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Beim Sport verletzt – was tun? - Bundesvereinigung Deutscher

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Beim Sport verletzt – was tun?
Von Apothekerin
Dr. Tanja Römmer-Collmann
Herausgeber:
ABDA – Bundesvereinigung
Deutscher Apothekerverbände
Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Copyright und alle Rechte,
auch Vervielfältigungen sowie Nachdruck,
auch auszugsweise,
nur mit Genehmigung.
Stand: April 2006
ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Inhaltsverzeichnis
Begrüßung und Einführung ......................................................................................................2
Erste Hilfe ist schnelle Hilfe......................................................................................................2
PECH-Regel.............................................................................................................................3
Richtig Kühlen ..........................................................................................................................4
Weitere Merkregeln ..................................................................................................................5
Arten von Sportverletzungen....................................................................................................6
Ganzer Körper: Muskulatur ......................................................................................................6
Muskelverhärtung.....................................................................................................................7
Muskelzerrung..........................................................................................................................7
Muskelfaserriss ........................................................................................................................7
Muskelprellung .........................................................................................................................8
Muskelkater ..............................................................................................................................8
Kopf: Nasenbluten....................................................................................................................9
Schulter: Schleimbeutelentzündung.......................................................................................10
Arm: Sehnenreizung / Sehnenentzündung (Tennisarm) ........................................................10
Hand: Verrenkungen ..............................................................................................................10
Knie: Bänderriss .....................................................................................................................11
Fuß: Verstauchung.................................................................................................................11
Behandlung von Sportverletzungen .......................................................................................12
Taping ....................................................................................................................................12
Anlegen von Salbenverbänden ..............................................................................................14
Sportsalben ............................................................................................................................14
Homöopathische und natürliche Sportlerapotheke ................................................................14
Sportmedizin für Frauen [optional] .........................................................................................16
Sportlerapotheke ....................................................................................................................16
Vorbeugen von Sportverletzungen.........................................................................................18
Weiterführende Literatur.........................................................................................................20
Internetlinks ............................................................................................................................20
Kleines Glossar ......................................................................................................................21
Stand: April 2006
1
ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Begrüßung und Einführung
Folie 1 auflegen
Ich freue mich, dass Sie sich für meinen Vortrag interessieren. In der folgenden guten halben
Stunde gebe ich Ihnen einen Überblick über typische Sportverletzungen und darüber, wie
man sie erkennen und selbst behandeln kann. Sie sollen aber auch wissen, wann Sie mit
einer Blessur zum Arzt müssen. Außerdem bekommen Sie Informationen über Tapingverbände sowie zu homöopathischen Arzneimitteln, die bei Verletzungen helfen können. Bei
Interesse besprechen wir auch einige frauentypische Aspekte von Sportverletzungen und
schauen uns an, was in eine gut ausgestattete Notfalltasche gehört. Zuletzt gebe ich Ihnen
ein paar Tipps zum Vorbeugen von Sportverletzungen – denn am allerbesten ist ja, wenn gar
nicht erst etwas passiert!
Folie 2 auflegen
„Sport ist Mord“, so unken Sportmuffel immer wieder. Tatsächlich kommt es bei den etwa 50
Millionen Deutschen, die im Verein oder auf eigene Faust mehr oder weniger regelmäßig
Sport treiben, laut Statistik zu etwa 1,5 Millionen Sportunfällen 1 im Jahr. Damit machen
Sportunfälle immerhin etwa 30 Prozent aller Unfälle aus. Nun sollte aber nicht gleich jeder
Freizeitjogger Angst vor einer Verletzung haben: Das Risiko, sich beim Training zu verletzen
ist deutlich geringer als in Wettkampfsituationen.
Erste Hilfe ist schnelle Hilfe
Oft hört man die Meinung, dass Leistungssportlern wohl Mittel zur Verfügung stehen, an die
Otto-Normalverbraucher nicht herankommt. Wie sonst sei zu erklären, dass ein FußballNationalspieler mit einem Muskelfaserriss vom Spielfeld hinkt und schon wenige Tage später
wieder einsatzbereit ist? Nach einer Verletzung, an der andere womöglich Wochen oder Monate laborieren und die dann immer noch nicht vollständig ausgeheilt ist?
Folie 3 auflegen
Tatsächlich behandeln Sportmediziner die Profis am Rand von Tartanbahn, Tenniscourt oder
Schwimmbecken mit einer Art Wundermittel. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine
exklusive Arznei, sondern die Zauberformel lautet: Schnelligkeit! Bestens ausgebildete Ärzte
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Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention
Stand: April 2006
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
und Physiotherapeuten stellen innerhalb von Sekunden die Diagnose und leiten sofort die
absolut beste medizinische Versorgung ein.
Das Gegenbeispiel: Im Zweikampf beim Fußballtraining verletzt sich ein Neunjähriger am
Knie. Er geht zu Boden und stöhnt vor Schmerzen. Das Knie schwillt sofort an. Die ratlosen
Mitspieler, der Trainer und die Eltern eilen herbei. Sie wollen helfen, aber keiner weiß, wie.
Dazu kommt die Angst, genau das Falsche zu machen. Ein Erste-Hilfe-Koffer ist nicht mit auf
dem Platz. Schließlich rappelt der Junge sich auf, humpelt mit den Eltern zum Auto. Sie wollen „erst mal abwarten, ob es morgen vielleicht schon besser aussieht.“ Wenn der Nachwuchsspieler Pech hat, schwillt das Knie nicht von alleine ab. Er muss zum Arzt, und dieser
kann nach der langen Zeitverzögerung längst nicht so effektiv helfen wie sofort nach der Verletzung.
PECH-Regel
Folie 4 auflegen
Um beim Wettlauf mit der Zeit besser abzuschneiden, sollte also jedermann die wichtigsten
Sofortmaßnahmen kennen und sie richtig anwenden können.
