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Mensch – was erwartest du eigentlich? - in St. Anna, Walheim

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In den Blick genommen
Mensch – was erwartest du eigentlich?
Oft steht der Advent in direkter Abhängigkeit zu Weihnachten, für viele
Kinder ist er lästig, denn er verlängert die Wartezeit auf Weihnachten,
für viele Erwachsene stressig, denn man muss soviel organisieren und
erledigen.
Wenn man den Advent jedoch immer nur im Hinblick auf Weihnachten
sieht und definiert, verliert der Advent seine eigene, notwendige und
ursprüngliche Bedeutung. Es besteht die Gefahr, dass alle konkreten
Verbesserungsvorschläge für den Alltag auf die Weihnachtstage projiziert werden und wir auf eine durch unrealistische Wünsche aufgeblasene Weihnachtsillusion hinleben, die folglich nur eine Enttäuschung beinhalten kann. Die Vorfreude der Adventszeit kann dazu verleiten, die
Probleme vor sich her zu schieben – in der Hoffnung, dass sie irgendwie
schon über Weihnachten unter den Teppich gekehrt werden.
Erwarten wir also zu viel von Weihnachten und letztendlich von uns
selbst? Um genau über diese Frage nachzudenken, ist für mich der Advent da. Statt viele, teure Geschenke zu fordern, sollten wir uns mit der
Frage auseinandersetzen, welche Hoffnung man für sein Leben braucht
und welche Ziele man selbst anstrebt.
Natürlich ist die Vorfreude ein fester Bestandteil der Vorweihnachtszeit,
aber die Vorfreude sollte der täglichen Freude nicht im Wege stehen,
welche oft durch den Vorbereitungsstress in den Hintergrund tritt. Wir
sollten trotz der allseitig hohen Erwartungen an Weihnachten gerade im
Advent lernen, sich mit weniger zufrieden zu geben.
Ein Satz wie aus dem Lehrbuch, aber was umfasst dieses „Lernen“, dieses „mit weniger zufrieden“?
Erleben, dass sich über die Freude anderer freuen lohnenswerter sein
kann als die eigene Wunscherfüllung. Erfahren, dass eine Einladung zum
Tee mit selbstgemachten Keksen mehr Spaß machen kann als der neueste Beststeller oder der letzte James Bond.
Der Advent ist eine Mahnung an den Menschen, sich nicht von den Umständen treiben zu lassen, sondern seine Zeit selbst zu seinen Gunsten
zu prägen. Damit dies gelingt, muss er sich seinen eigenen Ansprüchen
kritisch stellen und so viele Momente wie möglich ohne eine VoreingeStefan Pohlkamp
nommenheit genießen.
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In den Blick genommen
Vorfreude ist die schönste Freude…
Wer kennt nicht diesen Spruch? Jetzt hat er besondere Aktualität, denn
Weihnachten steht vor der Tür. Alle beginnen eifrig mit den Vorbereitungen, Adventskränze werden geschmückt, Plätzchen gebacken,
Christbaumschmuck gebastelt und Geschenke gekauft. Jeder freut sich
auf die Feiertage und denkt schon jetzt an das fröhliche Beisammensein
der Familie an diesen Tagen. In Spannung erwartet man das „Christkind“, hofft vielleicht auf Schnee.
Die Adventszeit dient vielen Menschen als Vorbereitungszeit für das
Fest, sie backen mit Freunden oder Kindern und genießen abends die
Wärme, die der Adventskranz verbreitet, denn wenn die erste Kerze
brennt, dann weiß man, es dauert nicht mehr lange bis Weihnachten.
Dann beginnt dieses Kribbeln, die Vorfreude. Jeder Tag, der vergeht,
wird spannender und man denkt an fast nichts Anderes mehr. Obwohl
viele von uns schon etliche Weihnachten gefeiert haben, immer dieselben Dinge tun, denn es ist ja Tradition, ist es immer wieder schön darauf
zu warten. Wenn dann alles vorbei ist, am 27., dann räumt man die Geschenke weg und wundert sich über die komischen Einfälle der Verwandten.
Das Besondere an Weihnachten ist nicht etwa der Abend selbst oder das
schöne Essen, von den Geschenken ganz zu schweigen, es ist die Zeit,
die man mit der Familie und Freuden verbringt, aber auch mit sich
selbst. Advent ist die Freude auf das was kommt, die Vorfreude, also
genießen wir die Zeit bis Weihnachten und kosten sie aus, denn sie ist
Pablo Thau
viel zu kurz.
Advent – Gedanken aus dem Haus Augustinus
Kleiner Herr, der du gekommen bist im Elend, wir bauen auf dich und
deine Zukunft und schenken dir unser ganzes Vertrauen.
