close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Fassadenschnüffler unt erwegs „Lernfakt or enorm hoch“ Mal sehen

EinbettenHerunterladen
-› d ruc ke n
Fassade nschnüf f le r unt e rwe gs
OSTFILDERN : Sie obse rvie re n und ve rm e sse n - wolle n abe r nicht e inbre ch e n: Die Schüle rfirm a
Ene rxchange bie te t m it Wärm e bilde rn Ene rgie be ratung für Häusle be sitze r
Von Ve ronika Warm brunn
Langsam be we gt sich de r kle ine grau e Kaste n im kle ine n Garte n e ine s Hause s in Scharnhau se n
durch die Luft. Lukas Ast ste ht auf e i ne r Le ite r und füh rt das se chs Kilogram m schwe re Ge rät an
de r Hauswand e ntlang. Zur U nte rstü tzung hat e s sich de r 18-jährige Schül e r an e ine r Schlau fe
be fe stigt, die e r u m de n Hals trägt. Ne be n ihm ste ht M ichae l Grae co, de r Hausbe sitze r, de n Kopf
in de n N acke n ge le gt. Er be obachte t die Arbe it de s junge n M anne s ge nau. E s we ht e in e isige r
Wind, Lukas und se ine dre i M itschüle r spüre n die Kälte in ihre n Füße n. Se it se chs U hr sind sie
schon auf de n Be in e n und zie he n von Kunde zu Kunde , um m it e ine r Wärm e bildkam e ra
m ange lhafte Däm m unge n an Hauswän de n aufzuspüre n. „Ene rxchange “ ste ht in grüne n
Buchstabe n auf de r CD-Hülle , die auf M ichae l Grae cos Wohnzim m e rtisch lie gt. So he ißt die
Schüle rfirm a, die de r Wirtschaftskurs de r 12. Klasse n vom Otto-Hahn- und He inrich-He ine Gym nasium in N e llinge n die se s Schu ljahr ge gründe t hat. M ittle rwe ile sitze n die junge n
Ene rgie be rate r au f de m Sofa ihre s Ku nde n. Ein Laptop ste ht auf de m Tisch , dane be n e inige Kabe l
und Ge räte sam t de s ge he im nisvolle n graue n Kaste ns - de r Wärm e bildkam e ra. Währe nd se ine
Frau, von de m Trube l sche inbar unge stört, am Esszim m e rtisch sitzt und häke lt, ble ibt M ichae l
Grae cos Inte re sse für die Wärm e bilde r se ine s Hause s u nge broche n. Aufm e rksam blickt e r de n
Juge ndliche n übe r die Schulte r. Die sind ge rade übe r ih re n Laptop ge be ugt und dam it be schäftigt,
e ine CD m it „se ine n“ Wärm e bilde rn zu e rste lle n. Nur e ine r ge ht m al kurz raus auf die Te rrasse
und be nachrichtigt de n nächste n Kun de n, dass e s späte r wird. He ktik ze ige n die junge n Profis
nicht.
„Le rnf akt or e norm hoch“
„Die Arbe it be i de n Kunde n m acht vie l Spaß“, sage n die Obe rstufe nschüle r späte r. „De r Le rnfaktor
ist e norm hoch - dafür ne hm e n wir de n große n Ze itaufwand ge rne in Kauf.“ Auch ihre r be rufli che n
Zukunft kom m t de r Aufwand zugute . „Wir habe n die M öglichke it, schon je t zt wichtige Kontakte zu
knüpfe n“, sagt de r Vorstandsvorsitze nde de r Schüle rfirm a, Hanne s Bondorf. Er inte re ssie rt si ch
se itde m für de n St udie ngang „Erne ue rbare Ene rgie n“. Durch se ine Arbe it be i Ene rxchange h abe
e r schon e ine M e n ge dafür ge le rnt. N ach de m Be such be i de n Grae cos ge ht e s zügig we ite r. Statt
e ine s Firm e nwage ns le nkt Ene rgie be rate rin Tanja Ze h das Auto ihre r Elte rn. Erst se it e in paar
Woche n hat sie ihre n Führe rsche in. So taste n sich die Ju ge ndliche n nicht n ur m it ihre r Firm a
langsam Richtung Erwachse nse in.
