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LiteraturSeiten
Oktober 2014
Über Bücher, Autoren & Veranstaltungen
uuu
Im Waschsalon
der Lyrikfront
Lesen in der Milchstraße, in einem „Büro“ der Literatur? Für mich als Jungautor vom Land in den Achtzigern ein
kleines Abenteuer, so groß wie etwa im
Kindergarten eine Halbe H-Milch auf
Ex trinken. Zugegeben, auch mir schlug
das Herz geschwind beim ersten Mal:
Mehr kleiner Laden als Büro, angelaufene Schaufensterscheiben. Dahinter ein
gutes Dutzend Diskutanten, viel Bärte und strubbeliges Haar, Bierflaschen
schwenkend und Mienen, ernster als
bierernst, wild gestikulierend, halb verschlafen, halb verschult. Auf dem improvisierten Schafott: ein junges Ding wird
abgefragt. So schön und blond und zart
im Mini mit viel Herz und Schmerz auf
dem Papier. So hart verbal beharkt, mit
nackter Angst im Ton, so ungeschützt,
zerbrechlich – ausgesetzt dem ganzen
Spott von jedem x-beliebigen Lyriklehrergott.
Doktor P. z. B. steckt noch in Cord-Pantoffeln, Unpromovierte in ihren Birkenstocks. Und aus Sockenlöchern spitzen
scharfe Zehennägel. Die Helden laden
ihre Waschtrommeln, packen die Anfängerin am Schopf und waschen ihr
den Kopf. So lange Schleudergang, bis
ihr alle Tränen ausgepresst sind und die
Stimme den Dienst quittiert im Waschsalon der Lyrikfront. Ganz aufgelöst ist
sie auf und davon, und ich wär’ ihr am
liebsten nach. Aber bin, wie sich’s für einen braven Jung-AuTor gehört, solange sitzengeblieben bis ich endlich selbst
dran war. Auf geht’s beim Schichtl! Vorwaschgang! Mir ist die Muffe ordentlich gegangen. Aber weil ich mich beim
Lesen die ganze Zeit still gefragt hab, ob
man die Milchstraße besser mit Hausschuhen oder mit Schuhsocken betreten sollte, ist mein Kopf oben geblieben.
Deshalb bin ich in Jesuslatschen wieder
gekommen: zur Klarspülung.
Anton G. Leitn er
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300 Tonspuren zu Orten
des NS-Terrors in München
1933–1945
www.memoryloops.net
Das Vorbild
war die
Gruppe 47
Fotos: MLB
Glückwunsch an das MLB
www.literaturseiten-muenchen.de
Kalender Oktober
Mittwoch, 1. Oktober
17:00 Uhr
LesArt mit Buchvorstellung: Spôjmaï
Zariâb ist eine afghanische Autorin, die
seit 1991 in Montpellier lebt. Ihr Erzählband „Wenn Katzen Menschen werden“
steht diesmal im Mittelpunkt von LesArt.
Zu Beginn gibt es ein „Blitzlicht“: Etwas
Interessantes aus dem Literaturbetrieb
wird kurz vorgestellt oder eigene Entdeckungen. 4 €
→→ Seidlvilla, Nikolaiplatz 1b, 1. Stock re.
20:00 Uhr.
Das Münchner Literaturbüro in der Milchstraße und seine Macher
Das Münchner Literaturbüro feiert seinen 30. Geburtstag mit
Lesungen, Büchertagen sowie Werkstatt- und Lyrikpreis
Ein Stuhl, ein Tisch, eine Lampe:
Eine junge Frau nimmt Platz,
streicht zwei Papierbögen glatt
und beginnt vorzulesen. „Heimatliebe“ heißt der Text, eine
schnörkellose Geschichte über
eine Dreiecksbeziehung. Nach
zehn Minuten ist der Vortrag
vorbei – so wollen es an diesem
Abend die Regularien vom
Münchner Literaturbüro (MLB),
das zu seiner 1719. Lesung eingeladen hat. 1719 – das dürfte
Münchner Rekord sein. Seit 30
Jahren veranstaltet das MLB in
Haidhausen (offene) Lesungen,
Lyrikwettbewerbe oder Büchertage und gehört damit zu den
Säulen des Münchner Literaturbetriebs.
A
nders als bei Poetry Slams, bei denen das Publikum per Applaus
Noten verteilt, geht es in den MLBRäumen in der Milchstraße 4 differenzierter zu: Es sind moderierte Lesungen
mit Werkstattcharakter, mit noch nicht
veröffentlichten Texten im Diskurs
mit dem Auditorium. Nach dem Vortrag von Prosa und Lyrik wird sachkundig kritisiert oder gelobt, mal engagiert oder spröde, mal pauschal oder
detailverliebt, mal geschäftsmäßig
oder humorvoll. „Nehmen Sie die innere Bügelfalte weg“ heißt es da aus
dem Auditorium. Oder: „Das sind alles Teflon-Geschichten, da bleibt nix
hängen“. Oder: „Das war eine schöne,
schlicht erzählte Story“. Knapp 40 ZuhörerInnen sind es bei diesem 1719.
Abend, Stammgäste und Newcomer sitzen eng aneinandergereiht auf Klappstühlen, nippen an einem Glas Wein
und lauschen den vorgetragenen Texten. „Unser Modell war die Gruppe 47,
wir wollten einen basisdemokratischen
Umgang mit Literatur“, erinnert sich
Petra Lang, langjährige Vorsitzende, und Josef Rohrhofer, derzeit Vorstand des Literaturbüros, ergänzt: „Das
entsprach in den frühen 80er Jahren
durchaus dem Zeitgeist“ – schließlich
entstanden damals Literaturbüros in
Freiburg, Hamburg oder Berlin.
Seit 1984 haben Hunderte von bekannten und weniger bekannten Autoren in der Milchstraße gelesen; zu den
Renommierten gehören unter anderem
Wolfgang Bächler, Wolfgang Koeppen,
Herbert Rosendorfer, Asta Scheib, Gerhard Köpf, Christian Enzensberger, Marianne Hofmann, Joseph von Westfalen,
Ralf Bönt oder Anton G. Leitner (siehe
auch nebenstehenden Kasten). Sie alle saßen auf dem „elektrischen Stuhl“,
wie der Platz am Tisch neben dem Moderator scherzhaft genannt wurde. „Die
Kritiken im MLB wirken“, sind sich die
Organisatoren des Literaturbüros sicher. „Das zeigen die vielen Veröffentlichungen in renommierten Verlagen,
Stipendien oder Preise“. Einen (unfreiwillig) bleibenden Eindruck hatte die
Milchstraße auch beim Ost-Berliner Ministerium für Sicherheit (MfS) hinterlassen: Ein IM hielt in den Stasi-Akten
fest, dass das Geld beim MLB nicht reiche und das Literaturbüro „schlecht organisiert“ sei.
Von „schlechter Organisation“ kann
wohl kaum die Rede sein angesichts
der Fülle von Lesungen, Wettbewerben,
Fachgesprächen, Diskussionen und der
Herausgabe etlicher Anthologien und
Publikationen, die das MLB – natürlich
alles ehrenamtlich – auf die Beine gestellt hat. Schon vor der Gründung des
Vereins MLB hatte es im HaidhausenMuseum Werkstattgespräche zwischen
1978 und 1984 gegeben, 1980 folgten
die ersten Haidhauser Büchertage –
doch in feste Bahnen brachte Gründungsvater Kay Ken Derrick all diese
Aktivitäten erst, nachdem das Literaturbüro 1984 ein eingetragener Verein
mit einer festen Bleibe in der Milchstraße geworden war, der seitdem vom
Kulturreferat des Stadt München finanziell unterstützt wird.
Die Freitagslesungen, die Haidhauser
Büchertage, der Haidhauser Werkstattpreis und der Lyrik-Preis München – das
sind die inhaltlichen Schwerpunkte, die
sich das MLB seit Jahren setzt. Dane-
ben haben das Büro oder seine Protagonisten immer wieder Publikationen
und Anthologien herausgebracht, so etwa das „Literatur –Bulletin“, die Zeitschrift „Torso“ oder „Ausser.dem“. Vor
vier Jahren erschien der Band „schöneböse Kindheit“, ein Textsammlung von
50 Geschichten aus der Kindheit. Diese Anthologie von MLB-Mitgliedern und
anderen Autoren wurde allein in München auf 20 Lesungen vorgestellt. Die
Büchertage gingen bislang 27 Mal über
die Bühne, gedacht sind sie als Forum
für Münchner Kleinverlage, Literaturzeitschriften und Autorengruppen, die
sich in Lesungen vorstellen können. Diese Chance genutzt haben unter anderem die SchreiberInnen der Münchner
Zeitschrift BISS.
