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Kindheit in der Nachkriegszeit 1945-1955

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Hochschule Offenburg
Fakultät Medien- und Informationswesen
Dozenten: Prof. Daniel Fetzner; Dr. Dr. Martin Dornberg
Student: Benjamin Schnitzer 176232
Bericht zur Forschungsreise
BUZZ
Parasitic Media Interventions
Bericht zur Forschungsreise nach Bangalore
(Indien)
Vorgelegt von:
Benjamin Schnitzer
Schwabstraße 38B
70197 Stuttgart
mail@benjaminschnitzer.com
Studiengang: m.gp, 4. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis...................................................2
I. Einführung...................................................3
I.I.
Problematiken..............................................4
I.II. Prinzipien wissenschaftlicher Observation...4
II.
Kritik............................................................5
III.
Schluss..........................................................5
Anhang:
Literatur
Internetquellen
2
I.
Einführung
Die Reise, ausgelegt als eine künstlerisch parasitäre
Intervention in einem Wespenlabor am Indian
Institute of Science, war eine Forschungsreise von
Prof. Daniel Fetzner (HSO) und Dr. Dr. Martin
Dornberg (Albert-Ludwigs Universität Freiburg).
Beide sind Teil der unabhängigen und experimentellen
Forschungsgruppe mBody, die sich den Themen
künstlerische Forschung und Körpergedächtnis widmet.
Die Arbeit der Forscher bestand dabei aus der
Errichtung eines künstlerisch-philosophischen
Labors als kollektive „Blackbox“ am IISc. Das
ehemalige Wespenlabor am „Centre for Ecological
Sciences“ wurde dabei zum temporären Wirt von
BUZZ, der theoretischen Skulptur für den „Parasit“.
Verschiedene Formate wie Screenings, Vorträge,
wissenschaftliche Experimente, Diskussionen,
kleinere Exkursionen aber auch künstlerische
Perfomances und Arbeiten bildeten dabei die
Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis, zwischen
Kunst und Wissenschaft, zwischen dem deutschen
Forscherteam und den indischen Wissenschaftlern.
Michel Serres bezeichnet diese Sender-Empfänger-Relation, sowie zahlreiche weitere zwischenmenschliche Beziehungsgefüge als „parasitär“. Der
Sender (Parasit) parasitiert den Empfänger (Wirt).
Hinzu kommt eine dritte Achse, das Rauschen (der
Störer), der wiederum ein weiterer Parasit sein kann.
Die Hauptaufgabe der Studenten bestand im
wesentlichen in der medialen Dokumentation
des Projekts. Als Beobachter der Beobachtenden
(Prof. Fetzner und Prof. Dornberg) besaßen
wir zunächst eine begleitende aber auch eine
auf der Meta-Ebene interagierende Rolle. Im
Grunde genommen befanden wir uns zwischen
den deutschen Forschern und den untersuchten
indischen Forschern im Beobachtungszirkel.
Basierend auf den Theorien von Michel Serres suchte
man nach parasitären Verhältnissen, Strukturen und
Mustern in der Arbeit der indischen Wissenschaftler
der südindischen Metropole Bangalore.
Als eine Grundlage der Thesen Serres
dienen die modernen Kommunikationsmodelle, wie das von Shannon Weaver.
(Siehe Bild 3; rechte Seite)
1
2
Vgl.: Serres, Michel: Der Parasit. Frankfurt am Main, 1981.
Vgl. Ebd. Serres, 1981.
3
I.I.Problematiken
Vorhaben bei weitem nicht ausreichend war.
An diesem in beide Richtungen zirkulierenden
Beobachtungsgefüge wird jedoch bereits eine
Problematik klar, bzw. verdeutlicht es einige
Fragen, die sich im Laufe der Reise stellten.
Was oder wer wird beobachtet? Wer beobachtet wen?
Wer interveniert wie und wo? Wer parasitiert wen?
Wurde lediglich im Sinne der Theorie parasitiert
oder haben wir nicht auch dort gewohnt, gegessen
und gelebt? Den Wirt Indien parasitiert?
Im Zuge des Postkolonialismus gedacht - das
Mitteleuropäische Forschungsteam parasitiert die
indischen Forscher, Künstler und Handwerker.
