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Gans schön was los auf den Wattwiesen - Archiv - Hamburger

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6
Hamburger Abendblatt
Niedersachsen
Freitag, 27. April 2001
Gans schön was los auf den Wattwiesen
Streit um
NationalparkNovelle
fert Hannover − Um die Akzeptanz der niedersächsischen
Nationalparke in der örtlichen
Bevölkerung zu erhöhen, soll
der niedersächsische Landtag
nach dem Willen der SPDMehrheitsfraktion in seiner
Mai-Sitzung eine Novelle des
Nationalparkgesetzes verabschieden. Die Umweltverbände haben gestern einen letzten
Versuch unternommen, dies
zu verhindern. Der Bund für
Umwelt und Naturschutz
(BUND), der Naturschutzbund
(NABU) und der World Wide
Fund for Nature (WWF) werfen der SPD vor, sie opfere
wichtige Naturschutzbelange
privaten Interessenten.
Beeindrucken wird das allerdings kaum: Der Bau und
die Erweiterung von Golfplätzen auf den Ostfriesischen Inseln im Nationalpark Wattenmeer ist für die Inselgemeinden ein wichtiger Standortfaktor im Tourismus. Sie haben
mit Klagen vor dem Staatsgerichtshof in Bückeburg gedroht. Angelika Zahrnt, Bundesvorsitzende des BUND,
warnt dennoch, ein Nationalpark sei kein kommunaler
Freizeitpark: „So kann es
nicht gehen. Nationalparke
sind nichts, was sich am
Stammtisch von Borkum entscheiden sollte.“
Die Verbände kritisieren
auch, dass anders als im benachbarten
Schleswig-Holstein weiterhin in Ruhezonen
auf den Inseln die Jagd auf
Wasservögel erlaubt bleibt:
„Die SPD-Fraktion gewichtet
anscheinend das Hobby weniger Personen höher als die gemeinsam von den Wattenmeerstaaten getroffenen Vereinbarungen zur Jagd“, sagt
Zahrnt
Ein Sprecher des Umweltministeriums
widersprach:
Das Gesetz sei ein „tragfähiger
Ausgleich zwischen Naturschutz und den Interessen der
Bürger“. Wie für das Wattenmeer fordern die Umweltverbände auch für den Nationalpark Harz eine deutliche Aufstockung des Personals.
NORDDEUTSCHLAND
!
Ehrung für einen
Gänse-Kenner
Der Biologe Peter Prokosch erhält die „Goldene Ringelgansfeder“.
Um die 80 000 Ringelgänse machen derzeit Station an der schleswig-holsteinischen Westküste. Sie futtern sich fett vor dem Weiterflug nach Sibirien.
Heute beginnen die Ringelgans-Tage auf den nordfriesischen Halligen
jes Hallig Hooge − Sie bezahlen
nicht für ihren mehrwöchigen
Aufenthalt. Aber sie sind die treuesten Besucher Schleswig-Holsteins, denn sie kommen zweimal
pro Jahr − die Ringelgänse (Branta bernicla bernicla). Auf den
nordfriesischen Halligen stehen
die Wappentiere des Nationalparks in den kommenden Tagen
im Mittelpunkt des Interesses.
Wer sich zu den heute beginnenden Ringelganstagen (bis 6.
Mai) zu den Halligen Hooge,
Nordstrandischmoor oder Gröde
aufmacht, kann ein großartiges
Naturschauspiel erleben − wenn
die etwa 80 000 dieser großen
dunklen Vögel mit dem weißen
Halsring in den Salzwiesen gra-
sen oder sich gemeinsam in die
Lüfte erheben und sich dadurch
der Himmel verdunkelt. Dazu ertönen die typischen tiefen „Rottrott“-Rufe.
Der NationalparkService, die
Halliggemeinden, die Schutzstation Wattenmeer und der WWF
(World Wide Fund for Nature) haben ein vielfältiges Angebot für
Naturfreunde zusammengestellt.
