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Jahresbericht 2011 der PwC-Stiftung - PriceWaterhouseCoopers AG

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Was macht Kultur
für viele interessant?
Jahresbericht 2011
Weitersagen macht Kultur
für viele interessant
Kreativ, engagiert und mit Elan: Was die jungen Protagonisten der kulturellen Jugendbildung zeigen, kann sich sehen
lassen. Nachhaltige Wirkung in der Breite zu schaffen, ist schon schwieriger. Wo das gelingt, ist immer gut organisierte Kommunikation im Spiel – am besten zwischen möglichst vielen Akteuren, vom Museum über den Träger und die Schule bis zur
Stadt­verwaltung. Vor allem aber über das eigene Projekt hinaus. Damit möglichst viele von guten Konzepten profitieren.
Start
16
22
8
Inhalt
Start
Projektleben
Das Förderjahr 2011 in Bildern5
Grußwort PwC6
Vorwort Stiftungsvorstand7
Ehren-amtliche Kulturbildung
Mit den Nürnberger Kulturfreunden legt ein
­Vorhaben das Augenmerk auf ausgebildete
­Ehrenamtliche.
18
Fahrenheit 451 aus Samarkand
Bei der Radiopoesie von Radio Corax wird klar:
Literatur braucht nicht nur Tinte.
20
Schwerpunkt
Gezielter Austausch beflügelt8
Stiftungen wie unsere können Anstöße geben
– dann braucht es geeignete Strukturen, damit
daraus mehr wird. Beispiele gibt es einige:
Baustein sinnvoller Bildungspolitik: BremenGröpelingen macht „Kultur vor Ort“.
Vom Markt-Platz zum Mach-Platz: Bambergs
KulturService wird noch nachhaltiger.
Kulturort mit Power: „Lernort Albertinum“
­praktiziert neue Museumspädagogik.
Forscher als Blaupause: Die Verbindung
von Mathe und Ästhetik setzt auf bewährte
­Netzwerkstrukturen.
Gastbeitrag
Kooperation: Perspektive mit Potenzial
Prof. Dr. Eckhard Liebau zu Nachhaltigkeits­
bedingungen ­kultureller Jugendbildung
16
Bewegung für die Kinder Mannheims
Tanztheater mitentwickeln – und auch selbst
­präsentieren, das macht der Schnawwl möglich. 22
Zahlen und Fakten
Landkarte Kultureller Bildung
Kurzporträts der Förderprojekte 2011 nach
­regionaler Verteilung
24
Die Stiftung in Zahlen26
Vermögensnachweis29
Gremien31
Impressum31
Start
Einblicke 2011
Das Projektjahr in Bildbeispielen
Netzwerk frühkindliche kulturelle Bildung (o.l.) | Matheforscher (o.r.) |
Schnawwl Mannheim | Kultur.Forscher! (u.l.) | abc gröpelingen
Start
Grußwort
Nachhaltig
begeistern
Norbert
Winkeljohann,
­Vorstandssprecher
von PwC und
­Vorsitzender des
Stiftungsrats
6
Kulturelle Bildung kann spektakulär sein: Wenn hunderte Schüler zweier unterschiedlicher Schulen unter
professioneller Anleitung innerhalb von drei Tagen
eine spektakuläre Hip-Hop-Bühnenshow zusammenstellen, sind auch die Eltern unter den Zuschauern
kaum zu bremsen. Bei solchen von unserer Stiftung
geförderten „Crossover“-Workshops mit dem Hamburger Rapper Samy DeLuxe spürt jeder die Kraft der
Emotionen.
Kulturelle Bildung muss aber nicht immer so
auffällig sein, sie kann auch leise begeistern. Die
Beschäftigung mit einer Brachfläche eines Bremer
Stadtteils wirkt auf den ersten Blick nicht spektakulär.
Erfahren Kinder und Jugendliche dadurch aber etwas
über Geschichte und Zukunft des Viertels und setzen
sich künstlerisch damit auseinander, dann veranschaulicht dies sehr plastisch ihren „Mut zur Lücke“.
Und jedem wird deutlich, dass jede Lücke auch Chancen bietet. Wenn man sie nutzt.
Zwei Beispiele, die auf den ersten Blick zeigen,
welche Bandbreite die Projekte der PwC-Stiftung
haben. Zwei Beispiele, die auf den zweiten Blick aber
deutlich machen, was der Stiftung und auch uns
wichtig ist: Wir unterstützen Vorhaben, die jungen
Menschen bewusst machen, wie wichtig Kulturerfahrungen für ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung
sind.
Denn was unter dem Eindruck eines großen Bühnenevents zunächst etwas untergehen mag: Wichtig
ist die gemeinsame Zeit, die kreativ genutzt wird:
Drei Tage intensive Arbeit für ein großes Projekt
schweißen zusammen. Drei Tage intensive Übung
machen bewusst, wie wichtig punktgenaue Konzentration ist. Daher ist es kein Wunder, wenn sowohl
beim Crossover-Projekt als auch beim Vorläufer, den
Shows mit den Young Americans, Schüler und Lehrer übereinstimmend berichten, wie nachhaltig sich
das Klima an der Schule verbessert hat. Die Workshop-Impulse wirken über die Abend-Show hinaus,
bauen Hemmschwellen ab und Brücken auf, fördern
gegenseitiges Verständnis und Toleranz.
„Mut zur Lücke“ und die anderen meist kleineren Angebote im Bremer Brennpunkt-Stadtteil, die
zum Gesamtprojekt des „art basic center Gröpelingen“ gehören, sind keine unzusammenhängenden
Einzelveranstaltungen, sondern sie sind eingebettet
in ein klares, langfristig angelegtes Stadtteilentwicklungskonzept. Auf diese Weise ist eine nachhaltige Wirkung der von uns unterstützten Angebote
gesichert. Oft bilden auch Kooperationen zwischen
Kulturinstitutionen und Schulen den Schwerpunkt
solcher von unserer Stiftung geförderten Vorhaben.
So wird Kultur zum Teil des (Schul-)Alltags. Ein weiteres Beispiel ist das Elsa-Brändström-Gymnasium
in München: Sie war unter den ersten Schulen beim
Kultur.Forscher!-Programm der Stiftung und setzt
das Programm jetzt eigenständig fort.
Auf welche Weise Kultur Eingang ins Leben
junger Menschen findet, ist unerheblich. Entscheidend ist, dass die Kultur dort möglichst langfristig
ihre persönlichkeitsbildende Wirkung entfaltet. Das
schaffen die Projekte der Stiftung. Denn so unterschiedlich sie im Einzelnen sein mögen, eines haben
sie gemeinsam: Sie begeistern nachhaltig.
Start
Vorwort
Blaupausen für die
Kulturelle Bildung
Prof. Rolf
­Windmöller, Evelin
Manteuffel, Dr.
Burkhard Hense
(v.l.), Vorstand
der PwC-Stiftung
Jugend-BildungKultur
Schlichtes Abkupfern hat keine kreative Kraft, nicht
umsonst sind Plagiate so unbeliebt. Ganz anders
sieht es dagegen mit intelligentem Kopieren aus: Hier
wird Bewährtes übernommen, Neues ausprobiert,
manches verworfen und anderes angepasst weiterverwendet, wenn es sich auszahlt. Nichts anderes macht
die Natur bei der Evolution. Nichts anderes läuft bei
profanen Produktentwicklungen. Nichts anderes ist
auch bei unseren Programmen und unserer Stiftungsarbeit geschehen.
Eines der Beispiele für derart evolutionäres Kopieren ist unser Eigenprogramm Kultur.Forscher!, das
im Berichtsjahr die zweite Stufe gezündet hat – hier
arbeiten nun neue Schulen mit außerschulischen
Kulturpartnern zusammen. Aber das Grundkonzept
ist dasselbe: Entdeckendes Lernen und ästhetische
Bildung gehen Hand in Hand, professionelle Kulturmanager begleiten drei Jahre lang die Netzwerke und
sichern den Austausch. Gleichzeitig kennen sie den
bisherigen Verlauf des Projekts und achten ebenso
wie unsere Partnerin, die Deutsche Kinder- und
Jugendstiftung, darauf, dass dieselben Fehler nicht
noch einmal gemacht werden. Wir wollen ja, dass es
noch besser gelingt, ästhetische Bildung in den Schulalltag zu integrieren. Am besten
auch fächerübergreifend.
Das Muster der ­
Kul­tur.Forscher! stand Pate
bei den Mathe.Forschern,
denen es darum geht, den
scheinbar trockenen Stoff
der Zahlenwelt
plastischer
und
inter-
essanter zu machen – und dabei gleichzeitig die
Kulturelle Bildung nach vorn zu bringen. Wieder die
Art von intelligenter Kopie, die Entwicklungsschübe
mit sich bringt. Auch die Mathe.Forscher werden
weitergehen – mit uns und unter Mitwirkung eines
neuen Stiftungspartners, der unser Konzept als
Blaupause übernimmt.
Nachhaltige, vernetzte Kulturelle Bildung muss
auf solche Blaupausen setzen. Denn nur so gelingt
es, die persönlichkeitsstärkenden Effekte Kultureller
Bildung möglichst vielen jungen Menschen zugänglich zu machen. Weitersagen ist also die Devise.
Dies gilt auch schon auf der Ebene der einzelnen
Projekte. Es hat sich inzwischen natürlich herumgesprochen, dass die sinnvolle Vernetzung aller
Beteiligten der erste Schritt zu einem erfolgreichen,
nachhaltigen Jugendkulturprojekt ist. Im Schwerpunktteil dieses Berichts haben wir einige Beispiele für regen Austausch zusammengetragen – sie
reichen vom eigens neu aufgelegten museumspädagogischen Konzept bis zur Einbindung in Stadtentwicklungsprogramme.
Wenn solche Modellprojekte Schule machen,
dann ist die Chance groß, dass schöne Beispiele Kultureller Bildung nicht versickern, sondern Basis werden für die nachhaltige Förderung breiter Schichten.
Noch besser wäre es dann, wenn auch Schulen
solche Modellprojekte machten. Dann käme bald
kein Kind mehr an Kultureller
Bildung vorbei.
Schwerpunkt
Gezielter
­Austausch
beflügelt
Freude an der Entdeckung von Kunst und Kultur zu wecken, ist das eine – dafür zu sorgen,
dass sie nachhaltig verändern und über sich selbst hinauswirken, das andere. In den Projekten der Stiftung gibt es gleich mehrere „Rezepte“ zu entdecken.
I
ch fand das Gehfühlsspiel toll.“ Max ist – wie
seine Mitschüler aus der Dresdner Grundschulklasse – begeistert vom Besuch im Albertinum.
Erfahren er und seine Mitstreiter doch, dass Bilder
und Skulpturen von Künstlern wie Carl Lohse, Auguste Rodin oder Edgar Degas gar keine toten Abbilder
sind. Nein, sie entpuppen sich als lebendige Anleitung, auf die Suche nach dem zu gehen, was die jungen Besucher mit den alten Meisterwerken verbindet.