(Hanns Dieter Hüsch)
Es sind so einfache Bilder: ein Kind, eine Krippe in einem einfachen Stall,
Hirten - für dieses großartige Geschehen – Gott ist Mensch.
Manchem Bewohner des Hauses Augustinus ist es oft gar nicht recht,
wenn zum Advent die vielen Weihnachtsdekorationen herausgeholt werden. Wenn sie gefragt werden, was wichtig ist in dieser Zeit, kommen
natürlich zuerst die Wünsche nach einer schönen Weihnachtsfeier, gutem Essen und nach Geschenken.
Danach tauchen aber auch die Erinnerungen auf an frühere Weihnachten
in der Familie und sie sehnen sich nach der Liebe und Geborgenheit, die
sie früher einmal erfahren haben und in ihrer jetzigen Situation oft
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In den Blick genommen
schmerzlich vermissen. Verdeckt von den äußerlichen Vorgaben eines
gelungenen Festes steckt ja bei uns allen noch die Sehnsucht nach Wärme und Güte.
So schön Dekoration und Geschenke sind, wichtiger sind für jeden von
uns die Menschen, die sich uns zuwenden und Zeit für uns haben. Gott
hat es uns vorgemacht. Sich die Einfachheit der Bilder bewusst zu machen, kann helfen, uns auf die eigentliche Botschaft zu besinnen. Gott
kommt zu uns als Mensch, zu allen und gerade dorthin, wo nicht alles
perfekt durchorganisiert ist.
Wenn man die Dankbarkeit der Bewohner für Aufmerksamkeit und Zuwendung spürt, ist das mehr wert als teure Gaben.
Marion Loos
Advent, Advent –
ein Lichtlein brennt...
Es ist eine dunkle Jahreszeit.
Morgens geht die Sonne später
auf und abends verschwindet
sie früh am Horizont. Draußen
macht sich das Licht rar. Und drinnen in den Häusern zünden wir Kerzen
und Lampen verschiedenster Art an.
Draußen ist die Adventszeit häufig hektisch und Stress beladen. Innen
kann sie besinnlich sein und oft auch traurig. Adventszeit ist Wartezeit warten auf die Geburt Jesus; warten auf die Kinder, die in der Ferne arbeiten und leben; warten auf die freie Zeit rund um die Feiertage; warten auf Besuch, der lange nicht mehr da gewesen ist; warten auf Geschenke; warten auf ein aufmunterndes Wort; warten, dass es Licht werde; warten... auf dass die Zeit vorbei geht.
Gemeinsam zünden wir Kerzen an. Gemeinsam singen wir Lieder. Gemeinsam lesen wir Geschichten. Gemeinsam backen wir Plätzchen. Gemeinsam ist das Warten oft ein schönes Erlebnis. Gemeinsam bedeutet
zugewandt, den anderen sehen und wertschätzen – vor allem bedeutet
es, nicht alleine sein. Wenn wir ein Licht anzünden, können wir den anderen sehen und er uns.
Ich wünsche ihnen, dass sie gesehen werden und viele andere Menschen
sehen und gemeinsam warten auf das, was sie sich von Herzen wünschen. Ich wünsche uns eine schöne Adventszeit.
Inge Nadenau (Sozialdienst – Itertalklinik Seniorenzentrum)
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In den Blick genommen
Advent - Was erwarten sie eigentlich auf der Platte?
Fröhliche Weihnachten! Eine frohe Adventszeit! Möglichst im Kreise der
Familie. JA, das wünschen wir gerne jedem Menschen, selbstverständlich. Aber, was ist mit denjenigen, die so etwas nicht erleben, die durch
die Maschen des Erfolgs gefallen sind, die keine familiären Bindungen
(mehr) haben, die sich von ihren Lebensvisionen schmerzvoll verabschieden mussten? Immer wieder zur Advents- und Weihnachtszeit fallen mir die Obdachlosen ein, diejenigen, die
„Platte machen“, wie sie es selbst nennen. In
einem Gespräch mit Frau Simone Holzapfel
(Foto), Leiterin des Café Plattform in Aachen,
wollte ich darüber mehr erfahren. Advent –
was erwarten Menschen, die es sich eigentlich
abgewöhnt haben, etwas Besonderes zu
erwarten in dieser erwartungsüberfrachteten
Zeit? Was geht wohl in der Adventszeit
angesichts von weihnachtlicher Musik und
Beleuchtung, Einkaufsrummel und Adventsmarkttreiben in den Menschen vor, die am Rande der Gesellschaft stehen. Ein paar Gedanken aus dem Gespräch seinen hier niedergeschrieben:
Viele der Besucher des Café Plattform sind voll von enttäuschter Erwartung. Sie haben gelernt, ihre Erwartungen flach zu halten. Über den Advent schaffen sie es irgendwie noch, aber an Weihnachten wird es für so
manchen echt hart. Das Gefühl von Alleinsein wird spürbarer, tut weh,
je mehr es auf Weihnachten zu geht. Sicherlich, für diejenigen, die betteln gehen - das machen längst nicht alle Obdachlosen – ist die Adventszeit auch eine ertragreiche Zeit. Aber das ist eben nur die eine Seite. In
der Adventszeit suchen nicht
unbedingt mehr Menschen
Zuflucht im Café Plattform,
aber die Verweildauer ist
länger, auch weil es Winter
ist, es länger dunkel, kalt
und – was viel schlimmer ist
als Kälte – nass ist draußen.
