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LuuBooks Leseprobe *erzähl mir was von Afrika

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„Erzähl mir was von Afrika“
Carmen Caputo: Nagobi und ihre Träume
Unbarmherzig brannten Sonnenstrahlen auf die staubbedeckte Erde Namibias und
ließen die Luft vor Hitze flimmern. Seit Monaten hatte es nicht mehr geregnet. Die
Trockenheit hatte die Hirsefelder zerstört, auch Jams und Maniok, und erschwerte das
ohnehin mühselige Leben noch mehr.
Nagobi saß im Schatten der Holzhütte und sah den klaren Himmelszügen nach. Nein,
Regen würde es auch die nächsten Wochen nicht geben, hatte Großvater gesagt, nicht
mit diesem Himmel, nicht mit diesem Blau.
Nagobi dachte nicht weiter darüber nach. Sie hatte andere Gedanken in ihrem kleinen,
dunklen Mädchenkopf.
In ihrem Schoß lag ein kleiner angeschmuddelter Schreibblock, der einzige Reichtum,
den sie besaß. Sie schrieb gerne, die Handschrift zog flüssig über die durchgezogenen
Linien, worauf sie sehr stolz war. Der Bleistift war alt und abgenutzt, nur kurze Zeit
würde sie damit noch schreiben können. Geld, um einen neuen Stift kaufen zu können,
besaß sie nicht.
Didier: Babas Balle
Man kann beim besten Willen nicht behaupten, dass er ein besonders sympathischer
Junge war, der kleine Baba. Dafür war er viel zu sehr von sich selbst überzeugt und
das, was man eine große Klappe nennt, gesellte sich, wie meistens in solchen Fällen,
noch dazu. Er war nicht der typische Loser und das wusste er. Und ich auch. Wenn ich
mir meine Volleyballmannschaft zusammenstellte, sicherte ich mir gern Babas Künste.
Zugegeben, er spielte zu eigensinnig, drosch den Ball immer gleich rüber anstatt
"passe" zu spielen, wie das Zuspiel auf Französisch heißt. Aber im Gegensatz zu den
anderen Kleinen, die unbedingt immer mitspielen wollten, bekam er den Ball
wenigstens über das Netz. Seine Selbstsicherheit half ihm dabei. "La balle m'aime et
moi, j'aime la balle!", erklärte mir Baba mit stolz geblähter Brust einmal nach einem
wunderbar herausgespielten Punkt. Ich sehe ihn noch heute vor mir: seinen meist
unbekleideten, drahtigen Oberkörper, seine kurzen, schwarzen Locken, sein breites,
weißes Grinsen, seine schmuddelige kurze, rote Sporthose. Schwer zu sagen, wie alt
Baba war, vielleicht zehn. Die afrikanischen Kinder bleiben ja oft länger klein und
schmächtig, weil die guineischen Reisgerichte manchen Wunsch des wachsenden
Kinderkörpers unerfüllt lassen. Aber zum Volleyballspielen reichte es allemal.
Anne Grießer: Die Geschichte vom unglaublich fruchtbaren Opa Yongai
Als Kinder fürchteten wir uns sehr vor Opa Yongai. Nicht dass er jemals etwas Böses
zu uns gesagt hätte, überhaupt erhob er niemals seine Stimme, lächelte stattdessen
freundlich, wenn wir an seiner Hütte vorüberhuschten. Er saß bei Tag und Nacht auf
seiner Veranda, wo er aß, im Sitzen schlief, Geschichten erzählte und schließlich starb.
Manchmal hob er langsam die Hand und winkte uns zu, doch ich sollte elf Jahre alt
werden, bis ich mich zum ersten Mal in seine Nähe traute.
Es waren die Vögel, vor denen ich mich am meisten fürchtete. Ständig flatterten und
piepsten sie rund um Opa Yongais Kopf, besonders wenn gerade junge Regendommler
geschlüpft waren. Sie schissen auf die Veranda, auf die Kleider meines Großvaters, auf
sein verfilztes Haar.
