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Beitrag als PDF - Diözese Eichstätt

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4
THEMA
DER
WOCHE
Nr. 5 · 2. Februar 2014
„Wir haben ja doch was geleistet!“
Gemeindeberatung bot Möglichkeit, vor den Neuwahlen zum Pfarrgemeinderat Bilanz zu ziehen
ubelwiese oder Kummersee?
Brachland oder gut bestellte
Felder? Auf eine ungewöhnliche
Exkursion in die „Bilanz-Landschaft“ begaben sich in den vergangenen Monaten Pfarrgemeinderäte aus dem Bistum Eichstätt. Sie
nahmen das Angebot der diözesanen
Gemeindeberatung an, unter fachkundiger Begleitung auf die zu
Ende gehende Amtsperiode zurückzuschauen und kommende Aufgaben ins Auge zu fassen. „Die
Auswertung von erreichten Zielen
und der Blick auf Erfolge und
Misserfolge kann helfen, das Profil
des Pfarrgemeinderats zu schärfen,
einen gemeinsamen Abschluss auch
für ausscheidende Mitglieder zu
schaffen und Kandidaten für die
kommende Wahlperiode zu gewinnen“, begründete die Gemeindeberatung ihr Angebot.
Dass sich nur einige wenige
Pfarrgemeinden darauf einließen,
liege vielleicht daran, dass man die
Gemeindeberatung im falschen
Foto: Schalk
J
Positives hervorzuheben und manches, mit dem man nicht einverstanden
war, gelassener zu betrachten – das war Ziel der Auswertungstreffen mit
Mitgliedern der Gemeindeberatung wie Agnes Meier (r.), mit Pfarrer Richard
Herrmann und Räten aus Greding, Heimbach und Röckenhofen.
Licht sehe, meint Pfarrer Stephan
Neufanger, der dem achtköpfigen Team der Gemeindeberatung
(offiziell: Arbeitsgemeinschaft für
Organisationsentwicklung und Gemeindeberatung) seit 2009 ange-
hört. Sie werde oft für eine
Konfliktberatung gehalten („Wir
haben doch gar keine Probleme“),
ziele aber vielmehr darauf, Entwicklungsmöglichkeiten auszuloten
und das System Pfarrgemeinderat
zu analysieren mit dem Blick von
außen. „Das kann tatsächlich
etwas verändern“, weiß Neufanger,
der zwei Treffen zur Auswertung
der abgelaufenen Amtsperiode
geleitet hat. Einmal begab er sich
mit Pfarrgemeinderäten aus Burgoberbach in Klausur, ein anderes
Mal mit Ehrenamtlichen aus den
Pfarreien Greding, Heimbach und
Röckenhofen.
Seelsorger dieser drei Gemeinden
ist Pfarrer Richard Herrmann,
der die Abschlussrunde mit der
Gemeindeberatung angeregt hatte,
„weil’s gut ist, wenn man mal einen
außenstehenden Beobachter hat“.
Die geschulten Frauen und Männer
der Gemeindeberatung – die vor Ort
stets als Zweierteams im Einsatz
sind – arbeiteten mit den Räten
heraus, was sich in der Gremienarbeit bewährt hat und den künftigen Räten mit auf den Weg gegeben
werden kann. Umgekehrt gebe es,
„alte Zöpfe, die sich abschneiden
lassen“, weiß Pfarrer Herrmann.
ZUM THEMA
Hoffnung auf hohe Wahl-Beteiligung
Z
Einen großen
Umschlag
erhalten alle Wahlberechtigten bis
2. Februar. In den
roten WahlbriefUmschlag
kommen der
Wahlschein sowie
der blaue
Umschlag, in den
der Stimmzettel
eingelegt wird.
Geschäftsführer des Eichstätter
Diözesanrats, führen die meisten
bayerischen Diözesen die Wahlen
noch in herkömmlicher Form –
mit Wahllokal – durch. Lediglich
in der Diözese Würzburg gebe
es bereits die reine Briefwahl.