Kunstpädagogische Projekte mit ähnlichen
Wirkungen gibt es natürlich viele im Land und sie
beschränken sich nicht auf Museen. Überall wird
mit Hingabe daran gearbeitet, Kinder und Jugendliche mit Spaß und großem Sachverstand an Kunst
und Kultur heranzuführen. Das klappt sehr oft sehr
gut. Ebenso oft bleiben solche Angebote bunte, aber
vereinzelte Strohfeuer, nach denen nicht mehr viel
kommt.
Die PwC-Stiftung achtet daher nicht nur darauf,
was angeboten wird, sondern wie diese Angebote
Kultureller Bildung organisiert sind. „Eine gezielte und intensiv betreute Vernetzung der zentralen
Beteiligten, zum Beispiel Schulen, Kulturstätten und
externe Kulturpartner, ist ganz wichtig. Das hat unsere Potenzialstudie Jugendkultur vor einigen Jahren
ergeben, und in unserem Programm Kultur.Forscher!
sehen wir, dass das auch funktioniert“, sagt Dr. Heike
Riesling-Schärfe, Geschäftsführerin der Stiftung. So
lasse sich ästhetische Bildung etwa in den Schulalltag
verankern und dann entfalte sie auch ihre nachhal-
tigste Wirkung. Kein Wunder also, dass ein ähnlich
konstruiertes Projekt – die Mathe.Forscher – nach
der ersten Phase mit der PwC-Stiftung für die zweite
Phase schnell einen weiteren potenten Stifter finden
konnte.
Doch der Kultur.Forscher!-Ansatz ist nicht der
einzige, der funktioniert. Denn ist Kulturelle Bildung
kein isoliertes Projektbündel, sondern eingebunden
etwa in ein schlüssiges Stadtentwicklungskonzept,
bei dem die Partner vor Ort gut zusammenarbeiten,
so kann gerade ein strukturschwacher Stadtteil profitieren, wie sich in Bremen-Gröpelingen zeigt.
Dass wiederum nicht nur Max, der junge Dresdner, vom Museumsbesuch viel mitnehmen wird,
sondern auch seine Klassenkameraden und viele
weitere Dresdner Schüler, liegt daran, dass das Albertinum sich konsequent als Lernort definiert, der
gezielt externe Experten einbindet.
Es gibt also eine Reihe von Beispielen für Kulturelle Bildungsansätze, die nachhaltig wirken. Gehen
wir auf Entdeckungsreise.
9
Schwerpunkt
Beispiel 1
Baustein
­sinnvoller
Bildungspolitik
Strukturschwache Großstadtbezirke gibt es viele. Gut,
wenn dann funktionierende Stadtentwicklungskonzepte
gegensteuern, noch besser, wenn es Ansätze sind,
die auf ­Kulturelle Bildung bauen.
Das „art basic center Gröpelingen“ passt genau dazu.
B
remen-Gröpelingen teilt das Schicksal so
manchen Großstadtviertels: Vor der Industriealisierung Ausflugsziel und Sommerresidenz des
Bürgertums vor den Toren der Kernstadt, dann Wandlung in ein klassisches, auch selbstbewusstes Arbeiterviertel, eng verbunden mit dem nahen Arbeitgeber – in
diesem Fall der AG „Weser“, einer Großwerft. Nach
dem Krieg war dieser Teil des Bremer Westens ein
lokales Zentrum des prosperierenden Wirtschaftswunders, dann traf jedoch die Schiffbaukrise den Stadtteil
schwer, machte aus ihm das, was manche Problemviertel nennen. Mit den bekannten Begleiterscheinungen
wie hohem Mi­grantenanteil und Arbeitslosenquote,
letztere liegt in den Kerngebieten des Stadtteils um
die 30 Prozent. Da bleibt wenig Geld für Kunst und
Kultur – und es ist leicht vorstellbar, dass sich unter
diesen Umständen auch nur wenig Sinn für den Segen
Kultureller Bildung ausprägen mag.
Und doch findet gerade hier „Kultur vor Ort“ statt.
So heißt ein Verein, der bereits vor rund zehn Jahren
erkannte, dass auch Kunst und Kultur einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Stadtteilgesellschaft
leisten können. Die Liste der Partner und Unterstützer
10
zeigt, wie breit verzahnt die Initiative inzwischen
ist, reicht diese Liste doch von den örtlichen Schulen
und mehreren Künstlerinitiativen bis hin zu örtlichen
Unternehmen. „Kultur vor Ort“ wurde denn auch vom
Bremer Wirtschaftssenator mit dem Stadtteilmarketing
betraut. Marketing und bürgerschaftliches Engagement treffen auf eine engagierte regionale Bildungspolitik, nutzt doch der Stadtstaat unter anderem das
Programm „Lernen vor Ort“ des Bundesbildungsministeriums, um die Bildungsbeteiligung zu erhöhen – und
widmet sich dabei vor allem dem Stadtteil Gröpelingen. „Lokales Bildungsmanagement“ will die kulturelle
und non-formale Bildung in die lokalen Bildungsstrukturen integrieren, konkret unter anderem durch ein
neues Quartiersbildungszentrum, das Mitte 2012 fertig
sein soll und in dessen Planungen die lokalen Akteure
natürlich eingebunden wurden.
Mit dabei: Das „art basic center gröpelingen“, ein
von der PwC-Stiftung geförderter Verbund aus Partnern, mit dem „Kultur vor Ort“ die Kulturelle Bildung
im Stadtteil nach vorn bringt. Eine Zusammenarbeit,
die nicht nur administrativ-abstrakt ist, sondern ganz
konkret bis in die einzelnen Angebote reicht – wie bei
Schwerpunkt
Beispiel 2
„Haben Ritter Bücher?“, einem Angebot
für Vorschulkinder, bei dem die Stadtteilbibliothek einen im Wortsinn gewichtigen
Beitrag leistete. „Als Andreas Gebauer,
Leiter der Stadtteilbibliothek West, ein
mittelalterliches Original mitbrachte,
waren die Kinder sehr beeindruckt – denn
ein Buch, das mit 14 Kilo fast halb so
schwer ist wie sie selbst, damit hätten
sie nicht gerechnet“, berichtet Christiane
Gartner, Geschäftsführerin von „Kultur
vor Ort“. „Dass der Einband dann auch
noch aus Holz war und ein Geheimfach
enthielt, begeistert sie dann natürlich
umso mehr.“
Die Angebote Kultureller Bildung in
Gröpelingen wenden sich an Kinder und
Jugendliche aller Altersgruppen und haben immer auch einen sehr lokalen Bezug.
Teils sind sie offen für jeden, teils richten
sie sich gezielt an die örtlichen Kitas und
Schulen. Wie „Mut zur Lücke“. Hier stand
eine stadtteilbekannte Brache Pate für
ein Kunstprojekt, bei dem sich Schüler ab
der 7. Klasse in Kooperation mit bildenden Künstlern mit dem namensgebenden
Leitthema des Angebots auseinandersetzten. Heraus kamen unter anderem die
wandförmige, lebensgroße Plastik eines
weiblichen Körpers mit grünem Herz-TShirt, aber ohne Kopf und Hände, statt
dessen klafften Löcher in der Wand. Diese
Lücken konnten die Ausstellungsbesucher
dann durch die eigenen Köpfe und Hände
wieder mit Leben füllen.
Dass im Stadtteil die noch vorhandenen Lücken Kultureller Bildung mithilfe
des abc gröpelingen ebenso sinnvoll
gefüllt werden können, dafür steht auch
ein Konzept, das die Weiterbildung der
Beteiligten vor Ort in den Kindertagesstätten und Schulen mit einschließt. Aktuell
sind das zum Beispiel Bildungsrundgänge
oder Kurse, die in die informelle Sprachförderung einführen. „Zielgruppe sind neben Eltern vor allem neue Kollegen an den
Gröpelinger Einrichtungen, so wollen wir
das Know-how schnell und breit streuen“,
sagt Christiane Gartner.
Gut möglich, dass dabei auch das neue
Quartiersbildungszentrum eine Rolle
spielt.
Vom MarktPlatz zum
Mach-Platz
Der Kultur- und Schulservice der Stadt Bamberg ist ein
Marktplatz für Kulturelle Bildung. Die Kultur.Klassen
bauen darauf auf – nach den ersten Schritten mit der PwCStiftung setzt die Stadt dieses nachhaltige Konzept fort.
H
ier das Education-Team der Bamberger Symphoniker,
dort der Verein „Geschichte für Alle“. Hier der Zirkus
Giovanni des Don-Bosco-Jugendwerks, dort die Kinderbuchautorin Birgit Sommer – bei den Bamberger „Kulturpädagogischen Tagen“ kommt zusammen, wer zusammenarbeiten will:
Künstler und Kulturschaffende einerseits, kulturinteressierte
Lehrer und Pädagogen andererseits. An solchen Tagen wird der
Kultur- und Schulservice von Stadt und Landkreis besonders
anschaulich – als Börse der Kulturellen Bildung der Region.
Natürlich finden auch an anderen Tagen Suchende und Bietende
über die Dienste des Teams um Nicole Schlosser zueinander,
die in der Stadtverwaltung für den Kultur- und Schulservice
zuständig ist und seit dem Start Anfang 2007 eine ständig weiter
Kunst als Lang­
zeit­engagement:
Mit den Bamberger Kultur.Klassen
– hier bei einer
Präsentation –
baut die Stadt ihr
bisheriges Angebot
gezielt aus.
11
Schwerpunkt
wachsende Datenbank mit Kulturprojekten verwaltet
– aufbereitet für die unterschiedlichsten Anforderungen, die Lehrer nun einmal haben.
2010 hat der Service einen weiteren großen
Entwicklungschritt gemacht. „Kultur.Klassen“ heißt
das Projekt, das die PwC-Stiftung in der Pilotphase
unterstützt. Nicole Schlosser, Leiterin des Kulturund Schulservice: „Während sich die Schulen beim
Kultur- und Schulservice Bamberg für Einzelprojekte
entscheiden, die bis zu vier Unterrichtseinheiten à 90
Minuten umfassen, ist bei den Kultur.Klassen die Zusammenarbeit viel intensiver – hier geht es dauerhaft
um mindestens 20 Unterrichtseinheiten à 90 Minuten pro Klasse und Schuljahr.“ Echte Kulturklassen
werden das dann eben – was natürlich dazu führt,
dass ästhetische Bildung nicht nur in den klassischen
Fächern Musik oder Kunst, sondern auch in Bio oder
Mathe stattfindet. Das Angebot bringt nicht nur die
richtigen Partner längerfristig zusammen, das kleine
Team um Nicole Schlosser sorgt auch dafür, dass man
sich ganz auf die Zusammenarbeit konzentrieren
kann. In einer Art Rundum-Sorglos-Paket kümmern
sich Schlosser und Kollegen auch um Einzelheiten
wie die Abstimmung mit dem Lehrplan oder die Honorarverhandlungen mit den Künstlern, so dass auch
finanziell alles planbar bleibt.
