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1 Galater 4,4-7 26.12.13 Wieder Kind werden Was ist eigentlich das

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Galater 4,4-7
26.12.13
Wieder Kind werden
Was ist eigentlich das Faszinierende an Weihnachten? Was gibt Weihnachten dieses besondere Flair, diese
einzigartige Stimmung. Weihnachten weckt wie kein anderes Fest in uns Emotionen. Woher kommt das?
Weihnachten wird viel höher bewertet als Ostern. Wobei vom theologischen Gehalt her, eigentlich Ostern
das höhere Fest ist. Heilsgeschichtlich betrachtet ist Ostern das größte Fest der Christen. Zunächst gab es in
der frühen Kirche nur das Osterfest. Weihnachten kam erst Mitte des 4. Jahrhunderts als Fest dazu. Schon
lange hat Weihnachten Ostern überholt und einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft. Woran liegt
das? Es sind sicher mehrere Gründe und ich möchte diesen jetzt gar nicht nachgehen. Ein nicht unwesentlicher Grund für die Faszination von Weihnachten liegt in unseren Kindheitserinnerungen. Ich glaube, dass
wir bewusst oder unbewusst Weihnachten mit unseren Kindheitserinnerungen verbinden. Ich für mich
kann das jedenfalls so sagen. Und ich denke, es wird vielen so gehen. Wenn ich mich an die Weihnachtsfeste erinnere, die ich als Kind erlebt habe, dann lag fast immer Schnee. Die Wetterstatistiken kommen da zu
ganz anderen Ergebnissen, aber gefühlt lag an Weihnachten fast immer Schnee. In den Erinnerungen wird
Weihnachten verklärt. Als Kinder war für uns Weihnachten geheimnisvoll. Wir hatten eine gespannt Erwartung. Die 24 Türchen im Adventskalender öffnen, dauerte gefühlt eine kleine Ewigkeit. Heute ist es genau
umgekehrt. Viel zu schnell ist der 24. da! Ich verbinde mit Weihnachten eine unbeschwerte Kindheit, eine
kleine friedliche Welt, zumindest über die Feiertage. Und ich entdecke die Sehnsucht nach dieser unbeschwerten Zeit, nach dieser heilen Welt, nach dieser Geborgenheit. Ich möchte wieder mal Kind sein. Kennt
ihr dieses Gefühl auch?
Ich habe bei Facebook eine interessante Gruppe entdeckt: „Kinder der 60er und 70er Jahre“ Da werden
Erinnerungen aus der Kindheit und Jugendzeit gepostet. Viele längst vergessene Erinnerungen, werden
wieder wach: Spiele, die wir gespielt haben, Spielsachen, Fernsehserien usw. Und ich beobachte auf dieser
Seite eine heimliche Sehnsucht, nach dieser unbeschwerten Kindheit. Ich nenne mal einige Posts, die das
verdeutlichen: „Hab mir gerade Bauklötze und ein Dreirad bestellt, ich fang nochmal ganz von vorne an.“ „Wie schön, dass ich mit Gummitwist, Kreide, Wassereis, Verstecken spielen und Bilder malen groß geworden bin, und nicht mit IPad, Smartphone und Flachbildschirm. War ne tolle Zeit.“ Oder der hier: „Egal wie
alt oder cool du bist, eine leere Küchenrolle ist immer ein Fernrohr.“ Und überhaupt gilt: „Die ersten 40
Jahre der Kindheit sind immer die härtesten!“ Ich sehe in diesen Posts eine heimliche Sehnsucht nach der
unbeschwerten Kindheit. Und solche Posts gibt es nicht nur bei den Kindern der 60er und 70er. Die anderen
posten ähnliche Kindheitserinnerungen. Unsere Welt ist unübersichtlich geworden, das Leben ist kompliziert. Wir müssen volle Leistung bringen, müssen immer stark sein alles meistern können und dabei am
besten noch erfolgreich sein. Ich kann diese Sehnsucht nach der unbeschwerten Kindheit gut nachvollziehen. Vor allem an Weihnachten bricht sie auf.
Der Predigttext für dieses Weihnachtsfest nimmt diesen Gedanken auf. Dort erfahren wir, wie wir durch
Weihnachten wieder Kind werden können. Allerdings hat dieser Bibeltext absolut nichts Weihnachtliches
an sich. Keine Krippe, Hirten und Engel. Im Gegenteil, sehr nüchtern wird uns beschrieben, was an Weihnachten geschehen ist. Aber wir finden darin eine Antwort auf die Sehnsucht, wieder Kind zu sein.
