close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

1 Markus 13,31-37 24.11.2013 Was bleibt? Es war zwei Tage bevor

EinbettenHerunterladen
Markus 13,31-37
24.11.2013
Was bleibt?
Es war zwei Tage bevor Jesus gekreuzigt werden sollte. Wie jeden Tag in diesen letzten Tagen vor seinem
Tod war Jesus tagsüber im Tempel und lehrte. Abends ging er mit seinen Jüngern durch das Kidrontal hinüber zum Ölberg in den Garten Gethsemane. Dort übernachteten sie. Als Jesus an diesem Tag den Tempel
verließ, sagte einer von seinen Jüngern: "Rabbi, sieh doch! Was für gewaltige Steine und was für herrliche
Bauten." In den Jahren 19 und 20 v. Christus ließ Herodes der Große den Tempel umbauen und vergrößern.
Herodes der Große, wie er später genannt wurde, machte seinem Namen alle Ehre. In seiner Regierungszeit
sind große repräsentative Bauwerke entstanden. Seine größte Leistung war die Erneuerung des Tempels in
einer unerhörten Pracht und Größe. Als einzelne Tempelanlage betrachtet, gab es im ganzen römischen
Imperium nichts Vergleichbares. Der Tempel wirkte in seiner Pracht auf zeitgenössische Betrachter wie
eines der antiken Weltwunder. Dieses imposante Bauwerk beeindruckte auch die Jünger von Jesus. Als sie
den Tempel in Richtung Kidrontal verließen und den Weg ins Tal gingen, stand hinter ihnen eine gewaltige
Fassade. Einer der Jünger drehte sich um und sage zu Jesus: „Rabbi, schau doch! Was für gewaltige Steine
und was für herrliche Bauten.“ Doch Jesus sagte zu ihm: "Du bewunderst diese großen Gebäude? Hier wird
kein Stein auf dem anderen bleiben; es wird alles zerstört werden." Knapp 40 Jahre später, im Jahre 70 n.
Christus, hatte sich diese Vorhersage erfüllt. Lediglich die Klagemauer mit ihren großen Steinen blieb erhalten. Nachdenklich gingen sie das Tal hinab und hinauf zum Ölberg. Dort saßen sie und blickten hinüber auf
den Tempel. Es muss ein herrlicher Anblick gewesen sein, als die prächtigen Mauern in der Abendsonne
strahlten. Als sie so saßen und hinüberblicken, kamen Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas zu Jesus und
fragten ihn: "Wann wird das alles geschehen? Gibt es ein Zeichen, an dem wir erkennen können, wann es
sich erfüllen wird?"
"Gebt acht, dass euch niemand irreführt!", erwiderte Jesus. Und dann sprach er ausführlich über das, was
am Ende der Zeit geschehen wird. In den drei Evangelien ist diese Rede als Endzeitrede aufgeschrieben.
Liest man diese Rede bei Markus, fällt auf, dass sich die Worte sehen und wachen wie ein roter Faden
durch diese Rede ziehen. Sehen und wachen, darauf kommt es an, darum geht es Jesus in dieser Rede. Sehen und wachen, das gehört zusammen. Wenn wir wach sind, werden wir sehen. Im Schlaf können wir
nichts sehen, außer unseren Träumen. Zum Wachen gehört also sehen dazu. In diesem Text in Markus 13
geht es um Dinge und Ereignisse die seine Jünger sehen und in Zukunft sehen werden. Und am Ende der
Rede macht Jesus deutlich, dass nicht nur die 12 Jünger angesprochen sind, sondern alle Christen, die diese
Rede einmal lesen werden. Jesus ist dabei wichtig, dass sie und damit auch wir alle diese Dinge, die wir
sehen, richtig beurteilen. Und so verstehe ich wachen. Wachen bedeutet, wenn wir das, was wir sehen,
richtig beurteilen. Das ist dann sozusagen ein wachsamer Blick.