Die Kultur.Klassen kommen an, denn inzwischen
sind von 70 Schulen in Bamberg und dem Landkreis
fast 20 dabei, und Schlosser zieht ein positives Fazit:
„Uns berichten die Lehrer, dass der Einfluss auf den
Schulalltag ungemein positiv ist, sich der Teamzusam-
menhalt stark verbessert hat – und sich mehr Gelegenheiten ergeben, Schülerstärken zu entdecken und
zu fördern bzw. Schülerschwächen auszugleichen.“
Kein Wunder also, dass die Kultur.Klas­­sen auch nach
der Anschubförderung durch die PwC-Stiftung im
September 2012 in den Regelbetrieb gehen. In fast
demselben Umfang wie in der Pilotphase, nämlich mit
23 Klassen und einem Kindergarten. Nicole Schlosser:
„Am Anfang hätte ich das nicht geglaubt“. Der Erfolg
liegt sicher daran, dass das Team für die Kultur.Klassen
sehr lehrernahe, praktikable Hinweise entwickelt hat.
Es liegt aber auch an der Unterstützung durch die
Stadtspitze. Denn, so Schlosser, der für Kultur zuständige Bürgermeister Bambergs, Werner Hipelius, stehe
voll dahinter.
Über mangelnde Resonanz kann man sich in
Bamberg jedenfalls nicht beklagen. Im März 2012
war die Stadt Schauplatz einer vom lokalen KulturService-Team organisierten Tagung zur Kulturellen
Bildung, die sich unter anderem Fragen der Organisation solcher Angebote widmete. Die Veranstaltung
mit bundesweiter Resonanz und Besetzung macht
deutlich, dass Bamberg mit den Kultur.Klassen eine
Art Modellstadt für die schulzentrierte Organisation
Kultureller Bildung mit externen Partnern geworden
ist. Dass aus dem Pilotprojekt der PwC-Stiftung ein
Regelangebot der Kommune wurde, dürfte die Kulturelle Bildung der Region jedenfalls weiter beflügeln.
Neue Blickwinkel
eröffnen: Der Bamberger Schulservice
ist auf dem Weg von
der reinen Vermittlung zwischen
Kulturanbietern
und Schulen zur
nachhaltigen Verankerung Kultureller
Bildung in den
Schulalltag.
12
Schwerpunkt
Beispiel 3
Komische Posen
helfen bilden: Beim
Projekt „Das Ich entdecken“ stellten die
Grundschulkinder
unter anderem die
Posen der Abgebildeten nach - hier
der Skulptur „Die
14-jährige Tänzerin
von Edgar Degas.
Kulturort mit Power
Mit dem „Lernort Albertinum“ beschritt die Museumspädagogik der Dresdner Kulturinstitution neue Wege: Intensivierung der Zusammenarbeit heißt die Devise – mit den
Schülern, mit den Schulen, mit den externen Kulturpartnern.
M
obilisieren konnte das Dresdner Albertinum schon immer – waren doch Kunstgrößen wie Richter oder Baselitz bereit,
ihre Arbeiten zugunsten der Sanierung zu versteigern, die nach den Hochwasserschäden 2002 nötig
geworden war. Das Geld aus den Auktionen scheint
gut angelegt, denn das Albertinum wagte nach der
Bauphase zwischen 2006 und 2010 mehr als einen
nur bautechnischen Neuanfang. Denn der umfasste
nicht nur die Konzeption der Ausstellung, die sich
seit der Neueröffnung auf die Moderne konzentrierte,
sondern ganz bewusst auch die museumspädagogische Ausrichtung.
„Wir wollen mit dem ,Lernort Albertinum‘ strukturelle Bedingungen für die Schulen schaffen, in denen
Kulturelle Bildung gut gedeihen kann“, sagt Koordinatorin Anke Petrasch. So tourt ein Museumsbus
durch die Stadt, um regelmäßigen Kontakt auch für
entferntere Schulen zu ermöglichen. So gibt es ein
reichhaltiges Kursangebot, das gemeinsam mit der
TU Dresden aufgebaut wurde und das den Schulen
eine breite Auswahl bietet. Damit Anforderungen der
Schulen und kulturpädagogischer Ansatz des Albertinums gut miteinander verzahnt sind, arbeiten auch
Lehrer bei der Konzeption der Kurse mit. Noch einen
Schritt weiter geht das Projekt „Das Ich entdecken“,
das schon recht bald nach der Neueröffnung im August 2010 startete. Anke Petrasch: „Ein wichtiger Unterschied zu den anderen Lernort-Vorhaben ist, dass
wir mit festen Partnerschulen intensiver arbeiten, so
können wir die Schüler längerfristig einbinden.“
Allein bei den ersten beiden Projektphasen
machten sechs Dresdner Schulen mit – neben drei
Grundschulen waren das zwei Mittelschulen und ein
Gymnasium. Dabei waren die Schüler ausgesprochen produktiv: In der ersten Aktionsphase mit den
Grundschülern entstanden über 200 Fotografien
und Zeichnungen. Das Engagement kam nicht von
ungefähr, setzte doch das Projektkonzept von „Das
Ich entdecken“ auf die ganz persönlichen Eindrücke
13
Schwerpunkt
Beispiel 4
der Schüler, indem es die Jungen und Mädchen auf
Entdeckungsreise gingen ließ und dafür sorgte, dass
die Schüler sich Gedanken dazu machten, was sie
mit den Kunstwerken der Meister der Moderne zu
tun haben. So stellten sie die Posen von Rosenbauers
Kind auf gelbem Stuhl, Lohses Blauem Jungen oder
der Degas-Plastik „Vierzehnjährige Tänzerin“ nach
und verglichen die abfotografierten Posen mit den
Originalen. Bildhermeneutik nennt sich diese derart
versinnlichte Annäherung an ästhetische Darstellungen. Auch bei den Jugendlichen in der Aktionsphase
zwei ging es darum, sich persönlich und aktiv mit der
Kunst auseinanderzusetzen – ob über die „Augenblickstexte“, die schnell, kreativ, spontan vor Ort in
der Galerie entstanden oder über wohlüberlegt formulierte Briefe an die Porträtierten. Das Albertinum
verließ sich aber bewusst nicht nur auf die eigene
Kompetenz in Sachen ästhetischer Bildung, sondern
baut auf enge Zusammenarbeit mit den Lehrern und
auf externe Partner. Ina Seidel, Theaterpädagogin
an den Landesbühnen Sachsen, erarbeitete über
kreatives Schreiben mit den 13- bis 14-Jährigen eine
Performance im Museum: „Die Idee war, uns zu trauen, eigene Positionen zur Kunst öffentlich zu machen.
Dabei nicht vor lauter Ehrfurcht vor der Kunst zu erstarren, sondern Formen und Ideen auszuprobieren.“
Diese anderen Formen und Ideen kommen auch
bei den Lehrern gut an. Anke Petrasch: „Mich beeindruckt am Prozess am meisten, wie die Beziehung
zu den Lehrern verläuft, die sich hier ungemein
engagieren, mehr noch, inzwischen mit immer mehr
Begeisterung bei der Sache sind.“ Beim Zuschnitt der
Angebote orientiert sich das Albertinum nicht nur
an den Lehrern, es gibt auch einen regen Austausch
mit der Sächsischen Bildungsagentur, wie im Land
die Schulaufsichtsbehörde genannt wird. So ist auch
klar, wie sich die Angebote im Curriculum einordnen
lassen.
Transparent sind im Neubau übrigens nicht nur die
museumspädagogischen Konzepte. Wer ins Museum
tritt, kann auch gleich einen Blick in den verglasten
Raum der Museumspädagogik werfen.
14
Forscher als B
Ganz ähnlich wie die Kultur.Forscher!, das erste
ten auch die Mathe.Forscher mit gut ausgebauten
partnern. Das hat auch die Klaus-Tschira-Stiftung
W
ie oft sitzen die Jungs aus unserer Klasse
eigentlich im Jahr am Computer?“ Anton
wollte es wissen, weil er mit seinen Eltern
darüber diskutiert hatte, was wohl bei den anderen
üblich ist. Seine Frage steuerte Anton im Schulunterricht bei, denn der Zehnjährige ist einer der Matheforscher, die sich an der Bremer Grundschule an der
Gete in die Welt der Zahlen gestürzt haben.
Matheforscher sein – das bedeutet, gedanklich
oder auch tatsächlich auf Expedition zu gehen und
mal spielerisch, mal künstlerisch sich selbst und anderen kreative Zugänge zur Mathematik zu erschließen.
Und eigene Fragen wie Anton aufzuwerfen, das ist
eine Möglichkeit, solche Schritte in die Zahlenwelt zu
machen. Andere wollten wissen, wie viele Stunden
ihres Lebens sie schlafen oder wie viele Kinder der
Schule Werder-Fans sind.
Seit 2010 fördert die PwC-Stiftung das Projekt,
getragen wird es von der Stiftung Rechnen und der
Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Pate stand das
Programm Kultur.Forscher!, das die PwC-Stiftung ins
Leben gerufen hat, um forschendes Lernen im kulturellen Bereich zu ermöglichen. Forschendes Lernen
ist auch das Grundprinzip bei den Matheforschern.
Denn Gleichungen lösen, Zahlen sortieren, Formeln
pauken, das ist für viele Schüler und auch Lehrer
ein eher dröges Feld, die Wege der Vermittlung sind
eingefahren und innovative Ansätze gefragt.
Auf Forschungsreise gehen daher alle Beteiligten:
Lehramtsstudierende der örtlichen Universitäten
gemeinsam mit den Schülern und ihren Lehrern.
Die Akademiker nehmen ihrerseits neue Erfahrungen mit an die Universitäten. Immer wieder gibt es
überregionale Treffen sowie regionale Fortbildungen.
Prozessbegleiterinnen übernehmen die Funktion von
Bindegliedern: Sie organisieren, moderieren und dokumentieren die jeweiligen Aktionen. Julia Eplinius
ist eine von ihnen. Und sie ist im Thema, denn zuvor
hatte sie sich als Prozessbegleiterin bereits bei den
Kulturforschern eingebracht. „Die Phasen von beidem
sind durchaus vergleichbar“, erzählt sie, und dass sie
Schwerpunkt
laupause
Eigenprogramm der PwC-Stiftung, arbeiNetzwerken zwischen Schulen und Kulturüberzeugt, die in die Förderung einsteigt.
auf ähnliche Herausforderungen gestoßen sei,
wobei Mathe bei den Schülern prinzipiell unbeliebter sei als die eher künstlerischen Themen
der Kulturforscher. Daher gelte es zunächst,
die eine oder andere Einstiegshürde zu überwinden. „Auch bei den Matheforschern hat sich
außerdem schnell gezeigt, dass die Offenheit
des Programms einen Rahmen braucht. Deshalb
sind besonders die Einführungsveranstaltungen wichtig, um realistische Erwartungen zu
erreichen.“
Die Unterrichtsergebnisse der Schülerinnen
und Schüler sind sehr unterschiedlich, weil
jede Schulklasse eigene Ideen und Ansätze
verfolgt hat. Sie gehen weit über statistische
Erhebungen hinaus, denn schließlich spielt
ästhetische Bildung ebenfalls eine zentrale
Rolle: In der Auseinandersetzung mit konkreter Kunst sind zahlreiche eigene Kunstwerke
entstanden und die mathematische Auseinandersetzung mit dem Verlauf einer Kugelbahn
mündete in eine Modellbauphase, bei der ein
Treppenhaus zum Forschungslabor wurde.