Ebenso stellte ich mir die folgenden Fragen: Gibt
es überhaupt ein Ergebnis, eine Antithese? Oder
hunderte? Ist es überhaupt möglich die Ergebnisse
festzuhalten - schriftlich oder audiovisuell? Oder
sind sie vielleicht nur erfahrbar? Sind sie individuell?
Von Teilnehmer zu Teilnehmer unterschiedlich? Von
Beobachter zu Beobachter unterschiedlich? Wann
sind sie erfahrbar? Unmittelbar oder mittelbar?
Oder gar nur langfristig und unterbewusst?
Es bestand zunächst kein vorgeschriebenes
Forschungsziel, kein Output, lediglich die Thesen
Serres und ein Raum, in dem es zu forschen galt.
Darüber hinaus existierte die Idee das Projekt
und seine Ergebnisse in einer interaktiven
Dokumentation, kurz iDoc, darzustellen. Keine
leichte Aufgabe für einen Filmemacher, Bilder zu
sammeln, von etwas, das so noch nicht existiert.
Das ist mit Sicherheit auch der Grund, warum das
Filmen zu einem Prozess des Suchens wurde.
Kritiker würden bei einem solchen Unterfangen
sicherlich die „Nutzen / Sinn vs. Ressourcen-Prasserei“Frage stellen. Kurz gesagt, die Wirtschaftlichkeit
eines solchen Projekts in Frage stellen.
Kunst und Wissenschaft werden oft getrennt,
doch was passiert, wenn künstlerisch experimentell
geforscht wird? Der Maler Otto Ritschl schreibt:
„Kunst vermag Zeit und Raum eher
darzustellen als die Wissenschaft.“
Dies leuchtet ein, denkt man an das zeitunabhängige
und raum- schaffende bzw. erweiternde Medium Film.
„Aber der Kunst fehlen Begriffe. Sie lässt
erfahren, ist jedoch unfähig zu beschreiben.“
Schnell stellte sich auch für mich heraus, dass der
klassische Ansatz der Dialektik auch für unser
3
4
So wie ein Künstler sich inspirieren lässt und
erst Jahre später Teile eines bestimmten Inputs
wieder in kreative Energie umwandelt, könnten
sich die Auswirkungen dieser Reise für alle
Beteiligten erst Jahre später als spürbar erweisen.
Vielleicht erst dann zu Ergebnissen führen.
Fest steht, es taten sich schnell immer mehr Kanäle
auf und immer mehr Ebenen kamen hinzu, was
schlussendlich dazu führte, das der ein oder andere
nicht selten das Bewusstsein verlor, auf welcher Ebene
bzw. in welchem Kanal er sich temporär befand.
Eine umfassende Zusammenstellung aller
Ergebnisse wird es dann hoffentlich nächstes
Jahr in der T66 Galerie in Freiburg geben.
I.II. Prinzipien wissenschaftlicher
Observation
Sehr spannend in Hinblick auf mein Studium, empfand
ich die Vorlesungen von Raghavendra Gadagkar.
Der indische Entomologe und Professor lässt seine
Studenten in Experimenten mit Ameisen und Wespen
nach Verhaltensmustern suchen, sog. Patterns.
Hierzu ist es notwendig kleinste Fragmente des zu
beobachtenden Systems, sog. Samples, längerfristig
zu observieren. Neben der systematischen und
akribischen Dokumentation dieses Observationsprozesses, versuchte R. G., wie er von den Studenten
am Campus genannt wird, die Prinzipien der
wissenschaftlichen Observation zu vermitteln.
Ritschl, Otto: Der springende Punkt. Kunst Wisenschaft Kirche Staat. Remangen, 1970.
Vgl. Ebd. Ritschl, 1970
4
„Realize and experience the hopelesness
of this problem, realize you can‘t observe
everything, not even a little fracture.“
Die Begründung hierfür liefert Gadagkar, indem er
den Menschen als ein Individuum beschreibt, das
nicht in der Lage ist, die Komplexität eines Systems
vollständig zu erfassen. Wir können ein System
nicht vollständig observieren. So kommt es zu einem
zwangsläufigen Sampling, einem Fokussieren.
Auch hier lässt sich ein Zusammenhang mit
Medien, speziell dem Medium Film erkennen.
Jeder Filmemacher, jeder Kameramann „sampelt“.
