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Einführung einer generalistischen Pflegeausbildung – was es zu

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Einführung einer generalistischen
Pflegeausbildung – was es zu bedenken gilt!
Eine Bestandsaufnahme
Anja Ludwig
1
Grundlagen einer Ausbildungsreform – was es zu
bedenken gilt!
1
Bevor auf die Einzelheiten der vorliegenden Bestandanalyse eingegangen wird, soll im Vorfeld betont
werden, dass eine Reform der Pflegeausbildung allein, ohne deutliche Verbesserungen der
Rahmenbedingungen unter denen (Alten-)Pflege heute geleistet wird, wenig positiven Effekte
hervorbringen kann. Auch generalistisch ausgebildete Pflegekräfte werden den Pflegeberuf früher oder
später aufgeben, wenn die Praxisrealität nicht mit den eigenen Berufsvorstellungen kompatibel ist.
Zudem sind es in der Regel die Arbeitsbedingungen, die einen Beruf in der Öffentlichkeit
repräsentieren, nicht die Ausbildungsinhalte. Insofern macht eine Ausbildungsreform den Pflegeberuf
nicht automatisch attraktiver. Hierfür wie auch für die mit einer generalistischen Ausbildung
verbundene Hoffnung, dem Fachkraftmangel begegnen zu können, gibt es bis dato keine Belege.
Erfahrungen aus anderen Ländern unterstreichen eher den Trend, dass im Rahmen einer
generalistischen Ausbildung der Fachkraftmangel gerade in der Altenpflege bestehen bleibt oder gar
zunimmt.
2
Eine Reform der Pflegeausbildung darf nicht einzig der beruflichen Professionalisierung dienen. Sie
muss an die künftigen Bedarfe und Bedürfnisse der Bevölkerung angepasst werden. Auch müssen die
bildungspolitischen Aktivitäten und Zielsetzungen (u. a. Professionalisierung) in diesem Bereich mit
den Anforderungen und der Entwicklung der Versorgungssektoren verzahnt werden. Ohne diese
Verzahnung ist eine Harmonisierung von Leistungsqualität und Kompetenzprofilen nicht möglich.
3
In den Reformprozess müssen von Beginn an diejenigen einbezogen werden, die die Umsetzung der
Reform leisten sollen und damit zum Garant des Gelingens oder Scheiterns einer solchen Reform
werden. Damit gemeint sind die Pflegeeinrichtungen und ambulanten Dienste, die Verantwortung für
die praktische Ausbildung tragen. Ohne adäquat qualifiziertes und quantitativ ausreichendes Personal,
können sie die bisherige Versorgungsqualität nicht aufrechterhalten. Damit gemeint sind aber auch die
bestehenden Altenpflegeschulen, ohne die die Ausbildungsplatzkapazitäten deutlich einbrechen
würden und ohne deren über Jahrzehnte entwickelte Fachkompetenz im Bereich der Altenpflege die
Qualität der Pflege alter Menschen Einbußen erleiden würde. Da sie sich auch in einem
generalistischen Ausbildungsmodell mit dem Anspruch konfrontiert sehen, die Verantwortung für die
theoretische Ausbildung zu tragen, sind auch sie zwingend am Reformprozess zu beteiligen.
4
Die Einführung einer generalistischen Ausbildung muss an eine einheitliche Finanzierung gekoppelt
werden. Der Wegfall der Spezialisierung rechtfertigt keine zwei unterschiedlichen
Finanzierungssysteme mehr. Hierdurch würden ungleiche Bedingungen für Schulträger, Institutionen
und Auszubildende entstehen, die die vermeintlichen und realen Ziele einer generalistischen
Ausbildung ad absurdum führen würden.
5
Ein Reformprozess in Richtung einer generalistischen Pflegeausbildung muss sich an folgenden
Prämissen orientieren:
•
Gewährleistung einer zielgruppenspezifischen, fachgerechten Versorgung alter Menschen
•
Faire Lösung für die Finanzierung des Umbaus der Schulen
•
kein Verlust von Ausbildungsplätzen bzw. Personalkapazitäten auch bei den Lehrenden
•
Erhalt der (wohnortnahen) Ausbildungsinfrastruktur
•
Größtmögliche Durchlässigkeit auf allen Ebenen der Qualifizierung
•
Qualifizierungsangebote zur Sicherung des Zugangs zum Ausbildungsberuf wie auch zur
nachfolgenden Spezialisierung Altenpflege
2
Reformprozess der Pflegeausbildung fachlich
fundiert und dialogorientiert gestalten
6
Soll eine Reform der Pflegeausbildung nicht zu einem Qualitätsverlust in der pflegerischen
Versorgung, zum Verlust von Auszubildenden und Ausbildungsplätzen, zu einer Gefährdung der
Bildungsinfrastruktur, zu Problemen in der Organisation und Durchführung der praktischen und
theoretischen Ausbildung führen, muss sich der Gesetzgeber mit relevanten Fragestellungen befassen,
die den Bereichen Struktur, Inhalte und Finanzierung zuzuordnen sind.
7
Wie bereits in der Vorbemerkung angeklungen, erscheint der bisherige Auseinandersetzungsprozess
mit diesen Fragen rudimentär, wenig transparent und wenig dialogorientiert. Zudem liegen kaum
aussagekräftige Arbeitspapiere und Analysen vor, die das Vorhaben einer Ausbildungsreform konkret
beschreiben würden. Es existiert bis dato lediglich das Positionspapier der Bund-LänderArbeitsgruppe aus dem Jahr 2012, das sehr viele Fragen der konkreten Ausgestaltung und Umsetzung
offen lässt. Das schon von der letzten Regierung in Auftrag gegebene Finanzgutachten für die
Umsetzung eines Pflege-Berufegesetzes wurde mehrfach zurückgezogen und ist bis heute nicht
offiziell vorgestellt worden. Das, was informell daraus bekannt wurde, lässt darauf schließen, dass eine
Vielzahl realer Kosten für Einrichtungsträger und v. a. Ausbildungsstätten komplett außer Acht
gelassen wurden. Würde dies als Grundlage einer Reform gelten, wären hierdurch die Existenz der
Schulen und die wirtschaftliche und personelle Stabilität der Einrichtungen und Dienste gefährdet.
8
Im Rahmen der vorliegenden Bestandsaufnahme wird der Fokus der Betrachtung die Strukturebene
sein, was sich aus den fehlenden Konkretisierungen zu den Inhalten der Ausbildung und ihrer
künftigen Finanzierungsgrundlage ergibt. Es soll an dieser Stelle hervorheben, dass diese
Bestandsaufnahme nicht abschließend ist und sein kann, sondern den Blick auf derzeit bewusste und
wichtige Themen in der Reformdebatte richtet. Grundlegend dafür war das Eckpunktepapier zur
Reform der Ausbildung aus dem Jahr 2012 sowie diverse Berichte über die verschiedenen
Modellprojekte zu Pflegeausbildungen der letzten Jahre.