Und dank Origami, der Kunst des Faltens,
ließen sich beispielsweise Formen und Flächen
erschließen, eingebettet in selbstgeschriebene
Kurzgeschichten. Oder die Schüler setzten sich
im Rahmen eines Fotoauftrages mit der Frage
auseinander, wo eigentlich überall Mathematik
drin ist und wo nicht.
Ihre Erfahrungen und ihr Feedback konnten
alle Projektbeteiligten bei einem Netzwerktreffen auf mehreren Stellwänden festhalten – auch mit Blick darauf, dass es weitere
Matheforscher geben wird: Neben die Förderung der PwC-Stiftung, die in eine zweite
Phase gehen wird, tritt noch in diesem Jahr ein
neuer Durchgang. Dieses Mal allerdings nicht
im Norden, sondern im Süden Deutschlands,
im Rhein-Neckar-Gebiet an Schulen in BadenWürttemberg. Gefördert wird das Projekt dann
Schule gemacht: Wie
beim Vorbild Kultur.
Forscher! setzt auch
Mathe.Forscher auf
entdeckendes Lernen
– das aktiviert und
motiviert selbst ein
vermeintlich dröges
Fachgebiet.
von der Heidelberger Klaus-Tschira-Stiftung,
die zu den größten gemeinnützigen Einrichtungen ihrer Art in Europa gehört.
Und was geben die bisherigen Projektteilnehmer den nächsten Schulen weiter? Zum
Beispiel, nicht zu versuchen, das Projekt als
Einzelkämpfer umzusetzen, sondern von
vornherein den regionalen und überregionalen
Austausch anzustreben. Ein weiterer Ratschlag:
Zuerst gemeinsam Ziele abstimmen, erst dann
starten. Die neuen Matheforscher können
außerdem schon bald auf eine ausführliche
Dokumentation zurückgreifen: Der Münsteraner Professor Martin Stein wird in einem Buch
sämtliche Erfahrungen der bisherigen Projektteilnehmer bündeln.
Der kleine Anton ist übrigens – rein mathematisch – zu einem Ergebnis gekommen. Seiner
Berechnung nach sitzen die acht- bis zehnjährigen Jungs seiner Klasse pro Jahr und im Durchschnitt 147,9-mal am Computer. Wie lange sie
das tun – das wiederum wäre natürlich eine
ganz andere Frage.
15
Gastbeitrag
Kooperation:
Perspektive
mit Potenzial
Gute Planung, echtes Interesse und das Bewusstsein
um Unterschiede zwischen Schule und Kulturinstitution erleichtern Kooperationen. Wo das gelingt,
haben Kunst, Schule und Schüler etwas davon.
Prof. Dr. Eckart
Liebau ist Inhaber
des UNESCO-Lehrstuhls für Kulturelle
Bildung an der Universität ErlangenNürnberg.
Der Text ist eine
Kurzfassung des
Vortrags von ihm
auf der Bamberger
Tagung für Kulturelle Bildung im März
2012.
16
S
ie ist keine einfache Aufgabe, die Verbindung
schulischer und kulturpädagogischer Ansätze.
Denn auch wenn sich Schule und Kulturinstitution in der gemeinsamen Bildungsaufgabe treffen,
da beide wesentlich zu Kulturellen Bildungsprozessen beitragen, gibt es eine Reihe von wesentlichen
Unterschieden. Richtet sich der Schulunterricht
als zentrales Element der formalen Bildung in der
Regel pflichtmäßig und mit verbindlichen Lern- und
Leistungsanforderungen an ein Kollektiv (die „Klasse“), so richten sich Kultureinrichtungen als Teil der
non-formalen Bildung institutionell in der Regel als
freiwilliges Angebot an die Allgemeinheit und damit
an jeden Einzelnen, der dieses Angebot nutzen kann,
wie er will.
Erschwerend kommt hinzu, dass das Verhältnis
zwischen Schule und Kulturinstitution durch eine
doppelte Asymmetrie gekennzeichnet ist. Die Institution „Schule“ kann ihre Aufgaben grundsätzlich in
relativer Autonomie erfüllen, ohne mit außerschulischen kulturellen oder kulturpädagogischen Institutionen kooperieren zu müssen. Andererseits sind
die Schulen mittelbar in höchstem Maße auf Kunst
und Kultur und die entsprechenden Einrichtungen
angewiesen – irgendwo muss die Kultur ja schließlich produziert werden, die dann als Tradition an die
jüngere Generation vermittelt werden soll!
Auch die Kunst- und Kultureinrichtungen haben
traditionell ihre relative Autonomie sehr hochgehalten und sich von direkten Vermittlungsformen oder
gar Kooperationsformen mit Bildungseinrichtungen
distinguiert, also ferngehalten. Das war solange möglich, wie das traditionelle Hochkulturmuster ungebrochen funktionierte. Die Existenzberechtigung von
Kultureinrichtungen beruht heute aber nicht mehr
allein auf ihrem Beitrag zu Kunst und Kultur, sondern
immer auch auf ihrem Beitrag zur Vermittlung von
Kunst und Kultur. Vermittlung ist heute sozusagen
Chefsache – wo das nicht erkannt wird, droht schnell
ein existenzgefährdender Legitimationsverlust.
Manchmal mehr als Vermittlung
Wenn im Rahmen von Kooperationen Künstler oder
Kulturschaffende Kunst oder Kultur nicht nur vermitteln, sondern machen wollen, wenn also das entscheidende Ziel nicht die Bildung, sondern die Kunst selbst
ist, wenn es also darum geht, zu Werken zu kommen, die anders als in der Schule und mit Schülern
nicht entwickelt werden können, dann können neue
Formen von Kunst und Kultur entstehen. Hier sind
die freien Künste selbst das Ziel. Diese künstlerischen
Ziele können nicht erreicht werden, wenn nicht alle
Beteiligten bis an ihre Grenzen gehen. Und deswegen
tun sie es auch. Hier werden die Schüler in die Kunst
integriert und damit selbst zu Künstlern, zu Teilen
künstlerischer Prozesse und künstlerischer Werke.
Diese Konstellation wird indessen auch in Zukunft
eher die Ausnahme als die Regel darstellen. In der
Regel wird es bei den Kooperationen auch in Zukunft
vor allem um Vermittlung gehen.
Kooperation muss man wollen –
und gut planen
Um eine erfolgreiche und tragfähige Kooperationspraxis etablieren zu können, müssen eine Reihe von
Aufgaben gelöst werden. Dazu gehören in der vorbereitenden Phase die Zieldefinition, die Durchführungsplanung sowie die Klärung der Rahmenbedingungen,
sodann in der Durchführungsphase die Sicherung hinreichender Flexibilität in inhaltlicher und organisato-
Gastbeitrag
rischer Hinsicht. Kooperationsprojekte zwischen
Schulen und Kulturinstitutionen können außerdem nur gelingen, wenn die beteiligten Personen auf beiden Seiten miteinander kooperieren
können und wollen. Daher ist ein Mindestmaß
an Anerkennung, wechselseitigem Interesse und
Neugier ebenso notwendig wie ein Mindestmaß
an Humor, Toleranz und Flexibilität. Das lässt
sich nicht verordnen. Aber in allen Projekten
hat sich gezeigt, dass dies eine entscheidende
„conditio sine qua non“ darstellt.
Die Zusammenarbeit in einem Projekt mit
einer großen Anzahl von beteiligten Personen
fordert einen hohen Grad an Kommunikation.
Die räumliche Trennung behindert häufig eine
regelmäßige persönliche Kommunikation,
wodurch diese oft per Telefon oder E-Mail von
statten gehen muss. In allen von uns evaluierten
Projekten hat sich gezeigt, dass der Kommunikations- und Koordinationsbedarf wesentlich
höher war als ursprünglich vermutet.
Positive Erfahrungen
Trotz der durchaus schwierigen Herausforderungen ist meist bei Lehrern, Künstlern und
Kulturschaffenden, vor allem aber auch bei den
Schülern eine hohe Zufriedenheit mit solchen
Projekten festzustellen. Es gelingt alles in allem
recht gut, die Beteiligten auf beiden Seiten für
die gemeinsame Sache zu begeistern und zu
großem inhaltlichem und zeitlichem Engagement anzuregen.
Die Ergebnisse in inhaltlicher, pädagogischer
und sozialer Hinsicht werden von den Beteiligten insgesamt sehr positiv bewertet. Die Lehrer
betonen in den Regel, dass neue inhaltliche
Bereiche für die Schüler erschlossen werden
können, die ihre besondere Qualität durch die
das übliche unterrichtliche Maß weit übersteigende Komplexität der zu bewältigenden
Aufgaben und Situationen gewinnen. Durch
die Projektförmigkeit des Unterrichts werden
gelegentlich auch wirklich andere zeitliche und
soziale Ordnungen als im üblichen Schulalltag möglich. Für die beteiligten Künstler und
Kulturschaffenden sind mit den Schulkooperationen häufig ebenfalls neue Herausforderungen
in inhaltlicher, sozialer und pädagogischer
Hinsicht verbunden, die sie oft, allen Schwierigkeiten zum Trotz, als sehr bereichernd erleben.
Die Kooperation von Schulen und Kulturinstitutionen erscheint vor dem Hintergrund der
Evaluationsergebnisse als eine kaum überbietbare win-win-Situation für alle Beteiligten.
Wenn man es richtig macht: Denn das Gelingen
von Kooperationen zwischen Schule und Kulturinstitution ist an eine Reihe von Bedingungen geknüpft. Dazu gehört an erster Stelle ein
kluger Umgang mit den institutionellen, personellen und finanziellen Ressourcen vor Ort.
