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Datum: 11, 2014; Ressort: Salzland-Kurier; Seite: 1
Urania: Die Muse, ganz praktisch
Bildungsverein seit
Wirtschaftlichkeit
23
Jahren
im
Spagat
zwischen
Gemeinnützigkeit
und
Von Franziska Richter
Staßfurt „Wir müssen natürlich wie ein wirtschaftlich stabiles Unternehmen arbeiten“, erklärt Monika Borchert vom
Vorstand des eingetragenen Vereins. „Auf der anderen Seite dienen wir einem gemeinnützigen Zweck. Dieser Spagat ist
nicht immer einfach“, erklärt sie. Gemeint sind die zwei „Säulen“ der Urania.
Zum einen „verdient“ sich die Urania ihr Geld durch die Agentur für Arbeit und das Jobcenter. Hier lassen sich
Arbeitssuchende in PC- oder Fremdsprachenkenntnissen fortbilden oder sich zu Kindererziehungshelfern, Suchtberatern,
Altenpflegehelfern weiterbilden. Aber auch hierbei gibt es Beschränkungen: „Wir dürfen nur Maßnahmen anbieten, die
nicht zu den normalen Ausbildungszyklen gehören“, erklärt Monika Borchert. Das heißt, die Urania darf keine staatlich
anerkannten Ausbildungen durchführen, wie zum Beispiel die Ausbildung zum Tischler.
Seit 2008 hat die Urania die Zulassung, Maßnahmen und Kurse durchzuführen, die Arbeitssuchende für die
Anforderungen des aktuellen Abreitsmarkts qualifizieren. Nicht jede „Urania“ - es gibt mehrere in Deutschland, die
nächste ist in Magdeburg - hat dieses Zertifikat. „Denn nicht alle Einrichtungen trauen sich das zu. Es ist mit vielen
Prüfungen und Nachweisen verbunden“, erklärt Andrea Maindok. Dazu kommen regelmäßig Prüfer nach Staßfurt, die die
Einrichtung stundenlang „durchleuchten“.
Im Moment konzentriert sich die Urania dabei vor allem auf die Bereiche Pädagogik, Psychologie und Altenpflege, weil
„wir einen guten Mitarbeiterstamm aufgebaut haben und wir diesen Zweig stabilisieren wollen“, so Borchert.
Daher ist bei der Urania jeden Tag volles Haus. „7.30 Uhr beginnen die Kurse, zum Beispiel Fremdsprachenunterricht,
was bis zirka 15 Uhr dauert“, erklärt Andrea Maindok, die seit Herbst 2013 Geschäftsführerin ist. „Am Nachmittag folgen
die ‚förderfähigen‘ Stunden bis in den Abend hinein“.
Die „förderfähigen Stunden“ sind das zweite Standbein der Urania. Hiermit ist die Gemeinnützigkeit gemeint, die von
Staat und Land Sachsen-Anhalt fördert wird, also finanziell bezuschusst, wird. Das sind jene Vorträge oder
Diskussionsrunden wie der Mittwochstreff, die Donnerstagsreihen wie der Medizinische Donnerstag oder die
Kirchenreihe.
Dies ist auch der Ursprung der Urania. Urania ist der Name einer der neun Musen in der griechischen Mythologie. Die
Musen sind Töchter des Zeus und Schutzgöttinnen der verschiedenen Künste. Urania ist die Muse der Sternenkunde.
Warum gerade Sternenkunde? Die Sternenkunde ist hier ein Symbol für den Blick über den „eigenen Tellerrand
hinaus“, für Wissen und Wissenschaft. „Ende des 19. Jahrhunderts gründeten Werner von Siemens und weitere die
Urania in Berlin. In der Zeit schritt die Wissenschaft immer weiter voran und man wollte das Wissen an die breite
Bevölkerungen weitergeben“, erklärt Monika Borchert. Sternenkunde, aber auch alle sonstigen naturwissenschaftlichen
Inhalte machte die Berliner Urania, zu der auch eine Sternwarte gehörte, ab 1888 allen Menschen zugänglich.
Der Staßfurter liebt
‚knallharte‘ Fakten
Nach diesem Motto arbeitet die Leitung der Staßfurter Urania. Mittwochstreff oder Donnerstagsreihe sollen keine
Kaffeekränzchen sein, sondern Wissen allgemeinverständlich vermitteln.
Unter dem Motto „Bildung ohne Geld“ steht daher das Projekt „Stern 2000“. „Damals hatten wir in Staßfurt eine ganze
Menge Spätaussiedler - ich den ke 300 -, aber auch viele Afrikaner waren schon hier und mit dem ehemaligen
Bürgermeister Martin Kriesel wollten wir Idee entwickeln, etwas für diese Ausländer zu tun“, erklärt Borchert.
Man installierte in einer leeren Staßfurter Wohnung einen Treffpunkt, wo man mit den Ausländern Behördengänge
vorbereitete. „Damals gab es alle Kuriositäten“, erinnert sich Andrea Maindok, „da haben Versicherungsvertreter den
Mingranten Autoversicherungen verkauft, obwohl diese nicht mal ein Auto hatten. Jemand musste sich kümmern.“
Die ersten Deutschkurse, die bis heute laufen, fanden für die Migranten statt. Was folgte waren Beschwerden von
deutschen Bürgern nach dem Motto „Für die Ausländer macht Ihr etwas und für uns nicht“. Daher gibt es heute im
Bereich der Erwachsenenbildung nicht nur Integrationskurse für Ausländer, welche das Bundesamt für Migration und
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Flüchtlinge finanziell unterstützt, sondern auch Bildungsangebote, die sich an „jedermann“ richten - so der Slogan.
Was Vorträge und Diskussionen anbelangt, richtet sich die Urania-Leitung nach einer Studie, die ein Wissenschaftler in
den 90er Jahren über den Charakter der Staßfurter anstellte. „In dieser alten Industrie- und Bergbauregion ist der
Staßfurter vor allem praktisch und technisch orientiert. Er will ‚knallharte‘ Fakten hören, weniger das Schöngeistige“, so
Borchert.
Die Urania ist ein Grundpfeiler der Erwachsenbildung im Salzlandkreis und das soll auch noch lange so bleiben. „Wir
sind zur Zeit durch die Arbeitsmaßnahmen gut besattelt“, sagt Borchert, „wir wissen aber nicht, wie lange die
Arbeitsmarktpolitik so weitergeführt wird. Im Prinzip sind wir davon abhängig“. Das Vorurteil, der Urania gehe es durch
die Förderung mehr als gut, treffe nicht zu: „Wer hier arbeitet, der muss mit Herzblut dahinterstehen und mehr als Dienst
nach Vorschrift machen.“
Internationale Gerichte gibt es jedes Jahr zum „Interkulturellen Tag“: Integration ist eine der Aufgaben der Urania.
Fotos: Franziska Richter
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Gisela Kreisel (rechts), hier mit Andrea Maindok, ist ein Stammgast der Urania. Die 81-Jährige besucht regelmäßig den
Mittwochstreff und das Lesecafé. „Die Themen sind immer sehr interessant.“
Monika Borchert, die mit Margit Kietz, Gerlinde Begemann, Heidi Hoffmann und Angelika Bär im Vorstand der Urania
ist, sagt: „Die Urania ist immer abhängig von der Arbeitsmarktpolitik.“
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