9
Auf den nachfolgenden Seiten werden wesentliche Aspekte der Strukturgestaltung einer neuen
Ausbildung aufgegriffen. Dabei soll aus Sicht von Fachexperten aus dem Bereich der
Altenpflegeschulen, der Altenpflegeeinrichtungen und -Dienste auf mögliche Gefahren aufmerksam
gemacht, bedeutsame Fragen aufgeworfen, Lösungsvorschläge entwickelt aber auch Forderungen und
Erwartungen formuliert. Im Einzelnen wird es um folgende Aspekte gehen:
1. Versorgungsqualität für ältere Menschen
2. Ausbildungsinfrastruktur
3. Verortung im Bildungssystem
4. Organisation und Durchführung der praktischen und theoretischen Ausbildung
5. Verantwortlichkeiten
6. Kooperation und Vernetzung
7. Durchlässigkeit und Vernetzung
8. Personalsituation
3
Zu 1. Versorgungsqualität für ältere Menschen
10
Der Schwerpunkt der pflegerischen Versorgung in den kommenden Jahren wird vorwiegend im
Bereich der Pflege alter Menschen liegen. Die weitere Zunahme der alten und v. a. der hochaltrigen
Bevölkerung wird zu einem Anstieg von Pflegebedürftigkeit, Multimorbidität, altersbedingten
Funktionseinbußen, Behinderung in Kombination mit Pflegebedarf usw. führen. Begleitet wird diese
Entwicklung von einem parallel stattfindenden sozialen Wandel. Dieser wird die Singularisierung im
Alter verstärken, Altersarmut befördern, soziale Eingebundenheit und Unterstützung verringern. Will
man alten Menschen auch unter diesen Bedingungen ermöglichen gut alt zu werden, müssen die
Versorgungsstrukturen an diese Entwicklungen angepasst werden. So sollten bspw. Modelle der
Versorgung im Quartier gefunden werden, die u. a. Einsamkeit und Isolation frühzeitig vorbeugen und
einen Verbleib in der Häuslichkeit ermöglichen, auch wenn Pflegebedürftigkeit besteht. An den
Auswirkungen der Kombination geriatrischer, gerontologischer und sozialer Besonderheiten und einer
hieran orientierten Versorgungslandschaft müssen auch die entsprechenden Kompetenzen ausgebildet
werden.
11
Die Pflege alter Menschen ist in der Regel eine auf längere Zeit angelegte. Sie erfolgt auf der
Grundlage der individuellen Biographie, individueller Bedürfnisse und Bedarfe und muss ggf. täglich
neu ausgehandelt werden. Die alltägliche pflegerische Begegnung basiert auf einer professionell
gestalteten Beziehungsebene. Ziel dieser Pflege ist es, das Wohlbefinden und die Lebensqualität des
alten Menschen unter Beachtung und Förderung der individuellen Ressourcen und der
Selbstbestimmung zu erhalten, wieder herzustellen oder zu verbessern. Sie findet, unabhängig davon,
ob sie in der eigenen Häuslichkeit oder im Pflegeheim erfolgt, in der Lebenswelt des Menschen statt
und umfasst vielfach den Einbezug und den Kontakt mit Personen des sozialen Lebensumfeldes. Die
Pflege alter Menschen umfasst aber auch die Kommunikation mit allen anderen für die Pflege und
Alltagsbegleitung relevanten Akteuren, ob professionell, ehrenamtlich oder informell. Im
Zusammenspiel der vielen verschiedenen Akteure obliegt es zumeist der Pflegekraft, die Pflege so zu
koordinieren und zu steuern, dass sie den Bedürfnissen und Bedarfen des alten Menschen Rechnung
trägt. Da die Pflegekraft täglich im Kontakt mit dem pflegebedürftigen Menschen in dessen
Lebenswelt ist, verfügt sie wie keine andere Person über das notwendige Wissen, um eine individuell
passende Pflege zu organisieren und zu steuern. Eine Reform der Pflegeausbildung sollte dringend für
die hier genannten Grundlagen der Pflege alter Menschen vorbereiten.
12
Langzeitpflege in der Lebenswelt des Menschen lässt sich nicht auf eine somatisch orientierte und
verrichtungsbezogene Pflege reduzieren. Aus diesem Grund wird seit Jahren eine Reform des
Pflegebedürftigkeitsbegriffs gefordert. Die Empfehlungen des Beirats legen nahe, Pflegebedürftigkeit
bzw. Langzeitpflege (§ 14 SGB XI) künftig stärker ressourcen- und teilhabeorientiert auszurichten.
Damit werden die sozialen Bedürfnisse und Bedarfe pflegebedürftiger Menschen mit in den Blick
genommen. Träger von Einrichtungen, Diensten sowie Ausbildungsstätten der Altenpflege machen
immer wieder die Erfahrung, dass genau diese sozialen Aspekte der Pflege, Ursprung für den
Berufswunsch vieler Auszubildender in der Pflege sind. Dies sollte bei der Konzipierung eines neuen
Pflegeausbildungsberufes nicht ignoriert werden, da sonst ein qualitativ wie quantitativ wichtiges
Ausbildungspotenzial verloren geht.
13
Wenn, wie mit einer generalistischen Pflegeausbildung verfolgt, drei Ausbildungen zu einem Beruf
zusammengelegt werden sollen, wird dies zwangsläufig zu einer Reduktion des
zielgruppenspezifischen Wissens führen müssen. Die Anforderungen an die zielgruppenspezifische
und qualitätsgesicherte Pflege alter Menschen hierzulande sind sehr hoch. Die Einrichtungen haben
die Aufgabe, die Qualität auch über die Erfüllung von bestimmten Qualifikationsprofilen der
Mitarbeiter sicherzustellen. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) hat den Auftrag,
diese Qualität zu prüfen. Wenn das notwendige spezifische Wissen bspw. über Demenzerkrankungen,
ihre Symptome, Behandlungsmöglichkeiten, Therapie- und Pflegekonzepte nicht ausreichend
vorhanden ist, kann eine Pflege nicht qualitätsgesichert erbracht werden. Während dreijährig
ausgebildete Altenpflegekräfte dieses Wissen erwerben, wird diese Fachtiefe in der Basisqualifikation
künftig nicht mehr erreicht. Dieses müsste im Anschluss der dreijährigen Ausbildung nachqualifiziert
werden. Die Nachqualifizierung ist jedoch keine Verpflichtung. Sie ist der Freiwilligkeit der
Pflegekräfte und auch deren finanziellen Möglichkeiten überlassen oder der Finanzierungsbereitschaft
des Arbeitgebers. Aufgrund dieser Freiwilligkeit ist davon auszugehen, dass es künftig weniger
Pflegepersonen geben wird, die die spezifische Fachkenntnis für die verschiedenen Felder der Pflege,
so auch für die Altenpflege, vorweisen können.
14
Wenn der Gesetzgeber hier keine massiven Qualitätseinbußen in der Altenpflege hinnehmen will, wird
er den Bereich der Weiterqualifizierung finanziell deutlich stärken und weitere Anreize für die
Weiterqualifizierung schaffen müssen. Wenn dies nicht intendiert ist, müssten die Qualitäts- und
Qualifikationsanforderungen, die vom MDK geprüft werden, für die verschiedenen Pflegebereiche
entsprechend an die dann real vorhandenen Kompetenzen der Pflegekräfte angepasst werden.