Café Plattform ist in dieser
Zeit ein doppelter Zufluchtsort - vor dem weihnachtlichen Rummel und vor der
Nässe des Winters.
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In den Blick genommen
An Heiligabend gibt es im Café Plattform ab 15:00 Uhr eine Weihnachtsfeier. Jede und jeder ist willkommen. Hier vermischen sich Gefühle von
Solidarität, von Nicht-ganz-so-alleine-Sein mit den Lebens-Enttäuschungen. Gescheitertes Familienleben, zerbrochene Beziehungen, Verluste
von Beruf und Angehörigen, mangels Angst nicht verwirklichte Träume
von einem Leben in verlässlicher Beziehung, lebenslanges mangelndes
Selbstvertrauen, Traurigkeit darüber, nie die Nähe eines Menschen zugelassen zu haben – all diese Erfahrungen prägen an Weihnachten die
Sehnsucht der Menschen und machen auch traurig. Aber hier ist der
Platz für diese Gefühle. Viele ursprüngliche Sehnsüchte, die sonst – im
wahrsten Sinne des Wortes – nur noch mit Sucht und ohne Sehnen zugeschüttet werden, nehmen sich an Weihnachten Raum. Manch einer versucht es sich nicht anmerken zu lassen. Nicht Jedem gelingt es. Es gibt
auch Tränen. Die Trostbedürftigkeit ist an Weihnachten besonders groß.
Und das es den hier gibt, ist gut so.
Es gibt für jeden auch ein kleines Geschenk. Gestiftete selbst gebackene
Weihnachtsplätzchen sind sehr beliebt, auch Wollsocken. Es ist schön
beschenkt zu werden. Aber auch hier
mischen sich die Wehmut und der
Wunsch ein, am liebsten selbst auch
einen lieben Menschen beschenken
zu wollen, ihm dadurch seine Zuneigung ausdrücken zu können.
Advent – was erwarten sie eigentlich? Nähe, Wärme, Nicht-alleineSein, Achtsamkeit – und dass es
schnell vorbei ist…
Das Café Plattform braucht dafür
immer wieder Unterstützung, nicht
nur Geldspenden. Wer möchte, kann
gerne einmal einen Nachmittag
Waffeln backen kommen oder selbst
gebackene Plätzchen vorbei bringen
oder…
…fragen Sie doch einfach nach: Café Plattform, Simone Holzapfel, Hermannstr.
14,
Aachen,
Telefon:
(0241)21619,
www.caritasaachen.de/wlh/plattform.html
Mit ein paar Freunden haben wir uns vorgenommen, an Heiligabend
nachmittags die Weihnachtsfeier im Café Plattform musikalisch zu begleiten. Wir freuen uns schon darauf.
Johannes Gather
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In den Blick genommen
Advent
In diesen Tagen erreicht mich eine Einladung des Stuttgarter Bibelwerkes und der Katholischen Akademie in Trier zu einer Tagung. Das Thema
war: „Mit der Geburt Jesu war es so….“ mit folgendem Einführungstext:
„Die Kindheitserzählungen der Evangelien sind mit Ouvertüren vergleichbar, in denen der Komponist schon die wichtigsten Themen seiner
kommenden Oper aufklingen lässt. Die Kindheitserzählungen der Evangelien setzen schon die Verkündigung der Evangelien voraus. Sie spiegeln ein fortgeschrittenes Stadium der Verbreitung des Christentums
(die Aufnahme der Heiden in die Kirche) und eine hohe theologischchristologische Reflexion. So wie Vorworte oder Einführungen oft erst
vom Ende eines Buches her ganz verstanden werden, lassen sich auch
die Kindheitserzählungen als ein zusammenfassendes Vorwort begreifen,
indem bereits wichtige theologische Themen des Kommenden anklingen.
