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Jugendprotest in Marzahn: Alles Müller oder was?
27. Januar. Auch am dritten Montag in Folge hätte ein Teilabschnitt der Landsberger Allee unterhalb der Marzahner
Mühle wieder im Zeichen des Kinder- und Jugendprotestes gegen die Streichorgien des Senats stehen sollen. So war’s
bei der Versammlungsbehörde angemeldet worden. Diesmal mögen Niesel, kalter Wind und auch etwas
Bequemlichkeit bewirkt haben, daß die Präsenz der Ausgesperrten nicht so mühelos wie sonst zustande kam. Erst gegen
16.15 Uhr waren schließlich rund 500 Teilnehmer(-innen) auf der zugewiesenen Rasenfläche unterhalb des
Mühlenzauns versammelt. Auf taube Ohren stießen allerdings ihre öffentlich wiederholten Forderungen, die begonnene
Kundgebung vereinbarungsgemäß auf die Fahrbahn zu verlagern. Denn die Einsatzleitung der Polizei (A72) wähnte die
geballt stehenden Gruppen nach wie vor zahlenmäßig weit unterlegen. So beharrte sie auf der beizubehaltenden
Perspektive eines normal fließenden Berufsverkehrs und war stolz auf dessen eher beiläufige „Garnierung“, wo sie
sperren und sichern sollte. Ein Bittgesang von Kindern, Jugendlichen und Sozialpädagogen am grünen Straßenrand, da
gönnt man sich doch jeder mal einen kurzen Blick nach rechts - bis die Ampel endlich wieder auf Grün schaltet. Selbst
dort, wo im Wartestand Scheiben ausnahmsweise heruntergelassen werden (Ein Flugblatt? Na klar, für die Nachbarn
nehmen wir auch), werden Jugendliche am Rand gehindert, die bekannten und genehmigten Handzettel an den Mann zu
bringen. Übertriebener Sicherheitseifer eines einzelnen Beamten?
Das - politische - Demonstrationsanliegen wird damit aus dem öffentlichen Bewußtsein verbannt. Der
Risikoabschirmung der Berliner Landespolitik für die Fehlspekulationen des Bankenmolochs entspricht die
Risikoabschirmung „Freie Fahrt für freie Bürger“ auf der Straße. Suspekt sind der periodisch wiederkehrende Stau, die
phantasievolle öffentliche Aktion als legitimes Signal derjenigen, die keine Lobby haben. Ihre Einrichtungen bleiben
chronisch unterfinanziert. Auch dieser Bezirk hat die Wahl, das Gros eingehen zu lassen und dem Rest künftig noch
weniger Planungssicherheit zu bieten. Das Geld reicht kaum für soziale Pflichtleistungen. Frust darüber bricht sich
öffentlich Bahn. Vielleicht braucht Sarrazin (Finanzen) ja bald ganz offene Amtshilfe von Körting (Inneres). Schon
werden Transparente auf die politische Korrektheit der Sprüche untersucht. Unkenntlich geworden in seiner
Sprachlosigkeit gegenüber unverschämtesten Senatorenmachenschaften, bäumt sich der mitregierende kleinere
Koalitionspartner auf Landesebene eben noch ein letztes Mal auf. Die PDS ist gegen die höheren Gebührenforderungen
des Jugendsenators Böger im Kita-Bereich. Im Bereich der Jugendarbeit, seit langem dagegen ausgespielt, ist ja schon
nichts mehr zu holen.
Schon deshalb mußten und müssen wir die vertraulich gestellte Frage der Polizei für diese und alle Montagsdemos
verneinen, „ob wir nicht mal üben wollen, auf dem Fußweg zu bleiben“. Ebensowenig hält die Sorge, daß doch das
Wetter der jugendlichen Gesundheit nicht zuträglich sei, weiterführenden Überlegungen stand: Gerade die Straße wird
der nachfolgenden Generation ja als künftiger Aufenthaltsort zugewiesen. Bei Wind und Wetter. Ohne massive
Gegenwehr jetzt wird die Zukunft an uns sicherlich sozial gerächt. Und das beileibe nicht nur in Marzahn-Hellersdorf.
„Ferien im Stau mit Focus Tevau“ lautet daher die Devise für die Montagsdemo am 3. Februar, 16 Uhr. Die
Münchner Fernsehleute haben sich dazu fest angemeldet, um dem Protest einer (hoffentlich) unübersehbaren
Straßenkundgebung das nötige Gehör zu verschaffen.
Hilmar Franz
(Die nächsten Montags-Termine auf der Landsberger Allee/Ecke Allee der Kosmonauten: 3.2., 10.2., 17.2., Treffpunkt
jeweils spätestens 15.45 Uhr. Alle Kundgebungen von jeweils halbstündiger Dauer sind bereits genehmigt. Numachtma,
Leute.)
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