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"Wir müssen nehmen, was wir haben können" - Der Ditzinger

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"Wir müssen nehmen, was wir haben können"
Artikel aus der Kornwestheimer Zeitung vom 22.03.2010
Hemmingen/Löchgau Wenn die Mutter Mukoviszidose hat: Zwei Paare berichten über das Leben
mit der Krankheit. Von Christine Bilger
Es ist alles sehr schnell gegangen bei Valerie und Fabian Volk. Gerade mal
zwei Monate jung war die erste große Liebe der beiden Hemminger, als Fabian
bei Valerie und ihrer Mutter einzog. 16 und 17 Jahre jung waren sie damals.
Inzwischen sind beide 21 Jahre alt und seit zweieinhalb Jahren ein Ehepaar.
Ein ungewöhnliches Tempo. Aber die beiden haben einen Grund, warum sie
fast zehn Jahre früher geheiratet haben als das deutsche Durchschnittspaar.
Valerie Volk hat Mukoviszidose und weiß, dass sie mit dieser unheilbaren
Krankheit vielleicht kein langes Leben führen wird. "Bei mir ist die Zeit kurz,
wir müssen nehmen, was wir haben können", sagt die junge Frau.
Doch einmal, ganz am Anfang der Beziehung, musste Fabian bei seiner
Auserkorenen dafür kämpfen, dass sie sich etwas nehmen sollte, was sie
haben konnte - die gemeinsame Zukunft. Die sonst so fröhliche Valerie wird
ernst, wenn sie zugibt, dass sie sich das damals nicht vorstellen konnte. "Ich
dachte, es ist nicht für immer. Wer weiß, ob es hält, wenn er merkt, was mit
der Krankheit alles zusammenhängt", das habe sie sich damals gefragt.
Klarheit ist ein wichtiger Begriff für das junge Ehepaar. "Man muss auch über
das Ende reden. Darüber, wie ich mir meine Beerdigung vorstelle. Und
darüber, dass es nach mir vielleicht eine zweite Frau in seinem Leben geben
wird", sagt sie. "Darüber mach ich mir noch keine Gedanken", sagt er. Fabian
und Valerie leben im Jetzt: "Wir konzentrieren uns auf das, was gerade ist."
Den nächsten großen Schritt im gemeinsamen Leben haben sie trotzdem
schon sehr gründlich geplant. Valerie und Fabian Volk wollen ein Kind
bekommen. Dafür haben sie viele Tests über sich ergehen lassen. Sie wollten
sichergehen, dass Fabian den Gendefekt, der zu Mukoviszidose führt, nicht in
sich trägt. "Ich will als kranke Muter kein krankes Kind aufziehen. Ich will ihm
nicht vorleben, wie es vielleicht mal eines Tages zugrunde gehen wird", sagt
sie.
Bei mehr als 98 Prozent liegen die Chancen, dass das Kind die Krankheit nicht
erbt. Bei der Familienplanung sei es vor allem darauf angekommen, was
Fabian sich vorstellen kann. "Ich wollte meinen Willen nicht über seinen
setzen, denn vielleicht ist er eines Tages allein mit dem Kind", sagt Valerie.
Fabian will auch ein Baby. Bald, denn was zählt, ist die gemeinsame Zeit.
Katja Fritsche und ihr Partner Alexander Klett aus Löchgau haben diesen
Schritt schon gemacht. Seit drei Monaten haben sie ihren kleinen Jamy - ein
kerngesunder Wonneproppen. Wie bei den Volks hat auch bei dem Löchgauer
Paar die Frau Mukoviszidose. Männer, die an der Krankheit leiden, können
meist keine Kinder zeugen. "Er hat sich einfach plötzlich angekündigt", sagt
Katja Fritsche - bis ins letzte Detail geplant war die überraschende
Schwangerschaft nicht. Gewollt aber wohl. "Ich war zehn Jahre alt, als meine
kleine Schwester auf die Welt kam. Seither war mir klar: Ich will auch mal
Kinder haben."
Während der Schwangerschaft wurde unter anderem regelmäßig Katja
Fritsches Lungenfunktion überprüft, denn dieses Organ hat bei
Mukoviszidosekranken meist nur eine eingeschränkte Funktion. Außerdem
musste die werdende Mutter viele Medikamente absetzen. Einmal bekam sie
trotz der Schwangerschaft ein Antibiotikum. "Aber das hat Jamy nichts
ausgemacht", sagt sie. Zwei Monate nach der Geburt ist Katja Fritsche in ihren
Beruf zurückgekehrt, sie arbeitet in der Kornwestheimer Stadtverwaltung.
Alexander Klett kümmert sich um Jamy, der Vater hat den Beginn seines
Studiums verschoben. Damit die drei ein ganz normales Familienleben führen
können.
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Kategorie
Seele and Geist
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