste in Solothurn versuchsweise zu
streichen und uns auf Olten und Grenchen
zu konzentrieren, zumal nur sehr wenige
Gehörlose in Solothurn wohnen. Aus heutiger Sicht sind wir mit diesem Entscheid
noch immer zufrieden.
Ende Mai 2008 verabschiedeten sich Heinrich Beglinger nach 27 Jahren und Schwester Martina nach 24 Jahren gleichzeitig
Procap möchte in Zukunft einen Zugangsmonitor, d.h. eine Internetplattform, zur
Verfügung stellen, auf welcher Menschen
mit Hör-, Mobilitäts- oder Sehbehinderung
nachschauen können, wie gut kulturelle
Veranstaltungsorte für sie zugänglich sind.
Auch ältere Menschen, die in vielen Bereichen der Kultur zum Stammpublikum
zählen, werden von diesem Informationsangebot profitieren können. Dieses von
Procap konzipierte und von verschiedenen
Partner- und Behindertenorganisationen auch von sonos - unterstützte Projekt
befindet sich in der Aufbauphase.
Die Betroffen selbst sind die Experten.
Anhand von Checklisten untersuchen sie
bei einem Veranstaltungsbesuch den Ort.
Die administrative Arbeit kann von einer
Begleitperson übernommen werden,
welche Procap vermittelt. Bereits haben
sich zahlreiche Begleitpersonen gemeldet.
vom Dienst an den Gehörlosen im Kanton
Solothurn, nachdem beide etwas mehr als
ein Jahr über das Pensionsalter hinaus
gewirkt hatten. Auf reformierter Seite
konnte mit Pfarrerin Anita Kohler eine
junge hörende Nachfolgerin gefunden
werden. Die Stelle wurde neu geschaffen
unter dem Namen „Gehörlosenpfarramt
Nordwestschweiz“ und die Verantwortung
dafür an die Aargauer Kirche abgetreten.
Frau Kohler hat seit 1. Juni 2008 mit einem
Pensum von nur 50% die Gehörlosen in vier
Kantonen zu betreuen und zu begleiten.
Auf katholischer Seite dauerte es etwas
länger, bis eine Nachfolge für Schwester
Martina gefunden werden konnte.
Zunächst wurde die Aufgabe nach einigem
Hin und Her provisorisch Herrn Till Dierkesmann übertragen. Da das bischöfliche Ordinariat der Kirche und Herr Dierkesmann
sich aber in bestimmten Fragen nicht
einigen konnten, wurde die Gehörlosenseelsorge auf 1. Dezember 2009 schliesslich definitiv Herrn Felix Weder, Pastoralassistent, wohnhaft in Münchenbuchsee,
anvertraut.
Ich bin zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit von Pfarrerin Anita Kohler und Pastoralassistent Felix Weder gut gelingen wird,
zum Wohl der Gehörlosen im Kanton Solothurn.
Heinrich Beglinger
Alt Gehörlosenseelsorger
Anders dagegen sieht es auf der Seite der
Menschen mit Behinderung aus. Es erweist
sich für Procap leider als sehr schwierig, an
kulturell interessierte Menschen mit
Behinderung zu gelangen.
Für die Untersuchungen der Orte in der
ganzen Schweiz sucht Procap derzeit viele
engagierte Freiwillige mit und ohne Behinderung, denen ein Kulturangebot für alle
wichtig ist.
Weitere Informationen und Anmeldung:
www.zugangsmonitor.ch
Es wäre schön, wenn sich möglichst viele
Gehörlose und Hörbehinderte melden
würden, damit ein wichtiger Schritt in
Bezug auf die Gleichstellung im kulturellen
Bereich in absehbarer Zeit Wirklichkeit
wird.
7
SVEHK-Elterntagung
in Fiesch
Am letzten Wochenende im Oktober findet
heuer die SVEHK-Elterntagung in Fiesch
im Goms, Kanton Wallis, statt. Die Tagung
steht unter dem Thema „Frag mich! .... und
ich erzähle Dir“. Corinna Jossen von der
SVEHK-Regionalgruppe Wallis und Tobias
Schölly, SVEHK Schweiz-Präsident,
heissen die rund 220 Teilnehmenden herzlich im Sport- und Ferienzentrum willkommen.
Hugo Berchtold vom kantonalen Amt für
Sonderschulen stellt das fortschrittliche
Walliser Sonderschulwesen vor. Er weist
darauf hin, dass behinderte Kinder genau
die gleichen Bedürfnisse wie alle anderen
Kinder hätten und diesem Umstand trage
nehme das Walliser Sonderschulwesen
Rechnung. Auch nimmt er darauf Bezug,
dass das Wallis der Interkantonale Vereinbarung über Sonderpädagogik als erster
Kanton im Herbst 2008 beigetreten sei.
Interessant ist zu erfahren, dass gemäss
einer Studie an der HfH aus dem Jahr 2008
gesamtschweizerisch 2,8% der Schüler
eine Sonderschulmassnahme haben. Im
Wallis betrage die Quote lediglich 1,2% und
fast die Hälfte dieser Schülerinnen würden
an der Regelschule beschult. Berchtold legt
schliesslich noch dar, dass heute keine hörbehinderten Kinder aus dem Kanton Wallis
ausserkantonal platziert seien. Abschliessend zitiert er alt Bundesrat Joseph Deiss,
der am 11. Juni 2010 zum Vorsitzenden der
UNO gewählt worden sei und der nach
dieser Wahl auf die Schweizerische Bundesverfassung verwiesen habe bzw. auf
den Leitsatz, dass sich die Stärke einer
Gemeinschaft an den schwächsten Mitgliedern bemisst.
Anschliessend erhält Anton Zeiter, Gemeinderat von Fiesch das Wort. Er stellt die
malerisch gelegene Gommer Gemeinde vor
und erwähnt, dass deren Name ursprünglich vom in Bergbächen vorkommenden
Fisch herrühre. Fiesch sei auf 1000 Metern
über Meer gelegen am Fusse des Eggishorn. Mit 960 EinwohnerInnen sei Fiesch
die bevölkerungsmässig grösste Gemeinde
im Goms.
Caroline Walker Miano ist 1966 geboren.
Sie hat eine Ausbildung in Sterbe- und
Trauerbegleitung abgeschlossen. Sie führt
thematisch in die diesjährige Elterntagung
ein und nimmt Bezug auf das Märchen „Der
Schatz am Ende des Regenbogens“.
Es war einmal ein alter Mann. Der lebte
ganz allein im Wald in einer kleinen Hütte
und war sehr, sehr unglücklich. Jeden Tag
sass er auf einer Bank vor seinem Häuschen und starrte vor sich hin. Er hörte
nicht wie die Vögel sangen, er spürte den
Wind nicht, der mit den Blättern der Bäume
spielte, er fühlte nicht die Sonnenstrahlen
auf seiner Haut, er roch den würzigen Tannenduft nicht, und er sah nicht, wie die
Tiere des Waldes immer wieder zutraulich
herankamen.
Er hielt den lieben langen Tag den Kopf
gesenkt und dachte nach. Seine Gedanken
kreisten immer nur um eine Sache. Warum,
so fragte er sich wieder und wieder, warum
nur war die Prophezeiung der schönen Fee
nicht in Erfüllung gegangen? Dabei war der
Fall doch ganz klar. Seine Mutter hatte ihm
die Geschichte oft erzählt. Damals, als er
vor vielen Jahren in dem tausend Jahre
alten Wasserschloss, in der Mitte des Waldsees geboren wurde, damals, genau eine
Stunde nach der Geburt, hatte plötzlich
eine Fee an seiner Wiege gestanden.
Sie hatte wunderschöne lange Haare, erinnerte sich seine Mutter. Fein und schimmernd wie Spinnweben, auf die die Sonne
scheint. Und sie hatte ein Lächeln auf den
Lippen, das jeden, ob Mann oder Frau,
dahin schmelzen liess. Was die Fee dann
gesagt hatte, das hat sich der Mann genau
gemerkt, zu oft hatte es ihm seine Mutter,
die nun natürlich längst gestorben war,
wiederholen müssen. Am Ende des Regenbogens liegt ein grosser Schatz für dich.
Genau diese Worte hatte die Fee zu dem
Säugling gesprochen. Dann war sie verschwunden.
Kaum war er alt genug, hatte der Mann auf
der ganzen Welt nach diesem Schatz
geforscht. Er war von Land zu Land gereist,
hatte in den Bergen nach Edelsteinen, in
den Flüssen nach Gold gesucht, und er war
nach versunkenen Schiffen auf den Meeresgrund getaucht. Es war ein wildes,
abenteuerliches Leben gewesen, voller
Ungeduld und Gier. Doch den Schatz, nein,
den hatte er nie gefunden. Er war arm wie
eine Kirchenmaus geblieben, und sein
Erbe, das schöne Wasserschloss, fiel an
seinen jüngeren Bruder, weil er sich nie
darum gekümmert hatte."
Am Ende des Regenbogens, so ein
Unsinn!" pflegte er regelmäßig am Ende
seiner Grübeleien zu sagen und missmutig
in die Hütte zurückzustampfen, um sich
schlafen zu legen.
So lebte er dahin, bis eines Tages etwas
geschah. Es hatte tagelang geregnet, doch
plötzlich war mit Macht die Sonne durchgebrochen, obwohl es noch etwas nieselte.
Der alte Mann sass mal wieder mit
gesenktem Kopf vor seiner Hütte und zertrat wütend eine kleine Blume. Doch plötzlich veränderte sich das Licht, und der alte
Mann schreckte auf. Und da sah er es. Ein
riesiger Regenbogen spannte sich über den
Wald, hoch über die höchsten Wipfel der
Bäume. Ein Regenbogen in den schönsten
Farben, so prächtig, wie er es noch nie
gesehen hatte. Und das Ende des Regenbogens zeigte genau auf ihn.
Ja, der alte Mann sass direkt am Ende des
Regenbogens. Da kam ihm die Erleuchtung. Der Schatz am Ende des Regenbogens, das war er selber. Der alte Mann
begann zu weinen. Er ging in seine Hütte
und weinte drei Tage und drei Nächte lang.
Dann trat er wieder heraus. Er holte tief Luft
und spürte, wie das Leben in ihn zurückströmte. Er fühlte sich um Jahrzehnte
jünger. Er sah auf den Boden und bemerkte
einen kleinen Käfer, der auf den Rücken
gefallen war. Er bückte sich und drehte ihn
behutsam herum. Dann blickte er hoch und
nahm wahr, dass der Himmel leuchtend
blau war.
Da wusste er, dass ein langes, glückliches
Leben vor ihm lag.
Der Schatz am Ende des Regenbogens war
der alte Mann selbst, fasst Caroline WalkerMiano die Quintessenz dieses Märchens
zusammen. Sie nimmt darauf Bezug, dass
sie es in der Trauerbegleitung immer
wieder erlebe, dass die Eltern eines behin-
derten Kindes, oft gar keine Freude mehr
wahrnehmen würden, wenn sie erfahren,
dass etwas mit ihrem Kind nicht stimme,
dass es beispielsweise nichts höre. Das
Thema in jeder Eltern-Kind-Beziehung sei
Vertrauen. Dies bedeute vor allem auch
Vertrauen in sich selbst. Eltern lernen, ihrer
Intuition zu vertrauen. Auch müssten Eltern
Vertrauen gegenüber ihren Kindern entwickeln, das Kind selbst spüren zu lassen,
was für es gut sei. Als Eltern müsse man
Vertrauen haben, dass das Kind seinen
eigenen Weg finden und gehen werde.
Vielfältige Workshops
Nach diesen ansprechenden Gedanken von
Caroline Walker Miano steht der Besuch
von Workshops auf dem Programm. Insgesamt an vier von sieben Angeboten kann
teilgenommen werden.
Die Geschäftsführerin von sonos hat am
Workshop A, B, C und G teilgenommen.
Workshop A: Erzähl mir!
Diagnose - was nun?
Unter der fachkundigen Moderation von
Franziska Geiser Bedon und Julie Anne
Schäuble schildern fünf Eltern, wie sie von
der Gehörlosigkeit bzw. Schwerhörigkeit
ihrer Kinder erfahren und wie sie dies alles
erlebt haben. Als besonders einschneidend
haben es viele Eltern empfunden, dass die
Diagnose erst um das dritte Lebensjahr des
Kindes feststand. Die Eltern haben eindrücklich von ihren Erfahrungen berichtet,
das Verhalten des kleinen Kindes nicht
richtig interpretiert zu haben, da sie ja
nichts von der Hörbehinderung gewusst
hätten. Häufig hätten sie sich an Ärzte
gewendet und darauf Bezug genommen,
dass sie den Eindruck hätten, etwas könnte
möglicherweise nicht „stimmen“. Die
Mediziner hätten sie indes immer vertröstet und ihnen gesagt, sie müssten warten
und Geduld haben, das Kind werde sich
schon richtig entwickeln. Die Eltern wünschen sich rückblickend, in dieser Zeit von
den Ärzten ernster genommen zu werden.
Als die Diagnose dann festgestanden habe,
erklären alle Eltern, sei es für sie eine
grosse Unterstützung gewesen, Kontakt
mit anderen Eltern hörbehinderter Kinder
dank des SVEHK haben zu können. Dies
und auch die Beratung bei der Psychologin
des SVEHK sei ausgesprochen wertvoll
gewesen.
Glücklicherweise ist es heute so, dass
infolge des flächendeckenden Neugeborenenhörscreening eine Hörbehinderung in
den ersten Lebensmonaten eines Babys
diagnostiziert wird.
Workshop B: Was ist für einen
erfolgreichen Eintritt in die
Berufswelt wichtig?
Mariella Hediger und Thomas Koller vom
Lehrkörper des Landenhofs stellen in
diesem Workshop die Angebote des Landenhofs vor. Dazwischen erhalten die
beiden Berufslernenden ehemaligen Landenhofschülerinnen Bianca Spörri und
Samantha Bühler Gelegenheit davon zu
berichten, wie sie ihre Lehrstellen
gefunden haben und wie sie den Eintritt in
die Berufswelt erleben. Die verschiedenen
Sequenzen werden immer wieder unterbrochen von Videokurzfilmen. Darin nehmen
verschiedene ExponentInnen aus dem
Kanton Aargau wie eine IV-Berufsberaterin
und eine öffentliche Berufsberaterin Stellung dazu, was wichtig sei, wenn eine hörbehinderte Person in einem Betrieb arbeite
in Bezug auf die Bewerbung, Einstellung
und bei der Abwicklung des Tagesgeschäfts. Auch mehrere Arbeitgeber, die
Gehörlose und Schwerhörige beschäftigen,
kommen zu Wort so beispielsweise die
Firma Schenker Storen aus Schönenwerd
sowie die beiden in Oberentfelden domizilierten Betriebe Umdasch und Wyder Gartenbau.
Vor allem die Berichte der beiden berufslernenden jungen Frauen sind sehr
aufschlussreich und spannend. Bianca
Spörri trägt ein Hörgerät und arbeitet als
KV-Stiftin beim Stadtrichteramt Zürich.
Schon heute weiss sie, dass sie nach der
Lehre etwas anderes machen möchte.
Samantha Bühler trägt zwei Hörgeräte. Sie
absolviert beim Herren Globus eine Lehre
als Detailhandelsangestellte. Sie ist jetzt
im zweiten Lehrjahr. Sie hat 60 Bewerbungen schreiben müssen, bis sie die
Lehrstelle beim Herren Globus erhalten
hat. Samantha Bühler beschreibt sich als
starke Frau, die ihre Ziele meist erreiche.
Der Umgang mit Rückschlägen bei ihrem
Bewerbungsmarathon habe ihr keine
Schwierigkeiten bereitet. Sie erzählt, dass
es immer wieder zu interessanten
Gesprächen mit den Kunden komme zum
Thema Hörgerät.
Beide jungen Frauen raten dazu möglichst
viel zu schnuppern und möglichst früh
damit zu beginnen, eine Lehrstelle zu
suchen. In der Bewerbung sollte man auf
jeden Fall auf die Hörbehinderung aufmerksam machen. Anders als in der Schulzeit sei, macht Samantha Bühler geltend,
dass sie nur noch stehe und viel weniger
Ferien habe.
Am Schluss des Landenhof-Workshops
erklärt Thomas Koller, der für das Brückenjahr (10. Schuljahr) verantwortlich ist, es
brauche dieses Angebot, weil es immer
wieder Schüler und Schülerinnen gebe, die
mehr Zeit bräuchten. Er stellt übersichtlich
dar, welche Punkte beim Verfassen einer
Bewerbung wesentlich sind. Als ganz
wichtig für einen guten Berufswahlprozess
stuft er das Kennenlernen der Erwachsenenwelt ein und die damit verbundenen
neuen Regeln im Umgang miteinander.
Workshop C: Erzähl mir!
Jugendliche - voll easy!?
Unter der Moderation von Hans-Josef
Jossen schildern fünf hörbehinderte junge
Menschen ihre Erfahrungen und Erlebnisse.
