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DAS REDEN IN ANDEREN SPRACHEN – was steckt - inSpirit

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DAS REDEN IN
ANDEREN SPRACHEN
– was steckt dahinter?
„Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden,
jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab.”
Apostelgeschichte 2,4 / Gute Nachricht Bibel
Ein kirchengeschichtliches Phänomen unserer Zeit ist das schnelle
weltweite Wachstum pfingstlicher und charismatischer Kirchen
und Gemeinden. Wegen der Auffälligkeit des Sprachengebets, das aus
der Erfahrung der Taufe im Heiligen Geist nach Apostelgeschichte 2
hervorgeht und in den Pfingstkirchen praktiziert wird, konzentrieren
sich viele Fragen und Studien auf die Geistestaufe sowie auf das von
Gottes Geist inspirierte Reden in anderen Sprachen.
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INSPIRIT 3/2002
Von Charles W. Conn
as neutestamentliche Sprachengebet wird aus praktisch allen Epochen der Kirchengeschichte berichtet,
besonders aber aus Zeiten geistlicher
Erwekkung und Erneuerung. Dabei
handelte es sich zumeist um sporadische Erscheinungen mit begrenzter
Verbreitung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch kam es zu einem
weltweiten Auftreten dieser Erfahrung mit dem Heiligen Geist. Fast
gleichzeitig wurde aus vielen Teilen
der Welt von dem Erlebnis der Zungenrede berichtet. Dabei war die rasche und weite Verbreitung des
Sprachengebets ein so großes Wunder wie das Phänomen selbst. Es
war, wie wenn ein neues Pfingsten
gekommen wäre. Christen, welche
die Taufe im Heiligen Geist erlebten
und die Gabe des Sprachengebets
praktizierten, wurden als „Pfingstler”, ihre Gemeinden als „Pfingstgemeinden” bezeichnet.
Wenn manche, entsprechend ihren modernen Vorstellungen, vielleicht meinen, die ersten Christen
wären naiv und ungebildet gewesen,
müssen sie doch zugeben, dass sie
Gott gegenüber auf eine Art und
Weise offen waren, wie wir es heute
kaum noch kennen. Und wir merken, wie in einer Zeit des wissenschaftlichen Fortschritts und des
Unglaubens der Mensch nach dieser
Einfachheit des Glaubens und der
persönlichen Gotteserfahrung hungert. Und dazu gehören die Taufe im
Heiligen Geist und das von ihm inspirierte Reden und Beten in anderen Sprachen.
D
Aktivitäten des Heiligen Geistes
Das Sprachengebet geht direkt
auf die Praxis und Lehre der Heiligen Schrift zurück. Dort ist ersicht-
lich, dass das Spachengebet bei der
Erfahrung der Taufe im Heiligen
Geist als äußeres Zeichen und Zeugnis einer inneren Erfüllung durch
den Geist in Erscheinung tritt.
Der Heilige Geist ist aber in allen
Bereichen des christlichen Lebens
aktiv, nicht nur in der Geistestaufe.
So ist der Heilige Geist, die dritte
Person der Dreieinigkeit Gottes, bereits an der Bekehrung des Sünders
beteiligt, indem er ihn von seiner
Sünde überführt: „Er wird den Menschen zeigen, was Sünde ist und was
Gerechtigkeit und was Gericht” (Johannes 16,8). Von ihrer Bekehrung
an wohnt der Geist Christi im Herzen aller Christen und vermittelt ihnen die Gotteskindschaft: „Wer diesen Geist – den Geist von Christus –
nicht hat, gehört auch nicht zu ihm...
So macht sein Geist uns im Innersten gewiss, dass wir Kinder Gottes
sind” (Römer 8,9.16). Es ist auch der
Geist Gottes, der in dem Gläubigen
die Frucht der Liebe, Freude und des
Friedens, der Geduld, Freundlichkeit
und Güte, Treue, Bescheidenheit und
Selbstbeherrschung hervorbringt
(Galater 5,22-23).
Neben dem erneuernden Wirken
des Geistes bezeugt die Bibel aber
auch eine weitere, tiefergehende Erfahrung des Geistes, die jedem vom
Geist Gottes erneuerten Menschen
zugänglich ist. Es ist die Taufe im
Heiligen Geist, von der im zweiten,
achten und zehnten Kapitel der
Apostelgeschichte berichtet wird.
