close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

"Vielleicht weiß die Bahn nicht, was sie will" - Bila

EinbettenHerunterladen
ICE-Debatte: Der Sprecher der Bürgerinitiative Lampertheim (BILA), Karl Hans Geil, über
die aktuelle Entwicklung
"Vielleicht weiß die Bahn nicht, was sie will"
Von unserem Redaktionsmitglied Uwe Rauschelbac
Lampertheim. Seitdem Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) von der Bahn
gefordert hat, die Planung für eine neue ICE-Trasse zwischen Frankfurt und Mannheim zu
prüfen, herrscht in der Metropolregion Alarmstimmung. Jetzt hat sich das Regionalforum
abermals zur Konsenstrasse bekannt ("SHM" vom 7. Februar).
Herr Geil, was ist der neuerliche Beschluss des Regionalforums zugunsten der ICEKonsenstrasse eigentlich wert?
Karl Hans Geil: Ich halte diesen Beschluss für ungemein wichtig. Die Region wird nur gehört,
wenn sie mit breiter Mehrheit auftritt. Denn das Taktieren der Bahn in jüngster Zeit hat für
zusätzliche Verunsicherung gesorgt. Die Bahn muss das Verhältnis zwischen Kosten und
Nutzen einer ICE-Trasse offenbar neu bewerten. Dies hat auch den Eindruck erweckt, dass
der Bypass wieder an Bedeutung gewinnt. Dagegen muss die Region Stellung beziehen.
Wie stabil ist der Konsens wirklich, vor allem unterhalb der politischen Ebene?
Geil: Dieser Konsens ist kein Überzeugungskonsens. Vielmehr handelt es sich um eine
Lösung, mit der alle in der Region leben können. Er ist das einzig mögliche politische
Argument, das die Region hat. Und jede Kommune verhindert den "worst case" (den
schlimmsten Fall) für sich selbst. Es ist ein gutes Zeichen, dass es im Verlauf der
zurückliegenden Wochen, in denen die Aussagen der Bahn für so viel Verunsicherung gesorgt
haben, in der Region nicht zu Zerwürfnissen gekommen ist.
Wie bewerten Sie die Position der Bahn zur Konsenstrasse?
Geil: Zunächst muss man klar festhalten: Die Bahn hat sich, etwa bei einer
Informationsveranstaltung in Mannheim-Gartenstadt ("SHM" vom 29. Januar), völlig bedeckt
gehalten, was ihre tatsächlichen Pläne betrifft. Es ist falsch, dies in dem Sinne interpretieren
zu wollen, in Bahnkreisen genieße die Konsenstrasse keinen Rückhalt. Sie scheint die
kürzeste und deshalb billigste zu sein. Wer aber die erforderlichen Bauwerke wie Brücken,
Übergänge usw. mit einrechnet, kommt zu einem anderen Ergebnis. Die Bahn selbst steht vor
einer ganz neuen Situation. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der bisher geplanten Trassen ist
gering. Der Güterverkehr wird in Zukunft wesentlich an Bedeutung gewinnen. Gerade hier
steht die Bahn in Zugzwang. Denn das EU-Parlament hat hier Vorgaben gemacht, gerade was
den Güterverkehr betrifft.
Aber die Bahnvertreter haben die Konsenstrasse vor allem aus naturschutzrechtlichen
Gründen bislang eher kritisch kommentiert.
Geil: Das liegt in der Natur des Verfahrens. Die Bahn weiß aber auch, dass sie für die
Durchsetzung der Direkt-Trasse - der sogenannten C- oder Mark-Variante - ein
Genehmigungsverfahren durchlaufen müsste. Also: Jede Einschätzung dessen, was die Bahn
will, ist zurzeit rein spekulativ. Vielleicht weiß die Bahn im Moment selbst nicht, was sie will.
Oder sie ändert komplett die Kriterien für eine Neubewertung der Situation.
Wie stark spielen andere Entwicklungen, beispielsweise Stuttgart 21, in die Diskussion?
Geil: Neben Stuttgart 21 drängen sich für die Bahn viele weitere Projekte auf: Sie will die
Pünktlichkeit verbessern, das Schienennetz überarbeiten, neue Züge anschaffen, ihre
Infrastruktur ausbauen. Das steht im Interesse der Öffentlichkeit, aber auch von Politikern.
Gerade in Wahljahren möchten sie hier Erfolge aufzeigen können. Fraglich ist, wie sehr sich
diese Projekte betriebswirtschaftlich auf die Planungen für eine neue ICE-Trasse in unserer
Region auswirken werden.
Wie stabil ist der Konsens der Region gegen den Mannheimer Bypass?
Geil: Dieser Konsens ist so lange stark, wie Einheitlichkeit zur Konsenstrasse besteht. Klar
ist: Die Situation ist komplexer geworden durch das Ramsauer-Papier, das der Mannheimer
Oberbürgermeister im Sinne einer Hinwendung der Bahn zum Bypass interpretiert hat.
Währenddessen beobachten wir seit einigen Jahren und Monaten, dass sich der
Personenverkehr teilweise auf Schienen in Richtung Osten verlagert hat. Dies ist eine
Entwicklung, die in der gesamten Metropolregion Sorge auslöst. Nicht nur in Mannheim.
Für wie sinnvoll halten Sie den Vorschlag, die Interessen von Region und Bahn durch einen
Moderator ausgleichen zu lassen?
Geil: Man kann dann einen Vermittler einschalten, wenn die Bahn einen Vorschlag macht, der
den Interessen der Region widerspricht. Bis dahin halte ich eine solche Entscheidung für
wenig hilfreich.
Was wird die BILA in den nächsten Monaten tun?
Geil: Wir werden weiter unsere Beziehungen pflegen und ausbauen. Zum Beispiel auch zu
Hessens neuer Umweltministerin Lucia Puttrich. Ihr haben wir vor wenigen Tagen einen
Besuch abgestattet. Dabei haben wir deutlich gemacht, wie wichtig es ist, dass die politischen
Kräfte nicht an den Belangen dieser Region vorbeigehen. Frau Puttrich hat auf unsere
Ausführungen verständnisvoll reagiert. Wir haben sie auch zu einem Besuch in Lampertheim
eingeladen.
Dennoch wird die BILA wohl noch einen langen Atem brauchen?
Geil: So ist es.
Südhessen Morgen
08. Februar 2011
Document
Kategorie
Bildung
Seitenansichten
5
Dateigröße
15 KB
Tags
1/--Seiten
melden