close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Die Idee: Was man kennt, das schützt man auch - Umwelt baut

EinbettenHerunterladen
Zweibrücker Rundschau
Die Rheinpfalz – Nr. 267
Freitag, 17. November 2006
08_LZWE
Das Projekt
Die Idee: Was man kennt, das schützt man auch
Der Bürgerverein Ametyst – Ein Versuch, Bewusstsein für Umwelt- und Naturschutz in Tschechien neu zu wecken
Schüleraustausch vermittelt
Ost-West-Kontakte hautnah
Diese Sonderseite ist im Rahmen des
Projekts „Umwelt baut Brücken – Jugendliche im europäischen Dialog“
entstanden. Insgesamt 68 Schulen in
Deutschland, Polen, Tschechien, der
Slowakei, Ungarn und Slowenien mit
über 5000 Schülern nehmen teil. Jeweils eine deutsche Schule und eine
osteuropäische Schule gehen eine
Partnerschaft ein. Doch das Projekt
geht noch einen Schritt weiter. Denn
die Jugendlichen besuchen sich nicht
nur gegenseitig – sie sind auch als
Journalisten tätig, genauer gesagt als
Umweltjournalisten.
Im Mittelpunkt der gegenseitigen
Besuche stehen gemeinsame Recherchen über innovative Umweltprojekte, einmal zu einem Projekt im eigenen Land und einmal im Heimatland
der Partnerschule. Aus den Ergebnissen gestalten die Schulklassen anschließend Zeitungsartikel in ihrer
Muttersprache. Durch ihre Recherchen vor Ort lernen die Schüler praktischen Umweltschutz hautnah kennen. Für die Jugendlichen vermittelt
das einen in dieser Form einzigartigen Einblick in ein europäisches
Nachbarland.
þ Wie in allen ehemaligen Ostblockländern, so ist auch im postkommunistischen Tschechien das Umweltbewusstsein noch relativ gering ausgeprägt. Neben der Ökonomie fristet
die Ökologie in der öffentlichen Meinungsbildung stets nur ein Mauerblümchen-Dasein.
Anders im böhmischen Pilsen, der
viertgrößten Stadt Tschechiens. Hier
existiert „Ametyst e. V“, ein Bürgerverein, der sowohl im Umweltschutz als
auch in der Umweltpädagogik arbeitet
und sich schon jetzt ein großes Ansehen erworben hat. Er wurde im Jahr
1999 von zwei engagierten Umweltschützern gegründet und bietet seitdem im Bereich der Fort- und Weiterbildung Seminare und Konferenzen
mit ökologischem Hintergrund an.
Der Verein setzt sich heute aus 14
Mitgliedern zusammen, die nicht nur
in Pilsen, sondern auch südlich von
Pilsen, in Prusiny, dem neuen Hauptstandort der Organisation, agieren
und hier sogar eine Umweltstation verwalten.
Umweltthemen recherchieren
und die Zeitung mitgestalten
Umweltbewusstsein soll
im Kindesalter beginnen
Darüber hinaus haben die Schüler die
Möglichkeit, sich intensiv mit dem
Medium Zeitung auseinander zu setzen und einmal selbst an ihrer Gestaltung mitzuwirken. 16 Schülerinnen
und Schüler des Helmholtz-Gymnasiums in Zweibrücken recherchierten
unter Leitung von Oberstudienrat
Gerhard J. Neis zusammen mit ihren
Partnern vom Masarykovo Gymnázium aus Pilsen in Tschechien im konkreten Fall über die Arbeit des Bürgervereins „Ametyst“ in Pilsen.
Beim Gegenbesuch im Frühjahr
werden sich beide Gruppen mit der
Themenstellung: „Öffentlichkeitsarbeit für regionale Wertschöpfungsketten im Schreinerhandwerk“ beschäftigen.
Als Hauptaufgabe hat sich Ametyst
die Vermittlung von Grundwissen in
Ökologie und Umweltschutz in der Bevölkerung gestellt. Das Ziel der Arbeit
ist erst einmal die Schaffung und
dann die langfristige Hebung des Umweltbewusstseins der Bevölkerung.
Nachhaltige Umweltbildung soll be-
„Brücken bauen“ findet
prominente Unterstützer
„Umwelt baut Brücken“ ist ein Förderprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Kooperation
mit dem Institut zur Objektivierung
von Lern- und Prüfungsverfahren
(IZOP), dem Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) sowie 20 renommierten Tageszeitungen aus den
sechs Projektländern, darunter auch
die RHEINPFALZ und die Pravo.
