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1 Rückenschmerz – was ist das? - Hogrefe

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1
Rückenschmerz – was ist das?
1.1
Wie äußert sich Rückenschmerz?
Sie fragen sich sicher, was sollen diese dummen Fragen! Denn die meisten Erwachsenen kennen Rückenschmerz. Mehr als 40 % der erwachsenen
Bevölkerung würde auf die Frage, ob sie heute Rückenschmerzen hat, mit
„Ja“ antworten.
70 % aller Erwachsenen hatten im letzten Jahr zumindest einmal Rückenbeschwerden.
Aber Rückenschmerz ist nicht gleich Rückenschmerz. Da ist zum einen
die Schmerzstärke, die von Mensch zu Mensch und zu verschiedenen Zeitpunkten und in verschiedenen Situationen sehr unterschiedlich sein kann.
So kreuzt Herr A auf einem „Schmerzthermometer“ eine „9“ für seine
durchschnittliche Schmerzstärke an, Frau B aber eine „2“.
„Schmerzthermometer“
0
kein
Schmerz
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
stärkster
vorstellbarer
Schmerz
Auch die zeitlichen Merkmale der Schmerzbeschwerden können sich bei
verschiedenen Menschen unterscheiden. So treten die Schmerzen bei
Herrn A alle paar Monate für 1 bis 2 Wochen auf, die von Frau B sind seit
3 Jahren ohne Unterbrechung immer vorhanden. Selbstverständlich unterscheidet sich auch der Ort des Schmerzes. Am häufigsten tritt er im
„Kreuz“ auf, aber auch der obere Rückenbereich kann betroffen sein.
Rückenschmerzen können aber auch bis in das Gesäß oder die Beine hinein ausstrahlen.
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Eine weitere Unterscheidung ist die Qualität des Schmerzes, d. h. wie er
sich anfühlt. Frau B verspürt einen dumpfen, drückenden Schmerz. Herr A
spricht von „hartnäckigen, durchdringenden, ziehenden“ Schmerzen. Bei
manchen Patienten ist der Schmerz von anderen Symptomen begleitet:
Taubheit, Missempfindungen in den Beinen, ja selbst Lähmungserscheinungen können auftreten.
Sehr große Unterschiede gibt es zwischen verschiedenen Menschen in der
empfundenen Beeinträchtigung durch den Schmerz. Der eine hebt „nur“
keine schweren Gegenstände mehr, weil er gespürt hat, dass dies seine
Schmerzen verschlimmert, fühlt sich ansonsten aber nicht beeinträchtigt.
Der andere fühlt sich so behindert, dass er praktisch nicht mehr das Haus
verlässt, außer um zum Arzt oder Krankengymnasten zu gehen, und hat
sich wegen seiner Schmerzen berenten lassen.
Rückenschmerzen unterscheiden sich bei verschiedenen Menschen in
•
•
•
•
•
•
der Intensität
der Qualität
den zeitlichen Merkmalen
im Ort der Schmerzen
den begleitenden Symptomen
der beeinträchtigenden Wirkung
Somit kennt fast jeder Rückenschmerz, aber jeder Rückenschmerz ist
immer anders.
Eine weitere wichtige Unterscheidung, die zu treffen ist, ist die in akuten
und chronischen Schmerz.
Akuter Schmerz
Chronischer Schmerz
– oft sehr intensiv
– weniger intensiv
– kurz anhaltend
– lang anhaltend
– klingt oft spontan ab
– schwer behandelbar
Der akute Rückenschmerz ist oft von starker Intensität, begrenzt die Bewegungsmöglichkeiten des Betroffenen für kurze Zeit sehr stark, verschwindet
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aber meist nach relativ kurzer Zeit wieder. Meist tritt er in größeren Abständen (oft Jahre) wieder einmal auf. Der chronische Schmerz ist lang
anhaltend, meist von nicht so hoher Intensität, wird aber von dem Betroffenen als „zermürbend“ und „erschöpfend“ erlebt. Die betroffenen Menschen haben eine lange, oft frustrierende „Karriere“ als Patienten hinter
sich, haben immer wieder verschiedene Ärzte konsultiert, ohne dass eine
Veränderung ihrer Beschwerden eingetreten ist. Sie haben immer wieder
auf eine neue Behandlungsmethode gesetzt und sind enttäuscht worden.
