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Demenz - was nun? - Schneider, ReadingSample

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Demenz - was nun?
Hilfe für Angehörige und Freunde
von
Dorothea Schneider
1. Auflage
Demenz - was nun? – Schneider
schnell und portofrei erhältlich bei beck-shop.de DIE FACHBUCHHANDLUNG
Thematische Gliederung:
Psychologie: Sachbuch, Ratgeber
tredition 2013
Verlag C.H. Beck im Internet:
www.beck.de
ISBN 978 3 8495 7190 0
Inhaltsverzeichnis: Demenz - was nun? – Schneider
1
Für meine Mutter
2
Dorothea Schneider
Demenz
was nun?
Hilfe für Angehörige
und Freunde
3
©2013 Schneider & Schneider Enterprises Ltd.
Umschlaggestaltung: Ulla Nicols
Johannes Schneider
Dorothea Schneider
Lektorat: Edith Kühn
Mitwirkende: Uwe Heyduczek
Daniela Schneider
Maximilian Schneider
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN: 978-3-8495-7190-0
Printed in Germany
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist
urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist
ohne Zustimmung des Verlages und des Autors
unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Bibliografische Information der Deutschen
Nationalbibliografie verzeichnet diese Publikation
in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte
bibliografische Daten sind im Internet über
http://dnb.d-nb.de abrufbar.
4
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
9
Keine Angst vor Demenz!
11
Demenz – Was nun?
14
Diagnose: Demenz
20
Empathie lernen:
24
Wie fühlt man sich in den Anderen ein?
Verlust des Gedächtnisses
26
Verlust der Orientierung
28
Verlust der Handlungsfähigkeit
32
Verlust der Emotionen (Gefühle) 33
Verlust der Motivation (Antrieb)
35
Verlust der Sprache
und des Sprachverständnisses
39
Betreuung und Pflege
bei Demenz
Was bedeutet „Demenz-sicher“?
Streitereien führen zu nichts
– aber der Ton macht die Musik.
Geeignete Beschäftigung finden
Aufteilung der Belastungen,
die durch Betreuung und Pflege
entstehen
43
43
45
46
49
5
Regelmäßige medizinische
Kontrollen
59
Wie ist der Krankheitsverlauf?
Faktoren, die den Krankheitsverlauf
beeinflussen
61
Demenz vorbeugen
Geistige Fitness
Ernährung
Bewegung
Gesundheitscheck
65
65
68
71
73
Stadien der Demenz –
umgekehrte Kindheitsentwicklung
76
Demenzstadium Eins
76
Orientierung in Zeit und Raum
77
Aktion und Reaktion
80
Auto, Motorrad, Fahrrad
84
Tägliche Arbeiten
89
Reizbarkeit und Antriebslosigkeit 90
Harn- und Stuhlinkontinenz
91
Allgemeine Körperpflege
93
Essen, Trinken und Medikamente 93
Demenzstadium Zwei
95
Bewegungsdrang und
6
Orientierung
95
Sexualtrieb und Demenz
96
Leseverständnis, Schrift
und Sprache
99
Mathematik, Wert und Zahlen
102
Erkennen von Personen
103
Mein, dein, unser
106
Spiele, Malen und Musik
108
Essen, Trinken, Medikamenteneinnahme – nein danke!
113
Körperpflege und
Kleidungswechsel
115
Demenzstadium Drei
119
Vollübernahme in allen Bereichen 119
Schluckstörungen
120
Einschlafen und nie wieder aufwachen
121
Nachwort
124
Anhang – zum Selbsttest
126
Einschränkung der Alltagskompetenz
126
Richtlinien zur Erkennung von eingeschränkter Alltagskompetenz
127
Über die Autorin
139
Über tredition
141
7
8
Vorwort
Dieses Buch über Demenz habe ich
für all die Menschen geschrieben, die mit
an Demenz Erkrankten leben, arbeiten
oder nur von Zeit zu Zeit mit ihnen zusammentreffen.
Bei meiner Tätigkeit als Krankenschwester mit Spezialgebiet Geriatrie
(Altersheilkunde) habe ich viele Angehörige und Freunde von Erkrankten getroffen. Viele von ihnen wissen sehr gut
über die verschiedenen medizinischen
Krankheitsformen der Demenz Bescheid.