Der 18-jährige Joel Toggenburger kommt
aus Zürich und hat im letzten Sommer mit
der Bauzeichnerlehre begonnen. Vorher ist
er am Zentrum für Gehör und Sprache
sowie an der Sek 3 zur Schule gegangen.
Anschliessend hat er das Brückenjahr
absolviert und seit ein paar Monaten macht
er nun die Lehre bei einer hörenden Firma.
Joel Toggenburger arbeitet in einem lautsprachlich orientierten Umfeld und benutzt
selbst häufig die Gebärdensprache. Für Sitzungen bestellt er oft GebärdensprachdolmetscherInnen.
Lara Michlig ist im Alter von 9 Monaten an
einer Hirnhautentzündung erkrankt. Sie hat
deswegen das Gehör verloren. Mit fünf
Jahren erhielt sie zwei Cochlea Implantate.
Sie absolviert derzeit eine Lehre als Zahntechnikerin.
Stefanie Jossen hat bis in die Oberstufe
immer hörende Schulen besucht. Nach
Abschluss der obligatorischen Schulzeit
ging sie für ein Jahr nach Amerika, um gut
englisch zu lernen. Sie hat dort bei einer
gehörlosen Gastmutter gewohnt. Sie kam
in diesem Zusammenhang erstmals mit der
9
Gebärdensprache näher in Kontakt und hat
dann American Sign Language gelernt. Sie
besuchte für den Englischunterricht indes
eine 'hörende' Schule. Sie ist der Ansicht,
es wäre wahrscheinlich sinnvoller
gewesen, sie hätte in Amerika eine Gehörlosenschule besucht.
Sabine Millius ist mit 2 Jahren infolge einer
Hirnhautentzündung ertaubt. Sie ist derzeit
in der Lehre als Bekleidungsgestalterin. Sie
geht heute vor allem mit anderen hörbehinderten Jugendlichen in den Ausgang. Bei
Hörenden würden immer alle durcheinander sprechen. Das sei sehr schwierig für
sie, und sie verstehe dann nichts.
Florian Schäuble hat dieses Jahr die Lehre
als Elektroniker abgeschlossen (vgl. Artikel
in Septemberausgabe von sonos). Er ist
sehr glücklich darüber, dass er eine Stelle
gefunden hat. Ab November wird er in
Graubünden arbeiten. Als Basler müsse er
nun vermutlich zügeln, aber in Graubünden
könne man ja schliesslich Ski fahren und
das sei etwas Schönes, meint er fröhlich.
Die zahlreich anwesenden Eltern in diesem
Workshop diskutieren nach der sympathischen Vorstellung der fünf jungen aufgestellten Leute, wann jemand als gehörlos
gelte. Es werden die Schlussfolgerungen
gezogen, dass CI-Träger ohne CI gehörlos
seien und dass eine eindeutige Zuordnung,
die für jede Situation zutreffe, nicht mög-
lich sei. Als besonders wichtig stufen es die
Eltern ein, dass Kinder, die ein CI tragen,
neben der Laut- auch noch die Gebärdensprache lernen. Die Gebärdensprache
könne nach ihrer Erfahrung den Lautspracherwerb sogar stark fördern. Eindrücklich schildert ein junges Elternpaar,
dass ihr vierjähriger Sohn unter der
Dusche, wenn er keine CIs trage, sein
Umfeld gelegentlich richtiggehend terrorisiere. Nun da die Eltern die Gebärdensprache lernen und mit ihrem Sohn so kommunizieren können auch wenn er keine CIs
trage, sei das Ganze viel erträglicher für sie
geworden bzw. sie könnten dem Treiben
ihres kleinen Sohnes so viel besser Einhalt
gebieten.
dass Stefanie nie sprechen und nie in eine
Regelschule gehen können wird. Es ist alles
ganz anders gekommen! Die Zuversicht und
den Optimismus, den diese fünf jungen
Leute ausstrahlen, wollen wir mitnehmen!“
Hans-Josef Jossen bittet die Jugendlichen
am Schluss des Workshops darum den
Eltern ein paar Tipps zu geben. Florian
Schäuble meint: „Die Kommunikation mit
Hörenden ist wichtig.“
Im Nu ist die Zeit vergangen und schon steht
die Schluss-Darbietung des Zeichners und
Comicers Nicolas D’Aujourd’hui ‚Mit Lachen
geht’s besser!’ auf dem Programm.
Joel Toggenburger gibt zu bedenken: „Ein
grosses Selbstvertrauen ist wichtig. Man
sollte beide Welten pflegen, die hörende
und die gehörlose Welt. Man sollte auch in
beiden Sprachen kommunizieren können,
in der Gebärdensprache und der Lautsprache. Dadurch kann die Identität bestmöglich gestärkt werden.“
Hans-Josef Jossen meint ganz zum Schluss:
„Mit 8 Monaten sagte uns der Kinderarzt,
Workshop G: Wo findet man
Informationen und Hilfe?
Tobias Schölly stellt die verschiedenen Organisationen im Gehörlosenwesen vor und
erteilt Tipps im Umgang mit Behörden, IVStellen, Schulen etc. Aktuell gehören dem
SVEHK Schweiz 11 Regionalgruppen an mit
500 aktiven und 400 ehemaligen Familien.
In seinem Schlusswort weist Tobias Schölly
darauf hin, dass die nächste Elterntagung
am 15. und 16. Oktober 2011 in Davos stattfinde. Er dankt dem Organisationskomitee
(OK) und insbesondere Monika Schlachter
für den grossen Einsatz und die perfekte Vorbereitung ganz herzlich.
Fulvio Franchi vom OK erwidert den Dank
und würdigt die interessante und gut gelungene diesjährige Tagung.
Bilder rund um das SVEHK-Weekend
Florian Schäuble,
Lara Michlig,
Stefanie Jossen,
Sabine Millius,
Joel Toggenburger,
fünf aufgestellte
gehörlose bzw.
hörbehinderte
Jugendliche
erzählen.
Corinna Jossen vom OK bzw. Regionalgruppe Wallis
heisst die rund 220 Teilnehmenden herzlich im
Sport- und Feriencenter Fiesch willkommen.
Hernach tut es ihr der SVEHK-Präsident Tobias Schölly gleich.
Die gehörlose Mona Shani
hat zwei Stücke
auf der Violine gespielt.
Anton Zeiter, Gemeinderat aus Fiesch macht
Ausführungen zur wunderschön gelegenen
Berggemeinde Fiesch.
Hugo Berchtold vom Amt
für Sonderschulwesen Kanton Wallis
stellt das Sonderschulwesen im Wallis vor.
11
Caroline Walker Miano hält ein
Inputreferat mit dem Titel ‚Den eigenen Weg finden’.
Monika Schlachter hat die Elterntagung
auch dieses Jahr perfekt organisiert.
Bianca Spörri und Samantha Bühler,
zwei Berufslernende berichten,
wie sie ihre Lehrstelle gefunden haben.
Thomas Koller ist für das
Brückenjahr im Landenhof zuständig.
Franziska Geiser-Bedon und
Julie Anne Schäuble.
Fulvio Franchi vom OK überreicht Tobias Schölly,
SVEHK-Präsident nach Abschluss
des letzten Workshops eine Walliser „Gabentrucke“.
Humoristischer Abschluss mit
dem Zeichner Nicolas D’Audjourd’hui.
[lk]
13
Was wäre ohne
Eugen Sutermeister?
Eugen Sutermeister war wohl die berühmteste gehörlose Persönlichkeit im Schweizerischen Gehörlosenwesen zu Beginn des
20. Jahrhunderts. Das gewaltige Werk, das
er - auch mit Hilfe seiner hörenden Frau für die Gehörlosen aufgebaut hat, wurde
weiter entwickelt und ist heute in
moderner Form noch überall vorhanden.
In der Fachwelt genoss Sutermeister schon
damals grosse Hochachtung. Bei den
Gehörlosen aber war er eine umstrittene
Persönlichkeit.
Im Clubraum der Roten Fabrik in ZürichWollishofen treffen sich am Mittwoch, 3.
November 2010, auf Einladung der „kofo
zürich“, des Gehörlosen- und Sportvereins
Zürich und in Zusammenarbeit mit
„sichtbar GEHÖRLOSE ZÜRICH“ zahlreiche
interessierte Zuhörende und Zuschauende,
um von Heinrich Beglinger, alt Gehörlosenseelsorger und Verwalter des sonosArchives, mehr über die Biographie sowie
das Lebenswerk von Eugen Sutermeister zu
erfahren.
Gian-Reto Janik eröffnet das letzte kofo im Jahr 2010.
Gian-Reto Janki eröffnet das letzte kofo im
Jahr 2010 und heisst die zahlreichen Besucherinnen und Besucher sowie die beiden
Gebärdensprachdolmetscherinnen ganz
herzlich willkommen.
Eugen Sutermeister - ein
gehörloser Pionier im
Schweizerischen
Gehörlosenwesen
Heinrich Beglinger kennt wohl die Lebensgeschichte von Eugen Sutermeister wie
kein Zweiter. Seit Jahren beschäftigt er sich
mit dessen schillernden Persönlichkeit. Im
sonos-Archiv in Riehen bei Basel sind alle
Dokumente, Zeitschriften, Bild-Bände,
Fotografien und mannigfaltige Zeitzeugen
einer über 100-jährigen Geschichte
feinsäuberlich abgelegt. Ein wahrer Fundus
des Schweizerischen Gehörlosenwesens.
Heinrich Beglinger betont zu Beginn seines
Vortrages: „Mein Ziel ist es, dass alle
Eugen Sutermeister gut kennen.“
Heinrich Beglinger kennt die Lebensgeschichte von Eugen Sutermeister und dessen enormen Leistungen für
das Gehörlosenwesen wie kein anderer. Voller Begeisterung hält er seinen Vortrag in der Roten Fabrik.
Die Familie von Eugen
Sutermeister
Heinrich Beglinger: „Die überaus vielseitige, hohe Begabung Eugen Sutermeisters
lässt sich erklären, wenn wir einen Blick auf
seine Familie werfen: Beide Grossväter
waren reformierte Pfarrer und Musiklieb-
haber. Der Vater, Otto Sutermeister, war
Seminardirektor und Professor für deutsche Sprache. Drei von Eugens Brüdern
bekleideten angesehene Berufe: Werner
als Geschichtslehrer am Gymnasium, Friedrich als Pfarrer im Kanton Aargau, Paul
zuerst ebenfalls als Pfarrer im appenzellischen Walzenhausen, später als Schriftsteller und Redaktor an einer Berner Tages-
zeitung. So wundert es uns nicht, dass
diese Talente auch Eugen mit in die Wiege
gelegt waren: Freude an Sprache,
Geschichte, Theologie und Musik. Diese
Talente konnte Sutermeister zu wunderbaren Lebensfrüchten entfalten.“
Eugen Sutermeister ertaubt
im Alter von vier Jahren
Heinrich Beglinger: „Geboren wurde Eugen
Sutermeister als Bürger von Zofingen am
16. November 1862 in Küsnacht am
Zürichsee. Im Alter von vier Jahren
erkrankte er an einer schweren Hirnhautentzündung, die ihn knapp am Tod vorbeiführte. Dadurch verlor er sein Gehör,
was für die hochgebildete Familie eine
wahre Katastrophe bedeutete. Mangels
regelmässiger Kommunikation „verlor ich
mit der Zeit auch die Sprache“, wie er
selber bezeugte. Das ganze Leben des
Knaben musste neu ausgerichtet werden.
Nicht ganz 7-jährig kam er in die damalige
Taubstummenanstalt nach Riehen zu
Inspektor Arnold, wo er wieder sprechen
und dazu absehen lernte. Sutermeister
äusserte sich später immer wieder dankbar
für die gute Schulbildung in Riehen.
Daneben bildete er sich mit fleissigem
Lesen weiter, wodurch er sich eine hohe
Sprachkompetenz aneignete, ohne die er
seine spätere Arbeit nicht hätte tun
können. Wohl auch deshalb lehnte er die
Gebärdensprache zeitlebens ab.“
Am 8. August 1982, im Alter von 22
Jahren schrieb Eugen Sutermeister in
sein Tagbuch.
Am Abend wurde im trauten Familienkreise vorgelesen, und zwar, wie es mir
schien, etwas recht Lustiges. Denn dann
und wann lachten alle aus vollem Halse.
Und wie ich das eine Weile ansah, wurde
ich betrübt, konnte es zuletzt nicht mehr
aushalten, mitten unter fröhlicher Gesellschaft allein stumm dazusitzen, ging in
meine Kammer hinauf und weinte bitterlich.
Lehrzeit und Jugendkrise von
Eugen Sutermeister
Heinrich Beglinger erzählt, dass Eugen
Sutermeister gegen seinen Wunsch, aber
aus Gehorsam gegenüber seinem Vater im
Jahr 1879 im Alter von 16 1/2 Jahren in Rorschach eine Graveur-Ausbildung begonnen
habe. Wegen eines Stellenwechsels des
Vaters zog die Familie im Jahr 1880 nach
Bern um. In der Folge musste Eugen Sutermeister einen anderen Lehrbetrieb finden.
Nach dem erfolgreichen Lehrabschluss
folgte die Gesellenzeit mit Arbeiten an verschiedenen Orten. Aber Eugen Sutermeister war alles andere als glücklich. Er
durchlitt eine wahre Jugendkrise, was die
Eltern dazu bewog, den 23-Jährigen zwecks
innerer Erholung zu seiner früheren Lehrerin nach Deutschland ins badische Lahr
zu schicken. Dort blieb er sieben Jahre. In
dieser Zeit arbeitete er als Zinkograph,
Lithograph und Photograph. Mit der Zeit
wurde ihm das Klima aber zu eng: Nur Bibel
und Gesangbuch als Lektüre waren ihm zu
wenig. Es folgte eine zweijährige Irrfahrt,
wie er dies selber bezeichnete: Aufenthalte
in verschiedenen christlichen Institutionen
wie Bethel/Bielefeld bei Pfarrer Bodelschwingh, in der grossen Taubstummenschule Wilhelmsdorf und in Stuttgart (vermutlich Paulinenpflege Winnenden). Es
kam damals häufig vor, dass überforderte
Eltern ihre Jungen bei solch persönlichen
Krisen für einige Zeit in Heime und
Anstalten schickten, oft ins Ausland.
Neue Lebensperspektive
Als letzte Station folgte ein Kuraufenthalt
in Bad Boll, wo der geistesmächtige Pfarrer
Blumhardt wirkte. Hier begegnete Sutermeister seiner späteren Frau, einer leitenden Mitarbeiterin in der Person der
hörenden Berner Diakonisse Susanna
(Susette) Bieri.
Heinrich Beglinger: „Ob nun Eugen zu
diesem Zeitpunkt bereits Pläne für ein
künftiges Engagement im Gehörlosenwesen gefasst hatte, oder ob vielleicht
Susanna den Anstoss dazu gab, um ihm
durch neue Perspektiven aus der Lebenskrise herauszuhelfen, wissen wir nicht
genau. Jedenfalls spricht Sutermeister
danach im Zusammenhang mit dieser
Beziehung von einer grossen „inneren
Befreiung“, also einer entscheidenden
Lebenswende, ohne allerdings zu
erwähnen, welcher Art diese Befreiung war.
Sicher ist aber, dass sich Susanna Bieri und
Eugen Sutermeister in dieser Zeit näher
kamen und die beiden Herzen zueinander
fanden.“
Eugen Sutermeister in jungen Jahren.
1894
kehrte
Eugen
Sutermeister
zusammen mit Susanna Bieri wieder nach
Bern zurück. Da sich für seinen gelernten
Beruf als Zinkograph keine Stelle finden
liess, arbeitete er zunächst drei Jahre als
Gehilfe in der Buchhandlung Francke in
Bern, wo es ihm unter Büchern bedeutend
besser gefiel.
Im Oktober 1896 heirateten Susanna Bieri
und Eugen Sutermeister. Kurze Zeit später
wagte Eugen Sutermeister den Schritt in
die Selbstständigkeit. Dank seiner buchhändlerischen Kenntnisse eröffnete er in
Aarau einen kleinen Verlag, in dem er
zunächst während vieler Jahre mehrere
Zeitschriften für Hörende herausgab wie
„Schweizerischer Kinderfreund“, „Neuer
Hausfreund“ und „Fürs Heim“.
Beginn der Gehörlosenarbeit
und kirchliches Engagement
Heinrich Beglinger erzählt: „Noch im gleichen Jahr erschien die erste Veröffentlichung aus seiner Feder in Form eines
Büchleins: „Lieder eines Taubstummen“.
Sutermeister bewies darin seine ausgewiesene dichterische Sprachkompetenz, die
vor allem Hörende beeindrucken musste. In
den folgenden Jahren folgten zwei weitere
Bändchen mit Liedern.“
Heinrich Beglinger erklärt, dass es in der
Stadt Bern seit 1852 Gottesdienste und
Bibelstunden für Gehörlose gegeben habe.
