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med-swiss.net Dachverband der Schweizer Ärztenetzwerke Was

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med-swiss.net
Dachverband der Schweizer
Ärztenetzwerke
Was Ärztenetzwerke leisten
Inhaltsverzeichnis
Editorial
«Eine neue Kooperationskultur»
Inhalt
So funktionieren Ärztenetzwerke
4
Der Patientennutzen
5
Die Beziehungsebene
6/7
Blattnetze
8/9
Die Fachebene
10
Die Organisationsebene
11
Versorgungsnetze
12/13
Die Versorgungsebene
14
Die Betriebswirtschaftsebene 15
Neuronale Netze
16/17
Die Marketingebene
18
Die politische Ebene
19
Schienennetze 20/21
Die gesellschaftliche Ebene
22
Der Dachverband
23
Ärztenetzwerke erfüllen im Schweizer Gesundheitswesen wichtige
Aufgaben: Sie koordinieren die Behandlung der Patienten, verhindern Doppelspurigkeiten und ermöglichen den Versicherten so tiefere Prämien. Der
Dachverband med-swiss.net setzt sich dafür ein, dass die Netzwerkärzte gute
Rahmenbedingungen für ihre Arbeit vorfinden.
Seit sich die Ärzteschaft erstmals mit Managed Care konfrontiert sah,
sind etwas mehr als 10 Jahre vergangen. In dieser Zeit ist viel erreicht worden.
Trotzdem kommen neue Herausforderungen auf uns Ärzte zu. Die Leistungen,
welche die Grundversorgerinnen und Grundversorger erbringen, werden zu wenig
anerkannt, weil sie schlecht erfassbar sind (z.B. die Erhaltung der Selbständigkeit).
Die finanziellen Mittel im Gesundheitswesen sind zunehmend begrenzt, doch
das medizinische Angebot – von lebensrettenden Massnahmen bis Lifestyle und
Kosmetik – wird immer breiter und trifft auf eine Nachfrage, welche oft auch
nach dem Prinzip der Selbstbedienung funktioniert.
Jörg Fritschi, 57, führt seit 22 Jahren eine Praxis in Obernau im Kanton
Luzern. Seit 2008 ist er Präsident
von med-swiss.net, dem Dachverband
der Ärztenetzwerke in der Schweiz.
In einem solchen Umfeld tun Transparenz, Zusammenarbeit und Steue- In seiner Region engagiert sich Jörg
Fritschi im Ärztenetzwerk LuMed AG,
rung dringend not! Viele Akteure im Gesundheitswesen arbeiten jedoch immer
noch unkoordiniert und sind in erster Linie auf sich selbst bedacht. Wer könnte die im Vorstand des Spitexvereins Kriens
WZW-Kriterien (Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit) von Behand- und im Hausarztverein Luzern.
lungen besser verfolgen als ein Netzwerk von medizinischen Fachleuten? Ängste vor
einem Leistungsabbau sind unangebracht, auch gesteuerte Gesundheitsversorgung
stellt die Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt. Die Steuernden sollen
die Akteure selbst sein und bleiben: Versicherte, Versicherer und Leistungserbringer.
Dank Managed Care sitzen sie nun plötzlich im selben Boot und müssen sich absprechen. Damit entsteht die Chance einer neuen Zusammenarbeitskultur.
Ärztenetzwerke spielen dabei eine wichtige Rolle: Durch verbindliche
Abmachungen unter den einzelnen Mitgliedern und strukturierte Kommunikationsformen (Qualitätszirkel, Critical Incident Reportings, Guidelines) lassen sie ein
Wir-Gefühl entstehen und erhöhen die Sicherheit in der täglichen Arbeit. Zudem
können gut organisierte Ärztenetzwerke gegenüber den anderen Akteuren weit
professioneller auftreten als die einzelne Ärztin oder der einzelne Arzt; das macht
sie zu verlässlichen Vertragspartnern. Selbstverständlich muss die Steuerungsarbeit
auch belohnt werden. Netzwerken mit einem höheren Organisationsgrad, z.B. solchen mit ökonomischer Mitverantwortung, stehen dabei grössere Ressourcen zur
Verfügung.
Impressum
Konzept, Inhalt, Gestaltung:
Christian Kaiser, silbensilber, Zürich
Philipp Schubiger, VBS Group, Zürich
Der Erfolg von Managed Care hängt vom Engagement der Ärzte in
den Netzwerken ab. Deshalb ist es entscheidend, dass die Netzwerke ihre Struktur
selbstverantwortlich auf- und ausbauen können. Der Dachverband der Schweizer
Ärztenetzwerke med-swiss.net unterstützt sie dabei und vertritt ihre Interessen auf
der politischen Bühne.
© med-swiss.net 2008
2
3
So funktionieren Ärztenetzwerke
Der Patientennutzen
Das partnerschaftliche Viereck:
Netzwerk – Versicherer –
Arzt – Patient
Im Zentrum des Schweizer Gesundheitswesens stehen die Haus­­
ärztinnen und Hausärzte; sie behandeln viele Krankheiten abschliessend.
Ihnen kommt aber auch eine wichtige Vermittlerrolle zu, indem sie die Ver­
sicherten beraten und sie durch das komplexe Gesundheitswesen führen.
Managed Care (MC) professionalisiert diese Drehscheibenfunktion:
Ärzte und Versicherer bemühen sich partnerschaftlich darum, auf allen Ebenen
­Verbesserungen zu erreichen. Zum Wohl der Patienten, im Dienst des gesamten
Gesundheitswesens.
Die Eckdaten dieser Zusammenarbeit verbindlich festzulegen, das ist die
Aufgabe der Ärztenetzwerke: Sie handeln die Leistungsverträge mit den Versicherern aus und bestimmen die Regeln für das Zusammenwirken der angeschlossenen
Ärzte.
In Netzwerken finden sich Leistungserbringer mit einer gemeinsamen
Philosophie zusammen. Ihr Engagement im Ärztenetzwerk hilft, die Gesund­
heitsversorgung in ihrer Region zu optimieren: durch Dialog, Massnahmen zur
Qualitätsverbesserung oder ökonomische Budgetmitverantwortung.
Wie die Ärzte ihr Netzwerk organisieren, bleibt ihnen freigestellt: Das
Spektrum reicht von lockeren Vereinigungen von Hausärzten über Netze mit
­Spezialisten bis hin zu integrierten Versorgungssystemen, welche die ganze Behandlungskette inklusive Spitalbehandlungen steuern.
Von der Netzwerkarbeit profitieren alle Beteiligten im Gesundheits­
wesen: die Patienten, die Versicherer, die Öffentlichkeit und die Ärzte selbst.
­med-swiss.net, der Dachverband der Schweizer Ärztenetzwerke, unterstützt die
Netze bei ihrer Arbeit und vertritt ihre Interessen in Politik und Öffentlichkeit.
