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"Neue Arbeit": Für den Betrieb lernen, was man wirklich - Jörg Beger

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"Neue Arbeit": Für den Betrieb lernen, was man wirklich tun will. Verein für soziale
Heimstätten präsentiert Konzept für Leute, die aus allemrausgefallen sind.
Prostituierte werden vom Strich geholt und gehen im "Nachtcafe" kellnern, Obdachlose
geben das Penner-Dasein auf und gründen ein Renovierungsunternehmen - der Verein für
soziale Heimstätten plant "neue Wege zur Arbeit für Leute, die aus allem rausgefallen sind".
Er ist vor 85 Jahren gegründet worden, der stadtnahe Frankfurter Verein für soziale
Heimstätten. Er verbucht einen Jahresumsatz von 65 Millionen Mark und steckt sein ganzes
Geld bislang in 40 Einrichtungen für psychisch Behinderte, Obdachlose und Frauen in
Notsituationen: Wohnheime, Fachkliniken, Frauenhäuser, Behindertenwerkstätten und
Beratungsstellen. "Wir haben 2000 bis 3000 Klienten und 550 Mitarbeiter", sagt
Geschäftsführer Peter Hovermann. Letzte Woche sind die neuen großen, lichtdurchfluteten
Räume der Vereinszentrale in der Großen Seestraße 41 - 43 offiziell in Betrieb genommen
worden. Die Vereinsführung nutzte die Gunst der Stunde, um ihr Projekt "Neue Arbeit" vor
200 Gästen zu präsentieren.
Das Vorhaben zielt auf Menschen, "die in völlig ungesicherten Lebensverhältnissen, meist
auf der Straße, dahinvegetieren" (Hovermann). Sie, die Wohnsitzlosen und Stricherinnen,
will man wieder in Stellung bringen, ihnen Jobs verschaffen, ja sogar kleine Unternehmen mit
ihnen gründen. Der Anfang ist bereits gemacht: Drogenabhängige Prostituierte kellnern im
"Nachtcafe" in der Moselstraße, und die Männer vom "Otto-Team" (sprich: Stammgäste des
Obdachlosenasyls Ottostraße) haben eine Firma für Renovierungsarbeiten aufgemacht.
Mini-Firmen, in denen Hausmeisterservice, Reinigungsarbeiten und Gartengestaltung
angeboten werden, sollen folgen. Es gehe dabei "immer um Leute, die aus allem
rausgefallen sind und von denen jeder meint: Ach, die können eh' nix mehr arbeiten".
Daß diese Ansicht irrig ist, das versucht seit Jahr und Tag ein Professor aus den USA,
Frithjof Bergmann (University of Michigan), zu demonstrieren. Er hat den Begriff "Neue
Arbeit" ("New Work") erfunden, und er unterbreitete während der Vereinsfeier seine Thesen.
Hovermann: "Vielleicht können wir ja von seinem Knowhow profitieren."
Da waren die meisten aus dem Publikum jedoch skeptisch. Professor Bergmann hat mit
Arbeitslosen, mit "auf halbe Stelle Gesetzten", Indianern, "Grauen Panthern" und
Jugendlichen in den USA gearbeitet und sich dabei stets danach gerichtet, "welche Arbeit,
sie wirklich tun wollen" - ehe man, auf der Basis der so bekundeten Talente und Begabungen
einen Betrieb aufzäumt. Vielzitiertes Beispiel: der Kung-Fu-begeisterte Obdachlose, der eine
Karateschule betreibt.
Vereinsgeschäftsführer Hovermann findet das Konzept "als Einstieg und Ansatz" nicht
schlecht, hegt jedoch Zweifel, ob es sich durchhalten läßt. Für Frankfurt müsse man das
wohl modifizieren. Denn: "Der Markt steht dagegen: Es werden eben keine 100 Yogalehrer
und keine 100 Blumenbinderinnen gebraucht." peh
Erstveröffentlichung, in: Frankfurter Rundschau. Ausgabe: R Region. 09.03.1999, S. 20.
Redaktionell bearbeitet von Jörg Beger am 22.07.2005;
http://newwork-newculture.joergbeger.net
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