close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Flyer Werksbesichtigung

EinbettenHerunterladen
Freitag,
1 6.
Der Zürcher Zeitung 18S. Jahrgang
Oktober 1964
Preis 25 Rp.
er Mtum
9tmc
und schweizerisches Handelsblatt
Täglich drei Ausgaben
Telephon (051) 32
7::-:_t.
n_ 11,
:__ . l?_li
>
1 1
Falkenstraße
Zürich
Redaktion:
71 00
der Offiziere gegenüber der Oeffnung des sibirischen Luftraums für die Zivilluftfahrt mit
der Bemerkung kritisiert haben, daß diese
schtschews Alter oder sein Gesundheits- Clique langsam ein «Staat im Staate» werde.
Führungswechsels
zustand die Ursache des
Japanische Stellen gehen so weit, zu bewar, belegt mun hier nicht nur mit dein Hin- haupten,
daß durch den Sturz Chruschtschews
weis auf das Schicksal von Chruschtschows
Schwiegersohn Adschubej, sondern auch mit die Politik der «friedlichen Koexistenz» zu
gekommen sei. Die neue Phase sei
ihrem
Ende
Tatsache,
der
daß über Nacht sämtliche Bilder
voraussichtlich als ein Versuch zu werten, die
des Sowjetführers verschwunden sind.
Reihen wieder zu schließen und die schädDie Hinweise, daß es die sowjetische lichen Einflüsse der kommunistischen RivaliChinapolitik war, die Chruschtschew zum tät, die sich vor allem in. den EntwicklungsVerhängnis wurde, beziehungsweise die dro- ländern bemerkbar machten, zu tilgen.
hende Spaltung anläßlich der geplanten
Kommunistenkonferenz im Dezember, die
Zurückhaltung in n
Fehlschlage im Wirtschafts- und ProduktionsBon
programm der Sowjetunion, die Widerstände
T. W. Bonn, .1 6 Oktober
der Armee gegen die Idee, daß allein den
Nuklearwaffen in Zukunft Bedeutung zuDie Bundestagsdebatte ist seit Donnerstagkomme
all das unterstreicht nach japani- abend in den Schatten der überraschenden
scher Meinung nur die einzelnen Aspekte der Nachrichten aus Moskau geraten. Gegen Abend
totalen Auswegslosigkeit, der man durch eine begannen in den Wandelgängen des BundesWendung zu entrinnen sucht, die letzten
hauses die ersten unklaren Meldungen zu zirEndes zum Konzept des Internationalen Kom- kulieren, nachdem noch wenige Stunden zumunismus und zu einer neuen Schließung der vor im Plenum Bundeskanzler Erhard seine
Front gegenüber dem Westen zurückführen Bereitschaft zu Gesprächen mit Chruschtschew
könnte. Im Außenministerium weist man auf in Bonn erneuert und deren Wert erläutert
eine Rede Suslows hin, die im Zusammenhang hatte. Dieses Treffen zwischen dem deutschen
mit den Beratungen des Präsidiums über und dem sowjetischen Regierungschef, das der
Chruschtschows Rücktritt gehalten worden Schwiegersohn Chruschtschews, Adschubej,
sein soll und die einen Schlüssel für die zu- der auch abgetreten ist. noch diesen Sommer
künftige sowjetische Politik enthalten könnte. hier mit vorbereitet hatte, wird nun wohl ausDaß die Militärs beim Wechsel als einfluß- fallen.
reiches Element in Erscheinung traten, glaubt
Von seiten der Regierung wurde heute erman in Tokio aus einigen Bemerkungen Miko- klärt,
Aufgabe, Spekulationen
es sei nicht ihre
jans ableiten zu können, die der Armenier anmögliche Entwicklungen und Rückwirüber
läßlieh seines Besuches in Japan gegenüber kungen anzustellen. Die e
n e u sowjetische Redem früheren japanischen Außenminister gierung werde sicherlieh ihre außenpolitische
Fujiyama gemacht hat; wie man hört, soll
innenpolitische
sowie ideologische Linie
Mikojan damals den hartnäckigen Widerstand und
öffentlich darstellen. Die deutsche Politik
werde bestimmt durch die Lebensinteressen
des deutschen Volkes und seinen Anspruch
auf alle Grundfreiheiten und -rechte, insbesondere auch auf das Recht auf Selbstbestimmung. Die sich hieraus ergebenden Ziele
werde die Bundesregierung unabhängig von
^diesem Regierungswechsel unverändert weiter
verfolgen., Das offizielle Bonn hält so mit
Kommentaren zurück. Auch die Auskünfte,
die das Auswärtige Amt von seiner Botschaft
in Moskau erhält, haben das Dunkel nicht
aufgehellt, in dem Politiker wie Experten
noch tappen, vor allem was die Folgen für
die Deutschlandpolitik des Kreml? betrifft.
Man mißt dem chinesisch-sowjetischen Konflikt eine wichtige Rolle bei dem Führungs-
Der Umsturz in Moskau
Weitere Säuberungen
Moskau, 16. Okt. ag (AFP) Wie aus sicherer Quelle verlautete, sind außer Alexe
i
Adschubej, Chefredaktor der «Iswestija»,
auch Pawel Satiukvw, Chefredaktor der
«Prawda», und Michail Charlanow, Direktor
des sowjetischen Radios und Fernsehens, ihrer
Punktionen enthoben worden.