Perspektivenwechsel nötig
Wenn man Kulturelle Bildung als Kooperationsaufgabe ernst nimmt, muss ein weiterer
Perspektivenwechsel vollzogen werden. Wir
müssen uns von der Fokussierung des Blicks
auf die Einzelinstitution lösen und endlich
beginnen, konsequent sozialräumlich zu
denken. Wir müssen lernen, die Schule und
die Kulturinstititionen von vornherein als Teil
eines übergreifenden sozialräumlichen Kulturund Bildungszusammenhangs zu denken und
zu konzipieren, also als Knotenpunkte in den
Netzen Kultureller Bildung der Stadt oder der
Region, in die alle öffentlichen und öffentlich
geförderten Bildungsorte verwoben sind: die
Schulen, die Hochschulen und die Museen,
die Theater und die Sportvereine, die Volkshochschulen und die Galerien, die Kinos und
Tanzschulen, die Jugendhäuser, die Musikschulen und die Jugendkunstschulen, die Parks, die
zoologischen und botanischen Gärten etc. Zu
Kultur- und Bildungslandschaften werden wir
freilich erst dann wirklich kommen, wenn die
Menschen die in ihren Stadtteilen oder Regionen vorfindlichen Möglichkeiten der formalen
und der non-formalen Kultur- und Bildungseinrichtungen auch ergreifen und für sich
persönlich fruchtbar machen. Erst wenn Kultur
und Bildung gelebter Alltag werden, werden sie
Heimat.
Beispiel für Kooperation: Bei
„Jump and Run“ entwickeln
Berliner Schüler und Lehrer
in Zusammenarbeit mit
Künstlern und Theaterpädagogen einen neuen Blick auf
das System Schule.
17
Projektleben
Die Ehrenamtlichen vom Zentrum
für Aktive Bürger
sind schon jetzt in
Kindergärten und
Schulen aktiv – als
„Kulturfreunde“
haben sie ihre
Schützlinge und
auch einige Eltern
unter anderem ins
Germanische Nationalmuseum geführt.
Ehren-amtliche
Kulturbildung
Damit in Nürnberg auch sozial benachteiligte Kinder an Kultureller Bildung
teilhaben können, geht nach einer Pilotphase mit den „Kulturfreunden“
ein Projekt an den Start, das auf Ehrenamtliche setzt.
A
llein schaffen es die Lehrer nicht, an die
Eltern kommt man kaum heran, weil viele
mit sich genug zu tun haben und Grundschüler können sich noch nicht selbst mobilisieren. Die
Bildungsprobleme in schwierigen Großstadtvierteln
ähneln sich. In Nürnberg ist es der Südwesten, der als
Brennpunkt gilt. In dem es aber findige Grundschulen
gibt, bei denen die Lehrer neben Mathe und Deutsch
„Sinneslehre“-Stunden einführen, damit Basisfähigkeiten nachgeholt werden können, die oft fehlen.
Von kultureller Teilhabe und ästhetischer Bildung
ganz zu schweigen. Die Georg-Paul-Amberger-Schule
ist so eine findige Grundschule, sie gilt in der Stadt
18
als Vorbild, pflegt auch intensive Verbindungen
zu Kindertheatern. Dennoch wusste der damalige
Schulleiter Werner Bartel um die generellen Defizite
und forderte schon 2009 in einem Interview mit den
Nürnberger Nachrichten eine gezielte vorschulische
Förderung.
Ein paar hundert Meter weiter nördlich, im Kindergarten Olgastraße, hat man damit angefangen.
Obwohl auch dort natürlich die Zeit der Betreuer
begrenzt ist und die Eltern oft eher eine unbekannte
Größe sind, gab es gezielt kulturelle Angebote für
Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Denn hier
und in elf weiteren Kindertageseinrichtungen lief im
Projektleben
Paten über die Stiftung
vergangenen Jahr die Pilotphase für „Kulturfreunde“, ein Projekt, das im Schuljahr 2012/13 durchstarten soll und das von der
PwC-Stiftung unterstützt wird. In der Pilotphase haben die ehrenamtlichen Kulturfreunde im Schnitt vier Kultur-Exkursionen
unternommen, es ging durchs Dürer-Haus, ins Germanische Nationalmuseum, die Kinder warfen einen Blick hinter die Kulissen
des Opernhauses oder gingen in Vorstellungen der Kindertheater
Mummpitz und Rootslöffel, machten Märchenwanderungen oder
hatten Musiker des Philharmonischen Orchesters zu Besuch. Mit
von der Partie waren jeweils sechs bis acht Kinder aus den zwölf
Einrichtungen, alle Besuche waren komplett kostenfrei.
Mit Bedacht waren gerade auch Einrichtungen der Hochkultur dabei, galt es doch, „Schwellen zu überwinden“, wie das Dr.
Uli Glaser ausdrückt. Der ehemalige Kulturamtsleiter ist jetzt
Leiter der städtischen Stabsstelle für bürgerschaftliches Engagement. Zu seinen Aufgaben zählt die enge Zusammenarbeit
mit dem Zentrum Aktiver Bürger, einer bereits seit zehn Jahren
existierenden Nürnberger Institution, die das ehrenamtliche
Engagement in der Stadt fördert und koordiniert. Auch die
ehrenamtlichen Mitarbeiter für die Kulturfreunde werden über
diese Plattform organisiert – und natürlich auch auf ihre Aufgabe
vorbereitet und weitergebildet.
Für die Ehrenamtlichen dürfte es in der Regelphase des
Projekts eine intensive Zeit werden, denn die Verantwortlichen
haben vor, jedem Kindergarten- oder Hortkind in den ausgewählten Einrichtungen den Zugang zur Kultur zu ebnen. 120 Kindertagesstätten und Horte mit Kindern von fünf bis acht Jahren,
also bis hin zu Schülern der ersten Klassen, sind im Fokus der
Organisatoren. Geplant ist aber nicht nur, die „Kulturfreunde“
quantitativ auszubauen, auch qualitativ sind wichtige Schritte
bereits geplant.
So wird das Projekt organisatorisch gezielt mit Akteuren aus
Kultur, Jugendbildung und Kommune vernetzt und der Austausch mit regionalen und überregionalen Akteuren ausgebaut.
Ein weiterer Bausteien ist die wissenschaftliche Evaluation. Uli
Glaser: „Hier hat sich Professor Markus Kosuch von der Georg-Simon-Ohm-Hochschule bereit erklärt, mit uns zusammenzuarbeiten.“ Ein Fachbeirat begleitet die Kulturfreunde, der Austausch
über die Ehrenamtlichen sichert deren Erfahrungswissen und die
Weitergabe an neue Kulturfreunde.
So lässt sich nicht nur die Schwellenangst vieler weiterer Kinder vermindern, weil Museen, Theater und andere Kulturtempel
zum Teil des Alltags werden. So lässt sich auch der Kontakt zu
den Eltern einmal auf ganz anderen Ebenen intensivieren – denn
es ist ausdrücklich erwünscht, dass Eltern die Kinder begleiten.
Das scheint durchaus zu klappen: „Je länger das Projekt lief, desto mehr Eltern waren dann tatsächlich dabei“, berichtet Glaser
aus der Pilotphase.
Dass wir uns in Projekten
engagieren, die sich speziell
um Kinder und Jugendliche
in so genannten Problemgebieten engagieren, halte ich
für sehr wichtig. Man kann
ja die Entwicklung dieser
jungen Menschen nicht einfach unter den Tisch fallen
lassen. Ansonsten würden
wir das später deutlich in
der Gesellschaft spüren.
Florian Hölzerkopf,
Bremen, Pate bei
„abc gröpelingen“
und „FIES– Forschen
in eigener Sache“
Mit den Kulturfreunden
wollen wir einen Ansatz
entwickeln, der Multiplikatoren anzieht, so dass das
Projekt rasch weitere Unterstützer und Mitmacher finden kann. Seien es weitere
Spender oder Lehrer oder
Schulen oder Kulturinstitutionen.
Thomas Hartmann,
Nürnberg, Pate bei
„Kulturfreunde“
19
Projektleben
Paten über die Stiftung
Die klare Fokussierung
der Stiftung auf die kulturelle Jugendbildung und
nicht auf berufsnahe Felder
ist ein Vorteil. Das unterstreicht, dass wir unsere
gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen. Zudem
zeigt das jahrelange Engagement, wie nachhaltig die
Stiftung selbst agiert.
Jens Pollmann, Köln,
Pate bei
„Schülertrainees“ und
„Crossover“
Was die Kollegen von der
Stiftung machen, ist schon
extrem bemerkenswert.
Manchmal sind sie nicht
zu beneiden, denn es gibt
sicher eine Flut von guten
Ideen und förderungswürdigen Projekten. Umso froher
bin ich, dass wir auch hier
in Siegen mit der Stiftung
etwas bewegen konnten.
­Fahrenheit
451 aus
­Samarkand
Der Jugendradiowettbewerb RadioPoesie, eines der
kleinsten Projekte der PwC-Stiftung, hat schon im
ersten Anlauf einen interessanten Sieger hervorgebracht.
Maic Kunz, Siegen,
Pate bei
„Schulkonzerte“
20
A
uf der Bank eines Bahnhofs ein Buch gefunden, noch zwei Stunden Zeit, weil der Zug
verpasst war – und schon war es, nein, nicht
nur gelesen, sondern geradezu verschlungen. Vladislav Petrov, Hallenser Gymnasiast, wollte gar nicht
glauben, dass die so aktuell wirkende Lektüre bereits
aus den fünfziger Jahren stammt, so sehr hat ihn
Bradburys Fahrenheit 451 beeindruckt. Da kommt
ihm der Jugendliteraturwettbewerb RadioPoesie
Projektleben
Begeisterung für Literatur im
Radio wecken – das ist das Ziel des
Jugendliteraturwettbewerbs des
nichtkommerziellen Radios Corax.
von Radio Corax, dem freien Radio aus Halle, wie
gerufen. Er macht aus seinen Eindrücken ein Gedicht
und schickt es ein – die Jury ist begeistert und die
Radiopoesie hat schon im ersten Anlauf ein sehr vorzeigbares Ergebnis gebracht – denn nach nur kurzer
Anlaufzeit war die Zeit eigentlich zu knapp, um den
Wettbewerb des freien Radios intensiv zu promoten.
Autorin Antje Penk, die als Kinder- und Jugendliteratin von Radio Corax angesprochen worden war,
ist noch Monate nach der Preisverleihung begeistert.
„Ein richtig guter Text, der nicht nur als gesprochenes Gedicht, sondern sogar schon in Schriftform
überzeugt. Ein Text, der es schafft, subtil den Preis
deutlich werden zu lassen, den wir für die Segnungen
der Zivilisation möglicherweise zahlen müssen.“
Der 17-jährige Vladislav hat nicht nur das Buch
schnell gelesen, sondern sein Gewinnergedicht auch
noch schnell geschrieben, wie er „Radio Grünschnabel“, der Jugendsparte des nichtkommerziellen
Senders, im Interview erzählt. Viel länger als eine
halbe Stunde habe das nicht gedauert. Im Fach
Deutsch kommt er natürlich sehr gut klar, aber seine
„drei“ verblüfft den Interviewer schon, denn auch im
Gespräch macht Vladislav eine gute Figur. Sein Pro­
blem sei die Grammatik, denn schließlich lebe er erst
seit sieben Jahren in Deutschland, geboren ist Petrov
am asiatischen Teil der Seidenstraße, im usbekischen
Samarkand.