Steuerung
Netzwerk
Managed-Care-Vertrag
Entschädigung
Versicherer
Unterstützung
Engagement
Rabatt
Einsparung
Qualitätssicherung
Prämie
Betreuung
Arzt
4
Arztwahl
Patient
Das bringt die
Netzwerkarbeit
Ärzte
— können in vertraglich geregelten, profes­
sionellen Strukturen zusammenarbeiten
— werden vor Kassenwillkür geschützt
— erhalten finanzielle Vergütungen für ihre
Steuerungsarbeit
— bündeln ihre Kräfte gegenüber anderen
Leistungserbringern (z.B. Spitäler, Spitex)
— treten gegenüber Versicherern mit gemein­
samer Verhandlungsmacht auf
— erheben gezielt qualitative und quantitative
Daten und werten diese aus
— können ihre Leistungen als Kollektiv zahlenmässig belegen
— betreiben Forschung und suchen gemeinsam nach innovativen Managed-Care-­
Lösungen
— können das betriebswirtschaftliche und
­juristische Know-how im Netzwerk nutzen
— profitieren als Kleinunternehmer von
­geschäftlichen Synergien
— fördern gemeinsam den Nachwuchs
— teilen im Kollektiv das (Haftungs-)Risiko
— kontrollieren die Qualität ihrer Arbeit
­selber
— profilieren sich gegenüber Konkurrenten
(z.B. Privatklinik-Gruppen)
— können im politischen Prozess mit geeinter
Stimme auftreten
Versicherer
— haben in Netzwerken einen verlässlichen
Vertragspartner
— erhalten einen verbindlichen Managed­Care-Vertrag (punkto Qualität und Kosten)
— können die Betreuung über die ganze
­Behandlungskette zu festen Konditionen
einkaufen
— profitieren vom Kosten- und Qualitätsbewusstsein der Netzwerkärzte (keine Mengenausweitung, keine Unterversorgung)
Der Netzarzt als Vertrauensperson
Die Gleichung ist einfach: Ärztenetzwerke sorgen für zufriedene
Ärztinnen und Ärzte. Das kommt letztlich den Patientinnen und Patienten
zugute, denn zufriedene Mediziner versorgen auch ihre Klienten zu deren
­Zufriedenheit.
Bestes Beispiel ist das Hausarztmodell; Patienten, welche bei der medi­
zinischen Betreuung vor allem ihrer Hausärztin vertrauen, wählen diese als erste
und wichtigste Anlaufstelle bei allen Fragen zur Behandlung. Das Gros der Ärztenetzwerke sind Zusammenschlüsse von Ärztinnen und Ärzten, welche im Hausarztmodell versicherte Patienten betreuen. Für die Patienten und Patientinnen
bringt das Hausarztmodell folgende Vorteile:
— Die Patientin hat einen Ansprechpartner für alle gesundheitlichen
Probleme.
— Die Hausärztin kennt den Patienten und kann die Behandlung
­gemeinsam mit ihm auf seine Bedürfnisse abstimmen.
— Der Hausarzt arbeitet mit Spezialistinnen und Spitälern zusammen,
um die optimale Behandlung sicherzustellen.
— Die Patientin profitiert von einer Qualitätskontrolle: In Qualitäts­
zirkeln werden schwierige Behandlungen diskutiert, zudem gelten in
vielen Netzwerken hohe Qualitätsstandards, welche regelmässig
überprüft werden.
— Der Hausarzt hilft der Patientin, die geeigneten Fachärzte zu finden,
und sorgt dafür, dass diese alle wichtigen Informationen erhalten.
— Die Hausärztin behält den Überblick über alle Abklärungen, Diagnosen, Behandlungen und Medikamentenverschreibungen.
— Der Hausarzt unterstützt seine Patientinnen bei schwierigen Entscheidungen.
— Die Hausärztin koordiniert alle Behandlungen und erspart ihren
­Patienten unnötige Operationen, Therapien und Spitalaufenthalte.
— Die Patientinnen und Patienten erhalten bei verschiedenen Ver­
sicherungen einen attraktiven Prämienrabatt.
Auszüge aus
Patienteninformationen
«Alle Mitglieder der PizolCare verfolgen das
gemeinsame Ziel, der Bevölkerung qualitativ hoch
stehende medizinische Leistungen anzu­bieten.
Durch das Bekenntnis zur vernetzten Zusammenarbeit werden im medizinischen Bereich und auch
auf der Kostenseite beste Resultate ­erzielt. Über allem stehen die Bereitschaft und der Wille, für die
einzelnen Patientinnen und Pati­enten die optimale Lösung zu finden.»
PizolCare
Das Gesundheitsnetzwerk
Werdenberg-Sarganserland
«Das Ärztenetz Nordwest ist ein Zusammenschluss erfahrener Ärztinnen und Ärzte,
die gemeinsam neue Wege in der Medizin gehen.
­Unser Ziel ist eine gesprächs- und patienten­
orientierte, qualitativ hoch stehende und kosten­
bewusste Medizin. Besonderen Wert legen die Ärzte auf Beratung und Information sowie das
Selbstbestimmungsrecht der Patienten.»
Ärztenetz Nordwest
«Kostenbewusste Medizin heisst für uns
möglichst gute, nicht möglichst teure Medizin.
Wir sparen gemeinsam mit den Patientinnen und
­Patienten, indem wir unnötige Leistungen und
belastende Doppelspurigkeiten vermeiden.»
SäntiMed
Das moderne Ärztenetz in der Ostschweiz
«Die Steuerung des Behandlungspfades
bleibt in den Händen Ihrer Hausärztin oder Ihres
Hausarztes. Zusammen mit der konsequenten Fortbildung der Netzärzte und Netzärztinnen und der
Qualitätsentwicklung im Netz wird ein haushälterischer Umgang mit den vorhandenen Mitteln bei
optimaler Versorgungsqualität garantiert.»
LimmiMed
Das Limmattaler Ärztenetzwerk
5
Die Beziehungsebene
Selbständig und doch nicht allein
Das Rad muss nicht neu erfunden werden. Ob bei Fragen rund um
die Praxisführung, persönlichen Problemen oder ungewöhnlichen Fällen –
in einem Netzwerk finden sich immer Kollegen, welche ein bestimmtes Problem ­bereits gelöst haben.
Die Möglichkeit, sich regelmässig mit Kolleginnen und Kollegen aus­
tauschen zu können, ist für viele Ärztinnen und Ärzte eines der Hauptargumente
für den Beitritt zu einem Netzwerk. Der Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten liefert nicht nur wertvolle Tipps, er vermittelt auch Sicherheit und Zusammengehörigkeitsgefühl:
— Es wird gemeinsam nach Lösungen gesucht, um die Dienstleistungen
für die Patienten zu verbessern (z.B. gemeinsamer 24-Stunden-Notfalldienst).
— Die Qualitätsarbeit im Team macht Spass und kommt den Patien­
tinnen und Patienten zugute.
— Das Netzwerk unterstützt die Mitglieder nicht nur bei der Quali­
tätszirkelarbeit, sondern auch bei anderen wegweisenden Projekten
(z.B. Prävention oder Infoveranstaltungen für Patienten).
— Ärzte sind Kleinstunternehmer: Der kollegiale Austausch hilft typische betriebswirtschaftliche Probleme (Personalfragen, Buchhaltung
usw.) zu lösen.
— Insbesondere Berufseinsteigerinnen und Jungärzte profitieren vom
Erfahrungsschatz der älteren Kolleginnen und Kollegen.
— Die Netzwerke bieten einen guten Rahmen, um die Auswirkungen
von Veränderungen im Gesundheitswesen zu debattieren und
­gemeinsam Position zu beziehen.
— Ärztenetzwerke sind die beste Prophylaxe gegen Burn-out und Resignation.
— Die Partnerschaft im Netzwerk vermittelt ein «Wir»-Gefühl: Der
Zusammenhalt unter den Ärzten tritt an die Stelle von Konkurrenzdenken.
6
Die Beziehungsebene
«Gemeinsam mit weniger Aufwand
mehr erreichen»
Frau Fröhlich, Sie sind seit der Gründung 1994 Mitglied des Winterthurer Ärtzenetzwerks WintiMed. Was bringt Ihnen die
Mitgliedschaft?
Die Kollegen und Kolleginnen waren
zum Teil schon Freunde, aber mit den Jahren
sind wir noch näher zusammengerückt: Wir
feiern gemeinsame Feste, sind aber auch gemeinsam betroffen, wenn es jemandem nicht
gut geht. Fachlich sind die Teamsitzungen (so
heissen bei uns die Qualitätszirkel) für mich
die beste und praxisrelevanteste Fortbildung.