Die Veranstaltungen fanden in Räumlichkeiten der Evangelischen Gesellschaft statt
15
Eugen Sutermeisters
nächstes Ziel
Eugen Sutermeister bei einer Predigt.
und wurden von Laienpredigern in Gebärdensprache abgehalten. Da Eugen Sutermeister sehr gläubig war, besuchte er sehr
oft diese Gottesdienste und engagierte
sich zunehmend für die Taubstummenpastoration.
Eugen Sutermeister forderte schon bald,
dass die religiöse Fürsorge auf das ganze
Kantonsgebiet ausgeweitet werde und
setzte sich für ein grösseres Engagement
der Landeskirchen gegenüber der Gehörlosengemeinschaft ein. Nach vielen Anläufen
schaffte es Eugen Sutermeister tatsächlich.
Nach
ausführlichen,
teils
zähen
Abklärungen lenkte die Berner Kirche ein
und schuf die neue Stelle eines kantonalen
Taubstummenpredigers.
Heinrich Beglinger: „Nach dem Rücktritt
von Stadtmissionar Iseli infolge Überlastung wurde das Amt Eugen Sutermeister,
dem bisherigen Sprachrohr für die Taubstummensache, übertragen. Es wurde eine
Predigtordnung mit 22 Predigtorten und 42
Gottesdiensten im Jahr festgelegt. Am 1.
März 1903 hielt Eugen Sutermeister seine
erste Predigt in Burgdorf. Er übte dieses
Amt bis 1923 aus. Eugen Sutermeister hat
alle seine Predigten gedruckt und in
Schriftform herausgegeben, so dass die
Gehörlosen noch dem Gottesdienst seine
Gedanken später nochmals nachlesen
konnten.“
Eine eigene Zeitschrift für die
Gehörlosen
Heinrich Beglinger erklärt, Eugen Sutermeister habe darunter gelitten, dass die
Gehörlosen wenig Interesse an Weiterbildungen zeigten, aber auch dass der Infor-
mationszugang für sie erschwert war. Kurzerhand beschliesst er auf eigenes Risiko
eine eigene Zeitschrift für die Gehörlosen in
der Schweiz herauszugeben. Die erste
Nummer der „Schweizerischen Taubstummen-Zeitung“ erschien am 1. Januar
1907 in einer Auflage von 400 vorgängig
bestellten Exemplaren. Im Jahr 1912
erschien die Zeitschrift bereits mit einer
Auflage von 1‘200 Exemplaren. Das Jahresabonnement für die Zeitschrift kostete
damals 3 Franken.
Eugen Sutermeisters
nächster Plan
Eugen Sutermeister stiess bei seiner Tätigkeit als bernischer Taubstummenprediger
und Taubstummenfürsorger an seine persönlichen Grenzen. In dieser Zeit war die
soziale aber auch die materielle Not vor
allem bei der ländlichen Bevölkerung
gross. Zwar gab es zu jener Zeit bereits verschiedene kantonale oder regionale Hilfsund Fürsorgevereine. Die Idee von Eugen
Sutermeister war, diese Aufgaben auf eine
landesweite und nationale Stufe anzuheben. Damit dieses ambitiöse Ziel erreicht
werden konnte, veröffentlichte er im Jahr
1910 eine 57-seitige Broschüre mit dem
Titel „Fürsorge für erwachsene Taubstumme in der Schweiz - Denkschrift und
Aufruf an das Schweizervolk“. Auch dank
seines grossen Beziehungsnetzes gelang
es Eugen Sutermeister namhafte Persönlichkeiten für seine Idee zu gewinnen. Im
Jahr 1911 fand am 2. Mai die Gründungsversammlung des „Schweizerischen Fürsorgevereins für Taubstumme“ - heute sonos - in
Olten statt. Im Sog dieser Neugründung
wurden weitere Fürsorgevereine in zahlreichen Kantonen gegründet.
Heinrich Beglinger: „Nicht vergessen
wollen wir Sutermeisters Initiative zur Einrichtung eines Taubstummenheims für
Männer, das ihm seit seiner Predigttätigkeit schon früh ein Anliegen geworden war.
Es sollte eine Art Asyl für alte, alleinstehende und arbeitslose Gehörlose werden,
damit diese nicht in den Armenanstalten
landen mussten. Seit 1907 begann er für
einen Taubstummenheim-Fonds Geld zu
sammeln und konnte 1912 dem Verband als
Trägerschaft einen Betrag von 13'937
Franken übergeben. 1921 wurde das Heim
auf dem Uetendorfberg mit dem Einzug der
ersten Heimeltern eröffnet. Heute steht es
in voller Blüte.“
Ohne die Bücher von
Sutermeister - keine
Gehörlosengeschichte
Heinrich Beglinger informiert, dass Eugen
Sutermeister bereits ab dem Jahr 1898
systematisch sehr Vieles rund um das
Gehörlosenwesen gesammelt, aufgeschrieben und fotografiert und alles in
einer von ihm erstellten Bibliothek untergebracht habe. 1912 übergab er seine Sammlung mit insgesamt 128 Büchern und weiteren Drucksachen dem neugegründeten
Verband als Grundstock für dessen Zentralbibliothek. Für die Landesausstellung 1914
legte er fünf reich gefüllte Fotobände zum
Schweizerischen Gehörlosenwesen auf und
wurde dafür mit einer Anerkennungsurkunde geehrt.
Heinrich Beglinger: „Der grosse Wurf aber
sollte noch folgen. Im Jahre 1929 konnte er
endlich sein umfangreiches „Quellenbuch
zur Geschichte des Schweizerischen Taubstummenwesens“ herausgeben. In zwei
dicken, schweren Bänden mit zusammen
1‘440 zweispaltigen Seiten und rund 400
Fotos legte er vor, was er in all den Jahren
recherchiert, zusammengetragen oder
selbst geschrieben hatte. Der Untertitel:
„Ein Nachschlagebuch für Taubstummenerzieher und -freunde“ weist allerdings
darauf hin, dass das Werk mehr für hörende
Fachleute und weniger für gehörlose Leser
gedacht war. Denn gleich am Anfang des
Buches erscheint ein erschreckender
„Lasterkatalog“ über Charakterfehler bei
Gehörlosen, worauf das Werk von den
Betroffenen gemieden und Sutermeister
Die letzten Tage von Eugen
Sutermeister
In der geplanten
Pause seines Vortrages erlebt Heinrich
Beglinger eine riesige
Überraschung.
Ein Besucher stellte
sich vor. Es ist der
Grossneffe von
Eugen Sutermeister.
als
hochmütiger
Nestbeschmutzer
gebrandmarkt wurde. Ein alter, inzwischen
verstorbener Gehörloser erzählte mir vor
Jahren - nicht ohne eine gewisse Schadenfreude - dass Sutermeister sich mit diesem
Werk den Doktortitel erhofft habe, ihn aber
nicht bekommen habe. Dennoch: Als Fundgrube zur frühen Geschichte des Schweizerischen Gehörlosenwesens steht dieses
Werk einmalig da.“
Weiter nimmt Heinrich Beglinger darauf
Bezug, dass Eugen Sutermeister ausser
dem Quellenbuch noch weitere Schriften
veröffentlicht und zahlreiche Artikel in inund ausländischen Gehörlosenblättern
publiziert habe. Neben den Liedern wurden
auch seine „Predigten für Taubstumme“ in
Buchform herausgegeben. An Tagungen
und Kongressen war er oft als Referent eingeladen. Dazu kam ein umfangreicher
Briefwechsel mit Behörden, Fachleuten und
Gehörlosen. 1912 wurde er Mitglied der
französischen Akademie des öffentlichen
Unterrichts und des schweizerischen
Schriftstellervereins.
Ehegatten beigetragen habe. So begleitete
sie ihren Ehemann fast regelmässig zu
allen seinen Predigteinsätzen und Vorträgen wie auch auf unzähligen Reisen zu
Veranstaltungen im In- und Ausland. Sie
diente häufig auch als Beraterin und Vermittlerin für Gehörlose, als es noch keine
organisierte Fürsorge gab. Bei alledem
wirkte sie bescheiden im Hintergrund,
sodass der Umfang ihres Engagements nur
erahnt werden kann. Aber auch das Privatleben kam bei den Sutermeisters nicht zu
kurz. Gemeinsam unternahmen sie viele
Wanderungen, mit Vorliebe auf den Berner
Hausberg, den Gurten. Sie pflegten den
Kontakt mit der Familie von Eugen, dessen
Brüder ihnen immer wieder wertvolle
Unterlagen und Anregungen für ihre Aufgaben vermittelten. Leibliche Kinder hatten
die Sutermeisters keine.
Heinrich Beglinger meint: „Aber ihre geistigen Kinder, die ich soeben vorstellen
durfte - sonos, die Fürsorgevereine und die
Heime - sie leben noch alle!“
Heinrich Beglinger informiert über die
letzten Tage von Eugen Sutermeister: „Der
68-jährige Eugen Sutermeister erlitt im
März 1931 im Bahnhof Bern eine Herzschwäche. Der anschliessende Aufenthalt
im Lindehofspital brachte eine vorübergehende Besserung, doch spürte er sein Ende
kommen. Am 1. Juni soll er vom Krankenbett aus seine letzten Worte diktiert haben:
„Wohl bleibe ich gerne noch eine Weile auf
der Erde, aber ich gehe auch gerne nach
einer noch schöneren Welt, der Weiterentwicklung entgegen, die allem Geschaffenen vorbestimmt ist“. Eugen Sutermeister habe an der Sitzung des Zentralvorstandes des Verbandes vom 4. Juni darum
gebeten, ihn vom Posten des Sekretärs zu
entlasten, hingegen wollte er die Redaktion
der Gehörlosenzeitung weiter ausüben.
Vier Tage später verstarb Eugen Sutermeister. Seine Ehefrau Susanna verstarb viereinhalb Jahre später 1935.
Schlussfolgerung
Heinrich Beglinger beendet seinen spannenden Bericht mit dem Schlusswort: „Aus
meiner Sicht und Überzeugung wären wir
Gehörlosen ohne die Grundlangen von
Eugen Sutermeister nicht da, wo wir heute
sind.“
[rr]
Heinrich Beglinger fragt sich selbst: „Wie
hat der Mann das nur geschafft - ohne Computer und die modernen Kommunikationsmittel von heute?!“
Eine starke Frau im
Hintergrund
Heinrich Beglinger beleuchtet die Rolle der
Ehefrau von Eugen Sutermeister und
betont, ohne die ausserordentlichen Leistungen und Verdienste von Eugen Sutermeister schmälern zu wollen, dass sie
extrem viel zum grossen Verdienst ihres
Gedenktafel an
Susanna und Eugen
Sutermeister in
Münchenbuchsee.
17
Kinder und Jugendliche mit Behinderungen - Zwischen Sozialversicherung
und Sonderpädagogik
Am 11. November 2010 findet der von der
Universität Luzern organisierte 11. Zentrumstag statt. Rund 150 TeilnehmerInnen
treffen sich im Hotel Schweizerhof, um
sich von einem hochkarätigen Kreis von
Referenten und Referentinnen aus erster
Hand informieren zu lassen und sich bei
der komplexen Thematik an der Schnittstelle zwischen Medizin, Sonderpädagogik und Recht mehr Knowhow
anzueignen.
Medizinisch somatische, psychische Ursachen oder ganz andere Umstände - familiäre, soziale - oder die Über- oder Unterforderung eines Kindes können dafür ausschlaggebend sein, dass besondere
Bedürfnisse im Zusammenhang mit der
Beschulung vorliegen.
In diesem Kontext stellen sich verschiedene Abgrenzungsfragen, die gegenüber
den Sozialversicherungen und gegenüber
der Schule geklärt werden müssen, damit
sinnvolle und stimmige Lösungen für die
Betroffenen gefunden werden können.
unter http://peterlienhard.ch/luzern.zip
downgeloadet werden.
Die wesentlichen Prinzipien des standardisierten Abklärungsverfahrens bilden:
• Das
Mehraugenprinzip
wird
im
Abklärungsprozess systematisch gesichert (damit wird man der Heterogenität
gerecht)
• Die Abklärungsstelle ist nicht die Durchführungsstelle der empfohlenen Massnahmen
• Der Einbezug der Erziehungsberechtigten ist gewährleistet. Sie sind wichtige
Partner bezüglich der Informationserhebung und der Zieldefinition der angestrebten Förderung
• Die Fachpersonen, die das Standardisierte Abklärungsverfahren hauptverantwortlich durchführen, erfüllen definierte
Minimalstandards. Sie ziehen im
Bedarfsfall spezialisierte Fachpersonen
bei
• Die Gestaltung der Abklärungsberichte
folgt einer einheitlichen Struktur, kann
aber unterschiedliche Detaillierungsgrade aufweisen
• Die Anträge aus dem Standardisierten
Abklärungsverfahren werden nicht nur
formal, sondern auch bezüglich ihrer
fachlich-inhaltlichen Plausibilität eingeschätzt
Das Standardisierte Abklärungsverfahren
ist sehr auf Konsens ausgerichtet. Prof.
Lienhard befürchtet denn auch, dass wenn
keine einvernehmliche Lösung im Einzelfall
zustande komme, schnell der Rechtsweg
beschritten werden könnte. Dadurch
würden dann Kriterien für harte Zuordnungsfaktoren anstelle der weichen Faktoren die Oberhand gewinnen. Es würde so
eine Richtung eingeschlagen, die dem
Grundgedanken des Standardisierten
Abklärungsverfahrens überhaupt nicht
mehr entspreche.
Am Schluss seiner Darlegungen wagt Lienhard einen hypothetischen Blick in die
Zukunft bzw. ins Jahr 2020. Was ist seine
Prognose?
Ungeklärt ist beispielsweise auch die
Frage, was unter einem angemessenen
Grundschulunterricht überhaupt zu verstehen ist.
An der Tagung vom 11. November 2010
werden die drei Disziplinen Medizin, Sonderpädagogik und Recht zusammengebracht, um Antworten und Lösungsansätze
auf offene Fragen zu finden und zu
erfahren, wie es unter dem neuen Regime
der kantonalen Sonderpädagogik-Konzepte und dem Sonderpädagogikkonkordat
aussehen wird.
Standardisierte
Abklärungsverfahren
Den Anfang der Referate macht Prof. Peter
Lienhard von der HfH Zürich. Er stellt das
standardisierte Abklärungsverfahren vor.
Diese Abklärungen bilden Basis für Laufbahnentscheide, die tief in ein Leben eingreifen. Die vollständige Präsentation kann
Prof. Peter Lienhard von der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich (HfH).
Fotos: "Lehrstuhl Prof. Gabriela Riemer-Kafka Universität Luzern"
• Eine viel grössere Heterogenität als
heute wird im schweizerischen Bildungswesen Realität sein
• Auch wenn nicht alle Kantone das Standardisierte Abklärungsverfahren einführen werden, wird dieser Verfahrensstandard die Diskussion kantonaler
Unterschiede erleichtern
• Im Regelfall wird man es mit Konsensentscheidungen zu tun haben; bei Uneinigkeit werden sich die Beurteilungen
schwierig gestalten
Dieser letzte Aspekt bildet eine grosse Herausforderung. Es geht darum die Bildungsziele angemessen einzuschätzen und die
dazu erforderlichen Massnahmen zu definieren.
Lienhard hofft, dass die Einschätzung nicht
rein juristisch erfolgen wird, sondern interdisziplinäre und interkantonale Kommissionen gebildet werden, die sich
gemeinsam mit dieser Thematik befassen,
um dem Einzelfall gerecht werdende
Lösungen zu finden und umzusetzen.
Anspruch auf einen
angemessenen
Grundschulunterricht gemäss
Bundesverfassung und
Behindertengleichstellungsge
setz
Dr. Peter Übersax ist Gerichtsschreiber am
Bundesgericht. Er unternimmt einen Tour
d’horizon über die rechtlichen Grundlagen,
vom UNO-Pakt I über das Schweizerische
Verfassungsrecht bis hin zum Behindertengleichstellungsgesetz. Ungeklärt ist aus
seiner Sicht, ob es sich bei der durch den
NFA in die Bundesverfassung eingefügte
Bestimmung von Art. 62 Abs. 3, um einen
sog. Grundrechtsanspruch auf kostenlose
Sonderschulbildung handelt, der den
unentgeltlichen Schulbesuch bis zum 20.
Altersjahr und nicht bloss wie bisher bis
zum 16. Altersjahr gewährleistet. Das
Grundrecht auf unentgeltlichen Grundschulunterricht basiert auf Art. 19 BV. Art.
62 BV stufen diverse Juristen als sog. Kompetenznorm ein, d.h. es wird lediglich festgehalten, der Kanton sei zuständig, für ausreichende Sonderschulung zu sorgen. Auch
völlig offen ist nach Ansicht von Übersax,
was unter "behinderte" Kinder im Sinne
von Abs. 3 dieses Art. 62 zu verstehen sei.
Vormals habe man an der Berechtigung IV-
Dr. Peter Übersax, Gerichtschreiber am Bundesgericht.
