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Dr. Frank Döring Was ist Wissenschaft? Vortragsreihe des

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Dr. Frank Döring
Was ist Wissenschaft?
Vortragsreihe des Studentischen Arbeitskreises Ernährungsökologie
Justus-Liebig-Universität Gießen, 1996
Wissenschaft ist das,
was anerkannte Wissenschaftler
für Wissenschaft halten.
Odo Marquard
Im Namen der Ernährungswissenschaft wird ständig eine unübersehbare
Fülle von widersprüchlichen Informationen und Meinungen publiziert. Eine
Bewertung dieser Aussagen scheint dringend notwendig, da sowohl selbsternannte
Ernährungsexperten als auch seriöse Wissenschaftler zur allgemeinen
Verunsicherung der Bevölkerung beitragen. Im Vortrag Was ist Wissenschaft? soll
deshalb am Beispiel der Ernährungswissenschaft, als experimentell arbeitende
Naturwissenschaft, gezeigt werden, nach welchen Kriterien wissenschaftliche und
unwissenschaftliche Aussagen bewertet werden können. Aus diesem Grund wird
zunächst das übliche Vorgehen in der Wissenschaft dargestellt. Das Produkt der
wissenschaftlichen Arbeit ist eine Publikation, die die Ergebnisse und
Schlussfolgerungen der eigenen Experimente beschreibt. Die Publikation in einer
angesehenen wissenschaftlichen Zeitschrift erfolgt jedoch nur, wenn die eingereichte
Arbeit von mehreren Gutachtern positiv beurteilt wird. Dieses peer-review System
garantiert in der Regel die Originalität und Qualität von Wissenschaft und lässt eine
leichtere
Einteilung
von
wissenschaftlichen
und
unwissenschaftlichen
Veröffentlichungen zu.
Allerdings wird an dieser Stelle häufig nach der Rechtfertigung des
vorgestellten Verfahrens gefragt. Gibt es Qualitätskriterien für die Wissenschaft, die
unabhängig von der jeweiligen Einzeldisziplin und dem Publikationsorgan gelten?
Tatsächlich erarbeiteten die Philosophen des kritischen und hypothetischen
Rationalismus notwendige Kriterien, die eine Unterscheidung zwischen
Wissenschaft und Nicht-Wissenschaft ermöglichen. Zu diesen Kriterien gehören u. a.
Kritisierbarkeit, Intersubjektivität, Widerspruchsfreiheit, Widerlegbarkeit und Problemlösungspotential. Mit Hilfe dieser wissenschaftstheoretischen Meßlatte ist es
möglich, die Wissenschaftlichkeit bzw. Unwissenschaftlichkeit einer Aussage zu
beurteilen.
Die genannten Kriterien müssen jedoch nicht allgemein akzeptiert werden.
Sind die Kriterien begründbar? Oder sind die wissenschaftlichen Lehrmeinungen
lediglich das Resultat der historischen Situation und der gesellschaftlichen Struktur
der Forschergemeinschaft? Diese Fragen berühren das uralte philosophische
Problem, ob es überhaupt sicheres Wissen gibt oder geben kann. Die
philosophischen Überlegungen zur Letztbegründbarkeit von Wissen sind
unterschiedlich und widersprüchlich, sodass die skeptische These, es gebe kein
sicheres Wissen, sehr attraktiv und unwiderlegbar erscheint. Dass es kein sicheres
Wissen gibt, lässt sich allerdings auch nicht beweisen! Der hypothetische
Rationalismus schließt demgegenüber eine iterative Annährung der menschlichen
Wirklichkeitserkenntnis an die Wirklichkeit nicht aus. Wissenschaft, als ein Teil der
menschlichen Wirklichkeitserkenntnis, kann somit durchaus zu sicherem Wissen
führen.
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Bildung
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