Ist das Unglück einmal passiert, gibt es ein paar ganz allgemeine Grundsätze, was zu tun ist,
um die Heilungschancen zu verbessern und weiteren Schaden zu verhindern. Praktischerweise spricht man hier von der PECH-Regel 1 . Sie gilt für alle innerlichen Verletzungen am
Bewegungsapparat. Anders sieht es aus, wenn eine offene Wunde vorliegt – bei typischen
Sportunfällen ist dies allerdings eher selten der Fall.
Sicherlich haben die meisten schon von der PECH-Regel gehört. Ich möchte Sie Ihnen hier
noch einmal vergegenwärtigen.
Das P steht für PAUSE.
Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Wer verletzt ist, muss sofort mit dem Sport aufhören und das betroffene Körperteil so ruhig wie möglich halten. Dann wird es vorsichtig untersucht.
E steht für EIS.
Kälte verengt die Blutgefäße und trägt so dazu bei, dass sich Blutergüsse und Schwellungen
gar nicht erst voll ausbilden können. Außerdem lindert Kälte den Schmerz.
1
nach Böhmer
Stand: April 2006
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Wichtig ist die ausreichende Dauer der Kühlung: Knöchel oder Knie sollten mindestens 30,
eine Verletzung am Oberschenkel 45 Minuten gekühlt werden. Auch ist es sinnvoll, in den
folgenden zwei bis drei Stunden sporadisch weiter zu kühlen. Also: Besser zu viel als zu wenig!
Richtig Kühlen
Weil das Kühlen so immens wichtig ist, gebe ich Ihnen dazu einige praktische Tipps.
Folie 5 auflegen
Es gibt mehrere Hilfsmittel zum Kühlen: vorgefertigte Kältepackungen, die vorher im Kühlfach lagern, ganz normale Eiswürfel, Kältesprays oder kühle Umschläge.
Kältepackungen und Eiswürfel sollten Sie niemals direkt auf die Haut – und erst recht nicht
auf offene Wunden - legen, weil dann die Gefahr von Erfrierungen beziehungsweise Infektionen besteht. Decken Sie die Stelle zuerst mit einem Tuch oder ein paar Lagen Binde ab und
legen dann die Kühlpackung auf. Eiswürfel können in einen Socken gesteckt, etwas zerstoßen und dann aufgelegt werden. Zum Fixieren der kalten Packungen eignen sich Kompressions- oder Elastikbinden.
Eiseskälte ist für die ersten 15 bis 20 Minuten sehr gut geeignet. Für die weitere Kühlung ist
es ratsam, auf etwas weniger kalte Packungen umzusteigen, um den natürlichen Heilungsprozess nicht zu behindern.
Kältesprays wirken weniger tief und sind deshalb vor allem dort geeignet, wo Haut direkt auf
dem Knochen aufliegt, zum Beispiel am Schienbein oder Sprunggelenk. Um lokale Reizungen zu vermeiden, können Sie die Sprays auch von außen auf – relativ eng anliegende Sportkleidung sprühen.
Umschläge mit in kaltem Wasser getränkten Tüchern sind im Notfall, wenn nichts anderes
zur Hand ist, immer noch besser als gar keine Kühlung. Medizinischer Alkohol, im Verhältnis
1:5 zugefügt, verstärkt den Kühleffekt.
Folie 4 wieder auflegen
Der nächste Buchstabe ist das C. Es steht für COMPRESSION.
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Schon während des Kühlens, bei Muskelverletzungen am besten sogar schon vorher, sollte
man einen Verband anlegen. Mäßig straff gewickelt übt er Druck, Kompression genannt, auf
die verletzte Stelle aus und verhindert so, dass sich Schwellungen und Blutergüsse weiter
ausbreiten. An Gelenken dient der Verband außerdem der Ruhigstellung. Aber aufgepasst:
Zu straffes Wickeln kann den Schaden vergrößern!
Letzter Merkbuchstabe der PECH-Regel ist das H - wie HOCHLAGERN.
Von Anfang an gilt: Hebt man die verletzte Region etwas an, haben es Blut und Gewebeflüssigkeit schwerer, sich zu einer Schwellung anzusammeln. Bei einem verletzten Knie legt
man zum Beispiel den Fuß auf einen Stuhl oder zwei aufeinander gestapelte Sporttaschen.
Durch das Hochlagern – am besten über Herzhöhe - wird die Blutzufuhr vermindert. Flüssigkeit, die vorher ins Gewebe eingetreten ist, wird leichter wieder abtransportiert. Auch hier
sind die Ziele also wieder Ruhigstellen und Abbau von Schwellungen. Bei ausgedehnten
Schwellungen sollte man das verletzte Körperteil ein bis zwei Tage lang so oft wie möglich
hochlagern.
Nach den allgemeinen Sofortmaßnahmen laut PECH-Regel sollte der Verletzte so bald wie
möglich einen Arzt aufsuchen, um die genaue Diagnose zu erhalten. Der Mediziner führt
eine vollständige sportmedizinische Untersuchung durch, um auch weitere, bisher vielleicht
nicht bemerkte Verletzungen zu erkennen.
In der Regel endet die Akutphase einer harmlosen Verletzung am zweiten Tag. Danach darf
die verletzte Region vorsichtig dosiert wieder beansprucht werden, es sei denn, der Arzt hat
weitere Behandlungsschritte angeordnet.
Weitere Merkregeln
Folie 6 auflegen
Neben der PECH-Regel gibt es noch weitere Merkregeln für die richtigen Erste-HilfeMaßnahmen. Ebenfalls für Verletzungen am Bewegungsapparat gelten die „Fünf K“, die da
lauten: Kühlen, Kompression, Kollapszeichen beachten, Keine Bewegung und Körperteile
hochlagern. PECH-Regel und die „Fünf K“ entsprechen sich im Prinzip, sodass jeder für sich
selbst entscheiden kann, welche Eselsbrücke er sich besser merken kann.
Bei Blutungen, Wunden und anderen offenen Verletzungen der Haut hilft die „Vier-S-Regel“:
Starke Blutung zuerst stillen, Schockprophylaxe, Steril abdecken und Schmerzstillung durch
Ruhigstellen.
