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Handout zum Vortrag von Peter Köster - rmg-aachen-foerderverein.de

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Handout zum Vortrag von Peter Köster:
„Achtung Umbauarbeiten! Was ist bloß mit unseren Kindern
los? Neuere Erkenntnisse neurobiologischen Lernens
während der Pubertät.“
Achtung Umbauarbeiten! Aber der ‚Handwerksmeister’ macht Urlaub!
Bei unserem Handwerksmeister handelt es sich – na, wissen Sie es noch? – um den
präfrontalen Cortex, jenen Teil unseres Gehirns, der Konsequenzen abwägt, Planungen
durchführt, Prioritäten setzt, Entscheidungen fällt und u.a. für die moralische Bewertung
verantwortlich ist. Die ‚Reifung des Gehirns’ erreicht bei Jugendlichen im Bereich des
präfrontalen Cortex sozusagen seinen Höhepunkt. Damit einher geht ein massiver Abund Umbau von Nervenverbindungen. Andere Bereiche des Gehirns sind dafür stärker
aktiv – richtig! – die ‚Mandelkerne’ (Amygdala). Die Folgen: Entscheidungen sind weniger
vernunftorientiert dafür viel stärker impulsiv, Konsequenzen werden weniger reflektiert
und die Fähigkeit, die Gefühle von Mitmenschen zu erkennen geht ebenfalls in dieser
Phase zurück.
Zickenterror! – Pubertät bei Mädchen
Mädchen erleben in bestimmten Phasen der Pubertät regelrechte Achterbahnfahrten der
Gefühle. Dies hängt vor allem an der Umstellung des Hormonhaushaltes. Hormone sind
Botenstoffe, die bereits in kleinsten Mengen hoch wirksam sind. Mit dem Einsetzen der
Pubertät werden diese Hormone aber zunächst eher mit dem Eimer ausgeschüttet als
fein dosiert abgegeben zu werden. Erst nach und nach pegeln sich die richtigen
Hormonkonzentrationen ein. Östrogen und Progesteron wirken besonders stark auf
‚Seepferdchen’ (Hippocampus) und ‚Mandelkern’ (Amygdala). Während das Östrogen
neuronale Kommunikationsfelder aktiviert, bewirkt es ferner eine Erhöhung der
Nervenverbindungen am ‚Seepferdchen’ (Hippocampus) um bis zu 25%! Mädchen sind in
dieser Zyklusphase nachgewiesenermaßen scharfsinniger, schneller und flexibler im
Denken und Lernen. Gleichzeitig haben sie aufgrund ihres hohen Mitteilungsdranges
auch ein extrem hohes Bedürfnis nach Vertrautheit und sozialen Beziehungen.
Durch das Progesteron kommt es zum Abbau der Nervenverbindungen, zur Ausschüttung
von Cortisol, was zu erhöhter Reizbarkeit und zu generellen Stimmungsschwankungen
führt.
Aber denken Sie daran – alles wird gut!
Gesprächsmuffelalarm – Pubertät bei Jungen
Während das Östrogen bei Mädchen zu einer Aktivierung neuronaler
Kommunikationsfelder führt, sorgt das Testosteron bei Jungen genau für das Gegenteil.
Freuen Sie sich also, wenn Ihr Sohn zwei Sätze mit jeweils mehr als drei Wörtern mit
Ihnen redet. Jungs reden weniger. Und wenn sie es doch tun, dann vor allem innerhalb
ihrer Peergroup, sprich den Freunden und Kumpels. Insbesondere bei den Jungen zeigt
der neuronale Umbau des präfrontalen Cortex seine Folgen: Das Risikoverhalten der 13
bis 16jährigen Jugendlichen steigt mitunter um den Faktor drei an! Dies liegt vor allem
daran, dass es für Jungs besonders wichtig ist, in der eigenen Gruppe Anerkennung zu
bekommen. Dabei geht es nicht nur um die Rangordnung, sondern auch darum, von den
übrigen Gruppenmitgliedern nicht in der eigenen Autorität angezweifelt zu werden. Dies
würde in einem gesteigerten Stressempfinden münden, was Jungs nur noch mehr dazu
bewegen würde, die Konsequenzen des eigenen Handelns auszublenden.
Folgehandlungen wären also noch viel impulsiver (Amygdala!).
Null Bock! – das Belohnungssystem ist ‚out of error’
Ein bestimmter Bereich unseres Gehirns – der Nucleus accumbens – versorgt uns mit
einer körpereigenen Droge, dem Dopamin. Gelingt uns etwas besonders gut, was unsere
eigenen Erwartungen übersteigt, dann fühlen wir uns gut. Bei Jugendlichen spielt dieser
Teil verrückt – mal arbeitet er zu schnell, mal zu träge. Es verwundert daher nicht, dass
Jugendliche sich immer stärkere Kicks suchen, damit das Belohnungszentrum ihnen ein
Grinsen ins Gesicht zaubert.
Dagegen strebt ihre Motivation für andere Dinge, in denen sie keinen Sinn sehen –
Hausaufgaben etwa, oder generell in Schule – gegen null. Erwachsene interpretieren dies
dann – nicht zu unrecht – als ‚null-Bock-Haltung’.
Boah, ich bin so müüüüde! Veränderungen im Schlafverhalten
Unsere Zirbeldrüse ist dafür verantwortlich, ein Hormon auszuschütten, das uns müde
macht – das Melatonin. Bei Jugendlichen arbeitet diese Drüse nicht richtig, sodass das
Melatonin bei ihnen um ca. 1-2 Stunden verspätet ausgeschüttet wird. Das hat zur Folge,
dass Jugendliche – insbesondere Jungen – abends viel später müde werden. Doch der
Wecker klingelt für sie morgens nach wie vor zur selben Zeit. Das Problem: weniger
Tiefschlaf in der Nacht und ein noch viel zu hoher Melatonispiegel am Morgen. Die Folge:
In der Nacht kann das ‚Seepferdchen’ (Hippocampus) kaum mehr alle Informationen, die
es tagsüber aufgenommen hat an die ‚Walnuss’ (Großhirnrinde) weitergeben. Außerdem
verspüren Jugendliche morgens dieses Schlafdefizit und sind aufgrund des hohen
Melatoninspiegels immer noch müde.
Peter Köster ist Fach- und Hauptseminarleiter am Studienseminar Köln, Studiendirektor am
Gymnasium sowie Lehrbeauftragter an der Universität zu Köln.
Mit seinen Vorträgen ist er mittlerweile in ganz Deutschland unterwegs. Dabei referiert er nicht nur
vor einer interessierten Zuhörerschaft, sondern berät sowohl Pädagogen als auch Eltern in
Workshops.
Kontakt: peter.koester@uni-koeln.de
Mail: www.peterkoester.de
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Seele and Geist
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