Japanische Mutmaßungen
Von unserem Korrespondenten
fst. Tokio, 16. Oktober
Japanische politische Kreise und die
Sowjetexperten der Regierung sind der Ansicht, daß der Führungswechsel in Moskau
mit Gewalt bewerkstelligt wurde. Das
japanische Außenministerium weist darauf
hin, daß zwar seit langer Zeit Anzeichen vorhanden waren, die auf eine interne Diskussion
der Sowjetführung mit schwerwiegenden Folgen schließen ließen. Doch kommt die Nachricht vom Ausscheiden oder vielmehr vom
Sturz Chruschtschows als V eher raschung,
wobei es noch zu früh ist, die Auswirkungen
auf die internationale Lage abschätzen zu
können.
Nach vorläufigen und inoffiziellen Erklärungen japanischer Regierungssprecher besteht kein Zweifel darüber, daß Chruschtschew
einer Macht weichen mußte, hinter der man
Suslow und eine jüngere Managergruppe der
Partei und vielleicht die Militärs vermuten
muß. Daß Druck von außen und nicht Chru-
Soldaten auf dem Roten Platz in Moskau lexen die Kunde vom Rücktritt Chruschtschews
in den Morgenzeitungen
AP-Kaboibiid
Klassisches und modernes Weltthcater
haj. Prag ist nicht nur eine der lebendigsten,
sondern auch eine der traditionwreichsten Theaterstädto der Welt. Immer wieder wird der Besucher
hier an Glanzpunkte der Theatergeschichte erinnert: In dem in gedämpf ton Rot- und Goldtönen leuchtenden, mit intimen Logen ausgestatteten Tyl-Theater, das bei seiner Gründung 1783
No.stiz-Theater hieß und später das Stündetheater
genannt wurde, fand die Uraufführung von
Mozarts «Don Giovanni» statt. In gleicher Unversehrtheit erhebt sich am Ufer der Moldau das
aus Spenden des tschechischen Volkes errichtete,
nach dem Brande von 1881 neu aufgebaute und
1883 mit «Libussa» eröffnete Xationaltheater, in
welchem der Geist Smetanas und Dvofaks lebendig ist, in dem aber neben den Klassikern des
Opernrepertoires4 auch die Schöpfer des modernes
Musiktheaters Gastrecht genießen. Wir sahen hier
eine sehr eindrucksvolle Wiedergabe von Leos
Janaecks Dostojewski-Oper «Aus einem Totenhaus» unter der Stabführung von Bohumil Gregor.
Für die von Ladislaus Stros inszenierte Aufführung hatte Vladimir Nyvlt betont moderne Bühnenbilder geschaffen, die in einem reizvollen Kontrast zum altehrwürdigen Prunk des Zuschauerraums standen, der im besten Sinne die Spuren
des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts aufweist. Aber nicht nur traditionelle Werke werden
in Prag in modernster Weise vergegenwärtigt, sondern hier ist anderseits auch die sogenannte
Avantgarde traditionell fundiert und hängt nicht
im luftleeren Raum wie in manchen andern Lan-
dern: Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges
bildete sich, gewissermaßen im Schatten der offiziellen Theater, eine avantgardistische Theaterbewegung, die vor allem durch Jindfich Honzl
und
E. F. Bnrian
Jifi Frejka (1904 1952) gefördert wurde und
i h r Früchte trägt.
die heute e
(1894
(1904
Dem westlichen Besucher
füllt als besonderes
Charakteristikum auf, daß das Ensembletheater,
Verlust bei uns beklagt und zu dessen Rettung aufgerufen wird, in Prag eine Realität darstellt. Daß es in Prag, aber auch in den Provinztheatern (von denen einzelne ganz beträchtliche
Leistungen vollbringen sollen, wie mir Prager
Fachleute versicherten) noch geschlossene Ensembles gibt, ist nicht zuletzt auf eine zur Tugend
gemachte Not zurückzuführen: der tschechoslowakische Sprachkreis ist relativ klein, die Theaterkünstler sehen sich auf die innerhalb dieses Kreis e gebotenen Arbeitsmöglichkeiten verwiesen, und
außerdem ist Prag nach wie vor das kulturelle
Zentrum der Nation, in dem auch die Spitzenkräfte des Theaters tätig sind. Betonten uns gegenüber verschiedene Regisseure auch die Nachteile,
die diese gefestigte Situation mit sich bringt, vor
allem die Gefahr der Erstarrung: infolge einer zu
g
seltenen Erneuerun
in den einzelnen Ensembles,
so sind ilicsc doch immer noch weit kleiner als die
Vorteile, die sich aus der Erhaltung des Ensembletheaters ergeben und als welche vor allem ein sinnvoll geplantes und aufgebautes Repertoire und
genügende Probenzeiten genannt werden müssen.
Das Nationaltheater beispielsweise verfügt über
ein ständiges Repertoire von etwa zwanzig Stücken,
die beliebig in das Programm eingesetzt werden
können. Dazu kommen sechs bis acht, manchmal
dessen
Anklageerhebung
in der «Spiegel »-Affäre
Karlsruhe, 16. Okt. (UPI) Wie Generalbundesamvalt Martin am Freitag mitteilte, ist
in der «Spicgel»-Affäre Anklage gegen drei
Beteiligte erhoben worden. Wegen Landesverrats wurden der Herausgeber des «Spiegels»,
Rudolf Augstein, Redaktor Conrad
Ahlers und Oberst Martin angeklagt.
Außerdem beantragte er, den Rechtsanwalt
Augstein aus Hannover, einen Bruder
Josef
des Herausgebers, und den Generalkonsul
Paul Conrad außer Verfolgung zu setzen.
gegen Patenterklärungen, die wie ein falsches
Etikett auf eine Flasche aufgeklebt würden.
Den Westen forderte er auf, geschlossen auf
diese Veränderungen zu reagieren; es sei ein
schwerer Irrtum, wenn jedes einzelne Land
dies auf eigene Faust zu tun versuche.
