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'Ratatouille': Man ist, was man isst - Unterhaltung - stern.de

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'Ratatouille': Man ist, was man isst - Unterhaltung - stern.de
09/10/2007 10:40 AM
"Ratatouille"
Man ist, was man isst
Von Bernd Teichmann
Eine Ratte, die sich allabendlich durch die Edelrestaurants von Paris frisst? Nach "Findet
Nemo" haben die Pixar-Studios wieder einmal ein Tier zum Hauptdarsteller gemacht.
"Ratatouille" ist fein verästelt in seiner Erzählstruktur, ausgetüftelt inszeniert und gewürzt mit
einer Fülle skurriler Nebenfiguren.
© Disney
Eine Ratte in der Küche? Bei
"Ratatouille" gibt es noch viel mehr
solcher Absonderlichkeiten
Schon der Titel: "Ratatouille". Ziemlicher Zungenbrecher. Wird ausgesprochen: "Ratte-tuu-ii". Aber
damit nicht genug. Eine Szene zeigt, wie in einem rituellen Akt ein Haufen Packungen
Tiefkühlgerichte verbrannt wird. An anderer Stelle erfahren wir, dass die Qualität guten Brotes am
seinen Knacken erkennbar ist. Mehr noch: Wir befinden uns hier in einem Plädoyer für Stil und guten
Geschmack, für Genuss und Sinnlichkeit. Und vorgelebt wird diese Lebensart von - einer Ratte. Einer
französischen Ratte, die sich Remy nennt und die Seele eines Poeten besitzt. Die aufrecht geht, weil
sie sich die Vorderpfoten nicht schmutzig machen möchte, davon träumt, ein Meisterkoch zu sein und
die verkündet: "Wenn man das ist, was man isst, möchte ich nur die guten Sachen essen."
Filmszenen aus "Ratatouille"
Das Bemerkenswerte an diesem Gourmet-Produkt ist der Name auf der Verpackung: Walt Disney. Die Ur-Mutter der formatierten
amerikanischen Unterhaltungsindustrie, Meisterin des Merchandise, deren possierliche Helden als kleine Plastikfiguren die Menüs großer
Burger-Bratereien garnieren, hat plötzlich das Slow Food entdeckt. Was ist geschehen?
Von den Schöpfern von "Findet Nemo"
Der Micky-Maus-Konzern, dessen Trickfilmabteilung schöpferisch schon einige Zeit der Konkurrenz hinterherhinkt, schluckte 2006 mit Pixar
jene Firma, die das Genre mit frischen, schnellen Späßen wie "Toy Story", "Findet Nemo" oder "The Incredibles" im Alleingang
revolutioniert hatte. Und die Buchhalter glücklich machten, denn Disney verdiente kräftig mit als Verleiher der komplett am Computer
animierten Späße, die insgesamt weltweit rund 3,7 Milliarden Dollar umsetzten.
Mit dem Kauf für 7,4 Milliarden Dollar einher ging die Übernahme von Disneys Kreativabteilung durch die Pixar-Leute Ed Catmull und John
Lasseter. Im Haus der etwas geriatrischen Oma hatten nun die frechen Enkel der Dotcom-Generation das Kommando übernommen. Ein
verschworenes 900-Personen-Kollektiv, das sich schon immer als Gegenentwurf zum schwerfälligen Studiosystem Hollywoods begriffen hat:
Auf dem Ausweis, den jeder Besucher des Hauptquartiers im kalifornischen Emeryville bekommt, steht: "A Stranger from the Outside".
Sprung ins kalte Wasser
Erdacht und ausgeführt werden sämtliche Pixar-Projekte von einem mehrköpfigen Think Tank, dessen größte Feinde die in der Popkultur
grassierende Bequemlichkeit und Mittelmäßigkeit sind. Zielgruppen-Affinität und Markt-Passgenauigkeit sind sekundär, die Qualität der
Geschichte hat Vorrang. "Pixar springt immer ins kalte Wasser und versucht einen Weg zu finden nicht unterzugehen", sagt Brad Bird,
Mitglied des obersten Planungsstabes, sowie Regisseur und Autor von "Ratatouille".
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Die erste Produktion nach dem Disney-Deal schien indes selbst für Pixar-Absprüche ein Wagnis.
"Eine Ratte als Held, die auch noch kocht", so Ed Catmull, "das ist sicherlich der Film, der bisher am
schwersten zu verkaufen war." Doch wieder einmal ist das Rezept aufgegangen. Die Fabel von der
feinsinnigen Provinz-Ratte Remy, die mit Hilfe des talentfreien Küchenburschen Linguini (sie
dirigiert ihn unter seiner Kochmütze sitzend) zum Pariser Star-Chef avanciert, hat bis dato über 400
Millionen Dollar eingespielt und setzt künstlerisch wie technisch neue Maßstäbe.
"Die Unglaublichen": Helden am
Rande des
Nervenzusammenbruchs
Gewürzt mit einer Fülle skurriler Nebenfiguren
Fein verästelt in seiner Erzählstruktur, ausgetüftelt inszeniert und gewürzt mit einer Fülle skurriler
Nebenfiguren, changiert "Ratatouille" federleicht zwischen rasantem Slapstick-Salut an Buster Keaton
oder alte Tex Avery-Cartoons und sentimentaler Hommage an ein nostalgisches PuppenstubenFrankreich à la "Amélie". Die Pastelltöne, in die Bird das Ganze taucht, verströmen dabei eine
Wärme, wie sie bislang bei noch keiner Produktion von der Festplatte zu spüren war.
Shortlist Empfehlung
Filme, in denen Ratten
denkwürdige Auftritte haben
In der anrührendsten Szene des Films tischt der Kellner dem selbstherrlichen Restaurant-Kritiker
Anton Ego eine Ratatouille-Komposition von Remy auf. Als er sich den ersten Bissen auf der Zunge
zergehen lässt, sieht er sich plötzlich wieder als kleiner Junge in der Küche seiner Mutter stehen. Das
schafft kein Cheeseburger dieser Welt.
Artikel vom 04. Oktober 2007
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Leser-Kommentare (2) zu diesem Artikel
http://www.stern.de/unterhaltung/film/:Ratatouille-Man/599448.html
Pagina 1 di 2
'Ratatouille': Man ist, was man isst - Unterhaltung - stern.de
09/10/2007 10:40 AM
ich bin auch nicht gerade (5.10.2007, 15:30 Uhr)
> (5.10.2007, 8:09 Uhr)
http://www.stern.de/unterhaltung/film/:Ratatouille-Man/599448.html
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