Den Lyrik-Preis München gibt es seit
2010, er wurde ins Leben gerufen von
Stein Vaaler, Hans-Karl Fischer und Kristian Kühn. Die Vorrunden laufen in der
Milchstraße, die Endausscheidung geht
einmal im Jahr im Gasteig über die Bühne, wo eine Fach-Jury den mit 1000 Euro
dotierten Lyrik-Preis München vergibt.
Dazu erklärt MLB-Vorsitzender Rohrhofer: „Ohne die Förderung durch die
Landeshauptstadt München, insbesondere durch das Kulturreferat und durch
die Stadtbibliothek sowie die Gasteig
GmbH war und wäre die Arbeit des MLB
finanziell nicht zu stemmen“.
Während der Lyrik-Preis München in
diesem Oktober zum 5. Mal verliehen
wird, ist der Werkstattpreis mit dem
Moderator Rainer Kegel schon lange
volljährig. An elf Offenen Abenden in
der Milchstraße wählt das Publikum aus
bis zu sechs Beiträgen den Tagessieger,
der sich dann mit den weiteren Vorrundenbesten im Gasteig messen muss. Im
Vortragsaal der Stadtbibliothek kürt das
Auditorium per Stimmzettel den Sieger.
Tagessiegerin bei der 1719. Lesung wurde übrigens Miriam Nonnenmacher –
ihre Dreiecksgeschichte „Heimatliebe“
fand den größten Beifall. MLB-Tagessieger zu werden, kann Folgen haben: Uwe
Tellkamp schaffte das im Jahr 2001, bevor er 2004 den Ingeborg-BachmannPreis gewann und 2008 mit „Der Turm“
den Deutschen Buchpreis.
I n a K u e gl e r
In der Reihe „Münchner Rede zur Poesie
XIII“ spricht Michael Krüger über „Arbeit
und Inspiration. Moderne Dichtung im
Spiegel ihrer Theorien“. Moderation:
Frieder von Ammon. 7/5 €. Mitglieder frei.
→→ Lyrik Kabinett, Amalienstr. 83 Rgb.
20:00 Uhr
„Die Einzigen“ – Lesung mit Norbert
Niemann. 9/7 €.
→→ Literaturhaus, Saal, Salvatorplatz 1
20:00 Uhr
Die Übersetzerin Sabine Zaplin und Peter
Kirchheim sprechen über Solly Ganors
Buch „Omega“ – ein Thriller über die
Kooperation der Schweizer Banken mit
dem „Reich“.
→→ Buchhandlung Kirchheim, Gauting,
Bahnhofstr. 30
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Die neue Leseplattform
whatchareadin.de
Donnerstag, 2. Oktober
19:30 Uhr
Hadumod Bußmann liest aus seinem
Buch „Die Prinzessin und ihr ‚Kavalier’“.
Res.: brasil@dbkv.de 7/5 E.
→→ Seidlvilla, Nicolaiplatz 1b
Freitag, 3. Oktober
19:30 Uhr
Offener Abend wie an jedem ersten
Freitag im Monat. Jede/r kann Prosa oder
Lyrik bis zu 10 Minuten vorlesen ohne
Anmeldung! Eintritt frei! Das Publikum
wählt den Abendsieger. Aus den Abendsiegern wird im Finale der Haidhauser
Werkstattpreis ermittelt.
→→ Münchner Literaturbüro, Milchstr. 4
Weiter auf Seite 2 uuu
– Anzeige
17.12.14 - 11.01.15
TICKETS: 089 – 55 234 444
www.deutsches-theater.de
Oktober 2014
Kalender (Fortsetzung)
19:00 Uhr
Sonntag, 5. Oktober
„Grad raus. Musik und Literatur im Wirtshaus“ – Herausgeberin Elisabeth Tworek
präsentiert ihre Spurensuche in der Wirtshausszene, musikalisch umrahmt von
Hasemanns Töchtern, Josef Brustmann
und Ulrich Zwack. 8/5 € VVK. Res.: lesung@
allitera.de oder 089-13 92 90 46.
→→ Realwirtschaft Stragula, Bergmannstr.
66
10:30 – 17:00 Uhr
19:30 Uhr
20:30 Uhr
Tukan-Preisträgerin Dagmar Leupold liest
aus ihrem Roman „Unter der Hand“. Einführung: Gudrun Bouchard. Eintritt frei.
→→ Autoren Galerie 1, Pündterpl. 6 / IV OG
Jüdische Kulturtage am Jakobsplatz:
„Bibelcode. Numerologische Methoden in
der jüdischen Bibelauslegung“. Studientag mit dem Religionsgelehrten Prof. Dr.
Dr. Daniel Krochmalnik (Heidelberg). In
den Textquellen des Judentums – Tora,
Mischna, Gemara und Kabbala – spielen
Zahlen eine wichtige Rolle. Geboten wird
ein „Spaziergang durch die Zahlenlabyrinthe von der Antike bis zur Gegenwart“.
Res. bis 3.10. unter karten@ikg-m.de
→→ Jüdisches Gemeindezentrum,
St.-Jakobs-Platz 18
Montag, 6. Oktober
19:00 Uhr
Thomas Anz spricht über „Die Dichter
und der Krieg. Deutsche Lyrik 1914 - 1918“.
Lesung: Michael Krüger, Eintritt frei.
→→ Bayerische Akademie der Schönen
Künste, Max-Joseph-Platz 3 (Residenz)
19:30 Uhr, Einlass 19:00 Uhr
„Gioia“ – Musik und Geschichten aus
Süditalien. Zweistimmig, einfach und ergreifend. Mit Susanne Padotzke (Stimme,
Gitarre) und Lisa Böhlke (Stimme, Gitarre).
28 € inkl. 3-Gänge-Menü (ohne Getränke).
→→ Café Ruffini, Orffstr. 22-24
19:30 Uhr
„Lieber Vati! Wie ist das Wetter bei Dir?“
– Michael Kogon schildert in seinem Erinnerungsbuch die dramatische Geschichte
seiner Familie im Nationalsozialismus.
Moderation: Norbert Frei. 9/7 €.
→→ Literaturhaus, Saal, Salvatorplatz 1
20:00 Uhr
„DNA-Raumfahrer in den Steinzeithöhlen
des Jetzt“ – Jerome Rothenberg präsentiert Gedichte aus 50 Jahren. Übersetzungen und Moderation: Norbert Lange.
7/5 €. Mitglieder frei.
→→ Lyrik Kabinett, Amalienstr. 83 Rgb.
Jüdische Kulturtage am Jakobsplatz: Jutta
Jacobi (Hamburg) stellt ihre große Geschichte „Die Schnitzlers – eine Familengeschichte“ vor. Enkel und Urenkelin des
Dichters, Michael und Giuliana Schnitzler,
werden als Gäste erwartet. Bild- und Tondokumente ergänzen die Veranstaltung.
Moderation: Judith Heitkamp (BR).
Res.: 089 – 20 24 00-491 oder unter
karten@ikg-m.de
→→ Jüdisches Gemeindezentrum,
St.-Jakobs-Platz 18
20:00 Uhr
Sabine Kornbichler liest aus ihrem neuen
Kriminalroman „Die Stimme des Vergessens“. 5 € (inkl. Wein/Häppchen). Res.: 08937414060 oder kontakt@buchbohne.de
→→ Buchhandlung Buch & Bohne, Kapuzinerplatz 4
Mittwoch, 8. Oktober
20:00 Uhr
„Jede einzelne Minute“ – Lesung mit Hugo
Hamilton. Die Schriftstellerin Úna will
sich kurz vor ihrem Tod noch einen letzten
Wunsch erfüllen und mit ihrem alten
Freund Liam nach Berlin reisen. 9/7 €.
→→ Literaturhaus, Saal,
Salvatorplatz 1
Donnerstag, 9. Oktober
18:30 Uhr
Schwabinger Schreibwerkstatt, Ad hocTexte zu einem vorgegebenen Thema
schreiben, anschließend gemeinsam lesen
und diskutieren. 4 € (auch am 23. Okt.).
→→ Seidlvilla, Nicolaiplatz 1b
20:00 Uhr
Der Grimm – von Aal bis Zypressenzweig
mit Gabi Altenbach, Cordula Gerndt und
Katharina Ritter. 13/10 €.