Heute morgen hatte im Bundestag der
sozialdemokratische Politiker Wenzel Jaksch
zu Ostfragen Stellung genommen, aber jede
Klarheit in den entscheidenden Fragen vermieden, die durch die Kontroversen um Minister Seebohms Sonntagsreden entstanden
waren. Eine pointierte Stelle in der Rede des
Bundeskanzlers habe ihn, Jaksch, mit Sorge
erfüllt, daß er sich nämlich in der Frage des
Heimatrechts bereits in negativer Weise festgelegt habe. Die Unklarheit dauert so an, doch
erwartet man von der heutigen Aussprache
der Sudetenpolitiker mit Erhard eine Klä-
rung.
Die Reaktion in London
E. M. London, 16. Oktober
Der Stellvertretende SPD-Vorsitzende
Wehner wies heute/Vor dem Bundestag darauf
hin, daß manche der gestrigen Ausführungen
relativiert worden seien. Der unerwartete
Sturz Chruschtschows bestätigte erneut, wie
wenig wir in Wahrheit von den Vorgängen in
Moskau wüßten. Der Prozeß der inneren
Aenderungen im Ostblock werde weiter andauern; dabei seien Gründe innerer Art in der
Sowjetunion wie im gesamten Machtbereich
von besonderer Bedeutung. Wenn zwei miteinander liefen
in diesem Falle Breschnew
und Kosygin
könne es bald dazu kommen,
daß nur noch einer der beiden laufe oder aber
ein Dritter auftauche. Wehner wandte sich
Der Sturz Chruschtschews hat in der britischen Oeffentlichkeit ein Gefühl der Ungewißheit geschaffen, das durch
den wenig
deutlichen Ausgang der Parlamentswahlen
und die Nachrichten über die Jenkins-Affäre
in den Vereinigten Staaten noch erhöht worden ist. Für die Briten war Chruschtschew
eine vertraute Verkörperung mehr oder weniger friedlicher Koexistenz. Bis auf weiteres
herrscht in London allerdings die Annahme
vor, daß sich die sowjetische Politik unter
Breschnew und Kosygin nicht radikal ändern
werde. Man weist darauf hin, daß beide als
enge- Mitarbeiter Chruschtschews emporgekommen seien, obwohl Kosygin einmal ein Prbteg6
Schdanows war. Harold Wilson hat Kosygin
als zähen, tüchtigen Technokraten kennengelernt. Wie dauerhaft die neue Konstellation
in Moskau sein wird, weiß niemand; es könnte
sick um eine Zwischenphase in einem noch
nicht beendeten Ablösungskampf handeln.
Man erwartet, daß die «neuen Männer» im
Kreml versuchen könnten, das russisch-chinesische Verhältnis wieder zu verbessern, glaubt
aber, daß die Rivalität zwischen der Sowjetunion und China in dieser oder jener Form
andauern werde. Eine Rückkehr zu einem
stalinistischen Stil im Innern wird hier nicht
für wahrscheinlich gehalten; man glaubt eher
bis zehn Neuinszenierungen in der Saison, für
welche dem Regisseur und seinen Darstellern
.jeweils mindestens sechs Wochen Zeit für e
d i Eing
studierun
zur Verfügung stehen. Das ermöglicht
nicht nur eine sorgfältigere Ausarbeitung der einzelnen Inszenierung, sondern hat auch zur Folge,
daß Stücke während mehrerer Spielzeiten mit der
Originalbesetzung im Repertoire bleiben.
Das Repertoire der Präger Bühnen Ist erstaunlich vielseitig und aufgeschlossen. Abgesehen von
den Werken der tschechoslowakischen Autoren
(vgl. «NZZ» Nr. 4341 vom 15. Oktober), finden
wir in ihm die großen Werke der Weltliteratur
von der Antike bis zum Ausgang des neunzehnte
n
Jahrhunderts, daneben aber auch eine reiche Auswahl von Stücken der heutigen internationalen
Dramatik. Stark vortreten sind dabei auch westliche Autoren, unter denen sv.h Dürrenmatt besonderer Beliebtheit erfreut; aber auch Max Frisch
(dessen «Andorra» noch immer im Repertoire des
Nationaltheaters steht) ist den Präger Theaterbesuchern bekannt. Weitere zeitgenössische Autoren ausländischer Herkunft, die gespielt und diskutiert worden
beinahe jede Premiere löst unter
den aufgeschlossenen Thcatergüngcrn und Kritikern große Diskussionen aus , sind Brecht, Claus
Hubalek, Tenncssec Williams, Arthur Miller; auch
Sartre, Salacrou und Ioncsco wurden gespielt, und
eine Inszenierung von Beckctte «En attendant
Godot» ist in Vorbereitung.
Das stärkste Erlebnis unseres Prager Aufenthaltes bildete die Begegnung mit Otomar Krejcas
Inszenierung von Shakespeares «.Romeo und
Julia» im Nationaltheater. Wem die durch ihre
frische
Natürlichkeit fesselnde Inszenierung
Fru neu Zcffirellis mit der Londoner Old Vic Com-
pany in Erinnerung war, mochte sich angesichts
der Krejcas Realisierung voranging, skeptisch verhalten. Zu Unrecht.
Denn diese Aufführung erreicht einen solchen
Grad von Vollkommenheit, daii sie sich mit den
besten Regielcistungen unserer Zeit messen kann.