Leistungen zu beziehen angeknüpft. Heute
sei dies anders. Es gebe hierüber noch
keine Gerichtsentscheide.
Olivier Maradan von der Erziehungsdirektorenkonferenz hält es demgegenüber für
angemessen, hier Art. 3 des Sonderpädagogikkonkordates zu Rate zu ziehen.
Dort werde sehr detailliert darüber Aufschluss gegeben, wann eine Sonderschulbedürftigkeit gegeben sei und was unter
„behindert“ im Sinne des Art. 62 Abs. 3 BV
zu verstehen sei.
Abklärungsverfahren
Der Doyen des Schulrechts, Dr. iur. Herbert
Plotke, erhält anschliessend Gelegenheit
die Mitwirkungsrechte der verschiedenen
Akteure im Setting eines Abklärungsverfahrens vorzustellen. Er streicht heraus, wie
wichtig es sei, unter allen Umständen die
Eltern anzuhören. Wenn dies vergessen
gehe, müsse eine Sonderschulmassnahme
in einem Rechtsverfahren wieder aufgehoben werden, selbst wenn sie inhaltlich
völlig zu Recht angeordnet worden sei.
Mitwirkungsrechte und pflichten von Kindern, Eltern
und Ärzten im
Dr. iur. Herbert Plotke streicht in seinen Darlegungen die Wichtigkeit hervor, dass unter allen Umständen die
Eltern anzuhören seien.
19
Instrumentalisierungen und Doppelspurigkeiten müssten vermieden werden. Auch
sollten über Forschungsprojekte Kriterien
entwickelt werden können und an den
Regelschulen müssten sinnvollerweise
schulinterne Weiterbildungen zum Thema
integrative Sonderschulung angeboten
werden.
Für die heilpädagogischen Zentren sei das
Benchmarking schwierig. In finanzschwierigen Zeiten sei es zwingend, die gleichen
Standards zum Wohle und zur Entwicklung
der Kinder mit Behinderungen einzuhalten.
Marie-Theres Habermacher Klingenbeck, Dr. phil., Fachpsychologin FSP für Kinder und Jugendliche.
Integration und Separation
von Kindern mit Behinderungen
Die designierte Nachfolgerin am Heilpädagogischen Zentrum Hohenrain, Frau
Dr. phil. Marie-Therese Habermacher, ist
promovierte Fachpsychologin für Kinder
und Jugendliche. Sie ist derzeit noch Rektorin am Heilpädagogischen Zentrum Uri.
In einem Erfahrungsbericht aus der Sicht
der Leistungserbringer nimmt sie Bezug
auf die Ausgangslage, die Abklärungsverfahren im Zusammenhang mit Sonderpädagogischen Massnahmen an Schulpsychologischen Diensten. Dadurch habe sich
die Arbeit der SPDs verändert, schildert sie
eindrücklich. Man sei heute mit
schwächeren Kindern als noch vor dem NFA
konfrontiert - beispielsweise mit Kindern
mit einer Trisomie 21. Die Belastbarkeit des
Kinder sei nicht diagnostizierbar und eine
diesbezügliche Prognose sei recht
schwierig. Mit der integrativen Sonderschulung scheine die Eintrittsschwelle zur
Diagnose Sonderschüler tiefer geworden
zu sein. Wichtig ist aus ihrer Sicht, dass
sowohl die Ziele als auch das Setting und
die Ressourcen definiert werden. So könne
sich das Kind gut entwickeln. „Die Schulen
müssen sich bereit machen für die integrative Sonderschulung“, gibt sie zu
bedenken. Es gelte den Wechsel von der
Versicherungslogik hin zur Förderlogik zu
vollziehen. Der Prozess der systemischen
Betrachtungsweise, d.h. unter Einbeziehung des Umfeldes, sei bereits in den
Köpfen der Schulpsychologen erfolgt. Die
Grenzziehung Integration versus Separation sei schwierig, weil klare Kriterien
fehlten. Entscheidend sei vor allem auch
die Bereitschaft einer Lehrperson, sich auf
diese Veränderungen einzulassen. Mangle
es an dieser Bereitschaft, sei eine integrative Sonderschulung eigentlich zum Scheitern verurteilt. Die Bereitschaft zur Integration ja zu sagen, steige. Denn dies bedeute
nicht, dass es für ein Kind dann während
der gesamten Schulzeit so bleiben werde.
Sie weist mehrmals auf das Heilpädagogische Zentrum Hagendorn, welches mit integrativer Sonderschulung bereits 15 Jahre
Erfahrung aufweise.
In allen heilpädagogischen Zentren sei ein
Anstieg der Komplexität und Heterogenität
zu beobachten. Es würden sehr unterschiedliche Behinderungsformen bestehen. Bei den ausserkantonalen SchülerInnen entstehe mehr Administrativaufwand, denn jeder Kanton habe andere
Abläufe.
Das Behindertengleichstellungsgesetz
habe einen Sensibilisierungsprozess in den
Behörden aber auch in der Bevölkerung
bewirkt. Dies sei sehr positiv. Ebenfalls
positiv wertet Habermacher, dass der
interne Blick der heilpädagogischen
Schulen durch den Blick auf die Regelschulen erweitert werde. Die Sonderschulung bilde heute Teil der Volksschule. Dies
habe einen Bewusstwerdungsprozess in
Gang gesetzt an den Regelschulen. Nicht
zu unterschätzen sei auch die heute vorhandene Liquidität der Schulen, die über
den Leistungsvertrag sichergestellt werde.
Unter der alten Aegide habe man die Sonderschulbedürftigkeit bei einem IQ von 75
angeknüpft. Heute habe man ein viel differenzierteres System. Für die Schulpsychologischen Dienste sei es wichtig als unabhängige Fachstellen anerkannt zu werden.
Sonderpädagogische
Konzepte aus Sicht der
Kinder- und Jugendmedizin
Dr. med. Oskar Jenni befasst sich am Kinderspital Zürich schwerpunktmässig mit
dem Thema Entwicklungspädiatrie. Rund
2'000 Kinder werden jährlich entsprechend
abgeklärt. Anhand von konkreten Fallbeispielen mit anschaulichen Videos plädiert
Dr. Jenni für interdisziplinäre Abklärungen
im Zusammenhang mit Sonderschulbedürftigkeit. Nicht nur Heilpädagogen und schulpsychologische Dienste müssten diesbezüglich eingebunden werden, sondern in
gleicher Weise Kinderärzte. Am Anfang
einer Sonderschulbedürftigkeit stehe oftmals eine medizinische Diagnose, die ganz
wesentliche Auswirkungen auf die Beschulung des Kindes haben könne. Jenni postuliert, dass die Bereiche Medizin und
Pädagogik sich nicht regulativ auseinanderentwickeln dürften. Es brauche Synergien zwischen Medizin und Pädagogik.
Interessant sind seine Ausführungen zur
Spracherwerbsstörung. Davon seien 6%
aller Kinder betroffen, wovon dann 2/3 nur
unter einer Sprachstörung bzw. Sprachschwäche leiden und bei 1/3 kommen dann
noch zusätzliche Störungen hinzu wie beispielsweise Neurologie oder Gehör.
Sonderpädagogische
Massnahmen während der
beruflichen Ausbildung
Dr. Martin Boltshauser ist Leiter des
Rechtsdienstes bei Procap. Er legt dar, dass
man sonderpädagogische Massnahmen als
solche kaum in der traditionellen Terminologie der Berufsbildung findet. Über Art. 5
Gabi Riemer-Kafka.
Zusammenfassung der
Tagungsresultate
Dr. med. Oskar Jenni.
des Invalidenversicherungsgesetzes bestehe nach seiner Einschätzung indes eine
geeignete Rechtsgrundlage, die auch im
Zusammenhang mit Logopädie und Psychomotorik angerufen werden bzw. Auslöser für eine entsprechende IV-Berechtigung bilden könne.
Boltshauser macht eindringlich darauf aufmerksam, dass im Bereich der beruflichen
Massnahmen derzeit ein Leistungsabbau
stattfinde. Im Rahmen der Revision 6b der
Invalidenversicherung solle insbesondere
die 2-jährige Anlehre lediglich noch sehr
beschränkt gewährt werden. Nur noch
Jugendliche, die nach ihrer Anlehre voraussichtlich ein Einkommen von mindestens
855 bzw. 1'710 Franken pro Monat erzielen,
sollen ein bzw. zwei Jahre Ausbildung zuge-
sprochen bekommen. Die geplanten „Eintrittsschwellen“ verunmöglichen leistungsschwächeren Jugendlichen nicht nur eine
qualifizierte berufliche Tätigkeit und die
Aussicht auf eine spätere Integration in den
ersten Arbeitsmarkt, sondern verwehren
ihnen auch das Recht auf Bildung. Hinzu
kommt, dass in verschiedenen Kantonen
Jugendliche ab 16 Jahren neu nur noch
dann sonderpädagogisch gefördert werden
sollen, wenn dadurch die Chance auf eine
erfolgreiche Berufsbildung erhöht wird.
Schwächere Jugendliche, die ab 16 Jahren
weder eine Sonderschule besuchen, noch
eine Anlehre machen können, fallen damit
beruflich wie sozial zwischen Stuhl und
Bank. Der Bund will so eine Million Franken
pro Jahr sparen. Das ist sehr stossend.
Auch Bundesrichter Rudolf Ursprung hält
noch ein Referat über die Hilfsmittel im
Spannungsfeld von Sozialversicherung und
Sondepädagogik und Frau Prof. Dr. iur.
Silvia Bucher sowie der Arzt Andreas Hirth
setzen sich intensiv mit medizinischen
Massnahmen der Invalidenversicherung
sowie der oftmals komplizierten Abgrenzung gegenüber der Sonderpädagogik auseinander.
Am Schluss fasst die kompetente Tagungsmoderatorin Prof. Dr. Gabi Riemer-Kafka
die Resultate wie folgt zusammen:
• Es sollen Kriterien in Bezug auf die
Abgrenzung Medizin - Sonderpädagogik
erarbeitet werden
• Es fehlen in den Kantonen Fachpersonen
im Zusammenhang mit den Abklärungen
• Es ist sehr wichtig, den Eltern das rechtliche Gehör einzuräumen
• Über den NFA darf das Leistungsniveau
nicht reduziert werden. Das Leistungsniveau der IV soll gehalten werden
• Die Ansprechpersonen sollten nicht
wechseln. Es sollte wenn immer möglich
eine zentrale Ansprechstelle bestehen
• Wenn nach dem 11. Schuljahr keine
Anschlusslösung gefunden werden kann,
die von der IV finanziert wird, sind die
Kantone gefordert, Hand für Lösungen zu
bieten
Einige Fragen sind nach der spannenden
Tagung vom 11. November 2010 beantwortet. Andere müssen noch weiter diskutiert und gemeinsam eine für die betroffenen Kinder und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen stimmige Lösung
gefunden werden.
[lk]
Dr. Martin Boltshauser, Leiter des Rechtsdienst bei Procap.
21
Cochlea-Implant –
((Cochlea-Implant
- Was
gibt es Neues?))
Was gibt es
Neues?
Die
Cochlea-Implant
Interessengemeinschaft Schweiz (CI IG Schweiz) organisiert am SamsDie Cochlea-Implant
Interessengemeintag,
13.
November
2010
fünfte CI-Forum in St. Gallen.
schaft Schweiz (CI IG Schweiz) das
organisiert
am Samstag, 13. November 2010 das fünfte
Das
Interesse
an der in der Schweiz einmaligen CI-Plattform ist auch bei der 5. Auflage unCI-Forum
in St. Gallen.
unterbrochen gross. Über 70 Betroffene und ebenso viele Fachpersonen nutzen die optimale
Gelegenheit
Das Interesse ansich
der inauszutauschen
der Schweiz einma-und kennenzulernen.
ligen CI-Plattform ist auch bei der 5. Auflage ungebrochen
gross.Präsident
Über 70 BetrofHans-Jörg
Studer,
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CI-IG-Schweiz
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optimale Gelegenheit,
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Cochlea-Implant,
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und kennenzulernen.
die
zahlreich
anwesenden Tagungsteilnehmenden ganz herzHans-Jörg
der CI-IGlich
und Studer,
eröffnetPräsident
das CI-Forum,
Schweiz und selbst Träger eines Cochleawelches in diesem Jahr ganz
Implant, begrüsst die zahlreich anweunter dem Motto - Was gibt es
senden Tagungsteilnehmenden ganz herzNeues? - steht.
lich und eröffnet das CI-Forum, welches in
diesem Jahr ganz unter dem Motto - Was
Ganz
speziell
heisst Hans-Jörg
gibt es Neues?
- steht.
Studer alle anwesenden CITrägerinnen
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CI informieren
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das CI informieren
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Aufgabe
wahr.
wichtige
Aufgabe
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Hans-Jörg Studer freut sich sehr, dass sich das CI-Forum als Netzwerkplattform definitiv etabliert hat und er
über 140 Tagungsteilnehmende bei der 5. Ausgabe herzlich willkommen heissen kann.
Hans-Jörg
Studer freut sich
sehr,
dass
sich das CI-Forum
Beste Wünsche
von
der
DCIG
eines als
CIsNetzwerkplattzu entscheiden haben, eine
form definitiv etabliert hat und er über 140 Tagungsteilnehmende bei der 5.
und der „Schnecke“
unschätzbare Hilfe sein kann. Wer sich freiwillig und ehrenamtlich engagiert, gibt der
Gesellschaft ein menschlies Antlitz und
Hans-Jörg Studer:
„Die Zeit,
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CI-Technik
macht
unser
Gemeinwesen
lebenswert.
Hans-Jörg -Studer
Sonja
Hans-Jörg
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„Die
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Erwartungen
die eigenen
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zu der
Welt der
Der Weg
Info-Stand letztjährigen
über AktivitätenJubiläums-Forum
der DCIG und
auch
an unsverändert.
mit denDer
Realitäten.
haben
wirNormalhörenden.
in die
druck an die Zeit, die CI-Technik und auch
bis dahin ist jedoch nicht hürdenfrei. Von
der Zeitschrift „Schnecke“ informiert.
Vergangenheit geschaut. Heute wollten wir einen Blick in die Zukunft werfen, und wir bean uns, wird immer grösser. Oft kollidieren
der Entscheidungsfindung für ein CI bis zu
schäftigen
uns mit der Gegenwart. Schön wäre es, wenn unsere Erwartungen,
wenn immer
aber unsere Erwartungen an die Zeit, an die
einem optimalen Ergebnis nach der ImplanSonja Ohligmacher betont in ihrer Grussmöglich Realität werden.
CI-Technik und auch an uns mit den Reatation sind der Rat und Zuspruch von
botschaft, dass sich die DCIG und sie selbst
litäten.
An
unserem
letztjährigen
anderen Betroffenen eine immense Untersehr über die Einladung zum 5. CI-Form
Hans-Jörg
Studer: „Mit unserem Gastreferenten,
Prof. Dr. Anton Leist, wollen
wir die TaubJubiläums-Forum haben wir in die Verganstützung. Hier ist der Selbsthilfe-Verband
gefreut haben. „Ich darf Ihnen die besten
heit
eingeschaut.
Mal von
einer
anderen
her betrachten.
Alsdiese
Philosoph
Ethiker
wird Prof.Der CI IG Schweiz
genheit
Heute
wollten
wir einenSeite
erste Anlaufstelle.
Wünsche
und Grüsse für
Veranstal-unddie
Leist
uns
sicher
Aspekte
aufzeigen,
die
wir
bis
anhin
übersehen
oder
einfach
nicht
wahrgeBlick in die Zukunft werfen, und wir
wünsche ich für
Ihr weiteres Engagement
tung von unserem Präsidenten Franz Hernommen
haben.
Ich
freue
mich
jetzt
schon
auf
die
Gedanken
und
Worte,
die
wir
vielleicht
bis
beschäftigen uns mit der Gegenwart.
viel Erfolg bei der Umsetzung
Ihrer Aufmann und der Redaktorin 'Schnecke',
anhin
so
nicht
gemacht
oder
gehört
haben.“
Schön wäre es, wenn unsere Erwartungen,
gaben und den Beteiligten alles Gute.“
Hanna Hermann, vermitteln.
wenn immer möglich Realität werden.
Als Dachverband mit inzwischen fast 1‘700
Beste
Wünsche
von
der DCIG
und Mitgliedern
der „Schnecke“
Hans-Jörg
Studer: „Mit
unserem
Gastrefeverfolgen wir dieselben Interrenten, Prof. Dr. Anton Leist, wollen wir die
essen wie die CI IG Schweiz. Der Leitsatz
Was gibt es Neues?
Taubheit ein Mal
von einer
Seite Sonja
der DCIG
'Taub und trotzdem
hören'
sagt
Hans-Jörg
Studer
freutanderen
sich, dass
Ohligmacher
von der
Deutschen
Cochlear Implant
her betrachten. Als
Philosoph
undSt.
