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Hochqualifiziert, aber finanziell unterversorgt #Interdisziplinär? Was

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Wissenschaftsmanagement · Zeitschrift für Innovation · Heft 6 · November/Dezember 2013
news & facts
Deutsche Hochschulmedizin
Hochqualifiziert,
aber finanziell unterversorgt
Universitätskliniken sehen ihre internationale Spitzenposition in Gefahr
Die deutsche Hochschulmedizin wird von zwei Säulen getragen: den 37 Medizinischen
Fakultäten und den 33 Universitätskliniken. Die Medizinischen Fakultäten in Deutschland bilden jährlich etwa 10.000 Mediziner aus. Zusammen mit den Universitätskliniken
stellen sie die Basis der medizinischen Aus- und Fortbildung in Deutschland. 2008 haben
sich der Medizinische Fakultätentag und der Verband der Universitätsklinika unter dem
Dachverband „Deutsche Hochschulmedizin e.V.“ zusammengeschlossen. Der Verein fordert eine Reform der Finanzierungsmodelle für die deutsche Hochschulmedizin, um die
von den Universitätskliniken erbrachten Leistungen in Forschung, Lehre und Krankenversorgung dauerhaft sicherstellen zu können. Vor den Koalitionsverhandlungen hat der
Dachverband daher eindringlich dazu aufgefordert, die Finanzierung der Universitätskliniken in den Koalitionsvertrag aufzunehmen.
BLOG
#Interdisziplinär? Was ist das?
Wie sich Wissenschaftler selbst amputieren
Der Volksmund weiß: „Für Leute, die nur einen Hammer als Werkzeug haben, ist alles ein
Nagel.“ In der Wissenschaft kann man das hervorragend beobachten. Denn hier werden
Menschen über Jahre und Jahrzehnte in bestimmten Spezialdisziplinen eingewiesen,
unter Druck wieder und wieder auf Stromlinienform geprüft und in ein immer einförmigeres Umfeld eingebunden (die akademische Form der Filterblase). Bald suchen wir
die Welt nach Nägeln ab.
Hightech
Der Trend zur Selbstvermessung
Fließende Übergänge zwischen medizinischer Anwendung
und Lifestyle-Produkt
Immer mehr Menschen versuchen, ihre Gesundheit und Fitness mittels technischer Hilfsmittel zu verbessern. Dazu bedarf es der Möglichkeiten zur Erfassung von Daten sowie
zur Auswertung selbiger. Eine große Zahl an Geräten sowie dazugehörige Programme
und Apps werden derzeit entwickelt und angeboten. Die beiden größten Anbieter von
Apps für mobile Endgeräte, Apple und Google, bieten derzeit fast 80.000 Apps in den Kategorien Medizin und Gesundheit&Fitness an, die zum Teil viele Millionen Male heruntergeladen werden. Dabei decken diese Geräte und Anwendungen ein weites Feld ab. Das
geht von der Vermessung der täglichen – vor allem sportlichen – Aktivitäten bis zu einer
Reihe medizinischer Daten.
news & facts
Interview
„Transparenz schafft Vertrauen“
Der App-Dschungel im Gesundheitsbereich
Urs-Vito Albrecht ist stellvertretender Institutsleiter des hannoverschen Standorts des
Peter L. Reichertz Instituts für Medizinische Informatik der Technischen Universität
Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und Geschäftsführender Arzt der Ethikkommission der MHH. Er leitet die multidisziplinäre Arbeitsgruppe
MedAppLab, die sich mit den ethisch-rechtlichen Rahmenbedingungen des klinischen
Einsatzes von medizinischen Apps auseinandersetzt.
Tagungsbericht
Personalentwicklung:
Ein Thema unter vielen?
