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Einheitsstatut: Alles was Sie wissen müssen im - Statut unique

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POLITIQUE
Das Einheitsstatut im Privatsektor:
Einheitsstatut: Alles was Sie
wissen müssen im Überblick
Am 29. April 2008 verabschiedeten die Abgeordneten die Gesetzesvorlage 5750 und nahmen damit die
parlamentarische Hürde zur Einführung des Einheitsstatutes, das am 1. Januar 2009 in Kraft treten wird.
Die „Fédération des Artisans“ setzte sich während den zweijährigen Verhandlungen konsequent für die
Interessen ihrer Mitglieder ein. Kostenneutralität, Respekt der sektoriellen Gegebenheiten und konsequente
Missbrauchsbekämpfung waren die Bedingungen, die das Einheitsstatut in den Augen der Arbeitgeber zu
erfüllen hatte. Im Rahmen der Verhandlungen kam man diesen Voraussetzungen Schritt für Schritt näher,
so dass das Handwerk dem Gesetz schlussendlich zustimmen konnte. Lediglich im Bereich der
Missbrauchsbekämpfung hätte man sich eine handfestere gesetzliche Verankerung gewünscht.
Immerhin verabschiedeten die Abgeordneten eine Motion, die die Regierung dazu einlädt, bis spätestens
2010 eine Bilanz zu ziehen und gegebenenfalls nachzubessern.
In den folgenden Ausgaben des „d’handwierk“ werden wir Sie eingehend über Inhalt und Auswirkungen des Einheitsstatutes informieren und die „Fédération des Artisans“ wird im Herbst regionale
Informationsversammlungen organisieren.
Im folgenden Artikel möchten wir Ihnen einen ersten Überblick
über die wesentlichen Neuerungen bieten, die mit der Einführung
des Einheitsstatutes zum 1.1.2009 auf die Unternehmen zukommen
werden.
Das Einheitsstatut im Überblick
1. Zweck des Gesetzes
Mit dem Einheitsstatut werden arbeits- und sozialrechtliche Unterschiede zwischen Angestellten und Arbeitern aufgehoben. In der
Praxis hatten Arbeiter mit dem gleichen Bruttolohn ein geringeres
Nettoeinkommen als Angestellte, da ihre Versicherungsbeiträge
zum Krankengeld wesentlich höher waren.
Ab dem 1. Januar 2009 gelten alle Beschäftigte des Privatsektors
als „salarié“. Wie in der Tripartite beschlossen, orientiert sich das
neue Statut im Wesentlichen an dem der Privatbeamten.
2. Die Lohnfortzahlung
Die Verallgemeinerung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
und bei Arbeitsunfällen zu Lasten der Unternehmen war einer der
größten Knackpunkte bei den Verhandlungen zwischen Regierung
und Arbeitgebern. In Zukunft gilt das Prinzip der Lohnfortzahlung
für alle Beschäftigte des Privatsektors. Innerhalb einer Periode von
mindestens 12 Monaten müssen die Unternehmen den Lohn während der ersten 13 Fehlwochen auszahlen, ehe die Krankenkasse
die Zahlung übernimmt.
Um sich gegen dieses Risiko abzusichern, wurde die „Mutuelle des
Entreprises“ ins Leben gerufen, die die Rolle der Krankenkasse
teilweise übernehmen wird. Bis 2011 werden die Unternehmen den
Grossteil der Arbeitnehmerbeiträge für Krankengeld der früheren
Arbeiter einbehalten, um damit die „Mutelle des Entreprises“ zu
finanzieren. Zwischen 2012 und 2014 werden den Arbeitnehmern
ihre Beiträge sukzessiv übertragen.
Die „Mutuelle“, für die Pflichtmitgliedschaft gilt, ersetzt den
Unternehmen 80 Prozent der geleisteten Lohnfortzahlung für die
ehemaligen Arbeiter und Angestellten. Für letztere mussten die
Unternehmen bis dato die Lohnfortzahlung aus eigener Tasche
finanzieren. Auch Selbstständige und Betriebschefs werden ihren
Lohnausfall über die „Mutuelle“ versichern können. Für Arbeitnehmer, die sich in der Probezeit befinden, übernimmt die Krankenkasse während drei Monaten die integrale Lohnfortzahlung.
Auf eine 100prozentige Rückerstattung der Lohnfortzahlung seitens der „Mutuelle“ wurde verzichtet, um einerseits die Beiträge
geringer zu halten und andererseits die Unternehmen zu einer
aktiven Präsenzpolitik anzuregen.
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POLITIQUE
Zur Berechnung der Lohnfortzahlung wird in Zukunft lediglich
der Basislohn berücksichtigt werden, und nicht auch noch Überstundenzuschläge, Gratifikationen etc, so wie das bis jetzt üblich
war.
Die Beiträge zur „Mutuelle“ richten sich nach unterschiedlichen
Risikoklassen. Ein Unternehmen mit einem hohen Krankenstand
wird einen höheren Beitrag zu entrichten haben, als ein Unternehmen mit wenigen Fehlzeiten. Durch eine Verbesserung des Krankenstandes kann ein Unternehmen in eine günstigere Risikoklasse
wechseln und so Beiträge sparen. Falls die Beiträge zur Finanzierung der Lohnfortzahlung nicht ausreichen, wird die Regierung
für den Fehlbetrag gerade stehen.
