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ist da was? - Felix Ehring

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leben unglücklich verliebt
unglücklich verliebt Leben
ist da
was?
männersache!?
Felix Ehring
hätte nie gedacht,
dass Frauen so
viel über die Farben
ihrer Kleidung
grübeln
Als Marie sich in ihren besten Freund
verliebt, ist plötzlich alles anders. Die
beiden erzählen, wie es sich anfühlt,
wenn einer liebt – und der andere nicht
*
„Was für ein arroganter Depp“, denke
ich, als ich Max zum ersten Mal sehe. Er
studiert mit mir, spielt Bass und trägt
ausgelatschte Schuhe mit Tigermus­ter.
Absurd. Und doch hat dieser Kerl
­etwas, das mich fasziniert. Wir telefonieren, lachen, machen Nächte durch.
Eine Freundin taucht weder in seinen
Anekdoten noch an seiner Seite auf.
Er nimmt mich mit auf eines seiner
Konzerte. Er Rockstar, ich Fan-Girl.
Plötzlich spüre ich: Ich bin verknallt!
Kommen SMS von ihm, schlägt mein
Herz höher. Ist es auch für ihn mehr?
Ein Kneipenabend steht an. Alle sagen nach und nach ab, bis Max und ich
übrig sind. Er sagt: „Dann komm doch
zu mir!“ Die Cocktails, die er mixt, sind
stark. Irgendwann sitze ich auf seinem
Schoß. Er riecht gut. Ich lege meinen
Arm um ihn. Atmen ist jetzt unwichtig.
„Du bist mit dem Auto da, wo pennst
du denn?“, fragt er und springt auf. Was
dann kommt, amputiert den Schmetterlingen in meinem Bauch die Flügel:
„Hier kannst du nicht schlafen; mag
meine Freundin nicht.“ So ein Mistkerl!
Hätte er die nicht früher erwähnen
können? Warum flirtet er mit mir?
Die nächsten Wochen verbringe
ich mit Wundenlecken. Zwischen Max
und mir herrscht Kälte statt Vertrautheit. Unsere Blicke gehen sich aus dem
Weg. Aber mein Ärger schwindet lang-
24 . js - magazin
09/2013
Max , 32
*
sam, ich fange an, ihn zu vermissen.
Ich will meinen Freunden von einer
Band vorschwärmen und schrecke zurück: Er hat mir die Platte damals vorgespielt. Die absurde Wende im „Tatort“:
Eigentlich würde ich ihm jetzt eine SMS
schreiben. Stattdessen Funkstille.
Eigentlich war da ja nie was, versuche ich mir einzureden. Dann ist da
doch was: ein anderer Kerl. Will ich
ihn, den verlässlichen Neuen? Oder auf
den aufregenden Max hoffen? Zum
Glück kann ich ein halbes Jahr im Ausland studieren. Meine Gefühle werfen
sich eindeutig auf den Neuen. Mit Max
telefoniere ich hin und wieder. Aber
der Abstand und mein Freund lassen
meine Gefühle für ihn welken.
Wieder zurück ist unser Verhältnis
so vertraut wie am Anfang. Der neue
Freund geht irgendwann, Max bleibt.
Habe ich noch Gefühle für ihn? Ja!
Aber eine Beziehung will ich nicht. Dafür kenne ich ihn zu gut: unausgeschlafen, motzend. Er ist nicht so, wie ich
mir den coolen Rockstar ausgemalt habe. Es ist, als hätte ich die rosarote Brille abgelegt, ohne Schwärmerei sehe ich
jetzt den ganzen Menschen. Der ist
toll, aber für mich kein Beziehungsmaterial. Gefühle vergehen eben. Warum,
kann ich nicht erklären. Über diese eine Nacht haben wir nie gesprochen. Es
würde eh nichts ändern.
Eigentlich bin ich kein Aufreißer. Aber mit
meiner Freundin läuft es gerade nicht
so toll. Wir führen eine Fernbeziehung
und streiten oft. Warum also nicht mal
meinen Marktwert checken? Marie gefällt mir, sie sieht gut aus und ist keine
Tussi. Manchmal widerspreche ich ihr
absichtlich, weil es Spaß macht, sie herauszufordern. Mal schauen, wie weit
uns unsere Neckereien treiben.