Das Projekt ist auf die Dauer von drei
Jahren angelegt.
Der Brückenschlag zwischen
Deutschland und den neuen EU-Beitrittsländern aus Osteuropa findet
prominente Unterstützer: Bundespräsident Horst Köhler, der slowenische
Staatspräsident Janez Drnovsek, Ungarns Staatspräsident László Sólyom
und der Präsident der Republik Polen a. D., Aleksander Kwasniewski,
sowie der Staatspräsident der Slowakischen Republik Ivan Gasparovic haben die Schirmherrschaft übernommen.
Gerhard J. Neis
Für interessierte Schulen stellen sie
eine Reihe von Schautafeln zur Verfügung, die weitergehend über Umweltthemen informieren. Sowohl der Unterricht in der Natur, als auch die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden, zum Beispiel den Pfadfindern, ist
„Ametyst“ ein großes Anliegen. Bereits seit sieben Jahren wirkt der Bürgerverein aktiv beim Umweltschutz
mit, indem er Daten über Biotope erfasst und kartiert. Das Erstellen von
ökologischen Verträglichkeitsgutachten für staatliche und private Stellen
fällt neuerdings ebenfalls in sein Aufgabengebiet.
Von Tim Ignasiak,
Melina Sachtleben,
Lara Seegmueller, Sarah Bernhardt,
Kathrin Hahnebach
und Lisa Schallert
Mit multimedialem Material
auf dem Weltgipfel erwähnt
Die Natur kennenlernen, Zusammenhänge in der Umwelt verstehen, die Bedeutung gesunder Wälder für die eigene
Lebensqualität begreifen – das alles will der tschechische Bürgerverein „Ametyst“ vermitteln.
—FOTO: PRIVAT
reits im Kindesalter ansetzen, frei
nach dem Motto „Was man kennt, das
schützt man auch“.
Unter dem Begriff „Umweltbildung“
wird jedoch mehr als nur die reine Wissensvermittlung gesehen. Großer Wert
wird ebenso darauf gelegt, dass neben
der reinen Vermittlung von Fachwissen auch Tipps und Anregungen für
die Umsetzung in der Praxis gegeben
werden. Mit Angeboten in Kindergärten und Schulen werden junge Menschen dazu ermuntert, aktiv an der Gestaltung einer lebenswerten Umwelt
und Zukunft mitzumachen, beziehungsweise erst einmal Wissenswertes
über ihr Umfeld zu erfahren.
In den Seminaren zu Umweltthemen für Pädagogen und Umwelt-Interessierte soll diese Botschaft weiterge-
geben und von diesen multipliziert werden. Zielgruppen sind Lehrerinnen
und Lehrer und deren Schüler, denen
sie die Natur durch spielerisches Lernen näher bringen. Sie wenden verschiedene Lehrmethoden an, zum Beispiel Informationskarten, Hör- und Interaktionsspiele, Puzzles und vieles andere, um das Interesse der Kinder zu
wecken.
stichwort
die Reportage
Kleine Sherlocks im Wald auf Entdecker-Mission
Kinder sollen sich spielerisch der Umwelt nähern – Den Tastsinn schärfen und Bäume wiederfinden
Von Irina Kasanski, Heike Klein
und Inna Lang
þ „Der Baum beißt nicht!“, mit diesem Appell versuchen die Mitarbeiter des Umweltbildungszentrums
„Ametyst“ jungen Generationen die
Natur nahe zu bringen. „Ametyst“
ist eine Umweltschutzorganisation
in Tschechien. Ihr Ziel ist es, durch
Seminare und Lehrmaterialien Lehrer auszubilden, und die Schüler für
die Natur zu sensibilisieren.
Durch verschiedene Aktivitäten lernen die Kinder auf eine besondere
Art und Weise ihre Umwelt kennen.
Mit verbundenen Augen und völlig orientierungslos erleben die Schüler im Alter von 6 bis 12 Jahren dieses Abenteuer der Sinne im Naturschutzgebiet Doubí in Pilsen.
Fingerspitze an Fingerspitze wird
der „Blinde“ vom Sehenden durch
das raschelnde Laub, über Wurzeln
an einen Baum geführt. „Häääh!?
