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1 Hermann Multhaupt DER SERVICE DER WEIHNACHTSMÄNNER

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Hermann Multhaupt
1. WEIHNACHTSMANN:
DER SERVICE DER WEIHNACHTSMÄNNER
So, fertig. Nun, Kollegen, dann wollen wir mal.
- B 258 -
2. WEIHNACHTSMANN:
Kurzinformation
Wo bist du denn heute eingesetzt?
Was macht der Weihnachtsmann, wenn er statt der
1. WEIHNACHTSMANN:
erwarteten Kinder vier ältere Damen antrifft? Zuerst
(zieht einen Zettel aus der Tasche)
glaubt er, sich in der Adresse geirrt zu haben. Da sich
Ich habe sieben Einsätze. Weihnachtsfeier der
aber herausstellt, daß die vier Schwestern tatsächlich
Städtischen Milchwerke, der örtlichen Spar- und
einen Nikolaus erwarten und hoffen, ihre guten Tagen
Darlehnskasse, beim Kaninchenzuchtverein "Harmonia",
im goldenen Buch verzeichnet zu finden, bleibt ihm nur
dann beim Turnerbund ...
übrig, das Spiel der Gastgeberinnen mitzuspielen ...
3. WEIHNACHTSMANN:
Spieltyp: Satirischer Einakter
(den Kollegen unterbrechend)
Spielanlaß: Theaterabend in der Vorweihnachtszeit
Da scheine ich ja das große Los gezogen zu haben.
Spielraum: Kleine Bühne genügt
(Mit vornehmer Gestik)
Darsteller: Mind. 1 m, 4 w (Erweiterung der Rollen auf 3
Senator Meier. Ein privater Auftritt im Kreis der engsten
m, 5 w möglich)
Familie.
Spieldauer: 30 bis 45 Minuten
2. WEIHNACHTSMANN:
Aufführungsrecht: Bezug von 6 Textbüchern
Glückspilz! Dafür stehe ich mir im Kaufhof die Beine in
Die Personen:
den Bauch.
drei Weihnachtsmänner
3. WEIHNACHTSMANN:
die Telefonistin
Glück muß der Mensch haben. Der Senator wird sich
die Damen Gertrud
nicht lumpen lassen.
Lotte
1. WEIHNACHTSMANN:
Gisela
Auch dieser Tag geht vorüber. Also, Kollegen, packen
Adelaide Kempf
wir es an.
Die Rolle von zwei Weihnachtsmännern und jene der
(Die Weihnachtsmänner wollen sich gerade in
Telefonistin können auch von den "Damen Kempf"
verschiedene Richtungen entfernen, da streckt die
übernommen werden. Zwischen der zweiten und dritten
Telefonistin ihren Kopf durch den Vorhang)
Szene muß dann eine für das Umkleiden notwendige
2. SZENE
kurze Pause eingefügt werden, die z. B. durch ein
TELEFONISTIN:
gemeinsames Lied oder durch passende Musik (etwa
Wer hat den Einsatz "Senator Meier?"
vom Band) zu überbrücken ist.
3. WEIHNACHTSMANN:
Das Spiel kann auch als Lesestück dargeboten werden.
(bleibt stehen)
Die erste Szene spielt vor dem geschlossenen Vorhang.
Ich. Was gibt es?
Drei etwa gleichaussehende "Weihnachtsmänner" rüsten
TELEFONISTIN:
sich zu ihrem Einsatz. Sie packen Spielsachen und
Auftragsstornierung. Der Senator hat es sich anders
Gebäck ein, überprüfen ihre Kleidung, den Bart, die
überlegt. Ich habe einen neuen Einsatz für Sie:
Stiefel, die Zipfelmütze. Einer blickt in einen
Akazienweg 4. Bei Kempf.
Taschenspiegel, legt ein wenig Rouge auf, ein anderer
1. WEIHNACHTSMANN:
summt Weihnachtslieder vor sich hin. Aus dem
(lachend)
Bühnenhintergrund hört man fortwährend Telefonläuten
So kann es kommen, mein Lieber.
und eine geschäftige Stimme, die die Anrufe
2. WEIHNACHTSMANN:
entgegennimmt. Die Worte "Hier Service für
Ja, wenn man sich zu früh auf ein gutes Trinkgeld freut.