Geplant sind Vogelbeobachtungen, Wattwanderungen, naturkundliche Halligführungen, Diavorträge und ein Kinderprogramm. Ebenfalls auf dem Programm stehen Segeltouren mit
dem Traditionssegler „Ronja“ zu
den Halligen Gröde, Oland und
Langeness.
Die Ringelgänse kommen regelmäßig im Frühjahr und im
Herbst, um im Wattenmeer zu
rasten. Bis zu ihrem Weiterflug
Mitte Mai müssen sie ihr Körpergewicht um 20 Prozent erhöhen.
Mit diesen Fettreserven schaffen
sie den Flug zur 4000 Kilometer
entfernten Halbinsel Taimyr in
Nordsibirien. Dort, in der Tundra, brüten sie. Um genügend Gewicht zuzulegen, tun die Gänse
an der Wattenmeerküste vor allem eines: fressen, fressen, fressen. Auf den Halligen und vor den
Deichen mitten im Nationalpark
finden sie ideale Bedingungen,
denn sie können die nährstoffreichen Salzwiesen ungestört abweiden. Die salzhaltigen Gräser
und Kräuter sind ein besonderer
Leckerbissen. Das mit der Nahrung aufgenommene und in großer Menge giftige Salz scheiden
die Ringelgänse über Salzdrüsen
wieder aus. Dadurch können sie
einen Lebensraum besiedeln, den
andere Gänse meiden.
Ihre Nester bauen die Ringelgänse an der Küste Nordsibiriens, die sie Ende des Sommers
mit den Jungvögeln wieder verlassen. Ende September kehren
sie ins Wattenmeer zurück, ziehen dann weiter zum Überwintern an den milderen Küsten Englands und Frankreichs.
Die Geschichte der Ringelgänse sei eine Erfolgsstory für den
Naturschutz, betont der Leiter
Einigung über
Castor-Transporte
lkswagen-aktuell.de
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Jeden Tag Hitzefrei.
dpa Hannover − Künftig soll
es nur noch maximal einen
Castor-Transport pro Jahr
nach Gorleben geben. Das
habe Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) der
niedersächsischen Landesregierung zugesichert, erklärte Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) gestern Abend.
Statt wie bisher sechs würden in Zukunft pro Transport jedoch voraussichtlich
ein Dutzend Castoren auf
einmal auf die Reise gehen.
Die Vereinbarung gelte ab
2002. Gabriel sagte, 2001
werde ein weiterer CastorTransport ins Wendland rollen. Bisherige Transporte
waren wegen starker Proteste der Bevölkeruntg nur
mit großem Polizeieinsatz
durchzuführen.
Haushaltssperre
in Schwerin
dpa Schwerin − Mecklenburg-Vorpommerns Hauptstadt Schwerin hat sich eine
Haushaltssperre verordnet,
weil sie rückläufige Steuereinnahmen erwartet. 15
Prozent der im Verwaltungshaushalt
geplanten
Ausgaben sind gestoppt.
PDS empfiehlt
CDU-Kandidaten
dpa Güstrow − Die PDS im
mecklenburgischen Kreis
Güstrow hat den Wählern
empfohlen, bei der Stichwahl zum Landratsamt am
6. Mai für den CDU-Kandidaten Uwe Rethmeyer zu
stimmen. Begründung: Der
Amtsinhaber Lutz da Cunha
(SPD), gegen den Rethmeyer
antritt, sei den Erwartungen
nicht gerecht geworden.