15
Mit einer generalistischen Ausbildung soll der Radius des künftigen pflegerischen Handlungsfeldes
ausgeweitet werden. Aus diesem Grund sollen Kenntnisse in weiteren Arbeitsfeldern der Pflege
theoretisch und fachpraktisch erworben werden. Wie im Eckpunktepapier vorgesehen, sollen die
Praxisorte aus diesem Grund erweitert werden. Eine Erhöhung der Anzahl der Praxisorte, bei
weitgehender Beibehaltung des theoretischen Stundenanteils, ist nur durch deutlich kürzere
Einsatzzeiten pro Praxisort möglich. Die Vielzahl der zu absolvierenden Praxisorte steht aber der
Notwendigkeit von Kontinuität und Beziehungsarbeit in der Langzeitpflege entgegen. Eine starke
Rotation von vielen Auszubildenden innerhalb einer Einrichtung (die Lebenswelt ist) könnte die
Qualität der pflegerischen (Langzeit-)Versorgung insgesamt und in besonderem Maße von
gerontopsychiatrisch erkrankten Menschen gefährden und den gesundheitlichen Zustand
destabilisieren. Gerade für diese Zielgruppe ist Kontinuität v. a. auch auf personeller Ebene sehr
bedeutsam. Diese und weitere Folgen einer Umstellung des Ausbildungssystems für die
pflegebedürftigen Menschen sind in der Debatte um eine Ausbildungsreform bisher kaum zum Tragen
gekommen.
16
Die Akutpflege erfordert andere Anforderungen und Kompetenzen als die Langzeitpflege. Um die
Besonderheiten der Langzeitpflege kennenzulernen und zu begreifen, braucht es eine Ausbildung, die
Lang-Zeit-Pflege erfahrbar macht. Kurze Praxiseinsatzzeiten sind hierfür keine Basis.
17
Wenn die Qualität der Pflege alter Menschen auch weiter auf einem hohen Niveau und in deren Sinne
gewährleistet werden soll muss/müssen:
•
die Kompetenzentwicklung in der Ausbildung auf die spezifische Pflege alter Menschen und die
altenpflegespezifischen Versorgungssettings vorbereiten;
•
eine einseitige Fokussierung der Ausbildung auf die Ausübung heilkundlicher Tätigkeiten bzw.
Cure-Aufgabe zuungunsten von Care-Aufgaben vermieden werden;
•
die Besonderheiten und spezifischen Kompetenzen für die Langzeitpflege (in Abgrenzung zur
Langzeitpflege) Berücksichtigung finden;
•
im Kontext der Reform dringend die Auswirkungen für die zu pflegenden Menschen je nach
Pflegebedarf (z. B. Akut- vs. Langzeitpflege) Berücksichtigung finden;
•
finanzielle und immaterielle Förderstrukturen und Anreize für die spezialisierte Weiterbildung
etabliert werden;
•
die bestehenden Qualitäts- und Qualifikationsanforderungen an die Pflege in Einrichtungen und
Diensten der Prüfung unterzogen und an die veränderten Fähigkeiten und Kompetenzen der
generalistisch ausgebildeten Pflegekräfte angepasst werden.
4
Zu 2. Ausbildungsinfrastruktur
18
Die Pflegeausbildungen insgesamt erfreuen sich hoher Beliebtheit bei Schulabsolventen oder
Umschülern. Die Ausbildungszahlen sind in den letzten Jahren in allen drei Pflegeberufen
kontinuierlich gestiegen. Besonders hoch war der Anstieg in der Altenpflegeausbildung. Vom
Schuljahr 2007/2008 bis zum Schuljahr 2011/2012 ist die Zahl der Auszubildenden dort um 36,2 %
(Vergleich Krankenpflegeausbildung plus 7,6 %) auf 55.966 gestiegen.1
19
Diese Zahlen machen deutlich, dass die Altenpflegeausbildung trotz schwieriger Rahmenbedingungen
in der beruflichen Praxis beliebt ist, auch wenn dies immer wieder von unterschiedlichster Seite in
Frage gestellt wird. Um diese Entwicklung auch bei einem stärker werdenden Konkurrenzkampf mit
andern Branchen und Berufsbildern um immer weniger junge Menschen fortsetzen zu können, muss
das, was den Beruf attraktiv macht, unbedingt erhalten bleiben. Auch für „Umschüler“ ist der
Altenpflegeberuf eine attraktive Perspektive.
20
Ein wesentliches Attraktivitätsmerkmal stellt für die Erstauszubildenden wie für die Umschüler die
wohnortnahe Ausbildungsinfrastruktur dar, die es in dieser Dichte im Bereich der
Krankenpflegeausbildung nicht gibt. Wenn hierdurch teure Fahrtkosten oder gar eine Unterkunft am
weiter entfernt liegenden Ausbildungsort gespart werden können, so ist dies ein direkter finanzieller
Vorteil, der bei der Wahl des Berufes eine gewichtige Rolle spielt.
21
Die wohnortnahe Ausbildungsinfrastruktur ist ebenso ein bedeutender Garant für die Vereinbarkeit
von Familie und Beruf. Dies gilt nicht nur für ältere Auszubildende. Diese Generation sieht sich oft
mit einer Vielzahl von Anforderungen, wie der Erziehung der Kinder, der Pflege alter Eltern, des
ehramtlichen Engagements und der beruflichen Entwicklung konfrontiert. Wohnortnahe
Ausbildungsstätten verringern das Konfliktpotenzial bei der Bewältigung all dieser Anforderungen für
diesen Personenkreis. Wohnortnahe Ausbildungsstätten sind auch für junge Auszubildende, die an der
Schwelle der Familiengründung stehen, ein wichtiges Attraktivitätsmerkmal.
22
Wohnortnahe Ausbildungsstätten ermöglichen es den Auszubildenden, in vertrauten
Netzwerkstrukturen einen neuen beruflichen Weg einzuschlagen. Hierdurch erfahren sie
1
BIBB: Zahl der Auszubildenden in der Altenpflege steigt kräftig. Neue BIBB-Veröffentlichung:
„Gesundheitsfachberufe im Überblick“. Pressemitteilung 31/2014 vom 17.7.2014. Online:
http://www.bibb.de/de/pressemitteilung_14432.php [abgerufen am 25.9.2014].
unterschiedliche Formen der Unterstützung von sozialer Einbettung bis hin zu materieller
Unterstützung.
23
Wohnortnahe Ausbildungsstätten sichern darüber hinaus den Fachkräftebedarf in der Region. Das
betrifft alle Regionen, im Besonderen aber die strukturschwachen Gebiete Deutschlands. Die
Schließung von Schulen in der Region hätte direkte spürbare Folgen für die Praxiseinrichtungen vor
Ort. Die Mehrheit der Einrichtungen und Dienste gewinnt ihr künftiges Personal direkt aus den
regional ansässigen Altenpflegeschulen. Mit dem Wegfall der Schulen wäre diese
Personalgewinnungsmöglichkeit obsolet und hätte in letzter Instanz deutliche Folgen für die regionale
Absicherung des Pflegerisikos. Wenn man den Trend der Abwanderung in Ballungsräume nicht noch
weiter befördern will, sollten die Bemühungen um den Erhalt wohnortnaher Ausbildungsstätten v. a.
für Mangelberufe verstärkt werden.
24
Eine generalistische Ausbildung mit einer Vielzahl vorgegebener Praxis- bzw. Einsatzorte in Kliniken
wird insbesondere in ländlich strukturierten Regionen die Möglichkeiten einer wohnortnahen
Ausbildung einschränken. Diese kann immer dann nicht gewährleistet werden, wenn es keine
entsprechenden Kliniken mit den notwendigen Praxisplätzen vor Ort gibt. Die Vielzahl praktischer
Ausbildungsabschnitte in Kliniken führt zudem zu einer Steuerungshoheit der Kliniken über die
Ausbildung. Die Altenpflege, die künftig das meiste Personal benötigt, wird hierdurch voraussichtlich
benachteiligt. Es sollte dringend überlegt werden, ob Klinikeinsätze in der praktischen Ausbildung
unabdingbar sind oder ob Alternativen, je nach regionalen Bedingungen und Interessen der
Auszubildenden ermöglicht werden können.