Die eigentümliche Faszination dieser Präger Aufführung, die schwer in Worte zu fassen ist, liegt
vielleicht letztlich darin, daß hier ein Liebesdrama
gezeigt wird, das uns unmittelbar angeht und das
doch in jedem Wort, in jeder Geste Shakespeare
zugehört. Im Gegensatz zu ZelHrelli, der das Kolorit des alten Verona betont akzentuierte, verzichtete Krcjca auf eine historische ""ixierung, und die
von Zdenka Kadrnozkova entworfenen Kostüme
verbanden Ansätze zu historischer mit solchen zu
betont moderner Stilisierung.
Die letztere zeigte sich in noch stärkerem Maße
in der grandiosen Bühnengestaltung Josef Svobodas: Vor der pechschwarzen Rückwand der
Bühne baute er aus nach der Seite und in die Tiefe
verschiebbaren und verstellbaren, mit Juto überzogenen Wänden und aus Podesten eine Fülle
stets variierter Spielortc. Durch die fortgesetzte,
boi aller Geschwindigkeit unaufdringliche Verwandlung der Szene erhielt das Spiel anerwartete
dramatische Impulse und Akzente, ließ sich Krejcas Intention, den Text restlos in gespielte Gegenwart umzusetzen, vollständig verwirklichen. Diese
kompromißlose Bühnengestaitung kam nicht nur
der Dynamik der Inszenierung zugute, sondern sie
zeitigte auch optische Wirkungen von bezaubernder Schönheit. Durch die raffinierte Staffelung
nnd die sinnvolle Lichtsteuerung erzielt« Svoboda
räumliche Tiefenwirkungen, die dem Spiel zusätzliche plastische Fülle verliehen. Besonders ein-
wechsel zu.
Theater in Prag
Abendausgabe Nr. 4372
r*
Neue Zürcher Zeitung vom 16.10.1964
des n
s c h o legendären Rufs,
einen verstärkten Einfluß der sowjetischen mit der Feststellung, es treffe sieh gut, daß er in Dienst gestellt. Auch dieser Zerstörer besitzt
nur konventionelle Waffen. Neben vollautomatischer
Militärs sowie der Techniker und Manager am Freitag nach Frankreich zurückreise.
Artillcrio verfügt er über zwei Vicrlingsraketcnfeststellen zu können.
Italienische Warnung
werfer zur Unterseebootsbekämpfung, fünf Tor-
Stellungnahme der Londoner «Times»
London, 16. Okt. ag (AFP) In einem Kommentar zu der Nachricht vom Rücktritt Chruschtscheivs
als Regicrungs- und Pnrteichef schreibt die Londoner «Times» in ihrer Freitagausgabe:
«Soviel man weiß, werden Lconid Breschnew
als Parteiführer und Aloxei Kosygin als Ministerpräsident e
d i Politik Clirnschtechews in ihren groeiniger Zeit wird
ßen Zügen fortsetzen. Während
man sicli wahrscheinlich vorwärtstnsten (wie dies
nach dem Tod Stalins der Fall war). Die Trennung der beiden Aeniter wird die Errichtung einer
festen, zentralen Führung verhindern. Alan darf
Umwälzungen er«leshalb keine großen politischen
warten. Eine der ersten Konsequenzen könnte wohl
die Lockerung der Spannung mit China sein, nun
das «Schwarze Schaf» dieses Landes von der politischen Bühne abgetreten Lst.
Breschnew und Kosygin, wenn renn nach dem
urteilt, was sie geleistet haben, sind beides Männer,
eingehen
die keine leichtsinnigen Verpflichtungen
und die Vorsieht an den Tag legen. Bis anliin
folgten sie immer mehr ihren Beratern, als daß
nach eigenem Ermessen gehandelt hätten. Es
bleibt abzuwarten, ob sie stark genug sein werden,
tun ihre Stellung gegen Männer wie Podgomy zu
behaupten. Sollten sie akzeptiert werden und es
.sie
auch bleiben, so
wird man eine Atempause erleben.»
Pariser Kommentare
Von unserem Korrespondenten
II. E. T. Paris,
16. Oktober
Niemand in Paris war wohl überraschter
Kommunivom Sturz Chruschtschows als dieMeldung
in
sten. Die «ITumanite» bringt die
großer, aber nicht größtmöglicher Aufmachung ohne joden Kommentar. Parteichef
Delegation
Waldeck Kochet, der sich mit einer
gegenwärtig zu Besuch bei Ben Bella in
Algerien aufhält, verweigert jede StellungWinogradow
nahme. Der Sowjetbotschafter
gab gestern abend einen Empfang für eine
Truppe ukrainischer Kosaken, als ob nichts
geschehen wäre.
Die bürgerliche Presse beurteilt das Ereignis auf der Linie: Härterer Kurs ohne
grundsätzlichen Wechsel der Ziele. Dabei wird
Chruschtschcws
auf die eklatanten Mißerfolge
hingewiesen, die seine Entfernung von der
den verheerenden ZickzaekMacht erklären:
Fehlschlag des
kurs in der Agrarpolitik, den
mißglückte
Berliner Ultimatums und das
Raketenmanöver auf Kuba, vor allem aber
Spaltung
der kommuniauf die
natürlichWeltbewegung.
Man glaubt hier, daß
stischen
Togliattis «Testament» vielleicht den letzten
Sowjetführers gegeben
Anstoß zum Sturz des
haben könnte; auf jeden Fall war die Publiin Rußland ein deutkation des Dokuments geschwächten
Position
liches Anzeichen der
Chruschtschcws.