Ethiker
was durch Engagement
und an
EntschieGesellschaft
(DCIG)
nach
Gallenaus,
gekommen
ist und uns
einem eigenen Info-Stand
wird Prof.
Leist unsder
sicher
Aspekte
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dem Cochlea-Implantat
über
Aktivitäten
DCIG
und aufder Zeitschrift
„Schnecke“
informiert.mög- Mit der Überleitung zum eigentlichen
zeigen, die wir bis anhin übersehen oder
lich ist. Für die Belange der CI-Träger bzw.
Tagungsthema „Was gibt es Neues?“
einfach
nicht
wahrgenommen
haben.
Ich
CI-Kandidaten
setzen
wir
uns
mit
Mut,
Auseröffnet
Studer das reguläre
Sonja Ohligmacher betont in ihrer Grussbotschaft, dass sich die DCIG uns
sie Hans-Jörg
selbst sehr
freue
mich
jetzt
schon
auf
die
Gedanken
dauer,
Tatkraft
und
unermüdlichem
Einsatz
Tagungsprogramm.
„Im
über die Einladung zum 5. CI-Form gefreut habe. „Ich darf Ihnen die besten Wünsche und Verlaufe des heuund Worte, die wir vielleicht bis anhin so
ein. Jeder von uns hat Fähigkeiten und
werden wir von RefeGrüsse
für diese Veranstaltung von unserem
Präsidenten Franz Hermanntigen
undVormittages
der Redaktonicht gemacht oder gehört haben.“
Kenntnisse, mit denen er für andre CIrenten der drei in der Schweiz tätigen CIrin „Schnecke“, Hanna Hermann, vermitteln.
Träger und diejenigen, die sich hinsichtlich
Herstellerfirmen - Advanced Bionics,
\\TERRA-PC\SharedDocs\artikel-ci-forum-2010-2-teil-1.doc
Sonja Ohligmacher weist in Ihrer Grussbotschaft darauf hin, dass die CITräger vom fortwährenden technischen Fortschritt laufend profitieren können, aber der Zugang zur Welt der Normalhörenden nicht hürdenfrei
sei.
Cochlear und MedEL - erfahren, mit welchen technischen Innovationen ihre Produkten aufwarten und was zukünftig allenfalls zu erwarten sein wird. Nach dem traditionellen Stehlunch besteht die Möglichkeit an Workshops, in speziell von den CIFirmen gestalteten Räumen, teilzunehmen.
Mit den Fachreferaten beginnt aber Daniel
Abels vom CI-Zentrum der Universität Basel
und informiert uns über die heute zur Verfügung stehenden Zusatzgeräte für und zu
den CIs im täglichen Gebrauch und versucht uns einen aktuellen Überblick zu verschaffen.“
Die Tagungsteilnehmerinnen und -nehmer
erfahren in den verschieden Referaten,
dass die technische Weiterentwicklung
nicht stehen geblieben ist. Der technische
Fortschritt hat vor allem dazu geführt, dass
Geräte immer kleiner werden und deren
Leistungsfähigkeit um ein Vielfaches
gesteigert werden konnte. Das ist bemerkenswert. Im Zeitalter der modernen Kommunikation mit Handys und Musikund/oder Filmwiedergabegeräten versteht
es sich von selbst, dass diese Geräte mit
den richtigen Kabelverbindungen direkt an
den CIs und/oder Hörgeräten angeschlossen werden können. Gerade diese
technischen Fortschritte kommen den
Bedürfnissen der Betroffenen enorm entgegen. Heute sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass modernste FMAnlagen überall dort eingesetzt werden, wo
Hörgeräte- und/oder CI-Träger angesprochen werden. Moderne FM-Anlagen und
moderne Hörgeräte und/oder CIs tragen
wesentlich zu einer markant verbesserten
Verständlichkeit und schlussendlich zu
einem klareren Verständnis bei. Eigentlich
sollte kein Schulunterricht, keine öffentliche Veranstaltung oder Film- sowie Theatervorführung ohne FM-Anlage mehr durchgeführt werden. Auch in der CI-Entwicklung
ist die Zeit nicht stillgestanden. Augenfällig
ist, dass die viele Komponenten kleiner und
vor allem widerstandsfähiger geworden
sind. Fortschritte wurden auch bei den
Elektroden gemacht. Die Kombination von
Neuentwicklung, optimaler audiologischen
Einstellungen bzw. Prozessorenprogrammierungen und der enorm wichtigen Nachbetreuung und Patientenbegleitung durch
AudiologInnen ist wegweisend und die
Basis für den Erfolg, der sich schlussendlich an den verbesserten Sprachkompetenzen konkret messen lässt. Die Sprachkompetenz ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen und beruflichen Integration.
Die verschiedenen Referate zeigen aber
auch, dass es sehr schwierig ist, den
Überblick zu behalten. Nicht nur wegen der
Vielfalt der Geräte selbst, sondern vor
allem auch wegen der technischen Möglichkeiten und der damit verbunden Komplexität. Objektive und individuell auf die
ganz unterschiedlichen Bedürfnisse abgestellte professionelle fachliche Beratung,
Unterstützung und Begleitung ist heute ein
Muss. Die hörgeschädigten und gehörlosen
Menschen müssen sich aber darum aktiv
bemühen. Vor allem auch deshalb, weil was
gestern noch als Standard bezeichnet
wurde, vielleicht morgen schon überholt
ist.
AB Musikwelt
Musik hören ist ein aktiver Prozess der
trainiert werden kann. Dieses Trainingsprogramm hilft zum einen in die Welt der
Musik einzutauchen, zum anderen aber
auch das Hör-Sprachverständnis auf eine
lustvolle Art und Weise zu trainieren.
AB Musikwelt ist ein interaktives Computer-Programm für jugendliche und
erwachsene CI-Träger für das Hör-Training zu Hause, aber auch für die Kleingruppenarbeit unter der Leitung von
Musik-/ Sprachtherapeuten/ Pädagogen
und Logopäden gedacht.
Daniel Abels informiert über die heute zur Verfügung stehend technischen Zusatzgeräte, für wen diese
geeignet sind und wer deren Kosten übernimmt.
23
nahmen abgesehen in der Regel schlecht,
wenn auch unterschiedlich schlecht. Der
Verlust des Hörens ist also schlecht, weil er
ein Verlust ist. Tatsächlich neigen wir zu der
Annahme, dass es ein äusserst schwerer
Verlust ist, auch wenn wir nicht auf Anhieb
sagen können, was „äusserst schwer“
genauer heisst. Soviel scheint damit klar,
insgesamt ist das Hören gut, sein Verlust
insgesamt schlecht. Was soll dann am Verlust des Hörens Gutes sein?“
Ulrike Stelzhammer-Reichhardt von Advance Bionics betont in ihrem Referat die Bedeutung des CI-RehaBereichs. Bei der Sprachentwicklung setzt AB auf interaktive Musik-Computer-Programme.
In den Workshops-Räumen besteht Möglichkeit mit den Fachpersonen in Kontakt zu
treten und sich über die neuesten Errungenschaften zu informieren. Der theoretische Teil der vormittäglichen Referate,
kann am Nachmittag etwas praxisbezogener vertieft werden.
Anleitung zur Taubheit
Prof. Dr. Anton Leist, Professor für praktische Philosophie und Leiter der Arbeitsund Forschungsstelle für Ethik an der Universität Zürich, stellt zu Beginn seines
Referates eine Frage in den Raum. „Jedes
Übel hat auch etwas Gutes! Stimmt das
wirklich? Jeder Verlust, etwa eines
geliebten Menschen oder einer wichtigen
persönlichen Fähigkeit, hat auch etwas
Gutes? Das scheint eine paradoxe Behauptung. Denn je wichtiger wir etwas nehmen,
umso weniger gut kann sein Verlust sein.
Das Hören ist zweifellos eine der wichtigsten menschlichen Fähigkeiten, auch wenn
man sich seiner Bedeutung in einem durchschnittlichen Leben mit einem intakten
Gehör nicht immer aktuell bewusst ist.
Weshalb sollte also der Verlust des Hörens
etwas Gutes an sich haben? Die Vermutung
allein lässt den Verdacht aufkommen, dass
die Bedeutung des Hörens herunter
gespielt oder ein nicht ernst gemeinter
Trost ist. Stimmt es also, dass der Verlust
des Hörens, sogar der vollständige Verlust
oder die Taubheit, etwas Gutes haben
kann?
Nimmt man den direkten Wortlaut der
Frage, schein sie sich von selbst zu beantworten. Die Frage lautet: hat der Verlust
des Hörens etwas Gutes? Vermutlich hat
der Verlust einer schlechten Angewohnheit
oder eines tyrannischen Partners etwas
Gutes. Das trifft aber nur deshalb zu, weil
das Verlorene schlecht war, eine schlechte
Angewohnheit oder ein tyrannischer
Partner. Niemand aber würde sagen, dass
das Hören schlecht ist - wenn wir auch nicht
wissen, wie gut das Hören eigentlich ist.
Deshalb scheint sich die Frage von selbst
zu beantworten. Ein Verlust ist von Aus-
Prof. Leist kommt in seinen Ausführungen
auch auf die Gebärdensprache zu sprechen: „Wie Sie wissen, gibt es eine heftige
Diskussion darüber, ob die Gebärdensprache eine vollständige Alternative zur
Lautsprache ist. Auf diese Weise wird darüber gestritten, ob es einen Verlust
bedeutet, wenn man ohne Hörfähigkeit
geboren wird und dann die Gebärdensprache lernt. Bei nichthörend geborenen
Personen würde der Verlust darin
bestehen, dass man eine andere Person eine lautsprachig sprechende und hörende
Person - nicht werden kann. Wichtig an
diesem Vergleich ist für unsere Frage - was
könnte daran gut sein, wenn man das
Hören verliert, das man schon beherrscht? die eben erwähnte Beobachtung, dass es
einen entscheidenden Unterschied ausmacht, wie sich die Fähigkeiten zu unserer
Person verhält. Wenn wir eine hörende
Person bereits sind, ist es ein ‚persönlicher
Prof. Dr. Anton Leist sieht als Ethiker und Philosoph durchaus auch Chancen, den Verlust des Hörens positiv
zu überwinden, sofern die damit verbunden Herausforderungen angenommen werden.
mende Arbeit benötigt, um mit den
schlechteren Hören in den Bereichen dieser
Funktionen zurecht zu kommen. Die Kommunikation ist darunter die wichtigste
Funktion, weil wir ohne einen engen Kontakt mit unserer Umgebung nicht leben
können. Wenn ich jetzt wieder die Frage
aufnehme, ob es am nachlassenden Hören
auch etwas Gutes gibt, muss das bei der
Antwort eine Rolle spielen.“
Prof. Dr. Anton Leist hofft, dass er mit seinen Überlegungen rund um das Hören zum Nachdenken eingeladen
hat.
Verlust’, nicht zu hören. Wenn wir keine
hörende Person sind, ist es kein persönlicher Verlust, da wir nichts Persönliches verlieren. Mit der schwierigen Frage, ob die
Gebärdensprache eine angemessene Alternative ist, will ich mich hier nicht beschäftigen. Wir reden im Weiteren also nur darüber, wie der persönliche Verlust des
Hörens einzuschätzen ist, und ob es an ihm
etwas Gutes gibt.
Eine einfache Antwort lautet so: Natürlich
gibt es am Verlust des Hörens, wenn man
es einmal besessen hat, nichts Gutes. Der
Verlust einer persönlich so wichtigen
Fähigkeit ist immer unangenehm, er führt
zu vielen unangenehm empfundenen Situationen. Ihn auszugleichen, trotz der visuellen (Lippenlesen) und technischen Hilfsmittel (Hörgeräte, CI), ist schwierig. Der
Verlust des Hörens ist eine Behinderung in
verschiedener Hinsicht, und diese Behinderung auszugleichen, erfordert eine Menge
Arbeit, seelische Arbeit, um den Verlust zu
verarbeiten, und Selbsttraining, um Sehen,
Fühlen und restliches Hören zu verbessern.
Das alles scheint nur unangenehm, und
deshalb nichts Gutes.“
Prof. Leist stellt in seinen weiteren Ausführungen Vergleiche an in Bezug auf den
Verlust persönlichen Besitzes oder denjenigen von bestimmten persönlichen Fähigkeiten. Er vergleicht diese konstruierten
Modelle - auf den möglichen Verlust des
Hörens bezogen - mit einander. Er versucht
auch Antworten auf „Wozu eigentlich
Hören? zu geben und zwar ohne auf die
physiologischen Eigenarten des Hörens
oder die medizinischen Aspekten des
Schlecht- oder Nichthörens einzugehen.
Darüber ist nämlich eine Unmenge an
Expertenwissen vorhanden. Im Zentrum
seiner Gedanken und Überlegungen steht
der Wert des Hörens.
Aus Sicht von Prof. Leist hat das Hören zwei
wesentliche Funktionen, Orientierung und
Kommunikation, und er hinterfragt, auf
welche der beiden Eigenschaften wohl am
ehesten verzichtet werden kann. Weiter
beleuchtet er den Aspekt, Hören von Musik
zu ersetzen. An die Stelle der gehörten
Musik könnten bei völliger Taubheit nämlich nur gefühlte Rhythmen treten.
Prof. Leist: „Unter dem Strich lässt sich das
alles so zusammenfassen, dass die Orientierung, die Kommunikation und die Musik
in steigendem Mass vom Hören abhängig
sind, oder umgekehrt, dass es eine zuneh-
Um die Herausforderung durch Hörverlust
besser beurteilen zu können, möchte ich
eine bittere Annahme über die spezielle
Freiheit uns selbst gegenüber einführen.
Dies Annahme lautet: Wenn wir nicht nur
anderen gegenüber, sondern auch uns
selbst gegenüber frei sein wollen,
benötigen wir eine Herausforderung durch
uns selbst. In der Regel sind solche Herausforderungen mit Krisen verbunden. Wir
versagen in einer Situation, die uns wichtig
ist. Oder wir erleiden einen Verlust, der am
Ende aufzeigt, dass wir von dem Verlorenen
sehr abhängig waren. Diese Abhängigkeit
müssen wir überwinden. Durch persönliche
Krisen können wir autonomer werden oder
dieselben bleiben. „Autonomer werden“
bedeutet nicht, dass wir uns aus allen
Abhängigkeiten zurückziehen, sondern
dass wir Abhängigkeiten bewusst wählen.
In der Regel stecken wir in vielen zufälligen
und nicht bewusst gewählten Abhängigkeiten. Durch Krisen melden sich diese
Abhängigkeiten als unangenehm, und wir
können sie erkennen und verändern. Ohne
Krisen geht das meist nicht.“
Die Forumsteilnehmerinnen und -teilnehmer folgen den interessanten Überlegungen von Prof. Leist aufmerksam.
25
Podiumsgespräch
Clemens Wäger erzählt einleitend und
bezugnehmend auf die Referate im ersten
Teil der Veranstaltung: „Bei uns zu Hause
gibt es selbstverständlich für unser gehörloses Kind viele hörbehindertengerechte
technische Hilfsmittel und natürlich auch
einen leistungsfähigen Vibrationswecker.
Was es leider noch nicht gibt, ist eine an
den Wecker gekoppelte (Aus)Kippanlage
für das Bett bzw. für das ruhig weiterschlafende Kind.“
Clemens Wäger moderiert wie in den vergangen CI-Foren umsichtig das Podiumsgespräch.
Prof. Leist schliesst seinen zum Nachdenken anregenden Vortrag: „Zwang und
gerade auch äusserer Zwang, ist kein prinzipielles Hindernis für Autonomie, und
häufig eher ein Auslöser. Für tief greifend
neue Projekte, die wir anpacken, ist es
typisch, dass sie einer Situation des
Ungenügens, des Verlusts, des Mangels
entspringen, ob objektiv oder subjektiv
empfunden. Und dass wir dabei auch
gegen unsere Umwelt kämpfen müssen,
stellt uns zusätzlich auf die Probe, zeigt
gerade, dass wir einen eigenen Weg finden
müssen. Ich denke, dass sich darin auch
ein tiefer Unterschied zwischen der Gehörlosigkeit von Geburt an und dem Ertauben
im Erwachsenenalter öffnet: während die
erste tendenziell zur engen Gemeinschaft
und geschlossenen Gebärdenkultur führt,
lädt das Ertauben zum gesteigerten Individualismus ein. Sicher muss man das nicht
so sehen. Man kann den Verlust des Hörens
als den Verlust eines lieb gewonnenen
Schmuckstücks empfinden, dem man nur
nachtrauern kann. Aber man kann es auch
als eine Aufforderung dazu sehen, eine
andere neue Route zum Berggipfel zu
wählen. Dort lauern zwar Gefahren, und die
Zukunft ist ungewisser wie bei der
ursprünglich geplanten Route. Aber dafür
bietet sie die Chance, unsere Kräfte neu
kennenzulernen. Deshalb ist sie eine Herausforderung, die man annehmen sollte
auch wenn man sie zunächst nicht selbst
gewählt hat.“
Experten aus verschieden Disziplinen geben Antwort auf die zahlreichen Publikumsfragen.