Damit hat die RadioPoesie schon im ersten Durchgang eine Art Musterpreisträger gefunden. Denn
eines der Ziele des Projektes ist es, ganz ähnlich wie
bei der Literatursendung „Buchfink“ des Senders,
Vorlesen und öffentliches Präsentieren literarischer
Texte zu demokratisieren und damit persönlicher zu
machen. Die Theorie der Radiomacher: „Jeder hat
eine Stimme, und Persönlichkeit bekommt ein Text
auch durch die Eigenheiten eines Vortragenden. Bei
Vladislav Petrov sind diese Eigenheiten nur sehr zart
spürbar – ganz wenig im Tonfall, etwas mehr bei der
Wortwahl. Wohl deshalb machen sie das Gedicht
umso eindringlicher, klingt es doch viel positiver als
es dann gemeint ist. Ganz so wie Bradburys Vision
eines perfekten Staats. Dessen Feuerwehr die Bücher
verbrennt. Ein Auszug aus Vladislav Petrovs Gedicht:
„Stellen Sie sich eine Zukunft vor, in der Sie sorglos
sind wie nie zuvor.
Politik und die Welt interessiert euch nicht, die Menschen haben gar kein Gewicht.
Stellen Sie sich eine Zukunft vor, in der Sie glücklich
sind wie nie zuvor.
Ihr könnt jetzt machen, was immer ihr wünscht,
aber frei denken ist unerwünscht.“
Nach dem ersten Anlauf setzen die freien Radiomacher von Corax darauf, bei den folgenden Hauptrunden des Wettbewerbs ähnlich mutige Radiopoeten zu
finden. Vor allem aber mehr junge Leute zum Mitmachen anzuregen. Radio Corax setzt dazu auf gleich
mehrere Kooperationen – im Mai wirbt ein Stand auf
dem Bodensee-Camp der freien Radios gezielt um
RadioPoeten, im Herbst wird der Wettbewerb über
die Schreibwerkstatt des Friedrich-Boedeker-Kreises
Sachsen-Anhalt direkt in die Zielgruppe wirken, und
danach werden Workshops im Jugendfreizeitzentrum
„Krokoseum“ der Franckschen Stiftungen den Wettbewerb noch präsenter machen.
Vladislav Petrov kann sich jedenfalls vorstellen,
wieder mitzutexten. Vielleicht wandelt da ja einer auf
den Spuren eines Vladimir Kaminer. Aber darum geht
es den Radiomachern von Corax gar nicht, sie wollen
nicht unbedingt Karrieren fördern, sondern junge
Leute ermuntern, ihre poetische Ader auch „ohne
Tinte“ auszuleben.
21
Projektleben
Bewegung für die
Kinder Mannheims
Das Mannheimer Jugendtheater Schnawwl bietet in seinen Theaterlaboren nun auch choreografisches Theater an. Dank der Stiftung hat sich zudem das Übungsraumproblem entspannt.
D
ass es dem Mannheimer Kinder- und
Jugendtheater mit dem griffigen Namen
gelingt, Kinder und Jugendliche mit seinen
Stücken zu bewegen, hat es längst bewiesen. Wohl
deshalb, weil es trotz seiner inzwischen 30-jährigen
Geschichte auch selbst immer in Bewegung blieb.
So bietet der Schnawwl mit seinen vor Jahren schon
eingeführten „Theaterlaboren“ jungen Leute ganz
intensiven Kontakt – üben sie mit dem Theaterteam
doch über Monate zusammen ein Stück ein, mit dem
sie sich dem Publikum präsentieren. Entweder dem
ihrer Schule, wenn das Labor dort angedockt ist.
Oder den Schnawwl-Zuschauern, wenn es sich um
eines der „freien“ Labore handelt. Seit 2011 bewegt
der Schnawwl nun seine jungen Laboranten noch
intensiver, denn seitdem hat das Haus auch Choreografisches Theater im Angebot, dank der Förderung
der PwC-Stiftung.
„Magic Train“ und „Okupas“ für Schüler um die 12
Jahre sowie „Regeln, Regeln, immer wieder Regeln“
und „ExPeRiMeNt“ für etwas Jüngere sind die ersten
vier Produktionen dieser neuen Reihe. Sie hatten
Ende April beim regionalen Jugendtheaterfestival
„Leinen Los“ größeres Publikum – wie alle anderen
Laborproduktionen vor ihnen auch. „Für uns – und
damit für die Theaterleute und die jungen Mitwir-
22
kenden – ist es ja immer etwas Besonderes, auf dem
Festival aufzutreten. Diesmal aber hatten wir gleich
zwei neue Herausforderungen“, sagt Anne Gorath,
die das Festival und die Theaterkurse am Schnawwl organisiert. „Zum einen war unser Mannheim
diesmal Schauplatz des wandernden Festivals, zum
anderen hatten wir mit den vier BewegungstheaterProduktionen ja auch neue Formate im Programm.“
Die Herausforderungen haben die jungen Tanztheaterensembles gemeistert. „Unsere Schüler sind dabei
über sich hinausgewachsen, obwohl sie vorher sehr
skeptisch waren, ob sie es schaffen“, berichtet Gorath.
Sie hat neun Schüler der Uhland-Werkrealschule bei
„Regeln, Regeln, …“ betreut. Diese Produktion und
das „ExPeRiMeNt“ an der Humboldt-Grundschule
waren reine Schulprojekte, die anderen beiden Stücke für ältere Schüler waren offene Angebote. Auch
im Aufbau unterscheiden sie sich: Während zum Beispiel die jungen Schauspieler bei „Regeln, Regeln, …“
fast nur mit Bewegung arbeiten, sind die Sprechanteile bei den anderen Produktionen deutlich größer.
Gleichwohl bleibt in allen der neuen choreografischen Theaterlabore die Bewegung das zentrale Element. Was für die Schüler vor allem zu Anfang nicht
immer leicht ist. „Wir müssen die Kinder natürlich erst
einmal abholen, ihnen zeigen, dass Tanz nicht nur
Projektleben
Paten über die Stiftung
Als Zustifter halte ich die
Stiftung natürlich für
­überaus wertvoll, hier wird
mit vergleichsweise wenig
Einsatz viel erreicht. Sie ist
außerdem imagefördernd,
da damit auch die s­ oziale
Verantwortung durch
­soziales Engagement dokumentiert wird.
Josef Rakel, Essen,
Pate bei
„Mein Palast der
­Projekte“
Hip-Hop ist und dass es nicht immer Standardbewegungsabläufe sein müssen“, erläutert Gorath. Aber das
klappt dann rasch, die nächste Hürde sind dann die
Aufführungen. „Da zeigen sich unsere jungen Schauspieler nochmal anders, als wenn sie in der Klasse ein
Gedicht vortragen, mit dem Tanz ist ja ihr ganzer Körper im Einsatz.“ Dabei hilft die Zusammenarbeit mit
erfahrenen Tanzprofis: Mit von der Partie sind „Senior
Dancer“ des Mannheimer Theaters.
Bewegungstheater braucht allerdings nicht nur
gute Betreuung, sondern auch noch spezielle Übungsbedingungen. Umso erfreuter ist Gorath, dass es mit
der Förderung der Stiftung gelungen ist, in einer der
Kooperationsschulen, der Integrierten Gesamtschule
Mannheim-Herzogenried (IGMH), einen Theaterraum einzurichten, der mit Tanzboden ausgestattet
ist. „Für Nichtprofis ist das fast noch wichtiger“,
sagt Gorath. Für den Schnawwl und seine Labore
allerdings auch, denn das kleine Theater hat keine
separaten Übungsräume und kann auch nicht immer
auf den Balletsaal des Nationaltheaters oder andere
Räume zurückgreifen. Mit dem Raum an der IGMH
gibt es nun mehr Platz – und der wird für bewegendes Schauspiel nicht nur von den Gesamtschülern
genutzt, denn als Schauplatz für „freie Labore“ kann
hier jeder Jugendliche mitmachen.
Wenn die Kinder überrascht
und einbezogen werden,
dann gelingt es, selbst dröge
Mathematik spannend zu
machen. Gerade die ästhetische Bildung kann da viel
leisten – ich war zum Beispiel selbst beeindruckt davon, dass man Zahlen auch
tanzen kann.
Gero Martens,
­Hamburg, Pate bei
„Mathe.Forscher“
23
Zahlen und Fakten
Landkarte Kultureller Bildung
Projektstandorte, Fördersummen und Projekte des Bewilligungszeitraums 2011
Mein Palast der Projekte
Essen
15.700 Euro
(Folgeförderung)
Stiftung Zoll­
verein
abc gröpelingen
Bremen
Schulklassen erschließen sich den „Palast der Pro­
jekte“, eine Totalinstallation des US-Künstlerpaares
Kabakov im Weltkulturerbe Zeche Zollverein.
10.000 Euro
(Folgeförderung)
Philharmonie
Südwestfalen
Kultur vor Ort
Kulturinitiativen, Künstler, Kulturorte und städtische
Konzepte ermöglichen Kulturelle Bildung für
Brennpunkt-Stadtteil.
MOTS „Alltogether now“
Schulkonzerte
Siegen
30.000 Euro
(Folgeförderung)
Hannover
14.500 Euro
(Folgeförderung)
Compagnie
Fredeweß
Tanztheaterprofis erarbeiten über einen längeren
Zeitraum mit Schülern ein eigenes Stück.
Konzertpädagogin und experimentierfreudiges
Orchester erarbeiten mit Schülern der Region
gemeinsame Aufführungen.
Und wir machen Theater
Düsseldorf
11.834 Euro
Kultur vor Ort
120 Grundschüler, 90 Haupt-/Realschüler und 60
Förderschüler beschäftigen sich nach einem inter­
disziplinären Ansatz mit Theater und Tanz.
Musikinstrumente für körperbehinderte Kinder
Köln
9.000 Euro
Anna-FreudSchule
Das Projekt an einer Schule für Körperbehinderte
kümmert sich um Entwicklung und Einsatz barriere­
freier Musikinstrumente.
Schülertrainees für Museen
Köln
12.000 Euro
(Folgeförderung)
Museums­
dienst Köln
Einzelangebote werden vernetzt: Kölner Museen
wollen sich als ständige Partner der außerschuli­
schen Projektarbeit etablieren.
SingMit!
Bonn
7.800 Euro
(Folgeförderung)
Kultur vor Ort
Professionelle Mentorinnen initiieren über Atemund Singübungen das „richtige“ Singen, so dass die
Klassenlehrer allein weiter machen können.
Kooperation Schule Museum
Mainz
15.000 Euro
(Folgeförderung)
Stiftung Kunst­
halle Mainz
80 Kinder und Jugendliche verarbeiteten ihre be­
gleiteten Exkursionen zu einer eigenen Ausstellung
unter dem Titel „My Way“.
Kultur.Forscher!