Mal se he n, was die Fassade t augt
Das in de n 1960e r-Jahre n e rbaute Hau s, in de m die Ostfilde rne r SPD-Stadträtin Ste fanie Se kle rDe ngle r wohnt, m acht m it se ine m he llgrüne n Anstrich und de n Blum e nkäste n vor de n Fe nst e rn
e ine n ge m ütliche n Eindruck. Doch Lukas prüft be re its, ob die 50 Jahre alte n Däm m unge n nich t zu
vie l von de r m ollige n Wärm e in de r Wohnung auf die Straße lasse n. Erne u t führt e r de n
The rm ographe n an de r Hausfassade e ntlang. We r sich n icht auske nnt, kön nte m e ine n, dass Lukas
e ine in die Jahre ge kom m e ne Vide okam e ra vor de m Bau ch trägt. Ode r sonstwe lche obskure n
Ve rm e ssunge n vornim m t. So sche int auch Ste fanie Se kle r-De ngle rs N ach bar zu de nke n, de r
plötzlich in de r Hau stür ste ht. Trotz se ine r unwirsche n Frage , was die Sch üle r dort trie be n,
be kom m t de r m isstrauische M ann e i ne fre undliche Ant wort. „Wir e rste lle n Wärm e bilde r von
Ihre m Haus. M al se he n, was ihre Däm m unge n noch he rge be n“, e rklärt Lu kas und hält de m
ve rdutzte n M ann die Kam e ra vor die Nase . „Wolle n Sie auch m al durch die Linse se he n?“
Auf de n Wärm e bilde rn könne n die Ku nde n von Ene rxchange die Obe rfläche nte m pe ratur ihre s
Hause s se he n. Die Kam e ra we rte t dafür die e le ktrom agne tische Strahlung, die je de r Körpe r
ausse nde t, aus. Si e be stim m t die Strahlungsinte nsität - und dam it die Te m pe ratur de r
Obe rfläche . N e be n je de m Bild ste ht e ine Farbskala. Rot be de ute t, dass se hr vie l Ene rgie
e ntwe icht, blau be de ute t, dass e s kaum e ine n U nte rschie d zwische n de r Auße nte m pe ratur und
de r Fassade nobe rfl äche gibt.
Zu Be ginn de s Firm e nproje kts habe n die Zwölftklässle r e ine Einführung von e ine m
profe ssione lle n En e rgie be rate r be kom m e n. „Dort habe n wir ge le rnt, wie m an die Wärm e bilde r
richtig inte rpre tie rt. Die se Erklärunge n lie fe rn wir unse re n Kunde n dire kt an Ort und Ste lle “,
e rklärt das Ene rgie be rate r-Te am . „Ein e darübe r hinaus ge he nde Be ratung könne n wir abe r ni cht
le iste n.“ Schlie ßlich be de ute t die Au sbildung zum richt ige n Ene rgie be rate r e in dre ijährige s
Studium . „U nse re Arbe it soll die Kun de n le diglich inform ie re n und zu U m baum aßnahm e n für
m e hr U m we ltschu tz förde rn.“
Le be n se lbst umwe lt be wusst e r
Doch nicht nur auf die Kunde n - auch auf die Firm e nm it glie de r se lbst hat die Arbe it positive
Wirkung. „Wir ve rsuche n se lbst, um we ltbe wusste r zu le be n. Wir fahre n zu m Be ispie l öfte r m it
de m Fahrrad.“
Währe nd drauße n in de r Kälte die Hausdäm m ung unte rsucht wird, sitzt Si m on Dorne r in de r
Küche von Se kle r-De ngle r se ine r Kun din ge ge nübe r. N e be n de n Wärm e bilde rn wünscht sich die
Stadträtin auch e in Be ratungsge spräch zum Strom anbie te rwe chse l. Die s i st e ine we ite re
Le istung de r junge n U nte rne hm e r. Sie e m pfe hle n Anbie te r von Ökostrom , de sse n He rste llu ng
aufgrund de s ge rin ge n CO2-Ausstoße s um we ltschone nde r ist. In m anche n Elte rnhäuse rn de r
Kurste ilne hm e r wurde de r Strom anbie te r auch schon ge we chse lt.