Das eine ist das Geschenk der Vergebung aus der Hand des für uns sterbenden Heilands, das andere das Geschenk der Kraft und des Zeugenmutes aus der Hand des für uns auferstandenen Herrn.
Über das erneuernde Wirken des
Heiligen Geistes hinaus versprach
Jesus seinen Nachfolgern eine
weitergehende Erfahrung mit dem
Heiligen Geist: „Ich werde den Vater
bitten, dass er euch an meiner Stelle
einen anderen Helfer gibt, der für
immer bei euch bleibt, den Geist der
Wahrheit. Die Welt kann ihn nicht
bekommen, weil sie ihn nicht sehen
kann und nichts von ihm versteht.
Aber ihr kennt ihn, denn er wird bei
euch bleiben und in euch leben“ (Johannes 14,16-17).
Übernatürliche Kraftausrüstung
Bei seiner Himmelfahrt erklärte
Jesus den Jüngern, dass in seinem
Namen den Menschen aller Völker
verkündet werden muss, dass ihnen
um seinetwillen Umkehr zu Gott
und Vergebung der Schuld angeboten wird. Sie, die Zeugen geworden
sind von allem, was geschehen ist,
sollten es überall bezeugen. Dann
fuhr er fort und sagte: „Ich aber
werde den Geist, den mein Vater
versprochen hat, zu euch senden.
Wartet hier in der Stadt, bis das eintritt und ihr mit der Kraft von oben
gestärkt werdet“ (Lukas 24,46-49).
Und in Apostelgeschichte 1,8 berichtet Lukas noch, wie Jesus zu den
Jüngern sagte: „Ihr werdet mit dem
Heiligen Geist erfüllt werden, und
dieser Geist wird euch die Kraft geben, überall als meine Zeugen aufzutreten: in Jerusalem, in ganz Judäa
und Samarien und bis ans äußerste
Ende der Erde.“ Das war kein Versprechen einer geistlichen Neugeburt oder der Errettung, sondern
eine Zusage der Ausrüstung mit
übernatürlicher Kraft. Die Betonung
lag nicht auf christlichem Leben,
sondern auf christlichem Dienst.
Der Erlebnis der Nachfolger Jesu
an Pfingsten in Jerusalem wird als
eine Erfüllung mit dem Heiligen
Geist beschrieben. In der Apostelgeschichte finden wir mehrere weitere
Begebenheiten, wo das Kommen des
Geistes in Kraft beschrieben ist.
Diese beziehen sich offensichtlich
auf die gleiche Erfahrung der Übermittlung göttlicher Kraft. Es heißt
dort, dass der Heilige Geist über sie
ausgegossen wurde, auf sie herabgekommen ist, ihnen von Gott geschenkt wurde, damit sie vom Heiligen Geist getauft und mit seiner
Kraft erfüllt würden. Es war ein
Eintauchen des Gläubigen in den
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Geist, seine Bevollmächtigung
zum Dienst und seine Befähigung,
die geistliche Lebensfrucht hervorzubringen, von der Jesus in Johannes 15,4-5 spricht.
In der geistlichen Neugeburt
wird neues, ewiges Leben aus Gott
vermittelt, und der, der es empfängt, ist errettet. In der Taufe des
Heiligen Geistes wird göttliche
Kraft vermittelt, und der, der sie
empfängt, ist zum Dienst befähigt.
Die Taufe im Heiligen Geist hat
keine direkte Beziehung zur Reinigung von Sünde, sondern es ist die
Vermittlung übernatürlicher Kraft
und Gaben zum Dienst. Jede
Stelle in der Bibel, wo die Taufe
mit dem Heiligen Geist erwähnt
ist, bezieht sich auf Zeugnis und
Dienst.
Voraussetzungen zum Erfülltsein
So wie es biblische Voraussetzungen zur Sündenvergebung gibt,
gibt es Bedingungen für die Taufe
im Heiligen Geist. Um errettet zu
werden, muss jemand an den
Herrn Jesus glauben (Apostelgeschichte 16,31) und seine Sünden
bereuen (Apostelgeschichte 3,19).