Inwiefern profitieren Sie vom persönlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen?
Bei den Teamsitzungen kann ich ganz
aktuelle medizinische oder organisatorische
Probleme aus der Praxis zur Sprache bringen,
und erhalte ein direktes Feedback von den
­anwesenden Kolleginnen und Kollegen. Wenn
es etwas Komplizierteres ist, geht jemand dem
nach und berichtet wieder. Oder es wird bei allgemeinem Interesse für eine spätere Teamsitzung traktandiert, zur gründlicheren Behandlung. Auch auf dem Mail-Weg lassen sich rasch
Dinge klären, zum Beispiel die Suche nach einer
neuen medizinischen Praxisassistentin.
Wie wichtig ist Ihnen das «Netzwerken» mit Ärzten in einer vergleichbaren Situation? Weshalb engagieren Sie sich für den
Netzwerkgedanken?
Sehr wichtig, ich pflege neben Winti­Med auch noch andere Netzwerke, z.B. einen
Ärztinnenstammtisch. Ich bin ganz davon
überzeugt, dass wir gemeinsam mit weniger
Aufwand mehr erreichen, und dass mich das
ein Stück weit auch vor dem Ausbrennen
schützt.
Wie oft besuchen Sie QualitätszirkelTreffen?
Ich nehme mehr als 20-mal pro Jahr
teil und bin da keine Ausnahme; obligatorisch
sind 10 Teilnahmen jährlich, im Schnitt besuchen die WintiMed-Ärztinnen und -ärzte aber
17 Qualitätszirkel-Treffen pro Jahr.
Wie profitieren Ihre Patientinnen und
Patienten?
Es interessiert sie, wenn ich sage «Wis­sen
Sie was, ich weiss das im Moment nicht genau,
aber ich treffe in ein paar Tagen meine Kollegen vom Ärztenetz und frage dort, dann gebe
ich Ihnen wieder Bescheid». Die meisten Patienten freuen sich auch über die Gratis- Grippeimpfung, und die Patientenveranstaltungen
des WintiMed-Netzes zu bestimmten Themen
sind gut besucht. Unser Netz ist ja auch
EQUAM-zertifiziert – das merken die Patienten, wenn es alle drei Jahre wieder Zeit ist für
die Umfrage zur Patientenzufrieden­heit. Über die Webseite haben sie zusätzlich
Zugriff auf die ausgezeichneten Patientenmerkblätter von MediX.
Was wünschen Sie sich für die Weiter­
entwicklung der Netzwerke in Zukunft?
Ich wünsche mir vor allem junge Hausärztinnen und Hausärzte, welche die Chancen
eines solchen Zusammenschlusses erkennen,
nämlich: selbständig tätig zu sein, aber im
«Schutz» einer Gruppenpraxis und eines Netzes. Es erleichtert ihnen den Einstieg enorm!
Wir «alten» Netzmitglieder wissen auch, wo es
Engpässe gibt und es Nachfolger braucht, das
nützt sowohl uns wie den Jungen. Für Netzwerke mit Capitation (eine vertraglich festgelegte
Kopfpauschale pro Versicherten als Budgetvorgabe) braucht es einerseits gute Anreize, wie
den differenzierten Selbstbehalt (bei Überweisung durch den Netzarzt 10 Prozent Selbst­
behalt, bei Spezialistenkonsultationen ohne
Überweisung 20 bis 25 Prozent), andererseits
genügend unternehmerische Freiheit, damit
Gelder aus dem Budget sinnvoll für die Patienten verwendet werden können. Wir tun dies
zum Beispiel, ­indem wir in speziellen Fällen
nicht ärztliche Psychotherapie aus der Grundversicherung ­finanzieren.
Fiona Fröhlich, 57, arbeitet seit
15 Jahren in einer Doppelpraxis in
Winterthur, die im August 2008 zu
einer Dreierpraxis gewachsen ist.
Sie war einige Jahre im Verwaltungs­
rat von WintiMed, davon drei Jahre
als Präsidentin. Aktuell ist sie für die
Redaktion der Home-Page und die
Einberufung eines Patientenbeirates
mitverantwortlich.
7
Leben versorgen
Blattadern (oder Blattnerven) bilden
komplexe Systeme von Verästelungen,
in denen Wasser und Nährstoffe befördert
werden. Netzartig verlaufen die Blattadern vor allem bei zweikeimblättrigen
Pflanzen, zum Beispiel bei Eiche, Ahorn
oder Birke. Jede Baumart hat ihr eigenes
Adernetz aus Haupt- und Nebennerven
entwickelt: Auf engstem Raum entsteht
so eine «Flusslandschaft» aus Flüssen,
Nebenflüssen, Bächen und Rinnsalen.
Diese Transportkanäle im Blatt – für Wasser, gelöste Stoffe (Assimilate) sowie im
Zuge der Photosynthese gebildete Koh­
len­hydrate (v.a. Saccharose) – heissen
auch «Leitbündel». Der Holzteil der Leitbündel besorgt den Wassertransport und
dient der mechanischen Verstärkung
der Blätter, der Bastteil befördert die Assimilate. Das Wassertransportnetz von
Pflanzen funktioniert durch den Transpirationssog: An den Spaltöffnungen der
Blätter verdunstet Wasser, und es ent­
steht ein Sog, der das Wasser aus der
Wurzel durch die Pflanzenzellen nach
oben zieht. So lassen sich wider die
Schwerkraft enorme Höhen überwinden.
Die Fachebene
Die Organisationsebene
Die Qualität managen
«Hausärzte – von Gatekeepern zu
Koordinatoren»
Um die Prämienrabatte der Krankenversicherer zu rechtfer­
tigen, müssen Kosten eingespart werden. Und zwar ohne Einbussen bei
der Qualität. Die Qualitätsarbeit in den Netzwerken machts möglich.
Das Vorhaben Effizienzgewinn bei ­mindestens gleicher Qualität ist zum
Scheitern verurteilt, wenn Ärzte nach einem ­Zusammenschluss weiterarbeiten wie
bisher. Die Teilnahme an Qualitätszirkeln (QZ) und andere Massnahmen zur Qualitätssicherung tragen dazu bei, eine Verhaltensänderung zu bewirken:
— Netzärzte müssen sich verpflichten, regelmässig an strukturierten
und moderierten QZ teilzunehemen.
— In QZ werden aktuelle medizinische Themen und organisatorische
Probleme besprochen.
— Hausärzte lernen in QZ so stetig hinzu – auch dank dem Einbezug
von Spezialisten.
— Gemeinsam werden medizinische Leitlinien (Guidelines) definiert,
Programme zum Management bestimmter Krankheiten erarbeitet
oder Empfehlungslisten für Medikamente erstellt.
— Für die interdisziplinäre Fallabwicklung werden gemeinsam mit
­Spezialärzten Case-Management-Prozesse definiert.
— Viele Netzwerke lassen ihr Qualitätsmanagement zudem von einer
unabhängigen externen Stelle zertifizieren und regelmässig über­
prüfen (z.B. www.equam.ch).
— Dank regelmässig stattfindenden Patientenbefragungen erhalten die
Mitglieder wertvolles Feedback auf ihre Arbeit und Hinweise zur
Verbesserung der Dienstleistungen.
— Patienteninformationsbroschüren zu häufigen Anfragen und Präventionskampagnen sorgen für besser informierte Patientinnen und
­Patienten.
Auszüge aus
Patienteninformationen
«Wir besuchen Sie falls nötig zu Hause und
sind im Notfall rund um die Uhr für Sie da. Wir
arbeiten mit hohen Qualitätsstandards und lassen
diese durch die Zertifizierungsstelle EQUAM
­regelmässig überprüfen.»