Der «Figaro» zitiert cino private Aeußerung Guy Mollets, dem Chruschtschew bei
einem Jahr,
seinem Besuch in Moskau vorFührergruppe
von der kommunistischen
sprechend, eingestanden haben soll: «Ich bin
nie sicher, ob ich in meinem Bett erwache. Sie
sind alle gegen mich. Ich werde sie weit führen, wenn sie mir Zeit dazu lassen.» Aussprüche hoher Satellitenführer lassen darauf
schließen, daß Chruschtschcws SprunghaftigGefolgsleuten
keit selbst bei sonst treuen
Mißtrauen erweckte; man warf ihm vor, er
fange viel an, führe aber nichts zu Ende.
an die neuen Führer in Moskau
Rom, 16. Okt. (UPI) Die Kommunistische
Partei Italiens betrachtet die Vorgänge im
Kreml mit Besorgnis und warnte in einer
Stellungnahme die neuen Sowjetführer vor
einer Abkehr von Chruschtschews Linie der
Abgehen
friedlichen Koexistenz. Ein solches
würde «die Einheit der internationalen
Kommunistenbewegung»
zerArbeiter- und
brechen.
Das Direktorium der Partei erklärte, es
sei vom sowjetischen Zentralkomitee über den
Regierungswechsel informiert worden. «Die
italienische Kommunistische Partei nahm
Kenntnis von dieser Information, hält sich
weiter
aber mit einer Beurteilung zurück, bis e
Einzelheiten bekannt werden», wird dazu in
einem Communique festgestellt.
Im weiteren wird ausgeführt, daß «die
n e u Linie und die Politik der friedlichen
e
Koexistenz, die in Genosse Chruschtschew
einen ihrer Hauptvertreter gefunden haben,
einen wesentlichen und nicht zu ersetzenden
Teil der generellen Ansichten dor italienischen Kommunistischen Partei darstellen
und von den italienischen Kommunisten als
Basis der Einheit der internationalen Arbeiter- und Kommunistenbcwegung betrachtet
werden».
Albanische Stimme
Wien, IC. Okt. (UPI) Das albanische Staatsradio erklärte am Freitag morgen, Ministerpräsident Chruschtschew sei «wegen seiner
gegenüber Ilotchina» abgesetzt worden.
Politik
Baisse an der New Yorker Börse
New York, .1 6 Okt. ag (AFP) Die Wall-StreetKurso verzeichneten als Reaktion auf die Nachricht von dor Demission Chruschtschows eine
Baisse, die, wenn auch nur von kurzer Dauer, die
stärkste seit jener nach der Ermordung Präsident
Kennedys war. Das Gleichgewicht wurde wieder
hergestellt, als e
d i Namen der Nachfolger bekannt
wurden. Die amerikanischen Wirtschaftskreisc
Vergangenheit und die
sind der Ansicht, daß die
Persönlichkeiten Breschnews und Kosygias keine
Acnderung
in der von der Sowjetbedeutende
union in den letzten Jahren verfolgten Politik
anzukündigen scheinen.
Flüchtlinge aus Mocambique
in Tanganjika
Dar es Salaam, Id. Okt. ag (AFP) In Dar es
Salaam verlautete am Mittwoch von zuständiger
Seite, daß in den letzten Wochen ungefähr 6000
Flüchtlinge aus Moeambiqne nach Tangaujika ge-
Aufführung auch die Töne einer seelischen Innigkeit auf, ohne die Shakespeares Stück nicht zu
denken ist, auch wenn man es fern aller romantischen Konzeption spielt. Jan Tfiska war ein
schlanker, in voller Jünglingskraft der Welt zugewandter Romeo, Marie TomaSovä als Julia ein
nicht weniger fest mit beiden Füßen auf der Erde
stehendes frisches Mädchen, das sich mit der Unbedingtheit, die das Privileg der Jugend bildet, in
die berauschende Erfahrung der liebenden Hingabe stürzt. Ludök Munzar gab mit federnder
Kraft den Mercutio, Olga Scheinpflugovd, eine
Grand Old Lady des tschechischen Theaters, mit
skurrilem Humor die Amme. Otomar Krejeas und
ulia»-Inszenierung
Josef Svobodas «Romeo und .1
ist ein glanzvolles Beispiel dafür, in welchem
Malle kunstvolles Theater Werke dor Vergangen-
für
Spozinl-
störer besitzt wie sein Vorgänger Schutzeinrichtungen gegen radioaktive Strahlung. Dampfturbinenanlugen von rund 70 000 PS ermöglichen es
dem Schiff, eine Geschwindigkeit von über 3ö
Knoten zu erreichen.
Urteil im Sabotageprozeß Weise
B-r. Karlsruhe, 15. Oktober
Wegen Snbotagevorhoreitungcn in den Häfen
Hamburg, Bremen und Bremerhaven und wegen
Spionage ist der 52jährige Arbeiter Alfred Gustav
nachmittag vom
Weise aus Dessau am Donnerstag
Bundesgerichtshof in Karlsruhe zu viereinhalb
Jahren (iefihignis verurteilt worden. Die Untersuchungshaft seit dem 7. Dezember 1902, als Weise
beim Photographieren im Hamburger Hafen festgenommen wurde, ist auf die Strafe angerechnet
worden. Von einer Zuchthausstrafe hat der Bundesgerichtshof abgesehen, weil er Weise für einen
überdurchschnittlich hochstehenden Ueberzeügungstäter hielt und weil dieser bei seinen Taten keine
unehrenhaften Mittel angewandt hatte. Bisher sind
derartige Sabotageproze.sse in der Bundesrepublik
selten gewesen.
Strafrechtlich am schwersten wog der Auftrag,
den Weise Ende 1957 vom Ministerium für Staatssicherheit der Sowjetzone, Abteilung 8, Hauptabteilung Aufklärung, Referat Sabotage, erhalten
hatte. Seit dieser Zeit bestand seine Hauptaufgabe
darin, in den norddeutschen Häfen ein Agent enticts aufzubauen und zu leiten. Er hat diese Tätigkeit außergewöhnlich lange und erfolgreich ausgeübt. Seine Agenten sollten bei der Spionage
Informationen über Rüstung und Häfen liefern.