Um im Heiligen Geist getauft zu
werden, muss sich der Gläubige zu
allererst von der Welt absondern
(Römer 8,1-15; Johannes 14,16-17).
Der Heilige Geist kann kein Herz
erfüllen, das noch voll ist von der
Welt und ihren Lüsten. Dann
braucht es ein Gott hingegebenes
Leben, so wie wir es bei den ersten
Jüngern sehen: „Sie alle waren
einmütig beieinander und beteten
beharrlich um das Kommen des
Heiligen Geistes“ (Apostelgeschichte 1,14). Eine weitere Voraussetzung ist ein intensives Verlangen nach geistlicher Fülle, das
Jesus mit physischem Hunger und
Durst vergleicht (Matthäus 5,6; Johannes 7,37-39).
Wenn wir hungrig und durstig
nach der Fülle des Geistes sind,
werden wir ganz von selbst im Gebet um das Überkleidetwerden mit
Gottes Kraft suchen. Jesus lehrte
seine Nachfolger und sagte: „Ist
unter euch ein Vater, der seinem
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Kind eine Schlange geben würde,
wenn es um einen Fisch bittet? Oder
einen Skorpion, wenn es um ein Ei
bittet? So schlecht ihr auch seid, ihr
wisst doch, was euren Kindern gut
tut, und gebt es ihnen. Wie viel mehr
wird der Vater im Himmel denen den
Heiligen Geist geben, die ihn darum
bitten“ (Lukas 11,1-13).
Das Neue Testament berichtet
mindestens von drei Situationen, wo
der Heilige Geist als Antwort auf ernstes Gebet über die Gläubigen ausgegossen wurde: Bei den ersten Jüngern
an Pfingsten (Apostelgeschichte 1,14),
bei Paulus (Apostelgeschichte 9,11)
und bei Kornelius (Apostelgeschichte
10,4).
Für den Empfang der Taufe im
Heiligen Geist ist auch Gehorsam
gegenüber Gott notwendig – in der
Hingabe, im Lebenswandel, geistlichen Wachstum und Dienst. Petrus
sagte: „Das alles haben wir zu bezeugen, und durch uns bezeugt es der
Heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen“ (Apostelgeschichte 5,32).
„Wenn der Heilige
Geist auf sie fiel,
verhielten sich die
ersten Christen alle
gleich: sie beteten
und lobten Gott in
anderen Sprachen.“
Wichtigkeit der Zungenrede
In der Bibel ist die Taufe mit dem
Heiligen Geist immer von auffälligen
Offenbarungen göttlicher Gegenwart
begleitet. Die normale Manifestation
war das Reden in fremden Sprachen.
Dieses Phänomen war der verlässliche Beweis, dass der Heilige Geist gekommen war. Es gab andere Beweise,
die später zu beobachten waren – wie
z.B. ein Leben in geistlicher Hingabe
und Kraft, geistlicher Freimut und
zunehmende Wirksamkeit im Dienst.
Während diese Auswirkungen der
Geisttaufe sich erst mit der Zeit zeigten, war das Reden in fremden Sprachen das spontane, sofortige Zeugnis
der Erfüllung mit dem Heiligen Geist.
Deshalb wird das Reden in anderen
Zungen als das anfängliche Zeichen
der Geistestaufe gesehen.
Wenn man das Neue Testament
liest, kann man nicht umhin, als zu
schließen, dass das Sprachengebet
unter den Christen der Urgemeinde
alltäglich war. Die Christen des
Neuen Testaments betrachteten das
Übernatürliche als normalen Aspekt
des Christenlebens.
Nur die Ungläubigen betrachteten
die Zungenrede als abnormal. Am
Pfingstfest in Jerusalem waren die
zusammengelaufenen Menschen völlig verwirrt. Erstaunt und ratlos fragten sie einander, was das bedeuten
solle. Andere machten sich darüber
lustig und meinten: „Die Leute sind
doch betrunken!“ (Apostelgeschichte
2,6-12). Doch Petrus, erfüllt vom Heiligen Geist, stand auf, und die anderen Apostel mit ihm, und erklärte ihnen mit Nachdruck, dass die Leute
nicht betrunken waren, sondern dass
hier Gottes Geist am wirken war, wie
er es schon durch den Propheten Joel
versprochen hatte.
