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1 Predigt zu Psalm 42 Liebe Gemeinde, ist euch eigentlich bewusst

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Predigt zu Psalm 42
Liebe Gemeinde, ist euch eigentlich bewusst, was für ein Vorrecht es ist, hier in der Gemeinde vor
Gottes Angesicht zu kommen, um anzubeten? Sehnst du dich danach, Gottes Angesicht zu schauen?
Wonach lechzt deine Seele? Vielleicht spricht dir ja Psalm 42 aus der Seele: „Wie der Hirsch lechzt
nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, dem Gott
meines Lebens: Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?“ (V.2-3)
Wahrscheinlich wären uns diese Verse nicht so geläufig, wenn da nicht dieser Vergleich mit der nach
frischem Wasser lechzenden Hirschkuh wäre (Bild). Vom Hebräischen ausgehend, handelt es sich hier
um ein weibliches Tier. Wir dürfen uns also nicht einen Hirsch mit großem Geweih vorstellen…!
Entscheidend ist das Lechzen nach frischem Wasser – oder besser übersetzt, das Lechzen über
Wasserbächen. Nun habe ich mir immer vorgestellt, dass diese Wasserbäche ausgetrocknet wären.
Über ausgetrockneten Wasserbächen lechzt die Hirschkuh nach frischem Wasser. Wo es immer
Wasser gab, findet das dürstende Tier kein Wasser mehr. Doch diese Vorstellung vermutlich falsch.
Denn der Psalmbeter gibt an, dass er sich im Norden direkt bei den Jordanquellen aufhält. Demnach
ist es viel wahrscheinlicher, dass der Psalmbeter eine Hirschkuh vor Augen hat, die ins Wasser steigt
und ihren Durst mit dem frischen Wasser aus den Jordanquellen stillt. In vergleichbarer Weise spürt
der Beter, wie stark er sich danach sehnt, in Gottes Gegenwart zu kommen. Es fehlt etwas. Etwas tief
drinnen dürstet, lechzt, schreit – und das muss raus. Der Vergleich mit der lechzenden Hirschkuh ist
auch insofern treffend, da das hebräische Wort für „Seele“ ursprünglich die Kehle bezeichnete. Von
daher passt es, wenn man vom Dürsten der Seele spricht. Wonach dürstet die menschliche Seele?
Dank der Psychologie wissen wir heute vieles über das Seelenleben: welche hohe Bedeutung
frühkindliche Bindungen haben; wie wichtig es ist, Begabungen zu entfalten; wir haben gelernt, wie
man die eigenen Gefühle besser wahrnehmen und ausdrücken kann und auch wie man depressiven
Gedankenschleifen entkommt und vieles mehr. Doch im Grunde lechzt die menschliche Seele
danach, das leuchtende Angesicht Gottes zu schauen. Um inneren Frieden zu finden und im besten
Sinne zufrieden zu sein, müssen wir etwas von Gottes liebender Gegenwart spüren. Meiner
Überzeugung nach ist die Seele göttlich – sie ist Gott ebenbildlich. Gott hat diese Sehnsucht in uns
hineingelegt, mit unserem Schöpfer in Beziehung zu kommen. Warum aber dürsten viele Menschen
scheinbar nicht nach Gott? Und die andere Frage ist: Warum wird der Durst vieler gläubiger
Menschen scheinbar nicht gestillt? Die erste Frage ist aus meiner Sicht nicht so schwer zu
beantworten. In Deutschland verbraucht jeder Bundesbürger pro Tag durchschnittlich etwa 130 Liter
Wasser – das sind 26 Eimer voll. Wir können hierzulande aus dem Vollen schöpfen. Wir brauchen ja
nur den Wasserhahn aufzudrehen oder in den Getränkemarkt zu gehen. Für jede Stimmungslage gibt
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es das passende Getränk – Sekt oder auch Selters (Prospekt)…! Wir haben alle Möglichkeiten, Trauer,
Wut und Zorn runterzuspülen. Was für eine Palette alkoholischer Getränke, mit denen man die
alltäglichen Sorgen ertränken kann. Solange man die Bedürfnisse der Kehle und auch andere
Sehnsüchte immer irgendwie befriedigen kann, stellt sich die Frage nach Gott überhaupt nicht. So
erkläre ich mir, dass kaum jemand auf die Idee kommt, einen Gottesdienst zu besuchen…! Doch ich
bleibe dabei, dass die eigentliche Sehnsucht der Seele unerfüllt bleibt, bis sie ihrer ursprünglichen
Bestimmung gemäß Frieden findet in Gott. Erst wenn wir frei sind von all den anderen Dingen, die
uns das Gefühl von Zufriedenheit vermitteln, werden wir den Frieden finden, nach dem wir uns
zutiefst sehnen. Das glauben wir. Das haben wir so erfahren. Wir kennen doch diesen Frieden, der
menschliches Verstehen überragt. Und dennoch sind wir oft unzufrieden? Unzufrieden mit der
gegenwärtigen Lebenssituation? Unzufrieden mit unserem geistlichen Erleben? Warum ist das so?
Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Was ist mit dem lebendigen Wasser, von dem Jesus
gesprochen hat (vgl. Joh. 4)? Eigentlich dürften wir nie wieder durstig werden, wenn da in uns eine
Quelle lebendigen Wassers sprudelt. Das stimmt. Und doch kann die Erfahrung, die Psalm 42
beschreibt, jeden hier betreffen. Ich lese die Verse 4-12…!
Die Tränen, die der Psalmbeter weint, können den Durst seiner Seele nicht löschen. Aber die Tränen
müssen fließen. Die Trauer, die sich auf die Seele gelegt hat, muss heraus. Ich finde es
bemerkenswert, wie authentisch der Beter hier seine Gedanken und Gefühle beschreibt. Da gehört
schon etwas dazu. Wir tun gut daran, eben in dieser Weise auch die unangenehmen Dinge, die tief in
uns verborgen liegen, wahrzunehmen und sie sich auch einzugestehen. Die menschliche Seele lechzt
nach Anerkennung, Vertrauen, Ermutigung und Vergebung. Dafür brauchen wir vor allem gute und
stabile Beziehungen. Ohne Beziehungen könnten wir nicht leben. Und wenn man aus Beziehungen
nicht das bezieht, wonach man sich zutiefst sehnt, wird die Seele krank. In Psalm 42 ist von Leuten
die Rede, die den ganzen Tag über spöttisch fragen: „Wo ist dein Gott?“ (V.4.11). Das ist verletzend.
Und wenn man selbst keine zufriedenstellende Antwort auf diese Frage findet, wird´s unerträglich.
Vielleicht sind das ja auch deine Fragen: „Wo bist du, Gott?“, „Warum hast du, Gott, mich
vergessen?“ – nur du wagst es nicht, sie so offen und ehrlich auszusprechen. Natürlich wollen wir
niemand enttäuschen. Nicht jeder kann damit angemessen umgehen. Dann bekommt man vielleicht
noch zu hören, dass man sich ja zusammenreißen müsse. Doch ganz egal, was die anderen denken
oder sagen, Gott hält deine Fragen aus. Wir dürfen fragen und auch klagen, wenn uns danach ist. Das
ist das Erste, was uns dieser Psalm lehrt. Wenn aber die Tränen trocknen, spricht einem besonders
der Vers aus der Seele, der in der Mitte steht (V.6) und am Ende des Psalms noch einmal wiederholt
wird (V.12): „Auf Gott will ich hoffen, denn ich weiß, ich werde ihm wieder danken. Er ist mein Gott,
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er wird mir beistehen“. Das ist es, was ich meiner Seele immer wieder sagen muss. Ich muss mir
selbst sagen, was ich will. Wenn ich nicht weiß, was ich will und worauf ich hoffen kann, werde ich
verzweifeln. Um zu klären, was ich will, hilft manchmal ein Selbstgespräch. Dann sage ich mir, dass es
auch wieder bessere Tage geben wird. Ich werde Gott wieder danken können, auch wenn es im
Moment vielleicht nicht viel zu danken gibt. Manchmal muss ich meine Seele auch daran erinnern,
nicht zu vergessen, was Gott mir Gutes getan hat (vgl. Psalm 103). Das tut auch der Psalmbeter. Er
erinnert sich an die Zeit, als ihm die Ehre zuteil wurde, die feierliche Prozession hinauf zum Tempel
anzuführen. Was sind die geistlichen Highlights, an die du dich gerne zurückerinnerst? Manchmal
stehe ich minutenlang vor der Pinnwand in meinem Büro und vergegenwärtige mir, was ich schon
alles erlebt habe…! Oder man ruft sich bewusst schwere Zeiten in Erinnerung, um sich zu
vergegenwärtigen, dass Gott ja hindurch getragen hat. Doch damit nicht genug. So hilfreich es sein
mag, positiv zu denken, die eigentliche Sehnsucht ist damit noch nicht gestillt. Wir brauchen
lebendiges Wasser – lebendiges Wasser kann uns nur Jesus Christus geben. Es ist die in Jesus Christus
offenbar gewordene, vollkommene und göttliche Liebe, die uns zufließt. Wenn deine Seele nach
dieser Liebe dürstet, dann komm vor das Angesicht Gottes – bete Gott an. Genau das wünscht sich
der Psalmbeter am meisten – weil er weiß, dass seine Seele nur in Gottes Gegenwart zur Ruhe
kommt. Sehnsüchtig fragt er deshalb: „Wann werde ich kommen können, um das Angesicht Jahwes
zu schauen?“ (V.3). Sein Problem bestand darin, dass er sich in der Gegend des Hermon, einem
Gebirge im heutigen Grenzgebiet zwischen dem Libanon und Syrien, aufhielt. Und er musste
befürchten, den Weg bis zum Tempel in Jerusalem nicht noch einmal zurücklegen zu können.