Leider fehlt aber den meisten Verständnis im Umgang mit an Demenz Erkrankten.
Ich berate oft Familien, die das Verhalten ihres erkrankten Angehörigen
nicht verstehen. Sie fühlen sich hilflos
der Krankheit und den Veränderungen
ausgeliefert. Nach kleinen Anleitungen
und der Aufklärung, wie ein Demenzkranker die Welt sieht, konnten alle Angehörigen ihre Erkrankten mit viel mehr
Kraft, Mut, Sicherheit und Freude pflegen.
Das war meine Motivation, dieses
9
Buch zu schreiben. Durch dieses Buch
möchte ich es auch Ihnen ermöglichen,
Ihre an Demenz erkrankten Angehörigen
oder Freunde besser zu verstehen. Dadurch werden Sie das Leben aus einem
anderen Blickwinkel sehen und besser
gemeinsam mit Ihrem Angehörigen genießen können.
Mein ganzer Dank gilt meiner Lektorin Edith, die viel Zeit, Ideen und Energie in dieses Buch mit eingebracht hat,
Daniela, Uwe, Maximilian, Johannes und
meiner Mutter, die immer wieder mit mir
über das emotional oft schwierige Thema diskutierten. Vor allem aber danke
ich allen Angehörigen von Demenzkranken, die sehr offen mit mir über ihre
Freuden, geplatzten Träume, Ängste und
Visionen gesprochen haben.
Möge dieses Buch und das Wissen
um Demenz auch Ihr Leben bereichern.
Ihre Dorothea Schneider
10
Keine Angst vor
Demenz!
Es ist bekannt, dass uns die Dinge
ereilen, die wir am meisten fürchten.
Zum Beispiel:
Ein Ehepaar wollte vor Jahren
nach Italien fahren. Sie hatten ihr
Auto komplett für eine Fahrt nach
Italien ausgerüstet. Ihre größte
Angst war, dass ihr Wagen beschädigt oder gestohlen werden
könnte. Eine Wegfahrsperre am
Lenkrad und eine elektronische
Wegfahrsperre sollten dies verhindern. Na ja, es kam, wie es kommen musste: Dem Ehepaar wurden in der ersten Nacht in Italien
alle vier Reifen am Auto geklaut.
Eine Dame hatte jahrelang
Angst davor, Darmkrebs zu bekommen. Sie tat alles in Bezug auf
Ernährung, Bewegung und Gesundheitscheck. Sie bekam Darmkrebs. Sie hatte versäumt, ihre
geistige Einstellung zu ändern.
Leider verstarb sie an den Folgen
11
der Chemotherapie, nicht am
Darmkrebs. Der trat nach der Operation nicht wieder auf.
Sie sehen, Ihre eigene Einstellung ist
auch sehr wichtig, ob Sie an Demenz
erkranken oder nicht.
Die Demenz eines Angehörigen oder
Freundes verändert das Leben der gesamten Familie und die des Freundeskreises! Es liegt an uns, wie wir mit dem
Dementen umgehen. Es ist unsere persönliche Einstellung, die diese Erkrankung zum massiven Problem werden
lässt oder nicht.
Bei kleinen Kindern ist es normal,
wenn wir das Brot streichen oder beim
Gang zur Toilette behilflich sind. Bei
Erwachsenen zieren wir uns. Bei älteren
Menschen, die sich nur schwer bewegen
können ist es selbstverständlich, dass
wir ihnen helfen. Warum also nicht auch
den Dementen?
In diesem Buch werden Sie erfahren,
wie an Demenz Erkrankte versuchen,
mit ihren Einschränkungen ihre Umwelt
wahrzunehmen, sich darin zurechtzufinden und auf welche Hilfen sie angewiesen sind.
12
Es ist kein Buch, das Ihnen wissenschaftliche medizinische und pharmazeutische Erklärungen gibt, sondern ein
Buch, das Ihnen die Angst und Unsicherheit im Umgang mit an Demenz
Erkrankten nehmen soll.