Was ist das denn?“, fragen sich die
Sprösslinge, „der ist ja so rau!“
Wieder sehend im Wald stehend
Lara Seegmüller
Das neueste Produkt von „Ametytst“
ist das „Green Pack“ – das „Grüne Paket“, ein multimediales Lehrmaterial,
das helfen soll, den Unterricht themengerechter zu gestalten. „Green Pack“
ist das Ergebnis der Zusammenarbeit
von Umweltorganisationen aus ganz
Europa. Es zeigt sich, dass aber nicht
nur Lehrer, sondern auch Konzerne
und Regierungen von dem Material regen Gebrauch machen. Dieser Erfolg
führte dazu, dass die Organisation vor
kurzem auf dem Weltgipfel in Johannisburg lobend erwähnt wurde.
Den eigenen Idealen getreu, gestaltet „Ametyst“ in Prusiny zur Zeit einen Tier- und Pflanzengarten, der Leben ohne Umweltverschmutzung und
im Einklang mit der Natur demonstrieren soll. „Ametyst“ ist auf finanzielle
Hilfe angewiesen, da der Verein keine
Regierungsorganisation ist und auch
nicht vom Staat unterstützt wird. Geld
verdienen sie sich durch verschiedene
Projekte und den Verkauf ihrer Zeitschrift „Bedrnik“.
Auch ein Experiment zur Oberflächenspannung von Wasser gehört zu den
spielerischen Versuchen, die den Kindern – und hier auch Tim Ignasiak –
die Vorgänge der Natur näherbringen sollen.
—FOTO: PRIVAT
Tim Ignasiak
Sarah Bernhardt
Katrin Hahnenbach
müssen die Kleinen mit Hilfe ihres
Erinnerungsvermögens diesen Baum
wieder finden. „Ist er das?“, „Ich hab
meinen gefunden!“, hört man die
kleinen Detektive rufen. So wird den
Kindern neben Spaß auch Wissen
vermittelt.
Ein anderes Spiel soll ihren Tastsinn schärfen und sie vom oberflächlichen Betrachten der Umwelt wegführen. Die Kids müssen einen Waldgegenstand ihrer Wahl suchen und
ihn versteckt zurück zur Gruppe
bringen. Schulter an Schulter wird
ein Kreis gebildet und der Gegenstand auf Kommando hinter dem Rücken weitergereicht. Mit ihren Patschehändchen müssen sie die unbekannten Funde ertasten. Das ist gar
nicht so leicht, wie es scheint.
„Iiiih… das fühlt sich ja komisch
an! Was soll das sein?“, sieht man die
kleinen Köpfe rauchen. Doch es gibt
noch viele weitere Projekte, die immer wieder das „natürliche“ Interesse der jungen Waldforscher wecken.
Auf diese Weise „begreifen“ sie die
Natur im wahrsten Sinne des Wortes.
Lisa Maria Schallert
Christoph Wolf
Naturschutzgebiet Doubi
Das Naturschutzgebiet Doubi, was
übersetzt Eichen bedeutet, ist 28 Quadratkilometer groß und grenzt direkt
an den Stadtrand von Pilsen. Es ist
ein Naherholungsgebiet, das einen
großen Wald, einen Weiher und viele
Wiesen vereint. Dort veranstaltet der
Bürgerverein Ametyst seine Inventarisierungs-Untersuchungen. Das ist
eine Art Bestandsaufnahme des Pflanzenvorkommens auf einer Waldfläche von jeweils zehn mal zehn Metern. Die zu untersuchenden Flächen
werden mit Farbbändern abgetrennt.
Dann werden alle Pflanzen gezählt
und kartiert, die in dieser 100 Quadratmeter großen Fläche wachsen.
Aufgrund der hier gesammelten Daten wird dann ein Häufigkeitsdiagramm erstellt, um das Verhältnis
der einzelnen Pflanzen zueinander
anschaulich besser darstellen zu können. Die Ergebnisse der Analyse werden dann auf das gesamte Naturschutzgebiet hochgerechnet. Aus diesen Untersuchungen ergibt sich eine
Notwendigkeit, die Natur in diesem
Gebiet besonders zu schützen. Der
Umweltschutzverein Ametyst klärt
die Bevölkerung über Natur und Naturschutz auf.
Von Lisa Schallert und
Katrin Hahnebach
Inna Lang
Document
Kategorie
Bildung
Seitenansichten
2
Dateigröße
425 KB
Tags
1/--Seiten
melden