Sim on Dorne r e rklärt nun Ste fanie Se kle r-De ngle r, dass sie nicht fürchte n m üsse , nach e ine m
Anbie te rwe chse l könnte ihr de r Strom abge dre ht we rde n . „Da brauche n Sie sich ke ine Sorge n
m ache n, Sie habe n e ine n ge se tzliche n Anspruch auf Strom ve rsorgung. Im Zwe ife lsfall falle n Sie
in de n Grundve rsorge rtarif zurück.“ In solche n Ge spräch e n ze igt sich, übe r was für e in Fachwisse n
die Juge ndliche n trotz de r kurze n Ze it schon ve rfüge n.
Das Be ratungsge spräch hat Se kle r-De ngle r nicht alle in ange forde rt, um die junge Firm a zu
unte rstütze n. Ihr se lbst fe hle die M uße , sich um e ine n Ve rtragswe chse l zu küm m e rn. „Im
Dickicht de r Anbie t e r finde t m an sich alle in kaum zure cht“, sagt die Stadträtin.
Alle rdings sind die Ene rgie be rate r au ch hie r auf Hilfsm i tte l ange wie se n. Die Tarife ste lle n si e
nicht se lbst zusam m e n. Anhand de r Angabe n ihre r Kundinne n und Kunde n lasse n sie de re n
Strom ve rbrauch au f e ine m Inte rne tportal be re chne n. Dafür sind die Juge n dliche n unabhängig, an
ke ine Firm a ge bun de n - was die Kunde n be ruhigt. „Ich wusste nicht, dass i ch m it de m We chse l
auf Ökostrom Ge ld e inspare n kann“, i st Ostfilde rns Stadträtin Ste fanie Se kle r-De ngle r ve rblü fft.
„Ich dachte im m e r, dass wäre wie im Supe rm arkt: Dort sind die Bioprodukt e ja auch standardm äßig
te ure r als norm ale Le be nsm itte l.“ Zu m Schluss ge lobt sie , ihr ne u ge wonn e ne s Wisse n be i de r
nächste n Eige ntüm e rve rsam m lung de s Hause s e inzubri nge n. Be i ihr habe n die junge n
U nte rne hm e r Eindruck hinte rlasse n. „Toll, e in richtige s U nte rne hm e n“, sagt sie noch und
be zahlt die 50 Euro für Wärm e bilde r u nd Ene rgie be ratun g.
Schat t e nse it e : We nig Fre iz e it
Tatsächlich: Aus de n 18 Schüle rn de s Wirtschaftskurse s ist m ittle rwe ile e in richtige s Te am
ge worde n. N icht nu r im Rahm e n de r Schüle rfirm a ve rbri ngt m an vie l Ze it m ite inande r. „Wir sind
e in bunt ge m ischte r Haufe n völlig norm ale r Juge ndliche r, de r sich e rgänzt und auch privat gu t
ve rste ht“, sage n Sim on und Lukas. „Wir blicke n übe r de n Te lle rrand de s Sch ulle be ns hinaus u nd
e rle be n so ge m e in sam e ine n sanfte n Ü be rgang von de r Schule in die Be ru fswe lt.“
Die se Chance ist für die 17- und 18-jährige n Schüle rinn e n und Schüle r abe r auch m it
schm e rzliche m Ve rzicht ve rbunde n. De nn we nn die Wärm e bildkam e ra für e in Woche ne nde
ge m ie te t ist, m uss die se s auch voll ausge nutzt we rde n. Währe nd ande re Gle ichaltrige fe ie rn und
faule nze n, inve sti e re n die junge n E ne rgie be rate r näm lich ihre Fre ize it. Früh übt sich, we r e in
M e iste r we rde n will.
Artike l vom 16.02.2 010 © Eßlinge r Ze itung
|
|
Aktue lle Nachricht e n aus de r Re gion je de n M orge n im Brie fkaste n.
14 Tage koste nlos die Eßlinge r Ze itun g te ste n.
Document
Kategorie
Reisen
Seitenansichten
3
Dateigröße
71 KB
Tags
1/--Seiten
melden