→→ Stemmerhof, Plinganserstr. 6
Burkhart Kroeber, die deutsche literarische Stimme
von Umberto Eco und Italo
Calvino
E
inen Riesenerfolg auf dem Büchermarkt zu landen, davon träumt jeder Verlag. Dass es ein 600-SeitenRoman werden würde, der in einem
mittelalterlichen Kloster spielt und der
vordergründigen Handlung um ein
paar handfeste Morde die gelehrten
Auseinandersetzungen um den Armutsstreit zwischen Papsttum und Bettelorden beimischt, war so nicht vorhersehbar. Doch als Burkhart Kroeber
das Debütwerk des Semiotikprofessors
Umberto Eco noch als unkorrigiertes
Fahnenexemplar in die Hände bekam,
wusste er: „Das Buch will ich machen.
Es hat mich gereizt, wegen der Vielfältigkeit der Themen und der Weltklugheit, die drinsteckt.“ Inzwischen ist Der
Name der Rose weltweit millionenfach
erschienen und er als Übersetzer italienischer Literatur eine Kapazität.
Mit Eco hat also alles angefangen, doch
nur weil Kroeber „eine unbezähmbare
Lust, ein fast sinnliches Verlangen danach“ verspürte, traute er sich an die
Übersetzung. Denn seine Voraussetzungen waren nicht die günstigsten.
Bis dahin hatte er nur Sachbücher aus
dem Französischen, Englischen und Italienischen übersetzt und keine Erfahrung mit einem narrativen Text. „Da
der Roman aber gesättigt ist mit historischem, philosophischem, denkerischem Material, wusste ich dank meiner Erfahrung mit Sachbuchtexten, wie
man recherchiert. Und einmal den Ton
gefunden, floss die Übersetzung so dahin, da die Sprache relativ homogen ist
– der Erzähler ist ja ein greiser Benediktinermönch, der sich eine dramatische
Woche aus seiner Jugendzeit in Erinnerung ruft.“ Auch Kroebers Leben wurde durch Eco verändert. Als Sachbuchlektor im Hanser-Verlag hatte er einen
sehr begehrten Posten inne und nach
seinem Studium der Ägyptologie und
Romanistik die Jahre als „unabhängiger
Literaturarbeiter“ eigentlich hinter sich.
Nun setzte er alles auf eine Karte und
wurde wieder freier Übersetzer.
Das war 1982. Seitdem hat er zwei Dutzend weiterer Bücher von Eco über-
setzt, neben den fünf anderen Romanen
auch Essays, Reportagen, Glossen, Parodien und Travestien, und war in diesen
32 Jahren mit dem geistigen Weg seines
Autors so gut wie nie uneins. „Eco vertritt ja Meinungen, und denen konnte
ich politisch folgen. Hätte er plötzlich einen rechtskonservativen oder irgendwie
fundamentalistischen Weg eingeschlagen, wie es ja bei anderen Intellektuellen vorkommt, hätte ich den nicht mitgehen können. Man muss das Buch, das
man übersetzt, auch mögen, sonst gibt
man sich nicht die nötige Mühe. Das ist
wie bei einem Musiker, der eine Sonate
interpretiert. Er muss ein Gefühl dafür
entwickeln, sonst wird das nichts.“ Sich
vorher eingehend mit dem Autor zu befassen, seinem Leben, seinen Vorlieben,
Abneigungen, Lektüren, ist für Kroeber hilfreich, aber keine Bedingung. „Eco
setzt sich sehr gerne mit seinen Übersetzern auseinander bzw. zusammen. Doch
es gibt gar nicht wenige Autoren, die
niemanden an sich ranlassen, mit denen
man nur über ihre Agenten kommunizieren kann. Und was Zitate oder Metaphern etc. anbelangt, da überlässt Eco es
seinen Übersetzern, neue Bilder zu erfinden. Er will geradezu, dass etwas Neues
kreiert wird.“
Neben Eco ist Kroebers Lieblingsautor Italo Calvino. „Der ist makellos, nicht
wortreich, nicht geschwätzig, alles ist von
einer kristallinen Klarheit. Da stimmt
der Rhythmus, die Tonlage, die Klangfarbe, jedes Komma steht am richtigen
Platz und hat seine Bedeutung. Calvinos
Texte sind phantasievoll, nicht vorhersehbar, nie könnte man sagen, das kenne ich jetzt. Und er lässt seine Figuren für
sich sprechen – am liebsten wäre es ihm
gewesen, als Autor ganz zu verschwinden.“ Weil Calvino jeden Satz, jede
Wortstellung sehr genau bedacht habe,
sei es schwer, ihn adäquat zu übertragen. Wenn man das nicht berücksichtige, lese sich der Text holprig. Man müsse ihn musikalisch übersetzen, der Ton
sei mindestens so wichtig wie der Inhalt. „Ist der Text für den deutschen Leser genauso verstehbar wie für den italienischen, dann habe ich es richtig
gemacht. Man nennt das im Fachjargon Wirkungsäquivalenz, die Übersetzung soll die gleiche Wirkung erzielen
wie das Original.“ Diese „Originaltreue“
brachte Kroeber neben vielen anderen Auszeichnungen 2011 den renommierten Christoph Martin WielandÜbersetzerpreis ein, und zwar genau
für ein Buch von Calvino. Auch bei seiner Neuübersetzung von Alessandro
Manzonis Roman I promessi sposi –
von Kroeber entgegen dem bisher üblichen Titel Die Verlobten weit passender mit Die Brautleute übertragen
– war es sein Ziel, ja sein Ehrgeiz, jeden Satz möglichst genau dem Original
nachzubilden. So ließ er vor allem Manzonis lange Satzperioden bestehen, die
er einem an Kleist und Thomas Mann
geschulten deutschen Publikum durchaus zumutbar fand. Desgleichen wollte
er Manzonis unterschwellige bittere
Ironie herausarbeiten. Und das ist ihm
offensichtlich gelungen, die Kritiken
sprechen von einer glänzenden Neuübersetzung, hart und witzig, dort wo
es angebracht ist.
Kroebers offensiv vorgetragene These, dass Übersetzer Zweitautoren sind
bzw. Übersetzungen zwei Autoren
haben, versteht sich als Beitrag zum
Kampf gegen das Schattendasein der
meisten seiner Kollegen. „Es ist ein
langer Kampf um Gleichberechtigung,
aber langsam wird’s besser. Eigentlich gibt es eine ganz einfache Lösung,
um das leidige finanzielle Problem
zu lösen. Wie einst auf jedes Kilowatt
Strom ein sogenannter Kohlepfennig
erhoben wurde, sollte jedes übersetzte
Buch mit einem kleinen Aufpreis belegt werden. Als ich das vor gut zehn
Jahren in einem Artikel für die FAZ
schrieb, dachte ich, dass es zu einem
Aufschrei der Verlage kommen würde. Aber die haben mich einfach totgeschwiegen.“
K at r i n a B e h r e n d L e s c h
20:00 Uhr
Lyrische Kostprobe
Tobias Roth: Tantalus
Kohlmeisen nisten in der Wand meines Hauses,
Seit der Wind wieder sanfter die Fassade –
Sie sind es,
Die Angelo Polizianos Frühlingsgedichte erfüllen,
Nicht wir.
Sie sitzen auf den Polsterquadern
Und springen und lassen sich
Fallen.
Roland Astor, Claus Obalski
präsentieren „ Die letzten Tage
der Menschheit“ (Karl Kraus).
Res. : 089-23219877.4
→→ Theater undsofort, Kurfürstenstr. 8
20:30 Uhr
„Betrachtungen eines Politischen. Thomas Mann und die
deutsche Politik 1914–1933“ –
Hinter den Fenstern,
Sebastian Hansen präsentiert
Meine Hand lag schon auf ihrer Hüfte;
auf der Grundlage bislang
Dann zog sie sich zurück.
unentdeckter Quellen neue
Einsichten zur politischen Rolle
proiecta vilior alga
Thomas Manns. 7 €.
Vergil, Bucolica, VII, 42
Res.: 089-380 150-0 oder
service@lehmkuhl.net
20:00 Uhr (Einlass: 19.30 Uhr)
→→ Buchhandlung Lehmkuhl, Leopoldstr. 45
Gut gepolt und geczechkt! – eine polnische und eine tschechische GegenFreitag, 10. Oktober
wartsautorin lesen: Sylwia Chutnik aus
„Weibskram“ und Petra Hulova aus „Drei14.30 Uhr
zimmerwohnung aus Plastik“. 8/10 €.
Literarischer Stadtspaziergang über fünf
→→ Ampere, Zellstr. 4
Ehefrauen berühmter Schriftsteller.
