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CAMPUS
DIENSTAG, 21. OKTOBER 2014 – REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER
NACHGEFORSCHT
Internationalität – An der Hochschule ist der neue deutsch-chinesische Doppelstudiengang an den Start gegangen
Heute: Worum geht es bei Professor
Go East – Go West
Jochen Orso?
Prof. Dr.-Ing. Jochen Orso lehrt und
forscht an der ESB Business School der
Hochschule Reutlingen. Woran arbeitet er
gerade? Wir haben nachgeforscht.
Am Ende seines
aktuellen Projekts
steht die Kleinserie
eines neuen Sportgeräts: Prof. Jochen
Orso.
Professor Orso lehrt in den Wirtschaftsingenieurstudiengängen die Fächer Konstruktionslehre und Computer Aided Design, kurz CAD. Die Studierenden lernen
in seinen Laboren technisches Zeichnen
und rechnergestütztes Konstruieren am
Beispiel von Cityrollern, die von den Studierenden detailgetreu am Rechner nachgebildet werden. Das neueste Projekt
von Professor Orso und seinen Masterstudierenden des Studiengangs Operations Management ist die Entwicklung eines neuartigen Funsportgerätes – von
der Konzeption bis hin zur Marktreife.
Das ehrgeizige Ziel ist die eigenständige
Herstellung einer ersten Serie von 100
Stück. Diese sollen in einer eigens konzipierten und umgesetzten Montagelinie
unter Zuhilfenahme der Infrastruktur der
ESB Logistik-Lernfabrik produziert werden. Zum Projektabschluss im kommenden Sommer versteigern die Beteiligten
die Neuentwicklungen für einen guten
Zweck. (HS)
VON KERSTIN KINDERMANN
REUTLINGEN.»Es werden China-Versteher gebraucht«, titelte Anfang des Jahres
eine große deutsche Tageszeitung. Wie
Recht die Autoren damit haben, weiß die
ESB Business School der Hochschule
Reutlingen schon lange. Nach drei Jahren Vorbereitung ist nun der deutsch-chinesische Studiengang »International
Management Double Degree« zusammen
mit der University of International Business & Economics (UIBE) in Peking an
den Start gegangen. Je zehn deutsche
und chinesische Studienanfänger beginnen ihr Studium im jeweiligen Heimatland. Dort haben sie neben ihren Betriebswirtschaftsvorlesungen vier bis
fünf Tage in der Woche Sprachunterricht
und interkulturelle Seminare. Nach zwei
Jahren geht es für weitere zwei Jahre an
die Partneruniversität.
In Deutschland gibt es durchaus ähnliche Programme. Das Besondere an diesem jedoch ist, dass in Reutlingen auf
Deutsch und in Peking auf Chinesisch
unterrichtet wird. Chantal Köngeter,
Koordinatorin des
deutsch-chinesischen
Studiengangs, nimmt
den Neuankömmlingen die Angst:
»Natürlich
wäre es
ideal,
die Fremdsprache in ihren Grundzügen
zu beherrschen. Doch wir haben ein spezielles dreistufiges Modell entwickelt, sodass die Sprachbarriere keine sein wird.«
Reicht das Sprachniveau noch nicht aus,
folgt ein Zwischenjahr in Peking, in dem
ausschließlich Kultur und Sprache intensiv gelehrt und gelernt werden. Erst dann
beginnen die landestypischen BWL-Vorlesungen, zu denen unter anderem auch
die Schriften und Lehren von Mao Zedong gehören.
So bunt, wie China uns Europäern erscheint, so bunt gemischt ist die zehnköpfige Studentengruppe, die in Reutlingen startet. Sie gelten ein bisschen als
Überflieger, denn Chinesisch zu lernen
ist nach wie vor exotisch und mit viel Begabung, Interesse und Übung verbunden. Ihre Geschichten erzählen aber von
heute durchaus üblichen Lebensläufen:
Kevin Zhang aus Kassel ist auf den
ersten Blick der klassische Student für
diesen Studiengang: Auf einer Bildungsmesse an seiner deutschen Botschaftsschule in Peking stellten die ESB-Professoren Dr. Tobias Schütz und Dr. Chris-
toph Binder den neuen Studiengang vor.