LuMed
Das Ärztenetzwerk im Raum Luzern
«Um sicherzustellen, dass die (subjektiv
empfundene) Behandlungsqualität (aus Sicht des
Patienten) einem hohen Standard entspricht,
­unterziehen sich die hawa-Hausärzte dem international anerkannten Evaluationsverfahren
­‹Qualidoc›.»
hawadoc
Hausärzteverein der Bezirke
Winterthur und Andelfingen
«Ziel ist eine optimale Abklärung und
­ ehandlung des Patienten, nicht nur in der einB
zelnen Praxis, sondern im gesamten medizi­
nischen Netz. Zeit und Geld raubende Verzög­­­e­
rungen und Doppelbehandlungen können so
vermieden werden, was dem Patienten ebenfalls
grossen Nutzen bringt.»
zu:care
Die Zuger Hausärzte
«Als Grundversorger übernehmen wir eine
entscheidende Rolle in der Behandlung und
­Begleitung unserer Patientinnen und Patienten.
Wir sind uns der Verantwortung einer qualitativ
hoch stehenden Medizin unter Berücksichtigung
der wirtschaftlich begrenzten Ressourcen bewusst.
Wir treten für eine hochkompetente Grundver­
sorgung mit breitem Spektrum ein, getragen von
Respekt und ethischen Prinzipien.»
DOXnet.ch
Ärztenetzwerk Bern Nord/West
10
Herr Bodmer, das Ärztenetzwerk
IGOMED in Thun wurde bereits 1996
­gegründet. Sie als Gründungsmitglied und
erster Präsident sind ein ­Pionier des Netzwerkgedankens. Wie hat sich die Landschaft
der Ärztenetzwerke seither verändert?
Zu Beginn von Managed Care gab es
ausschliesslich HMOs der Versicherer oder reine Hausarztmodelle, welche als Gatekeeper
(Türöffner) fungierten. Inzwischen hat sich die
Erkenntnis durchgesetzt, dass die Integration
von Spezialisten und Spitalärzten ein Schlüsselfaktor ist, um den Ärztenetzen zum Erfolg zu
verhelfen.
Bei IGOMED sind ja im Gegensatz
zu anderen Netzen auch Spital- und Spezial­
ärzte Mitglied. Weshalb macht das Sinn?
Managed Care bedeutet in erster Linie
eine patientenbezogene Koordination der
­Behandlung entlang der ganzen Behandlungs­
kette – von der ambulanten Primärversorgung
durch die Hausärzte über die ambulante Sekundärversorgung durch die Spezialärzte zur sta­
tionären Spitalversorgung und Rehabilitation
zurück zur Grundversorgung. Dank der Integration aller Stufen können gerade die aufwändigeren Behandlungen besser gesteuert und die
Ressourcen für kostenintensive Behandlungen
besser genutzt werden.
Was hat IGOMED in den vergangenen 12 Jahren erreicht? Wie haben die
­Patientinnen und Patienten der angeschlossenen Ärzte profitiert?
Die erfolgreiche Zusammenarbeit von
Hausärzten, Spezialisten und leitenden Spitalärzten bescherte der Bevölkerung im Raum
Thun eine konstant um 15 bis 20 Prozent
günstigere Gesundheitsversorgung als im Rest
des Kantons. Und den Versicherten eine entsprechende Prämienvergünstigung.
Im Vergleich zu hoch strukturierten
Ärztenetzwerken mit Betriebsgesellschaften,
welche meist als Aktiengesellschaften orga­
nisiert sind (mediX, Argomed), ist IGOMED
als Verein ein eher lockerer Zusammenschluss geblieben. Was ist der Vorteil?
Als Verein hat IGOMED eine klare, statutarisch festgelegte Form mit schlanken, ent-
sprechend kostengünstigen Geschäftsstrukturen. Es bestehen definierte Verbindlichkeiten
für die Vereinsmitglieder, ohne dass sie sich
­jedoch mit eigenen Mitteln am Risiko beteiligen müssen. Ein weiterer Vorteil ist, dass der
Anschluss an die einzelnen Basisverträge zu
den Partner-Versicherungen für die Mitglieder
wahlweise erfolgen kann.
Ist es wichtig, dass in der Schweiz Ärztenetzwerke mit unterschiedlichem Orga­
nisationsgrad und verschiedener Ausrichtung
nebeneinander existieren?
Ja, die regional und kantonal unterschiedliche Verfügbarkeit von medizinischen
Leistungen aller Kategorien macht verschie­
dene Lösungen für Managed Care nötig: Ländliche Gegenden brauchen andere Formen der
Vernetzung als grosse Städte, dasselbe gilt für
Kantone mit vielen ausserkantonalen Behandlungen im Vergleich zu Kantonen mit einer
Universität. Deshalb haben wir in den Kantonen Thurgau oder Aargau flächendeckende
Netze, während sich in Bern oder Zürich verschiedene Netze gegenseitig konkurrenzieren.
Weshalb engagieren Sie sich persönlich
im Vorstand von med-swiss.net?
Ich glaube, dass wir für eine auch in
­Zukunft hoch stehende Gesundheitsversorgung
vorab die Hausarztmedizin innerhalb kom­
plexer vernetzter Systeme stärken müssen. Die
Hausärzte können das neben ihrer ausgelas­
teten Praxistätigkeit nicht «als Freizeitbeschäftigung» bewältigen. Um das zu erreichen
braucht es professionelle Strukturen und perso­
nelle Ressourcen: med-swiss.net bietet beides.
Ueli Bodmer, ist seit 2002 Vorstandsmitglied von med-swiss.net und
zuständig für die Ressorts Finanzen
und Innenpolitik. Von 2005 bis 2008
leitete er die Geschäfte der «Fakul­
tären Instanz für Hausarztmedizin
(FIHAM)» an der Universität Bern. Als
Inhaber der bocom GmbH berät er
seit 2000 Ärztenetzwerke in organisatorischen Fragen. Davor war Ueli
Bodmer 15 Jahre lang als Haus- und
Familienarzt tätig. Er war Gründungsmitglied und erster Präsident des
Ärztevereins IGOMED in Thun und
Umgebung.
11
Versorgungsnetze
Wir sind med-swiss.net
26
22.3
22.4
25
1
1.01 1.02 1.03 1.04 1.05
1.06 1.07 1.08 1.09 1.10 1.11 1.12 1.13 2
3
4
5
6
7
8
9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19
19.1 19.2 20 21 22 22.1 22.2 22.3 22.4 22.5 22.6 22.7 22.8 23 24 25 26
27 28 Argomed Ärzte AG
anewa – Ärztenetzwerk im Wasseramt
Anro AG – Ärztenetz der Region Olten
Hausärtzeverein Bezirk Zofingen
HAV Bremgarten, Mutschellen, Kelleramt
Hausärzteverein der Region Wohlen
Hausärzteverein des Bezirks Zurzach
Hausärzteverein Fricktal
Hausärzteverein Lenzburg-Seetal
Verein GV der Region Baden
Verein Hausärzte der Region Aarau
Verein Hausärzte der Region Wynen- und Suhrental
Verein Hausärztinnen und Hausärzte der Region Brugg
zu:care – die Zuger Hausärzte
Ärztenetzwerk beodocs
Ärztenetzwerk Oberes Emmental
Ärztenetzwerk Säuliamt GmbH
DOXnet
Hausärzte Region Aarau
HausArztForum Uzwil
Hausärzteverein Appenzell West
Hausarztnetz Biel
Hausarztverein Gossau/Flawil
Hausarztverein Linthgebiet
Hausarztverein Luzern und Agglomeration (HLA)
Hausarztverein Luzern-Reuss
HMO Gesundheitsplan
IGOMED
LuMed AG
mediX bern
mediX zürich
PizolCare AG
Sarganserland
Werdenberg
SäntiMed AG
Schwyzer Hausärzteverein
Verband Managed Care Ostschweiz (vmco)
Grisomed
HAV St. Gallen
Kreuzlingen
Mittelthurgau
Murgmed
Oberthurgau
RhyMed
xundart AG
Vereinigung der ÄrztInnen beider Frenkentäler
Verein Churer Grundversorger Ärzte
Verein der HA Bezirke Winterthur und Andelfingen (hawadoc)
Verein für Hausarztmedizin Kanton Schaffhausen
WintiMed
zmed AG
1.07
14
22.5
1.06
27
1.12
23
1
6
1.02
1.03
1.11
1.05
22
22.8 7
10
1.09
1.10 1.08
22.6
1.04 18 28
8
22.2
22.7
20
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1.01
19.2
1.13
9
13
16 12
21
19
19.1
5
17
22.1
3
24
15
2
Die Versorgungsebene
Die Betriebswirtschaftsebene
«Die lokale Versorgungsstruktur
erhalten»
Herr Michel, Sie sind Präsident von
beodocs, dem Ärztenetzwerk Berner Oberland. beodocs ist mit 24 Mitgliedern ein kleines Netzwerk. Ein Vorteil?
