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"Was Konfuzius nicht sagte", LVZ, 27.03.2010 - Konfuzius-Institut

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Sonnabend / Sonntag, 27./28. März 2010 · Seite 11
KULTUR
Premiere
„Die Nacht, die Lichter“ am
Leipziger Centraltheater Seite 12
TAGESTIPPS
* 3,9 ct/Min. aus dem dt. Festnetz; Mobilfunkhöchstpreis 42 ct/Min.
Eine Abendmusik zur Karwoche mit Bach-Kantaten von Johann Sebastian Bach gestalten
Studierende der Hochschule für Musik und
Theater heute, 20 Uhr, in der Peterskirche.
Begleitet werden die Gesangsstudenten von
den Vokalisten und Instrumentalisten der
Capella Polyhymnia Lipsiensis. Karten (10/6
Euro) gibt es an der Abendkasse.
*
Nach der Aufführung bei der Open-Air-Gala
im Rosental im Juni 2009 übernimmt die
Oper Leipzig Carl Orffs Carmina Burana als
konzertante Vorstellung ins Opernhaus – am
morgigen Sonntag, 18 Uhr. Karten unter Telefon 0341 1261261.
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Inter
Seit knapp zwei Jahren gibt es in Leipzig das Konfuzius-Institut, das ein Bild fern der Schlagzeilen und Vorurteile vermitteln will
China hat sich zur weltweiten Wirtschaftsmacht entwickelt. Kein anderes
Land verkauft seine Waren so erfolgreich in andere Länder: Mit Exporten
von 840 Milliarden Euro haben die
Chinesen 2009 die Deutschen vom ersten Platz verdrängt. In einer Serie berichten wir über die Ursachen dieses
Erfolgs und gehen auf die Folgen für
Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport
ein.
Foto: Wolfgang Zeyen
Sie haben es fast alle schon einmal
gewagt. Und sie haben es gern getan.
Und sie haben es oft bereut. Der Franz
Müntefering gehört dazu, Lance Armstrong auch, sogar Christoph Daum und
Muhammad Ali sowieso. Sie alle hatten
ihr Comeback. Eine Rückkehr, eine, ja,
nennen wir es ruhig Auferstehung. Im
vergangenen Jahr kamen Whitney Houston, Robbie Williams und die 80er zurück. Nicht alles wäre nötig gewesen.
Viel größer als die Größen, die kein
Ende finden, sind doch jene, die zu ihrem Wort stehen, auf deren Abschiedstourneen keine letzten und auch keine
allerletzten Abschiedstourneen folgen.
Abba zum Beispiel. Die haben das ausgehalten, haben alle „Mamma Mia!“Revivals dieser Welt die „Mamma
Mia!“-Revivals dieser Welt sein lassen.
27 Jahre lang.
Und nun das: Von der Times nach
einer möglichen Wiedervereinigung befragt, sagt Abba-Viertel Benny Andersson „Ja, warum denn nicht? Das ist
keine schlechte Idee.“ Was meint ein
63-Jähriger mit einem „Warum nicht?“
Ist es ein Schulterzucken, ein Gähnen?
Oder war da ein Glitzern in seinen Augen?
Karl Marx wusste von der Idee, die
zur materiellen Gewalt wird, wenn sie
die Massen ergreift. Was wusste er von
der Gewalt, mit der Ideen materiell ergreifen? Anderson meint nur einen einzigen Auftritt vor geladenen Gästen und
Familienmitgliedern. Ja klar, und die
Übertragungsrechte in alle Welt bringt
der Osterhase.
jaf
Von JÜRGEN KLEINDIENST
Mobile Küche im Modell von Jo Zarth.
China, der Drache auf dem Sprung,
die Weltfabrik, das wohlorganisierte
und aggressive Riesenreich, das die
Arithmetik der Macht auf dem Planeten
durcheinanderbringt: Der kulturelle
Außenposten der neuen Weltmacht in
Sprache und Kultur
Das erste Konfuzius-Institut wurde 2004
in Seoul gegründet. Im Mai 2009 gab
es bereits 328 Institute in 82 Ländern.
In Deutschland existieren derzeit zehn.