Demnach hatte er keine Chance, in die heilige Gegenwart Gottes im Heiligtum zu treten.
Verständlich, dass ihn das deprimierte. Wir dagegen haben andere Möglichkeiten, um Gottes
Angesicht zu schauen: Zunächst einmal sind wir nicht an Raum und Zeit gebunden. Dadurch, dass
Gottes Geist in mir lebendig ist, wird mein Körper zum Tempel Gottes. Das heißt, ich kann Gottes
liebende Gegenwart schauen, unabhängig davon, wo ich mich befinde – ob im Krankenbett, im
Urlaub, in der Natur oder in meinem ‚Kämmerlein‘…! Die andere Möglichkeit ist die, hier im Tempel
Gottes, in der Gemeinde Jesu, Gottesdienst zu feiern. Wir sind hier, um Gott die Ehre zu geben. Und
wie können wir Gott am besten ehren? Indem wir anbeten. Und indem wir anbeten, strömt der
Friede Gottes auf uns herab. Sicher, manchmal braucht man auch etwas Abstand. Dann braucht man
einfach mal Zeit für sich. Das ist okay. Doch hier ist der Ort, wo wir gemeinsam vor Gottes Angesicht
kommen – und das hat eine andere Qualität. Man kann sich natürlich auch einen schönen
Gottesdienst im Fernsehen ansehen. Das ist sicherlich ein Segen für viele ältere Menschen, die nicht
mehr zur Kirche gehen können. Doch es ist etwas anderes, live dabei zu sein. Ich wünsche mir, dass
hier der Ort ist, wo eine Atmosphäre der Anbetung spürbar wird. Und ich hoffe, dass ihr danach
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lechzt, hierher zu kommen. Denn indem wir eins werden in Christus erleben wir die Gemeinschaft
hier als etwas ganz Besonderes. So wichtig die Gespräche und Begegnungen im Foyer sein mögen,
geistliche Gemeinschaft ist etwas Anderes. Lasst uns diese geistliche Gemeinschaft suchen. Das
zumindest ist meine Sehnsucht, die ich mit Gottesdienst verbinde…! Noch etwas geschieht in der
Anbetung. Es wird einem bewusst, dass Gott uns in Christus alles geschenkt hat, wonach wir uns im
Innersten sehnen. Und das bewirkt, dass ich etwas von dem weitergeben möchte, was ich selbst
empfangen habe. Wenn meine Seele von Gottes Liebe erfüllt ist, motiviert mich das, Gutes zu tun.
Und wenn ich das Gefühl habe, etwas Gutes getan zu haben, fühle ich mich gut. Das kennt jeder.
Wenn es dir also nicht gut geht, tue Gutes. Ich habe dafür eine konkrete Anregung. Im
Zusammenhang mit dem Thema Wasser musste ich mich an ein Projekt der Organisation „Geschenke
der Hoffnung“ erinnern…! Das Projekt läuft unter dem Motto „Dreh den Hahn auf – Jeder Tropfen ein
Geschenk“…! Ich habe im Foyer einen Tisch vorbereitet, wo ihr nähere Informationen und
ausreichend Prospekte findet…! Es geht uns so gut. Wir haben so viel Grund zu danken – jeden
Morgen wenn wir den Wasserhahn aufdrehen…! Gott versorgt uns aber nicht nur mit Wasser aus
dem Wasserhahn, sondern eben auch mit lebendigem Wasser. Jesus sagt: „Wer Durst hat, der soll zu
mir kommen und trinken! Wer an mich glaubt, von dem werden Ströme lebendigen Wassers
ausgehen“ (Joh 7,38). So soll es sein. AMEN
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