Sie schleppten in ihren Schnäbeln lebende und tote Würmer heran, um ihre Jungen
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damit zu füttern. Und Opa Yongai bewegte sich nie, er war wie ein Baum mit einer
mächtigen, wirren, grauhaarigen Krone.
Birge Laudi: Das Buschmannohr
Theo hockte zwischen Umzugskisten in der fast leer geräumten Wohnung seines
Großvaters und sortierte Bücher. Wählte, welche er mitnehmen wollte. Legte beiseite,
die nicht in sein Interessengebiet fielen.
Theos Großvater war vor ein paar Tagen gestorben. In hohem Alter. Er war Arzt
gewesen. Die Großmutter wurde seit Jahren in einem Heim betreut. Sie litt an der
Alzheimer Krankheit.
Theo hatte seine Großeltern sehr geliebt, doch es hatte Themen gegeben, die er zeit
ihres Lebens kaum zu berühren wagte. Sprach er vom Dritten Reich, von Mitschuld
und vom 'Das müsst ihr doch gewusst haben', da zogen sich die Großeltern zurück,
zurück in die Gegenwart: "Sind wir doch froh, dass diese Zeit vorbei ist" und "was
bringt es, immer darüber zu reden" und "am besten, wenn man das alles vergisst". Theo
und seine Geschwister hatten es bald aufgegeben dieses Thema anzuschneiden.
Hassan Aftabruyan: Als uns Kalal vom Staub erzählte
Hier ist überall Staub. Es ist wirklich Staub, kein Sand, sondern feiner Staub, der sich
festsetzt. Wie in Westernfilmen, in verlassenen Städten.
Aber ich bin hier in keiner Stadt. Manu bin ich und im Nirgendwo gelandet.
Und dort habe ich nur ein Ziel: Irgendwohin zu kommen.
Das Lager sah gar nicht schlimm aus. Einfache Hütten und kleine Waschstellen sind
nebeneinander. Aber es fühlte sich schlimm an. Als wir nahe genug waren, konnten wir
die traurigen Augen der anderen spüren. Augen sieht man eigentlich, wie zum Beispiel
die Augen meiner Großmutter. Sie schaute mich immer an, wenn es draußen kalt war
oder wenn ich Angst hatte.
Ich konnte die Augen meiner Großmutter nicht mehr sehen, als sie starb. Sie wurde von
einem Soldaten von hinten in den Kopf geschossen. Einfach so. Weil sie ihm seine
Schuhe nicht putzen wollte.
Regina Besting: Der Mann auf dem Dach
Der Falke sitzt auf dem Dach. Schweigend, observierend. Sie nennen ihn den Falken
weil er bevorzugt von hohen Positionen aus arbeitet. Er ist gut. Nicht der Beste, aber
ausreichend für diesen Job. Der Beste wäre vermutlich sowieso ungeeignet gewesen,
dieses Mal. Und wozu unnötig Geld ausgeben?
Er wartet, den Rücken gegen die überstehende Hausmauer gelehnt, die Beine leicht
angewinkelt, die Füße beide fest auf dem Boden. Er betrachtet die kleinen weißen
Kieselsteine, die auf der Teerdecke verstreut wurden. Seine Schuhe haben leichte
Spuren hinterlassen. Es sind die einzigen hier oben. Vor ihm hat vermutlich noch nie
jemand das Dach betreten, von den Bauarbeitern vor zwanzig Jahren einmal abgesehen.
Doch lange wird das nicht so bleiben.
Christiane Stüber: Sinnverkehr(t)
Eine Wolkendecke - halb Nebel, halb Luftverschmutzung - verhüllt den Berg. Wüsste
man es nicht besser, könnte man fast vergessen, dass er sich dort inmitten der Stadt
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erhebt. Manchmal vergisst man es tatsächlich für ein paar Tage, weil es hier unten im
urbanen Tal so viel Zerstreuung gibt. Die Kapstädter sagen, dass der Berg ihr Ruhepol
ist, dass sie nur ihm ihre entspannte Art zu verdanken hätten. Man spricht hier gern von
Energien und geheimnisvollen Kräften. Das gehört genauso zum Alltag wie
zertrümmerte Fensterscheiben und durchstochene Reifen.
