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"Empfinden tiefe Scham für das, was da geschehen - Oliver Schäfer

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"Empfinden tiefe Scham für das, was da geschehen
ist"
Gedenkstunden und Kranzniederlegungen zum Volkstrauertag im
Landkreis / Zentrale Gedenkfeier an der Paschenburg
Landkreis (wm/rnk/la/jp/sig). Pastorin Sabine Lambrecht aus Bad Nenndorf hielt bei
der zentralen Gedenkfeier des Kreisverbandes Schaumburg des Volksbundes
Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. am Sonntagnachmittag auf dem Ehrenfriedhof
an der Paschenburg in Vertretung für den erkrankten Superintendenten Andreas
Kühne-Glaser die Ansprache.
Der Ehrenzug der Feuerwehr in Obernkirchen. Foto: rnk
Vorher hatte Kreisvorsitzender Werner Vehling ausdrücklich auch der drei bei einem
Anschlag getöteten Bundeswehrsoldaten in Afghanistan gedacht. Mit einem Satz machte
Sabine Lambrecht deutlich, was die Tragik eines Krieges ausmacht: "Im Krieg begraben
die Väter ihre Söhne, im Frieden die Söhne ihre Väter". Sie appellierte, der Gewalt schon
imAlltag entgegenzutreten, einer Gewalt die "zu einem Bestandteil unserer Zivilisation
geworden ist". "Der Frieden fängt beim Frühstück an", und es sei oft die "Friedlosigkeit im
Kleinen", die am Ende große Kriege anzettele. "Gezündelt" werde zuerst in den Köpfen,
und hier gelte es anzusetzen, in den Familien, Kindergärten und Schulen - so wie es die
Präventionsräte in den Städten täten.
Für die Stadt Rinteln legten Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz und Ortsbürgermeister
Eckhard Hülm einen Kranz nieder. Musikalisch gestalteten die Feier der Männerchor aus
Enzen-Hobbensen und Blechbläser der Kreisjugendmusikschule.
An die Toten durch Krieg, Vertreibung und Gewaltherrschaft erinnerte die traditionelle
Kranzniederlegung am Ehrenmal im Bückeburger Schlosspark. Musikalisch eröffnet
wurde die Gedenkfeier durch den Bückeburger Männergesangverein. An der
Kranzniederlegung beteiligten sich ein Ehrenzug der Bundeswehr, eine Abordnung der
Ortsfeuerwehr Bückeburg sowie erstmals die ehemaligen Jäger und Schützern, die seit
diesem Jahr keine eigene Gedenkfeier in der Jägerkaserne mehr ausrichten.
Pfarrer Matthias Ziemens von der Katholischen Kirchengemeinde Bückeburg nannte den
Volkstrauertag ein Symbol für das Gedenken an die Toten der Weltkriege. Er sei aber
auch ein Tag der Trauer darüber, was Mitmenschen generell einander antun könnten.
Das Nachdenken darüber fordere alle heraus, sich für Frieden und Freiheit einzusetzen.
Das Nichtvergessen der Erfahrung von Krieg, Leid, Vertreibung, und Todöffne die
Grenzen für die Zukunft, um den Raum für Versöhnung und Frieden auszuweiten, erklärte
Obernkirchens Bürgermeister Oliver Schäfer bei der Feierstunde am Ehrenmal der
Bergstadt. Leichter sei diese Feststellung für alle, die den Krieg durchleben mussten,
deutlich schwerer aber für die Jüngeren, denen die Dimension der Erfahrung fehle,
betonte Schäfer. Und das geschichtlich einmalige Geschehen, mehr als ein halbes
Jahrhundert des Friedens in Zentraleuropa erfahren zu haben, werde als
Selbstverständlichkeit gesehen, ja, inzwischen oftmals nur noch gering erachtet. Die
persönliche Betroffenheit der Jüngeren zu erhalten und zu fördern, sei ein wesentlicher
Mitauftrag dieses Gedenktages, sagte Schäfer.
Der Volkstrauertag sei sicher einer der bedeutendsten Gedenktage - und einer, der am
meisten die oberflächliche Geschäftigkeit störe, befand Jörg Landmann auf der
Gedenkfeier in der Friedhofskapelle Rehren. Trauer, Verlust, Niederlage, Schuld und
Verantwortung seien die Begriffe, die das öffentliche Gedenken in unserem Lande
bestimmen. Aber auch die Hoffnung, dass die Menschen aus der Geschichte lernen,
damit sie sie nicht wiederhole. "Die Vergangenheit ist nicht vergangen, sie droht aber
vergessen zu werden, wenn wir es zulassen", sagte Landmann. Er schloss die
Gedenkfeier mit einem Aufruf: "Habt Ehrfurcht vor dem Leben und setzt Euch für den
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02.12.2007 18:45
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Gedenkfeier mit einem Aufruf: "Habt Ehrfurcht vor dem Leben und setzt Euch für den
Frieden ein!"
Auch Pastor Matthias Mau stellte die Ehrfurcht vor dem Leben in den Mittelpunkt seiner
Ansprach am Ehrenmahl auf dem Rannenberger Friedhof. Ortsbrandmeister Dirk Wente
und Ortsvorsteher Heinrich Wente legten hier Kränze nieder. Jerine Gastorf umrahmte
beide Auetaler Veranstaltungen zum Volkstrauertag musikalisch.
Sowohl mit der dunklen deutschen Vergangenheit als auch mit der Gegenwart und
Zukunft befasste sich Heeßens Bürgermeister Wilhelm Brümmel in seiner Gedenkrede
am Heeßer Ehrenmal. Er erinnerte unter anderem an den Bombenkrieg, der viele Opfer
unter Frauen und Kindern forderte. Beim schwersten Luftangriff auf Hannoverin der Nacht
zum 9. Oktober 1943 seien allein 28 000 Phosphorbomben, 230 000 Brandbomben und
3000 Sprengbomben gefallen. Auf diese Weise sind in Deutschland allein eine halbe
Million Menschen umgekommen.
Neben den vielen Soldaten, die in den beiden Weltkriegen und noch danach in den
Gefangenlagern starben, erwähnte der Bürgermeister auch die Millionen jüdischer
Mitbürger, die in den Gaskammern der Konzentrationslager ihr Leben ließen oder die
verhungerten. "Wir empfinden tiefe Scham für das, was da geschehen ist", sagte
Brümmel.
© Schaumburger Zeitung, 19.11.2007
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Seele and Geist
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