close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

07-22 P Geschlechterpolitik - Kai Gehring

EinbettenHerunterladen
Kai Gehring
Mitglied des Deutschen Bundestages
Gleichberechtigung ist Frauen- und Männersache!
Beitrag zur geschlechterpolitischen Debatte „Was ist der Streit wert?“
des Gunda-Werner-Instituts der Heinrich-Böll-Stiftung
Berlin, 22.07.2010
Kai Gehring, MdB
Platz der Republik 1
11011 Berlin
Büro: Unter den Linden 50
Raum: 2054
Telefon: +49 30 227-74501
Fax: +49 30 227-76642
kai.gehring@bundestag.de
Wahlkreisbüro Kai Gehring MdB:
Limbecker Str. 48-50
45127
Telefon: +49 201-2698-200
Fax: +49 201-2698-249
kai.gehring.wk@bundestag.de
:
Telefon: +49 Fax: +49 Sprecher für Jugend und
Generationen
Sprecher für Hochschulfragen
Gemeinsam mit einigen grünen Männern, die für gleiche Rechte und
gleiche Pflichten zwischen den Geschlechtern stehen, habe ich das
„Grüne Männer-Manifest“ verfasst, ein Anstoß zur Debatte um die Rolle
der Männer in der Gleichberechtigungspolitik. Es enthält Visionen für
eine Männerpolitik, die die Rolle der Männer neu denkt und damit die
Ziele der Gleichberechtigung unterstützt. Wir wollen damit zeigen, dass
bei Bündnis 90/Die Grünen Frauen und Männer für Gerechtigkeit
zwischen den Geschlechtern, neue Rollenbilder und gesellschaftlichen
Aufbruch stehen. Als Autoren des Männer-Manifests wünschen wir uns
eine breite Debatte - in der grünen Partei, in der Gesellschaft, bei und
mit Männern und Frauen. Wir haben dabei nichts gemeinsam mit so
genannten „AntifeministInnen“, sondern setzen uns im Gegenteil als
grüne Feministen für eine emanzipierte Gesellschaft ein. Wir beziehen
uns positiv auf die Pionierinnen der Frauenbewegung, sehen es jedoch
als Mangel, dass „die Männer“ in den feministischen Diskursen nur
selten eine Rolle spielen. Die Einschränkungen durch Rollenzwang und
festgelegte Verhaltensmuster wollen wir auch für Männer aufbrechen.
Wir haben im „Grünen Männer-Manifest“ vielfältigen Themen
angerissen, von der Arbeitswelt, der Väterpolitik (Neue Väter statt
„Vater morgana“) bis hin zu Fragen eines geschlechtersensiblen
Gesundheitsbewusstseins. Gendermainstreaming gilt tatsächlich für die
Betrachtung beider Geschlechter und der Möglichkeiten individueller
Entwicklung der Einzelnen. Insofern ist die hier aufgeworfene Frage
„was ist der Streit-wert?“ ganz klar mit „sehr viel!“ zu beantworten,
weil es um die selbst bestimmten Entfaltungsmöglichkeiten jedes und
jeder Einzelnen geht.
Die Herangehensweise beim Aufbrechen von Geschlechtsstereotypen
möchte ich exemplarisch am Themenfeld der Jungenarbeit
verdeutlichen: Mir als Jugendpolitiker ist gendersensible und
emanzipatorische Bildung und Erziehung besonders wichtig. Jungen
fallen besonders häufiger als „Verlierer“ aus dem Bildungssystem: Bei
schulischen Leistungen und Abschlüssen stehen sie schlechter da als
Mädchen. Je niedriger die Schulform, desto höher ist der Jungenanteil.
Sie brechen die Schule öfter ab und sind häufiger schulmüde als
Mädchen. Typisches Jungenverhalten gilt im Schulalltag oft als störend.
Seite 2
Besonders ungünstig ist der Bildungsverlauf bei Jungen mit
Migrationshintergrund. Daher brauchen wir eine geschlechtergerechte
Umgestaltung des Schulalltags. Zu einer tatsächlich gendersensiblen
Pädagogik an allen Schulen gehören individuelle Förderung und die
Verankerung von Jungenarbeit. Lehrerinnen und Lehrer brauchen Ausund Weiterbildungen in Genderkompetenz.
