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Amateure – denn sie lieben, was sie tun – SASO wird 50 Jahre

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SONNABEND, 2. NOVEMBER 2013
NOS SEITE 28
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Der Nordschleswiger
SASO, wie es sich im November 2009 präsentierte.
PRIVAT
Amateure – denn sie lieben,
was sie tun – SASO wird 50 Jahre
SønderjyskAmatørSymfoniOrkester wurde zeitgleich mit den Profis gegründet – Kampf um die “Mitte“
APENRADE/SONDERBURG
–
Das
SønderjyskAmatør SymfoniOrkester,
kurz SASO genannt, feiert Geburtstag. Es ist genauso alt wie sein professioneller Bruder, das Sønderjyllands
Symfoniorkester. Vor 50 Jahren entstanden die beiden Klangkörper, die
in einer engen Beziehung zueinander
stehen.
Das SASO wurde zur „gegenseitigen Inspiration“ gegründet, wie Claus
Münchow, Oboist und seit gut zehn
Jahren Vorsitzender, es erklärt. Es
sollte ein Publikum erwachsen, das
die Angebote des Sønderjyllands
Symfoniorkester nutzen kann und dafür sorgt, dass im ganzen Landesteil
das Interesse an Musik und am Ausüben von Musik geweckt wird. „Vorher hat es natürlich im kleineren Rahmen Gruppen gegeben, die zusammengespielt haben. Aber jetzt war der
richtige Moment gekommen. Der
musste für die Amateure genutzt werden“, berichtet Münchow aus der Geschichte des Orchesters. Er selbst lebte zu dem Zeitpunkt noch außerhalb
Nordschleswigs und zog erst viel später von Seeland in die Grenzregion.
Dass die Gründung „erst“ vor 50
Jahren erfolgte, hatte durchaus auch
praktische Gründe. Wenn viele Menschen zusammenspielen, müssen sie
auch zusammenkommen können.
Weil immer mehr Autos hatten, wurde
dies leichter. Die Wiege von SASO
stand in Woyens – ein zentraler Kontrapunkt zum Sønderjyllands Symfoniorkester, das immer schon seine
Heimstatt in Sonderburg hatte.
Mittlerweile ist das SASO, das in
den Räumen des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig probt, in
Apenrade beheimatet – spielt aber die
Hälfte der Zeit auch in Sonderburg. Es
wird auch nicht mehr jede Woche geübt, sondern nur noch jede zweite.
Ein Tribut an die Zeitbelastung vieler
Mitglieder und an die Schülerinnen
und Schüler der Sonderburger Musikschule, die seit einigen Jahren SASO
aktiv gerade im Bereich der Streicher
verstärken.
Im SASO spielen auch viele Mitglieder der deutschen Minderheit. Nach
den Erfahrungen von Claus Münchow
war das aber nie Thema unter den Musikern. „Ich selbst habe es eigentlich
erst vor fünf Jahren richtig gemerkt,
dass manche der Musiker aus der
deutschen Minderheit stammen“, erinnert er sich.
Die Amateure an Geige, Cello, Pauke, Trompete und Co. spielen aber
nicht nur zum eigenen Vergnügen,
sondern geben regelmäßig vier Konzerte pro Jahr diesseits und jensseits
der Grenze. „Wir haben sogar schon
einmal auf Mandø gespielt – als einziges Sinfonieorchester, das jemals dort
aufgetreten ist“, freut sich Claus
Münchow. „Wir wollen vor allem dort
spielen, wo die Großen nicht hinkommen. Unser Neujahrskonzert 2013 z.
B. haben wir in Ballum gegeben“, erklärt der Vorsitzende. Die Konzerte
und die Proben werden durch Gelder
aus dem Kulturfokus und dem Mitgliedsbeitrag finanziert. In der Regel
zahlen erwachsene Mitglieder 800
Kronen im Jahr.
Die gleichzeitige Gründung beider
Orchester bedeutete auch, dass mehr
Musiklehrer zur Verfügung standen
und stehen, die zum Selbstspielen anleiten, denn viele Musiker des
Sønderjyllands Symfoniorkester sind
nebenbei als Lehrer an den kommunalen Musikschulen oder privat tätig.
Diese professionellen Musiker finden dann auch oft den Weg wieder
zum SASO, wenn sie pensioniert sind.
„Wir haben die ganz jungen und die älteren Professionellen, die es lieben
weiterzuspielen. Späte Amateure sozusagen.“ Das Wort Amateur hat für
Claus Münchow keinerlei herabsetzende Bedeutung. Er versteht es im
Sinne von: Man liebt das, was man tut.
„Die besten Profis sind deshalb im
.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ..
ANNEGRET MORITZEN CELLO
Annegret Moritzen lebt seit acht
Jahren in der Nähe von Apenrade
und hat nach fast 20-jähriger
Pause wieder angefangen, Cello
zu spielen. Sie erzählt: „Seit gut
einem Jahr bin ich bei SASO. Ich
bin von Lehrern der Apenrader
Musikschule auf das Orchester
aufmerksam gemacht worden.
Früher habe ich im Schulorchester und Uni-Orchester gespielt.
Als „Neue" bin ich bei SASO gut
aufgenommen worden, besonders von der Cellogruppe.“
Sie gehört altersmäßig bei SASO „zum (leider) sehr dünn besetzten Mittelfeld, aber mir liegt
ARCHIV
die spezielle Altersstruktur des
Orchesters mit Musikschülern auf der einen Seite und erfahrenen
Rentnern auf der anderen Seite. Ich habe bereits zwei feste und
drei Gastdirigenten kennengelernt, die es alle verstehen, auf ihre
jeweils unterschiedliche Art die Stärken und den Charme eines
Amateurorchesters herauszuarbeiten und nicht auf letzte Perfektion zu bestehen.“ Besonders gut gefällt ihr auch die„hervorragende und gut strukturierte Arbeit des Vorstandes – vom Versenden
der Noten bis zu den detaillierten Probenplänen – ohne die das
Orchester nicht funktionieren würde“.
