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Lust auf Norden Freitag, 20. März 2015 = 18.15 bis 18.45 Uhr

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Kleiner Schul-Knigge für angehende
Lehrerinnen und Lehrer
oder: Wie werde ich zu dem, was ich jetzt bin?
- Ein Vorbild!
von Claudia Leditzky
Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass die Regeln für ein gedeihliches Zusammenleben in den Schulen, die Sie kennenlernen werden, ganz unterschiedlich aussehen können und Ihre
Praxislehrer_innen Sie sicher über die geltenden Gepflogenheiten in ihren Klassen in Kenntnis
setzen werden. Dennoch gibt es grundlegende Bereiche, in denen sowohl unter Praxislehrer_innen
wie auch Praxisberater_innen Konsens über das zu erwartende Verhalten von zukünftigen
Lehrer_innen zu bestehen scheint. Diese Bereiche habe ich für Sie in meinem kleinen "SchulKnigge" zusammengefasst. Manches darunter wird Ihnen vermutlich sofort als "Das ist ja selbstverständlich!" ins Auge stechen, anderes hingegen ein "Ah, daran hätte ich gar nicht gedacht!"
auslösen und Sie vielleicht zu einer bewussteren Auseinandersetzung mit dem Thema anregen.
Vorbildfunktion
Die vielleicht schwierigste, aber auch wichtigste Lektion, die es zu lernen gilt:
Sie haben für die Kinder in der Schule - so wie alle anderen Lehrpersonen auch - Vorbildfunktion!!!
Kinder imitieren Erwachsene, und entgegen mancher Vermutung nehmen sie Worte und Taten
von erwachsenen Personen in ihrem Umfeld sehr ernst!
Als angehende_r Lehrer_in übernehmen Sie nun selbst in der Schule eine verantwortungsvolle
Aufgabe, schlüpfen dabei in eine neue Rolle, in der sich Ihr Verhalten durchaus von dem Verhalten
Ihres "privaten Ichs" unterscheiden kann. Bedenken Sie also, sobald Sie das Schulhaus betreten:
Somebody is watching you! 
Pünktlichkeit
In den meisten Wiener Volksschulen beginnt der Unterricht um 8 Uhr, die Kinder erscheinen
jedoch ab 7.45 Uhr in ihren Klassen und müssen auch ab diesem Zeitpunkt von den zuständigen
Lehrpersonen beaufsichtigt werden. Alle etwaigen Vorbereitungsarbeiten für den Unterricht werden daher bereits vor diesem Zeitpunkt getroffen! Pünktlichkeit im Schulbetrieb ist also nicht nur
eine Frage der Höflichkeit, sondern eine Frage der Dienstpflicht!
Mag. Claudia Leditzky - PH Wien - Oktober 2014
1
Grüßen und Vorstellen
Wenn Sie zum ersten Mal in Ihre Praxisschule gehen, stellen Sie sich bitte in der Kanzlei vor!
Jede_r Direktor_in hat das Recht zu wissen, wer sich in ihrer oder seiner Schule aufhält und muss vor allem auch aus Sicherheitsgründen - nachfragen, wenn vermeintlich schulfremde Personen
durch das Schulhaus wandeln. Kommen Sie dem oder der Schulleiter_in zuvor und informieren Sie
ihn oder sie darüber, wer Sie sind!
Gegrüßt werden sollte jedoch generell jede Person im Schulhaus, egal ob es sich um die Direktorin,
den Schulwart, die Kinder, die Schulärztin, eine Lehrerin oder die Eltern handelt! Und das unabhängig davon, ob Sie zurück gegrüßt werden oder nicht …! Ja, auch das kommt leider öfter vor als
man denkt, aber wie war das nochmal? Genau, Sie sind jetzt das Vorbild! 