Eine emanzipatorische Erziehung und eine individuelle Förderung ist
für Jungen und Mädchen gleichermaßen notwendig. Viel zu oft fehlen
Jungen beispielsweise positive und vielfältige Rollenvorbilder als
männliche Bezugspersonen. Es gibt zu wenig Männer in so genannten
„klassischen“ Frauenberufen: zu wenig Erzieher und Grundschullehrer.
Vor nunmehr fast 15 Jahren empfahl das Netzwerk Kinderbetreuung der
Europäischen Kommission, das in Zukunft 20 Prozent der Erzieher
männlich sein sollen. Passiert ist seitdem leider viel zu wenig. Wir
brauchen endlich mehr Wertschätzung der pädagogischen Arbeit mit
Kindern. Jungen Männern muss vermittelt werden, dass es sich um eine
verantwortungsvolle und herausfordernde Aufgabe handelt. Dazu
können auch die sozialen Jugendfreiwilligendienste beitragen.
Gerade in der Jugendhilfe müssen die unterschiedlichen Lebenslagen
von Mädchen und Jungen berücksichtigt werden. Geschlechtersensible
Jugendarbeit erfordert zusätzlich zu Angeboten der Mädchenarbeit auch
eine umfassende Strategie zur Förderung benachteiligter Jungen. Wir
wollen in allen Bildungs- und Jugendhilfeeinrichtungen
Förderstrategien für Jungen, die ihnen neue Wege eröffnen. Neben der
erfolgreichen Mädchenarbeit braucht geschlechtsbezogene Jugendarbeit
verstärkt Jungenarbeit. Sie muss die Jungen vor allem in ihrer
Bildungsbiografie, ihrer Berufs- und Lebensplanung, bei den
Sozialkompetenzen und beim Wandel der Geschlechterrollen begleiten
und unterstützen. Jungen sollen selbstbewusst ihren Interessen
nachgehen können und nicht in tradierte Schemata gedrängt werden.
Deswegen fordern wir neue Wege für Jungs, zum Beispiel durch die
flächendeckende Etablierung von „Boys Days“. Die selbstverständliche
Verankerung von Jungenarbeit trägt entscheidend dazu bei, dass sich
jede und jeder Jugendliche selbstbestimmter entwickeln kann. Dieser
Diversity-Ansatz gilt im übrigen genau so für schwule, lesbische und
transsexuelle Jugendliche.
Auch die Berufswahl junger Menschen ist immer noch stark von
tradierten Rollenbildern geprägt und bewegt sich in einem sehr
schmalen Spektrum: Mädchen wählen häufig typische „Frauen-Berufe“
mit geringeren Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten. Jungen hingegen
streben meist klassische „Männer-Berufe“ im handwerklichen und
industriellen Bereich an. Dass Jugendliche untypische Tätigkeitsfelder
nicht im Blick haben, ist im Wandel zur wissensbasierten
Dienstleistungsökonomie für beide Geschlechter riskant. Das Berufsund Studienwahlspektrum von Mädchen und Jungen wollen wir
Seite 3
deshalb verbreitern. Männliche Fachkräfte fehlen vor allem in den
Branchen der Dienstleistungs-, Erziehungs- und Gesundheitsberufe. Bei
einer geschlechtersensiblen Jungenförderung geht es auch um die
frühzeitige Begleitung von Jungen bei ihrer Lebensplanung, um die
Reflexion von bestehenden Rollenvorstellungen und die Stärkung ihrer
sozialen Kompetenzen.
Denn auch bei Jungen besteht der Bedarf, tradierte Rollenbilder als
Alleinernährer und -verdiener zu überdenken sowie neue und
attraktivere Rollenbilder zu finden. Projekte wie das unter Rot-Grün
initiierte Netzwerk „Neue Wege für Jungs“ bündeln erfolgreich
Aktivitäten in Schule und Jugendarbeit, die sich gezielt an Jungen
richten. Sie müssen verbreitert und verstetigt werden. Neben der
erfolgreichen Mädchenarbeit ist eine Orientierung auch auf neue Wege
sowie Freiräume für Jungen nötig. Beide Bereiche sind auszubauen und
nicht gegeneinander zu stellen. Jungenarbeit ist nicht zu verstehen als
„Konkurrenz“, sondern sie sucht das solidarische Neben- und
Miteinander zur Mädchenarbeit und will eine Sicherung und
Erweiterung der Ressourcen in der geschlechtsbezogenen Jugendarbeit
herbeiführen. Davon würde die gesamte Gesellschaft profitieren!
Document
Kategorie
Bildung
Seitenansichten
5
Dateigröße
78 KB
Tags
1/--Seiten
melden