Clemens Wäger macht darauf aufmerksam,
dass während der Mittagspause viele
Fragen formuliert und in die Sammelboxen
gelegt wurden. Auf die meistgenannten soll
nun versucht werden Antworten zu geben.
Wann werden CI-Hilfsmittel
und -Hilfsgeräte sowie eine
neue CI-Versorgung bezahlt?
Grundsätzlich wird die Invalidenversicherung die individuellen Rahmenbedingungen genau abklären. Bei den Hörgeräten kann im Regelfall davon ausgegangen werden, dass alle sechs Jahre ein
neues Gerät finanziert werde. Beim CI ist
die Situation vor allem aufgrund der anfallenden Kosten für ein Re-Implantat komplexer. Bevor Kostengutsprache für solche
Operationen erteilt wird, gehen zahlreiche
und umfassende medizinische Abklärungen voraus, anhand derer fundiert auf-
gezeigt werden kann, dass eine Re-Implantation bzw. ein neues CI eigentlich unumgänglich ist. Umstritten sind in der Regel
die anfallenden Kosten für das Hörtraining.
Was sind Hybrid-Implantate?
Ein Hybrid-Implantat ist eine Kombination
mit einem Cochlea-Implantat und einem
Hörgerät, mit welchem das akustische
Spektrum verstärkt wird. Tiefe Töne werden
besser vom CI, während die hohen Töne
vom Hörgerät besser übermittelt werden.
In der Kombination soll es zu einer verbesserten Weitergabe der Raum- und Musikkomponenten kommen.
Bis anhin sind die finanziellen Folgen nicht
geregelt. Problematisch sind vor allem die
implantierten Komponenten. Schlüssige
Antworten fehlen zurzeit. Bessere Chancen
auf Kostenübernahme haben all jene Patienten, welche aus beruflichen Indikationen
oder für bestimmte Weiterbildungen auf
ein neues CI oder Ersatz-CI angewiesen
sind. Besteht eine gänzliche Taubheit,
werden die CI-Implantate eigentlich immer
durch die IV bezahlt.
Voll-Implantat
In Australien wurden bereits drei Patienten
mit einem sogenannten Voll-Implantat versorgt. Operativ sind eigentlich alle Probleme gelöst. Was nicht gelöst ist, ist die
Versorgung mit der notwendigen Energie
(Batterien) sowie das eigentliche Mikrophon des CI. Da dieses ebenfalls von der
Kopfhaut vollständig bedeckt wird, kommt
es zwangsläufig zu unerwünschten Qualitätseinbusen. Vor dem Hintergrund dieser
ungelösten technisch-medizinischen Problemen wird es in der Schweiz in ferner
Zukunft kein Voll-Implantat geben.
Feuchtigkeitsresistent - mit
dem CI auf Tauchgang gehen?
Die Vertreter der anwesenden CI-Herstellerfirmen bestätigen, dass Spritzwasser
beim Baden dem CI keinen Schaden
zufügen werde. Wichtig sei, dass keine
Zink-/Luft-Batterien verwendet werden.
Aus Sicht von Prof. Dr. med. Rudolf Probst sind die Produkte der drei CI-Herstellerfirmen absolut gleichwertig
– mit Ausnahme der Zusatzgeräte.
Weiter wird bestätigt, dass auch Tauchgänge bis auf eine maximale Tiefe von 25
Meter, sofern nur mit dem Implantat selbst
getaucht wird, möglich sind.
Immer kleinere Geräte - was
ist in Zukunft noch alles
möglich?
Welches CI-Modell, für wen
und wann das richtige?
Prof. Dr. med. Rudolf Probst stellt klar fest,
dass die Produkte der drei CI-Herstellerfirmen absolut gleichwertig seien. Unterschiede gebe es höchstens bei den Zusatzgeräten, so zum Beispiel beim Sprachprozessor.
Auch bei dieser Frage sind sich die anwesenden Experten einig. Die Frage nach kleineren Geräten und was in Zukunft noch
alles möglich sein wird, kann so beantwortet werden: Die Utopie, ist die Realität
von morgen. Die Grösse der heutigen
Geräte wird in 10 Jahre als riesiger Klotz
empfunden.
Bei den implantierten CI-Komponenten,
erklärt Prof. Probst, gebe es mit Sicherheit
keine Austauschmöglichkeiten zu anderen
Produkten, da diese eine zusammenhängende Einheit bilden.
Völlige Kompatibilität unter
den CIs?
Der Präsident der CI-IG Schweiz, Hans-Jörg
Studer, schliesst das 5. Forum und bedankt
sich bei allen Referenten für die informativen Beiträge sowie der Sprachheilschule
St. Gallen für das gewährte Gastrecht.
Alle Handy-Hersteller haben sich darauf
geeinigt, dass nur noch ein Akku-Typ in
Zukunft verwendet werden soll. Ist eine
ähnliche Kompatibilität bei den CI-Herstellern auch denkbar?
Auch bei dieser Frage herrscht Einigkeit.
Eine Kompatibilität unter den CI-Herstellern wird es in absehbarer Zukunft aus
naheliegenden Gründen nicht geben. Hingegen arbeitet die Firma Phonak mit allen
CI-Herstellerfirmen in gleichem Masse zusammen, so dass es in gewissen Bereichen
nach universellen Lösungen kommen
könnte.
Schlussgedanken
Ein ganz grosses Dankeschön richtet HansJörg Studer an alle Helferinnen und Helfer
vor und hinter den Kulissen – und allen
voran Erika Rychard, die den grossen administrativen Aufwand wiederum mit Bravour
gemeistert hat.
Hans-Jörg Studer: „Ich möchte allen Firmen
herzlich danken, die unseren Anlass immer
wieder mit grosszügigen Sponsorenbeiträgen unterstützen. Ich freue mich jetzt
schon auf den Samstag, 12. November
2011, wenn ich Sie alle zum 6. CI-Forum in
St. Gallen wieder begrüssen darf.“
[rr]
27
Bei Gehörlosen wird das Gehirn
„umprogrammiert“
Text: Medical Tribune vom 12. November 2010
Im Gehirn von Gehörlosen übernehmen die
Areale, die normalerweise fürs Hören sind,
Funktonen anderer Sinnessysteme. Bei
einer späten Therapie mit einem CochleaImplantat ist somit die funktionelle Einheit der Hörareale nicht mehr intakt und
ein Behandlungserfolg ist oft schwierig zu
erreichen. Daher sollte die Implantation so
früh wie möglich stattfinden.
Bei Menschen, die einen ihrer fünf Sinne hören, sehen, fühlen, riechen, schmecken verloren haben, verstärkt sich einer der
anderen vier Sinne. Gehörlos geborene
Menschen kompensieren den Ausfall des
Hörens mit verbesserten Fähigkeiten in
anderen Sinnessystemen. Dass sie dafür
auch Hirnareale nutzen, die eigentlich für
das Hören vorgesehen sind, fanden jetzt
Wissenschaftler aus Kanada, USA und
Deutschland in einem interdisziplinären
Projekt heraus. Sie veröffentlichten ihre
Ergebnisse in der jüngsten Ausgabe der
Fachzeitschrift Nature Neuroscience
(Lomber SG et al., Nat Neurosci. 2010 Nov;
13 (11):1421-7).
Das Team setzt sich zusammen aus Wissenschaftlern der kanadischen University of
Western Ontario, der amerikanischen Virginia Commonwealth University und des
Instituts für Audioneurotechnologie
(VIANNA), das zur Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gehört.
Kral, der gemeinsam mit Prof. Dr. Thomas
Lenarz VIANNA leitet.
Funktionale Einheit der
Hörareale zerstört
„Eine frühe Therapie mit einem CochleaImplantat ist auch deswegen sinnvoll, weil
sich bei angeborener Gehörlosigkeit das
Gehirn anders entwickelt als bei
Hörenden“, erläutert Prof. Kral. In einer
weiteren Veröffentlichung in der jüngsten
Ausgabe des New England Journal of Medicine (Kral A, O’Donoghue GM, N Engl J Med.
2010 Oct 7;363(15):1438-50) weist der Neurowissenschaftlicher gemeinsam mit dem
Hals-Nasen-Ohren-Chirurgen Prof. Dr.
Gerard O’Donoghue, Nottingham, GB,
darauf hin. Angeborene Gehörlosigkeit
beeinflusse beispielsweise Aufmerksamkeit und Gedächtnis. „Das Gehirn passt
sich dank seiner Plastizität so gut es geht
an den Zustand des Nichthörens an. Bei
einer späteren Therapie muss sich das
Gehirn umorganisieren“, sagt Prof. Kral.
Die Forscher deaktivierten bei gehörlosen
Tieren vorübergehend Areale im Gehirn, die
eigentlich für das Hören genutzt werden.
Sie konnten nachweisen, dass dadurch die
überdurchschnittlichen visuellen Fähigkeiten ausfallen. Zudem konnten sie
zeigen, dass eine solche „Umprogrammierung“ von Hirnressourcen spezifisch
abläuft: Zwei Hörareale sind für zwei verschiedene überdurchschnittliche visuelle
Fähigkeiten notwendig, an der direkt
benachbarte Areale nicht beteiligt sind.
Dies beweist, dass die Reorganisation des
Gehirns für Gehörlose hilfreich ist, um sich
in der Umwelt ohne Hörsinn zurechtzufinden. Aber sie zerstört die funktionale
Einheit der Hörareale, was für einen Erfolg
der Therapie mit einem Cochlea-Implantat
hinderlich sein kann. „Bei angeborener
Gehörlosigkeit ist daher eine frühe Therapie unerlässlich“, erklärt Prof. Dr. Andrej
Gehirn entwickelt sich anders
Prof. Dr. Andrej Kral blickt im Rahmen
seiner Forschung in die Gehirne von
Gehörlosen.
Wie der Bundesrat Behinderte in den
Arbeitsmarkt hieven will
Text: Von Claudia Blumer, Tages-Anzeiger vom
4. November 2010.
12‘500 IV-Rentner sollen arbeiten gehen.
Wie sich das der Bundesrat vorstellt, steht
in einem Bericht, der Tagesanzeiger.ch/Newsnetz vorliegt.
Um den Schuldenberg der Invalidenversicherung zu stoppen, verabschieden Bundesrat und Parlament in immer kürzeren
Abständen IV-Revisionen mit Spareffekt.
Ende 2010 wird die IV mit 15,5 Milliarden
Franken verschuldet sein. Die aktuelle 6.
IV-Revision soll dem abhelfen. Durch die
Ausgliederung von 12‘500 IV-Rentnern, die
arbeiten gehen müssen, erwartet der Bund
jährliche Einsparungen von 231 Millionen
Franken.
Um Tausende von Arbeitsunfähigen in den
Arbeitsmarkt zu integrieren, sollen die
Renten zurückhaltender gesprochen
werden. Doch auch auf Arbeitgeberseite
sind Anstrengungen nötig. Hier wurden
bisher noch keine Lösungen laut. Der Bundesrat beauftragte das Bundesamt für Sozialversicherungen, zu prüfen, ob und wie
Arbeitgeber mit Zwangsmassnahmen zur
Integration von IV-Rentnern verpflichtet
werden können.
Überlegungen zu
Quotenregelungen
Auf Geheiss des Parlaments hat sich der
Bundesrat in den umliegenden Ländern
umgesehen, um aus deren Erfahrungen mit
Quotenregelungen Schlüsse zu ziehen. Das
Fazit: Zwangsmassnahmen funktionieren
nicht. In Deutschland, Frankreich und
Österreich, wo die Integration behinderter
Personen gesetzlich verankert ist, wird die
Quote nicht eingehalten. Lieber zahlen die
Unternehmen die verkraftbaren Strafbeträge von einigen Tausend Euro pro Jahr.
Eine Behinderten-Quote sei nicht nur
unnütz, sondern kontraproduktiv, heisst es
im Bericht. Zwangsmassnahmen würden
die Chancen Behinderter auf dem Arbeitsmarkt sogar zusätzlich schmälern, wie aus
einer vergleichenden OECD-Studie hervorgeht.
Quotenregeln gibt es auch in Spanien,
Malta, Ungarn, Tschechien und weiteren
OECD-Ländern. Eine Erhebung zeigt, dass
in Ländern mit Quotenregeln prozentual
weniger Behinderte arbeiten als beispielsweise in der Schweiz. Die Schweiz, die
keine Anstellungsquoten für Menschen mit
gesundheitlichen
Beeinträchtigungen
kennt, steht bezüglich dieser Anstellungsrate OECD-weit an fünfter Stelle.
Verlegenheitslösung
Der Bericht, den die Nationalratskommission für soziale Sicherheit und Gesundheit
am 4. November 2010 diskutierte, beinhaltet deshalb andere Vorschläge zur Wiedereingliederung der 12‘500 IV-Rentner:
Die Wirtschaft soll mit positiven Anreizen
verführt werden. Etwa mit der Möglichkeit
des unverbindlichen Arbeitsversuchs, mit
Beratung und Begleitung und mit einer
dreijährigen Schutzfrist, während der dem
Arbeitgeber im Falle eines Scheiterns kein
finanzieller Nachteil entsteht.
Diese Vorschläge sind eine Verlegenheitslösung, wie das Papier zeigt. Denn der Bundesrat schlägt gleichzeitig vor, nach vier
Jahren doch eine Quotenregelung ins Auge
zu fassen, sollten die positiven Anreize
nicht fruchten. Firmen ab einer Mitarbeiterzahl von 100 sollen dann dazu verpflichtet
werden, eine bestimmte Anzahl von der IV
vermittelte Personen aufzunehmen.
29
In Kürze
Bei Taubheit „sieht“ das Gehirn besser
Beim Ausfall eines Sinnesorgans nutzt
das Gehirn die brachliegenden Hirnareale anderweitig. Das haben kanadische Forscher an Katzen nachgewiesen,
die taub geboren wurden. Im Vergleich
zu anderen Artgenossen konnten diese
Tiere besonders gut sehen. Sie nahmen
Objekte am Rand ihres Blickfeldes
besser wahr und reagierten sensibler
auf Bewegungen, wie die Forscher im
Magazin „Nature Neuroscience“ berichteten.
Firmen sollen Behinderte anstellen
müssen
Firmen mit über 250 Angestellten sollen
ein Prozent ihrer Arbeitsplätze für
Behinderte reservieren müssen. Mit
dieser Quote will die Sozialkommission
des Nationalrates dazu beitragen, dass
möglichst viele IV-Rentner wieder in
den Arbeitsmarkt zurückfinden. Die
Quote gilt sowohl für den öffentlichen
Sektor als auch für die Privatwirtschaft.
Untaugliche Rezepte
gegen die IV-Schulden
Text: Von Claudia Blumer, Tages-Anzeiger vom
4. November 2010.
Würden Arbeitgeber mehr behinderte Menschen einstellen, wenn die Firmen dadurch
Vorteile hätten? Peter Wehrli vom Behindertenverband Selbstbestimmtes Leben
sagt: Nein.
Der erste Teil der 6. IV-Revision wird in der
Wintersession voraussichtlich vom Parlament verabschiedet und Anfang 2012 in
Kraft gesetzt. Das Ziel ist unter anderem,
innert fünf Jahren 12‘500 IV-Rentnerinnen
und -Rentner in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ein Ansinnen, für das Peter Wehrli,
Geschäftsführer der Organisation Zentrum
Selbstbestimmtes Leben (ZSL), wenig übrig
hat.
„Diskriminierung im Keim
ersticken“
Anders bei der IV-Revision 6b, die nächstes
Jahr im Parlament behandelt wird. Hier
zeichne sich ein erfolgversprechendes
Referendum ab, sagt Wehrli. Das ZSL werde
sich auch daran beteiligen. Dieser Teil der
IV-Revision sieht Kürzungen der IV-Renten
von bis zu 40 Prozent vor.
Seit Jahren kämpft das ZSL zusammen mit
andern Behindertenorganisationen gegen
die Ausgestaltung der IV-Revisionen.
Wehrli versteht nicht, warum sich der Bundesrat nicht am US-amerikanischen System
orientiert, das Diskriminierung im Keim zu
ersticken versucht und so die Integration
aller Minderheiten in allen Lebensbereichen fördert. „Integration kann man nicht
partiell fördern, wie das die Schweizer
Politik seit Jahren macht“, sagt Wehrli.
„Es werden alte Rezepte hervorgeholt, die
sich noch nie bewährt haben“, sagt Wehrli.
Dass die positiven Anreize wirken, mit
denen Unternehmen zur Integration Behinderter ermuntert werden sollen, bezweifelt
Überlastete IV
er stark. Trotz allem wird die IV-Revision 6a
von den Behindertenverbänden akzeptiert,
Sonderpädagogik-Konkordat
tritt
in
er, Tages-Anzeiger
vom 4. November
2010.
weil sie mit der Einführung des AssistenzKraft
Dem Problem der IV-Überschuldung sei mit
beitrags ein lange gefordertes Anliegen
den Revisionen nicht beizukommen, glaubt
ber mehr
behinderte Menschen
einstellen, wenn die Firmen
dadurch
beinhaltet.