Man kann Dinge ja unterschiedlich beurteilen. Als am Donnerstag in der Gießener Weststadt bei Bauarbeiten die Fliegerbombe entdeckt wurde, gab es ganz unterschiedliche Möglichkeiten, dieses Metallteil zu
beurteilen: Einfach als ein rundes Metallstück, das man zum Alteisen gibt oder als eine hochgefährliche
Bombe, die einen ganzen Häuserblock in die Luft jagen kann. Die Bauarbeiter waren sehr wachsam, haben
richtig beurteilt und erkannten schnell, um was es sich bei diesem Metallfund handelte. Wachen im Sinne
von Jesus heißt also, Dinge und Ereignisse richtig zu beurteilen. So zum Beispiel den Tempel. Jesus sagte:
„Hier wird kein Stein auf dem anderen bleiben.“ Die Jünger waren beeindruckt und fasziniert von der
menschlichen Baukunst. Sie ließen sich von dem äußerlichen Schein blenden. Am Ende seiner Rede sagte
Jesus, „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Das ist der Schlüssel, wie wir die Dinge sehen und beurteilen sollen. Alles wird einmal vergehen, nur die Worte Jesu haben
Bestand. Und diese Worte, die Worte der Bibel helfen uns, die Dinge richtig zu sehen und zu bewerten. So
sollen wir alles, was wir sehen werden, von seinen Worten her beurteilen.
„Seht zu, dass euch niemand irreführt!", sagte Jesus auf die Frage, wann das alles geschehen wird. "Viele
werden unter meinem Namen auftreten und von sich sagen: 'Ich bin es!' Damit werden sie viele verführen.“
Wir müssen damit rechnen, dass falsche Christusse auftreten. Weiter sagt Jesus: „Erschreckt nicht, wenn ihr
1
von Kriegen hört oder wenn Kriegsgefahr droht. Das muss so kommen, aber es ist noch nicht das Ende. Ein
Volk wird sich gegen das andere erheben, und ein Staat den anderen angreifen. In vielen Teilen der Welt
wird es Erdbeben und Hungersnöte geben. Doch das ist erst der Anfang, es ist wie bei den Geburtswehen.“
Und dann spricht Jesus von Verfolgung. „Und was euch angeht, so macht euch darauf gefasst, vor Gericht
gestellt und in Synagogen ausgepeitscht zu werden. Weil ihr zu mir gehört, werdet ihr euch vor Machthabern und Königen verantworten müssen. Doch auch sie müssen ein Zeugnis von mir hören.“ So beurteilt
Jesus Christenverfolgung: Er sieht Verfolgung als ein Zeugnis für ihn. Darum geht es Jesus: „Allen Völkern
muss die gute Botschaft verkündigt werden.“ Diese Weltmission ist aber begleitet von Verfolgung. Denn
wer sich zu ihm bekennt, sagt Jesus, der wird gehasst werden. Das muss man wissen. So kann man das richtig beurteilen. „Doch dann, nach dieser schrecklichen Zeit,“ sagt Jesus, „wird sich die Sonne verfinstern und
der Mond wird nicht mehr scheinen. Die Sterne werden vom Himmel stürzen und die Kräfte des Himmels
aus dem Gleichgewicht geraten. Dann werden sie den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit
von den Wolken her kommen sehen. Und dann wird er die Engel in alle Himmelsrichtungen aussenden, um
seine Auserwählten von überall her zusammenzubringen.“
Damit wir in etwa einschätzen können, wann das geschehen wird, wann Jesus in den Wolken erscheinen
wird, gibt uns Jesus ein Zeichen, auf das wir achten sollen. „Vom Feigenbaum könnt ihr Folgendes lernen:
Wenn seine Knospen weich werden und die Blätter zu sprießen beginnen, wisst ihr, dass es bald Sommer
wird. Genauso ist es, wenn ihr seht, dass diese Dinge geschehen. Dann steht sein Kommen unmittelbar
bevor.“ Hier geht es wieder um sehen. Wir sollen die Ereignisse der Weltgeschichte beobachten. Wenn
diese Ereignisse eintreffen, wird es nicht mehr lange dauern, bis Jesus wieder kommt. Der Feigenbaum ist
ein Symbol für Israel. Wenige Tage vor dieser Rede tat Jesus etwas Merkwürdiges. Er kam an einem Feigenbaum vorbei. Weil er keine Frucht dran fand, verfluchte Jesus den Feigenbaum. Das war eine symbolische
Handlung. Gott hat einen Fluch auf sein Volk gelegt, weil es keine Frucht brachte, weil es den Messias abgelehnt hatte. Aber mit diesem Gleichnis vom Feigenbaum deutet Jesus an, der Fluch wird aufgehoben werden. Es wird eine Zeit kommen, dann wird der verdorrte Feigenbaum, Israel, wieder austreiben und grün
werden. Jesus will damit sagen, dass wir besonders wachsam die Entwicklung unter den Juden beobachten
sollen. Wenn Gottes Volk wieder sprießt, dann steht sein Kommen bevor.