Als wir das Netz 2003 gründeten, rieten
uns alle, das Netz nicht zu gross werden zu
lassen. Davon sind wir im Sommer 2007 aber
abgerückt: Es soll nun ein Versorgungsnetz
über fast das ganze Berner Oberland entstehen.
Der Vorteil liegt darin, dass wir gegenüber den
Verhandlungspartnern (Zulieferern, Versicherern, Zentrumsspitälern usw.) mehr Gewicht
erhalten.
Wie profitieren die angeschlossenen
Ärzte?
Den zentralen Nutzen sehe ich darin,
dass eine regionale Struktur entsteht, die nicht
nur politisch Einfluss nimmt, sondern auch
konkrete Projekte durchführt, um die medizinische Versorgung zu erhalten. Ich denke da
etwa an die Zusammenlegung von Praxen oder
die Förderung von Jungärztinnen und -ärzten
in der Region.
Was hat der Verein konkret seit 2003
erreicht?
Da wären zu nennen: Die regionale
­Vereinheitlichung des Medikamentensortimentes in Absprache mit dem Spital sowie deutlich
verbesserte Einkaufskonditionen für die Praxen. Und die Finanzierung einer Assistenz­
stelle: Junge Kolleginnen oder Kollegen können
so die Hausarztmedizin in der Peripherie kennenlernen.
Welchen Vorteil haben die Patienten?
2009 ist ein erster Steuerungsvertrag
­geplant, dann werden die ersten Patienten von
Prämienreduktionen profitieren.
Können Ärztenetzwerke dazu bei­
tragen, auch in der Peripherie die Grundversorgung zu verbessern?
Das ist im Moment unser Hauptziel.
Die Idee heisst «Track-Definition»: Für definierte Pathologien (z.B. Herzinfarkt) sollen
die Wege des Patienten zur Spezialbehandlung
hin, aber v.a. auch von dort wieder zurück
­definiert werden. Sparpotenzial sehen wir darin, dass die lokalen Strukturen besser ausge­
lastet werden. Zum Beispiel soll die Hospitalisation nach Infarkt und Koronarographie im
14
lokalen Spital stattfinden. Nur so können wir
unsere lokale Versorgungsinfrastruktur erhalten.
Was sind die Besonderheiten in einer
ländlichen Region im Vergleich zur Stadt?
«Der Patientenweg» läuft auf dem Land
im Wesentlichen entlang vorgegebener Wege.
Dies ist vor allem geographisch, aber auch angebotsmässig begründet: Im Unterschied zur
urbanen Situation besteht weder in der Grundversorgung noch im Spezialitätenbereich oder
im Spitalbereich ein Überangebot – und damit
keine grosse Auswahl. Die Kosten lassen sich
durch Lenkungsmechanismen weniger gut senken, da fast die gesamte Versorgung ohnehin
über die Grundversorger gesteuert wird. Und
nicht zuletzt: Die Grund­versorgung, vor allem
auch für den Notfalldienst, ist gefährdeter als
in den urbanen Gebieten.
Ende 2007 ist beodocs dem Dachverband med-swiss.net beigetreten. Was erhoffen Sie sich von der Mitgliedschaft?
Neue Kontakte und Unterstützung bei
der Umsetzung der Steuerungsverträge mit
den Versicherern. Aber selbstverständlich wollen wir auch unsere eigenen Ideen einbringen,
denn mindestens die Hälfte der schweizerischen Grundversogung findet ja nicht in urbanen Zentren statt!
Weshalb engagieren Sie sich für den
Netzwerkgedanken?
In erster Linie geht es mir nicht um die
finanziellen Aspekte. Viel mehr liegt mir am
Herzen, dass der Grundversorgerberuf attraktiv
bleibt. Nur in enger Zusammenarbeit mit Spezialisten und Spitälern, aber auch unter uns
Grundversorgern können wir das erreichen.
Ein Netz bildet den Grundstein, um sich näher
zu kommen und später einmal viel enger zusammenzuarbeiten.
Thomas Michel, 47, arbeitet seit
2000 als Allgemeinpraktiker FMH
in Wilderswil im Kanton Bern. Davor
war er unter ­anderem mit dem IKRK
im Ausland und hat Weiterbildungen
in Tropenmedizin absolviert. Thomas
Michel wirkt im ärztlichen Bezirksverein und ist seit 2003 auch Präsident des ­Ärztenetzwerkes beodocs.
Seit 2002 betreibt er seine Praxis
gemeinsam mit seiner Frau als Gruppenpraxis. Dank reduziertem Pensum
hat er jetzt mehr Zeit für seine 6-jährige Tochter.
«Vom Einzelkämpfertum
wegkommen»
Herr Kaiser, was bringt die Mitgliedschaft in einem Netzwerk auf der geschäft­
lichen Ebene?
Ein Punkt ist sicher die Bündelung der
Kräfte. Im Bereich Managed Care erhält der
einzelne Arzt dank den Netzwerken, welche
die Verträge mit den Versicherern aushandeln,
Zugang zu für ihn vorteilhaften Kollektiv­
verträgen. Der zweite Punkt sind die günstigeren Einkaufskonditionen: Netzwerke können
Grosseinkäufe tätigen, zum Beispiel für
Grippe­­impfungen, und so bei Pharmafirmen
oder Grossisten gute Konditionen aushandeln.
Der dritte Bereich ist die Informationstechnlogie (IT). Wir bei zmed bieten unseren Ärzten beispielsweise gratis eine Erstberatung
durch einen IT-Supporter an. Dieser analysiert,
wie man die IT in einer Praxis optimieren
könnte.
Gibt es Einsparmöglichkeiten, die noch
zu wenig ausgeschöpft werden?
Ja, gerade im IT-Bereich. Netzwerke
­haben die Möglichkeit, ihren Mitgliedern auch
vorkonfigurierte Software anzubieten, Lö­
sungen aus der Steckdose sozusagen. In Netz­
werken gibt es immer Innovatoren, welche
­bezüglich Praxismanagement neue Wege beschreiten. Deren IT-Lösungen können auch
anderen Mitgliedern zugänglich gemacht werden. Ich denke da an die Rechnungsstellung,
die Verwaltung der elektronischen Krankengeschichte usw.
In Netzwerken kann man also auch
von den Mitgliedern lernen, welche betriebswirtschaftlich eine Vorreiterrolle spielen?