Weihnachtsmänner, guten Tag" dringt dabei mehrmals
(Beide Weihnachtsmänner gehen ab)
durch.
3. WEIHNACHTSMANN:
1. SZENE
Bei Kempf?
1
TELEFONISTIN:
Guten Abend, meine Herrschaften. Ich bin so frei.
Ja. Scheint ebenfalls eine vornehme Gegend zu sein.
GERTRUD:
3. WEIHNACHTSMANN:
Ein Täßchen Tee zum Aufwärmen, lieber Nikolaus?
(schüttelt den Kopf)
WEIHNACHTSMANN:
Mit mir kann man es ja machen.
(linkisch)
(Die Telefonistin verschwindet. Der 3. Weihnachtsmann
Keine Umstände, meine Damen. Die Kinder werden
geht seitlich auf die Bühne, deren Vorhang sich langsam
gewiß gleich hier sein?
öffnet. Das Bühnenbild zeigt ein "vornehmes"
GERTRUD:
Wohnzimmer, das durch eine entsprechende Kulisse
Die Kinder? Nein, lieber Nikolaus. Wir erwarten
angedeutet werden kann. Wichtig sind zwei, drei Stühle,
eigentlich keine Gäste. Oder hast du, Lotte, oder
ein Sofa und ein Tisch, auf dem ein paar Gläser oder
Adelaide ...
Teetassen stehen. Ein Adventskranz mit einer
LOTTE:
angezündeten Kerze steht in der Mitte. - Drei Damen
Nein, liebe Gertrud.
sitzen für das Publikum gut sichtbar auf dem Sofa,
ADELAIDE:
während die vierte dem seitlich eintretenden
Mitnichten, liebe Schwester.
Weihnachtsmann entgegengeht)
GISELA:
3. Szene.
(stimmt die dritte Strophe des Nikolaus-Liedes an, in das
(Die drei Damen Lotte, Gisela und Adelaide Kempf auf
die drei anderen Schwestern einfallen)
dem Sofa singen)
Wenn ich schlaf, dann träume ich:
Laßt uns froh und munter sein,
jetzt bringt Niklaus was für mich.
und uns heut im Herrn erfreuen!
Lustig, lustig trallerallera,
Lustig, lustig, trallerallala,
heut' ist Niklausabend da.
heut' ist Niklausabend da.
GERTRUD:
Dann stell' ich den Teller auf,
(setzt sich erwartungsvoll auf einen Stuhl)
Niklaus legt gewiß was drauf.
Nun, lieber Nikolaus, Sie haben uns gewiß etwas zu
Lustig, lustig, trallerallala,
sagen, nicht wahr?
heut' ist Niklausabend da.
WEIHNACHTSMANN:
WEIHNACHTSMANN:
Zu sagen? Ach so.
(sehr verlegen)
(Er nestelt an seinem Sack)
Entschuldigung, die Damen. Ich habe an der falschen
Ein paar Geschenke, Kleinigkeiten sozusagen für die
Haustür geklingelt. Ich bitte vielmals ...
Kleinen, äh, Verzeihung. Sind sie sicher, daß ich bei
VIERTE DAME GERTRUD:
Ihnen an der richtigen Adresse bin?
Nein, nein, lieber Nikolaus, Sie sind an der richtigen
LOTTE:
Adresse. Akazienweg 4. Bei Kempf. Sehen Sie, wir sind
Aber guter Herr Nikolaus! Wir waren doch so gespannt
die Geschwister Kempf! Meine Schwester Lotte,
auf Ihr Kommen. Seit Tagen reden wir von nichts
(die erste Dame nickt mit dem Kopf)
anderem.
meine Schwester Gisela,
GISELA:
(nickt ebenfalls)
Gewiß, gewiß, lieber Nikolaus.
dann meine Schwester Adelaide und ich. Mein Name ist
GERTRUD:
Gertrud Kempf. Aber bitte, treten Sie doch näher. Sie
(sich zum Weihnachtsmann vorbeugend, etwas leiser)
werden müde sein, lieber Nikolaus, nicht wahr? Der
Sie haben doch das goldene Buch bei sich, nicht wahr?
weite Weg vom Himmel und dann die Fahrt im offenen
WEIHNACHTSMANN:
Schlitten ... Bitte, genieren Sie sich nicht. Sie sind uns
Das goldene Buch? Ich war, verzeihen Sie, auf diesen
herzlich willkommen.
