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"Im Juli muss braten..." - "..was im Herbst soll geraten"

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■ Unterricht aktuell
„Im Juli muß braten...
Sandra Werner
I
m Juli muß braten, was im Herbst soll
geraten“, sagt eine alte Bauernregel.
Der Monat Juli ist uns bekannt als der
Monat der im Jahresdurchschnitt die
höchsten Temperaturen erreicht, als der
Monat an dem heiße Tage eine ganze
Warmwetterperiode lang andauern können. Bedingt durch den Stand der Sonne
ist dies ein ganz normales Phänomen.
Der Sommer 1994 hat uns allen jedoch
Anlaß zur Verwunderung gegeben.
Kann eine so lang andauernde Hitzeperiode noch als normales Wettergeschehen, können Temperaturen von fast 40
Grad noch als kurzzeitige Klimaanomalie in unseren Breiten gesehen werden?
Oder war dieser Sommer ein Vorbote
der Klimakatastrophe, der Anfang des
drohenden Treibhauseffektes?
Gefühlt haben wir uns jedenfalls so,
tropfend wie unter einem Glasdach. Daß
wir Menschen durch unser Tun dazu beigetragen haben, die Klimaentwicklung
auf unserer Erde zu beeinflußen, ist unbestritten. Ob dieser heiße Sommer in unmittelbaren Zusammenhang mit der Klimaerwärmung steht ist jedoch nicht zu
belegen. Zweifellos war der Juli 94 aus
der Reihe gefallen. Die Gesamtsonnenscheindauer brachte einen Rekordwert
von 403 Stunden Sonneschein in Arkona.
Trotzdem kam der diesjährige Juli nicht
an die Temperaturrekorde vergangener
heißer Sommer heran. Meßdaten belegen, daß z.B am 11.7.59 in Berlin-Tempelhof 38,1 C gemessen wurden. In diesem Jahr lag die Höchsttemperatur hier
am 31. 7. bei 36,8 C. Das bisherige JuliMaximum in München lag am 27.7.83
bei 36,4 C., In diesem Jahr erreichte der
31.Juli 32,3 C. Unabhängig von globalen
Wettererscheinungen ist es zunächst notwendig, diesen Sommer aus seiner
grundlegenden klimatologischen Entstehung zu verstehen.
Europa und unser Wettergeschehen
liegen in der Zone einer warmen, bis
zum Boden durchgreifenden und aus der
Ablenkung der Erdrotation (Corioliskraft) entstehenden West-Ost-Strömung
(Westdrift). Im Norden wird die Westdrift von einer kalten polaren Ost-WestStrömung unterflossen. Zwischen 35.
und 65. Grad nördlicher Breite bildet
sich dadurch eine Übergangszone zwischen der im Süden warmen und der im
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geographie heute 123/1994
Norden kalten Luft. Die Zone trägt die
Bezeichnung Planetarische Frontalzone
(Material 1). An der Frontalzone bilden sich ständig Tiefdruckzellen (Zyklonen) und Hochdruckzellen (Antizyklonen) aus, die sich in ihrer Wirkung
bis auf die Erdoberfläche erstrecken und
damit bei uns wetterwirksam werden.
Tiefdruck wie auch Hochdruckgebiete
scheren aufgrund der Corioliskraft aus
der Westwindströmung aus, wobei die
Tiefdruckgebiete nach Norden und die
Hochdruckgebiete nach Süden wandern
So entstehen „Subpolare Tiefdruckrinne“, in der die Tiefs trichterförmig gegen den Uhrzeigersinn wirbeln, und
„Subtropischer Hochdruckgürtel“, in
dem die Hochs im Uhrzeigersinn wirbeln (Material 2 und 3). Es kommt nun
zu einer Anhäufung der Tiefdruckgebiete über Island (Island-Tief) und der
Hochdruckgebiete über den Azoren
(Azoren-Hoch). Beide Druckgebiete
werden als quasistationär bezeichnet
und sind für unser Wettergeschehen verantwortlich. War unser Sommer nun
Folge eines langanhaltenden Hochdruckgebiets, das die Wolken auflöste
und die Sonne ungehindert strahlen ließ?
