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"Krise ist das Beste, was passieren kann" - Trends & Wege

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"Tage der Utopie" : "Krise ist das Beste, was passieren kann"
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TOP-THEMA
"Tage der Utopie"
"Krise ist das Beste, was passieren kann"
5. Oktober 2010 | 07:18 Uhr | Von Frank Höfer
"Tage der Utopie" in Breklum: In dem Forum für visionäres Denken der Nordelbischen Kirche werden Ideen
und Konzepte für eine positive Zukunft gesucht.
Sie sitzen ein paar Stuhlreihen auseinander und kennen einander nicht. Die
eine wuchs in den Jahren des Wirtschaftswunders auf, die andere im Zeit
alter des noch jugendlichen Internets. Zwei Frauen, zwei Epochen - eine
Sorge: Die, dass alle düsteren Prognosen wahr werden oder sich die
Zustände weiter verschärfen könnten. Klimawandel, Atomunglücke,
Fremdenhass, Gewaltexzesse, Staatsverschuldung, Bildungsmisere. Und
beide eint die Hoffnung, dass irgendwie doch noch alles gut wird. Dass die
Menschen klug und kreativ und einsichtig genug sind, die
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Herausforderung Zukunft: Innovationsforscher
Klaus Kofler (Mitte) diskutiert in Nordfriesland mit
Teilnehmern der Breklumer "Tage der Utopie".
Foto: Dewanger
Herausforderungen der Zukunft zu meistern.
Annemarie Kriege von Wedel (81) aus Marne in Dithmarschen ist die wohl
älteste Teilnehmerin bei den "Tagen der Utopie" in Breklum, Levke JessenThiesen (20) die jüngste. Beide sind nach Nordfriesland gekommen, um
eine "mutige Expedition nach Übermorgen" zu unternehmen. So nennt es
der Veranstalter, das ökumenische Bildungs- und Tagungszentrum Christian Jensen Kolleg. "Ich habe gelernt, dass
sich was ändern muss. Wir sind an einem Punkt, an dem es so nicht mehr weiter geht wie bisher", antwortet
Annemarie Kriege von Wedel auf die Frage, warum sie an dem Forum für visionäres Denken teilnehme. Der Wille zum
Aufbruch und Wandel eint die etwa 100 "Utopisten" aus ganz Schleswig-Holstein und darüber hinaus. Noch bis heute
Mittag suchen sie an der Westküste nach Lösungen, Ideen und Konzepten für eine bessere Welt von morgen.
Gewünscht: "Ein Moment der Inspiration"
Wie lässt sich der gute Wille in die Tat umsetzen? Innovationsforscher Klaus Kofler (45), einer von vier Referenten in
Breklum, fordert eine neue "Kultur des Vertrauens, in uns selbst, in unserer Umwelt und in der Arbeitswelt". Die
künftige Generation der Beschäftigten sei nicht mehr mit "Geld, Firmenhandy und Dienstwagen" zu motivieren, so der
Österreicher. Nötig sei vielmehr Wertschätzung den Mitarbeitern gegenüber. Dieser Faktor habe sich in den
vergangenen Jahren massiv zurückentwickelt. Dabei habe die Zukunft des Arbeitens längst begonnen. Stupide
Dienstzeiten seien Vergangenheit, die Bindung an Orte und Räumlichkeiten entfalle. "Was die Probleme der Zukunft
betrifft, sind wir am Ende einer Pyramide angekommen", sagte Kofler. "Vielleicht sind eben diese Probleme jedoch das
beste, was uns passieren kann." Die Geschichte habe gezeigt, dass nur Notsituationen den Menschen und
Gesellschaften verleiteten, sich von eingefahrenen Denkansätzen zu lösen.
Die Krise als Chance. Als Ausgangspunkt für eine intelligente Lösung, von der alle profitieren - und nicht nur
Konzerne, Superreiche und Steuerflüchtlinge. In der anschließenden Diskussionsrunde mochte daran nicht jeder
glauben. Eine dreifache Mutter, die sich die "Auszeit in Breklum" gönnte, um für sich neue Impulse zu bekommen,
sagte, man müsse mehr in Kinder investieren, ihnen die Neugier erhalten. Schule und Bildung seien der Schlüssel zu
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"Tage der Utopie" : "Krise ist das Beste, was passieren kann"
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einem gesamtgesellschaftlichen Umbruch, ergänzte ein anderer Teilnehmer. Rentnerin Annemarie Kriege von Wedel
drückte im Plenum die Hoffnung aus, dass es zu einer bundesweiten Allianz derer kommt, die sich um Zukunftsfragen
noch Sorgen und Gedanken machten. "Schön wäre, wenn alle an einem Strang ziehen. Bisher wurschtelt in
Deutschland jeder vor sich hin."
Levke Jessen-Thiesen hat keine Angst vor der Zukunft - sie sieht die Lage in Deutschland alles andere als düster. Die
aus Husum stammende und jetzt in Lüneburg lebende Studentin der Wirtschaftspsychologie neidet einer Frau wie
Annemarie Kriege von Wedel sogar deren Post-Kriegserfahrung, als das Essen knapp und die meisten Dinge noch
nicht im Überfluss vorhanden waren. "Von ihrer Generation können wir lernen, was es heißt, unabhängig von
materiellen Maßstäben zu leben", sagt die 20-Jährige. Für ihre Altergenossen wünscht sie sich "einen Moment der
Inspiration", denn: "Meine Generation geht optimistisch in die Zukunft. Wir haben es ja noch in der Hand, die Dinge zu
ändern."
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