Hessen (Frankfurt, Kassel,
Guxhagen), NRW (Düs­sel­­
dorf/ Neuss,Krefeld), Sachsen (Dresden/Leipzig/Rade­
beul), Baden-Württemberg
(Stuttgart/Mannheim)
900.000 Euro
(Folgeförderung)
Eigenprojekt
Zusammenarbeit mit der dkjs, in der aktuellen, zweiten
Phase arbeiten 24 Schulen langfristig mit außerschulischen
Kulturpartnern zusammen, um ihren Schülern forschendes
und entdeckendes Lernen in den Künsten zu ermöglichen.
Projektbegleiter fördern dabei den Austausch mit den Partnern
und den anderen Schulen.
24
Tanztheaterlabore
Mannheim
23.000 Euro
Kultur vor Ort
Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Schich­
ten erlernen, sich übers Bewegungstheater auf
einer Bühne künstlerisch auszudrücken.
Zahlen und Fakten
Dr. Sound
Hamburg
Crossover
20.000 Euro
(Folgeförderung)
Hamburg
­Musik gGmbH
131.900 Euro
Frankfurt,
Stuttgart, Berlin,
Köln, Nürnberg
Sound- und Musikprojekte zwischen Elbphilharmo­
nie-Experten und Brennpunktschulen münden in
eine gemeinsame Aufführung.
(Folgeförderung)
Crossover e.V.
Crossover e.V., ein Verein um den Hamburger Rapper Samy DeLuxe, verbindet
über die gemeinsame Erarbeitung einer HipHop-, Rap- und Jugendkultur-Show
unterschiedliche Schulformen miteinander.
Rat für Kulturelle Bildung deutscher Stiftungen
Erhebe deine Stimme
Bundesweit
Berlin
100.000 Euro
Rat für Kultu­
relle Bildung
gGmbH
12.500 Euro
Berliner Capel­
la e.V.
Ambitionierte Profis studieren mit Laienchor Schu­
berts Winterreise ein (Start zum Schuljahr 2012/13)
Beratungs- und Vernetzungsprojekt, das das
Thema kulturelle Jugendbildung stärker in der
Stiftungslandschaft verankern will.
Jump and run
Berlin
40.000 Euro
(Folgeförderung)
Theater an der
Parkaue
Mit Hilfe von Theatermachern entwickeln Berliner
Schüler und Lehrer neue Sichtweisen auf das
System Schule.
Netzwerk frühkindliche kulturelle Bildung
Berlin
Mit allen Sin­
nen lernen e.V.
In der Hauptstadt entsteht ein Netzwerk, das die
Qualität der Kulturellen Bildung in Kindergärten
langfristig stärkt.
Radio Poesie
Halle
10.000 Euro
6.700 Euro
Radio Corax
Kindergartenorchester
Beim Jugendliteraturwettbewerb des nicht kommer­
ziellen Radios Corax waren kreative Texte für den
„Äther“ gefragt.
Leipzig
20.000 Euro
(Folgeförderung)
GeyserHaus
e.V.
Leipziger Kinder und Erzieherinnen entwickeln in
fünf Kindertagesstätten schrittweise ihr eigenes
Programm der musikalischen Früherziehung.
Das Ich entdecken
Dresden
28.350 Euro
(Folgeförderung)
Albertinum
Dresden
Schüler „begreifen“ das Dresdner Museum moderner
Meister über Tanz, Video und andere Kreativtechni­
ken. Das Museum arbeitet mit den Klassen längerfris­
tig zusammen und bindet externe Experten ein.
Legende
Architektur für Kinder
Coburg
10.000 Euro
FH Coburg
Kindergartenkinder erkunden ihre räumliche
Umwelt, lernen dabei spielerisch etwas über Archi­
tektur und werden selbst gestalterisch aktiv.
Kultur.Klassen
Bamberg
12.500 Euro
(Folgeförderung)
Kulturamt
Bamberg
Die Stadt Bamberg erprobt und evaluiert neue
Formen der Kooperation zwischen Bildungseinrich­
tungen und Kulturträgern.
Theater-/
Tanzprojekt
genreüber­grei­
fendes Projekt
Musikprojekt
Museumsprojekt
Literaturprojekt
Kunstprojekt
•
> 50.000 Euro
Projekte mit mehreren Standorten
(Kultur.Forscher, Crossover)
Kulturfreunde
Nürnberg
•bis 50.000 • bis 15.000
15.000 Euro
Kultur vor Ort
Das Ehrenamtsprojekt widmet sich der kulturellen
Teilhabe von Kindern in Tageseinrichtungen struk­
turschwacher Stadtteile.
Projektitel
Region
Fördersumme
Träger
Kurzbeschreibung
25
Zahlen und Fakten
Die Stiftung
in Zahlen
Mittelherkunft
Der Stiftung gingen im Berichtsjahr liquide Mittel in Höhe von rund 910 T€ zu. Außerdem hat PwC der Stiftung zwei verzinsliche Darlehensforderungen über insgesamt 2.585 T€ zugewendet. Das eine Darlehen lautet
auf 230 T€ und ist ab 2012 über 5 Jahre zu tilgen, das andere geht über 2.330 T€ und ist ab 2012 über 10
Jahre zu tilgen.
Spenden PwC
Spenden Dritter
2011
2010
Gesamt seit 2003
689.290 €
1.000.000 €
5.960.067 €
7.011 €
4.990 €
1.233.682 €
195.278 €
213.454 €
2.222.371 €
19.080 €
12.952 €
37.923 €
910.658 €
1.231.396 €
9.454.044 €
Forderungsspende PwC
2.585.000 €
0€
2.585.000 €
Mittel Gesamt
3.495.658 €
1.231.396 €
12.039.044 €
Zinsen/Dividenden
Mittelrücklauf
Mittel zur unmittelbaren
Vergabe
[2]Förderprogramm
Mittelverwendung
Regelförderung
Regelförderung von Projekten Dritter
Innovative, modellhaft angelegte Vorhaben
Operative Eigenprogramme
Beiträge zur strukturellen und konzeptionellen Entwicklung
des Bildungssystems
Seit 2008 Programm „Kultur.Forscher!“ mit im Berichtsjahr
beschlossener zweiter Vertiefungsphase
Sonstige Aktivitäten
Zukunftspreis Jugendkultur seit 2003 fünf Mal ausgeschrieben, zuletzt 2009
Wissenschaftliche Studie: „Potenzialstudie“ des Zentrums für Kulturforschung untersuchte 2006 im Stiftungsauftrag die
Erfolgsfaktoren kultureller Bildung
Mitgliedschaft im „Rat für Kulturelle Bildung“ wurde 2011 beschlossen
26
Zahlen und Fakten
Mittelverwendung nach Förderbereichen
Die Ausführungen zur Mittelverwendung beziehen sich auf die Mittelzusagen – nach Bereinigung um nicht
realisierte Projekte und unabhängig vom zeitlichen Abfluss der Mittel.
2011
2010
Gesamt seit 2003
Regelförderung
453.199 €
591.250 €
6.793.781 €
Eigenprogramm „Kultur.
Forscher!“
900.000 €
0€
2.292.938 €
Sonstige Aktivitäten
Mittelzusagen
100.000 €
0€
432.880 €
1.453.199 €
591.250 €
9.519.599 €
Im Berichtsjahr wurden neue Mittelzusagen von rund 1.453 T€ beschlossen. Alle Projekte, die im Berichtsjahr
bewilligt wurden, sind im vorliegenden Bericht auf Seite 24/25 beschrieben.
Im langfristigen Vergleich entwickelten sich die Förderbereiche für die einzelnen Jahre wie in Abbildung 2
dargestellt. Im gesamten Beschlussvolumen von rund 9.520 T€ stellt die Regelförderung mit fast 72 % den
größten Anteil. Im Bereich der Regelförderung wurden bislang rund 340 Projektförderungen mit einem Gesamtvolumen von 6.794 T€ beschlossen. Zweiter wesentlicher Baustein in der Förderstruktur ist das Eigenprogramm Kultur.Forscher! mit einem Fördervolumen von rund 2.293 T€. Die Sonstigen Förderaktivitäten
umfassen den Zukunftspreis Jugendkultur, mit dem 23 Projektträger für ihre Leuchtturmprojekte mit 266 T€
ausgezeichnet wurden, die Potenzialstudie, mit der in 2006 die Erfolgsfaktoren kultureller Jugendbildung wissenschaftlich untersucht wurden, sowie die im Berichtsjahr beschlossene Mitgliedschaft im „Rat für Kulturelle
Bildung“.
[1]Mittelherkunft
[2]Mittelverwendung
Angaben in T€ • Zugänge Stiftungsmittel nach Herkunft
Angaben in T€ • Mittelzusagen nach Verwendungszweck
2000
Mittelrücklauf
1600
Zinsen/Dividenden
1200
3000
Eigenprogramm
Kultur.Forscher!
2500
Einzelspenden
2000
Spenden PwC
1500
Sonstige Aktivitäten
Regelförderung
800
1000
400
0
500
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
0
2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
[3] Regelförderung nach Genre
[4] Regelförderung nach Region
Gesamt (Außen): 6.793.781 €
2011 (Innen): 453.199 €
Gesamt (Außen): 6.793.781 €
2011 (Innen): 453.199 €
18%
Musik/Oper
32%
27%
Südost
7%
Theater/Tanz
22%
Film/neue Medien
2%
7%
9%
Museum/Kunst
34%
20%
4%
22%
3%
22%
0%
20%
14%
Mitte
West
10%
3%
Südwest
6%
Literatur
13%
Mix
12%
22%
20%
28%
23%
Ost
Nord
Bundesweit
27
Zahlen und Fakten
Tendenzen bei der Regelförderung
Bei der Regelförderung haben sich im Berichtsjahr und für die Totalperiode die in den Abbildungen 3 und 4
dargestellten Relationen ergeben.
Bei Betrachtung der Förderstruktur dominieren nach wie vor die genreübergreifenden Mixprojekte mit strukturell nachhaltigen und häufig größeren oder mehrjährig angelegten Projekten. Im Berichtsjahr stark vertreten ist das Genre Theater/Tanz. Relativ schwach besetzt sind das Genre Literatur, in dem sich meist kleinere,
lokale überzeugende Vorhaben finden, sowie das Genre Film/Neue Medien.
Rund drei Viertel der Förderbeschlüsse kommen Vorhaben mit regionalem Bezug zugute. Dabei haben im
Berichtsjahr erneut der Norden, Osten und Westen am meisten profitiert. Hessen sowie die südlichen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern liegen in der Mittelverteilung zurück.
Mittelzusagen und Förderausgaben
Zwischen der Mittelzusage und dem Abfluss der zugesagten Mittel (Förderausgaben) liegt im Allgemeinen ein
Zeitraum von 6 bis 12 Monaten. Deutlich mehr Zeit zwischen Mittelzusage und Mittelabfluss ergibt sich vor
allem bei mehrjährigen Programmen, bei denen die Mittelzusage in vollem Umfang im Jahr der Beschlussfassung berücksichtigt wird, die Mittel dagegen erst in den Folgejahren abfließen. Das gilt vor allem für das
Programm Kultur.Forscher!.