Kapstadt ist meine neue alte Heimat. Nach einem Jahr in Deutschland bin ich hierher
zurückgekehrt. Dabei hatte ich mit diesem Land und seinen Menschen bereits gründlich
abgeschlossen. Ich hatte mich in Berlin sehr wohl gefühlt und die Stadt mit dem
massiven Berg, dem Ozean drum herum und meiner zerbrechlichen Liebe nicht einmal
besonders vermissen wollen. Doch als ich eines Abends allein am menschenleeren SBahnhof Bellevue stand, hat sich etwas in mir herumgedreht.
Margit Breuss: Nachbarn
"Fadi", ruft Amina aus der Hütte, "lass die Nassara in Ruhe!"
Noch immer zucke ich zusammen, wenn ich unumwunden "Nassara" genannt werde:
"Weiße". Jedes Mal werde ich mit der Nase auf das gestoßen, was offensichtlich ist:
Ich bin anders. Doch eine "Andere" zu sein oder als solche bezeichnet zu werden, ist
nicht dasselbe. Und Fadimatou besteht darauf, mich bemerkenswert zu finden.
"Aber Mama", ruft sie in die Hütte, "die Nassara trägt den Kochtopf wie ein Baby."
Ich starre auf den Topf mit Reis, den ich in den Händen halte.
"Fadimatou", sagt Amina, tritt aus der Hütte und fasst ihre Tochter am Arm, "sie kann
nichts dafür. Ihre Haare sind einfach zu rutschig."
V. Groß: Die Geister Afrikas
Eigentlich kann ich sagen, dass ich die Trommeln Afrikas schon immer vernommen
habe. Als Kind bereits, wenn ich, wie vielleicht jedes Kind, von großen Abenteuern in
weit entfernten Ländern träumte. Und auch dieses schwarze Mädchen, um das sich
meine Geschichte in gewisser Weise dreht, habe ich schon immer gesehen.
Mein Name ist Jim, Jim Locke, und als meine Reise begann, war ich gerade 14 Jahre
alt. Meine Eltern waren beide gestorben und mein Patenonkel, der mich zu sich
genommen hatte, war kein besonders herzlicher Mann. Vor Jahren schon hatte man ihm
wegen der Schulden sein Geschäft, das er als Färber von Stoffen betrieben hatte,
genommen, und nun suchte er Trost im Alkohol, war verbittert und mürrisch. Ständig
beklagte er sich darüber, dass er mich durchfüttern müsse,
Susanne Weinhart: Malesch, Mädchen
Geisterschiffe auf dem Nil. Nach dem Terroranschlag der Islamisten in Kairo vom
Dritten kreuzten nur noch fast leere, blitzende Motorschiffe auf der braunen Suppe; die
langärmeligen, safaribeigen Personen an Deck erschienen vom Ufer aus wie
Leprakranke, die man nicht mehrian Land lassen wollte. Ein dahintreibender
Zauberberg, Davos mit Schwimmflügeln.
"Die riechen förmlich nach Malariaimpfung", meinte mein Vater. Weicheier, hieß das.
Auch beim Essen im La Palme d'Or waren wir fast eine Viertelstunde das
Knetspielzeug von zwei Polizisten, die allein durch ihr Rasierwasser einen Raum
schachmatt halten konnten. Der eine Polizist jonglierte mit meinen Tampons aus dem
Camelbak, der andere richtete seine Wumme auf einen jung wirkenden Polen, der eben
ein ägyptisches Baby abgelichtet hatte.