Das geistgewirkte Reden in fremden Sprachen war nicht auf die Erfahrung der Jünger an Pfingsten in
Jerusalem begrenzt. Ob es sich um
Galiläer in Jerusalem handelte, Samariter in ihrem eigenen Land, Römer in der judäischen Hafenstadt Cäsarea, Juden aus der Diaspora in
der vorderasiatischen Metropole
Ephesus oder um Griechen im kosmopolitischen Korinth – wenn der Heilige
Geist auf sie fiel verhielten sich die ersten Christen alle gleich: sie beteten
und lobten Gott in anderen Sprachen.
Für das Reden in anderen Sprachen
durch den Heiligen Geist benützt das
ursprünglich in Griechisch verfasste
Neue Testament den Begriff glossais
lalein (glossa = Zunge oder Sprache).
Dieser Ausdruck lebt heute in Glossolalie, dem theologischen Fachbegriff für
das Sprachengebet, weiter. Dieser Begriff findet im Neuen Testament immer
wieder Verwendung, um das Phänomen
der Zungenrede zu beschreiben:
„Die Glaubenden werden an folgenden Zeichen zu erkennen sein: In meinem Namen werden sie böse Geister
austreiben und in unbekannten Sprachen reden...“ (Markus 16,17).
„Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt
und begannen in anderen Sprachen zu
reden...“ (Apostelgeschichte 2,4).
„Die einen befähigt der Geist, in unbekannten Sprachen zu reden; andern
gibt er die Fähigkeit, das Gesagte zu
deuten.“ (1. Korinther 12,10)
„Wenn ich die Sprachen aller Menschen spreche und sogar die Sprache
der Engel, aber ich habe keine Liebe –
dann bin ich doch nur ein dröhnender
Gong oder eine lärmende Trommel“ (1.
Korinther 13,1).
„Wenn du aber in unbekannten
Sprachen redest, sprichst du nicht zu
Menschen, sondern zu Gott“ (1. Korinther 14,2).
„Wenn ihr zum Gottesdienst zusammenkommt, kann jeder und jede
etwas dazu beitragen: ein Lied vorsingen oder eine Lehre vortragen oder
eine Offenbarung weitergeben oder in
unbekannten Sprachen reden oder die
Deutung dazu geben. Aber alles muss
dem Aufbau der Gemeinde dienen“ (1.
Korinther 14,26).
Alle diese Texte beziehen sich anscheinend auf die gleiche geistliche
Manifestation geistgewirkter Sprache,
die nicht die natürliche Rede oder
Sprache des betreffenden Gläubigen
ist. Sie bleibt ihm unverständlich, es
sei denn der Heilige Geist inspiriert
auch ihre Auslegung.
Vom Urtext des Neuen Testaments her muss davon ausgegangen
werden, dass nicht alle Sprachenrede in der gleichen Sprache erfolgt,
sondern dass es sich um verschiedene geistgewirkte Sprachen handelt. In Apostelgeschichte 2,4 beziehen sich die „anderen Sprachen“ auf
Sprachen, die in Ländern außerhalb
Palästinas gesprochen wurden. Die
„unbekannte“ Zungenrede in 1.
Korinther 14,2 konnte jedoch keine
damals gesprochene Sprache gewesen sein, denn sie war allen Zuhörern unverständlich, außer wenn der
Heilige Geist dazu die Übersetzung
schenkte. Vielleicht bezieht sich dort
auch der Ausdruck „Sprache der Engel“ auf die im Natürlichen unverständliche Sprachenrede.
Prophetische Erfüllung
Das neutestamentliche Phänomen
der Sprachenrede besteht in der Erfüllung verschiedener prophetischer
Verheißungen. Petrus erklärte am
Pfingsttag in Jerusalem: „Hier geschieht, was Gott durch den Propheten Joel angekündigt hat“ (Apostelgeschichte 2,16). Joel hatte vorausgesagt: „Weiter sagt der Herr: Es
kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. Eure Männer und Frauen
werden dann zu Propheten; Alte und
Junge haben Träume und Visionen.