Ich denke, darin liegt der Kernvorteil des
Ganzen: weg vom Einzelkämpfertum hin zum
Kollektivnutzen. Es ist ja auch ein Trend hin
zur Gemeinschaftspraxis feststellbar. Dennoch
ist es immer noch erstaunlich, wie viele Ärzte
glauben, ihr Business neu erfinden zu müssen.
Die Aufgabe der Netzwerke besteht nun darin,
das Expertenwissen einzelner Mitglieder – sei
das in Bezug auf Prozesse, IT oder Betriebswirtschaft – allen Mitgliedern zugänglich zu machen. Das schafft einen Mehrwert für alle.
Hausärzte sind ja Kleinstunternehmer. Wie steht es um deren betriebswirtschaftliches Know-how?
Das ist eher dünn. Im medizinischen
Bereich sind Ärzte ja durch und durch ausund weitergebildet. Die meisten haben sich
aber kein ökonomisches, organisatorisches
oder juristisches Wissen angeeignet. Das benötigen sie aber für die Führung eines Kleinbetriebs – Praxen sind ja meist Einzelfirmen, in
welchen sie das volle Risko selbst tragen. Es ist
darum sicher ­sinnvoll, wenn die Netzwerke ihren Mitgliedern auch Ressourcen im betriebs­
wirtschaft­lichen oder juristischen Bereich zur
Verfügung stellen.
In den meisten Netzwerken legen ja
die Ärzte auch ihre Zahlen offen. Was bringt
das dem einzelnen Arzt?
Sehr viel. Die Angst, dass man eines
­Tages von einem Versicherer einen Brief erhält,
in dem mit Bezug auf die Santésuisse-Statistik
steht «Sie sind zu teuer», ist sehr verbreitet.
In 90 Prozent der Fälle ist sie aber völlig un­
begründet. Die Offenlegung der Zahlen im
Netzwerk mindert diese Angst und führt zu
­einer psychologischen Entlastung. Weiterer
Punkt: Die Diskussion von Managed-CareDaten führt zu besseren medizinischen Pro­
zessen.
Wie das?
Der Hausarzt als Gatekeeper oder Lotse
im Gesundheitswesen muss sehen, welche Behandlungsschritte welche Kosten verursachen.
Deshalb ist Datentransparenz über sämtliche
Stufen so wichtig. zmed sorgt in seinen Managed-Care-Verträgen dafür, dass wir auch bei
den Spezialärzten und Spitälern Kostentransparenz haben. Werden zum Beispiel die Fallkosten für Diabetes-Patienten verglichen, stellt
sich vielleicht heraus, dass ohne Hospitalisati­
onen bessere Resultate erzielt werden konnten.
Solche Einsichten können die Prozessqualität
erhöhen und Sparpotenziale vor Augen führen.
Dafür braucht man aber neben den Kosten
auch qualitative Daten. Beides gemeinsam bildet die Basis für einen konstruktiven Dialog
im Netzwerk.
Paul Kaiser, 45, ist Ökonom. Auf
Mandatsbasis besorgt er die Geschäftsführung für verschiedene
Netzwerke, die er auch bei der
Gründung beraten hat. Dazu gehören zmed AG, hapmed AG, ZimDoc
AG, Zolamed. Ausserdem berät er
Netzwerke in nicht medizinischen
­Bereichen wie Finanzen und Reporting, Informatik-Datamining, Mana­
ged-Care-Vertragswesen, Spon­
soring. Beim Trustcenter Trustmed,
einem Dienstleistungszentrum für
elektronischen Datenaustausch, ist
Paul Kaiser Geschäftsleiter.
15
Erfahrung vernetzen
Dank neuronalen Netzen lernen,
denken und fühlen wir: Neuronale Netze
bilden die Informationsarchitektur des
Gehirns und des Nervensystems von Men­
schen und Tieren. Milliarden von Neuronen (Nervenzellen) und Gliazellen sind in
der Art eines Netzwerks miteinander
­verbunden. In den Verbindungen findet
auf chemischem und elektrischem Weg
ein Informationsaustausch statt; Neuronen
kommunizieren miteinander, indem sie
­Signale (spikes) losfeuern. Als Kontaktstelle zwischen den Nervenzellen dienen
die Synapsen; sie nehmen die Signale
auf und geben sie an andere Zellen weiter. Das Besondere daran: Die Synapsen
verändern sich durch Erfahrungen, die wir
machen; je öfter Signale ankommen,
desto stärker wird die Synapse. Entsprechend wird das Netzwerk in unserem
Gehirn umso dichter und stärker, je häufiger wir es nutzen. Neuronale Netze erbringen so unglaubliche Leistungen beim
Speichern, Weitergeben und Verbreiten
von Informationen. Während die meisten
heutigen Computersysteme immer noch
nur sequenziell (fortlaufend nacheinander)
Daten bearbeiten, ist das menschliche
Gehirn in der Lage, eine grosse Masse
von Informationen parallel zu verarbeiten.
Die Neuroinformatik versucht zwar das
biologische Erfolgsmodell mit künstlichen
neuronalen Netzen nachzubauen, doch
die «Datenverarbeitungsleistung» von
­natürlichen neuronalen Netzen ist nach
wie vor unerreicht.
Die Marketingebene
Die politische Ebene
«Eine Art Knospe für die Ärzte»
Herr Wirthner, Sie haben geschrieben,
das Ziel des beruflichen Handelns der Ärzteschaft sei «ein ausreichendes Einkommen bei
angemessenem Zeitaufwand». Inwiefern
­helfen Ärztenetzwerke wie mediX bern, dieses Ziel zu erreichen?
Netzwerke schaffen die Möglichkeit,
dass die Ärztin oder der Arzt neben dem Einkommen aus dem Tarmed-Bereich durch gezielte Koordination und Optimierung der Arbeit zusätzliche Einnahmequellen erschliessen
kann: zum Beispiel eine Entschädigung für
den Steuerungsaufwand pro Versicherten, die
bezahlte Teilnahme an Qualitätszirkeln, eine
Gewinnbeteiligung am Erfolg des Netzes oder
eine Dividendenzahlung. Das Netz handelt
mit den Partnerkassen für den Netzarzt güns­
tige Verträge aus und unterstützt ihn bei der
Zertifizierung seiner Praxis.
Welche Rolle spielt die Marke? Profitieren Mitglieder von einem «Netzwerklabel»?
Wenn wir bei mediX in der Lage sind,
unsere Dienstleistungen gegenüber unseren
Kunden, d.h. den Versicherten und den Krankenkassen, als Marke zu positionieren, sind
wir einen riesigen Schritt weiter. Eine Marke
bedeutet ja, dass wir uns von der konven­
tionellen Versorgung unterscheiden, dass diese
Unterscheidungsmerkmale für die Kunden
wichtig sind und dass wir dadurch Ansehen
und Vertrauen gewinnen. Den Bauern ist
­dieser Schritt mir der Marke «Bio» ganz ausgezeichnet gelungen. Wenn das Label «mediX»
eine Art «Knospe» bei den Ärzten wird, kann
der Netzarzt erheblich davon profitieren.
Hat nicht jeder Arzt ein Stück weit
seine eigene Philosophie? Hilft ihm das Netz
wirklich, sich zu profilieren?
Eine gemeinsame Philosophie heisst ja
nicht, dass jeder dasselbe macht. Bei den Biobauern gibt es Schweinezüchter und Gemüseanbauer. Das Einhalten von gemeinsamen
­Regeln verleiht ihnen, unabhängig vom Produkt, die «Knospe». Damit haben sie auf dem
Markt eindeutig Vorteile. Etwas Ähnliches
wollen wir mit der Marke «mediX» erreichen:
Die bessere Positionierung einer Praxis dank
der Mitgliedschaft in einem Netzwerk.
