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04.07.2009 Ohne Antrieb Echevennoz – Chambave Oh, was war

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04.07.2009
Ohne Antrieb
Echevennoz – Chambave
Oh, was war das schwer heute. Erstmals, seitdem ich auf dem Weg bin, verspürte ich gar keinen
Drang, auch nur einen Schritt zu tun. Es war fast so ein Gefühl, wie am Ende einer Reise. Nüchtern
betrachtet war gestern einfach ein solches Highlight, dass es mir schwer fiel, mich sofort wieder zu
motivieren. Rom als Zielort der Reise hatte plötzlich jeden Reiz verloren. Was soll ich da
eigentlich? Ein Pilger im kirchlichen Sinne bin ich nicht und eine wahrscheinlich heiße, trockene
und laute Metropole entfacht nach allen bisherigen Erfahrungen auch nicht gerade unbändige
Vorfreude in mir. Für Martin hat Rom eine ganz persönliche Bedeutung, für mich ist es nur
gewählter Zielort der Pilgerwanderung.
Das war in etwa meine Gefühlslage unmittelbar nach dem Aufstehen. Inzwischen, eine
Tageswanderung weiter, hat sich das relativiert. Es geht mir nach wie vor nicht um Rom, sondern
nur ums Gehen, aber ich mag gar nicht ausschließen, dass sich meine Sichtweise noch einmal
ändert.
Trotz meiner Unlust, oder gerade deswegen, habe ich mich nach einem spärlichen Frühstück mit
aller Entschlossenheit auf den Weg gemacht, und der meinte es zunächst gut mit mir. Eine Stunde
ging es abseits der Straße durch Wald, immer entlang eines sanft fließenden Baches. Danach war
aber erst einmal Schluss mit Natur, vor Aosta wurde die Besiedlung dichter – und die Markierung
zunehmend lückenhafter. Mehr als einmal war ich gezwungen, Umwege zu gehen, im Bereich von
Straßen nichts, was meine Lauflust weiter antrieb. Irgendwie kam ich dennoch ins Zentrum von
Aosta, und im Nachhinein habe ich gesehen, dass ich bei meinem Weg durch die Stadt die
attraktivste Route gewählt habe, ohne, dass dies gewollt war. Gewollt war, so schnell wie möglich
wieder raus zu kommen. Aosta hat ein paar nette enge Gassen mit kleinen Boutiquen und vielen
Straßencafés. Ihren Reiz beziehen sie auch dadurch, dass schön restaurierte Fassaden und etwas
heruntergekommen wirkende Häuser einträchtig nebeneinander stehen. Meiner Broschüre entnehme
ich, dass Aosta überdies eine Reihe touristischer Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, aber dafür gibt
es bessere Ratgeber als mich.
Eine Schwierigkeit des heutigen Tages war, dass ich ausschließlich auf Abstieg geeicht war.
Tatsächlich ging es hinter Aosta jedoch immer wieder bergauf, um auf Anhöhen laufen zu können
und so dem engen Talkessel zu entgehen. Dieser Talkessel sendet eine enorme Geräuschkulisse
selbst in die höher gelegenen Gebiete. Dicht bebaut ist er, stark industriell besiedelt und mit einer
ziemlich hohen Verkehrsdichte belastet. Grandios hingegen die Kulisse, die zu allen Seiten aus
hohen und höchsten Bergen besteht.
Mal abgesehen davon, dass mir das Bergauflaufen heute bisher nicht gekannte Schwierigkeiten
bereitet hat, war die Wegführung wirklich nett. Reizvolle Dörfer waren zu durchqueren, viele
Naturpfade deuteten darauf hin, dass wenig Fußgänger unterwegs sind. Heiß und trocken war es, an
vielen Stellen ist das Gras bereits verdorrt. So ging es dahin, bis ich später als erhofft eine
Unterkunft fand – eine schöne! Von meinem Bett schaue ich auf den alten Kirchturm von
Chambave und die dahinter liegende Bergkette.
Was bleibt zu sagen nach diesem antriebslosen Tagesbeginn? Solche Tage gibt’s eben. Meine
Motivation ist mir nicht verloren gegangen und mit dem Gehen kam die Lust daran langsam zurück.
Vielleicht war das heute Morgen ja vergleichbar mit der Katerstimmung nach einem Rausch am
Vorabend. In gewisser Weise war das gestern ja einer... .
Martin, auf die Wegmarkierung ist nicht überall Verlass. Bis kurz vor Aosta geht es, danach drohen
Abwege. Am besten, Du lässt Dir von einer Tourist-Info Unterlagen geben, auf denen Wegverlauf
und größere Ortschaften aufgeführt sind. So weißt Du wenigstens immer, wohin Du gehen musst
und kannst gegebenenfalls Einheimische nach der Richtung fragen. Meist stößt Du spätestens in der
nächsten Ortschaft wieder auf den richtigen Weg. Bis Vercelli (noch 4 Tage von hier) werden wir
uns eventuell auf diese Art durchschlagen müssen, ab dort gibt es umfangreiches Kartenmaterial,
was uns unabhängig(er) von Markierungen macht.
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