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Arten von Sportverletzungen
Folie 7 auflegen
Wir wollen uns jetzt die verschiedenen Arten von Sportverletzungen etwas näher anschauen.
Im engeren Sinne meint der Begriff Sportverletzungen alle Schäden am Bewegungsapparat,
also an Muskeln, Sehnen, Gelenken, Knochen und so weiter. Natürlich gibt es auch andere
Sportverletzungen, sie spielen aber in der Praxis eine weitaus geringere Rolle. So machen
Prellungen und Verstauchungen etwa 35 Prozent der Sportverletzungen aus 1 , dicht gefolgt
von 28 Prozent Verrenkungen und Knochenbrüchen. 21 Prozent der Sportunfälle enden mit
Verletzungen der Sehnen, Bänder und Muskel. Die restlichen 16 Prozent verteilen sich auf
diverse andere Verletzungen.
Folie 8 auflegen [optional]
[Grundsätzlich unterscheidet man endogene und exogene Verletzungen.
Endogene Verletzungen sind auf eigene Kraftdefizite, also auf einen unzureichenden Trainingszustand des eigenen Körpers zurückzuführen: Körperliche und geistige Ermüdung, unzureichende Ernährung oder nicht vollständig ausgeheilte vorherige Verletzungen können
die Ursache für Sportunfälle mit endogenen Verletzungen sein.
Exogene Verletzungen dagegen entstehen durch äußere Kräfte. Das kann ein Foul auf dem
Fußballfeld sein, aber auch mangelhafte Sportausrüstung beim Skifahren oder schlechte
Umweltbedingungen wie aufgeweichter Waldboden beim Joggen, zu glatter Boden in der
Halle oder schadhafte Sportgeräte im Fitnessstudio.]
Weil die großen und kleinen Blessuren am Bewegungsapparat in der Praxis die größte Rolle
spielen – deshalb bezieht sich ja auch die PECH-Regel auf diese Art von Verletzungen -,
gehe ich zunächst darauf ein. Bei dieser Gelegenheit lernen Sie die Bedeutung von häufig
ungenau gebrauchten Begriffen, wie Zerrung, Prellung, Verstauchung, und so weiter kennen.
Danach besprechen wir – buchstäblich von Kopf bis Fuß – weitere typische Sportverletzungen.
Ganzer Körper: Muskulatur
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Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Muskelverhärtung
Folie 9 auflegen
„Der Muskel hat zugemacht!“, mit diesen Worten beenden Radsportler häufig ehrgeizige
Sprints. Grund dafür ist eine Muskelverhärtung, meist im hinteren Oberschenkel. Der Muskel
verliert an Elastizität und fühlt sich hart und gespannt an. Bei weiterer Belastung besteht die
akute Gefahr einer Muskelzerrung, daher ist das Kürzertreten tatsächlich die beste Therapie.
Entspannung, Dehnübungen, Massage und ein gutes Aufwärmtraining vor der nächsten
Trainingseinheit helfen weiter.
Muskelzerrung
Folie 10 auflegen
Eine Muskelzerrung ist häufig Folge eines ungenügenden Aufwärmtrainings [und damit eine
typische endogene Verletzung]: Ein rascher Tritt oder eine schnelle Bewegung, und plötzlich
meldet sich in Wade oder Oberschenkel ein Ziehen oder krampfartiger Schmerz. Das Muskelgewebe ist überdehnt. Erste Abhilfe bei einer Muskelzerrung schaffen Entspannung des
Muskels, Kühlen mit Eiswasser und vorsichtige Dehnübungen im schmerzfreien Bereich.
Danach darf ein Salbenverband mit einer Sportsalbe angelegt werden, zu beidem sage ich
später noch etwas. Die Heilung dauert bei leichten Zerrungen etwa zehn Tage, in schweren
Fällen bis zu sechs Wochen.
Muskelfaserriss
Folie 11 auflegen
Da die Schmerzen bei einer Muskelzerrung selten ganz heftig sind, unterschätzen sie viele
Sportler und trainieren zu früh weiter. Die Muskelzerrung kann sich zum Muskelfaserriss oder Muskelriss ausweiten. Besonders im Oberschenkel ist die Gefahr groß, dass die zuvor
gezerrten Muskelfasern reißen. Oft passiert das bei einer plötzlichen Anspannung, zum Beispiel, wenn ein Fußballer statt des Balles den Boden trifft. Anzeichen für einen Muskelfaserriss ist ein heftiger, messerstichartiger Schmerz, möglicherweise kommen Schwellung und
Bluterguss dazu. Bei einem ausgedehnten Muskelfaser- oder Muskelriss lässt sich mit den
Fingern von außen die Lücke im Muskelgewebe ertasten. Auch hier gilt wieder die PECHRegel, ganz wichtig ist das Kühlen. Anschließend hilft ein Stützverband – darüber später
beim Taping mehr. Nach einigen Tagen können Sie vorsichtig mit Dehnübungen beginnen.
Auch Massagen tun gut.
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Muskelprellung
Folie 12 auflegen
Es gibt wohl kaum einen Fußballspieler, der ihn nicht kennt: den Pferdekuss, eine besonders
schmerzhafte Muskelprellung an der Außenseite des Oberschenkels. Unter einer Muskelprellung versteht man die kurzzeitige Quetschung von Muskelgewebe, zum Beispiel durch
einen Tritt oder Stoß. Im Muskel bildet sich ein Bluterguss, äußerlich ist oft nichts erkennbar.
Der Schmerz tritt flächig auf und ist anfangs sehr heftig. Diese Verletzung ist ein klassischer
Fall für die Anwendung der PECH-Regel.
Muskelkater
Folie 13 auflegen
Ihn kennt wohl jeder von uns: den Muskelkater. Ausgelöst durch ungewohnte körperliche
Aktivität, tritt der Muskelkater meist am Tag nach der Anstrengung auf. Bergabsteigen und
schweres Tragen – zum Beispiel von Umzugskisten – sind ganz typische Ursachen. Früher
vermutete man, dass der Muskel bei dieser Überbeanspruchung Nebenprodukte seiner Arbeit wie zum Beispiel die Milchsäure nicht ausreichend abbaue und die Säure das Gewebe
reize. Diese Theorie gilt mittlerweile als überholt.