Im Erzbistum München-Freising
haben die Pfarreien die Wahl, für
welche der beiden Formen sie sich
entscheiden.
Der Pfarrgemeinderat wird von
den Katholiken der Pfarrgemeinde
Foto: Gess
ur Wahl der Pfarrgemeinderäte erhalten die Wahlberechtigten im ganzen Bistum in diesen
Tagen ihre Briefwahlunterlagen,
die zentral in einer Eichstätter
Druckerei in Auftrag gegeben
wurden. Die genau 344.253 Briefe
mit den Stimmzetteln sollen
bis zum 2. Februar ausgetragen
werden – meistens von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.
Am 16. Februar ist Stichtag
für die Pfarrgemeinderatswahl, die
in diesem Jahr erstmalig als allgemeine Briefwahl durchgeführt
wird. Die Wahlbeteiligung bei
den letzten Wahlen 2010 und 2006
lag im Bistum Eichstätt jeweils bei
18,6 Prozent. Allerdings haben
statistische Auswertungen ergeben,
dass diese bei den 20 Pfarreien,
die bereits 2010 die Wahlen als
Briefwahl durchgeführt hatten,
signifikant höher lag. Aus diesem
Grund werden 2014 in fast allen
Pfarreien des Bistums den Wahlberechtigten die Wahlunterlagen
unaufgefordert zugestellt. Nach
Auskunft von Richard Ulrich,
direkt gewählt. Seine Amtszeit
beträgt vier Jahre. Wahlberechtigt
sind alle Mitglieder der Pfarrgemeinde, die am Wahltag das
14. Lebensjahr vollendet haben.
Eine feste Abgabestelle für den
Wahlumschlag ist nach Auskunft
Ulrichs der Briefkasten des Pfarrbüros. „Die meisten Pfarreien
richten zusätzlich Sonderabgabestellen ein, zum Beispiel an den
Kirchenportalen“, informiert er.
Nähere Auskünfte erteilt der
jeweilige Wahlausschuss, der über
das Pfarrbüro erreichbar ist. An ihn
sollte man sich auch wenden, wenn
man glaubt, wahlberechtigt zu
sein, jedoch keine Wahlunterlagen
erhalten hat. Das kann zum Beispiel bei ganz neu Zugezogenen
der Fall sein, deren Daten beim
Druck der Wahlunterlagen noch
nicht vorlagen.
Wählbar ist jeder Katholik, der
am Wahltag mindestens 16 Jahre
alt ist. Die Kandidatinnen und
Kandidaten müssen dabei jedoch
nicht unbedingt in der Pfarrei
wohnen. So trägt die Wahlordnung
der Tatsache Rechnung, dass sich
Katholiken aufgrund der heutigen
Mobilität nicht selten in einer
anderen Pfarrei engagieren als der,
in der sie wohnen. Die Kandidatenlisten vieler Pfarreien sind auf
den Internetseiten der Pfarreien
über „www.bistum-eichstaett.de/
pfarreien“ einsehbar. Nach Auszählung der Stimmzettel am
16. Februar werden dort auch
umgehend die Wahlergebnisse veröffentlicht.
pde/gg
Ein aktiver, mündiger Pfarrgemeinderat, der das pastorale
Leben gestaltet und das Wirken
der Verbände bündelt, bedeute
„weniger Arbeit für den Pfarrer“,
gibt Herrmann unumwunden zu.
