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es gibt so vieles, was man nicht weiß - Herten erleben

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rat & servive
Es gibt so vieles,
was man nicht weiß
Vorsichtig hebt Jutta Bühner die Frau aus dem
Bett. Ein Arm um die Hüfte, den anderen um die
Schulter. „Achten sie auf ihren Rücken, der muss
gerade sein“, erklärt die Altenpflegerin. Mit
geübten Handgriffen schiebt sie die „Patientin“
vom Bett in einen Rollstuhl. Die im Kreis um sie
herum stehenden Damen nicken, achten auf jede
Bewegung. Herzlich willkommen im Pflegekurs des
Gertrudis-Hospitals in Westerholt.
nach insgesamt zwölf Stunden ist der Kurs abgeschlossen. Die Teilnahme am Kurs ist kostenlos.
Es ist ein monatliches Angebot der Kranken­
hausgesellschaft KKRN (Katholisches Klinikum
Ruhrgebiet Nord). „Es gibt so vieles, was man
nicht weiß, wenn man plötzlich vor so einer
­Aufgabe steht“, sagt die Dorstenerin. „Das fängt
mit dem Umlagern im Bett an, gilt aber auch für
den Umgang mit der Krankenversicherung und
der Pflegekasse. Ich wusste anfangs überhaupt
nicht, welche Ansprüche ich habe.“
An einem Kurs können bis zu sechs Familien
teilnehmen. Am Anfang steht immer eine spielerische Einführungsrunde, in der die Angehörigen ihre Sorgen und Nöte schildern. „Das ist für
uns unheimlich wichtig. Wir gehen sehr genau
auf die einzelnen Probleme ein. Und die Teilnehmer merken: Ich bin nicht allein, es geht auch
Hier lernen Angehörige, wie sie zu Hause
ging alles so plötzlich. Von einem auf den ande-
nen die Teilnehmer Tricks und Kniffe, die die
pflegebedürftige Menschen versorgen können.
ren Augenblick hat man sein eigenes Leben und
Pflege zu Hause erleichtern. „Da geht es darum,
Eine Teilnehmerin des Kurses ist Petra Riese aus
dann noch das Leben eines anderen, um das man
wie ich jemanden die Haare waschen kann, der
Dorsten. Die 43-Jährige pflegt zu Hause ihre
sich kümmern muss. Dann ist man erst einmal
im Bett liegt. Wie oft muss ich jemanden umla-
Mutter, die nach einem Unfall auf Hilfe ange-
überfordert“, gibt Petra Riese zu. An drei Sitzun-
gern, damit keine Druckgeschwüre entstehen.
wiesen ist und zudem noch Dialysepatientin. „Es
gen des Pflegekurses hat sie teilgenommen,
Wie reiche ich das Essen an. Und wie erstelle ich
46 Herten erleben 45|2013
Fotos: Marco Stepniak
anderen so“, erklärt Jutta Bühner. Danach ler-
Das Gertrudis-Hospital in Westerholt ist zertifiziertes Geriatriezentrum. Pflegende Angehörige wie Petra Riese (r.)
werden von Kursleiterin Jutta Bühner (o.) in einem eigenen Gebäude geschult.
einen Notfallplan, damit ich an alles denke,
der Pflegekasse, wer sind meine Ansprechpart-
wenn doch mal was passiert“, verdeutlicht die
ner bei der Krankenkasse, wen kann ich einschal-
Altenpflegerin, die die Familien auf Wunsch
ten, wenn ich selber einmal eine Auszeit oder
auch zu Hause besucht. Um am eigenen Leib zu
Urlaub brauche. Bühner: „Die Angehörigen ma-
spüren, wie es sich anfühlt, wenn einen jemand
chen einen Rollentausch durch. Eigentlich helfen
anderes aus dem Bett hebt, muss jeder Teilneh-
die Eltern ihren Kindern beim Waschen. Plötzlich
mer sich ins Bett legen und „Patient“ spielen.
ist es umgekehrt. Dann müssen die Pflegenden
Jeder Handgriff, den man ansetzt, sollte mit
auch an sich denken. Die Pflege eines Angehöri-
dem Pflegebedürftigen abgesprochen werden.
gen ist ein 24-Stunden-Job, viele vergessen sich
„Kommunikation ist ganz wichtig. Wenn ich
selbst dabei. Es fällt schwer, Verantwortung ab-
sage, was ich mache, nehme ich dem Menschen
zugeben.“ Was viele nicht wissen: Pflegenden
im Bett die Angst vor dem was passiert.“
Angehörigen steht eine sogenannte Verhinde-
Wesentlich für die 46-Jährigen: „Wir bilden kei-
rungspflege zu, eine Art 28-tägiger Urlaub, in
ne Profi-Pflegekräfte aus, sondern wollen dafür
dem eine Pflegekraft den Angehörigen betreut.
sorgen, dass die Menschen sich sicher fühlen in
Petra Riese hat die Teilnahme am Kurs geholfen.
infotipps
dem was sie tun.“
„Ich habe gemerkt, dass da jemand ist, der sich
Gertrudis-Hospital Westerholt
Kuhstraße 23 · 45701 Herten
Tel.: 02 09/6 19 10 · www.kkrn.de
Deswegen steht auch viel Theorie auf dem
„Stundenplan“: Welche Ansprüche habe ich bei
interessiert und der ein offenes Ohr hat.“
Tobias Kindel
Mitten in Herten
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Schettler
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