Führung: Rita Steininger. Res.:
Dienstag, 7. Oktober
anmeldung@bildungswerk-bayern.de
→→ Treffpunkt: Akademiestr. 15
18.30 Uhr
Steven Scharf liest aus „Ausflug mit
Urne“, der Roadnovel des finnischen Autors und Bloggers Roope Lipasti. Einführung: Cornelia Zetzsche. Musik: Tuija Komi
(voc) & Vlad Cojocaru (akk). Eintritt frei.
→→ Literaturhaus, Foyer, Salvatorplatz 1
Übersetzen ist wie Musizieren
Foto: Peter-Andreas Hassiepen
www.literaturseiten-muenchen.de
LiteraturSeiten
Literarische ÜbersetzerInnen (Folge 4)
19:30 Uhr
Autoren stellen sich mit ihren Texten
der Diskussion mit einem sachkundigen
Publikum.
→→ Münchner Literaturbüro, Milchstr. 4
Samstag, 11. Oktober
18:00 Uhr
„Einer gegen alle. Oskar Maria Graf zum
120. Geburtstag“ – Lesung und Vortrag
mit Ulrich Dittmann und Aurel Manthei.
→→ Marstall Café, Marstallplatz
19:00 Uhr
Krimifest München: Felicitas Mayall
präsentiert ihren neuen Kriminalroman
„Schwarze Katzen“. 10 €. Nur mit Reservierung unter testfactory@t-online.de
→→ Institut für Rechtsmedizin / Sektionshörsaal, Nussbaum-Ecke Schillerstraße
20:00 Uhr
20. Haidhauser Literaturbox1 mit den beiden Münchner Tukanpreisträgern Fridolin
Schley und Thomas Palzer. Schley liest
seine Erzählung „Bevor es uns einschneit“
sowie eine weitere aus dem E-Book „Die
leuchtende Stadt“. Palzer stellt seinen
neuen Roman „Nachtwärts“ vor, die
Geschichte einer inszenierten Entführung
mit Tücken des Erwachsenwerdens.
Die Haidhauser Literaturbox ist eine
Bühne für Autoren, Kleinverlage und
Literaturzeitschriften, die Prosa, Lyrik,
Experimentelles, Theatralisches vortragen
wollen. Bewerbungen mit Textproben –
max. 20 Normseiten – an Petra Lang,
hlb1@maliku.de. 5 €.
→→ Literaturbox im KiM Kino im „Einstein
Kultur“, UG, Einsteinstr. 42
20:00 Uhr
Martin Pfisterer liest Goethes „Die Leiden
des jungen Werther“. Res.: 089 -12737135
→→ La Cantina, Elisabethstrasse 53
Sonntag 12. Oktober
11:00 Uhr
„Krieg von allen Seiten“ – Markus Hering
liest Texte von Erich Mühsam, Stefan
Zweig, Lion Feuchtwanger u. a.
→→ Residenztheater, Zur schönen Aussicht, Max Joseph Platz
11:00 Uhr
Suchers Leidenschaften: Frank Wedekind
→→ Prinzregententheater, Gartensaal,
Prinzregentenplatz 12
18:00 Uhr
Krimifest München: Peter James präsentiert seinen neuen Thriller „Mörderische
Obsession“. 10 €. Res.: mail@krimifestivalmuenchen.de
→→ Klinikum Rechts der Isar, Hörsaal,
Ismaninger Str. 22
20:00 Uhr, Einlass: 19:00
Poetry Slam mit fünf lokalen Poeten aus
München und Umgebung, die gegen fünf
ruhmreiche Cracks der nationalen und
internationalen Slam-Szene antreten. Für
die passende Slamstimmung sorgt DJ
Misanthrop.
→→ Substanz, Ruppertstr. 28
Montag, 13. Oktober
19:00 Uhr
Beginn der Reihe: „Was ist noch schön
an den Künsten“. Peter von Matt spricht
über „Schönheit als Gegenstand und als
Ereignis im Gedicht“. Einführung Michael
Krüger. Gespräch Peter Hamm, Michael
Krüger, Peter von Matt. Eintritt frei.
→→ Bayerische Akademie der Schönen
Künste, Max-Joseph-Platz 3 (Residenz)
20:00 Uhr, Einlass: 19:30 Uhr
„Poetry in Motion“ – Die Slam PoetryNacht mit den namhaften Einzelpoeten
Mike McGee (USA), Franziska Holzheimer (Hamburg) und Andivalent (München). Moderation: Ko Bylanzky. An den
Turntables: Poetry DJ Rayl Patzak. 7/5 €.
Mitglieder frei.
→→ Lyrik Kabinett, Amalienstr. 83 Rgb.
20:00 Uhr
Autoren aus Finnland: Leena Lander liest
aus „Das Sonntagsmädchen“. Hannu Riaittila aus „Kontinentaldrift“. Moderation
und deutscher Text: Stefan Moster. 8/6 €.
→→ Café Ruffini, Orffstr. 22-24
20:00 Uhr
Gert Heidenreich stellt seinen neuen
Krimi „Der Fall“ vor. Moderation: Joachim
Kalka. (Siehe auch die Buch-Rezension auf
Seite 4 der LiteraturSeiten). 9/7 €.
→→ Literaturhaus, Salvatorplatz 1
19:00 Uhr
Ausstellungseröffnung: Kultur am Abgrund – Jüdisches Leben am Tegernsee.
Es sprechen: Bernhard Purin, Direktor des
Jüdischen Museums München, Elisabeth
Tworek, Leiterin der Monacensia und
Kuratorin der Ausstellung. Lesung: Thomas
Birnstiel. Eintritt frei. Res.: 089 - 288 51 64 23
oder veranstaltungen.jmm@muenchen.de
→→ Jüdisches Museum München, St.Jakobsplatz 16
19:00 Uhr
Eva Madelung, Tochter Robert Boschs,
stellt ihr Buch „Reden, bevor es zu spät ist“
vor. Eintritt frei. Res.: office@stang-pr.de
→→ Juristische Bibliothek Rathaus,
Marienplatz 8, Raum 366
19:30 Uhr
Ausstellungseröffnung von „‚Erfolg‘
Lion Feuchtwangers Bayern“. Jürgen
Tonkel liest ausgewählte Passagen aus
dem Roman, die „Well Buam“ treten auf,
Bürgermeister Josef Schmid eröffnet die
Ausstellung. Moderation: Reinhard
G. Wittmann. 16/10 € (inkl. Empfang)
→→ Literaturhaus, Salvatorplatz 1
Mama“ . Einführung: Gudrun Bouchard.
Eintritt frei.
→→ Autoren Galerie 1, Pündterpl. 6 / IV OG,
Freitag, 17. Oktober
15:00 Uhr
Judith Allert liest aus ihrer bekannten
Buchreihe „Paula und Lou“. Für Kinder ab
6. Eintritt frei. Anm.: 089-2 32 25-420 oder
buchhandlung@lesetraum.de
→→ Buchhandlung lesetraum.de,
Herzog-Wilhelm-Str. 5
18:00 Uhr
Karoline Rörig stellt ihr Buch ”Cristina
Trivulzio di Belgiojoso (1808-1871) –
Geschichtsschreibung und Politik im
Risorgimento“ vor (in dt. Sprache).
→→ Istituto Italiano di Cultura,
Hermann-Schmid-Str. 8
19:30 Uhr
„An Wildschweinen sterben mehr
Menschen als an Haien“. Heike Duken
liest aus Kurzgeschichten und einem
Romanprojekt.
→→ Münchner Literaturbüro, Milchstr. 4
20:00 Uhr
In der Reihe „Jahrhundertbriefe“ wird
der Briefwechsel von Richard Strauss
und Hugo von Hofmannsthal vorgestellt.
Einführung: Jens Malte Fischer. Es lesen:
Wolfgang Pregler und Stefan Hunstein
→→ Münchner Kammerspiele,
Maximilianstr. 28
„Sonntag in meinem Herzen“ – Das Leben
des Malers Carl Spitzweg. Asta Scheibs
Lesung aus ihrer Romanbiografie wird
musikalisch begleitet von Josef Brustmann mit Vertonungen von SpitzwegGedichten. 12 €. Res: 089-928781-0 oder
stb.bogenhausen.kult@muenchen.de
→→ Kunstforum Arabellapark, Rosenkavalierplatz 16
20:00 Uhr
Samstag, 18. Oktober
20:00 Uhr
Videolyrik: Offene Lesebühne trifft
Kurzfilmkino. 5 €.