Sogar über die Knechte und Mägde
werde ich zu jener Zeit meinen Geist
ausgießen“ (Joel 3,1-2). Indem Petrus diesen Text zitierte, bestätigte
er die Ausgießung des Heiligen Geistes als positiven Beweis von Gottes
Gegenwart unter seinem Volk.
Auch Jesus hat das inspirierte
Reden durch den Geist vorhergesagt: „Der Helfer wird kommen, der
an meine Stelle tritt. Es ist der
Geist der Wahrheit, der vom Vater
kommt... Er wird als Zeuge über
mich aussagen“ (Johannes 15,26).
Und in Johannes 16,13 sagt Jesus:
„Er [der Heilige Geist] wird meine
Herrlichkeit sichtbar machen; denn
was er an euch weitergibt, hat er von
mir.“ An Pfingsten bezeugte der
Geist die wunderbaren Werke Gottes, und er tat es durch die Stimmen
der Jünger. (Apostelgeschichte
2,4.11).
In Markus 16,17-18 haben wir von
Jesus eine spezifische Vorhersage der
Zungenrede: „Die Glaubenden werden an folgenden Zeichen zu erkennen sein: In meinem Namen werden
sie böse Geister austreiben und in
unbekannten Sprachen reden. Wenn
sie Schlangen anfassen oder Gift
trinken, wird ihnen das nicht schaden, und Kranke, denen sie die
Hände auflegen, werden gesund.“
Das ist offensichtlich eine Prophetie
über die geistliche Kraftausrüstung
derer, die den Dienst Jesu fortsetzen
sollten. Von den genannten Manifestationen dieser Kraft – besonders
das Austreiben böser Geister, das Reden in anderen Sprachen und die
Heilung der Kranken – gibt es in der
Apostelgeschichte mehrere Berichte.
Der historische Bericht
Die ursprüngliche Ausgießung des
Heiligen Geistes auf die Jünger in
Apostelgeschichte 2,1-4 beinhaltet
auch den ersten Bericht der Sprachenrede unter den Aposteln:
„Als das Pfingstfest kam, waren
wieder alle, die zu Jesus hielten, versammelt. Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm
vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in
dem sie waren. Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und
auf jeden ließ sich eine Flammenzunge nieder. Alle wurden vom Geist
Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und
jede, wie es ihnen der Geist Gottes
eingab.“
Zwischen Jesu Himmelfahrt und
dem Pfingstfest – eine Zeitspanne
von etwa 10 Tagen – befanden sich
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die Nachfolger Jesu, etwa 120 an
der Zahl, in Jerusalem. Während sie
sich entweder im Tempel (Lukas
24,53) oder im Obergemach des Hauses aufhielten, wo Jesus und die Zwölf
wahrscheinlich ihr letztes Mahl miteinander gefeiert hatten (Johannes
20,19), war ihre Stimmung von großer
Freude gekennzeichnet (Lukas 24,53).
Sie waren einmütig beieinander, priesen Gott und beteten beharrlich um
das Kommen des Heiligen Geistes
(Apostelgeschichte 1,14).
Dreimal hatte Jesus ihnen versprochen, einen anderen Begleiter zu senden: zweimal beim letzten Mahl mit
ihnen (Johannes 14,16.26; 16,7) und
einmal direkt vor seiner Himmelfahrt
(Lukas 24,49; Apostelgeschichte 1,8).
So erwarteten die Jünger das Kommen des Geistes, obwohl sie nicht wissen konnten, wie es geschehen würde.
Das Wort „plötzlich“ im Bericht von
Lukas deutet an, dass der Heilige
Geist für sie mit unerwarteter Kraft
und Herrlichkeit kam.
Als an Pfingsten der Geist über sie
ausgegossen wurde, war sein Kommen
von drei Phänomenen begleitet – das
Rauschen eines Windes, die Erscheinung von Feuer und das Reden in
fremden Sprachen. Das Rauschen kam
vom Himmel her und ging durch das
ganze Haus, wo die Jünger versammelt waren. Da war aber kein Wind,
nur das Rauschen „wie eines Windes“.
Die Erscheinung des Feuers erfüllte
den Raum, zerteilte sich und ließ sich
auf jeden der 120 Betenden in Form
einer Flammenzunge nieder. Wie der
Wind, war auch das Feuer kein wirkliches Feuer, sondern „wie Feuer“. Dann
begannen die Jünger alle in fremden
Sprachen zu reden, und Wellen des
Gotteslobes flossen über ihre Lippen.
