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FLÄCHE UND MATERIAL - Fotografien von Robert Dämmig Was

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FLÄCHE UND MATERIAL - Fotografien von Robert Dämmig
Was Fläche und Material sichtbar macht und unterscheidbar, ist das
Licht. Der Fotograf setzt es, in dem er seinen Schnitt aus der
Wirklichkeit wählt, Film, Blende, Standort undsoweiter. Die
Fotografie hat ihre eigene Wirklichkeit, eine Frage der Philosophie.
Das Foto, als Material, das ein Bild trägt, hat seine Wirklichkeit auf
Papier und Zelluloid. Ein Foto, das auf einem Display erscheint,
existiert nicht. Die leuchtende Fläche, die dem Betrachter ein Bild
anzeigt, spielt es vor. To display, ursprünglich eine Kategorie der
Verhaltensforschung, meint "Anzeigen" im Sinn eines "Vorspiels".
Unter Tieren überlebenswichtig, unter Menschen Werbung, in der
Informatik ein System zur Datenspeicherung.
Dämmigs Flächen zeigen Schichten, eine auf den ersten, auch auf
den zweiten Blick nicht auszumachende Schichtung von Flächen,
die einander ergänzen, widersprechen, sich aufheben, farblich wie
strukturell. Flächen, besetzt zumeist von beschädigtem Material, das
die Handschrift des Menschen trägt und seine Sehgewohnheit auf
die Probe stellt wie ein Display das Auge. Daß der Mensch als
Material nicht erscheint auf diesen Bildern, ist folgerecht, er hat hier
nichts mehr zu suchen, seine Arbeit ist getan, die Verwüstung findet
im Auge des Betrachters statt. Vielleicht steht der Mensch nebenan,
hinter der Grenze, wo der Fotograf den Bildrand gesetzt hat.
Vielleicht gibt es den Menschen nicht mehr, verschüttet unter den
Flächen, die der Fotograf in seinen Bildern schichtet.
Daß "Wand" vom Gewundenen, Verflochtenen kommt, ist auf
Dämmigs Flächen zu lesen, wie im Bildwörterbuch: aus
unbestimmbarem, grauschillernden Material, strukturiert von
Schienen oder Leisten; hinter der Scheibe, in der sich das Fenster
eines fernbleibenden Gegenübers spiegelt, eine Gardine,
Topfblumen dahinter müssen für die anzunehmende Bewohnbarkeit
herhalten, wofür "Wand" gewöhnlich einsteht, Wohnen.
Haus/Baum: ein Stück Natur, die sich zurückmeldet mit Wildwuchs,
entdeckt durch eine sich auflösende Konstruktion nicht länger
haltbarer Materialien, die einmal "Haus" waren; der Vorgang des
Fotografierens wird nebenbei zitiert, der Blick durch den Sucher, die
sich verengende Perspektive, der Abschied von etwas, das ein Foto
auch immer ist.
Vorhänge: verschieden in Farbe und Transparenz, ein Fenster,
Bäume sichtbar, Meer, Himmel dazu; ein Postkartenmotiv im
Ausschnitt verengt auf die Fläche hinter der Fläche, das Zitat hinter
allem. Ein Seestück nach Dalí, nach Magritte, in der Unwirklichkeit
alles Sichtbaren, nicht Berührbaren, das vor uns zerrinnt wie die
Zeit, die übers Fensterbrett tropft und den nächstliegenden Ozean
bildet.
Die Staffelung der Farben, Formen, Materialien auf den Bildern, wie
bei zu nahem Hinsehen aufgenommen, beinah mit Erschrecken,
daß die Decke so dünn ist, auf der wir gehen, ein Blick durchtrennt
sie, wird erst durch den Ausschnitt, den der Fotograf wählt,
kenntlich. Diese Schnitte, Querschnitte eher als Ausschnitte, sind
ein Abbild (Umbild) der Bewußtseins-, Empfindungs-,
Wahrnehmungsschichten, die wir uns auf dem Weg der Assimilation
zulegen, wie eine Haut über der nächsten. All our displays. Eine
Fläche spielt immer etwas vor, den stärksten Eindruck hinterläßt die
Oberfläche. Und auch das, wie alles andere, zeigt der Fotograf uns
an, ist Täuschung, trompe l'œil, wie das Bild von der hellen Fläche
und der dunklen: die Tapete mit zerstörtem Blumenblattmuster links
(vielleicht links), rechts (vielleicht rechts) korrespondierend die
beschädigte Wand in Zinnober, die wie einen Abdruck, einen
Schatten der Blätter zwei Flecken in der Farbschicht aufweist. Hinter
allem steckt etwas, Sehzwang solange du lebst.
THOMAS MARTIN
2007
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Kunst und Fotos
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