→→ Stemmerhof, Plinganserstr. 6
20:30 Uhr
„Vier neue Nachrichten“ – gesendet von
einer neuen, aufregenden Stimme aus
New York. Joshua Cohen zeigt, wie radikal
das Internet unseren Umgang mit Sex,
Arbeit, Familienleben und Zukunftsplänen verändert hat. 7 €. Res.: 089380 150-0 oder service@lehmkuhl.net
→→ Buchhandlung Lehmkuhl, Leopoldstr. 45
Mittwoch, 15. Oktober
19:00 Uhr
In der Reihe „Der Erste Weltkrieg und die
Künste“ spricht Jens Malte Fischer über
„Die letzten Tage der Menschheit. Karl
Kraus und der Erste Weltkrieg.“ Einführung: Michael Krüger. Eintritt frei.
→→ Bayerische Akademie der Schönen
Künste, Max-Joseph-Platz 3
19:00 Uhr
„Was ist ein Dichter ohne Plagen?“ Ein
Abend für den russischen Dichter Michail
Jurjewitsch Lermontow mit Klaus Münster (Rezitation), Svetlana Prandetskaja
und Fruts Kamp (Gesang) u. a. Res.:
089 - 351 69 87, 15/10 €.
→→ Seidlvilla, Nicolaiplatz 1b
20:00 Uhr
Andreas Altmann liest aus seinem
Palästina-Buch „Verdammtes Land“. 15 €.
Res.: 089-18910096
→→ Buchhandlung Lentner, Balanstr. 14
20:00 Uhr
Katja Kettu und Kjell Westö lesen aus
„Wildauge“ und „Das Trugbild“, zwei aktuelle Bücher aus Finnland. Moderation:
Cornelia Zetzsche. Lesung der deutschen
Texte: Nico Holonics (Veranstaltung in
engl. und dt. Sprache) 9/7 €.
→→ Literaturhaus, Salvatorplatz 1, Saal
Donnerstag, 16. Oktober
20:00 Uhr
Harald Martenstein stellt sein Buch „Die
neuen Leiden des alten M.“ vor. Martenstein ist Autor der Kolumne „Martenstein“ im ZEITmagazin und Redakteur
beim Berliner Tagesspiegel. 9/7 €.
→→ Literaturhaus, Salvatorplatz
20:30 Uhr
Johannes Glötzner liest aus seinem Tatsachenroman „Liebster König, meine liebe
9.30 Uhr
Literaturfrühstück mit Alexander Kluy,
Publizist „Frankfurter Rundschau“ sowie
„Literaturen“. 12 € (inkl. Frühstücksbuffet)
Res: 089-759 69 89-0 sowie stb.fuerstenried.kult@muenchen.de
→→ Stadtbibliothek Fürstenried,
Forstenrieder Allee 61
16:00 Uhr
Izzeldin Abuelaish liest aus seinem Buch
„I Shall not Hate“ (mit Übersetzung aus
dem Englischen). Abuelaish praktizierte
als Arzt in Israel und in Gaza, als im Januar 2009 israelische Panzergranaten sein
Haus in Gaza zerstörten und drei seiner
Töchter töteten. 5 €.
→→ Seidlvilla, Nicolaiplatz 1b
19:00 Uhr
Finale beim „Lyrikpreis München“ (siehe
auch nebenstehende Meldung).
→→ Vortragssaal der Bibliothek im
Gasteig, Rosenheimer Str. 5
20:00 Uhr
„Der Junge muss an die frische Luft“ –
Hape Kerkeling präsentiert sein neues
Buch. Entwaffnend ehrlich, mit großem
Humor und Ernsthaftigkeit spricht er
Zum 5. Mal
D
er Lyrikpreis München wird am
Samstag, 18. Oktober um 19 Uhr
im Vortragssaal der Bibliothek im
Gasteig zum fünften Mal vergeben.
Das Preisgeld, bestehend für den ersten Preis aus 1000 Euro, für den zweiten aus 500, wird vom Münchner Literaturbüro sowie privaten Sponsoren
gestiftet. Um den Preis streiten diesmal in der öffentlichen Lesung im
Gasteig Konstantin Ames, Kathrin
Bach (beide Berlin), Markus Hallinger, (Irschenberg), Tobias Roth (Berlin),
Walter Fabian Schmid (Solothurn), Sebastian Unger (Berlin). Die sechs Lesenden wurden in zwei Vorrunden
von der jeweiligen Abendjury vor Publikum im Münchner Literaturbüro
ausgewählt. Der Vergabejury gehören
an Wolfram Malte Fues, Lyriker und
Germanist aus Basel, Andreas Heidtmann, Gründer des Poetenladen in
Leipzig, Birgit Kreipe, Gewinnerin des
Preises im letzten Jahr, Àxel Sanjosé,
Lyriker und Lehrbeauftragter an der
LMU München sowie Katharina Schultens, Lyrikerin aus Berlin.
KK
über seine Kindheit im Ruhrgebiet. Und
über das Auf und Ab einer 30-jährigen,
turbulenten Karriere. 17/13 €.
→→ Volkstheater, Briennerstr. 50
20:00 Uhr
Ursula Haas und Helmut Vakily lesen aus
ihren erotischen Texten zur „Langen Nacht
der Münchner Museen“. Eintritt frei.
→→ Autoren Galerie 1, Pündterpl. 6 / IV OG
20:00 Uhr
Christoph Poschenrieder liest gemeinsam mit Michael Stacheder vom Jungen
Schauspielensemble München aus dem
Roman „Das Sandkorn“ (Longlist zum
Deutschen Buchpreis). 8 € inkl. 1 Glas
Wein. Res.: 089-37414060 oder kontakt@
buchbohne.de
→→ Buch & Bohne, Kapuzinerplatz 4,
Eingang Häberlstr.
Sonntag, 19. Oktober
17:00 Uhr
Meir Shalev stellt den Roman „Zwei
Bärinnen“ vor. In einem Dorf im Norden
Israels begehen im Jahr 1930 drei Bauern
Selbstmord. So steht es in den Akten, aber
alle im Dorf wissen, dass nur zwei der
angeblichen Selbstmörder Hand an sich
gelegt haben. Den deutschen Text liest
Stefan Hunstein.
→→ Literaturhaus, Salvatorplatz 1.
17:00 Uhr
Rosanna Lanzillotti und Allasandra
Brisotto präsentieren in Italienisch und in
Deutsch das Brisotto–Buch „Das Zimmer
am Ende des Floors“.
→→ Mundart-e Kulturverein,
Kaulbachstr. 71a
20:00 Uhr
„Brennerova“ – Wolf Haas liest aus seinem
neuen Roman. 22/19 €. Res.: 089-5234655.
→→ Volkstheater, Briennerstr. 50
Montag, 20. Oktober
19:00 Uhr
Spanische Literaturtage – Das Eigene,
weit mehr als Identität. Gespräch mit
Fernando Aramburu. Moderation: Piero
Salabé.
20:00 Uhr
Jésus Carrasco stellt seinen ersten Roman
„Die Flucht“ vor. Moderation: Carmen
Pinilla. Eintritt frei.
→→ Instituto Cervantes, Kultursaal,
Alfons-Goppel-Str. 7
20:00 Uhr
„Die Erschließung des Lichts“ – Italienische
Lyrik der Gegenwart. Die Anthologie
wird präsentiert von Michael Krüger und
Federico Italiano. 7/5 €. Mitglieder frei.
→→ Lyrik Kabinett, Amalienstr. 83 Rgb.
20:00 Uhr
„I’m your man“ – Leonard Cohen zum 80.
Geburtstag. Eine literarisch-musikalische
Hommage mit Gert Heidenreich, Thomas
Kraft und Laura Wachter (Gesang). 15/12 €.
→→ Café Ruffini, Orffstr. 22-24
20:00 Uhr
Krimifest München: Der schottische Autor Ian Rankin präsentiert seinen neuen
Krimi „Schlafende Hunde“. 12 €. Res.:
textfactory@t-online.de
→→ Institut für Rechtsmedizin, Sektionshörsaal, Nussbaum- Ecke Schillerstraße
20:30 Uhr
Axel Hacke liest aus „Das Beste aus
meinem Liebesleben“. Mit Ursula Mauder.
→→ Lustspielhaus München, Occamstr. 8
Dienstag, 21. Oktober
19:00 Uhr
Spanische Literaturtage – Das Eigene,
weit mehr als Identität. Gespräch mit der
Romanautorin Elia Barceló. Moderation:
Elisabeth Witt. Eintritt frei.
→→ Instituto Cervantes, Kultursaal, AlfonsGoppel-Str. 7
19:00 Uhr
Fortsetzung der Reihe „Was ist noch
schön an den Künsten“. Gottfried Böhm
spricht über „Die Evidenz des Lebendigen.