Sie nehmen verschiedenste Medikamente ohne eine durchschlagende Wirkung. Spritzen, Kälte- und Wärmebehandlung, ja sogar stationäre Krankenhausbehandlungen wegen Rückenschmerz gehören zu ihren Therapieerfahrungen. Viele dieser Patienten quälen Gefühle der Hoffnungslosigkeit und
Hilflosigkeit gegenüber ihren Schmerzen. Sie fürchten sich davor, dass der
Schmerz immer noch schlimmer wird.
1.2
Wer hat Rückenschmerzen?
In Deutschland ist eine repräsentative Stichprobe erwachsener Bürger bezüglich ihrer Erfahrungen mit Rückenschmerzen befragt worden.
10 % der Bevölkerung leidet an „starken“ Schmerzen und fühlt sich
davon „sehr beeinträchtigt“.
Weitere 12 % empfindet „starke Schmerzen“, fühlt sich aber nicht sonderlich behindert. Frauen berichten etwas häufiger von Rückenschmerzen als
Männer, aber keinesfalls sind Rückenschmerzen ein „typisches“ Frauenleiden.
Arbeitnehmer, die körperlich arbeiten, haben im Durchschnitt ein wenig
häufiger Rückenschmerzen als z. B. Büroangestellte. Aber diese Unterschiede sind viel geringer als man auf Grund der früheren Überzeugung
„harte körperliche Arbeit verschleißt den Rücken“ erwartet hatte. Ein weiteres Gegenargument für diese Annahme ist die Tatsache, dass in Ländern
der Dritten Welt, wo ein Großteil der Menschen schwere körperliche Arbeit zu verrichten hat, es eine sehr viel niedrigere Rate an Rückenschmerzen gibt als in den westlichen Industrieländern.
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Auch nimmt Rückenschmerz nicht kontinuierlich mit dem Alter zu. Zu
den am häufigsten Betroffenen gehören Menschen in den Vierzigern und
Fünfzigern.
Was nicht stimmt: …
• Rückenschmerz ist ein Frauenleiden.
• Schwere körperliche Arbeit führt unweigerlich zu Rückenschmerzen.
• Rückenschmerz nimmt mit dem Alter zu.
Man hat lange Zeit vermutet, dass bestimmte körperliche Belastungsfaktoren innerhalb des Arbeitslebens wie das Heben schwerer Gewichte, häufige Drehbewegungen, längeres Sitzen, sich wiederholende stereotype
Bewegungen und Vibration als besonders schwerwiegende Risikofaktoren für das Auftreten von Rückenschmerzen gewertet werden müssen.
Untersuchungen haben bisher nur den Faktor „Vibration“ als bedeutsames Risiko belegen können. Dieser begründet vermutlich die Tatsache,
dass Kraftfahrer besonders häufig unter Rückenschmerzen leiden, die zudem wegen des Autofahrens oft lange Zeit nur wenig bzw. sehr einseitig
körperlich aktiv sind.
Rauchen hat sich wie in vielen anderen Bereichen der Gesundheit auch
beim Rückenschmerz als ungünstig herausgestellt.
Auch psychisches Geschehen hat Einfluss auf die Schmerzbeschwerden.
Menschen, die sich beruflich belastet und unzufrieden fühlen, haben ein
höheres Risiko. Ebenso bringt eine allgemeine Problembelastung im Alltag ein höheres Risiko für Rückenschmerz mit sich. Diese subjektiven
Faktoren, die Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit des individuellen
Menschen wiederspiegeln, haben sich als bedeutsamere Risikofaktoren
herausgestellt als die körperlichen.
Was sind Risikofaktoren für das Auftreten von Rückenschmerzen?
• berufliche Unzufriedenheit
• chronischer Stress und starke psychische Belastung
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Gesundheitswesen
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