Rauchen
In öffentlichen Gebäuden herrscht in Österreich Rauchverbot. In Schulgebäuden, in denen mehrheitlich Kinder ihren Tag verbringen, wird die Sinnhaftigkeit dieser Regelung aus gesundheitlichen
Gründen noch offensichtlicher. In einer Volksschulklasse haben Lehrpersonen während der gesamten Zeit, in der die Kinder anwesend sind, Aufsichtspflicht! Sich während der Pause aus der Klasse
zu schleichen und hinter dem nächsten Busch im Schulhof zu verstecken, um dort seiner Sucht zu
frönen, spielt es also schon deshalb nicht…! 
Kaugummi
Wussten Sie, dass es in Singapur ein generelles Kaugummi-Verbot gibt?
Kaugummis wurden dort 1992 verboten, nachdem es bei öffentlichen Verkehrsmitteln wegen an
den Türen klebender Kaumasse immer wieder zu Störungen gekommen war!
In Österreich ist das bekanntermaßen nicht so, dennoch wird es in den meisten Schulen nicht gern
gesehen, wenn Kaugummi gekaut wird. Wir können uns schließlich noch alle daran erinnern, wie
"groß" die Freude war, wenn man als Schüler_in einen Tisch zurechtrücken wollte und unter der
Tischplatte mit den Fingern auf einen Uralt-Kaugummi stieß, den jemand anderer dort hinterlassen hatte… Ganz abgesehen davon, dass es bei vielen Leuten gemischte Gefühle auslöst, wenn ihr
Gegenüber in einem Gespräch (vielleicht auch noch laut schmatzend) Mundbewegungen ausführt,
die man sonst nur aus der Beobachtung von Wiederkäuern kennt…!
MUH!
H
Mag. Claudia Leditzky - PH Wien - Oktober 2014
2
Mobiltelefon
Auch das fleißigste Smartphone braucht mal eine Pause! Es hat sie verdient!
Nützen Sie dafür den Vormittag in Ihrer Praxisklasse, denn damit stellen Sie sicher, dass Ihr elektronisches Kommunikationsgerät zumindest hin und wieder eine fixe Ruhezeit einlegen darf.
Währenddessen können Sie sich ohne schlechtes Gewissen voll und ganz auf das Geschehen in der
Klasse konzentrieren! Sie werden sehen, die Wiedersehensfreude mit dem erholten, ausgeruhten
Multifunktionsapparat ist nach fünfstündiger Abstinenz umso intensiver!
Besonders Geübte unter Ihnen können die Handy-Urlaubsphasen gern auch auf den Seminarbetrieb an Ihrer zuständigen Hochschule ausweiten! 
Tratschen
Bringen Sie während einer Hospitation selbst keine Unruhe in die Klasse, indem Sie mit Ihren
Kolleg_innen tratschen! Auch wenn sich Ihre Unterhaltung um den beobachteten Unterricht
dreht: Notieren Sie sich Ihre Fragen für die Pause oder für die Besprechungsstunde! Denn auch
hier gilt: Sie sind das Vorbild, und wenn Sie tratschen, tun es die Kinder binnen kürzester Zeit auch!
Sprache
Zur Sprache gäbe es viel zu sagen, und über das Wie und Warum scheiden sich die Geister. Ganz
generell ist jedoch evident, dass Ihre Schüler_innen in der Schule österreichisches Standarddeutsch in Wort und Schrift erlernen sollen. Womit wir wieder bei unserem ersten Punkt angelangt wären: Kinder brauchen ein sprachliches Vorbild in der Klasse, und das ist in erster Linie ihre
Lehrerin oder ihr Lehrer!
Dialekte sind wunderbare Varietäten einer Sprache, die unbedingt gepflegt werden sollen, jedoch
sind Sie in Ihrer Rolle als Lehrer_in im Unterricht der Standardsprache verpflichtet. Dazu gehört
auch, dass Sie im Umgang mit Kindern Ihre Worte mit Bedacht wählen. Nicht jedes Vokabular, das
wir im privaten Umgang mit Freund_innen pflegen, eignet sich für die Schule. 