Besuch nicht vorbereitet.
WEIHNACHTSMANN:
ADELAIDE:
(noch immer verlegen)
Aber Sie werden doch das goldene Buch nicht vergessen
2
haben, in dem die guten und weniger guten Taten von
WEIHNACHTSMANN:
uns verzeichnet sind?
(lachend, erleichtert)
WEIHNACHTSMANN:
Da hat sich die Verwechslung ja rasch aufgeklärt. Darf
(irritiert)
ich mich also von den Damen verabschieden?
Ich bitte um Verständnis. Weniger gute Taten ... In der
(Geht ein paar Schritte auf die "Tür" zu)
heutigen Zeit sind die Auftraggeber auf solche
GERTRUD:
diskriminierenden Äußerungen über ihre Kunden nicht
(energisch)
eingestellt.
Nichts da! Wir haben Sie für eine Stunde angeheuert
GERTRUD:
und im voraus bezahlt.
(streng)
WEIHNACHTSMANN:
Das heißt, Herr Nikolaus, Sie haben das goldene Buch
Der Irrtum wird sich aufklären und die Sache bald
nicht bei sich?
einrenken.
GISELA:
LOTTE:
(zu ihren Schwestern)
Wir lassen uns unsere Kindheitsträume durch Sie nicht
Was meint er mit "diskriminierende Äußerungen" und
zerstören, nicht wahr, Adelaide?
"Auftraggeber"?
ADELAIDE:
LOTTE:
Kommt überhaupt nicht in Frage.
Ja, werter Nikolaus, würden Sie sich etwas deutlicher
GISELA:
erklären?
Wenn Sie nicht der Nikolaus, sondern nur ein
WEIHNACHTSMANN:
Weihnachtsmann sind, werden wir Sie über Ihre
Es scheint hier eine Verwechslung vorzuliegen, meine
eigentliche Rolle aufklären.
Damen. Das kann vorkommen in diesen hektischen
(Die Damen reagieren zunehmend energischer und legen
Tagen vor dem Fest. Ein falscher Anruf, eine falsche
ihre Kindlichkeit ab)
Notiz. Sie verstehen.
GERTRUD:
GERTRUD:
Es gibt nämlich überhaupt keinen Weihnachtsmann,
Nicht ganz, Herr. Wir haben den Besuch des guten
verstanden? Das ist eine üble Nachahmung, ja, eine
Nikolaus erwartet. Sie aber scheinen Ihre Identität
Fälschung des heiligen Nikolaus.
leugnen zu wollen.
LOTTE:
WEIHNACHTSMANN:
Nehmen Sie gefälligst diese dumme Bommelmütze mit
Sehen Sie, das Mißverständnis beginnt bereits beim
dem falschen Pelz ab.
Namen. Ich bin nicht ein gewisser Herr Nikolaus, den Sie
WEIHNACHTSMANN:
zu empfangen hoffen. Ich bin der Weihnachtsmann!
Erlauben Sie mal! Sie gehört zu meiner Ausrüstung.
ALLE DAMEN:
GISELA:
(wie aus einem Munde)
Los, los, mein Lieber. Oder soll ich Ihnen Beine machen?
Der Weihnachtsmann?
WEIHNACHTSMANN:
WEIHNACHTSMANN:
Das können Sie nicht von mir ... verlangen.
Ja, der Weihnachtsmann! Natürlich ist das nur meine
(Adelaide ist hinzugeeilt und hat ihm die Mütze
augenblickliche Berufsbezeichnung. In Wirklichkeit heiße
entrissen)
ich Martin Krause und bin Student. Durch diesen
GERTRUD:
Nebenjob bessere ich mir mein Taschengeld auf, Sie
Der heilige Nikolaus war ein Bischof und trug eine Mitra.
verstehen.
LOTTE:
GERTRUD:
Und statt mit einem komischen roten Wams war er mit
(umschreitet den Weihnachtsmann forschend)
einem festlichen Chormantel bekleidet, so wie es sich für
Etwas befremdlich kamen Sie mir gleich vor. Vor allem
einen frommen Bischof geziemt.
wegen der Kleidung. Ja, die Kleidung erinnert nicht im
WEIHNACHTSMANN:
entferntesten an den weisen Bischof von Myra.
