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FRÜHLING - SOMMER 2015

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Darry ist kein Einzelfall - bei Familientragödien mit anschließendem
Selbstmord der Täter sterben jährlich bis zu 40 Kinder in Deutschland
Sperrfrist:
(keine)
Zusammenfassung:
Familientragödien, bei denen Mütter oder Väter ihre Kinder töten
und anschließend Selbstmord begehen, ereignen sich in Deutschland regelmäßig, zumeist in unauffälligen sozialen Milieus. Dabei
sterben nach vorläufigen Schätzungen jährlich bis zu vierzig Kinder. Während bei Vätern oft Beziehungsprobleme und Trennungen Auslöser der Tat sind, liegen bei den Müttern meistens schwere psychische Störungen wie Depressionen oder Psychosen vor.
Eine neue Studie des Max-Planck-Instituts in Freiburg untersucht
die sozialen und psychologischen Hintergründe.
Hintergrund:
In der Abteilung Kriminologie des Max-Planck-Institut für internationales und ausländisches Strafrechts in Freiburg i.Brsg. wird zurzeit
eine Studie über Tötungsdelikte in Familien mit anschließendem Suizid des Täters oder der Täterin durchgeführt. Diese sogenannten ‚erweiterten Suizide’ oder Tötungen mit Anschluss-Suizid stellen ein
relativ häufiges Phänomen bei Fällen von tödlicher Gewalt in Familien
dar. Bei vielen dieser sog. Familientragödien planen die Täter im Voraus, ihre Kinder in den Tod ‚mitzunehmen’. Mütter und Väter werden
dabei ähnlich oft zu Mördern ihrer eigenen Kinder. Während bei Vätern oft Beziehungsprobleme und vor allem eine von der Partnerin
ausgehende Trennung Auslöser der Tat sind, liegen bei den Müttern
meistens schwere psychische Störungen wie Depressionen oder Psychosen vor, die ihre Schuldfähigkeit stark einschränken. Die meisten
Fälle ereignen sich in unauffälligen sozialen Milieus, und in Kleinstädten und ländlichen Gemeinden ebenso oft wie in Großstädten.
Tötungsdelikte mit anschließendem Suizid des Täters werden in den
offiziellen Statistiken nicht gesondert registriert, so dass es für
Deutschland bislang keine verlässlichen Zahlen gibt. In dem noch laufenden Forschungsprojekt des Max-Planck-Instituts werden alle entsprechenden Fälle im Familienkontext, die sich in Deutschland in den
letzten zehn Jahren ereignet haben, in einem aufwändigen Verfahren
aufgrund von Agenturmeldungen und teilweise Justizakten erfasst und
Referat Presse &
Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Gunda Wössner
Tel. +49 (761) 7081-289
Fax +49 (761) 7081-294
g.woessner@mpicc.de
Ansprechpartner für
diese Mitteilung:
Priv.-Doz. Dr. Dietrich
Oberwittler
Tel. +49 (761) 7081-219
Fax +49 (761) 7081-294
d.oberwittler@mpicc.de
Dipl.-Psych. Bianca
Lafrenz
Tel. +49 (761) 7081-335
Fax +49 (761) 7081-294
b.lafrenz@mpicc.de
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im Detail untersucht. Dabei spielen Fragen nach den sozialen und psychologischen Hintergründen der Taten und auch nach Warnsignalen eine wichtige Rolle.
Bislang liegen vorläufige Ergebnisse zu den Familientragödien in Bayern vor. Wegen der Erfassungsproblematik handelt es sich bei den folgenden Zahlen um Schätzungen, die wahrscheinlich
ca. 5-10% niedriger als die tatsächlichen Zahlen liegen. Demnach wurden in Bayern in den letzten zehn Jahren 50 Kinder Opfer von Tötungsdelikten mit anschließendem Suizid; davon überlebten 9 Kinder. Ein Drittel der Kinder war unter 5 Jahre alt, 40% waren 4 bis 9 Jahre alt, und
18% waren 10 Jahre oder älter. Mütter und Väter waren ungefähr gleich oft Täter. Innerhalb der
zehn Jahre ist kein zu- oder abnehmender Trend feststellbar.
Falls diese Ergebnisse aus Bayern hochgerechnet werden können, muss man für ganz Deutschland mit jährlich ca. 40 von ihren Eltern getöteten Kindern rechnen. Dabei sind Fälle ohne anschließenden Suizid des Vaters oder der Mutter nicht eingeschlossen. Dies betrifft z.B. die Tötungen von Neugeboren durch ihre Mütter, die in den seltensten Fällen Suizid begehen. Die Gefahr, die Kindern durch ihre eigenen Eltern droht, ist demnach um ein Vielfaches größer als die
Gefahr durch fremde Täter. Zum Vergleich: Jährlich werden in Deutschland nur zwischen 2 und
4 Fälle von Sexualmorden an Kindern registriert.
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Bildung
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