Kurzgeschichte
Sonnenwasser
E
in Himmel, zum Zerreißen gespannt.
Der zitternde Horizont, der Hügel,
hinter dem sie ständig das Meer zu sehen glaubte, das leise Summen im Gras –
das alles erinnerte sie an einen Film. Die
unerträgliche Helligkeit hinderte sie daran, sich zu entspannen und ruhig zuzusehen. Von dem grellen Sonnenlicht taten ihr die Augen weh.
Foto: Frank Mittelhessen
Dienstag, 14. Oktober
Auf der Leinwand waren nur sie und der
Hund, aber das Mädchen wusste – jemand führt einen Film vor, und sie hat
keinen Einfluss darauf. Weit und breit
war keine Menschenseele zu sehen. Die
kleinen Lebewesen – Insekten – gaben
weiter ihre Laute von sich. Das Hin-undher-Huschen der Eidechsen war ein Teil
des Stummfilms. Der Wind machte gerade Mittagspause, und es gab niemanden,
der die Wäsche auf den Leinen und die
Markisen vor den Fensterscheiben zum
Flattern gebracht hätte.
Es war ihr auch früher manchmal so vorgekommen, als wäre nichts real. Der
Film lief, und das Mädchen konnte sich
von der Seite sehen. Immer noch siebzehn Jahre alt, in ihrem Kleid, mit Sommersprossen im Gesicht. Um ihre Fesseln
rankten sich wie Efeu die Riemchen ihrer
Sandalen. Eine solche Leere hatte sie mitten in der Stadt noch nicht erlebt.
Es kann doch nicht sein, dass alle am
Strand sind und die Häuser deshalb leer
stehen? Diese Gärten, Stühle und aufgespannte Sonnenschirme, unter denen
niemand sitzt. Als wäre etwas passiert,
und die Menschen wären verschwunden,
das Leben aber geht ohne sie weiter. Aus
keiner einzigen Küche hörte man das
Klappern von Geschirr, die Rufe von Kindern, Gespräche.
Sie blieb stehen und suchte nach einem
Vogel oder einem anderen Geschöpf, das
sich nicht in seinem Loch verkrochen und
keine Angst davor hatte, sich draußen, in
dem schaukelnden Zenit zu zeigen. Sie
entdeckte nichts und niemanden. Die Zypressen am Wegrand waren in die Glut
dieser Stunde gespießte Fische. „Charly, Charly, komm zurück! Hierher!“ Ihre
Stimme klang dumpf, der Hund hörte sie
und blieb neben ihr stehen .
Sie erinnerte sich an die heißen Tage ihrer Kindheit. Die steil abfallende Wiese,
wo ihre Großmutter die heruntergefallenen Pflaumen auflas, zwischen all den
Kräutern und Blüten. Sie spielte im Schatten eines Baumes mit dem Rücken zum
Wald. Und alles war saftig und grün.
Hier gab es nicht ein Neutron jener Atmosphäre. Es war ein irrealer, betäuZur Analyse der ästhetischen Erfahrung“.
Begrüßung: Michael Krüger. Eintritt frei.
→→ Bayerische Akademie der Schönen
Künste, Max-Joseph-Platz 3, (Residenz)
19:30 Uhr
Der 1. Weltkrieg – ein Ausbruch an Pathos,
Kitsch und Blutgeschrei, zusammengestellt von Michael Skasa, stimmlich begleitet von Detlef Kügow und angereichert
durch musikalische Beiträge von Frederic
Hollay. Eine „Seerosen“-Veranstaltung.
→→ Künstlerhaus, Lenbachplatz 8
bender Sommer. An der Grenze des Lebens. Bei all dem Licht wurde sie das
Gefühl nicht los, dass sein schwarzes Auge sie von irgendwo her beobachtete. Seine lautlosen Schritte kamen bald näher,
bald entfernten sie sich und verwandelten sie von einem jungen Mädchen in eine alte Frau.
Die Gebäude, die kleine Kapelle, sie
selbst, alles wurde von den Sonnenspitzen durchdrungen. Sie gingen mitten hindurch, so
dass es keinen Zentimeter
Schatten gab. Alles stand
für sich allein. Im hellen
Schein seines Schmerzes.
Solche Einsamkeit kannte
sie nicht. Sie weckte einen
unstillbaren Durst, obwohl
sie immer wieder aus der
Flasche mit Sonnenwasser trank.
Charly näherte sich der
Stelle, an der er sonst sein Revier markierte, kam aber schnell wieder zurück. Die junge Frau spürte jetzt nicht
mehr, dass hinter der nächsten Anhöhe das Meer auftauchen würde. Es kam
ihr so vor, als gähnte dort ein Abgrund,
in dem es einmal Wasser gegeben hatte,
das längst in den Furchen der Erde versickert war. Seit einer knappen Stunde bewegten sie sich auf der bekannten Strecke mit diesem unbekannten Gefühl.
Geht es dir auch so, Hündchen, flüsterte
sie. Du bist der einzige weiße Schatten
in dieser Welt. An diesem blendenden
Nachmittag gab es nichts zu entdecken.
Alles war längst offenbart .
Ihr Blick stieß gegen eine schwankende
Mauer aus Luft und prallte daran ab. Irgendetwas bewegte sich dort. Etwas war
geschehen und hatte die Luft zum Beben gebracht. Jene tiefe Vorahnung einer
Bewegung, irgendein rätselhaftes Band
spulte sich ab, verdrehte die offensichtlichsten Dinge und zeigte ihre verborgenen Seiten. Und allein die Sehnsucht
des Mädchens nach einem Windhauch
wehte die Eidechsen wie trockene Halme
vom Weg.
Kurz bevor sie den absurden Wohnblock
erreichten, in dem sie gewöhnlich verschwanden, hielt ein Auto neben ihr.
Am oberen und unteren Ende der Straße
herrschte völlige Leere. Woher und wie
diese schwarze Limousine mit ihrem metallischen Glanz unter dem Himmel aufgetaucht war, wer am Lenkrad saß und
warum sie anhielt – sich das zu fragen,
blieb dem Mädchen keine Zeit. Sie verfolgte das Geschehen wie auf einer Leinwand, mit leicht zusammengekrampftem Magen und erwachter Neugier.
Das vordere Seitenfenster glitt langsam
nach unten, eine grazile Guillotine. Ein
Kopf mit üppigem, von Gel gebändigtem
Haar erschien. In ihren Augen ein Feld
mit Olivenbäumen. Ein Gesicht unbestimmbaren Alters mit dunkler Brille
verzog die Lippen zu einem Lächeln. Sie
fragte: „Kann ich Ihnen helfen?“
An dieser Stelle reißt der Film. Im letzten
Bild sitzt ein kleiner Hund auf dem Bürgersteig und wartet.
T a n i a R u p e l -T e r a
19:30 Uhr
Der A1-Verlag präsentiert das Buch
„Busenfreundinnen“ von Ursula Haas:
Geschichten über die weibliche Brust.
Eintritt frei.
→→ Seidlvilla, Nicolaiplatz 1b
20:00 Uhr (Einlass: 19:00 Uhr)
Isar Slam (Poetry Slam) mit den Moderatoren Ko Bylanzky und Pierre Jarawan.
→→ Ampere, Zellstr. 4
Oktober 2014
Kalender (Fortsetzung)
20:00 Uhr (Einlass: 19:00 Uhr)
Krimilesung mit Max Bronski und Bluesrock mit der Max Bronski Band.
→→ Milla, Holzstr. 28
20:00 Uhr
David Nicholls stellt sein Buch „Drei auf
Reisen“ vor. 10/ 8 €.
→→ Literaturhaus, Salvatorplatz 1, Saal
Mittwoch, 22. Oktober
19:00 Uhr
„Sonntag in meinem Herzen“ – Das Leben
des Malers Carl Spitzweg. Asta Scheib
liest aus ihrer Romanbiografie. 5 €.
Res.: 089-233 92 709
→→ Juristische Bibliothek, Rathaus,
Marienplatz 8, Raum 366
19:00 Uhr
Pegasus – Verein für kreatives Schreiben
e.V., Autorenstammtisch, Textvorstellung
mit Besprechung. Gäste willkommen.
→→ Münchner Frauenforum, Rumfordstr. 25
19:30 Uhr
Uwe Kolbe liest auf Einladung des TukanKreises aus „Die Lüge“. 7 /5 €.
→→ Seidlvilla, Nicolaiplatz 1b
20:00 Uhr
Buchpremiere der Jahresschrift DAS
GEDICHT: „Der Swing vom Ding. Die Lust
am Objekt“. Die Herausgeber Anton G.