Für den 18-Jährigen war sofort klar, sich
zu bewerben: »Ich bin zweisprachig aufgewachsen und möchte nach dem Studium in China arbeiten – am liebsten in Peking, denn dort ist es laut, chaotisch und
schnell.« Jetzt freut er sich auf zwei beschauliche Jahre in Reutlingen und dann
auf die multikulturelle Metropole.
Im Gegensatz zu ihrem Kommilitonen
sind Laura Donaths Sprachkenntnisse
noch nicht so gut. Die 17-jährige Dortmunderin hat in einem Studienmagazin
vom Studiengang im Schwabenland erfahren. Sie ist überzeugt, mit diesem Abschluss bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Die Begeisterung
für das Land kam durch einen fünfwöchigen Ferienaufenthalt in der Provinz
Shanxi. Über einen persönlichen Kontakt
hat der Stuttgarter Benjamin Wasitschek
seinen Weg an die Fakultät ESB Business
School gefunden. Bereits in der Schule
war der 19-Jährige in einer China-Arbeitsgemeinschaft, an der er großen Gefallen fand. Als ihm der Vater seines
Freundes von dem deutsch-chinesischen
Studiengang in Reutlingen erzählte, war
er sofort überzeugt. »Ich war ein Jahr
lang an einer chinesischen Partnerschule. Etwa 50 Schüler waren in meiner
Klasse, in der es nur Frontalunterricht
und Vorlesungen gab. Eine aktive Mitarbeit wie bei uns ist dort nicht üblich«,
weiß Benjamin.
Ihre Ersatzfamilie hat Clara Kruse am
Ende der Chinesischen Mauer gefunden:
Über einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst war sie ein Jahr im Westen Chinas, 30 Zugstunden von Peking
entfernt, zu Hause. Dort unterrichtete
die 21-Jährige an einer chinesischen
Schule Englisch. »Als mir ein Werbebanner zum deutsch-chinesischen Studiengang in die Mailbox geflogen ist, habe
ich mich sofort beworben«, erzählt die
Hamburgerin.
Es gab viele sehr gute Bewerbungen
und in persönlichen Gesprächen fiel die
Auswahl nicht leicht. Die zehn deutschen und die zehn chinesischen Studierenden erwartet sicher eine sehr interessante Zukunft. Ihren Arbeitsplatz sehen
sie auf der ganzen Welt. Ihr Motto: Mobil
bleiben und sich ausprobieren. Und sollte es nicht klappen, dann hat zumindest
Clara Kruse einen Plan B:
»Politikerin!« (HS)
TOP FIVE
Heute: In welches
Land
sind die meisten Reutlinger Studenten im
Sommersemester 2014 für einen ErasmusStudienaufenthalt gegangen?
1. Frankreich
2. Spanien
3. Großbritannien
4. Irland
5. Türkei
TIPPS UND TERMINE
Studientag für Schüler
REUTLINGEN. Im Rahmen der Wissenswoche findet am Mittwoch, 19. November, der Studientag für alle Schüler aus
Baden-Württemberg statt. Ab 9 Uhr können sich die Teilnehmer einen Eindruck
davon verschaffen, wie es nach der
Schule weitergehen könnte.
Tag der offenen Tür
REUTLINGEN. Groß und Klein sind am
Samstag, 22. November, herzlich zum
Tag der offenen Tür und zum Kennenlernen der Hochschule Reutlingen eingeladen. Den umfassenden Einblick gibt’s
von 11 bis 17 Uhr.
Aufbruch mit Kommilitonen: Laura Donath und Kevin Zhang (mittlere Reihe, von links), Benjamin Wasitschek und Clara Kruse (hintere Reihe, von rechts).