(seinen Mantel zusammenhaltend)
3
Den lege ich aber nicht ab. Ich protestiere auf das
(Sich an ihren Nebenmann, den Weihnachtsmann,
heftigste.
wendend)
GERTRUD:
Was sagen Sie dazu, lieber Weihnachtsmann?
Schlimm genug, was Sie, Herr Krause, und Ihre
WEIHNACHTSMANN:
Auftraggeber aus unserem Heiligen gemacht haben.
(sich windend)
Statt ihn zu einer neckischen Gartenzwergfigur zu
Also, wenn Sie mich fragen ...
degradieren und an ihm zu verdienen, sollten sie lieber
LOTTE:
seinem Beispiel folgen. Sankt Nikolaus hat nämlich auf
Es steht gewiß im goldenen Buch verzeichnet, daß du
ein großes Erbe verzichtet und mit dem Geld viel Gutes
faul bist, Adelaide.
getan. In Notsituationen kam er den Menschen zur Hilfe.
GISELA:
Er brachte den Hungernden Brot, er schenkte einem
Halt, greift dem himmlischen Boten nicht vor. Jeder wird
verarmten Edelmann heimlich Goldstücke, damit seine
seine Schandtaten noch früh genug erfahren.
Töchter heiraten konnten. Ja, er rettete Matrosen vor
ADELAIDE:
dem Ertrinken. Er war Nothelfer und Wohltäter in allen
Bilde dir ja nichts darauf ein, daß du, Gertrud, immer als
Lebenslagen und genoß über viele Jahrhunderte bis in
die Tugendsamste von uns dreien galtest. Der Schein
unsere Tage großes Ansehen. Aber heute, wo es den
trügt. Du hast Vater manchmal ganz schön hinters Licht
Menschen zu gut geht und sie alles, was ihnen gefällt,
geführt. Wißt ihr noch, wie dieser Verehrer, - na, wie
selbst kaufen können, gerät sein beispielhaftes Leben
hieß er doch gleich, ah, dieser Herr Löbesam Abend für
zusehends in Vergessenheit.
Abend unter Gertruds Fenster aufkreuzte?
GISELA:
LOTTE:
Wir möchten nicht, daß sein Andenken so
(kichernd)
herabgewürdigt und mißbraucht wird, indem man
Der verliebte Kater, o ja, daran erinnere ich mich! Er war
Weihnachtsmänner vom Band produziert wie billige
ein hübscher Bursche. Respekt. Aber auch ein Trottel.
Märchenfiguren.
Stürzte doch glatt auf Mutti zu, als sie aus der Haustür
LOTTE:
trat, um ihr ein Liebesgeständnis zu machen.
Wissen Sie eigentlich, wie es in unseren Kindertagen
GERTRUD:
war, wenn der heilige Nikolaus am 6. Dezember zu
(ungehalten)
Besuch kam?
Bitte, Lotte, wärme nicht alte Kamellen auf. Herr
WEIHNACHTSMANN:
Löbesam war nun mal etwas kurzsichtig. Dafür konnte er
Wie sollte ich? Ich bin ja erst 23.
nichts.
LOTTE:
GISELA:
Nun, nehmen Sie zwischen meinen Schwestern auf dem
Nein, aber Mutti mit dir zu verwechseln ...
Sofa Platz, junger Mann, dann werden Sie es erfahren.
ADELAIDE:
(Der Weihnachtsmann folgt widerstrebend)
Was nur für unsere Mutti spricht ...
GERTRUD:
GERTRUD:
Du, Adelaide, bist der Nikolaus.
(energisch)
ADELAIDE:
Schluß mit dem Quatsch! Herr Löbesam war eine ... eine
Och, Gertrud, das kannst du viel besser. Du hast stets
etwas unglückliche Erscheinung, zugegeben.
alles besser gekonnt, weißt du noch?
(Verträumt)
GERTRUD:
Aber der vollendete Kavalier.
Du warst dir immer schon zu gut, wenn es um die Hilfe
LOTTE:
im Haushalt ging. Vater pflegte früher zu sagen: Die
(trocken)
Adelaide hat zwar den klangvollsten Namen, aber sie ist
Vater mochte ihn nicht.
die faulste von den Vieren.
GERTRUD:
ADELAIDE:
Vater mochte auch deinen Herrn Referendar nicht.
Das finde ich gemein, Gertrud.
ADELAIDE:
4
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