Kongress zur Personalentwicklung an der Universität Duisburg-Essen
In diesem Herbst gab es eine Reihe von Tagungen rund um die Personalentwicklung im Wissenschaftssystem. Unter der Schirmherrschaft des Kanzlers Rainer Ambrosy wurde im November zu einem Kongress in die Universität Duisburg-Essen (UDE) eingeladen. „Berufliche
Lebensphasen zeitgemäß und innovativ begleiten“ lautete der Titel der Tagung. Wichtige
Stränge der Personalentwicklung im wissenschaftlichen wie im nicht-wissenschaftlichen
Bereich wurden in Form von Vorträgen und parallelen Workshops von rund 150 Teilnehmenden bearbeitet. Damit wurde ein Zeichen für die Verzahnung wissenschaftlicher und
administrativer Personalentwicklung gesetzt – ein wichtiges Verdienst der Tagung.
wissenschaftsmanager
NACHGEFRAGT
Wissenschaftsmanagement
aus Sicht der Wissenschaft
Thomas A. H. Schöck, Kanzler der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg
aktuelle diskussion
Europäische Forschungsförderung
Wie gewonnen, bald zerronnen?
Gerhard Fuchs, Referent für EU-Forschungsförderung, Universität Leipzig
Am 1.1.2014 startet das Rahmenprogramm für Forschung und Innovation der Europäischen Union (EU), genannt „Horizon 2020“, der Nachfolger des „7. Forschungsrahmenprogramms“ (FP7). Universitäten, Großforschungseinrichtungen und auch die industrielle Forschung versuchen sich beim Wettlauf um die gut 70 Milliarden Euro, die bis zum
Jahr 2020 zu gewinnen sind, an vorderster Stelle zu positionieren. Gerade für die chronisch unterfinanzierten Universitäten gewinnen die Drittmittel schon seit Jahren an Bedeutung, und neben den größten Mittelgebern, Deutsche Forschungsgemeinschaft und
Bundesministerium für Bildung und Forschung, wächst der Stellenwert der europäischen
Förderprogramme kontinuierlich.
Neue Herausforderungen,
die es anzunehmen gilt
Renate Ubachs, EU-Referentin, Humboldt-Universität zu Berlin
Die (neue) Bezeichnung „Rahmenprogramm für Forschung und Innovation“ für Horizon 2020 verdeutlicht den Stellenwert, den Innovation für die Europäische Union (EU)
im Zuge des sich verschärfenden weltweiten Wettbewerbs in der jüngeren Vergangenheit gewonnen hat. Mit einer Laufzeit von sieben Jahren und einem Budget von circa 70
Millionen Euro besteht Horizon 2020 vor allem aus den drei zentralen Säulen „Excellent
Science“, „Industrial Leadership“ und „Societal Challenges“. Mit Horizon 2020 verfolgt
die EU das Ziel, ihre Forschungsförderung im Vergleich zu seinem Vorgänger, dem 7. Forschungsrahmenprogramm (FP7), noch stärker innovationsorientiert und interdisziplinär
zu gestalten, das heißt, geförderte Verbundprojekte werden wesentlich anwendungsorientierter sein und zur Steigerung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit beitragen
müssen.
schwerpunkt
Hochschulentwicklung
Hans-Gerhard Husung
Mit Innovation und Wertschöpfung
argumentieren
Konzeptioneller und finanzieller Entwurf zum „Zukunftsraum Wissenschaft“
Deutschland hat im internationalen Wettbewerb der Wissenschaftssysteme im letzten
Jahrzehnt aufgeholt. Das Ziel ist klar: die sehr gute Position weiter auszubauen und offensiv eine Führungsrolle als Innovationstreiber in Europa zu übernehmen. Das Auslaufen des Paktes für Forschung und Innovation sowie der Exzellenzinitiative ist Anlass,
eine strategische Zukunftsperspektive für die Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems zu schaffen. Bei der Umsetzung sollte sich das Wissenschaftssystem aus Universitäten, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sowie außeruniversitären Forschungsförder- und Forschungsträgereinrichtungen an der Entwicklung und den organisatorischen Bedarfen der Wissenschaft und ihrer Dynamik orientieren. Der „Zukunftsraum Wissenschaft“ benötigt organisatorische und inhaltliche Ideen sowie verlässliche
finanzielle Mittel. Der Start in die neue Legislaturperiode im Bund eröffnet Chancen.