In diesem Buch erfahren Sie zuerst,
was kognitive Fähigkeiten sind und was
deren Verlust bedeutet. Danach erhalten
Sie Informationen darüber, wie Sie
selbst eine Demenz vermeiden können.
Im Kapitel 'Demenzstadien' können
Sie alles über den Krankheitsverlauf aus
pflegerischer Sicht nachlesen.
Im Anhang finden Sie Richtlinien für
die „eingeschränkte Alltagskompetenz“.
Dies bedeutet, Sie können dort nachlesen, ob und welche Defizite Sie evtl.
selbst haben. Keine Angst: Vergesslichkeit und Schusseligkeit sind keine Anzeichen von Demenz, sondern von Unkonzentration - meistens kombiniert mit
körperlicher und geistiger Überbelastung. Noch ein Tipp zum Lesen dieses
Buches: Nehmen Sie sich Zeit!
13
Demenz – Was nun?
Viele Menschen fragen sich: Werde
ich, nachdem ich etwas vergessen habe,
jetzt dement? Ich kann Sie beruhigen.
Wegen Vergesslichkeit ist man nicht
gleich dement. Oftmals stuft man Dinge
als weniger wichtig ein und vergisst sie
dann – das ist alles.
Das Wort Demens kommt aus dem
Lateinischen und bedeutet „ohne Geist“.
„Mens“ ist im Lateinischen der Verstand,
und „de“ bedeutet abnehmend. Hier wird
ersichtlich, der Geist oder Verstand
nimmt ab.
Ein an Demenz erkrankter Mensch
verliert also Stück für Stück das, was er
einmal erlernt hat. Dabei spielt es keine
Rolle, ob es eine Alzheimer Demenz ist
oder eine Demenz aufgrund mangelnder
Gehirndurchblutung oder Störungen
bzw. mangelndem Nichtweiterleiten von
Informationen von einer Gehirnzelle zur
anderen. Jede Demenzform hat die gleiche Auswirkung auf das Verhalten des
Erkrankten. Nur die medikamentösen
Therapiemöglichkeiten sind bei den ver14
schiedenen Demenzformen unterschiedlich. Deshalb ist es wichtig, dass VOR
der Therapie eine genaue Diagnose mittels Blutwerten und MR (Magnetresonanzuntersuchung) oder CT (Computertomographie) erstellt wird. Bei MR und
CT kann man genau erkennen um welche Form der Demenz es sich handelt.
Der an Demenz erkrankte Mensch
verliert das,
was er einmal Stück für Stück in
seinem Leben erlernt hat.
Das bedeutet, wir haben alle einmal
gelernt:
- dass bestimmte Dinge einen bestimmten Namen haben, z.B. ist ein Stuhl eine
Sitzgelegenheit mit vier Füßen und einer
Lehne,
- dass bestimmte Tätigkeiten bestimmte
Namen haben, z.B. Gehen, Singen, Kochen, Waschen etc., und dazu kamen
auch noch die verschiedenen Zeiten: ich
ging, ich werde gehen, ich bin gegangen
usw.
- wie man mit Messer und Gabel isst,
15
- wie man sich die Schuhe bindet,
- wie man sich an- und auszieht (wo,
wie, wann und warum),
- dass bestimmte Dinge bestimmte Formen und Farben haben können, z.B. die
rote bauchige Vase oder das blaue Rennrad,
- dass nach jedem Tag eine Nacht folgt,
- dass bestimmte Handlungen diese oder
jene Konsequenz haben, z.B. wenn ich
Putzmittel trinke werde ich sehr krank
und kann evtl. daran sogar sterben,
- dass man Geld zum Einkaufen benötigt,
- dass ein Auto ohne Sprit nicht fährt.
Es gibt noch unendlich viele Beispiele, was wir im Leben alles gelernt haben.
Die Liste dürfen Sie gerne für sich erweitern.
Dieses Erlernte nennt man kognitive
Fähigkeiten.
Verlust der kognitiven Fähigkeiten bedeutet
- den Verlust des Gedächtnisses,
- der Orientierung in Zeit und Raum,
- der Handlungsfähigkeit,
16
- der Motivation,
- der Sprache etc..