Elektronenmikroskopische Aufnahmen haben gezeigt, dass kleinste Einrisse in den Muskelfasern für den Muskelkater verantwortlich sind. 1 Da die Schmerznerven außerhalb der Muskelfasern im Bindegewebe enden, verursachen die Risse zuerst noch keine Schmerzen. Aber über Nacht dringt Wasser in die verletzten Fasern ein und dehnt sie auf. Diese Schwellung und Zerfallsprodukte der kaputten Fasern drücken ins Bindegewebe und der Schmerz
beginnt. Er tritt etwa 24 bis 36 Stunden nach der Belastung auf und dauert bis zu einer Woche. Der Muskel fühlt sich hart, steif, kraftlos und druckempfindlich an.
Außer sich zu schonen, kann man nicht viel gegen den Muskelkater tun. Sinnvoll ist, sich
ganz locker und leicht weiter zu bewegen, zum Beispiel mit leichter Gymnastik, Schwimmen,
Fahrradfahren oder einem Spaziergang. Eine gute Durchblutung beschleunigt die Heilung
des Muskelkaters, weil das Blut Zelltrümmer und Entzündungsstoffe abtransportiert. Dazu
bieten sich Entspannungsbäder oder sanfte Einreibungen mit Rosmarin- oder Fichtennadelöl
an. Auch ein Saunagang ist eine gute Idee. Bei sehr starken Beschwerden können Sie ein
Schmerzmittel einnehmen.
1
Dieter Böning, Deutsches Ärzteblatt 2002 (6), S. A372-375
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Übrigens, Muskelkater kann wie eine Verjüngungskur auf die Muskeln wirken: Alte Fasern
sind kaputt gegangen, kräftige neue nachgewachsen. Narben bleiben nicht zurück. Die Belastung wird beim nächsten Mal besser vertragen. Das soll aber nicht dazu auffordern, es
gleich wieder zu übertreiben! Sie sollten das Trainingspensum langsam wieder steigern und
vor allem das Aufwärmen und Dehnen vor dem Sport nicht vergessen!
Nach den verschiedenen Blessuren am Muskelapparat – immerhin besitzt jeder von uns
mehr als 400 Muskeln, und selbst der untrainierte Mensch besteht zu 43,5 Prozent aus Muskelgewebe – komme ich nun zu anderen häufigen Sportverletzungen und beginne dabei am
Kopf.
Kopf: Nasenbluten
Folie 14 auflegen
Nasenbluten ist wieder etwas, was fast jeder kennt: Mehr oder weniger stark blutet es aus
einem oder beiden Nasenlöchern. Im Sport sind die Ursachen für Nasenbluten meist äußere
Faktoren, wie Schläge, Tritte, Stürze, Balltreffer oder Druckveränderungen - zum Beispiel
beim Tauchen oder Bergsteigen. Die effektivste Sofortmaßnahme ist Kühlung mit kaltem
Wasser oder Eis. Die alte Regel, den Kopf in den Nacken zu legen, ist grundsätzlich nicht
falsch, nur fließt das Blut dann in die Luftwege und den Rachen, was für den Betroffenen
ziemlich unangenehm ist. Günstiger ist daher – zusätzlich zur Kühlung – Erste Hilfe durch
Druck. Stopfen Sie blutstillende Clauden-Watte in die Nase und drücken Sie dann bei aufgerichtetem Kopf die Nasenflügel zusammen. Wenn keine Watte zur Hand ist, können Sie auch
ein Stück Taschentuch benutzen oder die Nasenflügel einfach so mit Daumen und Zeigefinger zusammendrücken. Vorher sollten Sie die Nase kurz putzen, um sie von störendem
Schmutz oder Blutklumpen zu reinigen.
Lässt sich Nasenbluten nicht so einfach stillen, deutet das auf eine Verletzung im hinteren
Teil der Nase hin. Der Patient muss dann unbedingt ins Krankenhaus! Auch nach einem
Schlag oder Tritt auf die Nase sollte ein Röntgenbild klären, ob die Nase gebrochen ist. Übrigens kann hinter häufigem Nasenbluten auch eine Krankheit wie Bluthochdruck stecken.
Wer empfindliche Blutgefäße hat, sollte Medikamente mit Acetylsalicylsäure meiden, denn
diese Schmerzmittel verdünnen das Blut und hemmen die Blutgerinnung.
Die meisten anderen Verletzungen am Kopf, wie Gehirnerschütterung oder Verletzungen an
Auge und Ohr, gehören so schnell wie möglich in die Hände eines Arztes.
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Schulter: Schleimbeutelentzündung
Folie 15 auflegen
Schleimbeutel sind Schmier- und Schutzpolster in der Nähe der Gelenke. Sie helfen Bändern
und Sehnen, reibungslos über die Knochen zu gleiten. Dauerhafte Überreizung durch Überlasten, Tritte oder Stöße lösen eine Entzündung der Schleimbeutel aus. Außer den Beuteln
im Schulterbereich sind auch die an Ellenbogen, Hüften und Kniegelenken relativ empfindlich. Eine Schleimbeutelentzündung macht sich mit Rötung, Schwellung und Schmerzen bei
der Bewegung bemerkbar. Manchmal ist ein Knirschen unter der Schwellung zu hören.
Maßnahmen zur Heilung sind Kühlen und Schonen. Außerdem können entzündungshemmende und schmerzstillende Sportsalben und Tabletten zum Einsatz kommen. Die Entzündung sollte innerhalb von drei Tagen abklingen. Wichtig ist absolute Schonung, da sich die
Heilung sonst über Monate hinziehen kann.