Das Sonderpädagogik-Konkordat
wird
Wehrli.
„Die Gesellschaft delegiert alle
am
1.
Januar
2011
gültig
sein.
Im
Juni
Fragen
im
Umgang mit Behinderten der IV,
Peter Wehrli vom Behindertenverband Selbstbestimmtes Leben sagt:
2010 wurde die notwendige Anzahl von
damit ist die Versicherung völlig überlastet.“ Beim Thema Gleichstellung herrsche
zehn Kantonen für das Inkraftsetzen
der Tenor: Das gehört in den Bereich der IV.
des Konkordats erreicht. Der Vorstand
Eigentlich sei es aber Aufgabe der Politik.
der EDK hat im September 2010 das
Datum der Gültigkeit auf den 1. Januar
6. IV-Revision
2011 angesetzt. Ab dann gilt das Konkordat für
diejenigen Kantone, welche
ersession
vores ratifiziert haben. Als 11. Kanton hat
Parlament
BL den verBeitritt zum Konkordat am 26.
2010 beschlossen.
nfang September
2012 in
he Rezepte gegen die IV-Schulden))
s Ziel ist unter
fünf Jahren
erinnen und Arbeitsmarkt zu
sinnen, für das
Geschäftsführer
on
Zentrum
Leben (ZSL),
Rezepte hervorch nie bewährt
Die Sparmassnahmen setzen
seiner Meinung nach am falschen
Ort an: Peter Wehrli, Geschäftsführer Selbstbestimmtes Leben.
Bild: Keystone
Die Sparmassnahmen setzen seiner Meinung nach am falschen Ort an:
Untertitelungsforderung darf nicht
in Vergessenheit geraten
Text: Gertrud Wyss und Agathe Güntert (beide
gehörlos)
Rückblick: UnterschriftenAktion für Fernsehuntertitel
bei Privatfernsehsendern
Wir, Gertrud Wyss und Agathe Güntert sind
wie alle andere Menschen mit Gehörlosigkeit und Hörbehinderung auf Untertitelungen auch bei Fernsehsendern wie Tele
Südostschweiz TSO, 3+ und STAR TV angewiesen.
Wir blicken auf das Jahr 2008 zurück und
berichten hier gerne zusammenfassend,
was wir ehrenamtlich geleistet haben.
Am Samstag, 3. Mai 2008, haben wir in
Glarus während des jährlichen Flohmarktes
als Pilotversuch die erste Unterschriftensammlung für Untertitelungen bei Privatfernsehsendern durchgeführt. Dank guten
Wetters haben wir viele Unterschriften
gesammelt. Viele Passanten in der Stadt
Glarus begegneten uns freundlich und
unterschrieben ohne eine lange komplizierte Diskussion, denn sie waren bereits
vom Radio und Printmedien über unsere
Aktion informiert worden.
Im August 2008 wurde die erste Karte mit
einer Comic Zeichnung mit dem Gedanken:
„Dieser Frust! Keine Untertitel bei
Schweizer Privatfernsehsender.“ lanciert.
Die Karte wurde ans Bundesamt für Kommunikation Bakom und an ausgewählte
Politikerinnen und Politiker verschickt. Vom
Bakom sowie von vielen Politikerinnen und
Politikern wurde der Erhalt unserer Karte
verdankt.
Des Weiteren haben wir beschlossen eine
Zusammenarbeit mit den Bündner Gehörlosen und Hörbehinderten zu suchen. Wir
fanden eine tolle Zusammenarbeit: Mit der
Bildungsstätte Fontana Passugg (Frau R.
Rigert) und dem Bündner Gehörlosenverein
(Herr W. Müller). Nach dem Gespräch und
Aufbau fand am 13. September 2008 die
zweite Unterschriftensammlung in der
Im Kantonshauptort Glarus werden fleissig Unterschriften gesammelt.
Stadt Chur statt - unter Mithilfe von pro
audito Chur. Trotz schlechten Wetters
wurden mit viel Einsatz erfolgreich Unterschriften gesammelt. Diese Aktion in
Graubünden erachten wir als wertvoll.
Im Herbst, am 25. Oktober 2008, haben wir
die Unterschriftensammlung im Volksgarten, Glarus wiederholt. Es haben nicht
nur Passanten unterschrieben, sondern
auch gehörlose und hörbehinderte Menschen. Zusätzlich haben wir viele Banner
aufhängen können.
Mit dem Verkauf von Verpflegung konnte
dieser Tag auch als Treffpunkt für Gehörlose und Hörbehinderte gestaltet werden.
Einige bekannte Persönlichkeiten aus der
hiesigen Gehörlosengemeinschaft und
einige VertreterInnen des Schweizerischen
Gehörlosenbunds SGB-FSS waren als
Gäste anwesend.
Die ersten gesammelten Unterschriften
haben wir den Fernsehstationen wie TSO,
3+ und STAR TV persönlich überreicht. Weitere Unterschriften haben wir per Einschreibsendungen zugestellt. Beim Überreichen der erste Unterschriften-Aktion
vom 3. Mai 2008 zeigten alle Private Fernsehstationen (TSO, 3+ und STAR TV) Interesse, aber leider sind sie mit dem Untertitel-Service zurückhaltend. Später, nach
erhöhtem Druck durch die UnterschriftenAktion am 13. September und 25. Oktober
2008, hatte diese etwas bewirkt: Die TSO
bot für ein paar Monaten die Monatssendung „Publireportage“ mit Untertiteln von
knapp 5 Minuten an. Leider ist diese Sendung jetzt nicht mehr im Programm. Andere
Fernsehstationen haben nichts unternommen.
Nicht nur Unterschriften haben wir gesammelt, sondern auch weitere ehrenamtliche
Arbeit geleistet: Im Frühling 2009 haben
wir diverse Parteien in Glarnerland (CVP,
FDP, Grüne, SP und JUSO) über die Untertitelungsproblematik orientiert. Auch jeweils
vor und nach den Unterschriften-Aktionen
haben wir an diversen Glarner Printmedien
(Fridolin, Glarus Anzeiger, Südostschweiz
und später Online-Zeitung Glarus24.ch)
Mitteilungen und Berichte zugestellt. Das
Echo hat etwas gebracht: Die Aufmerksamkeit für die Anliegen von gehörlosen und
hörbehinderten Menschen wurde geweckt.
31
Herzlich bedanken möchten wir uns bei
allen, die bei den Unterschriften-Aktionen
mitgeholfen haben. Besonders grosser
Dank für die gute Zusammenarbeit gebührt
den Bündner Gehörlosen- und Hörbehinderten-Organisationen,
welche
wir
gefunden haben. Auch recht herzlich
danken möchten wir der Firma Pro Untertitel GmbH für ihre fachliche, neutrale Beratung und die allgemeinen Informationen
über Untertitelung in Gebärdensprache.
Zudem möchten wir allen Passanten und
allen Menschen mit Gehörlosigkeit und
Hörbehinderung, die bei den Unterschriften-Aktionen dabei waren, ganz herzlich danken für die Unterstützung unseres
Anliegens.
Leider hat sich auch 2 Jahre nach den
Unterschriften-Aktionen für den Kreis der
gehörlosen und hörbehinderten Menschen
bei den Privatfernsehsendern nichts
bewegt.
Es wäre gut, wenn alle gehörlosen und hörbehinderten Menschen aus anderen Kantonen unsere Arbeit unterstützen und mitkämpfen würden.
v.l.n.r. Nadine Gliesche, Agathe Güntert und Gertrud Wyss bei der Unterschriftenübergabe beim Privat-Sender
„3+“.
Gertrurd Wyss und Agathe Güntert (v.l.n.r.)
engagieren sich mit Herzblut für Untertitelungen bei den privaten Fernsehstationen.
Korrigendum zum Artikel
'Job-Wechsel bei Gehörlosen und Schwerhörigen'
in der Novembernummer von sonos
Yvonne Zaugg hat der sonos-Redaktion
am 7. November 2010 mitgeteilt, dass sie
die Stelle als Redaktorin beim SGB-FSS
gekündigt habe. Infolge eines redaktio-
nellen Versehens ist dieser Umstand
nicht zutreffend wiedergegeben worden.
Die sonos-Redaktion bittet um Entschuldigung.
Alter und Behinderung
Text: Pascal Kaiser
Die demographische Alterung ist in besonderem Masse auch bei Menschen mit
Behinderungen festzustellen und hat dort
komplexe Folgen, die in der Schweiz noch
kaum erforscht sind. Die Institutionen im
Behinderungsbereich, die von der historischen Entwicklung her auf die Probleme
jüngerer Menschen mit Behinderungen
fokussiert sind, werden sich der Problematik zunehmend bewusst.
Zu diesem aktuellen Thema findet am 6.
November 2010 eine Fachtagung in Zürich
statt. Organisiert von der Hochschule für
Heilpädagogik (HfH), werden von zahlreichen SpezialistInnen zum Thema „Behinderung im Alter - was tun?“ Referate
gehalten und die vorgetragenen Sachverhalte in der Plenumsdiskussion vertieft.
Auch im Alter sind Menschen mit Behinderungen auf spezielle Unterstützung angewiesen. An der Tagung werden ausgewählte heilpädagogische und gerontagogische Massnahmen vorgestellt, auf ihre
rechtlichen und finanziellen Grundlagen
hin ausgeleuchtet und mit Fachleuten aus
der Heilpädagogik, Sozialpädagogik und
Gerontologie diskutiert.
„Die grösste Kulturleistung eines Volkes
sind die zufriedenen Alten“, so lautet ein
japanisches Sprichwort und trifft damit den
Nerv unserer Zeit. Wir leben in einer Gesellschaft, in der dank Spitzenmedizin die
Menschen immer älter werden. Der durchschnittliche Schweizer wird heute über 80
Jahre alt. Verbunden mit einer längeren
Lebensspanne sind allerdings auch steigende Kosten im Gesundheitssystem.
Diese Situation stellt eine der grössten
Herausforderungen dar, welche unsere
Gesellschaft in den nächsten dreissig
Jahren zu bewältigen hat. Eine wichtige
Frage in diesem Kontext ist, wie mit Behinderung im Alter umgegangen werden soll.
Ein Blick in die Bevölkerungsstatistiken der
Schweiz macht deutlich, dass mit fortschreitendem Alter die Wahrscheinlichkeit,
persönlich von einer Behinderung
betroffen zu sein, immer grösser wird. Dass
also sozusagen das Alter Behinderung mit
sich bringt. Jedoch ist diese Behinderung,
die im Alter auftritt, eine andere, als die
Behinderung, die – wenn man so will - „alt“
wird. Das Älterwerden von Menschen, die
von einer Behinderung betroffen sind, ist
ein Thema, welches in der Öffentlichkeit bis
jetzt keine grosse Beachtung gefunden hat
und bis anhin wenig diskutiert wurde.
Frühere Altersbeschwerden
bei Menschen mit
Behinderung?
Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte
haben gezeigt, dass Menschen, die mit
einer Behinderung leben, früher Altersbeschwerden zeigen, als Menschen die nicht
mit einer Behinderung konfrontiert sind.
Wieso ist das so? Ein Beispiel mag diesen
Zusammenhang am unmittelbarsten illustrieren. Man stelle sich einen Menschen
vor, der soeben seinen 55. Geburtstag
gefeiert hat. Er hat eine Familie, einen
interessanten Beruf - kurzum: Er steht
mitten im Leben. Diese Person lebt allerdings mit einer Sehbehinderung. Es mag
sich um eine angeborene Sehbehinderung
handeln oder um eine Behinderung, die
sich im Verlauf des Lebens ergeben hat. Auf
jeden Fall hat die Person gelernt, mit dieser
Behinderung zurechtzukommen, mit ihr zu
leben. Sie hat unter anderem die Fähigkeit
erworben, Eindrücke, welche sich aufgrund
ihrer Behinderung ihrer Wahrnehmung entziehen, über andere Sinneseindrücke zu
kompensieren. Sprich: Für die Wahrnehmung der besagten Person, ist der akustische Sinneseindruck ihrer Umgebung wichtiger, zentraler und auch besser ausgeprägt, als er es bei vergleichbaren, nicht
behinderten Personen ist. Diese Person
hört besser und spezifischer als Menschen
ohne Sehbehinderung.
Verhält es sich nun mit der besagten
Person so, dass sich zusätzlich zur Sehbehinderung eine altersbedingte Behinderung - zum Beispiel eine Hörbehinderung einzustellen beginnt, ist dies für diese
Person ungleich schwerwiegender, als dies
bei einem nicht sehbehinderten Menschen
der Fall wäre. Denn es war ja gerade der
Hörsinn, der im Leben dieses Menschen so
wichtig war, und der jetzt aufgrund einer
zweiten Behinderung eingeschränkt wird.
Ein nicht sehbehinderter Mensch - der
altersbedingt an einer Hörbehinderung zu
leiden beginnt - ist seinerseits in der Lage,
quasi einen Teil seines Wahrnehmungsverlustes über den Sehsinn zu kompensieren.
Diese Möglichkeit hat ein sehbehinderter
Mensch nicht.
Es ist genau dieses „Nicht kompensieren
können“ einer beginnenden, altersbedingten Behinderung, das dazu führen
kann, dass einfach behindere Menschen,
die zu mehrfach behinderten Menschen
werden, früher an Altersbeschwerden zu
leiden beginnen als Menschen ohne Behinderung.
Finanzielle und rechtliche
Aspekte des Alterns mit
Behinderung
In der Schweiz setzt sich die Altersvorsorge
aus drei Teilen zusammen - den sogenannten drei Säulen AHV, Pensionskassen
und Privatvorsorge. Im Zusammenhang mit
behinderten Personen, die auf die IV angewiesen sind, stellt sich die Frage, inwiefern
dieses Vorsorgemodell für diese Menschen
sinnvoll ist. Oder anders gefragt: Ist eine
angemessene und würdige Altersvorsorge
mit diesem Modell für Menschen mit Behinderung gewährleistet? Wenn nämlich Menschen, die Unterstützung von der IV
erhalten, das Pensionsalter erreichen,
erhalten sie die Versicherungsleistungen
nicht mehr von der IV, sondern von der AHV.
Wie sieht die Altersvorsorge
von Menschen mit Behinderungen aus?
Mit diesen und anderen Fragen befasst sich
die versierte Juristin Olga Manfredi in ihrem
Vortrag. Sie kommt zum Schluss, dass Vorsorge zwar möglich ist, für Menschen mit
Behinderung aber weniger positiv ausfällt
als für Menschen ohne Behinderung.
33
Olga Manfredi,
selbst Rollstuhlfahrerin,
weiss genau mit welchen
Problemen Behinderte
konfrontiert sind.
Warum ist das so? Nach Olga Manfredi
haben Menschen, die ihren Lebensunterhalt über IV-Renten bestreiten, im Prinzip
dieselben Möglichkeiten, in die drei Vorsorgesäulen einzubezahlen wie Menschen ohne Behinderung. Allerdings
gestaltet sich dies für Menschen mit
Behinderung ungleich schwieriger.
Grundsätzlich liegt das daran, dass ihnen
weniger Geld zur Verfügung steht, das sie
einbezahlen können. Beiträge an die
zweite Säule, in die Pensionskassen, sind
einkommensabhängig. Beiträge in eine
Pensionskasse einzuzahlen ist für Menschen mit Behinderung nur dann möglich,
wenn sie überhaupt ein Einkommen aus
Erwerbstätigkeit beziehen. Recht häufig
ist dies indes bei Menschen mit einer
Behinderung nicht möglich, obwohl es
angestrebt wird. Mit der dritten Säule
dem Privatvermögen - verhält es sich ähnlich. Einbezahlen kann der Betroffene nur,
was er spart. Es handelt sich um einen
finanziellen Überschuss, der aus den Einkünften aus Erwerbstätigkeit resultiert.
Dies ist für Menschen mit Behinderung
beschwerlicher - gelegentlich auch ganz
unmöglich. Vorsorge aus der ersten Säule
- der AHV - ist für Menschen mit Behinderung gewährleistet. Das bedeutet, dass
Menschen, die eine IV Rente beziehen,
beim Erreichen des Pensionsalters nur
einen gesetzlichen Anspruch auf eine AHV
Rente und Ergänzungsleistungen haben.
Die Einnahmen eines Erwerbstätigen
werden in der Regel mit zunehmendem
Alter höher. Je älter ein Mensch wird, je
mehr er verdient, desto mehr kann er in die
drei Vorsorgesäulen einbezahlen. Dies
bedeutet, dass die Rente, die er einst aus
der ersten und zweiten Säule beziehen
wird, mit zunehmendem Alter immer höher
wird. Bei einer Person, welche eine IVRente erhält, ist ein progressiver Anstieg
dieser Leistungen in der Regel nicht möglich. Der Lebensstandard verbessert sich
bei solchen Personen folglich nicht, wenn
sie älter werden. Dies im Gegensatz zum
Grossteil der Bevölkerung. Das heutige
Drei-Säulen-Prinzip sichert also Menschen
ohne Behinderung besser ab als Menschen, die auf eine IV-Rente angewiesen
sind.