Zum Abschluss seiner Rede gibt uns Jesus dann konkrete Hinweise, wie wir uns bis dahin verhalten sollen.
Er erklärt sozusagen, wie sehen und wachen konkret geht: (Mk 13,31-37)
31 Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte gelten allezeit, sie vergehen nie.
32 Doch Tag und Stunde von diesen Ereignissen weiß niemand, nicht einmal die Engel im Himmel oder
der Sohn selbst; nur der Vater weiß es.
33 Seht euch also vor und seid wachsam! Ihr wisst ja nicht, wann das alles geschieht.
34 Es ist wie bei einem Mann, der verreist. Er verlässt das Haus und überträgt seinen Sklaven die Verantwortung. Jedem teilt er seine Aufgabe zu. Dem Türhüter schärft er ein, besonders wachsam zu sein.
35 Darum seid auch ihr wachsam! Ihr wisst ja nicht, wann der Herr des Hauses kommt – ob am Abend,
mitten in der Nacht, beim ersten Hahnenschrei oder früh am Morgen.
36 Sorgt dafür, dass er euch nicht im Schlaf überrascht.
37 Was ich euch hier sage, das sage ich allen: Seid wachsam!"
Himmel und Erde vergehen, Jesu Worte, die Worte der Bibel vergehen nicht. Damit sagt Jesus, wie wir die
Welt und das Leben sehen sollen. Alles wird vergehen. Alles, was wir uns aufgebaut haben wird vergehen.
Alles, was wir im Leben erreicht haben, wird vergehen. Die Dinge, die uns so wichtig sind und von den wir
meinen, wir brauchen sie unbedingt - sie werden einmal keine Bedeutung mehr haben. Und unser eigenes
Leben wird vergehen. Auch darauf müssen wir uns einstellen. Bei solchen Aussagen wird mir immer wieder
mein Denkfehler bewusst. Ich denke, alle Menschen müssen sterben, vielleicht sogar ich. Ich blende meinen Tod aus. „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden.“, heißt es in Psalm
90,12. Das Einzige, das in unserer Welt Bestand hat, ist das Wort Gottes, die Bibel. Das Wort Gottes alleine
gibt Halt in unserer spannenden Zeit.
2
Es war 1945 in einem Lager von deutschen Kriegsgefangenen. In diesem Lager hat man Offiziere inhaftiert.
Einem Gefangenen ist es gelungen, seine Bibel durch die Kontrollen zu bringen. Diese Offiziere hatten erlebt, wie ihre Welt, das 1000-jährige Reich nach nur 12 Jahren zusammengebrochen ist. Eine trügerische
Ideologie endete in einer Katastrophe. Sie waren enttäuscht, ernüchtert, ratlos, resigniert. Auf einmal entdeckten sie den Wert dieses alten Buches. Jeder wollte darin lesen. Mit diesen Worten kam Trost und Orientierung in ihre leeren Seelen. Es musste ein Plan gemacht werden. Die Offiziere machten einen Plan für
die ganze Woche, von früh bis spät. Jeder durfte eine Stunde in dem Buch lesen. Dann stand schon der
Nächste da und wollte es haben. Wir haben das Wort Gottes unbegrenzt zur Verfügung in zahlreichen
Übersetzungen, sogar online ist es verfügbar. Das sollten wir noch mehr nutzen. Vor allem sollten wir die
Bibel noch aus einem anderen Aspekt her lesen.
Jemand hat gesagt, die Bibel wird weltlich gelesen. Er wollte damit sagen, die Bibel wird als Lebenshilfe
gelesen. Die Bibel wird also dafür benützt, damit wir unser Leben gestalten und bewältigen können. Das ist
zunächst einmal nicht verkehrt, dazu ist sie auch da. Aber nicht nur. Wenn wir die Bibel nur weltlich lesen,
also nur auf das Diesseits beziehen, dann sehen wir nur einen Aspekt der Wirklichkeit. Der andere bleibt
uns verborgen. Die Bibel ist das Buch für die Ewigkeit. Sie will uns die Augen öffnen für die Ewigkeit. Das
biblische Wort Hoffnung wird oft nur für das Leben hier interpretiert. Wir haben Hoffnung, dass Jesus eingreift. Wir haben die Hoffnung, dass sich eine Situation verändert. Wir haben Hoffnung, dass Jesus Menschen gesund macht. Das ist richtig und gut. Aber wenn die Bibel von Hoffnung spricht, dann geht es um
eine Hoffnung über den Tod hinaus. Sehen und wachen ist das Thema der Endzeitrede. Die Bibel will uns
die Augen öffnen, damit wir unser Leben in einem größeren Zusammenhang sehen, nämlich in der Dimension der Ewigkeit.