Arm: Sehnenreizung / Sehnenentzündung (Tennisarm)
Folie 16 auflegen
Der Tennisarm müsste eigentlich Tennisellenbogen heißen. Denn dabei handelt es sich um
eine Reizung oder Entzündung der Sehnen an der Ellenbogenaußenseite. Die Schmerzen
kommen allmählich oder auch plötzlich. Sie können so heftig werden, dass selbst ein leichter
Händedruck zur Qual wird. Ursache kann nicht nur eine falsche Technik beim Tennisspielen
sein, sondern auch bei der Hausarbeit oder am Computer kann man sich einen Tennisarm
holen. Ein einfacher Test gibt Ihnen einen Hinweis, ob Sie einen Tennisarm haben: Die Hand
flach auf den Tisch legen und versuchen, den Mittelfinger zu heben. Schmerzen auf der Ellenbogen-Außenseite deuten auf einen Tennisarm hin. Wichtig beim Tennisarm ist, nicht in
einen chronischen Verlauf zu geraten. Dazu sind vor allem Ruhe und Schonung nötig. Salbenverbände oder ein Verband mit Arnikatinktur können die Heilung beschleunigen. Zu den
Salbenverbänden sage ich später noch etwas.
Hand: Verrenkungen
Folie 17 auflegen
Am Handgelenk und den Fingern kommt es häufig zu Verrenkungen. Hierunter versteht man
kurzzeitige Überdehnungen von Gelenken, Bändern und Sehnen. (Bänder verbinden Gelenke und Muskeln, Sehnen sind die Übergangsfasern der Muskeln in die Bänder.) Im Zweifelsfall sollte ein Röntgenbild klären, ob nicht vielleicht doch etwas gebrochen ist. Anzeichen für
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
eine Verrenkung sind Schmerzen, eine Schwellung und möglicherweise auch ein Bluterguss.
Die Erste Hilfe besteht im Kühlen und Schonen. Beim längerfristigen Ruhigstellen hilft ein
Verband – auch mit Salbe – oder eine Schiene. Geduld ist auf jeden Fall nötig, denn Verrenkungen brauchen mindestens einen Monat zur Heilung.
Knie: Bänderriss
Folie 18 auflegen
Eine häufige Verletzung am Knie ist der Bänderriss. Grund ist eine starke Drehung von Oberschenkel gegen Unterschenkel, der das Kniegelenk mit seinen Bändern nicht mehr folgen
kann. Eine typische Situation, in der das passieren kann, ist der Skiunfall. Gerade Hobbysportler überschätzen die Widerstandskraft ihrer Gelenke und Bänder und sind stärker gefährdet als der durchtrainierte Profi. So ist es sogar möglich, dass ein Kniegelenksband beim
Laufen ohne nennenswerte Einwirkung von außen reißt. Symptome sind mehr oder weniger
starke Schmerzen im Bereich des Knies, meist gefolgt von einer Schwellung. Trügerisch ist,
dass der Schmerz häufig nach einigen Minuten in ein weniger schlimmes, diffuses Druckgefühl übergeht. Außerdem bemerkt der Betroffene oft, dass im Bereich des Knies „etwas loser
sitzt“ als normal. Das Knie ist ein hochkompliziertes Gelenk und deshalb gilt generell: Bei
Knieverletzungen so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen! Bis dahin empfiehlt sich, das
Knie in schmerzfreier Stellung und leicht gebeugt hochzulagern. Eine großflächige und
gleichmäßige Kühlung sowie ein nicht zu eng gewickelter Salbenverband sind ebenfalls
sinnvoll.
Fuß: Verstauchung
Folie 19 auflegen
Umknicken kann eine ganze Reihe von Fußverletzungen zur Folge haben: Der klassische
Fall ist die Verstauchung, eine Bänderdehnung an der Außenseite. Aber auch Bänderzerrungen und -risse, Knorpelverletzungen, Knochensplitterung oder ein Ermüdungsbruch sind
möglich. Die Anzeichen – Schmerzen und ein Anschwellen rund um den Knöchel, möglicherweise mit Bluterguss – sind in allen Fällen ähnlich. Wie für das Kniegelenk gilt: Für die
genaue Diagnose ist der Besuch beim Arzt und meist ein Röntgenbild unerlässlich. Eine gute
Erstversorgung wirkt sich auch hier wieder positiv auf den Heilungsprozess aus, wobei die
PECH-Regel gute Dienste leistet: Pausieren, Kühlen, Kompression und Hochlagern sind
geeignete Erstmaßnahmen.
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Behandlung von Sportverletzungen
Taping
Folie 20 auflegen
Ob nach einer größeren oder kleineren Verletzung, nach einer Operation oder Trainingspause – viele Profis und Freizeitsportler schwören auf das Taping. Kein Wunder, kostet es doch
nicht viel und ist scheinbar leicht und unproblematisch anzuwenden. Ich gebe Ihnen daher
jetzt ein paar Tipps, wie man diese einseitig klebenden Stützverbände richtig anwendet.
Zunächst einmal sollte man sich bewusst machen, dass ein schlecht angelegtes Taping eher
schadet als hilft. Wichtig ist daher, dass Sie sich vorher überlegen, welchem Zweck das Taping genau dienen soll und wie der Verband dazu angelegt werden muss. Wofür kann ein
Taping also sinnvollerweise dienen?
„ Stützverbände reduzieren in der akuten Verletzungssituation die Schwellung und den
Schmerz. Darüber haben wir bereits im Zusammenhang mit der PECH-Regel gesprochen.
„ Taping unterstützt die Regeneration überlasteter und die Ausheilung verletzter Regionen. Allerdings sollte man sich nicht zu sehr auf das Taping verlassen und womöglich zu früh wieder intensiv trainieren.
„ Vor allem bei verletzungsträchtigen Sportarten, wie American Football oder Eishockey, können Stützverbände Überlastung und Unfällen vorbeugen. Bedenken Sie allerdings bei der Planung, inwieweit der Verband Sie beim Sport beeinträchtigt.