25
Hinsichtlich der künftigen Ausbildungsinfrastruktur sollten berücksichtigt werden, dass:
•
die bestehende, wohnortnahe Ausbildungsinfrastruktur erhalten bleibt und auskömmlich finanziert
wird;
•
die Umstellung auf ein anderes Ausbildungssystem für alle bestehenden Schulträger zu
ermöglichen ist;
•
die Praxisausbildung einschl. der Praxisorte unter Beachtung regionaler Besonderheiten
auszurichten ist.
5
Zu 3. Verortung im Bildungssystem
26
Die Pflegeausbildungen finden heute in vielen Bundesländern noch an Schulen „besonderer Art“ statt.
Dies bedingt u. a. zumeist eine unzureichende finanzielle Ausstattung, fehlende Planungssicherheit
und fehlende Anschlussfähigkeit hier erworbener Abschlüsse im staatlichen Schul- und
Hochschulsystem.
27
Eine generalistische Pflegeausbildung sollte daher im Berufsbildungssystem im Sinne einer
Berufsfachschule konzipiert sein. Mit der Verortung der Schulen als Berufsfachschulen würde die
Pflegeausbildung in ein normales System beruflicher Bildung überführt. Vor dem Hintergrund, dass
Pflegeberufe noch immer Frauenberufe sind, muss der Status „Schule besonderer Art“ als
Diskriminierungsbezeichnung gewertet werden. Alle damit verbundenen Nachteile der Finanzierung
und rechtlichen Stellung, benachteiligen auch all jene, die diesen Beruf erlernen (möchten). Zudem
wird das Ziel, wie auch schon in der Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive formuliert, mehr
Männer für den Pflegeberuf gewinnen zu wollen, auf diese Weise konterkariert. Die feste Verankerung
im Berufsbildungssystem, mit der auch die reguläre Zahlung einer (tariflichen) Ausbildungsvergütung
verbunden wäre, würde diese Ungleichbehandlung aufheben und die Attraktivität des Berufsbildes –
auch für Männer – erhöhen. Hierdurch könnte ein wesentlicher Beitrag zur Steigerung der Gewinnung
von Auszubildenden und damit von Fachkräften für diese immer wichtiger werdenden Berufe geleistet
werden.
28
Vor diesem Hintergrund sind folgende Punkte zentral:
•
Der duale Charakter der Ausbildung muss beibehalten werden.
•
Die Finanzierung der Schulen muss im Haushalt der Länder fest verankert werden. Dies
ermöglicht den Schulen eine verlässliche Planungssicherheit und eine stabile Finanzierungsbasis.
•
In einem Mangelberuf wie der Pflege muss gewährleistet sein, dass kein Auszubildender
Schulgeld zahlt.
•
Geschlechtergerechtigkeit sollte durch Überführung in das reguläre System beruflicher Bildung
erreicht werden.
6
Zu 4. Organisation und Durchführung der
praktischen und theoretischen Ausbildung
29
Im Eckpunktepapier zur Reform der Pflegausbildung finden sich Ausführungen zur künftigen
Ausgestaltung der praktischen und theoretischen Ausbildung. Für Altenpflegeeinrichtungen, -Dienste
und Altenpflegeschulen ergeben sich hieraus eine Vielzahl von neuen Anforderungen und
Fragestellungen, die im Reformprozess dringend bedacht werden sollten.
30
Die Einrichtungen und Dienste im Feld der Altenhilfe engagieren sich in hohem Maße in der
praktischen Ausbildung von angehenden Altenpflegerinnen und Altenpflegern. Ein zentraler Grund
dafür ist eine potenzielle und frühzeitige Bindung künftigen Personals an die eigene Einrichtung. Hier
können das spätere Arbeitsfeld und die Arbeitsweisen in selbigen von Beginn an erlernt und der
Auszubildende in ein Team integriert werden. Im jetzigen System der Altenpflegeausbildung verbringt
der Auszubildende den Hauptteil seiner Praxiseinsätze in der Einrichtung, mit der er den praktischen
Ausbildungsvertrag abgeschlossen hat. In der Regel zahlt die Einrichtung auch die
Ausbildungsvergütung. Die Kosten für die Ausbildung werden auf die Bewohner der Einrichtung
umgelegt, da auch sie von dem Auszubildenden profitieren. Hierdurch nimmt die Einrichtung in Kauf,
dass die Heimentgelte höher ausfallen als in Einrichtungen, die nicht ausbilden.
31
Wenn, wie mit einer generalistischen Ausbildung verfolgt, künftig deutlich mehr Praxisorte
durchlaufen werden sollen, dann verkürzt sich der Anteil der Praxiszeiten in der Vertragseinrichtung.
Der Mehrwert, der bisher für die Einrichtung durch die Ausbildung bestand, wird hierdurch nivelliert.
Frühzeitige Personalbindung in Zeiten des Fachkraftmangels wird durch die verkürzten
Praxiseinsatzzeiten erheblich erschwert. Die Bereitschaft zur Ausbildung würde deutlich zurückgehen.
Zudem würde hierdurch die rechtliche Grundlage fehlen, die Kosten der Ausbildung weiter auf die
Bewohner einer Einrichtung umzulegen.
32
Der häufige Wechsel der Auszubildenden zwischen den Praxisorten und die Ausweitung von
Praxiseinsatzfeldern führt zum einen dazu, dass die Praxisanleiter in der vertragsbindenden
Einrichtung aber auch an den anderen Praxisorten einen deutlich höheren Einarbeitungs- und
Anleitungsaufwand haben werden. Zum anderen verringert sich für die Auszubildenden durch die
Kürze der Einsatzzeiten der zeitliche und qualitative Rahmen für das Kennenlernen des Arbeitsfeldes
und erst recht für das Erlernen von fachpraktischen Fähigkeiten. Darüber hinaus kann sich durch die
gewollte Vielschichtigkeit der Handlungsfelder (Praxiseinsatzorte) auf Seiten der Auszubildenden kein
wirkliches Berufsverständnis bzw. keine Berufsidentität entwickeln. Das Ziel einer dualen Ausbildung
ist es jedoch, eine Beruflichkeit auszubilden, die dem Schüler ermöglicht, nach Abschluss der
Qualifizierung in seinem Beruf arbeiten zu können. Dies dürfte unter den angedachten Bedingungen
schwer möglich sein.
33
Die Vielzahl sehr heterogener Arbeitsfelder, die Schüler im Rahmen der neuen Ausbildung
kennenlernen sollen, geht mit sehr unterschiedlichen Institutionslogiken, leistungsrechtlichen
Rahmenbedingungen, Organisationsstrukturen, pflegerischen Praktiken und Kompetenzen, Kulturen,
divergierenden Versorgungs- und Pflegeverständnissen bis hin zu einem andern Menschenbild einher.
Das, was in der Versorgung eines demenzerkrankten Menschen in einer Langzeitpflegeeinrichtung
richtig ist, kann bei der Akut-Versorgung eines Patienten im Krankenhaus völlig kontraindiziert sein.