Auf diese Weise wurde ihr Hören, Sehen und Reden hineingenommen in
die Anbetung Gottes. Jeder und jede
redete laut in fremden Sprachen von
den großen Taten Gottes, wie es ihnen
der Geist Gottes eingab.
Das Phänomen des Windes und der
Feuerzungen traten scheinbar nur bei
dieser ursprünglichen Geisterfahrung
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auf. Bei späteren Erfahrungen inspirierter Sprachenrede im Neuen Testament
werden sie nicht wieder erwähnt. Es ist
daher anzunehmen, dass Wind und
Feuer nur einem einmaligen Zweck
dienten, während die Sprachenrede immer wieder erlebt wurde.
Vom Text in Apostelgeschichte 2,4
ausgehend, wurden alle anwesenden
Nachfolger Jesu mit dem Heiligen Geist
getauft und alle begannen, in anderen
Sprachen zu reden. Andere Wunderzeichen (Markus 16,17-18) und andere Geistesgaben (1. Korinther 12,8-10) traten
nicht in Erscheinung. Nur die Sprachenrede war spontanes Zeugnis der Erfüllung.
Die Auswirkung
Das Pfingstfest brachte jedes Jahr
große Mengen jüdischer Pilger aus vielen Ländern nach Jerusalem. Ihre
Gegenwart bestätigte eindrucksvoll das
Wunder der Sprachenrede. Diese frommen Juden und einige Proselyten (Heiden, die zum jüdischen Glauben übergetreten waren) waren perplex, als sie die
Nachfolger Jesu aus Galiläa in fünfzehn
oder mehr fremden Sprachen reden hörten.
Die genannten Nationalitäten repräsentierten buchstäblich das ganze damalige Römische Reich. Die Auflistung
der weit auseinander liegenden sprachlichen und ethnischen Volksgruppen ist
von großer Wichtigkeit. Es bedeutet,
dass eine kleine Gruppe Galiläer aus
ländlicher Gegend unter der Inspiration
des Geistes in mindestens fünfzehn
Sprachen redeten, die sie nicht gelernt
haben konnten und die sie wahrscheinlich in den meisten Fällen noch
nie zuvor gehört hatten.
Dass das vom Geist angeregte Reden
aus erhabenem Lob Gottes und nicht
aus neurotischem Plappern bestand,
zeigt die Reaktion der Menge: „Wir alle
hören sie in unserer eigenen Sprache
die großen Taten Gottes verkünden!“
(Apostelgeschichte 2,11). Andere jedoch
waren sicher, dass das ekstatische, eindrucksvolle Reden der Jünger durch zu
üppigen Genuss von Wein verursacht
war.
Aufgrund der Erklärung des Petrus und seiner nachfolgenden Predigt bekehrten sich dreitausend
Menschen zu Jesus. Hier erkennen
wir etwas Wichtiges: Die Zungenrede
brachte eine Menschenmenge zusammen und verherrlichte Gott. Doch in
der Bekehrung der Menschen ersetzte sie nicht die Predigt. Das Argument, dass die Sprachenrede zur
Evangelisierung der Verlorenen gegeben wurde, ist nicht haltbar. Die
Sprachenrede wurde vielmehr geschenkt als Zeugnis der Erfüllung
durch den Heiligen Geist und als Zeichen der Gegenwart Gottes bei den
Menschen. Egal in welchem Zusammenhang, die Auswirkung der
Ausgießung des Geistes bestand immer in Offenbarungen geistlicher
Kraft. Und das Reden in anderen
Sprachen war die auffallendste und
faszinierendste unter ihnen.
■
Der Autor
Dr. Charles W. Conn, Bibellehrer und Historiker, lebt im aktiven Ruhestand in Cleveland,
Tennessee (USA). Er hat der Church of God
u.a. als Generalvorsteher, Präsident von Lee
College und Chefredakteur gedient. Der Artikel
stammt aus seinem Beitrag zu dem Buch THE
GLOSSOLALIA PHENOMENON, Wade H. Horton,
ed. (Cleveland: Pathway Press, 1966).
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Seele and Geist
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