„Und das ist nicht nur in meinem
Sinn, sondern auch im Sinne des
Konzils.“
WERTSCHÄTZUNG
WICHTIG
Oft sind sich die Räte gar nicht
bewusst, was sie leisten. Neufanger
hat das bei den Auswertungsgesprächen bemerkt: „Ich habe beide
Male erlebt, dass im Vorgespräch
das Gefühl rüberkam: Was haben
wir denn schon gemacht, außer das
Pfarrfest vorzubereiten? Aber dann
sind doch noch so viele Dinge zum
Vorschein gekommen, die auch
noch gelaufen sind. Solche blinden
Flecken aufzudecken, ist für die
DER
und es gibt ja auch gemeinsame
Anliegen“. Dass die Arbeit in einem
Pfarrgemeinderat nie ausgeht und
immer wieder Veränderungen unterworfen ist, das weiß auch Pfarrer
Erwin Westermeier, Sprecher und
Gründungsmitglied der 1998 entstandenen diözesanen Gemeindeberatung. Dass die Gremienarbeit
im Grunde „ein Fass ohne Boden“
sei, müssten sich die Aktiven erst
bewusst machen, um einigermaßen
zufrieden aufs Geleistete zurückblicken zu können, meint der
Pfarrer von Winkelhaid-Burgthann,
der vier Bilanzgespräche geleitet
hat.
Weil es bei Pfarrgemeinderatssitzungen meist eine lange Themenliste in kurzer Zeit abzuarbeiten
gilt, bleibe für Innehalten und
Reflexion keine Zeit, weiß Gemeindereferentin Irmgard Schick
Wertschätzung sehr wichtig.“
Der Gredinger Vorsitzende
Manfred Butz kann zum Beispiel
berichten, dass der Pfarrgemeinderat einen Shuttlebus-Service für
Beerdigungen in die Wege geleitet
hat. So kommen alte Leute nach
dem Gottesdienst leichter den
langen Berg zum Friedhof hinauf.
Ein Punkt „an dem wir dranbleiben
sollten“ sei auch die stärkere Belebung des Arbeitskreises Liturgie,
gibt der 53-jährige Religionslehrer
Auskunft. Diejenigen, die nun aus
dem Pfarrgemeinderat ausscheiden,
täten es aus Altersgründen, nicht
aber aus Frust, nichts bewegen
zu können, berichtet Butz. Er selbst
wird erneut kandidieren, möchte
aber gerne nach 20 Jahren den
Vorsitz in andere Hände legen:
„Mal sehen, ob’s klappt.“
Dass bei der Bilanzrunde mit
der Gemeindeberatung auch die
Räte-Kollegen aus Heimbach und
Röckenhofen mit dabei waren,
fand er gut, denn „man kriegt
ansonsten wenig voneinander mit
aus Freystadt, die seit zwölf Jahren
auch Gemeindeberaterin ist. Darum
sei es gut, sich einmal ganz gezielt
der Frage zu stellen: Wo stehen wir
und wie soll es weitergehen?
Gemeinsam mit Neufanger war
Schick in Burgoberbach zu Gast.
Die dortige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Monika Popp erinnert
sich: „Meine Leute waren zuerst
skeptisch. Aber dann waren sie
ganz positiv überrascht und haben
eine Bestärkung für ihre Arbeit
bekommen.“ Etwa drei Viertel der
bisherigen Räte in Burgoberbach
kandidierten erneut, gibt Popp
Auskunft und fügt an die Adresse
der Gemeindeberatung gleich hinzu:
„Wir würden gerne wieder etwas
machen.“
Gelegenheit dazu bietet sich
bald: Wie Westermeier ankündigt,
wird es für die neugewählten
Pfarrgemeinderäte – wie schon zu
Beginn der letzten Amtsperiode –
wieder die Möglichkeit geben,
mit der Gemeindeberatung einen
Klausurtag zu planen. Gabi Gess
5
ZUM BEISPIEL
Ausrufezeichen setzen
W
enn alle Jugendlichen
zur Pfarrgemeinderatswahl
gehen würden, dann könnten sie
schon ein deutliches Ausrufezeichen setzen“, ist Markus
Hegewald überzeugt. Er weiß,
dass die Wahlbeteiligung bei
älteren und auch bei jüngeren
pation der Glaubenden an ihrer
Kirche“. Jugendliche sollten sich
„aus ihrem Glauben heraus für
die Belange anderer Kinder
und Jugendlicher einsetzen und
den Platz an dem sie in ihrer
Gemeinde stehen, selbst mitgestalten“, sagt Raithel.