18
Viele Ärzte haben ja eine historisch
g­ ewachsene Zurückhaltung gegenüber der
«Vermarktung» ihrer Dienstleistungen.
­Inwiefern ist diese Zurückhaltung heute
überholt?
Im Gesundheitswesen gab es jahrzehn­
telang kaum Konkurrenz. Die Preise waren so
festgelegt, dass angemessene Gewinne erwirtschaftet werden konnten, klare Leistungsaufträge fehlten. Solche Umstände provozieren
eine konservative, innovationsfeindliche Haltung. In Zeiten des Überflusses kann man es
sich leisten, Eier zu legen, ohne zu gackern,
d.h., Ausserordentliches zu leisten, ohne dafür
zu werben und eine entsprechende Vergütung
zu verlangen. Heute müssen wir darauf aufmerksam machen, wenn wir gute Dienstleistungen und Versorgungsmodelle anbieten. Das
kann ein Netzwerk viel besser als der einzelne
Arzt.
Im Gesundheitswesen wird die
­Sparschraube gern bei den Grundversorgern
­angesetzt. In welche Richtung müssen sie
sich entwickeln, damit sie auch in Zukunft
ein ausreichendes Einkommen haben?
Die Schraube wird nicht dort angesetzt,
wo die grössten Einsparungen zu holen sind,
sondern dort, wo am wenigsten Widerstand zu
erwarten ist. Das zeigen der Druck auf die
­Labortaxpunkte oder die Margen bei den selbstdispensierten Medikamenten; auf die Gesamtkosten der Gesundheitsversorgung hat das
­wenig Einfluss, aber für manchen frei prak­
tizierenden Arzt kann das existenzbedrohend
sein. Wir müssen wegkommen von unserer
­defensiven und resignativen Haltung angesichts
der anstehenden Probleme. Dadurch haben
wir bei der Bevölkerung und in der Politik viel
Kredit verloren. Es ist an der Zeit, dass wir
in engagierten Netzwerken kreative Vorschläge
erarbeiten, wie innovative Versorgungs- und
Vergütungsmodelle aussehen können.
Adrian Wirthner, 48, leitet die
­Praxis Bubenberg AG in Bern, welche
15 Ärzte und 37 Mitarbeitende beschäftigt. Er ist Vorstandsmitglied von
mediX Schweiz und Leiter des Ärztenetzes mediX bern, welches über
16 000 Versicherte betreut. Beim
­Forum Managed Care wirkt er als Mit­
glied des strategischen Beirates.
«Möglichst viele Interessen bündeln»
Herr Gähler, als Vizepräsident im
Zentralvorstand des FMH sind Sie Standespolitiker und als Mitglied des Ausserrhoder
Kantonsrats Lokalpolitiker. Oft heisst es, die
Ärzte, notabene die Grundversorger, hätten
im politischen Prozess unter allen Playern
im Gesundheitswesen die schlechteste Lobby.
Stimmt das?
Das stimmt so nicht ganz. Die Ärzteschaft ist daran, sich eine Lobby aufzubauen.
Es sind aber noch viel zu wenig Ärzte in Gemeinde- und Kantonsparlamenten tätig. Nicht
vergessen darf man, dass die Interessen und
Bedürfnisse der Patienten für uns Ärzte von
zentraler Bedeutung sind; das hat man bei der
Abstimmung vom 1. Juni 2007 über den
­Gesundheitsartikel deutlich gesehen.
Welche Rolle können die Ärztenetzwerke bei der Vertretung gemeinsamer Interessen spielen?
Ärztenetze übernehmen vor allem regi­
onal zunehmend eine wichtige Funktion in der
Gesundheitsversorgung: Die Zusammenarbeit
von Grundversorgern, Spezialisten und Spitälern spielt eine immer wichtigere Rolle.
Wie wichtig ist die Bündelung der
­Verhandlungsmacht gegenüber den Krankenversicherern?
Je grösser die «Verhandlungseinheit» ist,
desto mehr Gewicht hat sie gegenüber den
Krankenversicherern. Ebenso ist es wichtig, dass
die Ärzteschaft ihre Anliegen breit abstützt,
­indem sie möglichst viele Interessen bündelt.
Die Netzwerkvertreter beteuern ja,
dass sowohl die Ärzte als auch die Versicherungen und die Patienten von der Arbeit
der Ärztenetzwerke profitieren. Das klingt
nach «eierlegender Wollmilchsau». Gibt
es wirklich nur Gewinner?
Sofern in den Ärztenetzwerken keine
­Risikoselektion stattfindet, also auch Patienten
mit schlechtem Risiko nicht ausgeschlossen
werden, profitieren alle Player von der engeren
Zusammenarbeit. Das Problem ist: Für Netzwerke, die Budgetmitverantwortung tragen,
sind Patienten mit hoher Morbidität tenden­
ziell nicht interessant. Solche Patienten schla-
gen im Netzwerk negativ zu Buche und sind
somit fürs Budget der Ärzte ein Risikofaktor.
Wie liesse sich das ändern?
Es braucht einen nochmals verbesserten
Risikoausgleich, der auch die Morbidität berücksichtigt. Wenn das nicht geschieht, verlagert sich das Risiko durch Managed-Care-Verträge mit Budgetmitverantwortung einseitig
von den Versicherern auf die Ärzte.
Weshalb sind Sie selbst als Allgemeinpraktiker Mitglied bei einem Ärztenetzwerk?
Ärztenetzwerke verfolgen einen inter­es­
santen Ansatz. Die Erwartungen haben sich
für mich bis jetzt voll erfüllt: Die engere Zusam­
menarbeit mit Kollegen, die regelmässige
­Teilnahme am Qualitätszirkel und die Auseinandersetzung mit dieser neuen Form der
­Zusammenarbeit sind sehr wertvoll und be­
reichernd.
Ernst Gähler, 56, praktiziert als
Fach­arzt für Allgemeine Medizin FMH
in einer Einzelpraxis in Heris­au. Er
ist Vizepräsident des Vorstands des
FMH, der Verbindung der Schweizer
Ärztinnen und Ärzte, und Ausser­
rhoder Kantonsrat. Während seiner
standespolitischen Abwesenheiten
vertritt ihn in seiner Praxis eine jun­ge
Fachärztin und Mutter. Ernst ­Gähler
ist Mitglied beim Ärztenetzwerk Sänti­
Med.
19
Widerstände überwinden
Schienennetze lassen Distanzen
schrumpfen. Wie sehr, darüber entscheidet der Stand der Technik. Schon der
Schritt von der Postkutsche zu den ersten Eisenbahnen in England war ein
Quantensprung: Dieselbe Strecke liess
sich auf einen Schlag in einem Drittel der
Zeit zurücklegen – und das deutlich
­bequemer und sicherer als von vier eigenwilligen Pferden gezogen. Die Verdrei­
fachung der Reisegeschwindigkeit wurde
als masstäbliche Schrumpfung des Raumes wahrgenommen: als um zwei Drittel
verkürzte Wegstrecke.
So standen die ersten Eisenbahnnetze am Anfang des Schrumpfungs­
prozesses der Welt zum Dorf. Denn im
­Vergleich zu den Anfängen des Eisen­
bahn­zeitalters legen die heutigen Hochgeschwindigkeitszüge ­dieselben Dis­
tanzen in einem Zehntel der Zeit zurück.
Magnetschwebezüge wie der Transrapid in China erreichen gar Spitzengeschwindigkeiten von 500 km/h.