Und da geht es weniger um Informationen, wie es in der Ewigkeit aussehen wird. Viel mehr fordert uns die
Bibel zur Entscheidung auf. Wir müssen uns für das ewige Leben entscheiden. Es fällt uns nicht so einfach
zu. Himmel und Erde werden vergehen, sagt Jesus. Wir sind aus Erde gemacht, das dürfen wir nicht vergessen. Nur wer sich an die ewigen Worte von Jesus hält, der wird nicht vergehen. „Alle, die an seinen Namen
glauben“, heißt es in Joh 3,16, „werden nicht verloren gehen“, man könnte auch, die werden nicht vergehen, „sondern das ewige Leben haben“. Und in Joh 5,24 sagt Jesus: „Wer mein Wort hört und glaubt dem,
der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tod zum
Leben hindurchgedrungen.“ Wir haben das Wort Gottes, damit wir unser Leben aus der Ewigkeitsperspektive aus betrachten. Dabei will es nicht in erster Linie informieren, sondern zur Entscheidung auffordern.
Sehen und wachen, darauf kommt es an. Wachsam sein bedeutet, die Dinge richtig zu sehen. So ist auch
das abschließende Gleichnis zu verstehen. In dem Gleichnis sagt Jesus, wie wachen konkret aussieht. Ein
Mann verreist. Er verlässt sein Haus. Gemeint ist ein großes Anwesen mit Landwirtschaft oder einem
Handwerksbetrieb. Alle seine Sklaven bekommen Aufgaben übertragen. Jeder ist für einen bestimmten
Bereich verantwortlich. Der Türhüter hat eine besondere Verantwortung. Es muss besonders wachsam
sein. Die Deutung ist klar: Jesus ist der Mann der verreist ist. Das Anwesen ist seine Gemeinde. Und wir sind
die Sklaven, jeder von uns hat eine konkrete Aufgabe. Der oder die Türhüter, das sind die Leiter der Gemeinde, sie haben eine besondere Verantwortung. Nun geht es darum, dass wir wachsam sein sollen. Und
das hat etwas mit unserer Gemeinde zu tun. Wachsam sein heißt auch, dass wir die Gemeinde richtig sehen. Wachsam sein bezieht sich also nicht nur auf die Ereignisse in der Welt, sondern auch wie wir die Gemeinde sehen.
Wenn wir die Gemeinde falsch sehen, müssen wir aufwachen. Dieses Gleichnis will uns aufwecken, damit
wir die Gemeinde nicht falsch sehen und schlafen, wenn Jesus wiederkommt. Zunächst einmal macht Jesus
hier deutlich, wem die Gemeinde gehört. Es ist seine Gemeinde. Sie gehört uns nicht. Die Gemeinde gehört
keinem von uns. Das ist einerseits entlastend. Jesus hat die letzte Verantwortung. Andererseits zeigt uns
das sehr deutlich unsere Grenzen. Wir können keine Ansprüche fordern. Jeder von uns hat nur Anspruch
auf das, was ihm gehört. Die Gemeinde gehört uns nicht. Daher kann niemand fordern, wie die Gemeinde
nach seinen Augen zu sein hat. Es kommt nicht darauf an, dass die Gemeinde mir oder euch gefällt. Die
Gemeinde ist auch nicht dazu da, dass sie unsere Wünsche und unsere Bedürfnisse erfüllt. Wer so denkt,
3
der träumt. Der träumt ein Bild von Gemeinde, das es nicht gibt. Wer so denkt, muss aufwachen. Wachen
heißt, dass jede und jeder seine Aufgaben ausführt. Wir gehören zur Gemeinde, um Aufgaben zu erledigen
und nicht um Wünsche erfüllt zu bekommen. Jesus, der Herr der Gemeinde, hat jeder und jedem von uns
Gaben gegeben. Er hat aber auch für jede und jeden von uns Aufgaben, die wir erledigen sollen. Wachen
bedeutet also, dass wir die Gemeinde so sehen und dass wir unsere Aufgaben erledigen.