Der 14-jährige
Leon Brandes
aus Wettstetten
gestaltete die
Postkarte, mit der
der BDKJ im
Dekanat Eichstätt
Jugendliche zur
Pfarrgemeinderatswahl locken will.
Foto: Kleinhans
Gute Idee vor den
Neuwahlen:
Pfarrgemeinderatsvorsitzende Barbara
Weber-Birzer und
Wahlleiter Josef
Husterer aus der
Pfarrei Pietenfeld
machten einen
Aushang an der
Kirche, auf dem
alle Bewerber mit
Foto abgebildet sind.
WOCHE
Pfarrmitgliedern nicht allzu hoch
sein wird. Und doch hat er
zusammen mit seinen Vorstandskollegen des Bunds der Deutschen
Katholischen Jugend (BDKJ) im
Dekanat Eichstätt eine kleine
Aktion gestartet, um die Wahlbeteiligung unter Jugendlichen
zu erhöhen.
1.000 FLYER
1.000 Flyer hat der BDKJ
drucken lassen, die Jugendliche
daran erinnern sollen, dass auch
sie am 16. Februar mit abstimmen
dürfen. Das kleine Infoblatt fragt
provokant, ob der Wahlschein
nur „totes Papier“ sei. Farbenfroh
wird die Antwort geliefert:
„Mach’s lebendig und gib deine
Stimme ab“. Auf der Rückseite
steht dann die nächste Frage:
„Und was bringt’s?“ Die Antwort: „Macht Deine Pfarrei
lebendiger“, heißt es in der gedruckten Version.
Hegewald sieht im Pfarrgemeinderat ein wichtiges demokratisches Gremium. Die Jugend
kann darin „das Gemeindebild
verändern“, glaubt der 20-jährige
BDKJ-Vorsitzende.
Christoph Raithel vom BDKJDiözesanvorstand sieht das
ähnlich. Bei den Wahlen zu dem
Laiengremium sei jeder Einzelne
gefragt, seine Stimme abzugeben. Für den BDKJ sei das
„ein wichtiger Teil der Partizi-
Von zahlreichen Jugendlichen
Kandidaten im Dekanat Habsberg berichtet Peter Gräff.
Der Dekanatsjugendseelsorger
hatte zusammen mit dem BDKJ
und dem Diözesanrat einen
Appell an die Pfarrer geschickt,
„geeignete Kandidatinnen und
Kandidaten vorzuschlagen, die
entweder selbst Jugendliche sind
oder ein Herz für die Anliegen
der Jugendlichen in der Pfarrei
haben“. Der Ruf scheint Gehör
gefunden zu haben. In mehren
Pfarreien, sagt Gräff im Gespräch mit der Kirchenzeitung,
würden Jugendliche zur Wahl
antreten. Dies sei wichtig, da
Jugendliche „es verdienen, ernstgenommen zu werden“, heißt es
in dem Brief. Dabei seien auch
„unbequeme Jugendliche“ willkommen, da sie „zur Lebendigkeit und zur Weiterentwicklung“
des Dekanats beitragen würden.
Die bevorstehenden Wahlen seien
eine Chance, die „wir nicht
verstreichen lassen dürfen“.
Es sei wichtig, dass Jugendliche
„nicht nur nachberufen werden“
in den Pfarrgemeinderat, sondern
als gewählte Mitglieder auch
„Sitz und Stimme bekommen“,
schreiben Gräff, Sabrina Weidinger vom BDKJ in der Region
Oberpfalz, Dekanatsjugendreferent Klaus Schubert und der
Dekanatsratsvorsitzende Anton
Lang.
Andrea Franzetti
Foto: vb
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Nr. 5 · 2. Februar 2014
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