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4. Krankheitsbilder / Patienteninformation Das Hämorrhoidalleiden

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4. Krankheitsbilder / Patienteninformation
Das Hämorrhoidalleiden
Was sind Hämorrhoiden und welche Funktion haben sie?
Als innere Hämorrhoiden bezeichnet man ein im Bereiche des oberen Analkanales unter
der Schleimhaut liegendes Venengeflecht, welches sackartige Erweiterungen aufweist
und reichlich mit Blut aus zuführenden Arteriolen versorgt wird. Durch diese Anordnung
können die Hämorrhoidalkissen bzw. Schleimhautpolster stark anschwellen und so ihre
Funktion bei der Feinabdichtung des Analkanales übernehmen. Die Hämorrhoidalpolster
helfen also, den Analkanal gegen flüssigen Stuhl und ungewollten Windabgang
abzudichten. Beim Hämorrhoidalleiden kommt es zu einer Erweiterung der
Hämorrhoidalkissen, was Jucken, Brennen, Blutabgang, Schmerzen beim Stuhlgang und
Nässen des Afters hervorrufen kann.
Welches sind die Ursachen für die Entstehung eines Hämorrhoidalleidens?
In erster Linie scheint das Hämorrhoidalleiden mit den Stuhlgewohnheiten zusammen zu
hängen. Je ballaststoffarmer die Kost, je härter der Stuhlgang, je mehr beim Stuhlgang
gepresst werden muss, desto häufiger werden Hämorrhoidalbeschwerden auftreten.
Durch das kleinere Stuhlvolumen wird eine grössere Wandspannung im Analkanal
erzeugt, was wiederum zu einer Vergrösserung der Hämorrhoidalpolster führt. Daneben
werden auch psychische Stressfaktoren, Schwangerschaft und Alkoholkonsum mit dem
Entstehen eines Hämorrhodalleidens in Verbindung gebracht.
Was können Sie also selbst tun, um der Entwicklung von Hämorrhoiden vorzubeugen:
•
•
•
•
Mit einer ballaststoffreichen Ernähung für weichen, geformten Stuhl
sorgen (evtl. Zusatz von 20-30 gr. Weizenkleie mit genügend Flüssigkeit)
Keine Abführmittel verwenden
Pressen beim Stuhlgang vermeiden
Auf eine sorgfältige Analhygiene achten
Einteilung und Diagnostik des Hämorrhidalleidens
Aufgrund Ihres Erscheinungsbildes wird das Hämorrhoidalleiden in 4
Schweregrade unterteilt. Beim ersten Grad sind sie von aussen nicht sichtbar. Die
Hämorrhoidalpolster können sich jedoch so stark erweitern, dass sie aus dem After
hervorquellen. Beim zweiten Grad prolabieren sie beim Pressen durch den Analkanal nach
aussen, ziehen sich aber anschliessend von selber wieder zurück. Beim dritten Grad
bleiben sie nach aussen prolabiert, und müssen jeweils manuell zurückgestossen werden.
Viertgradige Hämorrhoiden lassen sich nicht mehr reponieren, da es bereits zu einem
fixierten Schleimhautprolaps aus dem Analkanal gekommen ist.
Für die Diagnose des Hämorrhoidalleidens wichtig ist einerseits das Erheben der
Krankengeschichte, sowie die Inspektion des Afters beim Pressenlassen. Die digitale
Rektaluntersuchung zeigt sich meistens unauffällig, da die inneren Hämorrhoidalpolster
mit dem Finger ausgepresst und nicht gespürt werden können. Die wichtigste
Untersuchung stellt die Proktoskopie dar, bei der man die Hämorrhoidalpolster direkt
einsehen und beurteilen kann. Ab dem 50. Lebensjahr empfiehlt sich zum Ausschluss
einer anderen Blutungsquelle (z.B. Dickdarmtumor) eine Dickdarmspiegelung zusätzlich
durchführen zu lassen.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Wenn Hämorrhoiden festgestellt werden, so ist dies nicht immer gleichbedeutend mit
einer anstehenden Operation. Die meisten Formen des Hämorrhoidalleidens,
insbesondere die Grade I und II sind heutzutage ohne Operation behandelbar
(Stuhlregulierung, Suppositorien, Salben, Daflon-Medikation). Nur fortgeschrittene
Formen (Grad III und IV) mit persistierenden Beschwerden sollten operiert werden. Die
jeweils zur Anwendung kommende Behandlungsform richtet sich dabei nach der
Ausprägung des Hämorrhoidalleidens und soll im Folgenden kurz dargestellt werden.