Die Notwendigkeit, sich bei der Vielfältigkeit von Anforderungen je nach Einsatzfeld zu orientieren
und sich darin zurecht zu finden, dürfte die Komplexität der Ausbildung erhöhen und möglicherweise
zu einem Ausschluss von Personenkreisen führen, die heute die Ausbildung in einem der Pflegeberufe
erfolgreich absolvieren. In jedem Fall bedarf es in einer so konzipierten Ausbildung einer
engmaschigeren Begleitung der Auszubildenden und zwar vor, während und nach den Praxiseinsätzen.
Dieses Mehr an pädagogischer und fachpraktischer Unterstützung wiederum ist nur durch
weitergehende finanzielle und personelle Kapazitäten zu gewährleisten.
34
Damit die hier dargestellten Probleme im Rahmen einer Ausbildungsreform vermieden werden, sollten
folgende Punkte zwingend berücksichtigt werden:
•
Um die Ausbildungsbereitschaft der Einrichtungen und Dienste zu erhalten, sollte der größte
Anteil der Pflichteinsätze (mind. die Hälfte des gesamten Praxisstundenanteils) in der
vertragsgebenden Einrichtung erfolgen.
•
Die Anzahl der angedachten Einsatzorte sollte dringend reduziert werden.
•
Die vertragsgebende Einrichtung sollte die Möglichkeit haben, mit dem Auszubildenden
gemeinsam für beide Seiten sinnvolle und zielführende Praxisorte flexibel zu planen. Hierbei
sollten (spätere) Arbeitsfeldpräferenzen der Auszubildenden leitend sein.
•
Bei der Festlegung der Praxisorte, sollte die Vielfältigkeit der Altenpflegeeinrichtungen
Berücksichtigung finden.
•
Eine zu weite Ausdehnung des Praxisfeldes erschwert die Profilbildung des Berufsbildes Pflege
und somit auch die Abgrenzung zu andern Professionen, weshalb sie enger gefasst werden sollte.
•
Die theoretische und praktische Ausbildung sollte sich dringend an den Erfordernissen der
Pflegepraxis orientieren und ihre Inhalte und Strukturen hieran ausrichten.
•
Auszubildende sollten für die praktischen Handlungsfelder ausreichend vorbereitet sein, um
berufliche Überforderung zu vermeiden.
•
Einer engmaschigen Praxisanleitung durch die Einrichtungsträger und eine ebenso engmaschige
Praxisbegleitung durch die Ausbildungsstätte bedarf einer ausreichenden Personalausstattung und
damit auch einer auskömmlichen Finanzierung.
7
Zu 5. Verantwortlichkeiten bei der Organisation
und Durchführung der Ausbildung
35
Laut Eckpunktepapier der Bundesregierung soll die Gesamtverantwortung für die Pflegeausbildung
auch in einem generalisierten System bei den Ausbildungsstätten liegen. Mit der Beibehaltung dieser
Regelung würde man den heutigen Status Quo fortschreiben. Dafür spricht sicher, dass die Schulen
inzwischen eine langjährige Erfahrung im Tragen dieser Gesamtverantwortung haben. Zudem sind sie
weit unabhängiger als die Einrichtungen und Dienste, die in einem erheblichen und stetig steigenden
Wettbewerb – auch um Auszubildende – zueinander stehen. Sie haben die größere Distanz zum
Praxisfeld und können dieses hierdurch kritischer und unbefangener (mit den Auszubildenden)
reflektieren.
36
Kritisch anzumerken ist, dass die heutige Gesamtverantwortung der Schulen zwar formal erwartet
wird, aber rechtlich nicht unterfüttert ist. Die Gesamtverantwortung für die Ausbildung zu tragen
impliziert, in einem gewissen Rahmen die Steuerungsverantwortung in all ihren Möglichkeiten und
Pflichten auch über die schulische Ausbildung hinaus auszufüllen. Diese Gesamtverantwortung jedoch
können die Schulen derzeit nur in begrenztem Maße tragen. Sie sind nicht befugt, in den
Verantwortungsbereich der Träger der praktischen Ausbildung korrigierend und v. a. auf
entsprechender rechtlicher Grundlage einzugreifen. Will der Gesetzgeber hier eine tatsächliche
Gesamtverantwortung der Schulen etablieren, müsste er diese mit den dazu notwendigen Rechten und
Handlungsspielräumen ausstatten.
37
Da sich theoretische und praktische Ausbildung bedingen und wechselseitig beeinflussen, müssen
beide Anteile der Ausbildung auch aufeinander abgestimmt und miteinander harmonisiert werden.
Dies kann nur dann gelingen, wenn beide Ausbildungspartner gemeinsame Ziele verfolgen und in
diesem Sinne miteinander kooperieren. Die Kooperation zwischen beiden Ausbildungsträgern
funktioniert heute nicht immer optimal, was oft dazu führt, dass auf beiden Seiten Enttäuschungen
entstehen, die nicht selten Abgrenzungen zur Folge haben, die wiederum zum Nachteil für den
Auszubildenden werden können. Hier sollten im Rahmen einer künftigen Ausbildung Strategien und
Formen der Zusammenarbeit gefunden werden, von denen die Auszubildenden profitieren und mit
denen die Ausbildung verbessert werden kann.
38
Hierzu bedarf es
•
klarer rechtlicher Regelungen und Abgrenzungen zu den Ausbildungsverantwortlichkeiten,
•
im Falle der Gesamtverantwortung der Schulen, der Schaffung rechtlicher Grundlagen zur
Wahrnehmung der Verantwortung über die Schule hinaus,
•
ein Mehr an finanziellen und personellen Kapazitäten, wenn die Schule die Gesamtverantwortung
in diesem Sinne tragen soll,
•
die Entwicklung von Strategien und Modellen erfolgreicher Kooperation zwischen den Trägern
der praktischen und theoretischen Ausbildung.
8
Zu 6. Kooperation und Vernetzung
39
Unabhängig von einer Umstellung des Ausbildungssystems auf eine generalistische Ausbildung,
sollten die Vorteile von Ausbildungsverbünden und -Netzwerken vor Ort aktiv genutzt werden. Wie
der BAGFW-Zwischenbericht zur Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive gezeigt hat2, bieten
solche Kooperationsformen auch heute schon – wo sie existieren – Synergien und Ressourcen, die zur
Entlastung des einzelnen Schulträgers führen und sich gleichzeitig positiv auf das Verhältnis der
Akteure vor Ort auswirken können.
40
Es ist jedoch wenig zielführend, Kooperationen einzugehen und damit das eigene Selbstverständnis
und die eigenen Steuerungsmacht aufzugeben, solange unklar ist, was die Grundlage von
Kooperationen sein wird. Hierzu bräuchte es konkrete Reformschritte in Form eines vorgelegten und
2
Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege: Zwischenbericht der
Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege zur Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive. 2014.
Online: http://www.bagfw.de/uploads/tx_twpublication/Zwischenbericht_Endversion.pdf [abgerufen am
25.9.2014].
beschlossenen Gesetzes, das derzeit aber nicht existiert. Nur auf dieser konkreten Basis kann die
eigene Rolle im regionalen Ausbildungsgefüge neu bestimmt werden.