Niemals ist ein Film eine äquivalente und präzise
Darstellung der Komplexität eines Systems oder gar
Abbildung der Realität. Grund dafür ist „gesampeltes“
Sehen, der sog. Kadrierung. Man lässt uns sehen,
was wir sehen sollen - eine Manipulation.
Darüber hinaus sprach Gadagkar von der Observierung
als ein subjektiver Prozess. Beobachter A hat eine
gewisse Vorerfahrung, hat sich eventuell bereits an
bestimmte Prozesse im zu beobachtenden System
gewöhnt, sampelt anders. (Als ein Beispiel: Das
Rauschen des indischen Straßenverkehrs, das mir
in der ein oder anderen Nacht den Schlaf geraubt
hat) So wird er andere Fragmente sehen und
beobachten können, als Beobachter B, der dieses
Vorwissen, diese Voreingenommenheit durch das
System nicht hat und somit mit anderer Pragmatik
die gleichen oder andere Fragmente sehen wird.
Wieder lassen sich Parallelen zum Studium der
Mediengestaltung erkennen. In der Semiotik
sind Syntaktik, Semantik und Pragmatik die drei
entscheidenden Einflussfaktoren des Produzierens
und Rezipierens. Rezipienten nehmen Botschaften
und Nachrichten aufgrund unterschiedlicher
Pragmatik anders war, selbst wenn sie in der
Lage sind die Codierung zu entschlüsseln.
III.Kritik
Ein persönlicher Kritikpunkt für mich war die
technische Ausstattung. Die Beschaffung von
professionellem Film-Equipment in Indien, sogar in
5
Auszug aus einer in Indien besuchten Vorlesung von Raghavendra Gadagkar.
einer Technikmetropole wie Bangalore, erwies sich als
sehr schwierig und die Mitnahme der Ausrüstung war
finanziell nicht möglich. So waren wir gezwungen mit
unseren eigenen Kameras und den Materialien vor Ort
zu improvisieren. Natürlich hätte ich mir noch das ein
oder andere technische „Schmankerl“ gewünscht, doch
so wie Kühe auf der Autobahn spazieren laufen, so
spiegelt auch die Not zur Improvisation Indien wider.
Doch vielleicht gilt in diesem Fall auch wieder,
dass es erst die Grundlagen und Probleme der
Dokumentation und des Dokumentierens zu erlernen
gilt - z.B. den Grundkonflikt einer jeden Doku:
Spontanität und Authentizität vs. Scripted Film.
Zudem verhalten sich Menschen anders, wenn sie
gefilmt werden - bevor man sich mit Kamerakran
und Dolly in der technischen Umsetzung verrennt.
IV.Schluss
„If there‘d be a God, you‘d find him in India.“
Mit diesen Worten verabschiedete sich ein
amerikanischer Gastprofessor, den ich auf einer
Busfahrt zum Institut kennenlernte. Und ein bisschen
kann ich nachvollziehen, was er damit meinte.
Lange Zeit verstand ich nicht, wie Leute nach einem
halben Jahr Indienreise in die Heimat zurückkehren
können, ihre Mitte gefunden und darüber hinaus eine
Vorliebe für Räucherstäbchen entwickelt haben sollen.
Doch ironischerweise macht sich zwischen
Verkehrswahnsinn, Technologie, Spiritualität
und teilweise katastrophalen Lebensumständen
eine erschreckende innere Ruhe breit, die ich
in Europa so noch nicht erfahren habe.
Vielleicht ist es das Land, das Essen, der Kulturschock
oder aber die Menschen, die ich als ausgeglichene,
gastfreundliche und weltoffene Persönlichkeiten
kennen gelernt habe. Fest steht, die Reise nach Indien
war und ist eine Bereicherung für mich. Trotz der
Tatsache, dass ich gerade mal ein winziges Sample
davon gesehen habe, denn schließlich ist Indien
groß und der Weg zur Erleuchtung lang - jedoch hat
der Parasit Indien einen neuen Wirt gefunden.
Benjamin Schnitzer, November 2014
5
Anhang
Literatur:
Ritschl, Otto: Der springende Punkt. Kunst
Wissenschaft Kirche Staat. Remangen, 1970.
Serres, Michel: Der Parasit. Frankfurt am Main, 1981.
Internetquellen:
http://libreas.eu/ausgabe15/texte/002.htm
http://www.duden.de/suchen/dudenonline/sampling
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Kunst und Fotos
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