Taping ist an fast allen Körperteilen möglich. Besonders beliebt sind Sprunggelenktapings,
Taping von Zehen und Achillessehne, von Knie, Ellenbogen, Schulter, Handgelenk und Fingern. Dazu kommen Stützverbände für die Oberschenkelmuskulatur und in der Leistenregion. Auszuführen, wie diese Verbände im Einzelnen anzulegen sind, würde jetzt zu weit führen. Stattdessen möchte ich Ihnen ein paar wichtige Grundregeln mit auf den Weg geben,
die für alle Stützverbände gelten.
Folie 21 auflegen
„ Der Verband sollte immer von einer zweiten Person angelegt werden. Der Patient lagert das betroffene Körperteil so, dass der Helfer es bequem erreichen kann.
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
„ Achten Sie beim Anlegen des Verbands auf eine gleichmäßige Spannung, vermeiden
Sie Falten. Die Bahnen des Verbands überlappen sich mindestens um die Hälfte ihrer
Breite.
„ Der Verband darf die Durchblutung nicht stören. Fragen Sie den Sportler, ob Sie ihn
lockerer anlegen sollen. Zeichen für einen zu festen Verband sind auch geschwollene, blaue oder weiße Finger beziehungsweise Zehen sowie Kribbeln oder ein taubes
Gefühl.
„ Die betroffene Hautpartie sollte rasiert, gewaschen und trocken sein. Klebevliese unter dem Verband schützen Blasen, kleinere Schnittverletzungen oder ein Nagelbett.
Reibungsempfindliche Stellen wie den Knöchel vorher mit Hautöl einreiben und eventuell mit einem Schaumstoffpolster schützen. Etwas Sprühkleber verwenden, dann
hält der Verband länger.
„ Der Patient hält das Körperteil in einer schmerzfreien, aber natürlichen und für den
Sport erforderlichen Haltung. Zum Beispiel kann er die Hand beim Taping des Daumens so halten, als ob er einen Ball greifen wolle.
„ Stützverbände über Muskeln und Sehnen sind immer im angespannten Zustand des
Muskels anzulegen.
„ Der Tapeverband sollte nicht zu lange getragen werden, da sich darunter Bakterien
vermehren und die Haut reizen. Beim Abnehmen des Verbandes mit einer Schere
aufpassen, dass die Haut nicht verletzt wird, sie anschließend waschen und mit einer
Feuchthaltelotion pflegen. Bei Allergien auf den Sprühkleber oder die Klebeseite des
Tapings probieren Sie Produkte verschiedener Hersteller aus.
Einem ganz ähnlichen Zweck wie Tapingverbände dienen übrigens vorgefertigte Bandagen,
die Sie in der Apotheke bekommen. Sie hatten lange Zeit den Nachteil, dass sie weniger
individuell an das entsprechende Körperteil angepasst werden können. Allerdings gibt es
mittlerweile eine ganze Reihe von Produkten mit Klettverschlüssen. Diese Bandagen stellen
eine praktische Alternative zum Tapingverband dar.
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Anlegen von Salbenverbänden
Folie 22 auflegen
Ich komme an dieser Stelle zu den Salbenverbänden, diese hatte ich ja schon mehrfach
angesprochen. Grundsätzlich gilt: Die Salbe dick und großflächig mit dem Holzspatel auf
das betroffene Gebiet – und immer nur auf intakte Haut - auftragen, darüber eine angefeuchtete Kompresse legen und dann mit einer Binde fixieren. Sie können die Salbe auch auf die
Kompresse auftragen. Wichtig ist, dass diese gut feucht ist, sonst trocknet der Verband zu
schnell aus und ist wirkungslos. Ein Salbenverband kann problemlos über Nacht getragen
werden.
Sportsalben
Was für Sportsalben gibt es überhaupt? Ich möchte Ihnen an dieser Stelle einen kurzen Überblick über die gebräuchlichsten Salben geben. In Ihrer Apotheke erhalten Sie jederzeit
weitere Informationen über die entsprechenden Handelsprodukte.
Folie 23 auflegen
Gele und Lösungen auf wässriger Basis enthalten oft noch einen Anteil Alkohol. Nach dem
Auftragen verdunsten diese Komponenten und üben so einen kühlenden Effekt aus. Salben
mit durchblutungsfördernden Inhaltsstoffen wie Nonivamid oder Inhaltsstoffen aus dem Cayennepfeffer wirken wärmend, besonders wenn man sie sanft einmassiert. Den Schmerz
lindern und gleichzeitig Entzündungen hemmen können Wirkstoffe, wie Ibuprofen, Salicylate
und Diclofenac. Heparin, Heparin ähnliche Substanzen und Hirudin helfen dem Organismus
dabei, die Flüssigkeit aus Schwellungen und Blutergüssen abzutransportieren. Diese Heparinsalben oder Salben mit Blutegelextrakten sind allerdings erst am zweiten oder dritten Tag
nach der Verletzung sinnvoll, weil sie die Durchblutung steigern und anfangs den Bluterguss
noch verschlimmern können. Pflanzliche Arzneistoffe mit nachgewiesen abschwellender und
zum Teil auch heilender Wirkung sind zum Beispiel Arnika, Beinwell und Aescin aus der
Rosskastanie.
Homöopathische und natürliche Sportlerapotheke
Folie 24 auflegen
Heutzutage bevorzugen viele Menschen natürliche Heilmittel. Homöopathische Arzneimittel,
die in sehr geringer Dosierung, den sogenannten Potenzen, einen Heilreiz im Körper auslösen, haben mittlerweile ihren festen Platz neben den chemischen Präparaten der SchulmeStand: April 2006
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
dizin. Auch bei Sportverletzungen können homöopathische Arzneimittel gute Dienste leisten.
Bagatellverletzungen heilen mit diesen Mitteln allein, bei schwereren Verletzungen beschleunigt die Homöopathie – zusätzlich angewandt zu den erforderlichen Maßnahmen wie
Eingipsen oder einer Operation - den Heilungsprozess. Als besonders geeignet gelten homöopathische Arzneimittel für Schäden an Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenken.