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Mila Carnel: Fräulein Afrika
Liebe Tilda,
dann will ich dir also noch einmal schreiben, bevor ich nach Deutschland komme, und
will versuchen, deine Fragen zu beantworten. All die Zeitungsausschnitte über mich
hast du gesammelt! Ich werde dich in Berlin besuchen, vielleicht magst du ja mit an
den Rhein kommen; warst mir immer eine gute Freundin und ich wüsste dich gerne
beim Festakt an meiner Seite, wenn Herr Adenauer mich um meine Arbeit ehrt.
Wie das also zuging?
Von dem Fred musste ich weggehen, als er sich mit seiner Frau aussöhnte. Sie war
plötzlich wieder da, nachdem sie ihn mit so viel Drama verlassen hatte. Er machte mir
eine "anständige Erklärung", wie er es nannte, damit jeder wusste, woran er war.
Keno tom Brooks: Briewe uit Namibia #12 Bruder Johannes
Johannes saß auf dem nackten, festgetretenen sandigen Boden seines Steinhauses. Das
Haus stand in einer langen gleichförmigen Reihe anderer Häuser, die wie die Glieder
einer ineinander verwobenen Kette vom Stadtrand Swakopmunds in die Wüste hinaus
reichten. Es bestand nur aus zwei Räumen mit kleinen glaslosen Fenstern, die die
Wüstenhitze in stetigem Luftstrom ins Haus ließen. Ein Regal mit ein paar alten Töpfen
auf den verstaubten Brettern, ein schon lange nicht mehr benutzter Holzherd und ein
paar Decken waren alles, was Johannes besaß.
Den Slum der Armen, die Mondesa, konnte man direkt von der einzigen Zufahrtstraße
nach Swakopmund, der "Kaiser-Wilhelm-Allee", sehen. So hatte die Regierung Häuser
in der Mondesa errichten lassen um den zahlungskräftigen Touristen nicht schon bei
der Anfahrt den Urlaub zu verderben. Die Armut wurde hinter Steinfassaden versteckt,
aber die Menschen lebten nicht besser als vorher in ihren Hütten aus Pappe und Blech.
Anja Labussek: Ein letztes Mal -- In Memoriam Karen (Tania) Blixen
Wenn es auf dieser Welt einen Ort gibt, der die Bezeichnung "vollkommen" verdient,
dann ist das für mich der Gipfel des gewaltigen Ngong-Gebirges. Wie oft habe ich in
den letzten siebzehn Jahren dort oben gestanden und meinen Blick schweifen lassen:
Unter mir reichte weites Grasland bis hin zum Fuß des Kilimandscharo, auf der
anderen Seite erstreckte sich die dürre Mondlandschaft der afrikanischen Tiefebene. Es
war ein imposantes Farbenspiel aus Gelb-, Grün- und Brauntönen, in dem jedes Detail
seinen tiefen Sinn hatte. Immer, wenn ich dort stand, überkam mich das Gefühl einen
Blick in die Seele Afrikas zu werfen.
An diesem Augustnachmittag des Jahres 1931 war jedoch etwas anders, als ich wieder
hinaufstieg.
Raiko Milanovic: Der Blick nach Süden
Ich folgte dem alten Pfad durch die warme Nacht, bis ich an Großvater Apudos Zaun
stieß. Hier kam ich nicht weiter, das wusste ich ja, aber meine Füße kannten den Weg,
am Zaun entlang bis an das Tor.
"Mzee", rief ich, "mach auf! Ich bin zurück!"
Licht flammte auf, eine Tür öffnete sich und Großvater lugte zur Tür heraus. Die Tür
ruckte noch einmal und flog auf, dann rannte Akinyi heraus.
"Mzee, mach auf, mach auf! Es ist Mgeni!" Sie lachte und tanzte vor dem Tor, bis der
alte Mann kam zu öffnen.
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"Mgeni, wie schön! Seit wann bist du zurück?"
Ich kam nicht weiter als "Gut" zu sagen, weil Akinyi versuchte an mir hochzuklettern.
Sie ließ von mir ab und rannte ins Haus um Jibu zu holen.
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