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•
Wie der nächste Sommer wird, können wir Ihnen
längst nicht alles: Die Benziner haben auch elektri-
leider nicht sagen. Aber wie Sie ihn entspannt
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wollen, sind die Angebote von Volkswagen Bank und
bereits zur Serienausstattung. Das ist aber noch
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Tod nach
Verzweiflungstat
dpa Lübeck − Beim Brand in
einem Wohnhaus in Lübeck
ist ein 69-Jähriger ums Leben gekommen. Der Rentner hatte aus Verzweiflung
in seiner Wohnung Benzin
ausgegossen und angezündet, weil eine Zwangsräumung bevorstand. Für ihn
kam jede Hilfe zu spät. Drei
weitere Hausbewohner erlitten leichtere Rauchgasvergiftungen.
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LL
Foto: PAUL TRÖTSCHEL
<>
Nr. 98
Seite 6
2
Schwarz
E-Blau
E-Rot
E-gelb
des NationalparkService, Eckart
Schrey. Schließlich waren die
Tiere in den 50er-Jahren vom
Aussterben bedroht. Damals gab
es weniger als 15 000 Exemplare.
Durch das Jagdverbot und internationale
Schutzbemühungen
konnte sich der Bestand erholen.
Heute gibt es wieder etwa
300 000 Ringelgänse.
0 Eröffnung der Ringelganstage
und Verleihung der Goldenen
Ringelgansfeder:
Sonnabend,
12.30 Uhr, Hanswarft, Hallig
Hooge. Informationen zu den Angeboten auf den Halligen Hooge,
Nordstrandischmoor und Gröde:
Telefon 04849/9100 oder 04638/
8251 sowie im Internet: www.
wattenmeer-nationalpark.de.
Im Nationalpark Wattenmeer
kennt er jeden Quadratzentimeter, in seinem derzeitigen Aufgabengebiet ist das unmöglich.
Schließlich ist Peter Prokosch
(51) als Leiter des Arktis-Programms des WWF (World Wide
Fund for Nature) für ein Gebiet
zuständig, das etwa 2000-mal
größer ist als Schleswig-Holstein.
Dem Land zwischen Nord- und
Ostsee ist der Biologe, der morgen mit der „Goldenen Ringelgansfeder“ ausgezeichnet wird,
schon seit dem Zivildienst eng
verbunden. Auf Sylt und Langeness verschrieb der damals 22Jährige aus Nordrhein-Westfalen
sich den Ringelgänsen. Auch die
Diplomarbeit an der Uni Kiel
schrieb er über sie. Da kam das
Angebot, die WWF-Wattenmeerstation in Husum und Kiel aufzubauen, wie gerufen. Bei einer Sibirien-Expedition hat er 1989 die
Gänse erstmals beim Brüten beobachtet: „Dort habe ich ein Tier
entdeckt, das ich selbst beringt
hatte“, erzählt der grauhaarige
Naturschützer.
Als vor neun Jahren der Ruf
zum Arktis-Programm kam, zögerte er nicht. Mit seiner Frau Susanne (auch Biologin) und den
vier Kindern zog er nach Oslo.
Drei bis vier Monate im Jahr ist er
beruflich unterwegs. „Meine Familie sieht mich zu selten“, bekennt Prokosch. Gelegentlich ist
Zeit, klassische Musik zu hören,
„aber ein Hobby kann ich mir
nicht erlauben. Das lassen die
Kinder nicht zu.“
jes
Lebensrecht für junge
Rinder aus BSE-Herde
Schleswig-Holstein lässt Gnade vor Recht ergehen
ubi Kiel − Bei BSE geht SchleswigHolstein wieder einen Sonderweg. Gegen geltende Vorschriften
lässt das Land nicht die komplette
Herde einer infizierten Kuh notschlachten. „Für die Verbraucher
besteht kein Risiko“, sagt der
Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Bernhard Wax. Die
anderen Bundesländer würden
das in Zukunft auch so machen.
Wax ist so sicher, weil der Bund
von seiner harten Linie abgerückt
ist. Eine neue Eilverordnung, die
demnächst in den Bundesrat gehen soll, verschont im BSE-Fall
solche Herdentiere, die noch keine 20 Monate im Stall stehen und
nicht vom infizierten Rind abstammen. Rheinland-Pfalz hatte
bereits in einem Fall Gnade vor
Recht walten lassen. Andere Länder, darunter laut Wax auch Niedersachsen, keulten komplett.