Folie 25 auflegen
In der Homöopathie ist die genaue Diagnose besonders wichtig. Jede Verletzung ist ein Einzelfall, der mit einem speziellen Mittel zu behandeln ist. So kommen allein bei Nasenbluten,
je nach genauem Verlauf und Begleiterscheinungen, ein Dutzend verschiedene Präparate in
Frage. Allerdings gibt es auch ein paar „Allrounder“, die sich bei bestimmten Beschwerden
generell eignen. Diese möchte ich Ihnen hier nennen.
Für alle Arten von Gewebeverletzungen durch Überanstrengung ist Arnica (D4 bis C200,
LM18) geeignet. Und obwohl man homöopathische Präparate eigentlich nicht zur Vorbeugung von Schäden einsetzt, ist dies bei Arnica ausnahmsweise möglich. Die prophylaktische
Einnahme schützt vor Überanstrengung und verringert zum Beispiel die Gefahr von Tennisarm und Golferellenbogen. Blutergüsse und Schwellungen können mit Millefolium (Schafgarbe, D4 bis D12) oder Bellis perennis (Gänseblümchen) behandelt werden. Rhododendron (D6-C200, LM18) hilft bei Entzündungen von Sehnen und Bändern. Interessant ist, dass
die Homöopathie auch Arzneien zur Linderung von Wettkampfangst bereithält – zum Beispiel
Argentum nitricum, Arsenicum album oder Silicea.
[Die Einnahme von jeweils fünf Kügelchen oder Tropfen beziehungsweise einer Tablette sollte im akuten Fall jede halbe Stunde, eventuell sogar alle zehn Minuten erfolgen. Klingen die
Beschwerden ab, wird die Einnahme bis zur vollständigen Heilung auf drei bis vier Mal täglich reduziert. Das gilt für die Potenzen D1 bis D12 sowie die LM-Potenzen. Die anderen Dund C-Potenzen löst man in einer Tasse Wasser und trinkt dann davon in den angegebenen
Intervallen. Grundsätzlich sind die niedrigeren Potenzen D2 bis D6 eher für den Akutfall vorgesehen, während die höheren Potenzen bei chronischen Schäden zum Einsatz kommen.]
Zusätzlich zur Einnahme der homöopathischen Arzneimittel können Salbenverbände oder
Umschläge mit Arnika, Beinwell, Ringelblume, Schafgarbe und Hamamelis aufgelegt werden.
Stand: April 2006
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Sportmedizin für Frauen [optional]
Folie 26 auflegen
In jüngerer Zeit diskutieren Fachleute verstärkt die speziellen medizinischen Belange von
Frauen, zum Beispiel wirkt nicht jedes Medikament bei Frauen genauso wie bei Männern, an
denen die Arzneimittel aber meist getestet werden. Deshalb möchte ich an dieser Stelle kurz
auf einige frauenspezifische Aspekte der Sportmedizin eingehen.
Frauen bekommen leichter als Männer Muskelkrämpfe. Ursache ist ein Mangel an Flüssigkeit und an Salzen, insbesondere Magnesium. Dehnen Sie den krampfenden Muskel, zum
Beispiel, indem Sie beim Wadenkrampf die Ferse aufstemmen und die Zehen hochziehen.
Ist der akute Krampf vorüber, hilft es, den Muskel vorsichtig zu kneten. Regelmäßiges Trinken während des Trainings beugt dem Muskelkrampf vor. Als Faustregel gilt: Alle 15 bis 20
Minuten etwa 150 Milliliter (ein kleines Glas) stilles Mineralwasser. Um ausreichend mit
Magnesium versorgt zu sein, sind Bananen oder Nüsse als Zwischenmahlzeit geeignet.
Sport während der Schwangerschaft ist heute selbstverständlich. Sie sollten aber auf Ihr
persönliches Wohlgefühl achten und sich nicht überfordern. Besonders während der ersten
drei Monate sind Sportarten mit besonders ruckhaften Bewegungen – zum Beispiel Skifahren, Squash oder Reiten – vorsichtshalber zu meiden. Im späteren Verlauf der Schwangerschaft erübrigen sich durch den wachsenden Bauch sowieso etliche Sportarten. Nachgewiesen ist aber, dass moderate Bewegung, zum Beispiel Spazierengehen oder Schwimmen,
Mutter und Kind gleichermaßen gut tut und typische Schwangerschaftsbeschwerde, wie
zum Beispiel die Verstopfung lindert.
Ältere Frauen brauchen die körperliche Aktivität besonders dringend, um sich nach den
Wechseljahren vor Osteoporose und Knochenbrüchen zu schützen. Sport stärkt die Knochen, weil der Körper bei Bewegung Calcium einlagert. Dabei profitieren Knochen, die Gewicht tragen, am meisten. Natürlich funktioniert das nur, wenn die tägliche Nahrung auch
genügend Calcium enthält.
Und noch ein Hinweis: Den „perfekten“ Sport-BH gibt es nicht. Sie sollten verschiedene Modelle anprobieren und dabei möglichst die Bewegungen ausführen, bei denen sie ihn tragen
wollen.
Sportlerapotheke
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Stand: April 2006
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Als nächstes werfen wir einen Blick in eine sinnvoll zusammengestellte Sportlerapotheke
[Anmerkung: am besten konkret vorführen!]. Die Grundausstattung in diesem Erste-Hilfe-Set
leistet jedem Freizeitsportler im Notfall gute Dienste. Für die Notfalltasche an der Trainerbank sollten die Mengen entsprechend erhöht werden. Ich zähle einmal auf, was wir hier
haben:
Zur Wundversorgung:
1 Box mit unterschiedlich großen Pflastern, evtl. Blasenpflaster
1 Pflasterspray
1 Desinfektionsspray
1 Pinzette
6 Kompressen 10x10cm
6 Mullbinden
1 Verbandschere
1 Rolle Leukoplast
zum weiteren Verbinden:
2 Idealbinden, 8-10cm breit
1 Elastomull Haftbinde
1 Gazofix-Fixierbinde, 8cm breit
1 Rolle Tapeverband
zum Kühlen:
1 Vereisungsspray
2 Kältepacks
1 Schwamm
1 Socken für Eiswürfel
1 Eiswasserbox, 5l (sollte vor allem im Verein vorhanden sein)
Medikamente:
1 Wund- und Heilsalbe
1 entzündungs- und schmerzlindernde Salbe
1 kühlendes Gel
1 Packung blutstillende Watte
1 Flasche Massageöl
Stand: April 2006
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Säurebindende Magentabletten
Kreislauftropfen
Schmerztabletten wie Ibuprofen, Paracetamol (nie bei Verletzungen am Bauch oder
Brustkorb einnehmen!)