Das Netz aus Schienen legte die
Basis für die Effizienz und den Erfolg des
Eisenbahnverkehrs: Denn Schienen
­re­duzieren nicht nur den Reibungswiderstand zwischen Rad- und Wegoberflä­che
ganz erheblich, sie ebnen auch topo­
graphische Unregelmässigkeiten ein und
überwinden Hindernisse wie Berge und
Täler. Schienen sind – dessen war man
sich schon vor fast zweihundert Jahren
bewusst – physikalisch gesehen die besseren Strassen: Sie sind glatt, eben, hart
und gerade. So gelangt man trotz ge­
ringerem Energieaufwand schneller ans
Ziel.
Die gesellschaftliche Ebene
Der Dachverband
Bis 20 Prozent sparen
Mit vereinten Kräften
Die Politik anerkennt zunehmend, was Ärztenetzwerke leisten.
«Die Lösung liegt in Ärztenetzwerken», sagt Bundesrat Pascal Couchepin.
Trotzdem muss auch vor überzogenen Erwartungen gewarnt werden.
Trotz Unterschieden: Der gemeinsame Nenner an Interessen ist
gross. med-swiss.net fördert den Dialog zwischen seinen Migliedernetzen und
vertritt deren Anliegen auf der nationalen politischen Bühne.
Couchepin sagt auch: «Wir müssen die Entwicklung von Netzwerken
im Gesundheitssystem unterstützen.»1 Das klare Bekenntnis des «Gesundheits­
ministers» zeigt, dass die Effizienzgewinne der Netzwerke wahrgenommen werden.
Der Dachverband der Schweizer Ärztenetzwerke med-swiss.net setzt sich
dafür ein, dass die Netzwerke für ihre Arbeit gute Rahmenbedingungen vorfinden:
Internationale Studien beziffern die Einsparungen der Ärztenetzwerke
im Vergleich zur traditionellen Versorgung mit 7 bis 20 Prozent.2 Eine Unter­
suchung der Argomed AG für den Kanton Aargau kam 2007 zu einem ähnlichen
Schluss: Die Kosten pro Versicherten lagen im Hausarztmodell um 10 bis 24 Prozent tiefer.
Die Aargauer Zahlen zeigen aber auch: Die wirklichen Kostentreiber liegen weitgehend ausserhalb der Einflusssphäre der Hausärzte; die Grundversorger
verur­sachen lediglich 12 Prozent der Kosten im Gesundheitswesen. Für den Rest
zeichnen andere Leistungserbringer wie Spezialisten und Spitäler verantwortlich.
Trotzdem ­tragen Ärztenetzwerke viel zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen
bei:
— Netzwerke steuern die ganze Behandlungskette: So lässt sich der
­Zugang zu hoch spezialisierten und teuren Behandlungen (Tertiärversorgung) wirksamer managen.
— Die Netzwerkärzte schöpfen die vorhandenen Sparpotenziale aus
(z.B. durch Verzicht auf Mehrfachbehandlungen oder unwirtschaft­
liche Leistungen) – bei mindestens gleich bleibender Qualität.
— Moderne Netzwerke sorgen für einen funktionierenden Informations- und Datenaustausch entlang der ganzen Behandlungskette.
— Dank Kostentransparenz können die Leistungen der Grundversorger besser nachvollzogen werden: Die Patientenbetreuung erfolgt
qualitäts- und nachweisbar kostenbewusst.
— Die patientenbezogene Leistungserbringung hat sich dank gemein­
samer Rationalisierungsanstrengungen professionalisiert: die «Kosten-Nutzen-Efizienz» ist gestiegen.
Solche Leistungen können jedoch nur Netzwerke mit verbindlichen
Strukturen erbringen: Sie wollen Managed Care betreiben und regeln dafür die
­Zusammenarbeit unter den Mitgliedern und mit den Versicherern vertraglich
klar. Bei Netzen, welche lediglich ihre Einkaufsmacht bündeln, ist das nicht der
Fall. Auch die «Pseudo-Hausarztmodelle», das sind reine Hausarzt-Listen, welche
die Versicherer ohne entsprechende Verträge mit einem Netzwerk zusammenstellen, sind kein Gewinn für das Gesundheitswesen in der Schweiz.
«Sonntag», 30. Dezember 2007
2
Peter Berchtold, Kurt Hess: Evidenz für Managed Care
1
22
In die Zukunft schauen
«Managed Care verpflichtet uns, Überweisungskontrollen zu machen, elektronisch
vernetzt zu sein und Budgetmitverantwortung
zu tragen. Managed Care verursacht aber
nicht nur Arbeit, sondern birgt auch Chancen.
Die Elektronik bringt in Zukunft noch mehr
Entlastung in der hausärztlichen Arbeit, vor
­allem im administrativen Bereich. Sie ermöglicht auch eine Vernetzung mit Spitälern,
­Spezialis­­­ten, Labors und anderen Institutionen.
Budgetmitverantwortung soll unsere Bemühungen anständig entlöhnen. Die Vision ist die
ideelle und finanzielle Anerkennung der Arbeit
des Grundversorgers für die Gesundheit und
die Allgemeinheit. Argomed unterstützt die
Ärzteschaft bei diesen Zielen. Es wurde in den
10 Jahren, seit es Argomed gibt, viel erreicht.
Der Beruf des Grundversorgers hat eine Wandlung vollzogen. Er ist selbstbewusster geworden.»
Andreas Weisshaar, Argomed,
Leitung Managed-Care-Projekte
— med-swiss.net fördert den Kontakt und den Austausch der Netzwerke
untereinander.
— Ärztegruppen, die ein Netzwerk gründen möchten, werden unterstützt.
— Die Mitglieder können sich bei Vertragsabschlüssen mit Versicherern
durch erfahrene «Netzwerker» professionell beraten lassen.
— Der Dachverband steht der Politik und der Öffentlichkeit für Auskünfte zu Managed Care und Netzwerkarbeit zur Verfügung.
— Auf politischer Ebene setzt sich der Dachverband dafür ein, dass
­Managed Care im Gesetz als Zusammenarbeitsvertrag zwischen
Netzwerk und Versicherern niedergelegt wird. Das Gesetz soll jedoch
den Vertragspartnern die operationelle Freiheit belassen: Qualität,
Leistung und Kosten sollen verhandelt werden! Dabei haben Qualität und Patientensicherheit Priorität. Die Mitarbeit in einem Managed-Care-System muss für alle (Patientinnen, Patienten, Versicherer,
Ärztinnen und Ärzte) freiwillig sein: Nur so können kreative Versicherungsmodelle mit hohem Engagement der Beteiligten entstehen.
Dafür wünscht sich med-swiss.net …
… Politikerinnen und Politiker, die Managed Care sachbezogen umsetzen,
… Versicherer, die das Gesundheitswesen nicht nur als Markt verstehen,
… und Ärztinnen und Ärzte, die auch ökonomisch Verantwortung ­
mittragen helfen.
Präsident
Jörg Fritschi
Klein Buholz 3
6012 Obernau
Tel.: 041 320 10 55
Fax: 041 320 11 75
Vorstand
Ueli Bodmer Muristrasse 48
3006 Bern
Tel.: 031 351 71 83
Fax: 031 351 71 84
Philip Dreiding Goethestrasse 16
8001 Zürich
Tel.: 044 262 12 44
Fax: 044 262 12 13
Alexander Von Weymarn
Kantonsspital Radiologie
8500 Frauenfeld
Tel.: 052 723 76 13
Fax: 052 723 73 48
Hans Zaugg Dufourstrasse 95
8008 Zürich
Tel.: 044 383 39 09
Fax: 044 383 39 34
Christopher Zuellig MedSolution AG
Sumatrastrasse 10
8006 Zürich
Tel.: 044 366 53 70
Fax: 044 366 50 69
23
Ihr Kontakt:
med-swiss.net
Sekretariat
Grütlistrasse 36
8002 Zürich
Tel.: 044 280 44 05
Fax: 044 280 44 03
www.med-swiss.net
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