Herzen Amateure geblieben“, erläutert der ehemalige Mathematik- und
Physikleher.
Rund 50 Musiker werden für ein
vollwertiges Sinfonieorchester gebraucht. Das SASO kommt an diese
Zahl heran. „Aber wir haben immer
noch zu wenig Streicher. Da dürften
gerne noch einige hinzukommen.“
In der Geschichte des SASO ging es
– wie im richtigen Leben – auf und ab.
Als Claus Münchow den Vorsitz übernahm, befand sich SASO gerade eher
in einer Abwärtsphase. Per Zufall
dann konnte ein Missverständnis aus
der Welt geräumt und eine Zusammenarbeit mit der Sonderburger Mu- . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
sikschule in die Wege geleitet werden.
Seitdem die jungen Musiker dabei SIGURD FUGLSANG CELLO
sind, „spielen wir auch noch publi- Sigurd Fuglsang ist mit seinen 85
kumsfreundlicher. Das passt gut zu ei- Jahren der Nestor des
nem Amateurorchester“, bewertet SønderjyskAmatørSymfoni
Orkester.
Claus Münchow die Kooperation sehr Vor gut zehn Jahren ist er zum
positiv.
Orchester gestoßen und damit
Allerdings gibt es mittlerweile eine ein viel jüngeres Mitglied als sein
ungleichgewichtige Verteilung: viele Bruder Iver, der seit 15 Jahren
junge Menschen, viele ältere Men- Bratsche beim SASO spielt.
schen und nur wenige in der Mitte. „Ich bin kein großer Künstler, ja,
„Der Arbeitsmarkt fordert immer eher ein kümmerlicher Cellist“,
mehr und die 68er Kinder spielen lacht er bescheiden. Ursprünglich
nicht mehr Geige“, schätzt er realis- war er – neben seiner Arbeit im
Familienbetrieb – Klavierspieler.
tisch ein. „Deshalb ist es schwer, Mu- Aber weil seine Ehefrau auch Klasiker zu finden, die so etwa zwischen vier spielte, wechselte er zum Cel35 und 55 Jahre alt sind.“ Dabei ist es lo. Lange Jahre aber blieb das InKARIN FRIEDRICHSEN
gerade in einem turbulenten Alltag strument in der Ecke, weil die Arwichtig, sich Zeit zu nehmen, um sich beit in der Mälzerei, aber auch der Brauerei den ganzen Mann forab und an zu sammeln, lockt Claus derte. Mit 75 Jahren startete er dann bei SASO musikalisch wieder
Münchow zum aktiven Entspannen. durch. „Es ist wunderbar, dass man unter guter Leitung gute Musik
Auf das Jubiläumskonzert am 9. No- spielen kann. Es sind immer gute Dirigenten, die das Orchester leiten.“ Und er ergänzt: „Es ist unter den Musikern ein sehr guter Zuvember um 15 Uhr im Sonderburger
sammenhalt und ein positiver Geist spürbar.“
Alsion freut sich Claus Münchow
ganz besonders. Nicht nur, weil „sei- . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
ne“ Musiker dann wieder einmal in ei- PHILIPP MÖLLGAARD PAUKE
nem großen Rahmen zeigen können,
was in den Amateuren steckt, sondern Philipp Möllgaard ist nicht ganz
das Nesthäkchen, denn die beiauch, weil es gelungen ist, eine Urauf- den Geigerinnen Natasja Ryborg
führung vorzubereiten.
und Sofie Rimer aus Sonderburg
Das Konzert beginnt nach dem sind 12 bzw. 13 Jahre. Aber mit 14
„Champagnegalop“ mit dem „Mor- ist der Flensburger Gymnasiast
gensang fra Elverskud“ von N. W. Ga- auch noch sehr jung.
de. Geschlossen wird die Veranstal- Er spielt die Pauke aus einem eintung mit dem „Aftensang ’I de timer fachen Grund: „Sonst haben sie
før stjernerne tændes’“ von Flem- keinen“, wie er erklärt.
ming Neergård Pedersen und Tim Die Verbindung nach Apenrade
hat sein Schlagzeuglehrer geHansen, der an diesem Nachmittag schaffen, der auch in der Apenrazum ersten Mal öffentlich gespielt der kommunalen Musikschule unwird. Claus Münchow hofft, dass sich terrichtet. Zusammen mit seinem
das Lied zum Ohrwurm entwickelt – älteren Bruder Daniel Möllgaard
und dass das SASO noch viele span- (17) am Schlagzeug sorgt Philipp
PRIVAT
nende Jahre vor sich hat. Die Türen für den Percussion-Bereich.
stehen weit offen für diejenigen, die es Als Gast spielte Philipp zum ersten Mal vor gut zwei Monaten beim
SASO, dann wurde sehr schnell mehr daraus und er ist jetzt fester
lieben, wenn sie Musik machen.
Text
Claudia Knauer
Paukist. Das Alter seiner Mitmusiker ist ihm egal. „Solange die richtigen Töne gespielt werden, ist das Alter nicht entscheidend.“
Die Stimmung im Orchester ist seiner Einschätzung nach gut.„Aber
wir stehen ein bisschen hinten in der Ecke, da hat man nicht so viel
Kontakt.“ Vielleicht liegt es auch daran, dass sein Dänisch noch nicht
so ausgeprägt ist. Er hatte gerade seine vierte Unterrichtsstunde.
Aber davon abgesehen, klappt die Verständigung gut.
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Seele and Geist
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