INTERVIEW
FOTOS: KINDERMANN
Was macht die Kooperation besonders? Fragen an die Wegbereiter des deutsch-chinesischen Studiengangs
Interkulturell geländegängig
REUTLINGEN. Drei Jahre voller Vorbereitungen liegen zurück – jetzt gab es
den Startschuss für den deutsch-chinesischen Doppelstudiengang. Was macht
die Kooperation so besonders? Kerstin
Kindermann hat nachgefragt bei den
Wegbereitern – Prof. Dr. Tobias Schütz,
Leiter des neuen Studiengangs, Prof. Dr.
Christoph Binder, Studiendekan BSc International Management Double Degree,
sowie bei Prof. Dr. Guliang Tang, Dekan
der Business School an der Pekinger University of International Business & Economics (UIBE):
Tobias Schütz:
»Es reichte nicht,
dass wir eine rationale Übereinstimmung hatten.«
GEA: Warum sprechen Sie gerne vom
»echten« deutsch-chinesischen BWLDoppelabschlussprogramm?
Tobias Schütz: »Echt« bedeutet, dass die
Studierenden in beiden Kulturen gleichermaßen leben, studieren, arbeiten
und dies vor allen Dingen in der jeweiligen Landessprache tun.
Was bedeutet die Partnerschaft für die
UIBE?
Guliang Tang: Als eine der führenden
Business Schools in China sind wir ein
Zentrum für Wissenschaft, in dem chine-
Guliang Tang:
»Das Programm
integriert optimale Bildungsbedingungen in
Deutschland und
China.«
sische auf ausländische Studenten treffen. Die Internationalisierung ist die
langfristige Strategie der Hochschule.
Um den chinesischen und deutschen Studenten zu ermöglichen, voneinander zu
lernen, wurde dieser duale Studiengang
ins Leben gerufen – ein sehr gutes Beispiel für interkulturelle Ausbildung.
Das Studium in Peking zu absolvieren, ist sprachlich und kulturell eine
Herausforderung. Was macht Sie
sicher, dass das Format funktioniert?
Christoph Binder: Mithilfe von Sponsorenprogrammen können wir eine hoch
intensive Sprach- und Kulturvorbereitung in Kleinstgruppen anbieten. Nach
vier Jahren Studium in Reutlingen und
Peking werden unsere Absolventen ganz
selbstverständlich mit solchen Kulturunterschieden umgehen. Diese »interkulturelle Geländegängigkeit«, die fundierte
Kenntnis beider Sprachen und eine hervorragende betriebswirtschaftliche Ausbildung, macht sie für deutsche und chinesische Unternehmen attraktiv und zu
Weltbürgern im eigentlichen Sinne.
Was gab es bei den Kooperationsverhandlungen zu beachten?
Schütz: Eine unserer größten Erkenntnisse war, dass ein Entscheidungsprozess in China deutlich komplexer und
langwieriger ist als in Deutschland. Chinesen sind sehr beziehungsorientiert,
während wir eher sachlich getrieben
sind. In den Verhandlungen gab es mehrfach Situationen, die sachlich geklärt waren – der Vertragsabschluss hätte erfolgen können. Es reichte nicht, dass wir
eine rationale Übereinstimmung hatten,
mindestens ebenso wichtig war es für
sie, zu verstehen, mit wem sie diese Einigung erzielt hatten. Das Verständnis
der jeweils anderen Sichtweise war ein
sehr wichtiger Schritt.
Warum war es Zeit für einen solchen
Studiengang?
Tang: China und Deutschland erfreuen
sich seit Jahrzehnten eines guten Wirtschaftswachstums, die freundschaftliche
Beziehung der beiden Länder hat die
Entwicklung in den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Bildung etc. gefördert.
Das Programm integriert optimale Bildungsbedingungen in China und
Deutschland, davon profitieren chinesische als auch deutsche Studierende. Alle
Studenten im Programm haben die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt getroffen.
Christoph Binder:
»Ausbildung zu
Weltbürgern im
eigentlichen
Sinne.«
Welche Voraussetzungen müssen die
Bewerber für diese Ausbildung mitbringen?
Binder: Die Auswahl der Studierenden
erfolgt nicht ausschließlich auf Basis der
Noten. Bewerber sollen engagiert und
neugierig sein und auch über den Tellerrand der Schulbildung hinausgeblickt
haben. (HS)
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Seele and Geist
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