Ihr Ziel war dabei das Arsenal der Bundesmarine
in Kiel, wo Weise Spczialzeichnungcn von Zerstörern und andere Unterlagen für den Schiffsbau
erhallen konnte.
Die geplante Sabotage richtete sich vor allem
gegen e
d i zentralen sowie gegen die Anlagen für
Azetylen und Sauerstoff in den Werften. Nach
diesen hochempfindlichen AnIngen sind die Agenten von Weise immer wieder gefragt worden, weil
deren Zerstörung erhebliche Wirkungen auslösen
konnte. Der Bundesgerichtshof ist davon überzeugt, daß die Snbotngevorhereitungen nicht nur
für den Fall einer internationalen Krise betrieben
wurden, um einen Angriff aus der Bundesrepublik
auf den Osten zu behindern. Vielmehr sollten diese
Sabotagen auch dem politischen Ziel dienen, bei
innerdeutschen Spannungen und bei günstiger Gelegenheit eine kommunistische Machtübernahme in
der Bundesrepublik vorzubereiten. Da Weise selbst
überzeugter Kommunist war, hatte er in diesem
Punkt in verfassungsfeindlicher Absicht gehandelt.
flüchtet seien.
Außerdem sind Verstecke für Sabotagematerial
Rashidi Kawawa, Vizepräsident der Republik angelegt worden. Jedoch konnte in der BeweisTanganjika-Sansibar, ist am Mittwoch nach Limli aufnahme nicht geklärt werden, ob auch bereits
Flücht- Sprengstoff dort gelagert worden ist. Die eigentin der Nähe der Grenze geflogen, wo ein
lingsdorf erstellt werden soll. In einer Ansprache lichen Sabotagemaßnahmnn wären nach der UeberBundesgerichtshofs ohnehin später nicht
vor 2000 Flüchtlingen erklärte Kawawa, sie seien zeugung des
verhältnismäßig ungeübten Mitarbeitern
in Tanganjika willkommen. Es werde ihnen Land von den ausgeführt
worden, sondern von Speziazur Verfügung gestellt werden, damit sie ihr Leben von Weise
listen, wie sie für diesen Zweck in der Sowjetzone
fristen könnten, «bis Moeambique von der portugie- ausgebildet
würden. Das Mitarbeiternetz von Weise
sischen Herrschaft befreit» sein werde.
Streik der Regierungsangestellten
in Uruguay
Montevideo, l.r>. Okt. ag (Reuter) Die Angestellten der Regierung Uruguays sind am Donnerstag
in einen Sistündigen Streik getreten, um ihrer Forderung nach höheren Löhnen Nachdruck zu verleihen.
Rio de Janeiro, 16. Okt. a*j (AFP) PräsiNeuer Zerstörer der Bundesmarine
dent de Gaulle kommentierte die Nachricht
lapivom Rücktritt Chruschtschews mit dem
mst. Der zweite Zerstörerneubau der deutschen
«Die,
weiter.-»
sich
Erde dreht
daren Satz:
große «SchleswigAuf die Fragen der Journalisten, die ihn am Bundesmarine, ed i 3500 Tonnen
Donnerstag abend während eines Empfangs Holstein», wurde in Anwesenheit von Verteidigungsminister
v. Hassel und des Ministerpräsiwollte
an Bord der «Colbcrt» bestürmten,
eingehen. Er begnügte sich denten von Schleswig-Holstein, Lemke, in Hamburg
de Gaulle nicht
drucksvoll war dabei die Festszene in Capulets
Haus, wo vor der rückwärtigen schwarzen Bühnenunruhiges Licht auswand flackernde Fackeln ein
strahlten, vor dem die im Mittelgrund sich bewegenden Gäste sich wie Silhouetten ausnahmen,
d i Hauptaktoure i:i heilem Licht im
während e
Vordergrund agierten. Zu dieser Tiefengliederung
kam nun eine vertikale Teilung der Bühne in ein
Erdgeschoß und ein Obergeschoß, die zusätzliche
Führung dor Balln
Möglichkeiten der bewegte
besucher eröffnete. Krejcas Regie hielt in steter
Steigerung das Prinzip dynamischer Bewegtheit
durch, vernachlässigte jedoch über der mit hohem
FechtKunstverstand bewältigten Turbulenz
szenen von solcher Vollendung kannten wir bisher
einzig von englischen Darstellern
nicht die
Details in der differenzierten Schauspielerführung.
Im Gegensatz zu ZeiTirellis die kräftige Naturnähe
ausauf Kosten dor zarten Intimität allzu sehr
spielenden Inszenierung, klangen in der Prager
pedorohre und zwei Torpedorohre
wafTen gegen U-Boote. Der 134 Meter lange Zer-
heit zu unmittelbar bedrängendem Leben zu vergegenwärtigen vermag.