Leitner und Hellmuth Opitz präsentieren zusammen mit 35 LyrikerInnen aus
Deutschland und der Schweiz den 22.
Jahrgang der Zeitschrift. Friedrich Ani,
Georg Eggers, Birgit Müller-Wieland,
Bernhard Setzwein, Ludwig Steinherr und
viele andere besingen die öffentliche und
private Welt der Dinge. Von der bedrohten
Glühlampe bis zum wohlig wärmenden
Kachelofen. Moderation: Sabine Zaplin.
9/7 €.
→→ Literaturhaus, Bibliothek, Salvatorpl. 1
Die in Deutschland lebende chinesische
Autorin Lingyuan Luo stellt ihr Buch „Das
Mädchen, der Koch und der Drache“ vor.
7 €. Res.: 089-227967
→→ Buchhandlung Lentner, Marienplatz/
Rathaus
20:30 Uhr
20:30 Uhr
Reinhard Ammer & Fabrizio Giannuzzi
lesen und spielen „Herzzreisen“ –
Rabenschwarze Münchner Geschichten
zur Mundharmonika. 16 €,
Res.: 089 - 26 78 50
→→ Theater im Fraunhofer, Fraunhoferstr. 9
„Alpha & Omega. Apokalypse für Anfänger“ – Markus Orths liest aus seiner
grandiosen Erlöser- und Wissenschaftsparodie. 7 €. Res.: 089-380 150-0 oder
service@lehmkuhl.net
→→ Buchhandlung Lehmkuhl, Leopoldstr. 45
20:30 Uhr
Donnerstag, 23. Oktober
19:00 Uhr
Wieland Schmied – ein pragmatischer
Träumer. Freunde erinnern sich. Volker
Banfield spielt Robert Schumann: Novellette op. 21, Nr. 8. Eintritt frei.
→→ Bayerische Akademie der Schönen
Künste, Max-Joseph-Platz 3 (Residenz)
Barbara Bronnen liest aus ihrem Roman:
„Meine Väter“. Eintritt frei.
→→ Autoren Galerie 1, Pündterpl. 6 / IV OG
Freitag, 24. Oktober
14:00-23:00 Uhr
„Emmy Hennings – Die Weglaufsüchtige“. Gunna Wendt präsentiert Texte von
Emmy Hennings, Susanne Brantl singt
Chansons aus der Zeit um 1900. Begleitprogramm zur Ausstellung des Münchner
Stadtmuseums „Ab nach München!
Künstlerinnen um 1900“. 10 €.
→→ Münchner Stadtmuseum/Sammlung
Musik, St.-Jakobs-Platz 1
Christine Strobl (Dritte Bürgermeisterin)
eröffnet das Schamrock-Festival der
Dichterinnen 2014. Lesungen und Performances mit u.a. Karin Fellner, Gunna
Wendt, Asta Scheib, Barbara Yurtdas, Nora
Gomringer (20:00 Uhr). Um 21:00 Uhr
Musiktheater mit Helga Pogatschar nach
Texten von Nora Gomringer. Eintritt Einzellesung 8 bis 10/6 bis 8 Euro, Tagesticket
25/20 Euro. Festivalpass 3 Tage 55/45 E.
→→ Pasinger Fabrik (S-Bahnhof Pasing)
August-Exter-Str. 1, Wagenhalle
20:00 Uhr
19:30 Uhr
19:30 Uhr
Heike Fröhlich, Nina Sahm und Dorian
Steinhoff stimmen ein zum „Großen
Tag der jungen Münchner Literatur“, der
im Januar 2015 ansteht. Über 40 junge
Autoren aus München werden lesen. Die
OrganisatorInnen informieren über das
Projekt, drei der spannendsten neuen
Stimmen aus München lesen aus ihren
Texten. 5 €.
→→ Literatur Moths, Rumfordstr. 48
Literarisch-musikalischer Abend mit Texten
von Mahmoud Darwish im Rahmen der
Palästina-Tage 2014. Darwish (1941–2008),
als Nationaldichter verehrt, verleiht in
seiner Lyrik der Not des palästinensischen
Volkes Ausdruck. Lydia Starkulla und Riyad
Helow rezitieren die Gedichte, Bahir AlRajab begleitet die Texte auf der
arabischen Kastenzither Qanoun. 7 €.
→→ Seidlvilla, Nicolaiplatz 1b
20:00 Uhr
20:00 Uhr
Ulla Hahn liest aus „Spiel der Zeit“. Das
Werk ist ein mitreißender Entwicklungsroman und zugleich ein starkes Epochenbild der 68er Jahre der Bundesrepublik
Deutschland. Moderation: Reinhard G.
Wittmann 9/7 €.
→→ Literaturhaus, Salvatorplatz 1, Saal
Juha Itkonen stellt seinen Roman „Ein
flüchtiges Leuchten“ vor. Itkonen (Jahrgang 1975) gehört zu den führenden
Autoren der jungen finnischen Generation. Sein neuester Roman ist eine Familiensaga, die fünf Jahrzehnte umspannt.
Moderation: Stefan Moster . 9/7 €.
→→ Literaturhaus, Salvatorplatz 1, Saal
Rezension
Ermittlungen im
Jenseits
V
om Rand der Klippen schwingen
sich die Möwen ins Licht und begrüßen mit ihren Schreien den Tag. [...] Am
Fuß der Steilwände stakst und stolpert
Swoboda über die runden Steine, die
dreibeinige Staffelei links geschultert.
[...] Ein falscher Schrei. Der Maler bleibt
stehen und sieht auf. Über der Kante der
Kreideküste wachsen im dunstigen Himmel erste Inseln von normannischem
Blau. Die Vögel sind verstummt. Sie geben ihre Kreise auf, kippen in den Wind
und lassen sich hinaustragen über die
See. [...] Ein zweiter falscher Schrei. Der
Maler blickt nach oben. Der gebauchte
Käfer, der über die Kante der Klippen
rutscht, gerät ins Trudeln, fällt, die
schwarzen Fühler suchen Halt, in halber
Höhe schlagen die langen Hinterbeine
gegen einen Vorsprung in der Wand,
der Körper prallt ab, stürzt weiter, wird
ein Mensch und trifft zwischen den nass
schimmernden Gesteinstrümmern auf,
die in Sturmfluten aus den Kalkfelsen
gebrochen sind.
Swoboda, der Maler, war in Zeiten vor
seinem Ruhestand Kriminalhauptkommissar in Zungen an der Nelda, einer
fiktiven niederbayerischen Kleinstadt
nahe der tschechischen Grenze. Nach
seiner Pensionierung hat er sich in Les
Petites Dalles in der Normandie niedergelassen. Er will sich nicht hineinziehen
lassen in die Abgründe einer verbreche-
Foto: BR
www.literaturseiten-muenchen.de
LiteraturSeiten
20:00 Uhr
Der Autor Gert Heidenreich
rischen Tat, deren Zeuge er gerade geworden ist. Er versucht das Gesehene
ungesehen sein zu lassen, wird jedoch
als Beobachter des Felsensturzes entdeckt, gejagt und von einem eleganten
Latino nicht nur gestellt, sondern auch
kaltblütig erschossen.
Das ist nicht das Ende des Romans
„Der Fall“ von Gert Heidenreich, sondern der Eingangsplot der ersten elf
Seiten. Natürlich erwartet man als Leser, dass es irgendein Schlupfloch, ein
Scheintotsein, einen doppelten Boden
für den sympathischen Maler geben
müßte, aber es gibt nichts davon. Und
das macht den Roman – neben den stilistisch einnehmenden Landschaftsbeschreibungen – schon mal bedeutend
interessanter, als die sonst gängige
Krimiware.
Noch spannender ist die darauf folgende Teilung der Handlungsstränge in
eine reelle und eine fiktive Gegenwart.
Wir begleiten zum Einen ein Ermittler-
duo – bestehend aus einem französischen Kommissar und einer deutschen Kriminalrätin des BKA – bei ihren
Versuchen, den Pfaden internationaler
Geldwäschesysteme zu folgen, zum Anderen den Maler Svoboda, der in einer
imaginären Ebene allen handelnden Figuren begegnet. Er betrachtet das Treiben von außen, ist aber als Toter nicht
geneigt einzugreifen. Letztendlich aber
vermischen sich die beiden Welten unmerklich dennoch.