Hämorrhoiden-Gummibandligatur
Dieses Verfahren ist schonend und kann ambulant
durchgeführt werden. Bei der Gummibandligatur wird
ein kleines Gummiband über bzw. knapp oberhalb des
Hämorrhoidalknotens gestülpt, wodurch die
Schleimhaut stranguliert wird. Nach ca. 1 Woche bis 10
Tage fällt der Knoten ab und wird mit dem Stuhl
ausgeschieden. Die meisten Hämorrhoiden Grad I und
II lassen sich auf diese Weise behandeln.
Hämorrhoiden-Gummibandligatur
Hämorrhoidektomie
Die operative Entfernung ist insbesondere bei Hämorrhoiden III- und IV-Grades
angezeigt. Dabei gibt es unterschiedliche Operationstechniken, von denen ich Ihnen nur
2 kurz vorstellen will.
Bei der geschlossenen Hämorrhoidektomie nach Ferguson werden die
Hämorrhoidalknoten nach spindelförmiger Umschneidung mit der Schere oder dem
elektrischen Messer vom darunterliegenden Schliessmuskel abpräpariert. Anschliessend
wird die Schleimhaut und die Haut des Analkanales mit einem sich selber auflösenden
Faden wieder vernäht. Da die Hämorrhoidalpolster meistens an 3 Prädilektionsstellen im
Analkanal auftreten, spricht man auch von einer 3-Zipfelresektion nach Ferguson.
Dr. A. Longo hat 1993 an der Universität Palermo eine nach ihm benannte
Operationstechnik entwickelt, bei der mit Hilfe eines zirkulären Klammernahtgerätes ein
Schleimhautring aus dem oberen Analkanal geschnitten und gleichzeitig die
Hämorrhoidalpolster im oberen Analkanal fixiert werden: die sogenannte StaplerHämorrhoidopexie nach Longo. Dabei stellen Hämorrhoiden III. Grades mit
reponierbaren Hämorrhoidalknoten die ideale Indikation für dieses neue
Operationsverfahren dar. Bei dieser Operationstechnik wird eine Straffung des
vergrößerten Hämorrhoidalgewebes bei gleichzeitiger Reposition und Fixierung des
Gewebes mit verringerter Blutzufuhr zu den Hämorrhoiden erreicht.
Das Prinzip der Operation nach Longo besteht in dem Einführen eines ringförmigen
Klammernahtgerätes, durch das ein ringförmiger Schleimhautzylinder oberhalb der
Afterkanalschleimhaut entfernt und gleichzeitig wieder vernäht wird. Die Operation wird
generell in Allgemeinnarkose mit Relaxation oder Spinalanästhesie vorgenommen.
Bedeutsam ist bei diesem Operationsverfahren, dass die Operationsschritte in einem
Schleimhautgebiet vorgenommen werden, die praktisch keine Schmerzleitenden
Nervenfasern enthalten.
Legen einer Tabaksbeutelnaht hoch im Analkanal
Einführen und Schliessen des Klammernahtgerätes (Stapler)
Endresultat nach Abfeuern des Gerätes
Die Vorteile dieser operativen Behandlungsmethode sind:
•
keine offene Wunde
•
weniger postoperative Schmerzen und erhöhter Patientenkomfort
•
schnellere Heilung
•
kürzere postoperative Arbeitsunfähigkeit
•
Erhaltung der Feinkontinenz
Welche Komplikationen können auftreten?
•
Infektionen: Sind sehr selten und treten höchstens bei immungeschwächten
Patienten auf.
•
Blutungen: Treten meistens am Operationstag oder am 1. postoperativen Tag
auf bei unzureichender Blutstillung.
•
Schmerzen: Je nach Operationstechnik unterschiedlich, da insbesondere die
Analhaut sehr schmerzempfindlich ist. Vorteile bei der Operationstechnik nach
Longo
•
Kontinenzstörung: Die Feinkontinenz kann in den ersten 2 Wochen postoperativ
durch die Operation leicht eingeschränkt sein. Länger andauernde
Kontinenzstörungen sind selten (ca. 5%) und von der Operationstechnik
abhängig.
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Gesundheitswesen
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