4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt,
5 damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen.
6 Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba,
Vater.
7 Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott.
Paulus nennt hier im Galaterbrief, Kapitel 4,4-7 ganz nach seiner Art, nüchtern und sachlich die Fakten. In
vier knappen Aussagen wird Weihnachten erklärt: Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn,
geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt.
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Es ist ein großes Geheimnis, warum gerade in der Zeit des Kaisers Augustus die Zeit erfüllt war.Die Zeit, in
der eine junge Frau mit Namen Maria in Nazareth lebte, verlobt mit einem gewissen Josef. Für die Ausbreitung des Evangeliums, gut 30 Jahre später, herrschten nach antiken Verhältnissen ideale Bedingungen. Eine
einheitliche Weltsprache, mit Koinegriechisch kam man fast überall durch, etwa vergleichbar mit dem Englisch heute. Das riesige römische Reich erlaubte eine unbeschränkte Reisefreiheit ohne lästige Grenzkontrollen und Visapflicht. Aber das sind sicher nicht die einzigen Argumente dafür, dass Gott gerade jene Zeit
damals auf seinen Terminkalender setzte. Denn genau so müssen wir uns das vorstellen. Erfüllte Zeit bedeutet: Gott hat diesen Zeitpunkt schon lange bevor er diese Welt erschuf geplant. Völlig frei und souverän
hat Gott genau diesen Termin festgelegt. Die Menschheit damals war weder böser als sonst und auch nicht
besser als zu anderen Zeiten. Gott hat in völliger Freiheit beschlossen, dass sein Sohn genau in diesen Tagen
zu dieser Zeit aus dem Himmel ausgesandt wurde.
Im Griechischen seht hier herausgesandt. Der Sohn war also schon da. Er war schon immer da, schon bevor
die Welt erschaffen wurde, gab es den Sohn Gottes. Gemeinsam mit dem Vater und dem Heiligen Geist
haben sie die Welt erschaffen. Und dann kam der Zeitpunkt, dass der Sohn, in seine Schöpfung hineingehen
musste. Der Sohn, durch den Gott am Anfang das All geschaffen hatte, wurde nun Teil seiner Schöpfung
„geboren von einer Frau“ Damit ist alles gesagt. Der Schöpfer ist damit unter die Bedingungen seiner
Schöpfung getreten. Er ist nicht als Gott sanft auf die Erde geschwebt. Er unterlag so banale Dingen wie der
Schwerkraft. Er benötigte Energie, er musste Essen und Trinken. Er hatte das ganze Spektrum der menschlichen Funktionen: auch nur fünf Sinne, er kannte alle Gefühle: Freude, Trauer, Wut, Liebe usw. Er musste
arbeiten um zu leben. Er war den politischen Gewalten unterstellt, musste Steuern für seine Einnahmen als
Zimmermann bezahlen. Er war wie jeder Mensch der Macht der Sünde ausgeliefert. Er war versuchlich wie
wir alle. Der Schöpfer wurde ein Teil der Menschheit. Er ist als Mensch in seine Welt gekommen, nicht als
Gott. Und Gott wollte es, dass er das Menschsein komplett von Geburt bis zum Tod erlebt. Er machte in die
Windeln wie jedes Kind, musste Laufen lernen, ist hingefallen, hat geweint. Der Schöpfer der Menschen
wurde ein Glied der Menschheit. Er ist zu einer ganz bestimmten Zeit in die Geschichte eingetreten und hat
Spuren hinterlassen.
Er wurde Teil eines Volkes, ein Jude. „dem Gesetz unterstellt“ Wie jeder Jude musste er sich an die Gesetze
des alten Testamentes halten. Aber nicht nur weil er Jude war. Weil er Mensch war. Wie jeder Mensch
musste er sich an Gottes Gebote halten. Er musste Gehorsam lernen, heißt es im Brief an die Hebräer (5,8)
„Geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt“ lässt sich so zusammenfassen: Er ist in die Position
von uns Menschen getreten. Und das ist eine denkbar schlechte Position. Wir leben unter dem Diktat der
Sünde, wir müssen sündigen. Und wir stehen unter dem Fluch des Gesetzes. Der Fluch des Gesetzes besteht darin, jeder, der sich nicht vollständig an die Gebote hält, der ist verloren. Der kann nicht im Gericht
bestehen. Zu Gott kommt nur, wer sich 100%ig an die Gebote gehalten hat. Wer kann das? Niemand. Jesus
kam nun in diese Ausgangsposition. Er sollte so leben, wie es Gott ursprünglich gedacht hat. Und als einziger Mensch hat er genau so gelebt.