Die im April 2008 gegründete Leipziger
Einrichtung ist die bisher einzige in den
neuen Bundesländern. Die KonfuziusInstitute organisieren Sprachkurse für
Anfänger, Fortgeschrittene, Kinder und
Senioren. Hinzu kommen Seminare und
Vorträge zur chinesischen Kultur. Sie entstehen in der Regel als Kooperation mit
Institutionen der Gastländer, wie Hochschulen oder Verbänden. Das Leipziger
Institut ist ein eingetragener Verein. r..
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der Leipziger Otto-Schill-Straße 1 will
aber auch so gar nicht passen zum beinahe täglich aktualisierten Kanon der
Vorurteile. „Bitte Klingeln“ heißt es beinahe schüchtern am Hauseingang. Über
der Tür zum Konfuzius-Institut, eine
großzügige Wohnung im zweiten Stock,
hängen rote Lampions, drinnen wird gearbeitet, unterrichtet – und eine kleine,
aber feine Ausstellung gezeigt, die Eindrücke eines von hier aus anarchisch
anmutenden Alltagslebens reproduziert.
Anhand von Fotos hat der Designer und
Fotograf Jo Zarth mobile Garküchen en
miniature rekonstruiert und diese Modelle dann erneut fotografiert. Ein Spiel
mit Original und Kopie – und ein Blick in
einen prekären, aber auch ökonomisch
freien Raum, der ebenfalls nicht passen
will zum gängigen China-Bild, in dem
doch das Prinzip Ordnung vorherrscht.
Am 8. April 2008 wurde das Konfuzius-Institut in Leipzig eröffnet. Aufgabe sei zu allererst die Vermittlung von
Sprache und Kultur. „Wir machen keine
politische Propaganda, die Leute sollen
sich selbst ein Bild machen können“,
sagt Direktorin Lai Zhijin, seit nun fast
zwei Jahren in Leipzig. Und das Entscheidende dafür sei nun mal die Spra-
Die Direktoren des Konfuzius-Instituts Leipzig: Philip Clart und Lai Zhijin.
che, mit der immer eine eigene Weltsicht
verbunden sei, ergänzt Philip Clart, Professor für Sinologie am ostasiatischen
Institut der Uni Leipzig – und ehrenamtlicher Direktor des Konfuzius-Instituts.
„Das China-Bild ist unausgewogen, es
schwankt zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Es fehlt Kontinuität. Wir wollen hier versuchen, über
die Höhen und Tiefen hinweg und weiter zu kommen, aus der eigenen Sicht
herauszutreten.“ Brücken sollen gebaut
werden, zum gegenseitigen Nutzen.
„Deutschland hat in China einen guten
Ruf. Wir können voneinander lernen“,
meint Lai Zhijin.
Und dabei, so Clart, gehe es gewissermaßen um die Grammatik der Wahrneh-
Unter dem Titel „Weniger Zeit als Raum“
ist in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires eine Ausstellung des GoetheInstituts zu 200 Jahren Unabhängigkeit
lateinamerikanischer Staaten eröffnet
worden.
Mit dem Film „Robin Hood“ des britischen Regisseurs Ridley Scott werden am
12. Mai die Filmfestspiele von Cannes beginnen. Der Streifen läuft außerhalb des
Wettbewerbs.
Die Schauspielerin Hanna Schygulla (66)
ist in Prag mit dem Kristian-Preis für ihr
Lebenswerk geehrt worden. International
bekannt wurde Schygulla in den 70er Jahren durch ihre Filmauftritte unter der Regie
von Rainer Werner Fassbinder.
Der Otto-Dix-Preis, dotiert mit 20 000
Euro, geht an den Maler und Zeichner
Matthias Bitzer. Der 1975 in Stuttgart
geborene Künstler sei gestern von einer
sechsköpfigen Jury gekürt worden, teilte
eine Sprecherin der Stadt Gera mit. Sein
Werk führe abstrakte und figurative Darstellungen zusammen.
Der Schriftsteller Tankred Dorst wird für
sein dramatisches Werk mit dem SchillerGedächtnispreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Er ist mit 25 000
Euro dotiert. Die Förderpreise (je 7500
Euro) gehen an die jungen Dramatiker
Anne Rabe und Nis-Momme Stockmann.
mung der Kultur eines Landes, das eben
nicht von Ryan-Air angeflogen wird.