Glück im Unglück hat dagegen
der Bauer aus dem Kreis Schleswig-Flensburg, in dessen Stall die
sechste BSE-Kuh im Land stand.
Von 200 Rindern dürfen 101
Jungtiere weiterleben. 99 ältere
Rinder wurden in der Tierkörperbeseitigungsanstalt Jagel getötet.
Schleswig-Holstein hatte sich
ohnehin nicht völlig an die harte
Linie gehalten. In den ersten Wochen der BSE-Krise drückte man
in einem Stall beide Augen zu und
tötete nur die Tiere, die mit einer
infizierten Kuh gemeinsam zugekauft worden waren.
In einem anderen Fall forderte
das Land dagegen, ein in einer
BSE-Herde geborenes Kalb herauszugeben. Das Tier blieb versteckt und wurde flugs „Jeanne
d’Arc“ getauft. „Nach dem Entwurf der neuen Bundesverordnung darf das Kalb nun weiterleben“, sagt Wax.
Den Bauern aus SchleswigFlensburg beschäftigt derweil ein
anderes Problem. Er hatte die
fünfjährige BSE-Kuh, die etwas
verschluckt hatte, auf dem Hof töten und zunächst dort liegen lassen. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Flensburg − wegen Lagerung gefährlicher Abfälle.
Verbrecherjagd im
Leasing-Streifenwagen
Schleswig-Holsteins Polizei soll beim Fuhrpark sparen
ubi Kiel − Die Polizei in Schleswig-Holstein soll endlich moderne Streifenwagen erhalten − zum
Spartarif. Das Geheimnis des
neuen Konzepts, das Innenminister Klaus Buß (SPD) gestern in
Kiel vorstellte, heißt Leasing, also
mieten statt kaufen. Die ersten
250 Mietautos mit grünen Streifen könnten noch in diesem Jahr
zum Einsatz kommen.
Wie nötig der Wagentausch ist,
machte Buß im Finanzausschuss
des Landtages deutlich: „Der
Fahrzeugpark ist überaltert.“ Die
1000 Streifenwagen (Durchschnittsalter 5,5 Jahre) müssen
bis zu elf Jahren durchhalten,
weil das Land sich pro Jahr nur
88 neue Autos leisten kann. Den
Kauf von Neuwagen will der Innenminister jetzt begrenzen.
„Sinnvoll ist eine Mischung aus
Kauf und Leasing“, rechnete Buß
vor. Bis Ende 2002 möchte er die
ersten 500 Mietwagen ordern
und so die Hälfte des Fuhrparks
erneuern. Die Leasingaktion, die
mittelfristig gut fünf Millionen
Mark jährlich kostet, soll sich
teils selbst finanzieren. Buß erinnerte daran, dass dank Mietkauf
das Durchschnittsalter der Wagen auf etwa drei Jahre sinkt und
weniger Reparaturen anfallen.
Einige der sechs Polizeiwerkstätten in Kiel, Eutin, Itzehoe, Neumünster, Lübeck und Flensburg
wären überflüssig. Welche, das
sagte der Minister nicht.
Buß will zudem Dieselwagen
mieten und so mehr als eine Million Mark Spritgeld jährlich sparen. Der Finanzausschuss befürwortete das Projekt, das Schleswig-Holstein und MecklenburgVorpommern gemeinsam europaweit ausgeschrieben haben. Im
Mai wird entschieden. In BadenWürttemberg sicherte sich unlängst Mercedes den Auftrag.
Klar ist, dass Beamte von Spezialeinheiten das Nachsehen haben. Das Leasing-Modell gilt
nicht für Sonderfahrzeuge wie
zum Beispiel Wasserwerfer.
L
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