Jesus warnt hier und sagt: Passt auf, dass ihr von mir nicht im Schlaf überrascht werdet. Ich muss dabei an
die Pforte in meiner Zeit im theologischen Seminar Tabor denken. In Tabor gibt es einen Empfang, früher
nannte man das Pforte. Diese Pforte war damals an einer anderen Stelle im Haus. Die alte Pforte wurde
auch Aquarium genannt. Denn sie war mit Glas eingefasst. In diesem Aquarium gab es einen Schrank und in
dem Schrank war ein Klappbett. Alle paar Monate hatte man Schlafpforte. Das hieß, man musste in diesem
Aquarium übernachten. Zum Glück gab es aber Vorhänge an den Glasscheiben, die man dann zuziehen
konnte. Bei diesem Schlafpfortendienst gab es eine große Angst. Nicht, dass jemand durch den Vorhang
schauen könnte. Wir hatten Angst, zu verschlafen. Es war eine schreckliche Vorstellung, in diesem Aquarium aufzuwachen und außen stehen der Direktor, die Sekretärin und die Leute von der Verwaltung. Einer
von uns hatte sich einmal besonders abgesichert. Er bat seine Mutter, dass sie ihn auf dem Pfortentelefon
anruft und weckt. Am nächsten Morgen stand plötzlich Schwester Marianne Uhlig, die Hausmutter und
Oberin, an seinem Bett. Was er nicht wusste, nach einer bestimmten Anzahl von Klingeltönen wurde der
Anruf an das Telefon der Oberin weitergeleitet. Diese weckte ihn nun mit den Worten: „Ihre Mutter rief
eben an, ich soll sie wecken.“ Peinlich! An dieses Gefühl werde ich erinnert, wenn ich diesen Text lese. Es ist
mehr als peinlich, wenn Jesus kommt, und wir schlafen in der Gemeinde.
Schlafen müssen wir im übertragenen Sinn verstehen. Schlafen ist, wenn wir nicht unseren Aufgaben nachkommen. Wenn wir uns mit Nebensächlichkeiten beschäftigen und über Luxusfragen diskutieren und streiten. Oder wenn wir Fehler suchen und einander kritisieren, anstatt das zu tun, was wir tun sollten. Der
Apostel Paulus beschreibt es so im Römerbrief, Kap 13: Es ist höchste Zeit, aus dem Schlaf aufzuwachen,
denn jetzt ist unsere Rettung noch näher als damals, als wir zum Glauben kamen. Die Nacht geht zu Ende,
bald ist es Tag. Tun wir alles von uns weg, was zu den Taten der Dunkelheit gehört, und ergreifen die Waffen des Lichts! Lasst uns ein Leben führen, wie es zum hellen Tag passt, ein Leben ohne Fress- und Saufgelage, ohne Bettgeschichten und Sexorgien, ohne Streit und Rechthaberei. Zieht vielmehr den Herrn Jesus
Christus an und trefft keine Vorkehrungen für die Begierden, die in euch sind!
Ich möchte abschließen mit einer Frage, die wir länger bedenken sollten. Was wäre in unserer Gemeinde
anders, wenn wir wüssten, Jesus wird in einigen Wochen oder Monaten kommen? Was würden wir anders
machen, wenn wir wüssten, Jesus kommt in einigen Wochen oder Monaten? Was würde das für jede und
für jeden von uns bedeuten? Wie würde sich das auf unser Gemeindeleben auswirken? Ich gebe ein paar
Denkanstöße dazu? Was wäre auf einmal wichtig in unserem Leben? Was wäre überhaupt nicht mehr wichtig? Wie würde sich das auf die Veranstaltungen in unserer Gemeinde auswirken? Würden wir schnell noch
eine Evangelisation durchführen oder würden wir in die Häuser der Menschen gehen? Welche Fragen und
welche Themen würden uns in der Gemeinde beschäftigen? Und wir würden wir miteinander umgehen,
wenn wir wüssten, Jesus kommt in der nächsten Zeit?
Sehen und wachen, das ist die Intention von Jesus. Denn er kann in der nächsten Zeit kommen.
Amen.
Reinhard Reitenspieß
4
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
2
Dateigröße
69 KB
Tags
1/--Seiten
melden