Ich fahre das uralte Manöver und
nehme sie mit zu einem Auftritt meiner
Band. Danach ist etwas anders zwischen uns. Sie kommt geschminkt statt
im Schlabberlook zum DVD-Abend. Sie
stimmt mir ständig zu und findet alles
klasse, was ich vorschlage. Meint sie das
Flirten etwa ernst? Würde sie sich tatsächlich auf mich einlassen? Will ich
das überhaupt?
Es liegt eine Spannung zwischen
uns, als sie bei mir zu Hause ist. Wir
kommen uns gefährlich nahe. Ginge
ich jetzt einen Zentimeter auf sie zu,
würde unwiderruflich mehr als Freundschaft zwischen uns. Ein One-NightStand? Ich bin kein Schwein. Wenn sie
Gefühle für mich hat, will ich das nicht
ausnutzen. Außerdem: Auch wenn es
gerade schwierig mit meiner Freundin
ist, liebe ich sie doch. Marie ist toll, aber
irgendwas fehlt. Ich will nichts von ihr.
Über Gefühle reden kann ich nicht.
Marie denkt wahrscheinlich, ich bin
Fotos: Plainpicture, Ableimages, Julian Winslow/Archiv
Marie , 26
Die Farben
der Männer
ein Trampel. Sie zieht sich zurück. Verdammt! Aber was hätte ich machen sollen? Mit ihr ins Bett gehen? Das hätte
sie noch mehr verletzt. Mehr als ein
One-Night-Stand wäre es nicht gewesen. Das weiß ich jetzt, weil sich mit
meiner Freundin alles eingerenkt hat.
Nach dem Abend gehen Marie und
ich miteinander um wie entfernte Bekannte. Ich kann sie verstehen und
halte mich zurück. Ich habe keine Lust,
auf jedes meiner Worte zu achten, damit sie nichts hineininterpretiert. Ich
will sie umarmen, ohne mir den Kopf
zu zerbrechen, ob ich ihr damit Hoffnungen mache. Wann ist sie denn endlich über ihre Gefühle hinweg? Ist es
egoistisch, sie als Kumpel zurückhaben
zu wollen? Hätte ich es nicht verdient,
dass sie mich nicht mehr kennen will?
Nach einer Weile scheint es ihr besser zu gehen. Bald taucht auch der
Grund dafür auf: ihr neuer Freund. Ich
hätte ihr wohl beim Aussuchen helfen
sollen. Ich finde ihn bescheuert, aber er
tut unserer Freundschaft gut. Nach
einem halben Jahr Abstand verstehen
wir uns wieder richtig gut, auch als mit
ihrem Typen Schluss ist. Ich finde es
klasse, dass wir schaffen, was kaum einer für möglich hält: dass Mann und
Frau doch Freunde sein können.
Protokolle: Manon Priebe
* Namen geändert
M
eine Freundin ist fassungslos. Sie schaut ungläubig auf
den Bildschirm ihres Laptops, schüttelt den Kopf und
sagt immer wieder: „Oh
Mann, ich bin ein Herbsttyp!“ Wie bitte?
Lange ging ich davon aus, dass sich die
Leute eher zufällig einkleiden. Bei manchen
passt es farblich, andere betreiben mehr
oder weniger Colour-Blocking. Auch das ist
mittlerweile Mode. Man kann also nicht
mehr viel falsch machen, zumal als Mann:
Die Jeans ist in der Freizeit gesetzt. (Und
Männer sollten niemals versuchen, den Pfad
der Jeans zu verlassen für pseudoedle Stoffhosen.) Zur Jeans passt fast alles, vor allem
Grau und Schwarz, aber auch am Wochen­
ende die leuchtenden Kunststofffarben vom
Trikot des Lieblingsvereins.
Meine Freundin hingegen zeigt mir im
­Internet zwei Farbpaletten: Herbsttyp und
Wintertyp. Mein Blick geht lange hin und
her. Ja, doch, da gibt es Nuancen. Meine
Freundin meint, sich seit Jahren falsch
­anzuziehen. Sie durchwühlt ihren Kleiderschrank und verzweifelt an angeblich „zu
kalten Farben“. Ich klopfe mir innerlich auf
die Schulter dafür, dass wir getrennte Konten haben. Die kommende Shoppingwelle
wird finanziell an mir vorbeischwappen.
Neun Prozent aller Männer haben eine
Rot-Grün-Sehschwäche, ich auch. Auf meiner Seite des Kleiderschranks sind 80 Prozent der Klamotten blau. Blau steht mir. Ich
bin ein Blau-Typ. So einfach ist das.
09/2013 js - magazin
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Seele and Geist
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