41
Will man erreichen, dass bei Einführung eines generalistischen Ausbildungsmodells möglichst wenig
Ausbildungswillige verloren gehen, dann müssen Gesetzgeber und Länder den existierenden
Altenpflegeschulen die Umstellung auf ein neues Ausbildungsmodell ermöglichen. Die bestehenden
Altenpflegefachseminare bzw. -Schulen haben bereits durch die Altenpflegeausbildungsreform im
Jahr 2004 Erfahrungen mit solchen Umstellungsprozessen gemacht, wenngleich der geplante
Systemwechsel deutlich weitreichender (auch für die Krankenpflegeschulen) sein dürfte als die
vorhergehende Reform bei Einführung des Bundesaltenpflegegesetzes.
42
Im Zusammenhang mit der Umstellung auf ein neues Ausbildungsmodell, verweisen viele
Ausbildungsstätten der Altenpflege darauf, dass sie schon heute über das fachliche Know-how
verfügen, um eine generalistische Ausbildung anbieten zu können.
43
Sollten nach Vorlage eines Gesetzentwurfes Kooperationsgespräche notwendig oder für sinnvoll
erachtet werden, sollten zuvor die eigene Rolle und die eigenen Kompetenzen als Kooperationspartner
reflektiert werden. Es wird dann darum gehen müssen, sich als attraktiver und möglichst
gleichberechtigter Kooperationspartner darzustellen. Die Möglichkeit und Ausgestaltung von
Kooperationen wird regional sehr unterschiedlich ausfallen und entzieht sich somit standardisierter
Lösungen.
44
Da die generalistische Ausbildung eine Basisqualifizierung darstellt, die durch Spezialisierung im
Anschluss ergänzt werden soll (siehe auch Koalitionsvertrag 2014) oder muss, und weil der Bedarf an
altenpflegespezifischen Kompetenzen in allen Versorgungsbereichen steigen wird, sollte an einer
spezialisierten Altenpflege (wie im Koalitionsvertrag fixiert) nach der Grundausbildung festgehalten
werden. Bestehende Altenpflegeschulen können in diesem Kontext zu einem wichtigen
Kooperationspartner im Bereich der Weiterqualifizierung aber auch im Bereich der Bildungsberatung
werden, da die Qualifizierung im Bereich der geriatrischen und gerontologischen Pflege ihre originäre
und über Jahrzehnte gewachsene Expertise darstellt.
45
Hinsichtlich der Kooperation und Vernetzung sind folgende Punkte bedeutsam:
•
Im Vordergrund von Kooperationen und Vernetzung bei Einführung einer generalistischen
Pflegeausbildung sollte die verbesserte Zusammenarbeit zwischen den regional ansässigen
Ausbildungs- und Einrichtungsträgern stehen.
•
Die unterschiedlichen (fachlichen) Kompetenzen und Erfahrungen der bestehenden Schulen in den
jeweiligen Ausbildungsfeldern sollten auch im Zuge einer Ausbildungsreform und den daran
anschließenden Weiterqualifizierungen erhalten bleiben und genutzt werden.
•
Neue Qualifizierungsangebote für die relevanten Praxisfelder sollten ausgelotet und als mögliche
neue Spezialisierung der bestehenden Schulen aufgebaut werden.
•
Alle Ausbildungsstätten müssen gleichwertig finanziert sein, damit keine
Wettbewerbsverzerrungen erzeugt werden.
•
Allen bestehenden Schulen ist der Umstieg auf ein generalistisches Ausbildungsmodell unter
Berücksichtigung von Übergangsfristen zu ermöglichen.
•
Für die Weiterqualifizierung für das Arbeitsfeld Altenpflege im Anschluss an eine generalistische
Grundausbildung bedarf es dringend jener Infrastruktur, die die Altenpflegeschulen darstellen.
9
Zu 7. Zugang zur und Durchlässigkeit in der
Pflegeausbildung
46
Mit Blick auf den Fachkraftmangel und den immer weiter wachsenden Bedarf an Fachkräften in der
Altenpflege darf kein potenziell geeigneter Auszubildender verloren gehen.
47
Die Besonderheit der Altenpflegeausbildung besteht von jeher in der vielschichtigen Heterogenität der
Auszubildenden. Das betrifft die kulturelle, religiöse und ethnische Herkunft der Auszubildenden, das
sehr unterschiedliche Herkunftsmilieu, die beruflichen Vorerfahrungen in den verschiedensten
Branchen und Berufen, das Altersspektrum, das von 17 Jahren bis über 50 Jahre variiert. Diese
Heterogenität und die besonderen Motivationslagen sind ein Markenzeichen der Altenpflege und auch
künftig ein besonderes Potenzial. Dieses Potenzial darf im Zuge der Einführung einer generalistischen
Ausbildung keinesfalls verlorengehen.
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Nicht nur die Durchlässigkeit von der Fachkraftausbildung zur akademischen Weiterqualifizierung
darf im Rahmen einer Ausbildungsreform in den Blick genommen werden. Das bereits erwähnte
Eckpunktepapier zur Reform der Pflegeausbildung hatte sich allein auf diese Durchlässigkeitsebene
beschränkt. Die Niedrigschwelligkeit der Zugangswege zur Pflegeausbildung sollte mindestens
dieselbe, wenn nicht sogar eine höhere Bedeutung erhalten. Durch die Vielzahl niedrigschwelliger
Qualifikationsangebote im Vorfeld der Fachkraftausbildung wird oft erst der Grundstein für
Weiterqualifizierung im Berufsfeld Pflege gelegt. Wichtig dabei ist, dass die unterschiedlichen
Qualifikationen immer anschlussfähig an die nächsthöhere Qualifikation sein sollten. Hierdurch soll
ein möglichst unbürokratischer Aufstieg im Berufsfeld ermöglicht werden. Zur Frage der
Durchlässigkeit zählt auch die Regelung der Helfer- und Assistenzpflegeausbildung. Diese bedürfen
mit Blick auf ihre Anerkennung und qualitative Weiterentwicklung dringend einer bundesweiten
Vereinheitlichung und damit auch einer bundeseinheitlichen Regelung zumindest von
Mindeststandards. Bleibt dieser Bereich weiter wie bisher auf Länderebene sehr heterogen geregelt,
werden viele Chancen hinsichtlich einer unbürokratischen Weiterentwicklung im Handlungsfeld
Pflege und damit mit Blick auf die Gewinnung von Fachkräften verspielt.
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Wir können uns den Verlust (potenzieller) Auszubildender für die Pflege nicht erlauben. Das aber
impliziert,
•
dass man breite und niedrigschwellige Zugangswege in den Pflegeberuf erhält/eröffnet;
•
dass Menschen sich unbürokratisch und unter Anrechnung bereits erworbener oder vorhandener
Kompetenzen und Erfahrungen im Bildungsbereich Pflege von der Helferausbildung (und auch
darunter) bis zum akademischen Grad weiter qualifizieren können. Hierfür sind bundeseinheitliche
Anerkennungsverfahren unter Einbezug der Ausbildungsstätten zu entwickeln;
•
die Anschlussfähigkeit der verschiedenen Ausbildungen und deren Inhalte auf allen
Qualifizierungsebenen zu gewährleisten;
•
die bundeseinheitliche Regelung der Helfer- und Assistenzausbildungen;
•
die Verortung der Helfer- und Assistenzausbildung auf Berufsfachschulniveau analog der
Verortung der Fachkraftausbildung;
•
Erhalt, Förderung und Nutzung der Diversität der Auszubildenden;
•
die Entwicklung zielgruppenspezifischer (kultursensibler) Bewerbung des Berufsbildes Pflege;
•
eine engmaschige pädagogische Begleitung vor und während der Ausbildung;
•
die Vorhaltung vorbereitender Lernmodule für die Qualifizierung für das Ausbildungs- und
Arbeitsfeld Pflege.