Überdies enthält gerade die Kindheitserzählung des Lukas politischen
Zündstoff. Nicht umsonst taucht Kaiser Augustus auf.“
Die Kindheitserzählung von Lukas lese ich seit Kindertagen. Sollte ich
diese unter den obengenannten Gesichtspunkten neu lesen, neu betrachten? Gott ist für mich unsichtbar, in großer Not oft erfahrbar, aber nicht
wirklich sichtbar, nicht greifbar. Jesus, sein Sohn, wie wir bekennen, war
Mensch, so wie ich, er hat gelebt, so wie ich, er ist durch die Aussagen
der ersten Christen, die ihn erlebt oder von ihm gehört haben, in den
Evangelien beschrieben. Seine Kindheit konnte nur nach seinem Tode
beschrieben werden, weil er erst mit 30 Jahren in die Öffentlichkeit trat.
Welche theologischen Aussagen bringen mir die Kindheitsberichte nach
Lukas? Jesus will arm sein, wie viele Menschen unserer Zeit. Er wendet
sich den Armen zu.
Jesus lebte in einer ganz normalen Familie mit Vater und Mutter. Er hatte seine ganz normalen menschlichen Entwicklungsprozesse. Er war sicherlich auch in der Pubertät, denn die Geschichte vom Verbleiben im
Tempel weist darauf hin.
Er ging mit seinen Eltern nach Jerusalem in den Tempel. Er musste
„glauben lernen“. Er musste seine Bibel, das 1. Testament, lernen. Er
vertraute den Hirten, dass sie seine Botschaft, die er vom „Vater Gott“
erhalten hat, weiter tragen. Er vertraute den Frauen und Männern seiner
Zeit, dass sie Gottes Botschaft weiter sagen.
Ja, bei Lukas gibt es viele wichtige Hinweise auch für die Verkündigung
der Botschaft Gottes in unserer Zeit. Ich lese das Evangelium im Advent
wieder einmal – vielleicht anders?
Marianne Levacher
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In den Blick genommen
Weihnachten der Tiere
(oder: Was ist das Wichtigste an Weihnachten?)
Die Tiere diskutierten einmal über Weihnachten. Sie stritten, was wohl
die Hauptsache an Weihnachten sei.
„Na klar, Gänsebraten“, sagte der Fuchs, „was wäre Weihnachten ohne
Gänsebraten!“
„Schnee“, sagte der Eisbär, „viel Schnee!“ Und er schwärmte verzückt:
„Weiße Weihnachten feiern!“
Das Reh sagte: „Ich brauche aber einen Tannenbaum, sonst kann ich
nicht Weihnachten feiern.“
„Aber nicht so viele Kerzen“, heulte die Eule, „schön schummrig und
gemütlich muss es sein, Stimmung ist die Hauptsache!“
„Aber mein neues Kleid muss man sehen“, sagte der Pfau, „wenn ich
kein neues Kleid kriege, ist für mich kein Weihnachten.“
„Und Schmuck“, krächzte die Elster, „jede Weihnachten kriege ich was:
einen Ring, ein Armband, eine Brosche oder eine Kette, das ist für mich
das Allerschönste.“
„Na, aber bitte den Stollen nicht vergessen“, brummte der Bär, „das ist
doch die Hauptsache, wenn es den nicht gibt und all die süßen Sachen,
verzichte ich lieber auf Weihnachten.“
„Mach’s wie ich“, sagte der Dachs, „pennen, pennen, das ist das Wahre
an Weihnachten, richtig ausschlafen!“
„Und saufen“, ergänzte der Ochse, „mal richtig einen saufen und dann
pennen…“. Dann ab er schrie er „au!!“, denn der Esel hatte ihm einen
gewaltigen Tritt versetzt: „Du Ochse, denkst du denn nicht an das
Kind?“ Da senkte der Ochse beschämt den Kopf und sagte: „Das Kind, ja
das Kind, das Kind ist die Hauptsache.“
„Übrigens“, fragte der Esel: „ob das auch die Menschen wissen??“
gefunden von Herbert Drießen
angemerkt:
Was wir an Weihnachten feiern, ist alles andere als eine Idylle. Die Krippe, die wir längst in unsere warmen Stuben geholt haben, stand bekanntlich im Stall. Niemand war da, der der schwangeren Frau und dem
jungen Mann aus Nazareth in Galiläa menschenwürdige Bleibe zu geben
bereit war. Kaum war das Kind zur Welt gekommen, musste die junge
Familie fliehen, weil Herodes, der machtbesessene Herrscher, dem Kind
Jesus nach dem Leben trachtete. Flüchtlinge waren sie, politisch Verfolgte, Asylsuchende.
Kardinal Walter Kasper
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