Wozu das Ganze? Wir dürfen nicht beim Wunder von Weihnachten stehen bleiben. Wir dürfen darüber
staunen und anbeten, dass Gottes Sohn einer von uns geworden ist. Aber dabei dürfen wir nicht stehen
bleiben. Wir müssen verstehen, wozu das gesehen ist. Diese ganze Aktion hatte den einen Zweck: „damit er
die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen.“ Das Ziel dieser göttlichen Mission ist, dass wir die Sohnschaft bekommen. Ich habe bewusst diese alte Formulierung genommen
und nicht mit Kindschaft übersetzt. Denn dieses Wort, das Paulus hier gebraucht, hat eine etwas andere
Intention als Kindschaft. In Kindschaft klingt Kind sein an. Wir denken dabei sofort an Kinder. An was denkt
ihr, wenn ihr den bekannten Vers aus Joh 1,12 hört: Die ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes
Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben. Wir denken an kleine Kinder, die bei ihrem
himmlischen Vater geborgen sind. Das ist ein schönes Bild und trifft auch auf diese Bibelstelle zu. Paulus
meint hier aber etwas anderes, wenn er von Sohnschaft schreibt. Sohnschaft bedeutet Adoption. Es ist ein
Wort aus der Rechtssprache Wir können also auch so lesen: „… damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz
stehen, damit wir die Adoption erlangen. Hier steht also nicht so sehr das Kind im Blick, sondern die Adoption.
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Auf das Freikaufen möchte ich jetzt nicht weiter eingehen. Das ist an Karfreitag und Ostern geschehen.
Jesus hat uns freigekauft, indem er sein Leben für uns geopfert hat. Mir kommt es bei diesem Text auf das
„Kind werden“ an. Und wir merken schon, bei dem Begriff Sohnschaft oder Adoption, schwingt noch etwas
anderes mit. Da geht es nicht so sehr um das kleine Kind, das sich in den Armen des Vaters geborgen fühlt.
Bei der Adoption geht es um die Würde.
Paulus macht das an einem Bild deutlich. Es steht in den Versen vorher. Ein reicher Mann erlässt per Testament, wann sein Kind mündig ist. Dazu legte er einen bestimmten Zeitpunkt fest. Wenn dieser Zeitpunkt
eingetreten ist, dann ist das Kind mündig, dann kann es mit dem Vermögen des Vaters eigenständig handeln. Mündig bedeutet, das Kind handelt mit dem Vermögen des Vaters eigenverantwortlich. Unmündig
bedeutet dann umgekehrt: Das Kind untersteht einem Verwalter. Es darf nur das tun, was der Verwalter
erlaubt. Das Kind muss fragen, gehorchen, kann nicht eigenständig handeln. Auf diesem Hintergrund bekommt die Aussage, „als die Zeit erfüllt war“ auf einmal eine ganz andere Bedeutung. Diese Aussage bezieht sich auf dieses Bild: Als der Zeitpunkt gekommen war, an dem der Vater die Unmündigkeit aufhebt,
sandte Gott seinen Sohn. Die erfüllte Zeit bedeutet auch, die Zeit der Unmündigkeit ist zu ende. Jetzt ist der
Zeitpunkt gekommen, wo das Kind mündig werden soll. Zu diesem Zeitpunkt sandte Gott seinen Sohn.
Wozu? Damit er uns aus der Unmündigkeit befreit und wir adoptiert werden. Durch die Adoption werden
wir mündige Kinder. Es geht darum, dass wir zu mündigen Kindern werden. Dazu wurde Gottes Sohn in die
Welt gesandt. Er kam zu dem vom Vater festgesetzten Termin, an dem die Unmündigkeit aufgehoben wird.
Er kam, um uns aus der Unmündigkeit zu befreien, damit wir mündige Adoptivkinder werden.