Der Wahlmünchner Gert Heidenreich
hat mit seinem soeben erschienen zweiten Kriminalroman die Möglichkeiten
dieses Genres deutlich erweitert. Es ist
ihm gelungen, eine Jenseitigkeit zu skizzieren, die frei ist von gegenständlicher
Paradies- oder Höllenvorstellung. Das
feine Netz, das beide Ebenen zwischen
Dies- und Jenseits verbindet, ist unaufdringlich, lässt den Leser aber dennoch
über Wahrheiten jenseits der Greifbarkeit nachdenken. Dazu kommen noch
ein gelungener Plot aus der internationalen Hochfinanz und die leichte Sprache,
die die pendelnde Reise zwischen München, Burgund und Normandie nicht
nur begleitet, sondern auch bestens bebildert.
M i c h a e l B e r wa n g e r
Gert Heidenreich
Der Fall
Kriminalroman, gebunden, 320 Seiten
Klett-Cotta, Stuttgart 2014, 19,95 Euro
PS: Gert Heidenreich stellt „Der Fall“ am
13. Oktober (20 Uhr) im Literaturhaus vor
Samstag, 25. Oktober
13:00 bis 23:00 Uhr
Schamrock-Festival der Dichterinnen
2014. Lesungen und Performances mit
Künstlerinnen aus Galicien, aus der
Schweiz, aus Deutschland, Irland und
der Republik Tuva. Um 22:00 Uhr startet
die Poetry-Party mit Dichterinnen und
Festivalbesuchern.
→→ Pasinger Fabrik (S-Bahnhof Pasing)
19:00 Uhr
„Morgenstern am Abend“ – Zum 100.
Todestag von Christian Morgenstern. Lesung mit Andreas Wimberger. Einführung
und Moderation: Waldemar Fromm und
Markus May. 7/5 €. Mitglieder frei.
→→ Lyrik Kabinett, Amalienstr. 83 Rgb.
Sonntag, 26. Oktober
13:00 bis 22:00 Uhr
Schamrock-Festival der Dichterinnen
2014. Dichterinnen aus Finnland, Lesungen und Performances mit Andrea
Grill, Diana Syrse, Gabriele Trinckler und
Anja Golob.
→→ Pasinger Fabrik (S-Bahnhof Pasing)
18:00 Uhr
Krimifest München: Schwedische Kriminacht mit Carl-Johan Vallgren und seinem
Thriller-Debüt „Schattenjunge“. 10 €. Res.:
mail@krimifestival-muenchen.de
→→ Klinikum Rechts der Isar, Hörsaal,
Ismaninger Str. 22
Montag, 27. Oktober
19:00 Uhr
Alfred Gulden trägt Nietzsches „Dionysos
Dithyramben“ vor. Mit Zwischentexten
von Nietzsche, gelesen von Elke Wachendorff. 8/6 €.
→→ Seidlvilla, Nikolaiplatz 1b
19:00 Uhr
Das literarische Kabinett zum Thema
Bäume. Res.: literaturprojekte@BirgitMonz.de und Abendkasse.
→→ Görreshof, Görrestr.38
Dienstag, 28. Oktober
20:00 Uhr (Einlass: 19:00 Uhr)
Vermessen – eine literarisch-philosophische Reihe: Alexander Pschera stellt
sein Buch „Das Internet der Tiere“ vor. Moderation: Christian Schiffer (Bayerischer
Rundfunk / Zündfunk), 10/12 €.
→→ Ampere, Zellstr. 4
20:15 Uhr, Einlass 20:00 Uhr
Krimifest München: Schottische Kriminacht mit Denise Mina und ihrem neuen
Thriller „Das Vergessen“. 10 €.
→→ Hugendubel, Fünf Höfe,
Theatinerstr. 11
Mittwoch, 29. Oktober
19:00 Uhr
Hesiod. Theogonie. Lesung: Raoul Schrott,
Einführung: Michael Krüger. Anschließend Gespräch. Eintritt frei.
→→ Bayerische Akademie der Schönen
Künste, Max-Joseph-Platz 3 (Residenz)
20:00 Uhr
„Fünf Löcher im Himmel“ – Rocko Schamoni schreibt Roadnovel und Bildungsroman in Einem, dunkles Drama, Sinnsuche
und ein Sack vergammelter Träume. 19 €.
→→ Volkstheater, Briennerstr. 50
Lyrik von und
mit Frauen
Klassisch und experimentell
M
it kreativer Musik und Poesie die
Welt verändern“ – das Ziel des 2.
Schamrock-Festivals der Dichterinnen
ist nicht eben bescheiden. Das soll es
auch nicht sein, gilt es doch, ein Experiment fortzusetzen, das vor zwei Jahren höchst erfolgreich begonnen hat.
Im Herbst 2012, beim ersten Schamrock-Festival in der Pasinger Fabrik,
war es noch ein Traum: das zweite
und viele weitere Festivals, eine Bühne nur für Frauen, die sich dem Spiel
mit den Worten verschrieben haben,
und ein Netzwerk für Künstlerinnen,
die männerdominierte Strukturen in
Frage stellen wollen. Jetzt, 2014, steht
das 2. Schamrock-Festival (24. bis 26.
Oktober) an. Über 50 Lyrikerinnen aus
Deutschland, Finnland, Galicien, Irland, Italien, Japan, Mexiko, Österreich,
der Schweiz, Slowenien, der Türkei,
der Republik Tuva (Mongolei) und den
USA wispern und schreien, lesen und
rappen, singen und spielen, was sie
der Welt mitzuteilen haben. Das Festival der Dichterinnen gilt als weltweit einmalig. Aus der Taufe gehoben
hat es Augusta Laar, selbst Künstlerin,
die Musik und Lyrik gern mit überraschenden Aktionen verbindet. Gleich
am Freitag (24. Okt.) steht Helga Pogatschar mit einer Kammerversion des
Musiktheaters „Drei fliegende Minuten unplugged“ nach Texten von Nora Gomringer auf dem Programm (21
Uhr), am Samstag folgen die Sprechoper „Die Entsorgung von all dem
Zeugs“ (17.30 Uhr) und die Konzert-Performance mit EBOW (21.30 Uhr). Und
das ist nur eine kleine Auswahl. Seine ganz besondere Stärke gewinnt
Schamrock nicht zuletzt dadurch, dass
es Dichterinnen generations- und länderübergreifend zusammenbringt. Infos: www.schamrock.org.
us
20:00 Uhr
„Die Ungehaltenen“ – Lesung mit Deniz
Utlu, Nora Buzalka, Thomas Lettow und
Bijan Zamani.
→→ Marstallcafé, Marstallplatz
20:00 Uhr
„... Doch mein wildes Herz folgte der
Spur in die Wüste. / Schneller rann mein
Puls im Sand / und die Hand, die nach
Sternen griff, / zerriss im Kaktus.“ – Renée
Rauchalles liest Lyrik der Priesterfrau
Elisabeth Spies.
→→ ZEITfürKUNST-GALERIE, Wörthstr. 39
Impressum
Herausgeber (zugleich Anschrift der Redaktion):
Münchner Literaturbüro e. V.,
Haidhauser Werkstatt (MLB)
Milchstraße 4, 81667 München,
www.muenchner-literaturbuero.de
LiteraturSeiten München
Tel. 089-189 753 50
www.literaturseiten-muenchen.de
Redaktion: Ina Kuegler (V.i.S.d.P.) /
redaktion@literaturseiten-muenchen.de
Anzeigen: Hellmuth Lang, 0170-582 43 35
anzeigen@literaturseiten-muenchen.de
Preisliste: Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 5
www.literaturseiten-muenchen.de/mediadaten
Donnerstag, 30.Oktober
Mitarbeiter: Katrina Behrend Lesch, Michael
Berwanger,Wolfram Hirche, Simone Kayser,
Ina Kuegler und Ursula Sautmann;
Lyrische Kostprobe: Hans-Karl Fischer
20:00 Uhr
Termine: termine@literaturseiten-muenchen.de
„Busenfreundinnen“ – Ursula Haas
stellt ihren neuen Roman vor und liest
zusammen mit Renée Rauchalles aus
ihren Werken.
→→ ZEITfürKUNST-GALERIE, Wörthstr. 39
Gestaltung/Realisierung:
Michael Berwanger/Tausendblauwerk
www.tausendblauwerk.de
Freitag, 31. Oktober
Mit Förderung des Kulturreferats der
Landeshauptstadt München.
19:30 Uhr
Autoren stellen sich mit ihren Texten
der Diskussion mit einem sachkundigen
Publikum
→→ Münchner Literaturbüro, Milchstr. 4
Bankverbindung: Münchner Literaturbüro,
Münchner Bank,
IBAN: DE60 7019 0000 0100 3347 07,
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Landeshauptstadt
München
Kulturreferat
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Redaktionsschluss für die Ausgabe November 2014:
16. Oktober 2014
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Kategorie
Seele and Geist
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