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Faltblatt – und was dann - Museumsverband Brandenburg e.V.

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Faltblatt – und was dann?
Mit 52 Teilnehmern verzeichnete die Weiterbildung des Museumsverbandes einen
neuen Teilnehmeransturm, der zugleich das dringende Bedürfnis nach mehr
Sachkenntnis in Bezug auf die Gestaltung von Printmedien zeigt.
Prof. Matthias Beyrow, Professor für Corporate Design an der Fachhochschule
Potsdam, machte gleich eingangs deutlich, dass vor jedem Faltblatt die
Kommunikation, vor den Fragen des Designs die Fragen von Bewusstsein seiner
selbst, einem Thema und einer Aussageabsicht stehen. Dann erst rückt die Frage
des Mediums ins Blickfeld. Hier ist das Plakat dasjenige Medium, welches noch
keine Vorerwartung voraussetzt. Es soll überraschen. Nach einem Flyer greift man
mit der Erwartung, möchte sich genauer informieren, nach dem Besuch einer
Ausstellung etwas mitnehmen. Es ist also zuvor die Frage zu beantworten, welches
Medium für welches Zielpublikum geeignet ist. Jeder muss seine Plakate und
Faltblätter zudem immer im Kontext der anderen Plakate und Medien sehen. Jeder,
der ein Printmedium produziert, hat sich dem Maßstab einer professionellen
Konkurrenz zu stellen und hier in erster Linie eine typische Formensprache für seine
Inhalte und Themen, für die eigene Stadt und das eigene Haus zu finden. Prof.
Beyrow kehrte den Titel der Veranstaltung folgerichtig um. Statt „Faltblatt – und was
dann?“ sollte es heißen: „Warum ein Faltblatt?“ (und zum Beispiel keine Postkarten,
Anzeigen oder Plakate?). Die Frage nach den Strategien erfolgreicher Werbung gab
er mit Hinweis auf fehlende Evaluationsdaten der Werbebranche und unklarer
Erfolgskriterien zurück. Vielmehr plädierte er dafür, für jedes
Kommunikationsproblem eine individuelle Lösung zu finden und dann – gerade dies
zeichne corporate design (cd) aus – auch konsequent bei der einmal
eingeschlagenen Strategie zu bleiben. Seine drei prägnanten Beispiele waren klug
gewählt und allesamt aus dem Land Brandenburg: Bischofsresidenz Burg Ziesar,
Museum Luckenwalde und ein cd-Wettbewerbsbeitrag für das HBPG in Potsdam.
Noch einmal betonte er am Ende seines halbstündigen und hochkonzentrierten und
zugleich anschaulichen Referats die Individualität jeder Lösung, die einer
professionellen Begleitung bedarf.
Katja M. Mieth von der Landesstelle für Sächsisches Museumswesen und die
Gestalterin Anke Albrecht aus Pirna erläuterten den Umgang mit den Ansprüchen an
ein Corporate Design in Sachsen. Einfach mal viel Geld haben, einen tollen Gestalter
einkaufen und dann ein tolles Faltblatt machen, das endlich die Besucher in Scharen
anlockt? Mit dieser Vorstellung wurde gründlich aufgeräumt und damit knüpften die
Beiden nahtlos an den Beitrag von Prof. Beyrow an. Am Beispiel des Museums in
Lengefeld und der vereinigten Bergwerksmuseen Zinnwald, Altenberg und Zwitterfeld
demonstrierten sie, dass auch kleine Häuser einen professionellen Auftritt verdienen
und bezahlen können. Das braucht erstens: Teamarbeit zwischen Gestalter und
Museum und emotionales Mittragen des cd von allen Beteiligten. Zweitens:
Entwicklung eines Grundlayouts für Ausstellung, Objektschilder, Faltblatt,
Kopfbogen, Power point, und Farbdrucke blanco für individuelle Ankündigungen. In
Strich, Schrift, Farbe wird einmal ein cd definiert und kann für alle Produkte des
Museum ohne weiteres angewandt werden. Die Entwürfe, vor allem die Präsentation
von Uneinheitlichkeit vorher und dem cd nachher überzeugten. Ebenso spontane
Zustimmung erhielt die Präsentation eines neuen cd des Internationalen
Museumstages als Wortmarke mit einem geschwungenen U als eyecatcher.
In der Diskussion wurde die wichtige Frage nach der Innovationskraft und der
Ermüdung angesichts von immer neuen und immer mehr Faltblättern gestellt. Prof.
Beyrow wies darauf hin, dass in der Werbebranche seit 40 Jahren experimentiert
werde und das Repertoire mehr wiederholt als erweitert werde. Er sieht die
Innovation im Inhalt und nicht in der Form. Dies aus dem Munde eines Gestalters
sollte allen Museen Mut machen, an ihrem persönlichen cd zu arbeiten.
In den folgenden vier Arbeitsgruppen, für die 60 Minuten eingeplant waren, konnte,
wer sein eigenes Faltblatt dabei hatte, in die Praxis einsteigen. Der Graphiker Jürgen
Freter aus Berlin, Christoph Wichtmann vom Verein Kulturfeste e.V. in Potsdam,
Prof. Matthias Beyrow und die Kollegen aus Sachsen Anke Albrecht/Katja Mieth
standen hier zur Verfügung. Es wurde davon reger Gebrauch gemacht und eine
große Zufriedenheit über die vielen auch kritischen Hinweise zum eigenen Faltblatt
bestimmte die Mittagspause.
Um 13.30 Uhr lud der Gastgeber ein, Museum und cd Fürstenwalde kennen zu
lernen. Das Museum hat in diesem Jahr ein neues Gebäude in der ehemaligen
Schule am Domplatz erhalten und liegt damit unweit des alten Standortes in der
Nähe des Doms und direkt neben der Kulturfabrik Fürstenwalde, in der u.a. auch die
Bibliothek der Stadt, zahlreiche Vereine ihre Aktivitäten entfalten. Mit einem Blick, der
durch die am Vormittag gewonnenen Einsichten nunmehr geschärft war, ging es jetzt
in zwei Gruppen unter Leitung des Museumsleiters Guido Strohfeldt und dem
Gestalter Kurt Ranger aus Stuttgart durch das Haus. In der abschließenden
Diskussion, die von erfreulicher Differenziertheit getragen war, ging es vor allem um
die neue Ausstellung des Museums Fürstenwalde. Es wurde eine grundsätzliche
Diskussion um die Präsentation von Objekten im Museum, an der Argumente aus
Historiker-, Restauratoren-, Gestaltersicht auch für die Gastgeber eine
hochinteressante Rückkopplung von den Kollegen aus allen Ecken des Landes
ermöglichte.
Es war ein intensiver Tag nicht nur um das Faltblatt, sondern um Fragen der
Kommunikation von Museen in der Öffentlichkeit, der um 16.00 Uhr endete.
Bericht von Iris Berndt
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Kunst und Fotos
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