Die Summe aller Mittelzusagen und Förderausgaben in der Vergangenheit ergibt, dass zum Ende des Berichtsjahres rund 1.516 T€ zugesagter Mittel noch nicht abgerufen sind:
2011
2010
Gesamt seit
2003
1.143.451 €
1.248.892 €
8.025.239 €
3.141 €
2.701 €
19.894 €
Förderausgaben
1.140.310 €
1.246.191 €
8.003.685 €
Mittelzusagen
1.453.199 €
591.250 €
9.519.599 €
Nicht abgerufene Mittel (kumuliert)
1.515.914 €
1.221.360 €
1.515.914 €
Satzungsmäßige ­Leistungen
– andere satzungs­mäßige
­Leistungen
Die nicht abgerufenen Mittel haben sich damit gegenüber dem Vorjahr um rund 300 T€ erhöht. Das beruht vor
allem auf dem Beschluss für die zweite Phase der Kultur.Forscher! über 900 T€. Das Programm läuft bis 2013.
Bei einem Vergleich der nicht abgerufenen Mittel mit dem Stiftungsmittelbestand ergibt sich eine Unterdeckung:
Nicht abgerufene Mittel per Ende 2011
Stiftungsmittelbestand am 31.12.2011
Unterdeckung
1.515.914 €
383.942 €
1.131.972 €
Diese Unterdeckung wird angesichts der zu Grunde liegenden Mittelzusagen für mehrjährige Vorhaben von
den zu erwartenden Zuwendungen von PwC, den Mittelzuflüssen aus dem von PwC an die Stiftung abgetretenen Darlehensforderungen sowie den Rücklagen und stillen Reserven beim Stiftungsvermögen mehr als
abgedeckt.
28
Zahlen und Fakten
Vermögensnachweis
Vermögensnachweis zum 31.12.2011
Im Rahmen der Jahresabschlussprüfung zum 31. Dezember 2011 beim Stifterverband für die Deutsche
Wissenschaft e.V. wurde auftragsgemäß die Ordnungsmäßigkeit des Vermögensnachweises der Stiftung für
das vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V. verwaltete Vermögen geprüft. Dem Auftrag liegen
die Allgemeinen Auftragsbedingungen für Wirtschaftsprüfer und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in der
Fasssung vom 1. Januar 2002 zu Grunde. Unsere Haftung richtet sich nach Nr. 9 der Allgemeinen Auftragsbedingungen. Im Verhältnis zu Dritten sind Nr. 1 Abs. 2 und Nr. 9 der Allgemeinen Auftragsbedingungen
maßgebend.
31.12.2011
31.12.2010
6.748.785,27
6.748.785,27
Zustiftungen
0,00
0,00
Zuführung freie Rücklage gem. § 58 Nr. 7a AO
0,00
0,00
Veräußerungsgewinne
0,00
0,00
Veräußerungsverluste
0,00
0,00
6.748.785,27
6.748.785,27
395.600,00
395.600,00
0,00
0,00
Zur Zuführung zum S
­ tiftungsvermögen
0,00
0,00
Zur Zuführung zu den ­Stiftungsmitteln
0,00
0,00
395.600,00
395.600,00
7.144.385,27
7.144.385,27
Stiftungsvermögen
Stiftungsvermögen am 01.01.
Veränderung Vermögen
Vermögenszugang
Vermögensumschichtungen
Stiftungsvermögen
in Euro am 31.12.2011
Freie Rücklage gem. § 58 Nr. 7a AO
Freie Rücklage am 01.01.
Veränderung freie Rücklage
Einstellung Rücklage
Einstellung lfd. Jahr
Entnahmen Rücklage
Freie Rücklage gem.
§ 58 Nr. 7a AO
29
Zahlen und Fakten
31.12.2011
31.12.2010
694.282,54
793.999,16
3.281.300,55
1.004.990,00
195.277,70
213.454,01
19.080,00
12.952,37
Entnahme a. d. freien Rücklage gem § 58 Nr. 7a AO
0,00
0,00
Sonstiges
0,00
0,00
3.495.658,25
1.231.396,38
Satzungsmäßige ­Leistungen
-1.143.450,92
-1.248.891,70
Darlehensvergabe
-2.585.000,00
0,00
-78,00
-81,30
Stiftungsmittel
Stiftungsmittel am 01.01.
Veränderung Stiftungsmittel
Zugänge
Zuwendungen zur unmittelbaren Vergabe (Spenden)
Zinsen / Dividenden
Mittelrücklauf früherer Jahre
Zugänge
Abgänge
Zinsen und Bankgebühren
Einstellung i. d. freie Rückl. gem. § 58 Nr. 7a AO
0,00
0,00
-77.470,00
-82.140,00
-3.805.998,92
-1.331.113,00
383.941,87
694.282,54
31.12.2011
31.12.2010
7.528.327,14
7.838.667,81
nachrichtlich Kurswert, ­Wertpapiere
7.642.735,96
7.678.328,91
nachrichtlich Kurswert, ­Gesamtvermögen
8.026.508,13
8.372.441,75
Verwaltungsentgelt
Abgänge
Stiftungsmittel zum 31.12.2011
Buchwert Gesamtvermögen
Die Prüfung der Ordnungsmäßigkeit des Vermögensnachweises beschränkt sich in erster Linie auf analytische
Beurteilungen sowie auf die stichprobenweise Prüfung des vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
e.V. verwalteten Gesamtvermögens aller Stiftungen, Vereine und sonstigen Organistationen. Die Prüfung bietet deshalb nicht die durch eine Abschlussprüfung der einzelnen Organisation erreichbare Sicherheit, so dass
es sich beim vorliegenden Vermögensnachweis nicht um einen Bestätigungsvermerk einer Jahresabschlussprüfung handelt.
Nicht Prüfungsgegenstand sind zudem die gemeinnützigkeitsrechtlichen Aspekte des Steuerrechts, insbesondere hinsichtlich der Abgrenzung der steuerlichen Sphären und Bildung von steuerlichen Rückstellungen.
Die Wertpapierbestände werden als Anlagevermögen ausgewiesen und nach dem gemilderten Niederstwertprinzip bewertet. Bei nachhaltigem Absinken der Werte des Wertpapierbestandes werden Abschreibungen vorgenommen. Bestehen die Gründe für den niedrigeren Wertansatz nicht mehr, werden Zuschreibungen vorgenommen.
Auf der Grundlage unserer Ordnungsmäßigkeitsprüfung sind uns keine Sachverhalte bekannt geworden, die
uns zu der Annahme veranlassen, dass der Vermögensnachweis zum 31. Dezember 2011 nicht ordnungsgemäß aufgestellt worden ist.
Düsseldorf, den 19. März 2012
KPMG AG
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Dr. BerndtSchumacher
WirtschaftsprüferWirtschaftsprüfer
30
Zahlen und Fakten
Gremien
Stiftungsrat
Der Stiftungsrat bestellt die Mitglieder des Vorstands und kontrolliert dessen Tätigkeit sowie die
Haushalts- und Wirtschaftsführung. Er tagt im Regelfall einmal jährlich. Er besteht aus sechs
Mitgliedern, die auf vier Jahre bestellt werden und wiederbestellt werden können. Die Mitglieder
stammen zur Hälfte aus dem Bereich der Stifterin und zur Hälfte aus anderen Bereichen, aus denen
sie insbesondere Erfahrungen im Bereich gemeinnütziger Stiftungen mitbringen.
Prof. Dr. Norbert Winkeljohann (Vorsitz), Vorstandssprecher PwC Deutschland
Prof. Dr. Manfred Erhardt (Stv. Vorsitz), Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche
­Wissenschaft a. D.
Michael Lederer, Gesamtbetriebsratsvorsitzender PwC Deutschland
Kerstin Müller, Partnerin, PwC Deutschland
Dr. Gerhard Rüschen, ehem. Mitglied des Aufsichtsrates der Nestlé Deutschland AG
Dr. Bernhard Wunderlin, Mitglied im Kuratorium der Hertie-Stiftung
Die PwC-Stiftung ist eine
nicht rechtsfähige Stiftung in
der Verwaltung des
Stifterverbandes für die
Deutsche Wissenschaft e.V.,
Essen. Stifterin ist die
PricewaterhouseCoopers AG
WPG, Frankfurt. Organe
sind der Vorstand und der
Stiftungsrat, die ehrenamtlich tätig sind.
Stiftungsvorstand
Der amtierende Vorstand wurde bei Stiftungserrichtung durch die Stifterin und den Stifterverband
bestellt und nach dreijähriger Amtszeit jeweils durch den Stiftungsrat wiederbestellt. Er leitet die
Stiftung und beschließt über die Verwendung der Stiftungsmittel.
Prof. Rolf Windmöller, Dr. Burkhard Hense, Evelin Manteuffel
Geschäftsstelle
Die Geschäftsstelle in Frankfurt unterstützt den Vorstand und führt die Geschäfte der Stiftung. Das
Team kümmert sich um die tägliche Förderpraxis und Antragsbearbeitung, entwickelt neue Förderprogramme oder Themen und macht die Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung. Es arbeitet hierzu eng mit
dem Stifterverband zusammen.
Marion von Manteuffel, Dr. Heike Riesling-Schärfe, Claudia Rixecker
Impressum
Herausgeber
PwC-Stiftung Jugend-Bildung-Kultur, Friedrich-Ebert-Anlage 35-37, 60327 Frankfurt am Main.
Redaktion/Gestaltung/Realisation
Marion von Manteuffel, Dr. Heike Riesling-Schärfe,
Tel.: (0 69) 95 11-98 91, Fax: (0 69) 95 11-98 99, www.pwc-stiftung.de
Gestaltmanufaktur GmbH, Westenhellweg 75-79, 44137 Dortmund, Tel.: (02 31) 55 77 00-0
www.gestaltmanufaktur.de
Bildnachweise
Innenumschlag Staatliche Kunstsammlungen Dresden • Inhalt: Prof. Liebau privat, Schnawwl
Mannheim/Christian Kleiner; Staatliche Kunstsammlungen Dresden • Bilderseite: Netzwerk
frühkindliche kulturelle Bildung/Ines Grabner; Matheforscher/Philipp Tonn; Schnawwl Mannheim; Kultur.Forscher!; Kultur vor Ort e.V. • S. 8: photocase • S. 10: Kultur vor Ort e.V. • S.
11: Kultur- und Schulservice Bamberg • S. 12: photocase • S. 13: Staatliche Kunstsammlungen
Dresden • S.15 Matheforscher/DKJS • S. 16: Kultur- und Schulservice Bamberg • S. 17: Erik-Jan
Ouwerkerk/Jump and Run • S. 18: Stadt Nürnberg • S. 20: iStockphoto/Sean Warren • S. 22/23:
Schnawwl Mannheim/Christian Kleiner• Nicht separat ausgewiesene Bilder: Archiv PwC-Stiftung/
Projektbestand/Archiv PwC
31
www.pwc-stiftung.de
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