In Vers drei, also unmittelbar vor unserem Text, schreibt Paulus: „So waren auch wir, solange wir unmündig waren, Sklaven der Elementarmächte dieser Welt. Paulus verlässt nun das Bild vom unmündigen Kind,
das einem Verwalter unterstellt war. Er spitzt es zu und definiert, was unmündig bedeutet: Den Elementarmächten dieser Welt unterstellt. Diese Elementarmächte lassen sich vom griechischen Wort sehr anschaulich erklären. Das Wort bedeutet wörtlich: „In Reih und Glied marschieren“. Das sagt alles! Überall,
wo Menschen in Reih und Glied marschieren, sind sie diesen Elementarmächten unterworfen. Elementarmächte sind also Prinzipien, Zwänge, Traditionen, Philosophien, Ideologien. Denn diese Dinge zwingen
Menschen dazu, dass sie „in Reih und Glied marschieren“. Auch „man“ ist so ein Zwang, der Menschen in
Reih und Glied marschieren lässt. „Das macht man.“ „ Das hat man.“ „Das trägt man.“ Das kann sehr unterschiedlich aussehen. Es fängt mit der Mode an, geht weiter mit Dingen, die man haben muss, I-Phone, IPad, Ei-genheim. Das sind Ideale, die man erreichen muss um anerkannt zu sein. Schönheit, Reichtum, Erfolg, Karriere Gesundheit. Was macht man nicht alles, um diese Dinge zu erreichen? In Reih und Glied
strampelt man sich in Fitnesscenter ab, um das Idealgewicht zu bekommen. Für Paulus ist das ein Zeichen
von Unmündigkeit. Wer mündig ist, steht zu sich und seinem Äußeren. Elementarmächte können aber auch
Süchte und Abhängigkeiten sein.
Und diese Elementarmächte verstecken sich in unseren tiefsten Motiven. Wenn ich anerkannt und geliebt
sein möchte. Wenn ich mich selbst darstellen muss, wenn ich mich verteidigen muss. Wenn es mir darum
geht, Recht zu haben. Wenn ich meine Sicht durchsetzen muss und nicht gelassen, andere Meinungen stehen lassen kann. Das sind Zeichen von Unmündigkeit. Perfektionismus gehört auch zu diesen Elementarmächten. Wenn alles perfekt sein muss, dann ist das ein Zeichen von Unmündigkeit. Dann kann man nicht zu
Pannen und Fehlern stehen. Solche Elementarmächte gibt es auch in frommer Verpackung. Deshalb hat
Paulus den Galaterbrief geschrieben. Es ist die Gesetzlichkeit. Aber die gibt es auch verdeckt. Wenn gewissen Prägungen und Frömmigkeitsstile zum Maßstab gemacht werden. Wenn bestimmte Formen Bibel zu
lesen, zu beten, Gottesdienst zu feiern, Formen von Gemeinde zur Norm gemacht werden. Immer dann,
wenn Menschen zu welchem Zweck auch immer, in Reih und Glied gedrängt werden, oder wenn sich Menschen freiwillig in Zwänge und Prinzipien einreihen, dann sind sie diesen Elementarmächten unterworfen.
Dann sind sie unmündig.
Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass das im Grunde unser Leben ausmacht. Wer ist wirklich
frei? Gott hat einen Termin gesetzt, an dem wir nicht länger unmündig unter diesen Dingen leben sollten.
Er hat seinen Sohn gesandt, damit er uns freikauft, damit wir zu mündigen Kindern adoptiert werden. Jesus
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ist in die Welt gekommen, um uns zu befreien von diesen Gesetzen. Dazu musste er als kleines Kind von
einer Frau in eine Krippe hineingeboren werden. Das war Weihnachten für die Welt. Nun gibt es aber auch
ein Weihnachten für jeden von uns. Vers 6: Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes
in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater. Hier steht das gleiche Wort wie in Vers 4: „herausgesandt“.