Sabine Kunst
Zukunft mit Verlässlichkeit
Brandenburgische Hochschullandschaft geht Herausforderungen an
Die Zahl ist beeindruckend: Fast 507.000 Studienanfängerinnen und Studienanfänger wurden
im Studienjahr 2013 an den deutschen Hochschulen gezählt. Das ist der zweithöchste bislang
erreichte Wert überhaupt! Die Entwicklung ist allerdings nicht einheitlich. Während etwa Nordrhein-Westfalen und Hessen – wahrscheinlich auch im Ergebnis doppelter Abiturjahrgänge –
einen kräftigen Zuwachs verzeichnen, ging die Zahl der Studienanfänger in acht der sechzehn
Länder zurück. In Brandenburg war der Rückgang mit 14,6 Prozent besonders deutlich.
schwerpunkt
Hochschulentwicklung
Vera Reiß
„Starke Treiber einer erfolgreichen
Hochschullandschaft“
Wettbewerb, Zusammenarbeit und das Besinnen auf eigene Stärken
Wir wollen die beste Bildung für alle. Damit lässt sich eines der wichtigsten Ziele der
rheinland-pfälzischen Landesregierung auf eine einfache und zugleich anspruchsvolle
Formel bringen. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Bildungswege dürfen nicht in Sackgassen münden. Vielmehr geht es darum, Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen in den verschiedenen Phasen ihrer Laufbahn immer wieder gute Bildungschancen
und neue Aufstiegsmöglichkeiten zu eröffnen. Was in den Kitas und Schulen beginnt,
setzt sich an den Hochschulen fort. Deshalb kann in Rheinland-Pfalz jeder, der die Motivation und die Eignung mitbringt, ein Studium aufnehmen. Die Öffnung der Hochschulen
für qualifizierte Menschen ohne Abitur bildet dabei ebenso ein Markenzeichen unserer
Politik wie ein gebührenfreies Erststudium.
Daniel Hechler und Peer Pasternack
Zwischen Kooperieren und Fusionieren
Varianten institutioneller Zusammenarbeit im Hochschulsektor
Die Zusammenführung von Ressourcen – seien es finanzielle, intellektuelle oder Ausstattungen – ist bei Hochschulstrategen beliebt. Förderprogramme versuchen, Verbundforschung, Clusterbildung und Netzwerkentwicklung anzureizen. Hochschulverträge
enthalten häufig Verpflichtungen zu Institutionen übergreifender Zusammenarbeit. Kooperationen gelten als Chance, aus bedeutenden Teilen sehr bedeutsame zu machen oder
aus unterkritischen Größenordnungen kritische zu formen, solche, in denen Kettenreaktionen in Gang kommen, die dann ohne weitere Energiezufuhr von außen ablaufen – sogenannte selbstverstärkende Prozesse.
Christian Berthold
Drum prüfe, wer sich ewig bindet
Hochschulfusionen und -kooperationen in einem
wettbewerblichen Umfeld
Fusionen von Fachbereichen und Hochschulen wurden in den letzten Jahren ein zunehmend beobachtetes Phänomen der deutschen Hochschullandschaft (vgl. Behm et
al. 2011). In einem wettbewerblichen Umfeld und angesichts gestiegener Anforderungen streben Hochschulen jedoch auch zunehmend Kooperationen untereinander an. Es
lohnt sich, analytisch Interaktionsmodi zwischen Hochschulen als Ausprägungen auf
einem Kontinuum zu begreifen. Mit zunehmendem Integrations- und Kollaborationsgrad
werden aus anfangs losen Kooperationen zwischen unabhängigen Einheiten schließlich
vollständig miteinander fusionierte Hochschulen. Je nach der mit einer Kollaboration
verfolgten Zielsetzung, dem organisationalen Umfeld, den Landesinteressen und der Perspektive der jeweils beteiligten Akteure unterscheiden sich dann ideale Kollaborationstiefe, hochschulischer Aufgabenbereich und beteiligte Partner – die Zweckdienlichkeit
einer jeden Kollaborationsform erscheint in einem spezifischen Licht.
schwerpunkt
Hochschulentwicklung
Horst Hippler
Mehr Leistung bei weniger Geld?