10 Zu 8. Personal
50
Bei einer Umstellung auf ein neues Ausbildungssystem werden sich erhebliche Herausforderungen
auch im Bereich Personal zeigen. Das betrifft
1. die Auszubildenden als potenzielle Fachkräfte für den Arbeitsmarkt Pflege,
2. das Personal in Einrichtungen und Diensten der Pflege bzw. angrenzenden Arbeitsfeldern,
3. das Personal in Ausbildungsstätten.
10.1 Die Auszubildenden:
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Auszubildende sind die künftigen Pflegekräfte. Von ihrer Ausbildung hängt entscheidend ab, ob sie
sich mit dem Beruf identifizieren können und ob sie ein Berufsethos entwickeln können (davon
wiederum hängt oft die Dauer des Berufsverbleibs ab). Das wird nur dann gelingen, wenn die eigene
Berufsvorstellung nicht zu weit von den Inhalten und der realen Praxis der Ausbildung abweicht. Viele
Auszubildende entscheiden sich ganz bewusst für die Pflege alter Menschen. Hier verbinden sich
Cure- und Care-Aufgaben in der Lebenswelt der Menschen, die sich von reinen Cure-Aufgaben in
einem akutklinischen Setting stark unterscheiden. Zu bedenken ist, dass eine Fokussierung der
generalistischen Ausbildung auf Cure-Aufgaben evtl. zu einem Verlust von potenziellen
Auszubildenden führt, die einen Pflegeberuf übernehmen wollen, in dessen Mittelpunkt Sorge(Care)Aufgaben stehen.
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Wie schon an anderer Stelle betont, kann eine Überfrachtung mit Inhalten und Praxiseinsätzen sehr
verschiedener Art in der Ausbildung schnell zur Überforderung für die Auszubildenden werden. Sie
kann in Folge der Kürze der Einsätze und der Zunahme der verschiedenen Praxisorte beim
Auszubildenden den Eindruck erzeugen, für kein Arbeitsfeld innerhalb der Pflege ausreichend
qualifiziert zu sein. Dieser Eindruck kann verstärkt werden, wenn Arbeitgeber bestimmte Fähigkeiten
nach der Ausbildung voraussetzen, die nicht erfüllt werden können, oder wenn Arbeitskollegen die
fehlenden Fähigkeiten kompensieren und hierdurch Mehrarbeit leisten müssen.
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Dem Auszubildenden wird künftig eine enorm hohe Fähigkeit abverlangt, sich auf die Erfordernisse
unterschiedlichster spezialisierter Versorgungsinstitutionen einzustellen.
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Diese Fähigkeiten werden voraussichtlich nicht alle Auszubildenden entwickeln können, die heute die
Ausbildung durchlaufen. Insofern muss damit gerechnet werden, dass künftig weniger Personen für
eine so komplexe Ausbildung zur Verfügung stehen werden bzw. diese erfolgreich abschließen. Eine
engmaschigere Begleitung der Auszubildenden, die eine generalistische Ausbildung erforderlich
machen würde, ist mit den gegenwärtigen Finanz- und Personalkapazitäten nicht leistbar.
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Im Kontext einer neuen Pflegeausbildung müssen daher folgende Aspekte besonders berücksichtigt
werden:
•
Herstellung von Rahmenbedingungen in der Ausbildung, die die Entwicklung von Beruflichkeit
ermöglichen und unterstützen.
•
Berufsvorstellungen der Auszubildenden im Vorfeld der Ausbildung auf reale
Verwirklichungsmöglichkeiten prüfen.
•
Ausreichend Zeit zum Erlernen praxisrelevanter Fähigkeiten und Fertigkeiten.
•
Ausreichend Zeit für fachliche Fokussierung nach eigenen Wünschen in der Ausbildung zulassen.
•
Verringerung der Zahl der Praxisorte und Praxiseinsätze.
•
Aufklärung bereits tätiger Pflegekräfte über Inhalte und Ausrichtung der generalistischen
Ausbildung und über Unterschiede zur bisherigen Ausbildung.
•
Entwicklung von unterstützenden Ausbildungsstrukturen.
10.2 Personal in Einrichtungen und Diensten:
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Der Anleitungs- und Einarbeitungsaufwand in den Einrichtungen und Diensten wird sich in einer
generalistischen Pflegeausbildung durch die wachsende Zahl von Auszubildenden und die höhere
Anzahl zu durchlaufender Einrichtungen deutlich erhöhen. Dazu müssen Praxisanleiter in
ausreichender Zahl in den Einrichtungen zur Verfügung stehen. Diese müssen für die
Anleitungsaufgaben entsprechend ausgebildet und für die Anleitung freigestellt werden. Die
Einrichtungen, die ausbilden, sind heute schon verpflichtet Praxisanleiter vorzuhalten. Die Mehrkosten
für die Praxisanleitung können sie aber häufig im Rahmen von Pflegesatzverhandlungen nicht geltend
machen. Hierfür braucht es eine stabile und verlässliche Finanzierungsbasis, die im Zuge einer Reform
gewährleistet sein muss, wenn die Ausbildungsqualität gesichert sein soll.
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Für die bereits heute ausgebildeten Praxisanleiter wird zukünftig ein Nachqualifizierungsbedarf
bestehen. Um die Schüler entsprechend der Anforderungen der neuen Lehrpläne ausbilden zu können,
benötigen sie zusätzliches und auch anderes Wissen und weitere Kompetenzen. Die
Nachqualifizierung der Praxisanleiter wird jedoch nicht ausreichen. Das gesamte Personal in den
Pflegeeinrichtungen muss über die veränderten Ausbildungsinhalte informiert werden, um klar
abschätzen zu können, was einem Schüler bzw. eine Pflegekraft nach Absolvierung einer
generalistischen Pflegeausbildung an Aufgaben übertragen werden kann und was nicht. Dies ist
unmittelbar von Bedeutung für die Versorgungsqualität und -sicherheit der Pflegebedürftigen und
PatientInnen.
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Der Wegfall der heutigen Spezialisierung, die bei einer generalistischen Ausbildung künftig erst im
Anschluss an die dreijährige Basisqualifizierung erfolgt, wird für die Einrichtungen und Dienste zu
erheblichen Nachqualifizierungskosten führen. Diese beziehen sich auf den Anleitungs- und
Einarbeitungsaufwand nach Erwerb der Basisqualifizierung. Damit die basisqualifizierte Pflegekraft
den Erfordernissen der spezialisierten Einrichtung nachkommen und damit die Qualitätsanforderungen
an die Versorgung erfüllen kann, muss die Einrichtung künftig weit mehr personelle und zeitliche
Kapazitäten zur Verfügung stellen, als dies bisher erforderlich ist. Der zu erwartende und steigende
Anleitungs- und Einarbeitungsaufwand muss im Zuge der Einführung einer generalistischen
Ausbildung dringend Berücksichtigung finden. Ansonsten können die Pflegeeinrichtungen die heute
hohen Qualitätsanforderungen künftig nicht mehr bewältigen.