Als Angehörige_r des österreichischen Schulsystems sollten Sie übrigens auch darauf achten, dass
in Österreich gebräuchliche Begriffe nicht durch Ausdrücke aus dem benachbarten Deutschland
ersetzt werden. Das fängt bei den Buben - in Österreich auch Knaben oder Burschen, jedoch nicht
Jungen genannt - an, und hört noch lange nicht mit "dem Einser", der hierzulande keine "Eins" ist,
auf…!  Ergänzen Sie hier ruhig weitere Beispiele aus Ihrer persönlichen Erfahrung!
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Mag. Claudia Leditzky - PH Wien - Oktober 2014
3
Jause
Wie könnte es anders sein - auch in der Pause schlafen Ihre Beobachter_innen nicht! Sie sehen
genau, was Sie essen oder trinken und ob die Wahl Ihrer Jause im Widerspruch zu den Klassenregeln steht oder nicht. In den meisten Schulen wird Wert auf eine gesunde Jause gelegt, dazu gehört in manchen Klassen sogar das ausschließliche Trinken von Leitungswasser. Getränke, die
Koffein oder viel Zucker enthalten, sollten deshalb auch von Ihnen (genau, Sie sind das Vorbild!)
nur außerhalb der Schule konsumiert werden! Auch hier gilt selbiges wie beim Handy: Der heiß
ersehnte Genuss nach einer mehrstündigen Abstinenzphase ist dafür umso schöner…! 
Halten Sie sich bitte auch an die für die Kinder vorgesehenen Essenszeiten, denn es wäre völlig
kontraproduktiv, die diesbezüglich eingeführten Regeln der Praxislehrer_innen zu konterkarieren!
Fotografieren
Bevor Sie die Kinder der Praxisklasse für die Ewigkeit festhalten, müssen Sie sich bei Ihrer Praxislehrerin oder Ihrem Praxislehrer erkundigen, ob es Kinder gibt, die keine elterliche Zustimmung
dafür erhalten haben, fotografiert zu werden! Gehen Sie mit den Fotos von Kindern besonders
sorgsam um und verwenden Sie sie ausschließlich zu Ihrem persönlichen, ausbildungsrelevanten
Gebrauch, z.B. für Ihre Praxismappe! Auch für das Fotografieren von Lernmaterialien und dgl.
holen Sie unbedingt vorab die Erlaubnis der Klassenlehrerin oder des Klassenlehrers ein!
Kleidung
Auch dazu könnte man viel sagen. Sie wissen schon, Kleider machen Leute, aber da dieses Thema
doch sehr viel individuellen Spielraum zulässt und auch lassen sollte, wären hier nur einige allgemeine Punkte anzuführen. Ihre Kleidung sollte für kein Kind ein derartiger Blickfang sein, dass es
sich nicht mehr aufs Lernen konzentrieren kann!  Bedenken Sie, dass Sie sich manchmal nach
vorne beugen oder in die tiefe Hocke begeben müssen, wenn Sie mit Kindern auf Augenhöhe
kommunizieren wollen. Prüfen Sie die Aussicht auf mögliche Einblicke notfalls vor dem Spiegel! 
Des Weiteren ist es in Österreich üblich, dass Männer ihre Kopfbedeckung abnehmen, wenn sie
ein Gebäude betreten - das gilt selbstverständlich nicht nur für passionierte Hutträger, sondern
auch für Träger von Kappen und Mützen aller Art. Hosen- oder Jackentaschen sind zwar praktisch,
vergräbt man aber seine Hände darin, während man vor einer Gruppe spricht, so kommt das beim
"Publikum" meist nicht allzu gut an.
In den meisten Volksschulen werden aus hygienischen Gründen Hausschuhe getragen. Nehmen
Sie diese deshalb gleich bei Ihrem ersten Praxisbesuch in die Klasse mit!
Gutes Gelingen und viel Freude auf dem Weg zum/zur vorbildlichen Lehrer_in!
Mag. Claudia Leditzky - PH Wien - Oktober 2014
4
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Seele and Geist
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