Eine erste Ahnung davon, wie Denken,
Sprechen und Handeln zusammenhängen könnten, liefert zum Beispiel der
Schnupperkurs. Da erfährt man etwa,
dass das Schriftzeichen für Familie „ein
Schwein unterm Dach haben“ bedeutet
oder Eifersucht „Essig essen“. Sprachkurse richten sich an Schüler, Studenten, Senioren. Auch Firmen und Institutionen greift man unter die Arme. „Wir
vermitteln allerdings keine Aufträge an
Unternehmen“, so Clart. Weitere Angebote betreffen chinesische Kochkunst,
Heilkunde, Kalligraphie oder Malerei.
Bisher gab es sechs Ausstellungen. Für
ein Musikaustausch-Programm liege ein
Foto: Wolfgang Zeyen
Antrag bei der Bundeskulturstiftung in
Halle vor, erzählt Lai Zhijin. An Sprachkursen hätten im vergangenen Jahr 156
Personen teilgenommen, Kulturkurse
besuchten 126.
Eins muss Clart allerdings klarstellen:
„Die Konfuzius-Institute vermitteln die
Lehren des Konfuzius so wie die GoetheInstitute die Goethes, nämlich eher am
Rande.“ Vom Anspruch her seien beide
Institutionen durchaus zu vergleichen.
Doch während sich Deutschland seit fast
60 Jahren im Ausland präsentiert, öffnete sich China erst vor 30 Jahren. Und
die Konfuzius-Institute, Ausdruck dieses
Prozesses, existieren erst seit 2004.
Unterschiede gibt es auch bei der
Organisations-Struktur. Während die
deutschen Kultur-Vermittler allein dem
Auswärtigen Amt unterstellt seien, werden für die Konfuzius-Institute Kooperationen eingegangen, erklärt Clart.
Das Leipziger Institut sei ein eingetragener Verein, in dem das Chinesische
Bildungsministerium, die Renmin Universität in Peking und die Leipziger Universität kooperieren. „Natürlich geht es
auch um gegenseitige Rücksichtnahme,
aber dieser Pluralismus hat Vorteile, die
Programme entwickeln wir hier selbst.
Es gibt keine Vorgaben, an die wir uns
halten müssen“, betont Philip Clart. So
fand unlängst eine Podiumsdiskussion
über Zensur in China statt. „Und wenn
ich an der Uni den Dalai Lama einlade,
fliege ich hier nicht raus.“
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Fragen der Schönheit im Hygiene-Museum
Der Frage „Was ist schön?“ geht eine
neue Ausstellung im Dresdner Hygiene-Museum nach. Ab heute präsentiert
die Schau eine kritische Bestandsaufnahme des heutigen Schönheitsdiskurses. Auf 800 Quadratmetern werden 270 Exponate, darunter Fotos,
Videos, Musik und Filmbeispiele ge-
zeigt. Zahlreiche Arbeiten zeitgenössischer Künstler wie Herlinde Koelbl,
Matthew Barney oder Cindy Sherman
bereichern die Ausstellung mit ihren
Perspektiven und Positionen. Dabei
geht es sowohl um die Schönheit in
der Kunst wie über die in Medien vermittelten Bilder.
ddp
Ruht wohl
Chailly dirigiert Bachs Johannes-Passion im Großen Concert
KULTUR KOMPAKT
Désirée Nosbusch über den
Dreh mit ihrem Freund Seite 15
Was Konfuzius nicht sagte
AUSGEPRESST
Mammon Mia!
Interview
Vor 325 Jahren wurde Johann Sebastian
Bach geboren, 39 Jahre darauf führte er
seine Johannes-Passion BWV 245 in der
Leipziger Nikolaikirche zum ersten Mal
auf. Inzwischen liegen vier Versionen vor
– im Großen Concert am Donnerstag und
gestern gab das Gewandhausorchester
unter Kapellmeister Riccardo Chailly die
Fassung, die als diese erste gilt.
„Ruht wohl“ ist der Anfang des vorletzten Stücks der Johannes-Passion nach Johann Sebastian Bach. Danach kommt der
Choral „Ach Herr, lass dein lieb Engelein“,
und dann ist Schluss. Dann ist es vorbei.
Weil dieses BWV 245 für einen Karfreitag
geschrieben worden ist und Karfreitag
1724 uraufgeführt, ist Jesus nicht auferstanden und auch nicht aufgefahren.