Eine ebenfalls unkonventionelle Klassikeraufführung war Alfred Radoks Inszenierung von
Nikolai Gogols «Heiratskomödic» im Kammer-
theater, für die Ladislav Vychodil, ebenfalls einer
der begabtesten tschechischen Bühnenbildner unserer Zeit, eigenwillige Dekorationen schuf: Er
gruppierte eine Reihe von penetrant realistisch
gehaltenen Requisiten so, daß eino kleinbürgerlichstickige Atmosphäre beschworen wurde, während
im übrigen der Raum als solcher unter Verzicht
auf eine realistische Genremalerei nur eben skizziert wurde. In diesem Rahmen legte Radok dns
Spiel im Stil einer deftigen Groteske an, in deren
Mittelpunkt der Kanapeomensch Podkolesin steht,
der sich nach langem Zögern, gezerrt und gepufft
von seinem Freund Koäkarev, zur Brautwerbung
entschließt, im letzten Augenblick jedoch durch
einen Sprung aus dem Fenster der Entscheidung
entflieht. Dadurch, daß Radok dieser Sitten- und
Charakterkomödie um den Bruder von Gontscharows Oblomow eine ätzende Schärfe verlieh, wurde
plötzlich die Verwandtschaft mit dem sarkastischen Komödienstil von Gogols Zeitgenossen
Nestroy evident. Allerdings kann man sich fragen,
ob die Inszenierung in der Ucberpointierung des
dadurch grotesk-komisch wirkenden Realismus die
Typen sozial nicht um eine Stufe zu tief, zu primitiv gezeichnet hat, wird der Held vom Dichter
doch immerhin als Hofrat und Adeliger, wenn
auch der untersten Kategorie, bezeichnet. Innerhalb seiner Konzeption führte Radok das Spiel
jedenfalls konsequent bis znm stürmischen Ende,
das er durch einen turbulenten Schloßeffckt voränderte, wo bei Gogol eine Andeutung resignierten
Lächelns spürbar ist Diese zwischen Lethargie,
umfaßte etwa zwanzig Verdächtige. Gegen die
das strafrechtliche Verfahren
eingeleitet werden, ein Teil ist bereits abgeurteilt.
Vor dem Jahre 1959 waren zwei Mitarbeiter von
Weise festgenommen und verurteilt worden; die
Verurteilten hatten ihn jedoch nicht verraten.
Einer von ihnen erhielt nach der Entlassung aus
dem Gefängnis 3000 Mark Haftentschädigung aus
der Sowjetzone geschickt.
Hälfte davon konnte
Die Tätigkeit von Weise hatte bereits im Jahre
1954 begonnen. Zunächst hatte er Besucher aus
der Bundesrepublik beobachtet, um festzustellen,
ob sie für eine Mitarbeit im Nachrichtendienst der
Sowjetzone bereit und geeignet seien. Außerdem
fuhr er häufig nach Westberlin, um von dort politische Stimmungsberichte zu liefern und Besucher
aus der Sowjetzone zu beobachten. Für diese Taten
Freisinnige Aussprache
über unsere Agrarpolitik
(Mitg.) Eine allgemeine Aussprache über
Probleme der heutigen Landwirtschaftspolitik
stand im Mittelpunkt einer Tagung des ständigen Ausschusses für Landwirtschaftsfragen
der Freisinnig-demokratischen Partei der
Schweiz; sie wurde von Nationalrat Willy
Arni (Mühledorf) geleitet. In einem umfassenden Ueberblick wies Bundesrat Schaffner einleitend unter anderem auf den strukturellen Umwandlungsprozeß im Bereiche der
Landwirtschaft hin, der eine Begleiterscheinung dos allgemeinen wirtschaftlichen Wachstums ist. Um zu erreichen, daß weniger Leute
besser produzieren, bedarf es einer Erweiterung der Forschung und dor Vorbesserung
von Grundlagen. Es gilt insbesondere, einen
entschlossenen Schritt zur Verwirklichung
dos Leitbildes von leistungsfähigen, bäuerlichen Familienbetrieben zu tun. Anschließend an ein Votum von Walter Ctavadctscher,
Direktor der Abteilung für Landwirtschaft
des Eidgenössischen Volkswirtsehaftsdepartements, kam in einer eingehenden Diskussion
deutlich zum Ausdruck, daß gewisse unAuswirkungen unserer TJebererfreuliche
konjunktur auch dio Landwirtschaft in der
heutigen Zeit vor ganz besondere Probleme
stellt. Der Verbesserung der Produktivität
kommt eine zentrale Bedeutung zu, und dem
weiteren Ausbau von Bildungs- \ind Beratungsstellen ;ils wesentliche Voraussetzung
für eine durchschlagende Berufstätigkeit des
schweizerischen Bauern ist spezielle Aufmerksamkeit zu schenken.
sah es der Bundesgerichtshof dagegen an, daß
Weise .seit 1955 regelmäßig in die Bundesrepublik
gereist ist, um dort bestimmte Personen zu bed i Mitarbeit des sowjetzonalen
suchen und für e
Nachrichtendienstes zu gewinnen. Vor Gericht hat
Wei.se die Zahl und die Namen dieser Personen
verschwiegen.
Unglücksfälle und Verbrechen
Verkehrsunfall
Bern, 10. Okt. arj In der Nacht auf den Donnerstag, kurz nach 2 Uhr, fuhr der 30jährige
österreichische Arbeiter Fried rieh Zcltl, wohnhaft
in Wabern, mit dem Auto durch die Neubrückstraße in Richtung Bern. Aus nicht mehr abklärbaren Gründen, möglicherweise infolge Uebermüdung des Lenkers, fuhr das Fahrzeug im Bremgartenwald über den rechten Straßenrand hinaus
und geriet in Brand. Zettl konnte sich nicht mehr
nus dem Wagen befreien und verbrannte lebendigen Leibes.
Maskierter Dieb. Biel, 16. Okt. ap In Biel ist
am Donnerstag ein maskierter Dieb in ein Radiogeschäft eingetreten und hat vier Transistoren entwendet. Dies geschah so schnell, daß die Verkäuferin nicht Zeit hatte, ihn zu verfolgen. Er war
bereits auf der Straße in der Menge untergetaucht.