Um diese Frage zu klären, sind die unterschiedlichen Großwetterlagen über
Europa zu berücksichtigen, also die jeweilige geographische Lage von stationären Hoch-und Tiefdruckgbieten.
Im Juni hattte sich im Bereich von
50° nördlicher Breite ein Hochdruckgebiet entwickelt, das dann nach Süden
wanderte und aus dem Raum der Azoren
einen Keil Richtung Mitteleuropa bildete. Eine schwache Tiefdruckzone, die
vom Nordatlantik über den Westen Europas bis nach Afrika reichte, trennte
den Keil vom Azorenhoch ab. Dadurch
konnte sich ein eigenständiges Hochdruckgebiet bilden. Es reichte bald von
den Azoren über die Biskaya bis an die
Nordsee.
Im Juli wanderte dieses den gesamten
Atlantik überdeckende Hochdruckgebiet Richtung Skandinavien. An seiner
Südseite entwickelte sich über Deutschland eine neue Luftmassenströmung;
aus Südosten strömte nun feuchtwarme
Luft heran ( Material 4). Temperaturen
um 36 C. und nachfolgende Gewitter
waren die Folge. Da sich das Hoch-
druckgebiet nun nach Norden schob,
konnten unterschiedliche Luftmassen
nach Mitteleuropa an seine Südseite
heranströmen. . Das selbständige Hoch,
das sich nach Norden geschoben hatte
und schließlich Richtung Ostsee wanderte begann sich nun wieder mit dem
Hochdruckgebiet über dem Atlantik zu
verbinden. Durch diese Verbindung
kam es zu einer noch größeren flächenmäßigen Ausbreitung von Luftmassen
mit hohem Druck. Das Gebiet reichte
nun vom Atlantik über Europa bis zum
Eismeer. Die Wolken lösten sich auf
und die Sonne konnte in ganz Europa
ungehindert bei Temperaturen von etwa
34 C. strahlen. Der Kern des Hochs lag
über Weißrussland von wo er sich nun
langsam nach Skandinavien zurückschob. Dadurch war die Südseite des
Hochs wieder frei für weitere Luftmassenströmungen. Warme, trockene Festlandsluft strömte von Osten heran. Zusammen mit dem hohen Druck und der
trockenen Luft erreichte die Zufuhr der
Festlandsluft, daß sich die Temperaturen noch weier erhöhten. Diese Konstellation war der Grund für die langanhaltenden Temperaturmaxima. Durch absinkende Luft wurde das Hoch immer
wieder nachgespeist, so daß das warme
Wetter anhalten konnte. Wolkenmassen
wanderten zwar von einer Tiefdruckzone Islands an, doch setzte der ersehnte
Regen bei uns nicht ein. Die Wolken
wurden durch das starke Hoch aufgehalten und stauten sich bereits an den Küsten, wo sie folglich abregneten. Im weiteren Verlauf konnte sich das Hoch bis
nach Rumänien erstrecken. Dadurch
konnten an die Westseite des Hochs
wieder andere Luftmassenströmungen
nachströmen. In diesem Fall strömten
südliche Luftmassen heran und die
Temperaturen erreichten nun dank der
hohen Anzahl von Hochdrucklagen der
vergangenen Tage und Wochen sogar
Werte von 38 C: Klimatologen sehen
den heißen Juli also aufgrund der Konstellation der beschriebenen Luftmassen
als eine Kapriole des Wetters als eine
im Bereich des Möglichen liegende Anomalie. Säkuläre Ursachen können anhand dieser Klimaanomalien nicht erklärt werden und sind hier nicht berücksichtigt.
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