Jesus ist tot.
Donnerstagabend kann man ein Martinshorn hören in diesem Moment, ganz
leise und nicht lang. Danach hört man:
Beifall. Keinen lauten und keinen langen.
Einen intensiven eher. Einen, der passt zu
diesem Abend. Riccardo Chailly – scheint
es – hat sein Ziel erreicht. Seine Passion
ist keine laute und – im Vergleich zu der
nach Matthäus – auch bestimmt keine
lange. 120 Minuten dauern beide Teile zusammen, eine Pause hätte man vielleicht
nicht einmal gebraucht. Weil Chaillys Passion eine ist, die dieses Ziel – „Ruht wohl“
– im Blick hat. Und die ihren Weg dorthin
genauso dazu macht: zu einem Ziel.
In dieser ersten Werkfassung von mindestens vieren nimmt alles seinen Anfang
im Choral „Herr, unser Herrscher“. Bei
Chailly ist das ein deutlicher Anfang; Mezzoforte – mindestens. Das Gewandhausorchester spinnt von da seine Fäden und
spannt sie zu einem Geflecht aus Klängen,
Tönen, das erschreckend präzis ist und
trotzdem flexibel. Der Gewandhauskapellmeister will heftigste Akzentuierung von
den Bratschen und Geigen, die schillern:
hell, aber nicht freundlich.
Der Dresdner Kammerchor spinnt seine
Verse dahinein und spannt sie zu einem
Geflecht von Worten und Phrasen, das
fest ist, und trotzdem beweglich. Chailly
will von ihnen einen Herrscher, der herr-
lich ist – und einen, den man verherrlicht
hat: Jesus, den Gottessohn, und Jesus,
den Menschen.
Dazwischen ist Bach, sind Bachs Töne,
ist Johannes’ Text: voll von Affekten und
Vollendungen der Form. „Sehet, welch’
ein Mensch!“ ist Bassist Jochen Kupfer als
Pilatus entzückt – „Kreuzige, kreuzige!“
zetert sofort der Mob im Chor. Der ihn
scheinheilig grüßt, seinen „lieben Jüdenkönig“, mit Traversflöten und Oboen –
und gehässigst genau das als Kreuzesinschrift fordert, von Pilatus. Ihre perverse
Erregung, wenn es darum geht, ob Jesus’
Rock wohl genauso zerfetzt werden solle
wie eben sein Kleid, oder ob man ihn lieber gleich im Ganzen verlost. Die gottlose
Menschlichkeit trifft den menschlichen
Gott – in Musik, bei Johannes, bei Bach.
Chailly legt darauf ein Crescendo und
Jesus (Bassist Konrad Jarnot) trinkt Essig
und spricht: „Es ist vollbracht.“
War es vorher ruhig, ist es jetzt still. Maria Riccarda Wesseling singt eine dunkle
30. Arie – das Stück, in dem sich alles zusammenzieht. Riccardo Chailly legt den
Stab vor sich aufs Pult und nimmt nur seine Hände. Um diesen Satz zum Zentrum
zu machen von zwei Stunden und zu ihrer
Essenz. Es ist vollbracht. Aber es ist noch
nicht vorbei. Wer eben hinhört, als es so
still ist, hört ein Herz schlagen – es sei das
eigene.
Diese Passion ist keine laute. Zwar
knallen auch ihre Schläge, peitscht der
Chor dem ausverkauften Gewandhaus
sein „Wäre er nicht der Übeltäter“ ins
Gesicht. Katerina Beranovas entsetzlich
klare Sopran-Arie „Zerfließe, mein Herz“
behält man genauso, wie die Farben in
Jörg Dürmüllers Rezitativen. Man vergisst, dass sein Evangelist auch musikalische Menschlichkeiten kennt, weil man
merkt, wie gelassen seine Souveränität ist
– und die aller anderen. „Ruht wohl“ – das
ist, was bleibt.
Charlotte Schrimpff
GRiccardos Chaillys Einspielung von Bachs Mat-
thäus-Passion aus der vergangenen Saison
mit dem Gewandhausorchester, dem Thomanerchor und dem Tölzer Knabenchor liegt inzwischen als Doppel-CD bei Decca vor.
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