Den Kontrollen hat die „Fédération des Artisans“ im ganzen Verhandlungsverlauf eine wesentliche Rolle beigemessen. Die Kontrollinstrumente werden in den Statuten der „Gesundheitskasse“ definiert werden. Inhalt der politischen Abmachung ist es, dass der Arbeitgeber im
Zweifelsfall Kontrollen im In- und Ausland veranlassen kann. Sollten
die Kontrolleure einen Missbrauch feststellen, wird der Arbeitgeber
darüber in Kenntnis gesetzt und kann die entsprechenden arbeitsrechtlichen Schritte gegen den Arbeitnehmer einleiten.
3. Die Überstundenregelung
Ein weiterer Knackpunkt betraf die Überstundenregelung. Heute
erhalten Arbeiter einen 25prozentigen Überstundenzuschlag und
Angestellte einen 50pozentigen Zuschlag. Ab dem 1.1.2009 gilt
für alle Arbeitnehmer ein 40prozentiger Überstundenzuschlag,
ohne dass es die Unternehmen teurer zu stehen kommt, als das
jetzige Modell.
Im Prinzip wird eine Überstunde mit 1,5 Urlaubsstunden abgegolten. Sollte diese Kompensation mit Freizeit aus betrieblichen
Gründen nicht möglich sein, wird ein Überstundenzuschlag von
40 Prozent fällig. Indem man Überstunden von Steuern und mit
Ausnahme des Krankenkassenbeitrags für Naturalleistungen auch
von allen Sozialabgaben befreit, bleibt für den Arbeitnehmer mehr
Geld übrig, ohne, dass es die Unternehmen mehr kostet.
4. Abgangsentschädigungen
Die einheitlichen Abgangsentschädigungen orientieren sich für
Beschäftigte ab einer 20jährigen Betriebszugehörigkeit an dem,
was für Angestellte üblich war.
Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern können die Abgangsentschädigung durch eine verlängerte Kündigungsfrist ersetzen.
Betriebszugehörigkeit
für alle Beschäftigte
ab 1.1.2009
Früheres
Arbeiteregime
nach 5 Jahren
1 Monatslohn
1 Monatslohn
nach 10 Jahren
2 Monatslöhne
2 Monatslöhne
nach 15 Jahren
3. Monatslöhne
3 Monatslöhne
nach 20 Jahren
6 Monatslöhne
3 Monatslöhne
nach 25 Jahren
9 Monatslöhne
3 Monatslöhne
nach 30 Jahren
12 Monatslöhne
3 Monatslöhne
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Arbeitgeber, die weniger als 20 Mitarbeiter beschäftigen können
die Abgangsentschädigung durch eine verlängerte Kündigungsfrist ersetzen:
Betriebszugehörigkeit
Kündigungsfrist
weniger als 5 Jahre
2 Monate
zwischen 5 und 10 Jahre
5 Monate
zwischen 10 und 15 Jahre
8 Monate
zwischen 15 und 20 Jahre
9 Monate
zwischen 20 und 25 Jahre
12 Monate
zwischen 25 und 30 Jahre
15 Monate
Ab 30 Jahre
18 Monate
5. Trimestre de Faveur
Durch das so genannte „trimestre de faveur“ ist der Arbeitgeber
dazu verpflichtet, dem überlebenden Ehepartner oder eingetragenen Partner während drei Monaten den Lohn des verstorbenen
Arbeitnehmers weiterzuzahlen. Diese Regelung, die heute nur für
Angestellte gilt, wird mit dem Einheitsstatut verallgemeinert.
Um die Kosten zu begrenzen, erhalten Arbeitgeber während dieser Periode die Überlebendenrente des Verstorbenen, so dass das
Unternehmen nur für die Differenz zwischen Rente und Lohn aufkommen muss. Landesweit zählt man rund 60 solche Fälle pro
Jahr.
6. Kollektivverträge
Bereits heute gilt die Regel, dass es pro Betrieb einen einzigen
Kollektivvertrag gibt. Nach dem 1. Januar 2009 wird es auch keinen Unterschied zwischen Arbeitern und Angestellten geben. Es
wird jedoch nicht so sein, dass die Vorteile des einen automatisch
auch für den anderen gelten werden. Für Arbeitnehmer, die nicht
an der Ausführung der Kernmissionen des Unternehmens beteiligt sind, sprich Büropersonal, können einzelne Bestimmungen
des Kollektivvertrages ausgeklammert werden oder abweichende
Bestimmungen gelten.
7. Krankenkassen und Berufskammern
Die sechs Krankenkassen des Privatsektors werden in der so
genannten „Gesundheitskasse“ aufgehen. Außerdem werden die
Privatbeamten- und die Arbeiterkammer fusionieren. Von diesen
Zusammenschlüssen verspricht man sich Einsparungen und administrative Vereinfachungen für die Unternehmen.
8. Personaldelegationen
Durch das Einheitsstatut werden auch getrennte Personaldelegationen hinfällig. Die neuen Personaldelegationen werden anlässlich
der Sozialwahlen vom November dieses Jahres bestimmt. An der
Anzahl der Delegierten in den Betrieben ändert sich nichts. Auch
zu diesem Thema wird die „Fédération des Artisans“ regionale
Konferenzen organisieren, um die Unternehmen bei der Durchführung der Sozialwahlen zu unterstützen.
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Seele and Geist
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