Strategische Hochschulplanung – zwischen Staat und Markt
Die Hochschulen sahen sich in den letzten Jahrzehnten großen Herausforderungen gegenüber. Bildeten Sie vor fünfzig Jahren Führungskräfte für die öffentliche Hand und für
die Wirtschaft aus, sind sie mittlerweile zu Einrichtungen der Massenausbildung geworden. Der generelle Trend zu höheren Qualifikationen, speziell zu einer Hochschulausbildung, hat in Verbindung mit demographisch starken Jahrgängen, die die Hochschulreife
erwarben, in letzter Zeit zu einer Verdoppelung der Studienanfängerzahlen geführt.
management
Christian Ganseuer
Strategieentwicklung zwischen
Emergenz und Steuerung
Lehrstrategieentwicklung an der Universität Duisburg-Essen
Das Potenzial von erheblichen institutionellen Veränderungsprozessen an Hochschulen
wird gemeinhin eher als gering eingeschätzt. Die Konzepte von Hochschulen als lose
gekoppelte (Weick 1976) Expertenorganisationen (Pellert 2000) oder organisierte Anarchien (Cohen/March/Olsen 1972) unterstreichen die Schwierigkeit von organisationalen
Change-Management-Prozessen. An der Universität Duisburg-Essen (UDE) wurde der
Prozess einer Lehrstrategieentwicklung im vergangenen Semester abgeschlossen.
Moritz Fehrle, Marc P. Philipp
und Steffen Fleßa
Kosten senken,
Forschungsqualität steigern
Erfolgsfaktoren für den Aufbau und Betrieb von Core Facilities
in biomedizinischen Forschungseinrichtungen
Eine Grundlage für herausragende Forschungsergebnisse in der Biomedizin bildet der
Zugang zu hochentwickelten und investitionsintensiven Technologieplattformen (Haley
2011). Dem steht ein zunehmender Kostendruck in der öffentlichen Forschung gegenüber. Als ein Lösungsansatz in diesem Spannungsfeld haben öffentliche Forschungseinrichtungen Core Facilities etabliert. Diese lassen sich als zentralisierte, kollektiv genutzte
Organisationseinheiten definieren, die den Wissenschaftlern Forschungsgroßgeräte, wissenschaftliche Dienstleistungen und spezielle Expertise zur Verfügung stellen (Farber/
Weiss 2011).
management
Hans-Jürgen Gralke und Ewald Scherm
Kooperation als Grundprinzip
des Forschungsmanagements
Autonome Forscher in unternehmerischen Universitäten
Das Management von Forschung in Universitäten ist durch zahlreiche Konflikte geprägt,
die insbesondere durch eine mangelhafte Berücksichtigung des Managementkontextes
hervorgerufen werden. Dieser Beitrag fokussiert die zentralen Aspekte dieses Kontextes
und entfaltet einen grundlegenden Rahmen für die Reflexion von Managemententscheidungen sowie die Entwicklung von Managementoptionen.
E. W. Udo Küppers
Wirkungsnetz-Management
Hochachtsam – fehlertolerant – zukunftsweisend
Teil 2: R
ealitätsangepasstes Management für nachhaltige Fortschritte
Das Wirkungsnetz-Management analysiert und bewertet qualitative und quantitative
Zusammenhänge von immateriellen und materiellen Wirkungsbeziehungen. Es adaptiert
dabei weitgehend an reale Gegebenheiten und kalkuliert ebenso unerwartete Ereignisse
mit ein. Drei Praxis-Beispiele verdeutlichen den Mechanismus ganzheitlichen Wirkens
und Problemlösens.
weiterbildung
Ulrich Müller
Zwischen „Sonntagsstaat“
und „Zwangsjacke“
Forschungsprofile: Institutionelle Schwerpunktsetzungen von Hochschule
Zahlreiche deutsche Hochschulen haben, auch angestoßen durch die Exzellenzinitiative,
in letzter Zeit ein klares Forschungsprofil definiert, das besonders leistungsfähige Forschungsbereiche hervorhebt. Verfechter eines solchen explizit formulierten Forschungsprofils stellen es sich als eine Art „Sonntagsstaat“ vor: Sie fordern, dass jede Hochschule sich
„in Schale schmeißen“ und ihre Stärken herausstellen und verdeutlichen müsse. Skeptiker
warnen dagegen, dass ein verbindlich definiertes Forschungsprofil eher wie eine „Zwangsjacke“ wirken könne, die den individuellen Bewegungsspielraum der Hochschulangehörigen unnötig eingrenzt.
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Seele and Geist
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