Sonstiges Zubehör
Einmalhandschuhe
Taschenlampe
Erste-Hilfe-Buch
Holzspatel zum Auftragen von Salben
Spüllösung für Augenspülungen
isotonisches Getränk
Adresse/Telefon des Vereinsarztes
Adresse/Telefon des nächsten Krankenhauses
Und nicht vergessen: Eine Liste über den Inhalt der Sportlerapotheke erleichtert Ihnen den
Überblick und den Ersatz verbrauchten Materials. Natürlich helfen wir Ihnen in der Apotheke
gerne bei der Zusammenstellung und Pflege Ihrer Sportlerapotheke.
Vorbeugen von Sportverletzungen
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Am besten ist, da sind wir uns wohl alle einig, wenn es gar nicht erst zum Sportunfall kommt.
Daher will ich Ihnen zum Schluss noch einige Regeln mit auf den Weg geben, die Ihnen helfen, das Risiko für eine Sportverletzungen deutlich zu senken.
„ Überlastungen vermeiden, Training auf aktuelle Fitness abstimmen. Dazu gehört
auch, nach einer Grippe oder Erkältung, bei großer Erschöpfung nach einem anstrengenden Arbeitstag oder nach der Heilung von einer Sportverletzung das Trainingspensum zunächst entsprechend zu vermindern und dann vorsichtig wieder zu
steigern.
„ Den Körper mit Aufwärmtraining und Dehnübungen gut auf die Belastung vorbereiten.
„ Angemessene Sport- und Schutzkleidung beziehungsweise Sportausrüstung tragen,
zum Beispiel Knie- und Ellenbogenschoner beim Inline-Skaten.
Stand: April 2006
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
„ Bei der Ernährung besonders auf ausreichend Mineralien, Vitamine und Flüssigkeit
achten. Eventuell Mineral- und Vitaminpräparate einnehmen.
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Damit bedanke ich mich ganz herzlich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen – eben
nicht Hals- und Beinbruch – sondern weiterhin viel Spaß, Freude und Erfüllung bei Ihren
sportlichen Aktivitäten!
Stand: April 2006
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Weiterführende Literatur
„ Sportler in der Apotheke von Thomas Riedl, 311 Seiten, Govi-Verlag 2004
„ Sportmedizin praktisch. Der Sportarzt für die Trainingstasche von Gerold
Schwartz, Michael D. Prang; 128 Seiten, Ratgeberverlag, 1997 [wirklich für die Trainingstasche: klein, kompakt und übersichtlich]
„ Verletzt... was tun? Hilfe zur Selbsthilfe bei Sportverletzungen von Hans W. Müller-Wohlfahrt, Hans J. Montag; 159 Seiten, Wero Press, Neuauflage 2004 [mit Taping-Teil]
„ Die natürliche Sportlerapotheke: Die besten Hausmittel für Fitness und Leistungssteigerung von Jörg Zittlau; 176 Seiten, Südwest-Verlag, 1. Auflage 2004
[Tipps aus der Naturheilkunde, auch für viele Alltagsbeschwerden]
„ Taping im Sport von Robert Kennedy, David Berry; 128 Seiten, Meyer & Meyer, 4.
Auflage 2002
„ Sportmedizin für Frauen. Ein kompletter Ratgeber von Mona Shangold; 208 Seiten, Meyer & Meyer, 1990
„ Sport und Freizeit: So hilft Ihnen die Homöopathie von Eberhard Laubender; 160
Seiten, Karl F. Haug Fachbuchverlag, 1. Auflage 2002 [anwendungsorientiert]
„ Homöopathie bei Sportverletzungen von Emlyn Thomas; 307 Seiten, Urban und
Fischer, Juli 2002 [umfassend und ausführlich]
„ Spezielle Sportorthopädie und Sporttraumatologie von Wolfgang Menke; 215 Seiten, UTB Stuttgart, 2002 [bei Interesse an medizinischen Hintergründen]
Internetlinks
www.aerztezeitung.de/medizin/sport/sportverletzungen [Beiträge zu saisonal aktuellen
Sportverletzungen]
http://www.sportkrankenhaus.de/hellersen.html (Link „Sportverletzungen“ nutzen) [Vorstellung vieler Verletzungen, gut verständlich und anschaulich bebildert]
Stand: April 2006
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ABDA-Referat: Beim Sport verletzt – was tun?
Kleines Glossar
Achillessehne
läuft vom unteren Ende der Wadenmuskeln bis zur Ferse
Adduktoren
Muskeln zum Schließen der Beine
Bänder
verbinden Gelenke mit Muskeln
Bizeps
Muskel an der Vorderseite des Oberarms
Ermüdungsbruch
haarfeiner Knochenbruch, oft im Schienenbein (Marathonlauf)
Fersensporn
kleine Verkalkung der Sehne eines Fersenmuskels
Gelenkkapsel
bindegewebeartige Hülle eines Gelenks mit Gelenkschmiere
Meniskus
Stoßdämpfer aus Knorpel im Kniegelenk
Schleimbeutel
Schmierpolster, damit Sehnen leicht über Knochen gleiten
Sehnen
Übergang von der Muskelfaser in das Band zum Gelenk
Sehnenscheide
bindegewebeartige, zähe Hülle um Sehnen
Suspensorium
„Eierbecher“, Kunststoffkappe zum Schutz der Genitalien
Stand: April 2006
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