Vereinbarkeit mit dem
Behindertengleichstellungsgesetz?
Man kann sich vor dem Hintergrund des
Behindertengleichstellungsgesetztes
fragen, ob Menschen mit Behinderung bezogen auf die Altersvorsorge - Menschen ohne Behinderung tatsächlich
gleichgestellt sind. Das heutige Vorsorgemodell ist auf Menschen zugeschnitten,
die ohne Behinderung leben. Behinderte
Menschen, die auf die IV angewiesen sind,
haben mit dem heutigen Modell praktisch
keine Möglichkeiten selbstständig etwas
für ihre Altersvorsorge zu tun. Dies ist sehr
bedauerlich. Hier dürfte noch grosser
Handlungsbedarf gegeben sein. Das Behindertengleichstellungsgesetz gilt für alle
Alterskategorien und alle Menschen, die
hier leben.
Ein möglicher Weg könnte darin bestehen,
dass Behindertenorganisationen vermehrt
mit Vereinigungen, die sich den Anliegen
älterer Menschen annehmen, zusammenarbeiten, Erfahrungen austauschen, um dann
auf dieser Basis gemeinsam wirkungsvolle
Kampagnen zu lancieren.
Besinnliche Gehörlosen-Weihnachtsfeier im verschneiten Appenzell
Amtseinsetzung von Andrea Leupp-Meierhofer durch Martin Schmidt.
Text und Bilder: Pascal Kaiser
Es ist der vierte Advent im Dezember 2009.
Wieder ist ein Jahr vorbei. Die Feiertage
stehen vor der Tür, und dieses Jahr hat es
schon früh geschneit. Wie jedes Jahr findet
auch heuer wieder der ökumenische Weihnachtsgottesdienst der evangelischen
Gehörlosengemeinde Ostschweiz statt.
Dieses Jahr in der evangelischen Kirche in
Trogen im Kanton Appenzell.
Die Gemeindemitglieder und zahlreichen
Gäste treffen sich zum grossen Teil schon
am Hauptbahnhof von St. Gallen, um mit
dem Zug nach Trogen zu gelangen. Die
Fahrt mit dem Trogenerbähnli führt an
einem herrlichen Wintermorgen von St.
Gallen durch verschneite Landschaften in
den Kanton Appenzell Auserrhoden und
schliesslich nach Trogen hinauf.
Der Adventsgottesdienst ist in diesem Jahr
besonders belebend. Denn während der
Messe findet die Amtseinsetzung von Pfar-
rerin Andrea Leupp-Meierhofer statt. Rund
120 Personen nehmen am Gottesdienst teil,
welcher von Dorothee Buschor, Martin
Schmidt, Andrea Leupp-Meierhofer, Adolf
Locher
und
Inge
Scheiber-Sengl
gemeinsam gestaltet wird. Die Offenheit
der Predigt und die Leidenschaft des
Gebärdengospelchors - welcher zahlreiche
Weihnachtslieder vorträgt - lässt im ganzen
Saal Weihnachtsstimmung aufkommen.
Der Grundgedanke der diesjährigen Predigt
befasst sich mit den Motiven „Anfangen
und Neuanfangen“. Dorothee Buschor
beginnt den Gottesdienst, und schildert
was neu anfangen bedeuten kann. “Neuanfängen begegnen wir zum Beispiel an einer
neuen Arbeitsstelle, an einer neuen Schule
oder allgemeiner in Situationen, in denen
wir Menschen neu kennenlernen. Auch der
Tod ist ein Neuanfang. Ein Neuanfang im
Jenseits für den Menschen, der weggeht.
Aber auch ein Neuanfang für die
Angehörigen, die einen geliebten Menschen verloren haben, und in dieser Welt
zurückbleiben. Schliesslich ist auch Weihnachten ein Neuanfang. Ein Neuanfang,
den Gott den Menschen möglich gemacht
hat und immer wieder möglich macht.”
Feierliche Amtseinsetzung
Nach den einleitenden Worten von Dorothee Buschor findet die Amtseinsetzung
von Andrea Leupp-Meierhofer durch Martin
Schmidt statt.
Nach der formellen - aber nichtsdestoweniger herzlichen und feierlichen - Amtseinsetzung fährt Andrea Leupp-Meierhofer mit
der Predigt fort. Sie beginnt mit den
Gebärden „Anfangen“, „Beginnen“ und
„Sterben“. “Was hat Anfangen mit unserem
Leben zu tun? Unser Leben hat ja schon vor
einer Weile begonnen - Wir beginnen aber
immer wieder neu. Eine neue Arbeit, Menschen die aufs Neue zueinander finden
oder aber auch Neujahr. Unser Leben
35
Andrea Leupp-Meierhofer.
besteht aus Neuanfängen. Dazu gehören
auch weniger schöne Anfänge wie der Verlust des Arbeitsplatzes, ein Unfall oder
sogar der Tod eines geliebten Menschen.”
Sie erläutert, dass beide Arten von
Anfängen Neuanfänge seien, die zu
unserem Leben gehörten und dieses Leben
mitprägten.
Andrea Leupp-Meierhofer erklärt, dass
unser ganzes Tun, Denken und Fühlen
immer wieder ein Neuanfangen sei. “Wenn
wir unser Leben als Anfangen erkennen,
dann sind wir reich an Chancen und an
Möglichkeiten. Jeder Moment gibt uns die
Möglichkeit, anders miteinander umzu-
Inge Scheiber-Sengel mit dem Gebärdenpospelchor.
gehen. Das Leben ist so, wie wir es durch
unser
Handeln
und
Neuanfangen
gestalten.”
Schliesslich nimmt Andrea Leupp-Meierhofer Bezug auf Psalm 23 (den Hirtenpsalm) aus dem Alten Testament. Er
beginnt mit den Worten „Der Herr ist mein
Hirte“. Sie erklärt, dass man sich Gott als
guten Hirten vergegenwärtigen könne.
“Gott möchte mit den Menschen jeden Tag
neu anfangen. Jeden Tag aufs Neue einen
Neubeginn versuchen.”
Der Gottesdienst wird vom lebensfrohen,
siebenköpfigen
Gebärdengospelchor
begleitet, der von Inge Scheiber-Sengel
dirigiert wird. Es werden während des Gottesdiensts Weihnachtslieder im Gospel-Stil
vorgetragen. Unter anderem „Go tell it on
the mountains“ und „Glory to the new born
king“.
Nach dem feierlichen Gottesdienst - mit der
Amtseinsetzung von Andrea Leupp-Meierhofer - findet ein ausgezeichnetes Weihnachtsessen im “Haus Vorderdorf ” im winterlichen Trogen statt. Die folgenden Bilder
geben das gemütliche Beisammensein vom
20. Dezember 2009 wieder.
Impressionen von den Weihnachtsfeierlichkeiten im Haus Vorderdorf
Ilir Selmanaj, Quästor im sonos-Vorstand, und Walter Spengler, der 50
Jahre lang den Gehörlosenfürsorgeverein Thurgau präsidiert hat.
Anregende Gespräche in feierlicher Atmosphäre.
Gemütliches Beisammensein.
Bruno Schlegel, sonos-Präsident.
Alle geniessen das stimmungs
volle Zusammensein.
37
Kirchliche Veran
Katholische Gehörlosengemeinden
REGION AARGAU
Kath. Gehörlosenseelsorge im Kt. Aargau
Theaterplatz 1, 5400 Baden
Peter Schmitz-Hübsch
Gehörlosenseelsorger
Tel.
056 222 13 37
Fax
056 222 30 57
E-Mail peter.schmitzhuebsch@gehoerlosenseelsorgeag.ch
www.gehoerlosenseelsorgeag.ch
Sonntag, 26. Dezember 2010, 14.30 Uhr
Ökumenischer Treffpunkt „Stephanstag“
mit Gottesdienst und Imbiss in der
Gehörlosenkirche Zürich-Oerlikon
Anregende Gespräche in feierlicher Atmosphäre.
REGION ZÜRICH
Katholische Gehörlosenseelsorge Kt. Zürich
Beckenhofstrasse 16, 8006 Zürich
Telescrit 044 360 51 51
Tel.
044 360 51 51
Fax
044 360 51 52
E-Mail
info@gehoerlosenseelsorgezh.ch
www.gehoerlosenseelsorgezh.ch
Samstag, 18. Dezember 2010, 18.30 Uhr
Ökumenischer Adventsgottesdienst mit
Mimenchor in der Augustinerkirche
Zürich mit anschliessendem Umtrunk
Sonntag, 26. Dezember 2010, 14.30 Uhr
Ökumenischer Treffpunkt „Stephanstag“
mit Gottesdienst und Imbiss in der
Gehörlosenkirche Zürich-Oerlikon
REGION BASEL
Katholische Hörbehindertenseelsorge KHS
Basel, Häslirain 31, 4147 Aesch BL
Tel.
061 751 35 00
Fax
061 751 35 02
E-Mail
khs.rk@bluewin.ch
Alle geniessen das stimmungsvolle Zusammensein.
Sonntag, 5. Dezember 2010, 14.30 Uhr
Wir treffen uns zur Advents- und Weihnachtsfeier mit dem Gehörlosen-Fürsorgeverein der Region Basel in der ref.
Kirche von Dornach.
Wir alle freuen uns auf Sie.
Pfarrer Kuhn und Mitarbeiter / innen
anstaltungen
REGION ST.GALLEN
Katholische Gehörlosenseelsorge
des Bistums St.Gallen
Klosterhof 6b, 9001 St.Gallen
Dorothee Buschor Brunner
Gehörlosenseelsorgerin
Tel.
071 227 34 61
Fax
071 227 33 41
E-Mail gehoerlosenseelsorge@bistum-stgallen.ch
www.gehoerlosenseelsorge-sg.ch
GEHÖERLOSENGEMEINDE
ST.GALLEN - APPENZELL - GLARUS - THURGAU - GRAUBÜNDEN - SCHAFFHAUSEN
Pfarrer Achim Menges,
oberer Graben 31, 9000 St.Gallen
Tel.
071 227 05 70
Fax
071 227 05 79
SMS/Mobile
079 235 36 48
E-Mail gehoerlosenseelsorge@ref-sg.ch
www.gehoerlosenseelsorge.ch
Sonntag, 19. Dezember 2010, 10.45 Uhr
Ökumenischer Weihnachtsgottesdienst im
evangelischen Kirchgemeindehaus
St. Mangen. Anschliessend gemeinsames
Mittagessen
Sonntag, 5. Dezember 2010, 9.40 Uhr
Adventsgottesdienst für Gehörlose und
Hörende in Wattwil in der Evang. Kirche
Wattwil
anschliessend Mittagessen
im Hotel Löwen
Evangelische Gehörlosengemeinden
Sonntag, 12. Dezember 2010, 11.30 Uhr
Ökumenischer Advents-Gottesdienst der
Gehörlosengemeinde Thurgau
Weinfelden, evang. Kirche
REGION ZüRICH
Ref. Pfarramt für Gehörlose Zürich
Oerlikonerstr. 98, 8057 Zürich
Ref. Gehörlosengemeinde des Kt. Zürich
E-Mail: gehoerlosenpfarramt.zh@ref.ch,
Fax
044 311 90 89
Pfrn. Antje Warmbrunn
Natel: 079 263 85 91
E-Mail: antje.warmbrunn@zh.ref.ch
Sonntag, 5. Dezember 2010, 14.30 Uhr
Ref. Adventsgottesdienst m. Abendmahl
Ref. Kirche Rüschlikon
Sonntag, 12. Dezember 2010, 13.45 Uhr
Kulturkino, ökum. Gehörlosentreffpunkt
Gehörlosenkirche Zürich-Oerlikon
Samstag, 18. Dezember 2010, 18.30 Uhr
Ökum. Adventsgottesdienst
mit Zürcher Mimenchor
Augustinerkirche Zürich
Freitag, 24. Dezember 2010, ab 16.00 Uhr
„Offene Türe am Heiligen Abend“
Gehörlosenkirche Zürich
Sonntag, 26. Dezember 2010, 14.30 Uhr
Ökum. Gottesdienst
Gehörlosenkirche Zürich
Sonntag, 19. Dezember 2010, 10.45 Uhr
Ökumenischer Weihnachtsgottesdienst
der Gehörlosengemeinde Ostschweiz
zum 4. Advent
Evang. Kirchgemeindehaus St. Mangen,
St. Gallen
Sonntag, 26. Dezember 2010, 14.15 Uhr
Ökumenischer Weihnachtsgottesdienst
der Gehörlosengemeinde am
Stephanstag in der Regulakirche Chur
REFORMIERTES GEHÖRLOSENPFARRAMT
DER NORDWESTSCHWEIZ
Sonntag, 19. Dezember 14.30 Uhr
Ökumenische Adventsfeier der
Aargauer Gehörlosengemeinden in
der reformierten Kirche in Zofingen
REGION BERN, JURA
Ref.-Kirchen Bern-Jura-Solothurn
Bereich Sozial-Diakonie
Schwarztorstrasse 20; Postfach 5461
3001 Bern, Tel. 031 385 17 17
E-Mail: isabelle.strauss@refbejuso.ch
Freitag, 10. Dezember 2010, 18.00 Uhr
Gottesdienst zum Menschenrechtstag
Bern, christkatholische Kirche St. Peter
und Paul, Rathausgasse
mit Vorbereitungsteam,
Diakon Andreas Fankhauser und
Dolmetscherin
Sonntag, 12. Dezember 2010, 14.00 Uhr
Adventsfeier pro audito
Bern, Schosshalde,
Schosshaldenstrasse 43
Diakon Andreas Fankhauser und
Christoph Künzler
Montag, 20. Dezember 2010, 14.00 Uhr
Belp, Atelier Triebwerk
mit Pfarrerin Susanne Bieler
Samstag, 25. Dezember 2010, 14.00 Uhr
Weihnachtsgottesdienst mit Abendmahl
Bern, Petruskirche, Brunnadernstrasse 40
mit Pfarrerin Susanne Bieler,
Doris De Giorgi und
Gongspieler Hans Ries
Pfr. Anita Kohler
Friedenssrasse 14, 4144 Arlesheim
Tel./Fax 061 701 22 45
Natel:
079 763 43 29
E-Mail: anita.kohler@ref-aargau.ch
anita.kohler@gmx.ch
Sonntag, 5. Dezember, 14.30 Uhr
Ökumenische Adventsfeier der
Basler Gehörlosengemeinden in der
reformierten Kirche in Dornach
Sonntag, 12. Dezember, 14.30 Uhr
Adventsfeier der Baselbieter
Gehörlosengemeinde in der
reformierten Kirche in Sissach
39
100
1911 - 2011
Jahre
im Einsatz für Gehörlose und
Schwerhörige!
Gemeinsam in die Zukunft
Eine Denkwerkstatt zum 100-jährigen Jubiläum von sonos vom 1. und 2. April 2011
im Seehotel Sternen in Horw/LU
sonos nimmt seinen runden Geburtstag zum Anlass,
zusammen mit seinen Mitgliedorganisationen und Gästen
aus der Selbsthilfe seine zukünftige Tätigkeit zu
gestalten.
Was braucht es, damit gehörlosen und hörbehinderten
Menschen mit oder trotz veränderter Rahmenbedingungen eine hohe Lebensqualität möglich ist? Welche
Beiträge können sonos und seine Mitgliedorganisationen
dazu leisten?
Nach zwei Inputs zu erwartbaren Trends in den kommenden Jahrzehnten, und einer lustvollen Begegnung mit
der Vielfalt im ganzen Bereich mit theatralischer Mittel,
lassen wir uns anregen von praxisnahen Zukunftsideen
und entwickeln daraus erste Leitlinien.
Beispiele innovativer Projekte und Dienstleistungen
unterstützen uns am zweiten Tag beim Entwickeln einer
Zukunftsvision. Dazwischen sind genügend Freiräume für
Begegnungen und Gespräche in ansprechender Umgebung am wünderschönen Vierwaldstättersee eingeplant.
Weitere Infos finden sich unter www.sonos-info.ch
Antworttalon bitte vollständig ausgefüllt senden, mailen oder faxen an:
sonos, Feldeggstrasse 69, Postfach 1332, 8032 Zürich, info@sonos-info.ch, Fax 044 421 40 12
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Anmeldung zur Denkwerkstatt vom Freitag, 1. und Samstag, 2. April 2011 in Horw
Institution:
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Strasse/Nr.: _________________________________________PLZ/Ort: __________________________________________
Name TeilnehmerInnen:
_______________________________________________________________________________
❏ Ich/Wir möchte(n) übernachten: Anzahl Personen: _________
❏ Ich/Wir benötige(n) GebärdensprachdolmetscherInnen
Ich/Wir benötige(n) ❏ Einzelzimmer ❏ Doppelzimmer
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Seele and Geist
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