Jetzt schauen wir uns einmal an, was
passieren würde, wenn jemand zu uns
sagt: „Hol doch bitte mal schnell meinen
Mantel!“ Wir verstehen das „Holen“ in
seiner Bedeutung, den „Mantel“ überhören wir.
Ein Mensch, der über alle seine kognitiven Fähigkeiten verfügt, kann aus
der Situation heraus – er/sie will das
Haus verlassen – den Rückschluss ziehen, der Andere möchte seinen Mantel,
auch wenn er das Wort Mantel überhört
hat.
Ein an Demenz erkrankter Mensch
kann nicht auf seine kognitiven Fähigkeiten zurückgreifen. Auch wenn er das
Wort „holen“ in seiner Bedeutung versteht und das Wort „Mantel“ gehört hat,
aber nicht einem Gegenstand zuordnen
kann, wird er unsicher. Er merkt, dass
etwas nicht stimmt. Er hat das Gefühl zu
versagen. Bei manchen Menschen löst
dies dann Aggressionen aus, andere
ziehen sich in sich zurück.
17
In der ersten Phase einer demenziellen Erkrankung werden die Symptome
der Demenz meist nicht richtig erkannt.
- Ehepaare streiten sich fast permanent,
obwohl sie 45 Jahre vorher ein glückliches Eheleben geführt hatten.
- Ein Elternteil oder auch beide werfen
ihren Kindern vor, dass sie jedes Mal,
nachdem die Kinder da waren, nichts
mehr finden können, weil alles umgeräumt sei.
- Den Nachbarn, mit denen es 30 Jahre
lang nie Probleme gab, werden böse
Absichten unterstellt.
- Freunde, die zu Besuch kommen, werden des Diebstahls bezichtigt.
Auch hier lässt sich die Liste unendlich erweitern. Der an Demenz Erkrankte
kann die Situationen nicht mehr richtig
einschätzen. Er kommt mit den kleinsten
Veränderungen nicht mehr klar.
Massive Verhaltensänderungen
sind ein Anzeichen für eine beginnende
Demenz.
Vergesslichkeit, wie „ich habe schon
wieder vergessen, die Schuhe beim
Schuster abzuholen“, ist kein Indiz für
eine Demenz. Wenn jemand allerdings
18
durch die Stadt geht und nicht mehr
weiß, warum er das Haus verlassen hat,
dann kann dies auf eine Demenz hinweisen.
Auch wenn der Erkrankte beim Einkaufen sein Wechselgeld nicht mehr
kontrolliert, obwohl er es früher immer
getan hat, kann dies auf eine beginnende Demenz hinweisen.
Oder wenn der heiß geliebte Sportverein absolut uninteressant wird mit
der Begründung, die Anderen seien alle
doof, sollte man einen Arzt konsultieren
und den Betreffenden auf eine Demenz
untersuchen lassen.
Aber Vorsicht: nicht jeder, der eine
der Auffälligkeiten in den oben genannten Beispielen zeigt, ist dement. Es
müssen schon mehrere Auffälligkeiten
zusammenkommen.
19
Diagnose: Demenz
Wenn Sie für einen Angehörigen die
Diagnose Demenz erhalten haben, dann
fragen Sie sich: Was mache ich jetzt –
außer Tabletten geben? Wie gehe ich
damit um? Muss ich mich mit ihm bis
ans Ende der Tage streiten oder gibt es
eine andere Möglichkeit des Zusammenlebens?
Es gibt eine andere Möglichkeit:
Empathie.
Das Wort Empathie kommt aus dem
Altgriechischen und bedeutet 'Einfühlung'. Es bezeichnet die Fähigkeit, Gedanken, Emotionen, Absichten und Persönlichkeitsmerkmale eines anderen
Menschen (oder eines Tieres) zu erkennen und zu verstehen. Zur Empathie
gehört auch die Einfühlung als eigene
Reaktion auf die Gefühle Anderer, wie
z.B. Mitleid, Trauer, Schmerz oder Hilfsimpulse.
Kognitive Empathie lässt uns erkennen, was der Andere fühlt.
Emotionale Empathie lässt uns
20
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