Siri.-iicinlirii.lii-. Biel, 16. Okt ag Im Gebiet
von Romont (Berner Jura) ist in mehr als zehn
Chalets eingebrochen worden. Der Dieb hat nicht
nur die Chalets ausgeräumt, er hat auch zahlrei
che Schäden angerichtet. Obwohl eine Suchaktion
mit Hunden eingeleitet worden ist, konnte er noch
nicht festgenommen werden.
Wetterprognose
für die
Schweiz
Gültig 6i> Freitag abend. Alpennordseite, Wallis,
Nord- und Mittelbündcn: Heute nachmittag wechselnde, zeitweise starke Bewölkung, einige Schauer.
Auf der Alpennordseite mäßiger Westwind. Temperatur in den Niederungen um 13 Grad. Am Samstag
aufhellend, vor allem in der Westschweiz und im
Wallis. Wind in den Niederungen abflauend. Temperatur am frühen Morgen 5 bis 10 Grad, am Nachmittag um 15 Grad. Im Gebirpe starker NordwestAlpcnsüdscite und Engadin: Vorwiegend
wind.
schönes AVetter. Einzelne Morgennebel. Temperatur
am Alpensüdfuß heute nachmittag 10 bis 15 Grad,
Samstag morgen 2 bis 6 Grad, Samstag nachmittag
um 15 Grad.
ist er jedoch nicht bestraft worden. Als strafbar
(Berichte über die allgemeine Wetterlage auf Blatt 7)
verlmrgenen Wunschträumen und Schüchternheit
spürbare Resignation brachte Rudolf Dcyl in der
Rollo des Podkolesin köstlich zum Ausdruck. In
einem kräftigen Gegensatz zu ihm stand der furios
,
umherwirbelnde
saft- und kraftvolle Kockarev,
dem Josef Bek volle Präsenz verlieh und der die
ganze Reihe der mit äußerster Tyebensechtheit getroffenen übrigen Freier anführte, die um die
derb- bäuerische Kaufmannstochter (Ludmila Pichova) scharwenzelten.
Eine weniger glückliche Hand bewies Alfred
Radok, der übrigens der Erfin«ler und Initiator
der weltberühmt gewordenen «I.aterna magica» ist
(die aus Mangel an geeigneten Szenarios gegenwärtig in einer Art von Krise steckt), in seiner
Inszenierung des Schauspiels «Orpheus steigt
herab» von Tennessee Williams, ebenfalls im
Kammertheater. Weder ihm noch Ladislav Vychodil, der wieder die Dekorationen schuf, gelang es,
die typische Atmosphäre der amerikanischen Südstaaten zu beschwören, und damit fehlte der Aufführung, die im übrigen ein vorzügliches Ensemblespiel aufwies (genannt sei vor allem Irena Kacirkova als Lady Torrancc), eine entscheidende Komponente.
Viel erfolgreicher in der Verdichtung
dos spezifisch amerikanischen Klimas war Jaro
mir Plcskots Inszenierung von Arthur Millers
Schauspiel «Der Tod des Ilnndlungsreisenden» im
Tyl-Theater. Das ist nicht nur der stimmungsvollen
Bühnenmusik Jan F. Fischers, Josef Svobodas
einprägsamem Bühnenbild und Pleskots straffer
Regie zuzuschreil>cn, sondern auch der schlechthin
vollendeten Interpretation des Willy Loman durch
Karcl Högcr, einen der führenden Schauspieler des
Landes, dor in jednr Nuance den differenzierten
Charakter dieser an sich eher unsympathischen
Figur traf, mit der man dank der hinreißenden
schauspielerischen Leistung letztlich doch Mitleid
hatte. Diese Inszenierung läuft nun schon in der
(in der Originalbesetzung) und
wirkt so frisch wie eine Premiere. Mit welcher
jeder Starrheit baren Präzision gespielt wird,
konnten wir kontrollieren, da wir die Aufführung
zwei Abende nacheinander sahen.
Ein Ereignis besonderer Art bildet gegenwärtig auch die Aufführung von Alfred Jarrys
«König Ubu» im «Theater am Geländer». Jan
Grossman, der «Uhu Roi», «Ubu Enchaine» und
«Ubu Cocu» zu einer abendfüllenden Fassung bearbeitete, in der es sichtlich an aktuellen Anspielungen nicht fehlte, zeichnete auch verantwortlich
für die an witzigen szenischen Einfällen, an Wendigkeit, an Tempo und an Präzision reiche Inszenierung, in der der ganze sich stets verwandelnde, auf wenige Grundelcmcnte beschränkte, von
Libor Fara entworfene Dekor mitspielte. Ein gestischer, optischer und musikalischer Gag jagte
den andern. Die zahlreichen Darsteller mit dem
fülligen und doch unglaublich flinken Jan Libicek
als Ubu an der Spitze strahlten eine ausgelassene
Spielfreude aus. Die Inszenierung schien uns mehr
auf das absurde Theater denn auf eine satirischböse Entlarvung des ewigen Spießers angelegt;
wollte man sie mit einer westlichen Produktion
vergleichen, so müßte man Planchons Bühnonadnption der «Drei Musketiere» nennen.
Neue Zürcher Zeitung vom 16.10.1964
sechsten Saison
E i Dutzend Aufführungen, zahlreiche Gen
spräche mit Regisseuren und Kritikern ließen uns
erkennen, daß in Prag mit großem Ernst Theatcrarbeit geleistet wird, die sich nm neue Wege in
der Bühnenkunst bemüht und die sich mit den
Leistungen führender westlicher Theater messen
kann. Prag ist eine Theaterreise wert.
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
8
Dateigröße
2 888 KB
Tags
1/--Seiten
melden