Gott hat seinen Sohn herausgesandt in die Krippe. Und er hat den Geist seines Sohnes herausgesandt in
unsere Herzen. Das ist sozusagen das 2. Weihnachten. Weihnachten muss persönlich werden. Das Kind in
der Krippe nützt mit persönlich wenig. Der Geist dieses Kindes muss in mein Herz kommen. Dann wird auch
in mir Weihnachten. Und dieser Geist macht, dass ich wieder Kind werde. Das war ja die Ausgangsfrage:
Wir möchten so gerne wieder Kind sein. Wir sehnen uns nach dieser Unbeschwertheit, als wir noch Kinder
waren. Diese Unbeschwertheit hörte für mich auf, als Turnschuhe drei Streifen haben mussten. Meine
Turnschuhe hatten nur zwei Streifen. Wenn ich damals mündig gewesen wäre, hätte ich selbstbewusst zu
meinen zwei Streifen gestanden. Es gehört schon ein großes Maß an Selbstbewusstsein dazu, seinen Weg
zu gehen und sein Ding zu machen, unabhängig von den Meinungen der anderen. Gott möchte das. Dazu
hat er uns den Geist seines Sohnes gegeben. Dieser Geist des Sohnes in uns macht uns zu mündigen Adoptivkindern.
Es wäre nun interessant länger darüber nachzudenken, was das im Einzelnen bedeutet. Wie sieht das aus,
wenn ich als mündiges Kind Gottes lebe? Man kann es mit zwei Grundmerkmalen beschreiben: Das mündige Kind handelt eigenverantwortlich mit dem Vermögen des Vaters. Und das mündige Kind handelt so wie
Jesus. Denn es hat ja den Geist des mündigen Sohnes in sich. Jesus ist sozusagen das Modell für mündiges
Christsein. Er wusste sich total vom Vater abhängig, handelte aber eigenständig und eigenverantwortlich.
Er stimmte sich ständig mit dem Vater ab und ging dann seinen Weg. Jesus diskutierte mit dem Vater: „Vater, wenn es sein kann, dann nimm diesen Kelch von mir…“ Aber er ordnete sich dem Willen des Vaters
unter. Freiwillig. „… aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.“ Man müsste das jetzt gründlich
am Leben Jesu untersuchen, wie er mündig im Sinne des Vaters gehandelt hatte. Eines wird sofort deutlich.
Er machte sich nicht von den Meinungen der Menschen abhängig. Das machte ihn aber auch einsam – das
war der Preis. Aber er wusste sich total von seinem Vater akzeptiert. Das gab ihm den Halt. Bei Paulus kann
man ablesen wie mündiges Kind sein aussehen kann. Paulus sagte in Röm 8,15: Ihr habt nicht einen Geist
empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt
den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! Demnach ist
Angst ein Kennzeichen für Unmündigkeit. Wer Angst hat, vor Gott und vor Menschen, ist unmündig. Der
wird von Zwängen beherrscht. Der steht noch unter den Elementarmächten.
Im letzten Vers konfrontiert uns Paulus mit der Frage, welche Mächte bestimmen dich? Denk daran, du bist
nicht mehr Sklave, sondern Sohn. Der Sohn handelt eigenverantwortlich mit dem Vermögen des Vaters.
Mündige Kinder dürfen frei entscheiden. Sie reden mit ihrem Vater darüber, und dann gehen sie ihren Weg.
So hat das Paulus gemacht. Welches Bild hast du von deinem himmlischen Vater? Wenn du Angst hast,
Fehler zu machen und Angst hast, der Vater könnte schimpfen, dann bist du noch unmündig. Mündige Kinder werden nicht mehr vom Vater geschimpft. Der Vater akzeptiert ihren Weg und begleitet sie. Wie beten
mündige Kinder? Wie reden mündige Kinder mit ihren Vater? Wie bitten mündige Kinder ihren Vater? Wie
rufen vertrauensvoll Abba, Vater. Das müsste man jetzt im Einzelnen auf alle Bereiche unseres Glaubens
anwenden. Auf unser Vaterbild auf die Art wie wir Bibel lesen, wie wir uns von ihm führen lassen, bzw. wie
wir in Absprache mit dem Vater Entscheidungen treffen. Wie wir Gemeinde gestalten. Und so weiter.
Wieder Kind werden, wieder unbeschwert leben. Frei sein von Zwängen. Das wünschen wir uns. Genau das
hat Gott für uns vorgesehen. Die Zeit war reif, dass wir mündig werden, dazu ist Jesus als Kind in die Welt
gekommen, damit wir befreit werden von den Zwängen. Wir wurden adoptiert als mündige Kinder. Der
Geist Jesu in uns leitet uns jetzt. So können wir wirklich Kind sein.
Amen.
Reinhard Reitenspieß
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