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Zu regeln ist, wer künftig die Kosten für die Spezialisierung im Anschluss an die Basisqualifizierung
tragen soll. Hier sollten Anreizmodelle entwickelt werden, um sicher zu stellen, dass auch in Zukunft
ausreichend spezialisierte Fachkräfte in den Einrichtungen der Altenpflege tätig sind. Sollte der
Auszubildende selber für die Kosten aufkommen, sind dringend bestehende Fördermöglichkeiten
bekannt zu machen, zu nutzen und auszuweiten und/ oder neue Finanzierungsquellen hierfür zu
erschließen. Auch im Falle der Finanzierung durch die Arbeitgeber müssen Wege der
Finanzierungsförderung gefunden werden. Die bereits erheblichen Mehrkosten durch ein wachsendes
Maß an Anleitung, durch die Übernahme von Kosten für die Freistellung zur Weiterbildung und durch
eine mögliche Finanzierungsbeteiligung bzw. Übernahme an der Spezialisierungsausbildung werden
evtl. durch höhere Gehaltsforderungen nach Abschluss der spezialisierten Ausbildung zusätzliche in
die Höhe getrieben.
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Es ist also absehbar, dass die finanziellen Folgen der Einführung einer Basisqualifizierung in
erheblichem Maße von den Praxiseinrichtungen getragen werden müssen. Hierfür sollte der
Gesetzgeber dringend Unterstützungsmodelle für die Finanzierung entwickeln.
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Der Anleitungsaufwand wird sich aber auch deshalb für die Einrichtungen und Dienste erhöhen, da die
Anzahl der Schüler durch kürzere Praxiseinsatzzeiten und eine höhere Anzahl von Auszubildenden
zunimmt. Da den Einrichtungen und Diensten die Verantwortung für die praktische Ausbildung und
damit auch für die Praxiseinsätze in andern Institutionen obliegt, werden sich der
Koordinierungsaufwand und der Aufwand für Rückkehr- und Auswertungsgespräche erhöhen.
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Damit auch künftig ausreichend spezialisierte Fachkräfte der Praxis zur Verfügung stehen, sind
folgende Ziele anzustreben:
•
Die Nach- und Weiterqualifizierung (hinsichtlich neuer Anforderungen an die Ausbildung) der
Praxisanleiter sollte modularisiert erfolgen.
•
Die Nachqualifizierung bedarf einer gesicherten Finanzierungsbasis.
•
Die Anzahl der Praxisanleiter in den Einrichtungen und Diensten ist zu erhöhen. Deren
Freistellung und Qualifizierung für die Praxisanleitung muss im Rahmen der
Pflegesatzverhandlungen refinanzierbar sein.
•
Die erheblichen Mehrkosten für Einrichtungen und Dienste durch den erhöhten Anleitungs- und
Einarbeitungsaufwand während der Ausbildung wie auch nach deren Abschluss, durch Kosten für
spezialisierte Nachqualifizierung und durch höhere Gehaltforderungen sollte im Rahmen von
Pflegesatzverhandlungen geltend gemacht werden können.
•
Es sind Anreize zur spezialisierten Ausbildung durch die Bekanntmachung, die Intensivierung und
Ausweitung von Fördermöglichkeiten für Auszubildende zu schaffen.
•
Für die Einrichtungen und Dienste ist ein angemessener Personalschlüssel bzgl. des Verhältnisses
Praxisanleiter/Anzahl der Schüler einzuführen.
•
Bereits in der Pflege Tätige müssen über die veränderten Inhalte und Qualifikationsprofile
generalistisch ausgebildeter Pflegekräfte informiert werden.
10.3 Personal in Ausbildungsstätten:
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Auch für die Schulen, die die Verantwortung für die theoretische Ausbildung inne haben und laut
Eckpunktepapier auch weiterhin die Gesamtverantwortung im Rahmen einer generalistischen
Ausbildung übernehmen sollen, wird sich der organisatorische und personelle Aufwand durch die neue
Ausbildung deutlich erhöhen. Der künftige Mehraufwand ist mit den heutigen finanziellen und
personellen Kapazitäten der Ausbildungsstätten nicht mehr leistbar (siehe BAGFW-Zwischenbericht
zur Ausbildung- und Qualifizierungsoffensive).
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Besonders im Verlauf des Übergangs in ein anderes Ausbildungssystem sind die Schulen mit der
Nach- und Weiterqualifizierung ihres Lehrpersonals, mit der Einarbeitung in neue Curricula und
Lehrpläne und mit organisatorischen Prozessen der Umgestaltung befasst. Evtl. müssen
Kooperationsbeziehungen neu geknüpft und neue Arbeitsweisen entwickelt werden. Wenn es gewollt
ist, dass Schulen auch künftig die Gesamtverantwortung für die Ausbildung tragen, dann müssen sie
personell und finanziell so ausgestattet sein, dass sie diesem Auftrag gerecht werden können. Dafür
werden folgende Aspekte im Übergang in ein neues System und darüber hinaus von besonderer
Bedeutung sein:
•
Das Qualifikationsniveau des Lehrpersonals sollte vergleichbar mit dem von Lehrern an
berufsbildenden Schulen sein (vergleichbar mit dem Qualifikationsniveau von Lehrern
Sekundarstufe II).
•
In Anbetracht des wachsenden Koordinierungsaufwandes durch die steigende Zahl von
Praxiseinrichtungen sind zusätzliche Koordinierungsstellen in den Schulen zu schaffen (z. B.
Praxiskoordinatoren).
•
Die steigenden Qualifikationsanforderungen an das Lehrpersonal müssen sich auch in der
entsprechenden Entlohnung abbilden.
•
Die Nachqualifizierung des Lehrpersonals sollte unbürokratisch und modularisiert erfolgen.
•
Um kein vorhandenes Lehrerpotenzial zu verlieren, müssen zwingend Übergangs- und
Bestandsschutzregelungen für nicht formal ausreichend qualifizierte (nach neuer Definition), aber
langjährig erfahrene Dozenten eingeführt werden.
•
Studiengänge, die entsprechendes Lehrpersonal ausbilden, müssen gefördert werden.
•
Strategien gegen den Lehrermangel müssen entwickelt werden.
11 Fazit
65
Auf den zurückliegenden Seiten wurden Gefahren, Überlegungen, Lösungsansätze und Forderungen
im Kontext der Einführung eines Pflege-Berufegesetzes mit einer generalistischen Ausrichtung
formuliert. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass die theoretische Diskussion um die Reform der
Pflegeausbildung mit praktischen Aspekten angereichert wird. Der Einbezug der hier ausgeführten
Überlegungen im Vorfeld eines Gesetzgebungsprozesses kann dazu beitragen, negative Auswirkungen
einer Reform zu verhindern und all jene am Reformprozess zu beteiligen, die für die spätere
Umsetzung zuständig sind.
Literatur
LITERATURVERZEICHNIS ANFANG
BIBB: Zahl der Auszubildenden in der Altenpflege steigt kräftig. Neue BIBB-Veröffentlichung:
„Gesundheitsfachberufe im Überblick“. Pressemitteilung 31/2014 vom 17.7.2014. Online:
http://www.bibb.de/de/pressemitteilung_14432.php [abgerufen am 25.9.2014].
Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege: Zwischenbericht der
Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege zur Ausbildungs- und
Qualifizierungsoffensive. 2014. Online:
http://www.bagfw.de/uploads/tx_twpublication/Zwischenbericht_Endversion.pdf [abgerufen am
25.9.2014].
LITERATURVERZEICHNIS ENDE
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Seele and Geist
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